Dienstag, 26. Mai 2015

Nicht-urteilendes Gewahrsein: Die Gewinnung des Reinen Objekts

3. Die Gewinnung des Reinen Objekts 
Reines Beobachten ist das bloße Registrieren des Objekts, seine genaue Bestimmung und Abgrenzung. Dies ist, wie der Anfänger in der Übung merken wird, durchaus keine so leichte Aufgabe, wie es den Anschein hat. Das erste wichtige Ergebnis der Übung wird nämlich sein, daß man zu seiner Bestürzung feststellt, wie selten man sich ein reines, unvermischtes Objekt vergegenwärtigt. Eine Seh-Wahrnehmung z.B. wird, wenn sie von irgendwelchem Interesse für den Betrachtenden ist, selten das reine Sehobjekt ergeben, sondern wird durchsetzt sein mit ich-bezogenen Wertfärbungen wie: schön oder häßlich; angenehm oder unangenehm; nützlich, nutzlos oder schädlich. Wenn es sich um ein lebendes Wesen handelt, wird dann noch das Vorurteil hinzukommen: «Dies ist eine Persönlichkeit, ein Ich- oder Seelenwesen, wie auch es bin.» Ein nicht durch Rechte Achtsamkeit kontrollierter Geist nimmt meist nur solche mit verschiedenen Beimischungen (Wertungen, Assoziationen usw.) versehene Objekte vollbewußt in sich auf. Mit diesen Beimischungen verquickt, sinkt dann die Wahrnehmung in das Gedächtnis-Reservoir und beeinflußt so auch künftige Objektvorstellungen, Urteile, Entscheidungen, Stimmungen usw. in oft verhängnisvoller Weise.

Goldfarben gefasster Tripitaka Pali-Kanon, Burma, um 1900 (Quelle: Auctionata AG)
Die Aufgabe der Achtsamkeit beim Reinen Beobachten ist es nun, alle diese fremden Zutaten auszusondern, sie, wenn erwünscht, für sich allein zu betrachten, das anfängliche Wahrnehmungsobjekt aber von ihnen frei zu halten. Dies erfordert beharrliche Übung, bei der die sich allmählich schärfende Achtsamkeit gleichsam Siebe von zunehmender Feinheit benutzt, die zunächst die gröberen und dann immer feinere Beimischungen ausscheiden.

Die Notwendigkeit solch genauer Bestimmung und Abgrenzung des Objekts wird in der Satipatthāna-Lehrrede durch eine regelmäßige zweimalige Erwähnung des Achtsamkeits-Objekts betont: «Er weilt beim Körper in Betrachtung des Körpers», d.h. nicht etwa in Betrachtung des hierauf bezüglichen Gefühls, wie vom Kommentar ausdrücklich erklärt. Wenn man z.B. eine schmerzende Wunde an seinem Körper betrachtet, so besteht das hier zur Körperbetrachtung gehörende Sehobjekt lediglich in der in einem bestimmten Zustand befindlichen Körperstelle. Der empfundene Schmerz ist ein Objekt der Gefühlsbetrachtung. Das mehr oder weniger bewußt gehegte Vorurteil, daß hiermit ein Ich betroffen wird, gehört zur Geistbetrachtung («verblendeter Geist») oder zur Geistobjekt-Betrachtung (über die «Fesseln», die durch den Kontakt des Körpers mit einem berührbaren Objekt entstehen). Der etwa empfundene Unwille gegen den Verursacher der Wunde gehört zur Geistbetrachtung («haßerfüllter Geist») oder zur Geistobjekt-Betrachtung («Hemmung der Abneigung»). Dieses eine Beispiel möge genügen.
Eine Hauptfunktion des Reinen Beobachtens ist also die Gewinnung eines reinen Objekts, ohne Beimischungen und ohne Ich-Bezogenheit. Die gleiche Absicht verfolgt jene bedeutsame Übungsanweisung des Buddha an den Mönch Bāhiya: «Das Gesehene soll lediglich ein Gesehenes sein, das Gehörte lediglich ein Gehörtes, das (durch die drei anderen Körpersinne) Empfundene lediglich ein (so) Empfundenes, das Erkannte lediglich ein Erkanntes.» (Udāna I, 10.) Dieser Ausspruch möge als Leitwort dienen, das die Übung des Reinen Beobachtens begleitet.

(* 21. Juli 1901 in Hanau; † 19. Oktober 1994 in Forest Hermitage, Kandy) wurde als Siegmund Feniger in Hanau geboren und war 57 Jahre lang buddhistischer Mönch in der Theravada-Tradition.)
mehr:
Satipathâna – III. Achtsamkeit und Wissensklarheit – A) Die Übung des Reinen Beobachtens (Tipitaka (Drei-Korb), der Pali Kanon  des Theravāda-Buddhismus) 

Montag, 25. Mai 2015

Männliche Sexualität – recht einfach gestrickt…

ZEITmagazin ONLINE: Wovon träumt der Mann?

Ulrich Clement: Von allem Möglichen, nicht zuletzt von der See und vom Abenteuer. Was das Sexuelle angeht, wird in der einschlägigen Literatur relativ gesichert festgestellt: Männer fantasieren anders als Frauen. Sie reagieren viel stärker auf optische Schlüsselreize. Frauen finden es erotischer, Geschichten zu hören. Männer reagieren auf das, was sie sehen.

ZEITmagazin ONLINE: Worin manifestiert sich denn dieser Unterschied? Ich hatte mir immer vorgestellt, in beider Köpfe laufe eine Art Film ab – mit Ton, Bild und Plot.

Clement: Ein nackter Frauenkörper ist – jedenfalls für einen heterosexuellen Mann – so gut wie immer anziehend. Ein nackter Männerkörper für eine Frau noch lange nicht! Ob sie diesen erregend findet, hängt davon ab, was dieser Mann sagt, wie er schaut, was er macht.

mehr:
- Wir müssen redenn – "Männer fantasieren anders als Frauen" (Wenke Husmann im Interview mit Ulrich Clement, ZEIT Online, 13.05.2015)
Zitat:
»Frauen betrachten den Film im identifikatorischen Modus, sie denken sich in die Frau hinein. Männer hingegen im objektifizierenden Modus, sie denken sich den Mann weg, der im Porno interagiert, und schauen selbst auf die Frau.«

Sonntag, 24. Mai 2015

Die Schwiegermutter hat einen zweifelhaften Ruf.

Sie will doch nur das Beste – und nervt dabei furchtbar. Die Schwiegermutter hat einen zweifelhaften Ruf. Aber ist das wirklich ihre Schuld, oder braucht einfach jede Familie einen Sündenbock?


Zunächst begriff die junge Mutter nicht. Sie wartete im Supermarkt an der Kasse und blickte ihre Nachbarin verdutzt an. Zwischen den beiden Frauen stand ein Kinderwagen und die sehr indiskrete Frage jener Nachbarin: "Von wem ist dein Kind jetzt eigentlich?"

Das war sehr unverschämt, dennoch arglos. Hatte die Schwiegermutter der jungen Frau doch zuvor gegenüber jener Nachbarin allerhand Mutmaßungen angestellt, ihr Sohn sei nicht der Vater dieses Kindes. Der habe nur ein gutes Herz und halte deshalb als Versorger her für den Balg der Schwiegertochter, die, nun ja, eine Schlampe sei. So geht die Geschichte der Schwiegermutter, die sie nicht nur gegenüber der Nachbarin zum Besten gegeben, sondern allen Bekannten im Ort erzählt hatte. Allen – außer der Schwiegertochter selbst. Die stellte zu Hause ihren Ehemann zur Rede, der schließlich eingestand: Auch er hatte es gewusst. Damit war seine Ehe zu Ende.

mehr:
- Schwiegermutter – Danke, Schwiegermonster! (Rudi Novotny, ZEIT, 24.05.2015)

Samstag, 23. Mai 2015

Welche Charaktere braucht ein gutes Team?

Wo geht's lang, und wie kommen wir dahin? Ein Team muss Entscheidungen treffen und an einem Strang ziehen. Mit welcher Besetzung geht das am besten?


Im Mittelalter sind beim Fußball noch ganze Dörfer gegeneinander angetreten, was ein ziemlicher Tumult gewesen sein muss. Mit der Zeit hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Mannschaften mit elf Spielern besser handhaben lassen. Auch in anderen Bereichen des Lebens suchen Psychologen und Wirtschaftsforscher nach optimalen Gruppengrößen. Vom Broadway bis zum Himalaya erkunden sie dafür die Dynamik verschiedener Teams, die hoch hinaus wollen.

Seit den siebziger Jahren orientieren sich Teamcoaches vor allem an einer Zahl, die auf den britischen Psychologen Meredith Belbin zurückgeht. Er beobachtete über mehrere Jahre rund 120 Teams von Führungskräften des Henley Management College, um herauszufinden, wie sich Verhalten, Funktion und Selbstwahrnehmung Einzelner auf die Gesamtleistung auswirken. Sein Fazit: Teammitglieder müssen in verschiedenem Maße handlungs-, kommunikations- und wissensorientiert sein; die besten Ergebnisse erzielt ein Team, in dem neun verschiedene Rollen besetzt sind.

mehr:
- Welche Charaktere braucht ein gutes Team? (Salome Apke, ZEIT Wissen 03/15)

What is Belbin? (A Guide to Belbin Team Roles) [2:00]

Veröffentlicht am 19.08.2014
Discover the behavioural strengths and weaknesses of the individuals that you work with. Use Belbin Team Roles to help build high-performing teams, maximise working relationships, and to enable people to learn about themselves. Engage and develop the talent that is already around you. Use Belbin.

This 2-minute clip explains why it is important to understand the way in which people behave in the workplace. Use this information to increase employee engagements and hence business performance.

Belbin Team Roles Training Bite [9:40]

Hochgeladen am 07.03.2008
An introduction to Dr Meredith Belbin's 9 Team Roles.

Belbin Team Roles Video Scribe [4:04]
Veröffentlicht am 25.07.2013
Belbin Team Roles are one of the most popular and researched models for helping groups of people work more effectively together.

At TP Human Capital we offer facilitated workshops that provide individual and team reports that allow you and your team to better understand each other's strengths and how best to utilise them. A common language to describe individual contribution in terms of preferred team roles reframes the way individuals view each other. What was seen as different is now seen as an advantage in achieving the teams goals.

For more information about how Belbin Team Roles can help you create a high performing team contact us on 07 4772 3800 or email training@tphumancapital.com.au


Mittwoch, 20. Mai 2015

Schuld und Sühne

Schuld und Sühne im zeitlosen Japan

Als junger Mann habe ich einige Zeit in einem Zen-Kloster in Kyoto zugebracht, einen beträchtlichen Teil meiner Zeit, wie mir heute scheint, denn tieferfahrene Bewußtseinserweiterung dehnt sich aus in der Erinnerung. Dieses buddhistische Kloster war Teil eines Tempelareals, und für jeden Tempel war ein eigener Priester verantwortlich. Diese Priester unterschieden sich in der Rangordnung, und je höher ihr Rang war, desto farbenprächtiger waren ihre Gewänder. Einmal im Monat versammelten sie sich im reich ge schmückten Haupttempel zum Tanzen (nicht im Kloster, denn im Kloster lernten die ZenSchüler, wie sie mit Übungen und Meditation die Erleuchtung erlangen können).

Ich habe mir diese Priestertänze angesehen. Einige der jungen Mönche, meine Freunde aus dem Kloster, kümmerten sich um die Musik. Es gab einen Schlagzeuger, einen Perkussionisten, einen Typ an den Gongs, und alle sangen. Das Singen klang so wie in den surrealen japanischen Filmen heutzutage: hohe, durchdringende Töne, die plötzlich abbrechen, als ob jemand die Kehle des Sängers durchgeschnitten hat…; heiseres Stöhnen, pochende Rhythmen und gelegentlich jazzige Ausbrüche mit Scat oder Rap und sogar Gesänge, die jedem Trommelschlag einen ganzen Text zuordneten. Während die Mönche ihren Tanz aufführten und die weiten Ärmel ihrer schwarzen Gewänder flattern ließen, schlurften die ehrwürdigen Priester in ihren Brokat- und Seidengewändern umher. Einer der Priester, ein Bonze namens Roku, war größer und dicker als alle anderen. Er konnte seine platten Füße erstaunlich schnell heben und seine Körpermasse erstaunlich behende bewegen und vollführte sogar Solotänze, während seine leichtfüßigen Glaubensbrüder ihn begleiteten. Dieser Startänzer war ein hochrangiger Priester. Er war der einzige, der ein Auto besaß (damals, in den 50er Jahren, gab es nur wenige Autos). Rokusan beeindruckte mich sehr. Auch die Mönche waren von ihm beeindruckt, grinsten immer voller Neid und schlugen sich auf den Hintern (eine spöttische Geste der japanischen Unterschicht), wenn sie seinen Possen beiwohnten. Aus dem, was man sich erzählte, vernahm ich, daß der «Beerdigungspriester» Roku gute Gewinne machte, indem er sich um die toten Reichen kümmerte und ihren Seelen einen sicheren Übergang in den buddhistischen Himmel garantierte. Ich wurde damals von Krämpfen in den Beinen und Hämorrhoiden geplagt (das kam von den Meditationen im Lotussitz) lind hatte keine Gelegenheit, den Werdegang des tanzenden Priesters ,zu erforschen. Meine Fragen nach seiner Herkunft blieben offen.

Fragen formulieren Antworten, und diese spezielle Frage tauchte in einem meiner Träume auf. Der Traum beantwortete auch andere Fragen. Und obwohl Zen sich nicht besonders um die Fragen von Gut und Böse kümmert, da es sich mit jener Leere beschäftigt, die jenseits von Verbrechen, Rache oder Sühne existiert, und Vergehen eher mit Unwissenheit entschuldigt und weniger anklagt, fragte ich mich, ob ein ZenPriester wohl habgierig sein darf.

Vielleicht liegt es an meinem besonders visuellen Gedächtnis. Ich erinnere mich an viel Verwerfliches, das in diesem Kloster passierte, an viele menschliche Schwächen. Einige Priester zogen sich Anzüge an, verbargen ihre kahlen Köpfe unter Hüten und kletterten über die KJostermauern, um sich hastig ins Vergnügungsviertel zu begeben, wo sie jene Spenden verpraßten, die ihnen die zum ewigen Leiden verdammten Laien zukommen ließen, wenn sie, die Papa-sans und Mama-sans, an den Sonntagen uns besuchten, um ihre Ersparnisse zu verteilen. Hot dogs wurden in vegetarischen Küchen verspeist. Zigaretten aus dunklem Tabak wurden in Reiswein getunkt, bevor ihr aufputschender Rauch eingesogen wurde. Kleine Transistorradios wurden in Ärmeln versteckt und während der Meditationsstunden mit Ohrhörern benutzt. All das machte mir nichts aus, wohl aber Roku, dem Priester, der über den Tempelhof wirbelte mit seinen herumfliegenden orange und rot gefärbten Seidenschals, den grotesk gestikulierenden Ärmeln und den Sonnenstrahlen, die auf seinem schwitzenden fetten Schädel glänzten – bei seinem Anblick fragte ich mich, ob vom Tao, dem Weg der Rechtschaffenheit, dem Weg des Nichts und der Weisheit, den ich gehen wollte, überhaupt noch etwas übriggeblieben war.

Man wird ja wohl noch mal fragen dürfen ...

Die Zeit verging. Ich verließ das Kloster und zog zu einem französischen Geschäftsmann, der in einem wohlhabenden Vorort von Kobe lebte. Die Küche des Hauses leitete ein chinesischer Koch, und ich bekam andauernd Nudeln (mit Beilagen natürlich) als Lohn dafür, daß ich die Kunstsammlung meines Gastgebers katalogisierte. Meine Arbeitszeit war kurz, und ich hatte die Wochenenden frei. Ich konnte sogar mein eigenes Badezimmer benutzen, und dort saß ich dann zwischen weißen leuchtenden Lilien und erfreute mich am Frühlingswind, während ich ab und zu meinen Blick hob und mein Nachsinnen über die Weisheit auf der Comic-Seite der Wochenendzeitung unterbrach, um den Wald auf einer Erhebung am Horizont zu betrachten. Ich bekam nie heraus, was ich dort eigentlich betrachtete. War dort ein Schrein versteckt zwischen den Pinienbäumen, ein kleiner buddhistischer Tempel mit einem schiefen Dach? Bewegte sich dort unter dem Dach etwas, ein grauer Schatten? Ein tanzender Schatten?

Ich verbrachte ebenfalls viel Zeit damit, durch die kleinen und diskret geöffneten Fenster des Badezimmers auf die zahlreichen, aus Papier und Holz gebauten Häuser hinunterzublicken. Die Villa des Franzosen befand sich auf einem Hügel, und man konnte von dort auf diese aus Fertigteilen gebaute Siedlung hinunterblicken, die recht schnell anwuchs. In diese pittoreske Altjapanische-Siedlung-mit-modernem-Komfort sollten, so sagte man mir, bald Staatsangestellte der mittleren Laufbahn einziehen. Bald schon kamen die ersten Auserwählten, und ich sah Männer in bequemen Baumwollkimonos, die ihr Wochenende genossen, indem sie es sich auf ihren mit Strohmatten ausgelegten Fußböden bequem machten in ihren Räumen, die kunstvoll spärlich eingerichtet waren, und sich von ihren anmutig knienden Ehefrauen grünen Tee und Seetangkekse auf rotlackierten Tabletts servieren ließen, während die Kinder draußen in den moosbewachsenen Gärten zwischen den dekorativen Büschen herumtollten. Ich sah auch einen älteren Mann sich an die Brust fassen und vornüberkippen, seine Frau oder Haushälterin zum Telefon laufen, einen Krankenwagen zu spät und einen Priester zur rechten Zeit kommen. Die singende Stimme des Priesters und der Duft der Räucherkerzen wehten hinauf zur Villa des Franzosen. 

In dieser Nacht unterhielt mich Monsieur de Monnaie, mein Wohltäter, und sein chinesischer Koch kochte all jene Gerichte, von denen es hieß, die Kaiser der T’ang-Zeit hätten sich damit verwöhnen lassen. Wir tranken auch den ganzen Schnaps aus, bevor wir zum Bier wechselten. Mein Gastgeber erzählte in mehreren Sprachen von seiner glorreichen Vergangenheit und seinen derzeitigen Plänen und verlor seine neuen Zähne, die zu Boden fielen und von den koreanischen Dienern aufgehoben wurden. Erschöpft von diesem geselligen Zusammensein und meiner Teilnahme daran, schaffte ich es irgendwann, in mein Zimmer zu wanken und fiel dort in einen unruhigen Schlaf. 

Im Traum reiste ich in Japans unbewohnbaren Westen. Ich war ein Mönch. Der Zen-Meister des Klosters in Kyoto hatte mich von den Versuchungen in Kobe abberufen und mich für weitere Studien aufs rauhe Land geschickt. Auf zerschlissenen Sandalen war ich den ganzen Tag lang über gefrorene Sümpfe gewandert und froh, als ich endlich einen Schrein im Schatten von Pinienbäumen erreichte, der auf einer Anhöhe errichtet worden war. Ein alter, zahnloser Einsiedler in einem geflickten grauen Gewand hieß mich nicht direkt willkommen.

«Hochwürden», sprach ich ihn an, «ich bin ein demütiger Mönch der Rinzai-Sekte» - als ob er das nicht bemerkt hätte, ich trug schließlich den gleichen, aus Knochen gefertigten Ring am Gewand wie er - «und auf der Suche nach Erleuchtung und ganz speziell auf der Suche nach einem Quartier für die Nacht. Wie geht es Ihnen? Und bitte seien Sie mir gefällig.»

Der grobschlächtige Kerl verwies mich barsch an das Dorf jenseits der Anhöhe.

Die Dorfbewohner hatten bessere Manieren als der Einsiedler. Etwa fünfzig Leute hatten sich im Bürgerhaus versammelt und bestimmten einen Dorfrat, der mich in sein Haus führte, mich verköstigte und mir ein Bett gab.

«Entschuldigen Sie, Hochwürden», sagte der Dorfrat, «aber im Bürgerhaus findet eine wichtige Versammlung statt, die meine Anwesenheit erfordert.» Und er lief davon.

Mir schien, daß ich nur wenige Minuten geschlafen hatte, als mein Gastgeber schon wieder zurückkam. «Entschuldigen Sie, Hochwürden.» 

«Ja?» Ich rieb mir die Augen.

«Bitte.» Er war den Tränen nahe. «Mein Vater, der Dorfvorsteher, er ist heute gestorben. Und da Sie ein heiliger Mann sind, obwohl Sie blaue Augen haben und unserer Sprache kaum mächtig sind, und weil Sie vorhin so müde und hungrig waren, wollte ich Sie nicht mit meinen Sorgen belasten und habe Sie einige Stunden schlafen lassen. Doch in wenigen Stunden ist Mitternacht, und alle Dorfbewohner bereiten sich darauf vor, den Ort zu verlassen.»

«Haben Sie ein Problem?» fragte ich.

«Sie müssen mit uns kommen, Hochwürden.» Der Dorfrat erklärte mir seine schwierige Lage. Offensichtlich gab es in diesem Dorf ein Tabu in bezug auf Verstorbene: Sie mußten in der Nacht allein gelassen werden. Es gab eine Scheune einige Kilometer entfernt, wo alle Dorfbewohner bequem übernachten konnten. Am Morgen würden wir dann alle wieder zurückkehren.

Ich hatte keine Lust, schon wieder loszuziehen, und erinnerte mich daran, daß ich ein Mönch war. «Dorfrat-san, zeigen Sie mir bitte die sterblichen Überreste Ihres Vaters.»

Der alte Mann lag, angezogen mit seinen besten Gewändern, auf einem langen Tisch. Kerzen und Räucherstäbchen brannten. Reiskuchen und verschiedene Süßigkeiten häuften sich in Schalen.

«Ich werde hierbleiben», sagte ich, «Und die nötigen Gebete des Todes und der Wiedergeburt singen.»

«Wir werden Sie morgen früh bezahlen, Hochwürden.» Voller Angst hob ich meine Arme, denn ich erinnerte mich an die Verführungen, denen ich in Kobe ausgeliefert gewesen war: «Keine Bezahlung!»

Die Dorfbewohner gingen davon, und ich setzte mich in der korrekten Haltung neben die Leiche des Dorfvorstehers (gerader Rücken, Bauch nach vorn gedrückt), zog mein Gewand zurecht, betätigte meine Glocke und sang meine Gebete.

Mitternacht näherte sich, und ich mußte eingenickt sein, aber ein kalter Schauer weckte mich, und ich bemerkte, wie ein grauer gedrungener Schatten das Haus betrat. Ich schlug meine Glocke, aber sie blieb stumm. Ich versuchte zu singen, doch meine Kehle war zugefroren. Der graue Schatten beugte sich über den Kopf des Verstorbenen und verschluckte ihn in einem Stück. Den restlichen Teil der Leiche verschluckte er ebenfalls, und dann machte sich der Schatten über die Süßigkeiten her. Ich konnte nichts weiter tun als zittern. Dann stand der Geist auch schon in der Tür, stöhnte, verbeugte sich und verschwand.

Bei Tagesanbruch kehrten die Dorfbewohner zurück und wunderten sich keineswegs darüber, daß ihr verstorbener Ortsvorsteher verschwunden war. «Das passiert jedesmal» , erklärte der Ratsherr. «Natürlich sparen wir die Begräbniskosten, aber wir mögen es trotzdem nicht. Vielen Dank, daß S.ie über Nacht geblieben sind, Hochwürden, können Sie uns erzählen, was passiert ist?»

Ich erzählte es ihm und den anderen Einwohnern.

Eine schöne junge Frau kniete vor mir nieder und bat mich, den Ort von seinem Fluch zu befreien.

«Natürlich nicht umsonst», fügte der Ratsherr hinzu.

Ich erinnerte mich an Kobe und an meinen strengen Zen-Meister, der meinen schwachen Geist kannte und mir gedroht hatte, er würde mich auf falsche Erkenntnispfade schicken, solange bis ... Das hatte er nie gesagt. Die junge Frau lächelte süß. Ich schielte fürchterlich: «Keine Bezahlung, wenn ich bitten darf.»

«Was für ein heiliger Mann», seufzte die junge Frau.

Was mich an etwas erinnerte: Sie hatten doch einen eigenen Heiligen. Ich fragte nach dem Einsiedler auf der Anhöhe. «Wer?» fragten die Dorfbewohner.

«Mein Mitbruder aus dem Rinzai-Kloster», sagte ich. «Der alte Knabe mit dem Knochenring an der Kutte.» Ich berührte meinen eigenen: «So wie dieser.»

Leere Blicke.

«Er hat einen Tempel dort oben auf dem Hügel.» Ich zeigte darauf.

Kein Tempel, kein Einsiedler, kein Ring, versicherten sie mir.

Ich verließ sie und begab mich zur Anhöhe. Der Tempel war immer noch dort und der Einsiedler ebenfalls.

«Du also», sagte ich. Er war der Schatten gewesen, der den Ortsvorsteher und seine ganzen Süßigkeiten verspeist hatte, und tatsächlich war es Roku, der tanzende Priester aus dem Kloster in Kyoto. Er sei, so erklärte er mir, die Verkörperung aller hochrangigen tanzenden Priester, die «in Beerdigungen machten», den schmerzlosen Übergang ins Jenseits garantierten, gepfefferte Rechnungen schrieben, nach Cadillacs, RollsRoyces, Infinitis und Luxus gierten und mit den Geishas der Stadt verkehrten.

Das lockere Leben. Der Fettwanst auf dem Lande.

«Doch sieh nur, wohin es mich gebracht hat», jammerte der Einsiedler. Und seine Umrisse verschwanden, wie auch sein Tempel.

«Hilfe, Hilfe!» Seine schwache Stimme verfolgte mich, als ich weitermarschierte, über verschneite Berge und eisige Pfade.

Ich erinnerte mich an die Bitte der schönen jungen Frau, an die schwierige Lage der Dorfbewohner, an die Ermahnungen meines Meisters. «Na gut», sagte ich mir, «ich leide so sehr, daß ich auch noch dein Leid auf mich nehmen kann. Fahr zum Himmel, Roku-san!»

Man sollte vorsichtig mit solchen Angeboten sein, selbst dann, wenn man hübschen Frauen aus Träumen imponieren will. Auch der Drang, Heiligkeit zu erlangen, ist geprägt von Selbstsucht. Und abgesehen davon wird in Alpträumen nicht vergeben. Bald schon war ich ein böser Geist, der Leichen in kleinen Dörfern verspeist.

Ich erwachte.

An diesem Tag nahm ich mir frei, und anstatt Kunstwerke zu katalogisieren, machte ich einen Spaziergang hinter dem Anwesen des Franzosen. Jenseits des Ortes betrat ich den Wald, den ich von meinem Badezimmer aus gesehen hatte. Es gab dort Pinien, aber nichts weiter. Ich hatte erwartet, wenigstens einen zerbrochenen Grabstein zu finden, von Flechten überzogen, auf dem mit kaum noch lesbaren Buchstaben eingeritzt worden war, daß hier einst ein Mönch begraben worden war. Ein habgieriger Mönch.

Also ging ich zurück. Am Abend, als ich aus dem Badezimmer blickte, entdeckte ich wieder einen seltsamen verschwommenen Fleck zwischen den Pinien am Horizont. Ein Schrein, dachte ich. Und von diesem Schrein löste sich ein grauer Schatten, der zu tanzen begann und sich verbeugte. Er winkte, hob ein Bein, sprang und war für immer verschwunden.


siehe:
- Zum Tode von Janwillem van de Wetering – Outsider in Amsterdam (Kerstin Schoof, CulturMag, 02.08.2008)
Zitat:
Explizit findet sich die Philosophie zum Krimi jedoch an anderer Stelle, denn einen Namen machte sich Janwillem van de Wetering nicht zuletzt als Experte für Zen-Buddhismus. Über Jahrzehnte hinweg entstand so eine Trilogie lakonischer Erfahrungsberichte, in der er seine Auseinandersetzung mit Meditation und klösterlicher Lebensweise verarbeitet. Der leere Spiegel zeichnet van de Weterings Aufenthalt im Kloster Daitoku-ji in Kyoto in den Jahren 1958 und 1959 nach, wo sich der damals 26jährige Philosophiestudent Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens erhofft. Statt erhabener Einsicht erwarten ihn endlose, schmerzhafte Stunden im Lotussitz, Disziplin und Gehorsam: „Ich, ein Zugvogel, ein Beatnik – es gab damals noch keine Hippies – ein Ungebundener, ausgerechnet ich hielt jetzt feste Zeiten ein und stellte mich in Schlangen an“. Erst Jahre später, in einer Zen-Gemeinde in den USA, gelingt es van de Wetering, Koans zu lösen und in der winterlichen Einsamkeit von Maine etwas von der Befreiung zu spüren, die er in Japan noch vergeblich gesucht hat (Ein Blick ins Nichts, 1975). Umso überraschender beschäftigt er sich Ende der 1990er Jahre in Reine Leere – wie immer alles andere als verbittert – mit den Absurditäten und Widersprüchen organisierter Religion und demaskiert insbesondere seinen früheren nordamerikanischen Meister, der die Gemeinde durch ein Geflecht von Psychoterror, Begünstigungen und Misshandlungen der Schüler längst gegen die Wand gefahren hat. Van de Wetering verabschiedet sich hier jedoch nicht vom Zen, sondern von dessen nihilistischer Seite, von Gleichgültigkeit und Weltflucht. Der „Coolness des Nichts“ setzt er abschließend das Ideal einer leidenschaftlichen Kreativität im Hier und Jetzt entgegen – eine Kreativität, die Janwillem van de Wetering selbst Zeit seines Lebens auf den unterschiedlichsten Gebieten praktiziert hat.

- The Philosophical Exercises of Janwillem van de Wetering (Henry Wessels, Avram Davidson.org) 
Zitat:
Van de Wetering clarifies the focus of the new novels and his use of the word amoral by citing a passage from Robert Powell’s epilogue to The Wisdom of Sri Nisargadatta Maharaj (Globe Press/Blue Dove Press, 1992): 
 The point is that man freed from his fetters is morality personified. Such a man therefore does not need any moralistic injunctions in order to live righteously. Free a man from his bondage and thereafter everything else will take care of itself. On the other hand, man in his unredeemed state cannot possibly live morally, no matter what moral teaching he is given. It is an intrinsic impossibility, for his very foundation is immorality. That is, he lives a lie, a basic contradiction: functioning in all his relationships as the separate entity he believes himself to be, whereas in reality no such separation exists. His every action therefore does violence to other `selves' and other `creatures,' which are only manifestations of the unitary consciousness. So Society had to invent some restraints in order to protect itself from its own worst excesses and thereby maintain some kind of status quo. The resulting arbitrary rules, which vary with place and time and therefore are purely relative, it calls `morality,' and by upholding this man-invented `idea' as the highest good — oftentimes sanctioned by religious `revelation' and scriptures — society has provided man with one more excuse to disregard the quest for liberation or relegate it to a fairly low priority in his scheme of things.
  From a pair of police officers in Amsterdam to a peaceful porcupine, the scope of work of van de Wetering can best be described as diverse. In this rare interview, he discusses Zen Buddhism, police work, lovable porcupines and why he settled in Surry, Maine.


yyy

Dienstag, 19. Mai 2015

Sozialpsychologie – Hilfsbereitschaft unter Fremden

Die Wahrscheinlichkeit, mit der Großstädter einem Unbekannten in einer Notlage beistehen, variiert beträchtlich von Ort zu Ort. Eine aufwendige Vergleichsstudie deckte erstaunliche Zusammenhänge auf.
mehr:
- Hilfsbereitschaft unter Fremden (Robert V. Levine, Spektrum, 01.08.2003)
Zitat:
Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau schrieb im 18. Jahrhundert, Städte seien Abgründe für das Menschengeschlecht. Doch wie meine Erlebnisse in New York und Rangoon zeigten, sind nicht alle Städte gleich. Orte haben wie Individuen ihre eigene Persönlichkeit. Welche Umgebung fördert Altruismus am meisten? In welchen Städten wird einer Person in Not am ehesten geholfen? Ich habe die letzten 15 Jahre fast ausschließlich dieser Frage gewidmet.

Meine Studenten und ich sind durch die USA und viele Länder der Welt gereist, um zu beobachten, wo Passanten einem Fremden am bereitwilligsten beistehen. In jeder der untersuchten Städte führten wir fünf verschiedene Feldversuche durch. Unsere Studien konzentrierten sich auf einfache Hilfeleistungen, die kein großes Heldentum erfordern: Wird ein unabsichtlich fallen gelassener Schreibstift von einem vorbeigehenden Fußgänger aufgehoben? Wird einem Menschen mit verletztem Bein geholfen, wenn er eine Zeitschrift vom Boden aufzuheben versucht? Wird jemand einen Blinden über eine verkehrsreiche Kreuzung geleiten? Wird jemand bereit sein, einen Vierteldollar in kleinere Münzen zu wechseln? Nehmen sich Leute die Zeit, einen adressierten und frankierten Brief, der anscheinend verloren gegangen ist, einzuwerfen?

Montag, 18. Mai 2015

Väter arbeiten am längsten - am Arbeitsplatz

Zuhause sind es in der Regel die Frauen? Neue Zahlen des Bundesamts für Statistik
Erwerbstätige Väter im Alter von 25 bis 49 Jahren leisten die meisten wöchentlichen Arbeitsstunden ab, im statistischen Durchschnitt 42. Danach kommen Männer ohne Kind mit 41 Stunden.

Warum Väter mehr Zeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen - ob sie den Küchenarbeiten, der Wäsche, dem Einkaufen, dem Aufräumen, anderen lustvollen Hausarbeiten oder der manchmal mühevollen Betreuung des Nachwuchses aus dem Weg gehen oder ob sie einfach mehr Verantwortung im Job übernehmen, um Einkünfte zu sichern - dazu liefern die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts keinerlei Hinweise.

Anhand der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit der erwerbstätigen Mütter, "rund 27 Stunden" (in ganz Deutschland und nicht nur im Westen, wie zuvor versehentlich geschrieben, Einf. d.A), und damit 10 Stunden weniger als gleichaltrige Frauen "ohne im Haushalt lebendes Kind", läßt sich jedoch eine Beobachtung bestätigen, die aus dem Bekanntenkreis stammt: Die Paare mit Kindern, bei denen die Frau Vollzeit arbeitet und der Mann Teilzeit, sind noch immer die Ausnahme.

Es hält sich die herkömmliche Aufteilung: Der Mann verfolgt nach Geburt der Kinder den Beruf weiter, oft mit noch mehr Einsatz. Die Frau steckt beruflich zurück, begnügt sich mit einem Zusatzverdienst und steckt viel Zeit in den Haushalt, das Herumkutschieren und die Erziehung der Kinder sowie in die Organisation von Kindergeburtstagen.

Im Osten, wo bekanntermaßen die Kinderbetreuung seit Jahrzehnten staatlich besser geregelt war und das Selbstverständnis der Frauen und Mütter weniger traditionell verankert als etwa im Herdprämien-Bayern, fällt denn auch der Unterschied zwischen den Arbeitszeiten anders aus.

mehr:
- Väter arbeiten am längsten - am Arbeitsplatz (Thomas Pany, Telepolis, 12.05.2015)

mein Kommentar:
Wir wundern uns, weshalb Deutschlands Frauen so wenige Kinder bekommen. Was ich in den letzten Wochen anläßlich des Streiks der Erzieher im Fernsehen gehört und gesehen habe ist, daß Kinder hauptsächlich als Belastung wahrgenommen werden…

Sonntag, 17. Mai 2015

Tierische Intelligenz – tierischer Geist: tierische Seele?

Krähen vollbringen geistige Leistungen, die nur Menschen und Affen zugetraut wurden: Sie ordnen Spielkarten nach abstrakten Kategorien - für die Lösungen müssen sich Menschen sehr konzentrieren.
Hamburg - Krähen können abstrakte Zusammenhänge erkennen - und zwar spontan, ohne vorheriges Training. Das schreiben Forscher aus Russland und den USA, die zwei Aaskrähen verschiedenen Tests unterzogen, in der Fachzeitschrift "Current Biology".

mehr:
- Intelligenz: Krähen lösen abstrakte Aufgaben (Elena Zelle, SPIEGEL, 22.12.2014)
Tiere haben Bewusstsein (mmnews, 24.10.2013)
Mit dem Finger auf Zahlen tippen? Mit einem Partner Probleme lösen? Alles kein Problem für Schimpansen. Sie könnten viel klüger sein als bisher angenommen, vermuten Forscher. Manche Aufgaben bewältigen sie sogar besser als Menschen.

Können Tiere denken? (Doku) [52:07]

Veröffentlicht am 21.04.2013
Sind Tiere in der Lage, ihre bisherigen Erfahrungen zu nutzen und sie in einer neuen Art zu kombinieren, um Probleme zu lösen? Die Wissenschaftsdokumentation begleitet bedeutende Forscher verschiedener Disziplinen, die sich von bisher gültigen Lehrmeinungen über die Intelligenz von Tieren verabschieden. Sie präsentiert Tests und Feldversuche, mit denen die erstaunlichen Fähigkeiten von Tieren im Hinblick auf Abstraktionsfähigkeit, soziales Denken, Kommunikation sowie Raum- und Zeitverständnis untersucht werden. Die Wissenschaftler wollen vor allem herausfinden, was in den Köpfen von Tieren vorgeht, und ob man diese Vorgänge vielleicht als Denkprozesse bezeichnen könnte. An mehreren Beispielen wird gezeigt, dass die bisher angenommenen Unterschiede zwischen Menschen und Tieren im kognitiven Bereich immer mehr schwinden.
Doku | 2012

Intelligenz + Tiere - Überraschungen + Forschungsfortschritte [28:11]
Hochgeladen am 13.01.2012
Intelligenzbestien - 3sat hitec vom 05.07.2010
Schimpansen und Orang-Utans gelten als die intelligentesten Tiere der Welt.
Sie erkennen sich im Spiegel, verstehen, was die anderen Affen in ihrer Gruppe vorhaben.
Aber Forscher finden langsam auch andere Tiere, die ihr Spiegelbild
erkennen Raben, Elstern und Delphine zum Beispiel. Müssen wir unser Verständnis von Tieren überdenken

siehe auch:
Intelligente Tiere (Post, 04.11.2014)
Haben Tiere doch ein Bewußtsein? (Regine Halentz, Bild der Wissenschaft, 7/1997)
Neurowissenschaftler bestätigen Bewusstsein bei nichtmenschlichen Tieren (Regine Halentz, Bild der Wissenschaft, 7/1997)
- Bewußtsein – Kann Tieren etwas peinlich sein? (Lydia Klöckner, ZEIT Wissen, 3/2014)
Affen fallen vom Baum, Hunde rutschen im Matsch aus, Vögel fliegen gegen Schornsteine: Tiere blamieren sich manchmal. Aber ist ihnen das auch bewusst?
- 5.3.2 Was verstehen Tiere von mentalen Zuständen? (in: Tobias Starzak, Kognition bei Menschen und Tieren: Eine vergleichende philosophische Perspektive, Googlebooks)
- Tierisch bewusst (Dtefanie Reinberger, DasGehirn.Info, 27.08.2013)

Samstag, 16. Mai 2015

Junge Flüchtlinge – Am Ende der Welt

15 vorbestrafte junge Flüchtlinge leben seit März in einem Industriegebiet am Bullerdeich. Bald darauf brennt ihre Unterkunft. Sind die Jungs noch zu retten?
mehr:
- Junge Flüchtlinge – Am Ende der Welt (Sebastian Kempkens, ZEIT, 15.05.2015)

Freitag, 15. Mai 2015

Ich wusste nicht, dass ich in einer gewalttätigen Beziehung steckte

Er hat über ein Jahr lang lang versucht, mich rumzukriegen. Wir waren zwei Jahre lang befreundet, dann kamen wir uns näher. Als er mit seiner damaligen Freundin Schluss machte während ich auf dem College war, sagte er mir, dass er mit mir zusammen sein wollte. Dass er mich liebte und dass er mich brauchte.

Ich hatte noch nie einen Freund gehabt. Deshalb wollte ich natürlich einen. Aber ich zögerte, mich auf ihn einzulassen, denn er neigte dazu, um sich zu schlagen. Er entschuldigte sich danach immer. Und er sagte, dass er so sehr mit mir zusammen sein wollte, dass es ihm Schmerzen bereitete. Nachdem er mich monatelang wieder und wieder gefragt hatte, stimmte ich schließlich zu.

Was darauf folgte, war die übliche Phase des Verknalltseins in einer frischen Beziehung. Ich war noch auf dem College und er beendete gerade die High School. Wir reisten viel hin und her, um uns möglichst oft zu sehen, aber hauptsächlich war es eine Fernbeziehung. Wir telefonierten stundenlang, er machte mir Geschenke und sah mich an, als sei ich das Wertvollste auf der ganzen Welt.

Als er mit der Schule fertig war, kam er an mein College und wir verbrachten jede freie Sekunde miteinander. Also im selben Raum. Er hing die meiste Zeit vor seinem Computer. Wenn wir nicht in Kursen saßen, saß er vorm Computer und spielte "World of Warcraft" während ich auf seinem Laptop "Solitaire" spielte.

Wenn ich Witze über das Spiel machte, schrie er mich an. Wenn ich ausgehen oder etwas spontan unternehmen wollte, verbot er es mir. Er musste spielen und ich musste im selben Zimmer sein, weil er meine Anwesenheit als "beruhigend" empfand. Weil ich eine gute Freundin sein wollte, blieb ich.

mehr:
- Ich wusste nicht, dass ich in einer gewalttätigen Beziehung steckte, weil mein Freund mich nie geschlagen hat (Huffington Post, 11.05.2015)

Am Anfang war es Liebe… [1:47]  

Veröffentlicht am 23.10.2014
Hinter den meisten Fällen von häuslicher Gewalt war einmal Liebe!
http://bit.ly/16-tage
Häusliche Gewalt liegt vor, wenn Personen innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten familiären, ehelichen oder eheähnlichen Beziehung physische, psychische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen. Die enge Beziehung zwischen Opfer und Täter definiert, was zu häuslicher Gewalt gehört.
In der Schweiz entfällt mit 15‘810 Straftaten (2012) ein beträchtlicher Anteil (39%) der Gewaltstraftaten auf den Bereich „Häuslicher Gewalt“. Beispielsweise geht etwa ein Drittel der statistisch erfassten Vergewaltigungen (197 Fälle im Jahr 2012) auf das „Konto“ der häuslichen Gewalt.
Dieser Film entstand im Auftrag des cfds für die Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen".
www.cfd-ch.org/16tage
Projektleitung: Amanda Weibel, cfd
Konzept und Regie: Elio Lüthi und Jasmina Courti
Design und Animation: Studio Oiler / oiler.ch
Sounddesign: Kurt Human
Text: Christian Stüdi
Sprecherin: Grit Röser


Donnerstag, 14. Mai 2015

Selbstlosigkeit versus Egomanie: Lieben – oder lieber lassen?

Kolumne „Zwischen den Zeilen“. Heute der, morgen die: In der Partnerwahl gibt es scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten. Wie kann die echte Liebe da noch überleben? Und haben wir darüber die Fähigkeit zur Selbstliebe verloren?

Wer gefühlsduseligen Zuspruch in der Literatur sucht, ist mit Philip Roth schlecht beraten. In Roths Roman „Sabbaths Theater“ onaniert der Protagonist und Puppenspieler Sabbath auf das Grab der Geliebten. Es ist seine Art der Trauer. Und während der Leser noch darüber nachsinnt, ob er diesen Akt für eine wunderliche Perversion im besten Sinne halten und verurteilen soll, lässt der Autor die vielen anderen Liebhaber der Toten nach und nach ebenfalls auf das Grab der Geliebten masturbieren.

Die Individualität des Scheiterns
So entsteht Komik und Bande. Ein Liebesritual schwitzender, masturbierender, alternder Männer, die sich nicht anders zu helfen wissen, als ein diffuses Gefühl (das man durchaus Liebe nennen könnte) fleischig und wulstig auf ein Grab und in die Welt zu tragen. Der Onanieakt wird schließlich zur alle einenden Gemeinsamkeit. Der Lebenden wie der Toten. Zu einer in seiner verzweifelnden Ausführung durchaus tröstenden Handlung.

In Roths bizarrer Geschichte steckt die Erkenntnis, dass sich Menschen sogar in der vielleicht extremsten Form einer Liebesbekundung ähneln. In der Liebe sind wir alle gleich. Austauschbar. Sie ist die wohl schönste Form der Beliebigkeit. Glück egalisiert. Erst im Scheitern erwächst so etwas wie Individualität.

Doch auch in der Liebe will man gleich und gleichzeitig anders sein. Sabbath ist anders und dennoch nicht anders genug.

Es gilt, leidenschaftlich zu lieben, wie es das Bild der romantischen Liebe in Literatur und Film vorgibt – und dabei sein Glück ganz individuell zu finden. Die Liebe scheitert nicht selten bei eben diesem Versuch, das individuelle Glück auf einem kollektiven Versprechen zu betten.



„Millionen Menschen verschwenden riesige Mengen Energie, indem sie verzweifelt versuchen, die Realität ihres Lebens mit dem unrealistischen Mythos der romantischen Liebe in Einklang zu bringen“, schreibt der Psychiater M. Scott Peck. [siehe auch: Wolfgang Scherf, Zarte Sehnsuch, süßes Hoffen ,Word-Dokument-Download]

Liebe wird heute an unerhörte Erwartungen geknüpft. Das Glück in der Liebe zu suchen, wird zur gesellschaftlichen Konvention. Liebe wird zum Ideal, teilweise bis zur Unkenntlichkeit aufgeblasen. Wer nicht liebt, lebt nicht. Zu lieben wird zentraler Bestandteil im festen Programm individualisierter Selbstverwirklichung. Wir knüpfen all unser Glück dieser Welt an ein einziges Gefühl. An einen einzigen (möglicherweise zuvor völlig fremden) Menschen. Die Gefahr des Scheiterns ist dabei permanent. Oder spieltheoretisch gesprochen: Liebe wird zum wohl größten Risiko, dass der moderne Mensch einzugehen bereit ist.

mehr:
- Selbstlosigkeit versus Egomanie: Lieben – oder lieber lassen? (Timo Stein, Cicero, 15.05.2015)

Conversation: Philip Roth [9:10]

Hochgeladen am 05.10.2007
11-10-2004

Mittwoch, 13. Mai 2015

US-Gefängnisse: Hölle für psychisch erkrankte Häftlinge

Human Rights Watch berichtet, dass Insassen mit psychischen Störungen häufig Opfer von Gewalt des überforderten Gefängnispersonals werden 

Die Kassen vieler US-Bundesstaaten sind klamm, also wird gespart, zum Beispiel bei den staatlichen psychiatrischen Kliniken. Viele wurden in den letzten Jahren geschlossen. Die Folge ist, dass Gefängnisse deren Aufgaben bei straffällig gewordenen Personen mit psychischen Störungen übernommen haben. Sie sind ihnen aber nicht gewachsen. Das hat Auswüchse, die Höllenkreisen gleichkommen, wie ein Bericht der Organisation Human Rights Watch darlegt: Gegen die psychisch erkrankten Häftlinge wird deutlich mehr Gewalt angewendet als gegen die anderen Insassen der Strafvollzugsanstalten. 

Es sind viele: Etwa 360.000 Häftlinge in US-Strafvollugsanstalten sollen laut einer Schätzung an ernsthaften psychischen Störungen leiden, an Schizophrenie, bipolarer Störung oder schweren Depressionen. 15 Prozent der Häftlinge in Staatsgefängnissen ("Prisons") und 24 Prozent der Insassen lokaler Haftanstalten ("Jails") leiden an psychotischen Symptomen, verbunden mit Wahnvorstellungen, ist im HRW-Bericht zu erfahren.
mehr:
- US-Gefängnisse: Hölle für psychisch erkrankte Häftlinge (Thomas Pany, Telepolis, 12.05.2015)

Rassenkrieg und USA Doku deutsch Gefängnis [42:22]

Veröffentlicht am 11.05.2015
Rassenkrieg und USA Doku deutsch Gefängnis
BITTE ABONNIEREN für weitere Deutsche DOKUS!!! Doku deutsch 2015. Danke

Ein Gefängnis ist eine meist staatliche, teilweise inzwischen auch privat geführte Anstalt zur sicheren Unterbringung von Untersuchungs- und Strafgefangenen. Sie besteht baulich in der Regel aus einem weitflächigen Areal mit äußeren Schutzeinrichtungen (Zaunanlage oder Mauer mit Wachtürmen) sowie im Inneren aus Gebäuden zur Unterbringung der Gefangenen, des Wachpersonals sowie zur Aufnahme von Sozialeinrichtungen. Die gut einsehbaren Freiflächen dienen nicht nur zum zeitweisen Aufenthalt der Häftlinge im Freien, sondern auch zur besseren Überwachung der Zaunzugänge.


Dienstag, 12. Mai 2015

Anerkennen, daß man selber der Fall ist!

Der Philosoph Bazon Brock zu unlösbaren Problemen in Deutschland {20:55}

RT Deutsch
Am 12.05.2015 veröffentlicht
Bazon Brocks Interview bei RT Deutsch in voller Länge. Bazon Brock, Philosoph und Gründer der „Denkerei“, im Interview über „Kommunikation und das Scheitern des gegenseitigen Verstehens in der Politik“, und was er Außenminister Steinmeier schon immer einmal sagen wollte.
Mehr auf unserer Webseite: http://rtdeutsch.com
Folge uns auf Facebook: https://www.facebook.com/rtdeutsch
Folge uns auf Twitter: https://twitter.com/RT_Deutsch
Folge uns auf Google+: https://plus.google.com/1068940314550... 
RT Deutsch nimmt die Herausforderung an, die etablierte deutsche Medienlandschaft aufzurütteln und mit einer alternativen Berichterstattung etablierte Meinungen zu hinterfragen. Wir zeigen und schreiben das, was sonst verschwiegen oder weggeschnitten wird. RT - Der fehlende Part.


»[…] anzuerkennen, was die Wirklichkeit ist. Durchsetzung von Glück, Durchsetzung von Kommunismus, Durchsetzung von Jesus Christus’ Heilsgeschehen, da kommen immer Katastrophen raus. Der intelligente Umgang mit der Wirklichkeit ist, anerkennen: Wir können unseren Willen nicht durchsetzen.[…], daß es eine grundsätzliche Einsicht nicht gibt, nämlich: daß es Europa ohne Russland nicht gibt. 
[…] Die westlichen Politiker kapieren nicht, womit sie es zu tun haben. […] … weil es so schwer für normale Menschen ist, anzuerkennen, daß es eine Diskrepanz gibt zwischen der Art, wie wir uns in der Welt, auch untereinander, bewegen, eben: kommunizieren ohne zu verstehen, und [dem], was die Wirklichkeit uns wirklich zumutet, zum Beispiel der Natur mit ihren Gesetzmäßigkeiten. Das ist das Entscheidende! Es ist der Machtwahnsinn, der Omnipotenzwahnsinn der Menschen, vor allem im Westen […] wir machen alles, für uns gibt’s keine Grenzen, wir machen, was wir wollen. […] Der Wahnsinn besteht in der Nicht-Anerkennung der prinzipiellen Unbeherrschbarkeit der Natur. [im Zusamenhang: als Beispiel für die Unbeherrschbarkeit der Wirklichkeit]
Die können wir unserem Willen nicht unterwerfen. Wir können auch nicht die großartigen Systemleistungen unserem Belieben unterwerfen. Das heißt ja genau: anzuerkennen, was die Wirklichkeit ist. […] Die Leute, die glauben, die Wirklichkeit ist das, was sie daraus machen, die leben in der Psychiatrie! […] Die anderen wissen ganz genau, daß es nicht in ihrem Belieben ist, was sie als wirklich definieren, was sie anerkennen. Daran mangelt’s! Mit anderen Worten: Demut, Rücksichtnahme, Selbstbeschränkung, Selbstaufgeklärtheit, d.h. Anerkennung, daß man selber der Fall ist, mit dem man eigentlich handeln muß. Nicht die anderen sind die Faschisten, die Dummköpfe, die Radikalen, sondern man muß sich selbst als potentiellen Faschisten, potentiellen Radikalen in sein Urteil miteinbeziehen…« 
[Brock in obigem Video]

Die Mittel des Trostes sind es gewesen, durch welche das Leben erst jenen leidvollen Grundcharakter,
an den man jetzt glaubt, bekommen hat;
die größte Krankheit der Menschen ist aus der Bekämpfung ihrer Krankheiten entstanden,
und die anscheinenden Heilmittel haben auf die Dauer
Schlimmeres erzeugt, als Das war,
was mit ihnen beseitigt werden sollte. 
[Nietzsche, Morgenröthe I.52, zit. nach Slaby]
siehe auch:
- Denkerei, Startseite
- Interview: "Die Wahrheit ist eine schmutzige Menschenfalle" (Interview mit Bazon Brock, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.04.2014)
»Putin ist ein Kritiker der Wahrheit. Die Wahrheit, die er kritisiert, lautet: Wir im Westen sind die Sieger der Geschichte, und die anderen glauben noch an Gespenster. Die Überlegenheit von Putins Position besteht darin, dass er nicht politisch korrekt agiert, sondern Machtpolitik betreibt. Machtpolitik heißt: Verantwortung für die großen politischen und historischen Dimensionen zu übernehmen und das Hantieren mit Begriffen wie Völkerrecht, Rechtsstaatlichkeit oder Demokratie als das zu erweisen, was es ist. Nämlich: Rationalisierung oder Ideologie oder – das wäre das Beste – Utopie. Utopien bieten die Argumente für die Kritik an der unmenschlichen Wahrheit. Sie sind ein Reservoir von prinzipiell nicht erfüllbaren Wünschen, das uns davor bewahren soll, zu glauben, dass wir uns je genügen könnten. Es gibt immer ein Mehr, immer ein Größer.« […]

Es gab ja mal eine große europäische Erzählung. Eben Rechtsstaatlichkeit, Sozialstaatlichkeit et cetera. Aber das wurde ja von uns selbst sabotiert: Rechtsstaatlichkeit durch kollektiven Rechtsbruch, Sozialstaatlichkeit durch Globalisierung. Globalisierung heißt: Als lupenreine Demokraten dürfen und wollen wir gar nicht versuchen, weltweit unsere Standards durchzusetzen, also geben wir sie gleich auf. Wenn man das den Leuten sagt, dann sind sie immer noch erstaunt. Früher waren sie bass erstaunt, wenn man ihnen Märchen erzählte, heute sind die Tatsachen das Sensationellste. Da erzählt Frau Göring-Eckardt von den Grünen, wir müssten aber bei den Stromtrassen strikt darauf achten, dass durch sie die Landschaft nicht zerstört wird. Eine tolle Logik! Leute wie sie lieferten durch die totalitäre Etablierung der Windräder doch Gründe dafür, warum eben die Zerstörung der Landschaft nicht zerstört werden dürfe – und die ganze subventionierte Gewinnmacherei wird auch noch als Triumph des freien Marktes gefeiert. Wo ist denn da die Marktwirtschaft? Das ist doch alles gar nicht „wahr“. Und Herr Putin macht uns das jetzt alles klar. Gott sei dank gibt es wieder jemanden, der dem Westen in seiner selbstüberhöhenden Ideologie gewachsen ist!

Über die Einheit von Schwindel und Schwindeln - Lügen, Tarnen und Täuschen als Erkenntnismittel {1:55:58}

Veröffentlicht am 11.04.2014
SCHWINDEL DER WIRKLICHKEIT VORBEREITUNGSBÜRO, 9.04.2014
Action Teaching von BAZON BROCK
Die Natur sei die große Lehrmeisterin, sagen die Dichter und Denker. Also lernen wir, was unsere Natur ist: Lernt zu lügen mit der großen Meisterin. Das Programm lautet: 'Hominisierung vor Humanisierung' oder 'Humanisierung ist nur durch Hominisierung möglich'. Wir haben zu wissen (sapere), dass wir Wirbel-/Säugetiere sind. Was macht den Unterschied (sapere als unterscheiden durch schmecken): Zum Beispiel zu wissen, dass der rechte Winkel kein westliches Kulturdiktat ist, sondern dass der Gleichgewichtssinn strikte Orientierung auf Abgleich von horizontal und vertikal erzwingt.
Wir sind von Natur aus kulturelle Wesen. Deshalb gehorchen alle Kulturen den gleichen Gesetzen. Sich aus der Natur der Kulturen hinauszuschwindeln, ist Pflicht für Künstler und Wissenschaftler. Sich in die eigenen Taschen zu lügen, füllt sie mit Kostbarkeiten der anderen Art, den Erkenntnissen.

Montag, 11. Mai 2015

Philip Zimbardo: The psychology of evil


Philip Zimbardo: The psychology of evil [23:10]

Hochgeladen am 23.09.2008
http://www.ted.com Philip Zimbardo knows how easy it is for nice people to turn bad. In this talk, he shares insights and graphic unseen photos from the Abu Ghraib trials. Then he talks about the flip side: how easy it is to be a hero, and how we can rise to the challenge.
Follow us on Twitter
http://www.twitter.com/tednews
Checkout our Facebook page for TED exclusives
https://www.facebook.com/TED

Das Experiment geriet sehr schnell außer Kontrolle. Nach drei Tagen zeigte ein Gefangener extreme Stressreaktionen und musste entlassen werden. Einige der Wärter zeigten sadistische Verhaltensweisen, speziell bei Nacht, wenn sie vermuteten, dass die angebrachten Kameras nicht in Betrieb waren. Teilweise mussten die Experimentatoren einschreiten, um Misshandlungen zu verhindern. Nach nur sechs Tagen (zwei Wochen waren ursprünglich geplant) musste das Experiment abgebrochen werden, insbesondere, weil die Versuchsleiter feststellten, dass sie selbst ihre Objektivität verloren, ins Experiment hineingezogen wurden und gegen den Aufstand der Gefangenen agierten. (Stanford-Prison-Experiment, Eskalation und Abbruch des Experiments, Wikipedia)
„Der schlimmste Schaden jedoch, der dem deutschen Volkskörper aus den augenblicklichen Zuständen erwachsen wird, ist die maßlose Verrohung und sittliche Verkommenheit, die sich in kürzester Zeit unter wertvollem deutschen Menschenmaterial wie eine Seuche ausbreiten wird. Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten verlangen und sie in der Öffentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewalttätige. Überraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich Angekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und pathologischen Instinkte auszutoben. Es besteht kaum noch Möglichkeit, sie im Zaum zu halten, denn sie müssen sich mit Recht von Amtswegen autorisiert und zu jeder Grausamkeit berechtigt fühlen.“– Johannes Blaskowitz: Denkschrift zur militärpolitischen Lage vom 6. Februar 1940[11]
Die Linie, die Gut und Böse trennt, geht nicht durch Staaten, Klassen oder politische Parteien – sondern durch jedes menschliche Herz – durch alle menschlichen Herzen. Diese Linie verändert sich. In uns pendelt sie hin und her mit den Jahren. Und sogar in Herzen, die vom Bösen ergriffen sind, gibt es noch einen kleinen Brückenkopf des Guten. Alexander Issajewitsch Solschenizyn (1918-2008) russisch-sowjetischer Romanschriftsteller, Dramatiker, Der Archipel Gulag, Scherz Verlag, Bern, 1974
2004 sagte Zimbardo vor Gericht im Fall von „Chip“ Frederick, einer Wache im Abu-Ghraib-Gefängnis, aus. Er argumentierte, dass Fredericks Strafe gemindert werden sollte, da sein Experiment gezeigt habe, dass nur wenige der Atmosphäre in einem Gefängnis widerstehen können. Als Systemkritiker, der sich mit dem Einfluss „toxischer Situationen“ auf menschliches Verhalten beschäftigt, reagierte Zimbardo voller Zorn auf die Behauptung der Bush-Regierung, „ein paar faule Äpfel“ seien für den Skandal verantwortlich, mit der Äußerung: „Nicht die Äpfel sind faul, sondern das Feld.“ Der Richter schien anderer Meinung zu sein, er verurteilte Frederick zur Höchststrafe. Dies führte Zimbardo in einem Interview in der New York Times aus und wurde u. a. in der Welt und Der Tagesspiegel behandelt.[3][4] [Philip Zimbardo, Biografie, Wikipedia]
siehe auch:
Finding Hope in Knowing the Universal Capacity for Evil (Claudia Dreifus, Interview, NY Times, 03.04.2007)


Psychologie – Das Experiment vor Abu Ghraib (Verena Friederike Hasel, Tagesspiegel, 24.07.2008)
- Ein Gerichtsverfahren nach 70 Jahren (Post, 24.04.2015)
- Ein Prozess, der Linderung verspricht (ZEIT, 13.05.2015)

Shocking Stories of Abu Ghraib Prisoners [26:20]
Hochgeladen am 01.08.2007
Lifting the Hood: Full disclosure on the appalling Abu Ghraib prison in Iraq

November 2005

For downloads and more information visit http://www.journeyman.tv/19252/short-...

As the 'hooded man' in the infamous Abu Ghraib pictures, Haj Ali became an icon of everything that was wrong with the US occupation. He tells his story and we hear from other prisoners

"They stretched my hands in this position and attached the wires to them", states Haj Ali. "It felt like my eyes were popping out. I couldn't stand it." He spent three months being physically and psychologically tortured at Abu Ghraib. Interrogators wanted him to use his knowledge as a community leader to inform on other people. "They said 'give us the name of anyone you hate and we'll see it as co-operation and help you.'" In a nearby cell, army general Abu Maan was also being interrogated. "They stripped me and took photos of me in degrading positions", he recalls. Both men are angry that only junior officers have been disciplined for the abuse that went on at Abu Ghraib. Ilham al-Jumaili's husband Munadel was tortured to death there. It's his corpse that Sabrina Harman was photographed gloating over. "We didn't expect America to take Munadel and never return him", she laments. The victims of Abu Ghraib remain haunted by their experiences. In the words of Haj Ali "Only one thing has changed. The cameras have now disappeared The abuse still continues."

SBS - Ref. 2870

Journeyman Pictures is your independent source for the world's most powerful films, exploring the burning issues of today. We represent stories from the world's top producers, with brand new content coming in all the time. On our channel you'll find outstanding and controversial journalism covering any global subject you can imagine wanting to know about.

mein Kommentar:
Genauso wie im Ersten Weltkrieg die Verantwortlichen in Militär und Politik nicht wissen wollten, daß die menschliche Psyche in entsetzlichen Situationen zusammenbrechen kann (Kriegszitterer, Post, 27.09.2012; siehe auch: Harry Farr, engl. Wikipedia), genauso wollen Verantwortliche in Militär und Poiitik bis heute nicht wissen, daß Moral in entsetzlichen Situationen zusammenbrechen kann. Die Täter auf Seiten Hitler-Deutschlands sind in meinen Augen vor allem Opfer. Opfer, weil sie von der Entsetzlichkeit, mit der sie konfrontiert waren, überfordert waren.
Wie reagiert ein menschliches Wesen, wenn es von Terroristen als Geisel genommen wird und um sein Leben fürchten muß?
- Stockholm-Syndrom (Wikipedia)
Wie Menschen in Ausnahmesituationen regieren können, hat das Milgram-Experiment eindrücklich untersucht.
In solchen Ausnahmesituationen reagiert das Gehirn scheinbar so, daß die Desorientiertheit abnimmt: ob sich die Geiseln mit den Überzeugungen der Terroristen identifizieren oder sich Entführte in einer Liebesbeziehung mit den Entführern stabilisieren – möglicherweise wird es so einfacher, das Entsetzliche und unaushaltbar Erscheinende auszuhalten.
»Nicht die Äpfel sind faul, sondern das Feld« (Philip Zimbardo in der Gerichtsverhandlung von »Chip« Frederick)
Von Außenstehenden ist das Verhalten von Menschen in Extremsituationen kaum nachvollziehbar.
Man macht es sich zu leicht, wenn man als Außenstehender das Verhalten von Ingrid Betancourt kritisiert:
Und man macht es sich zu leicht, über NS-Täter aus der heutigen Sicht zu urteilen.

Jeder mache mit sich selbst ein kleines Experiment: Man stelle sich vor, man sei Soldat und bekomme den Befehl, Zivilisten zu erschießen oder nackte Leichen aus einer Gaskammer in eine Grube zu werfen: Ist es nicht erträglicher, die Opfer als Untermenschen oder minderwertige Verbrecher zu sehen denn als menschliche Wesen?