Österreich Ein Experiment im Oberen Waldviertel befreit Arbeitslose von ständiger Drangsalierung und Depression
Heidenreichstein mit etwa 4.100 Einwohnern ist eine verletzte Kleinstadt. Vor allem nach dem Kollaps der Industrie Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre hat sich der Ort im Oberen Waldviertel in Niederösterreich nie mehr richtig erholt. Die Arbeitslosenrate ist entsprechend hoch. Seit einigen Monaten läuft hier nun das Projekt „Sinnvoll tätig sein“ (STS), das jenseits gängiger Disziplinierungsmuster versucht, über 40 Langzeitarbeitslosen (in etwa ein Prozent der Bevölkerung) Perspektiven zu eröffnen, die sich doch von obligaten Erwartungshaltungen unterscheiden. Geleitet wird dieses Projekt, das offiziell als Kurs des AMS (Arbeitsmarktservice, das österreichische Pendant zur Bundesagentur für Arbeit) firmiert, von Karl Immervoll und der „Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel“, die mit ähnlichen Initiativen schon einschlägige Erfahrungen sammeln konnten. Arbeitslose sollen nicht als Fälle oder gar Problemfälle wahrgenommenen werden, sondern als Menschen. Natürlich geht es auch um Arbeit und Arbeitsplatz – vorrangig jedoch um die Personen selbst. Nicht Was sollen wir? ist die entscheidende Frage, sondern Was wollen wir? Was will ich?
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- Das Ende der Angst (Franz Schandl, der Freitag 5/2018)
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Sonntag, 25. Februar 2018
Samstag, 13. Januar 2018
Ego-Kult, Selbst-Optimierung und Wettbewerbsfähigkeit
scobel ist eine wöchentlich auf 3sat ausgestrahlte Fernsehsendung, die Themen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft und Ethik behandelt. Moderator und Namensgeber ist der Fernsehjournalist Gert Scobel. Die Vorgängerin der Sendung war bis April 2008 die Sendung delta. [scobel (Fernsehsendung), Wikipedia, abgerufen am 13.01.2018]==========
Wir optimieren unsere Körper, unsere Karrieren, unser Privatleben. Was ist richtig, was falsch? Ist die Selbstoptimierungswelle die neue Sinnstiftung? Wozu tun wir das? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen.
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- scobel: Der Ego-Kult – Im Zweifel, ich zuerst (3sat, 11.01.2018, in der ZDF-Mediathek abrufbar bis 12.01.2023)
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Montag, 31. Juli 2017
Arbeit und Familie belasten Männer und Frauen ähnlich …
… aber Männer klagen weniger darüber
Dass Frauen Probleme haben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, liest man in Leitmedien häufig. Von Männern ist bezüglich solcher Probleme bislang kaum die Rede. Die an der University of Georgia forschende Psychologin Kristen M. Shockley hat sich nun zusammen mit ihren Kollegen Winny Shen von der University of Waterloo; Michael M. DeNunzio und Eric A. Knudsen von der City University of New York und Maryana L. Arvan von der University of South Florida in mehr als 350 Studien mit über 250.000 Teilnehmern angesehen, ob das Klischee stimmt, dass Frauen dadurch besonders belastet sind. Die Ergebnisse dieser Metastudie veröffentlichte das Team im Journal of Applied Psychology
Das für Shockley nach eigenen Angaben überraschende Ergebnis war, dass sich sehr wenige Anhaltspunkte dafür fanden, dass die Kombination aus Arbeit und Familie Frauen stärker belastet als Männer. Sie glaubt, dass ein davon abweichendes öffentliches Bild in Leitmedien das Stereotyp verstärkt, indem es Frauen dazu anregt, über ihre Schwierigkeiten zu klagen, weil sie im Fernsehen sehen oder in Zeitungen lesen, das andere Frauen das machen. Hinzu kommt ihren Worten nach eine unterschiedliche Sozialisation von Männern und Frauen, bei der letztere schon von Kindesbeinen an dazu ermutigt werden, mehr über Probleme zu reden.
mehr:
- Arbeit und Familie belasten Männer und Frauen ähnlich … (Peter Mühlbauer, Telepolis, 31.07.2017)
Dass Frauen Probleme haben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, liest man in Leitmedien häufig. Von Männern ist bezüglich solcher Probleme bislang kaum die Rede. Die an der University of Georgia forschende Psychologin Kristen M. Shockley hat sich nun zusammen mit ihren Kollegen Winny Shen von der University of Waterloo; Michael M. DeNunzio und Eric A. Knudsen von der City University of New York und Maryana L. Arvan von der University of South Florida in mehr als 350 Studien mit über 250.000 Teilnehmern angesehen, ob das Klischee stimmt, dass Frauen dadurch besonders belastet sind. Die Ergebnisse dieser Metastudie veröffentlichte das Team im Journal of Applied Psychology
Das für Shockley nach eigenen Angaben überraschende Ergebnis war, dass sich sehr wenige Anhaltspunkte dafür fanden, dass die Kombination aus Arbeit und Familie Frauen stärker belastet als Männer. Sie glaubt, dass ein davon abweichendes öffentliches Bild in Leitmedien das Stereotyp verstärkt, indem es Frauen dazu anregt, über ihre Schwierigkeiten zu klagen, weil sie im Fernsehen sehen oder in Zeitungen lesen, das andere Frauen das machen. Hinzu kommt ihren Worten nach eine unterschiedliche Sozialisation von Männern und Frauen, bei der letztere schon von Kindesbeinen an dazu ermutigt werden, mehr über Probleme zu reden.
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- Arbeit und Familie belasten Männer und Frauen ähnlich … (Peter Mühlbauer, Telepolis, 31.07.2017)
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Dienstag, 29. März 2016
Das war meine Rettung – "Meine Mitschüler haben mich ausgelacht"
Brunello Cucinelli ist als Unternehmer erfolgreich, weil er die Armut seiner Kindheit nie vergaß.
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- Das war meine Rettung – "Meine Mitschüler haben mich ausgelacht" (im Interview mit Louis, Lewitan, ZON, 28.03.2016)
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- Das war meine Rettung – "Meine Mitschüler haben mich ausgelacht" (im Interview mit Louis, Lewitan, ZON, 28.03.2016)
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Montag, 15. Februar 2016
Job oder Liebe?
Liebe und Geborgenheit oder ein Arbeitsplatz und damit finanzielle Sicherheit? Für neun Prozent aller Fach- und Führungskräfte ist der Job wichtiger als eine Beziehung.
Für viele Menschen ist der Partner einer der wichtigsten Anker im Leben, für sie ist die Beziehung mehr wert als der Arbeitsplatz. Aber das gilt nicht für alle: Es gibt auch Angestellte, die ihren Beruf über das private Glück stellen. Für fast jede zehnte Fach- oder Führungskraft (neun Prozent) wäre eine Kündigung schlimmer als die Trennung von ihrem Partner. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing. Hierfür wurden im Januar 1010 Fach- und Führungskräfte befragt.
Demnach gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Elf Prozent der Frauen fänden eine Kündigung schlimmer als eine Trennung. Bei den Männern waren es nur acht Prozent. Für den Großteil der Erwerbstätigen geht die Liebe vor: Nahezu vier von fünf (78 Prozent) fänden es schlimmer, vom Partner verlassen, als vom Chef entlassen zu werden. Der Rest der Befragten machte dazu keine Angaben.
mehr:
- Job oder Liebe – Fast jeder Zehnte zieht eine Trennung der Kündigung vor (SPON, 11.02.2016)
Für viele Menschen ist der Partner einer der wichtigsten Anker im Leben, für sie ist die Beziehung mehr wert als der Arbeitsplatz. Aber das gilt nicht für alle: Es gibt auch Angestellte, die ihren Beruf über das private Glück stellen. Für fast jede zehnte Fach- oder Führungskraft (neun Prozent) wäre eine Kündigung schlimmer als die Trennung von ihrem Partner. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing. Hierfür wurden im Januar 1010 Fach- und Führungskräfte befragt.
Demnach gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Elf Prozent der Frauen fänden eine Kündigung schlimmer als eine Trennung. Bei den Männern waren es nur acht Prozent. Für den Großteil der Erwerbstätigen geht die Liebe vor: Nahezu vier von fünf (78 Prozent) fänden es schlimmer, vom Partner verlassen, als vom Chef entlassen zu werden. Der Rest der Befragten machte dazu keine Angaben.
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- Job oder Liebe – Fast jeder Zehnte zieht eine Trennung der Kündigung vor (SPON, 11.02.2016)
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Samstag, 6. Februar 2016
Süchtig nach Arbeit: Wenn es nur noch den Job gibt
Die Arbeit stapelt sich, und trotzdem ist da der Wunsch nach noch einem Projekt: Arbeitssüchtige können nicht ohne ihren Job. Trotz der vielen Überstunden sind sie jedoch nicht immer produktiv.
Manche Menschen arbeiten viel. Und andere können gar nicht aufhören damit - sie sind süchtig. Nicht nach Alkohol oder Nikotin, nicht nach Pillen oder Drogen. Sondern nach ihrem Job.
Ähnlich wie der Burn-out ist die Arbeitssucht nicht allgemeingültig definiert. Das sagt Diplom-Psychologe Stefan Poppelreuter, der verschiedene Bücher zum Thema Arbeitssucht veröffentlicht hat. Zwischen 200.000 und 300.000 Betroffene gibt es Schätzungen zufolge.
Nicht jeder, der exzessiv arbeitet und viele Stunden im Büro verbringt, ist süchtig. "Vielmehr geht es darum, dass einen die Arbeit nicht mehr loslässt und man meint, die Welt bricht zusammen ohne die eigene Leistung", erklärt er. Psychologische Studien zeigen, dass Betroffene sich unwohl fühlen, wenn sie nicht schuften. "Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden", erläutert Prof. Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management (ISM) in Hamburg.
mehr:
- Süchtig nach Arbeit: Wenn es nur noch den Job gibt (n-tv, 06.02.2016)
Manche Menschen arbeiten viel. Und andere können gar nicht aufhören damit - sie sind süchtig. Nicht nach Alkohol oder Nikotin, nicht nach Pillen oder Drogen. Sondern nach ihrem Job.
Ähnlich wie der Burn-out ist die Arbeitssucht nicht allgemeingültig definiert. Das sagt Diplom-Psychologe Stefan Poppelreuter, der verschiedene Bücher zum Thema Arbeitssucht veröffentlicht hat. Zwischen 200.000 und 300.000 Betroffene gibt es Schätzungen zufolge.
Nicht jeder, der exzessiv arbeitet und viele Stunden im Büro verbringt, ist süchtig. "Vielmehr geht es darum, dass einen die Arbeit nicht mehr loslässt und man meint, die Welt bricht zusammen ohne die eigene Leistung", erklärt er. Psychologische Studien zeigen, dass Betroffene sich unwohl fühlen, wenn sie nicht schuften. "Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden", erläutert Prof. Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management (ISM) in Hamburg.
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- Süchtig nach Arbeit: Wenn es nur noch den Job gibt (n-tv, 06.02.2016)
Freitag, 24. Juli 2015
Gift am Arbeitsplatz – Auf Gerüchte sofort reagieren
Jeder tratscht einmal. Doch manche Gerüchte sind richtig fies. Wie können sich Beschäftigte zur Wehr setzen, die davon Opfer werden? Und wie hilft man anderen?
Der Kollege bekommt eine Gehaltserhöhung, er muss also mit dem Chef befreundet sein. "Solche Gerüchte verflüchtigen sich nicht von selbst", sagt Christiane Stempel, Arbeitspsychologin an der Universität Leipzig. Sie rät, bei Tratsch sofort zu reagieren. Aber wie?
Mancher überlegt, den Verursacher direkt anzusprechen, wenn er ihn kennt. Doch in vielen Fällen bringe das nichts. Wenn die Person wirklich eine schlechte Absicht habe, lässt sie davon nicht ab. Denn sie verspricht sich einen Vorteil von dem Gerücht. Doch nicht alle Gerüchte haben einen bösen Ursprung. Oft ist jedoch Konkurrenzdenken, Neid oder persönliche Antipathie der Grund, ein Gerücht zu verbreiten. Und auch aus Unsicherheit reimen sich Kollegen häufig etwas zusammen.
mehr:
- Gift am Arbeitsplatz – Auf Gerüchte sofort reagieren (n-tv, 22.07.2015)
Der Kollege bekommt eine Gehaltserhöhung, er muss also mit dem Chef befreundet sein. "Solche Gerüchte verflüchtigen sich nicht von selbst", sagt Christiane Stempel, Arbeitspsychologin an der Universität Leipzig. Sie rät, bei Tratsch sofort zu reagieren. Aber wie?
Mancher überlegt, den Verursacher direkt anzusprechen, wenn er ihn kennt. Doch in vielen Fällen bringe das nichts. Wenn die Person wirklich eine schlechte Absicht habe, lässt sie davon nicht ab. Denn sie verspricht sich einen Vorteil von dem Gerücht. Doch nicht alle Gerüchte haben einen bösen Ursprung. Oft ist jedoch Konkurrenzdenken, Neid oder persönliche Antipathie der Grund, ein Gerücht zu verbreiten. Und auch aus Unsicherheit reimen sich Kollegen häufig etwas zusammen.
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- Gift am Arbeitsplatz – Auf Gerüchte sofort reagieren (n-tv, 22.07.2015)
Mittwoch, 17. Juni 2015
Gruppendynamik: Trittbrettfahrer, Trotteleffekt, ineffektiver Egoismus und das Böse
Arbeitsteams können eine Gruppendynamik entwickeln, die schädlich ist. Wenn Führungskräfte aber richtig steuern, kann diese Dynamik zum Vorteil werden.
mehr:
- Gruppendynamik: Vorsicht vor dem Trotteleffekt (Sabine Hockling, ZEIT Online, )
Zitat:
Beide Führungsstrategien sind gefährlich: eine führungslose Gruppe arbeitet genauso ineffektiv wie eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinsam in einer unterdrückten Position sehen.
Public Goods Game: Wie verhindert man das Trittbrettfahrerproblem? [8:49]
«Das Böse» -- Ein Gespräch mit Terry Eagleton | Kultur.21 [6:17]
mehr:
- Gruppendynamik: Vorsicht vor dem Trotteleffekt (Sabine Hockling, ZEIT Online, )
Zitat:
Meine eigene Erfahrung als Therapeut ist, daß die meisten Führungskräfte Konflikte um jeden Preis vermeiden wollen und sich entweder ganz raus halten und die Mitarbeiter sich selbst überlassen oder Entscheidungen hintenherum auf die lange Bank schieben bzw. zu vermeiden versuchen, für eine notwendige Entscheidung Verantwortung zu übernehmen und Position zu beziehen oder völlig rücksichtslos eigene Vorstellungen durchzusetzen versuchen, ohne auf gewachsene Strukturen Rücksicht zu nehmen oder die Mitarbeiter miteinzubeziehen.Ein weiterer Effekt ist das Trittbrettfahren: Mitarbeiter profitieren vom Einsatz ihrer Kollegen, tragen aber nichts zum Gruppenerfolg bei. Im Gegensatz zum sozialen Faulenzen findet das Trittbrettfahren bewusst statt. Wird es im Team sichtbar, folgt ein sogenannter Trotteleffekt: Die Motivation der engagierten Mitarbeiter sinkt und sie fahren ihre Leistung herunter, um nicht ausgenutzt zu werden. Chefs sollten hier die Leistung von allen Mitarbeitern sichtbar machen. Aber Vorsicht: Stellen Sie dabei Ihre Mitarbeiter auch nicht bloß.
Eine negative Dynamik entwickelt sich auch, wenn Mitarbeiter ihre eigene Meinung zum Schutz der Gruppenharmonie zurückhalten oder unterdrücken. So ein Verhalten stört nicht nur das Denken und Urteilen einer Gruppe, sondern kann im schlechtesten Fall zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen. Als Führungskraft sollten Sie Ihre Mitarbeiter für die Gefahren des Gruppendenkens sensibilisieren. Ermutigen Sie Ihre Leute dazu, die eigene Meinung zu äußern. In verfahrenen Situationen kann das Hinzuziehen eines Externen helfen, der den Prozess moderiert.
Beide Führungsstrategien sind gefährlich: eine führungslose Gruppe arbeitet genauso ineffektiv wie eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinsam in einer unterdrückten Position sehen.
Public Goods Game: Wie verhindert man das Trittbrettfahrerproblem? [8:49]
Veröffentlicht am 08.09.2012
Wer gibt, der gewinnt. Wenn denn alle geben.
Hört erst einer damit auf, kehrt sich die Wirkung schlagartig um.
Der Mensch zwischen Eros und Thymos.
Zusammenschnitt aus der Sendung:
Das neue Menschenbild - trotz allem gut statt böse?
im ZDF Nachtstudio mit Volker Panzer
http://www.youtube.com/watch?v=HmD0_Q...
Der Mensch zwischen Eros und Thymos.
Zusammenschnitt aus der Sendung:
Das neue Menschenbild - trotz allem gut statt böse?
im ZDF Nachtstudio mit Volker Panzer
http://www.youtube.com/watch?v=HmD0_Q...
«Das Böse» -- Ein Gespräch mit Terry Eagleton | Kultur.21 [6:17]
Hochgeladen am 14.06.2011
Das Böse - warum fasziniert es und stößt zugleich ab? Ist es das notwendige Gegenstück zum Guten? Werden manche Menschen böse geboren oder macht erst die Gesellschaft sie zu Übeltätern?Terry Eagleton, überzeugter Marxist, bekennender Katholik und bekannter Literaturwissenschaftler geht dem Bösen auf den Grund. Ein KULTUR.21-Gespräch.
Samstag, 23. Mai 2015
Welche Charaktere braucht ein gutes Team?
Wo geht's lang, und wie kommen wir dahin? Ein Team muss Entscheidungen treffen und an einem Strang ziehen. Mit welcher Besetzung geht das am besten?
Im Mittelalter sind beim Fußball noch ganze Dörfer gegeneinander angetreten, was ein ziemlicher Tumult gewesen sein muss. Mit der Zeit hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Mannschaften mit elf Spielern besser handhaben lassen. Auch in anderen Bereichen des Lebens suchen Psychologen und Wirtschaftsforscher nach optimalen Gruppengrößen. Vom Broadway bis zum Himalaya erkunden sie dafür die Dynamik verschiedener Teams, die hoch hinaus wollen.
Seit den siebziger Jahren orientieren sich Teamcoaches vor allem an einer Zahl, die auf den britischen Psychologen Meredith Belbin zurückgeht. Er beobachtete über mehrere Jahre rund 120 Teams von Führungskräften des Henley Management College, um herauszufinden, wie sich Verhalten, Funktion und Selbstwahrnehmung Einzelner auf die Gesamtleistung auswirken. Sein Fazit: Teammitglieder müssen in verschiedenem Maße handlungs-, kommunikations- und wissensorientiert sein; die besten Ergebnisse erzielt ein Team, in dem neun verschiedene Rollen besetzt sind.
mehr:
- Welche Charaktere braucht ein gutes Team? (Salome Apke, ZEIT Wissen 03/15)
What is Belbin? (A Guide to Belbin Team Roles) [2:00]
Belbin Team Roles Training Bite [9:40]
Im Mittelalter sind beim Fußball noch ganze Dörfer gegeneinander angetreten, was ein ziemlicher Tumult gewesen sein muss. Mit der Zeit hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Mannschaften mit elf Spielern besser handhaben lassen. Auch in anderen Bereichen des Lebens suchen Psychologen und Wirtschaftsforscher nach optimalen Gruppengrößen. Vom Broadway bis zum Himalaya erkunden sie dafür die Dynamik verschiedener Teams, die hoch hinaus wollen.
Seit den siebziger Jahren orientieren sich Teamcoaches vor allem an einer Zahl, die auf den britischen Psychologen Meredith Belbin zurückgeht. Er beobachtete über mehrere Jahre rund 120 Teams von Führungskräften des Henley Management College, um herauszufinden, wie sich Verhalten, Funktion und Selbstwahrnehmung Einzelner auf die Gesamtleistung auswirken. Sein Fazit: Teammitglieder müssen in verschiedenem Maße handlungs-, kommunikations- und wissensorientiert sein; die besten Ergebnisse erzielt ein Team, in dem neun verschiedene Rollen besetzt sind.
mehr:
- Welche Charaktere braucht ein gutes Team? (Salome Apke, ZEIT Wissen 03/15)
What is Belbin? (A Guide to Belbin Team Roles) [2:00]
Veröffentlicht am 19.08.2014
Discover the behavioural strengths and weaknesses of the individuals that you work with. Use Belbin Team Roles to help build high-performing teams, maximise working relationships, and to enable people to learn about themselves. Engage and develop the talent that is already around you. Use Belbin.
This 2-minute clip explains why it is important to understand the way in which people behave in the workplace. Use this information to increase employee engagements and hence business performance.
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Belbin Team Roles Training Bite [9:40]
Hochgeladen am 07.03.2008
An introduction to Dr Meredith Belbin's 9 Team Roles.
Belbin Team Roles Video Scribe [4:04]
Veröffentlicht am 25.07.2013
Belbin Team Roles are one of the most popular and researched models for helping groups of people work more effectively together.
At TP Human Capital we offer facilitated workshops that provide individual and team reports that allow you and your team to better understand each other's strengths and how best to utilise them. A common language to describe individual contribution in terms of preferred team roles reframes the way individuals view each other. What was seen as different is now seen as an advantage in achieving the teams goals.
For more information about how Belbin Team Roles can help you create a high performing team contact us on 07 4772 3800 or email training@tphumancapital.com.au
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Mittwoch, 5. November 2014
Schichtarbeit: Krankheiten und Intelligenzminderung
Die Folgen sind immens: Wer länger im Schichtdienst arbeitet, ist nicht nur anfälliger für Geschwüre, Herzkrankheiten und bestimmte Krebsarten. Auch die kognitiven Fähigkeiten lassen rapide nach, wie eine Studie zeigt.
Jahrelange Schicht- und Nachtarbeit verringert einer aktuellen Studie zufolge die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen. Bei Menschen, die mehr als zehn Jahre unregelmäßigen Arbeitszeiten ausgesetzt waren, nähmen die kognitiven Fähigkeiten deutlich schneller ab als bei anderen Berufstätigen, hieß es in einer im US-Fachmagazin "Occupational and Environmental Medicine" veröffentlichten Studie.
Aus früheren Untersuchungen ist bereits bekannt, dass unregelmäßige Arbeitszeiten und Nachtarbeit zu Geschwüren, Herzkrankheiten und bestimmten Krebsarten führen können. Über die Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten war bislang wenig bekannt.
Betroffen seien insbesondere Menschen, die länger als zehn Jahre Schichtarbeit leisteten, erklärte Studienleiter Jean-Claude Marquié vom Forschungsinstitut CNRS in Toulouse. Diese Belastung entspreche einem Alterungsprozess von zusätzlich sechseinhalb Jahren. Sich nach dem Ausscheiden aus dem Schichtdienst davon zu erholen, dauere mindestens fünf Jahre. Allerdings müssten die Ergebnisse noch in anderen Studien bestätigt werden.
mehr:
- Rapider Abbau – Schichtarbeit verringert Denkvermögen (n-tv, 04.11.2014)
Donnerstag, 13. Juni 2013
Die Seele als Maschine, der Therapeut als Klempner: Das AOK - Behandlungsprogramm Depression und Burn - out
Burn-out ist in aller Munde. Und wenn etwas in aller Munde ist, dann gibt es das natürlich auch. Vor einigen Jahren haben die Psychotherapeuten versucht, den Begriff »Hysterie« durch »histrionisch« zu ersetzen, weil der Hysterie-Begriff negative Assoziationen wecke. Dazu der bekannten Psychiater Stavros Mentzos:
Das Wort stammt ursprünglich aus dem griechischen oistros, was eigentlich »Brunst« bedeutet. Aus dem griechischen oistros ist schon vor längerer Zeit das Wort »Östrogen« abgeleitet worden. Der Versuch also, das Hysterische vom Weiblichen (hystera = Gebärmutter) abzukoppeln – dies war einer der Gründe der Umbenennung –, ist misslungen. In dem Bemühen, von der Gebärmutter wegzukommen, geriet man zu den weiblichen Hormonen! Diese terminologische Panne ist offenbar in der internationalen Literatur noch nicht bemerkt worden.
Hysterie stammt aus dem griechischen Wort hystera (= Gebärmutter). In der Antike glaubte man vielfach, dass die hysterischen Symptome mit einer Austrocknung der Gebärmutter in Zusammenhang stehen. Aber auch unabhängig davon brachte man bis zum 18. Jahrhundert das Hysterische (was man nur bei den Frauen zu erkennen glaubte) mit der Gebärmutter in Zusammenhang. In der naturwissenschaftlichen Medizin des 19. Jahrhunderts wurden solche Vorstellungen obsolet, man glaubte nun zu wissen, die Hysterie sei eine neurologische Erkrankung. Erst um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde in der Psychoanalyse durch die psychogenetischen Studien Freuds die Dynamik des Leidens entdeckt.
Die Termini »Hysterie« oder »hysterische Neurose« waren noch bis in die 1960er Jahre nicht nur innerhalb der Psychoanalyse, sondern auch in vielen psychiatrischen Lehrbüchern eine gelegentlich benutzte diagnostische Kategorie, obwohl der Terminus »hysterisch« oft durch »psychogen« ersetzt wurde und obwohl schon nach dem Ersten Weltkrieg die »Hysterie« bei den Psychiatern zunehmend in Misskredit geraten war (vgl. Mentzos, 1980/2004), und zwar deswegen, weil inzwischen Hysterie auch bei Männern häufiger zu beobachten war (etwa als »Zitterer-Syndrom« bei den Soldaten) – eine für die Männer unangenehme Feststellung.
Stavros Mentzos, Lehrbuch der Psychodynamik, S. 94
Das Wort stammt ursprünglich aus dem griechischen oistros, was eigentlich »Brunst« bedeutet. Aus dem griechischen oistros ist schon vor längerer Zeit das Wort »Östrogen« abgeleitet worden. Der Versuch also, das Hysterische vom Weiblichen (hystera = Gebärmutter) abzukoppeln – dies war einer der Gründe der Umbenennung –, ist misslungen. In dem Bemühen, von der Gebärmutter wegzukommen, geriet man zu den weiblichen Hormonen! Diese terminologische Panne ist offenbar in der internationalen Literatur noch nicht bemerkt worden.
Stavros Mentzos, Lehrbuch der Psychodynamik, S. 164, Fußnote
Es geht hier nicht um Hysterie, sondern um Sprache, deren Verwendung und Funktion. Man hat den Hysterie-Begriff abzuschaffen versucht, weil er unangenehme Assoziationen weckt. An diesem Begriff läßt sich sehr gut festmachen, wie der erst einmal gutgemeinte Versuch der Begriffs-Vermeidung zum Rohrkrepierer wird.
Es geht hier nicht um Hysterie, sondern um Sprache, deren Verwendung und Funktion. Man hat den Hysterie-Begriff abzuschaffen versucht, weil er unangenehme Assoziationen weckt. An diesem Begriff läßt sich sehr gut festmachen, wie der erst einmal gutgemeinte Versuch der Begriffs-Vermeidung zum Rohrkrepierer wird.
Wer eine Depression hat, kriegt bestimmte Dinge nicht mehr auf die Reihe und ist psychisch erkrankt. Umgangssprachlich hat der psychisch Erkrankte einen an der Waffel. Das ist doppelt kränkend, da zur psychischen Erkrankung die gesellschaftliche Stigmatisierung hinzukommt. Wenn der Depressive aber vorher malocht hat wie ein Blöder oder gemobbt worden ist oder vom Arbeitgeber behandelt und dann weggeworfen wurde wie ein Putzlappen, dann ist das nicht mehr so schlimm, weil dann entweder gesellschaftlich akzeptierte Persönlichkeitsanteile (wie blöde arbeiten) oder gesellschaftlich gemeinsam als moralisch verwerflich empfundene Vorgänge (Ausbeutung) am Ausbruch einer psychischen Störung beteiligt sind.
Das Ersetzen des Begriffs »Depression« durch »Burn-Out« impliziert einen gesellschaftlich akzeptierten Auslöser für die psychische Erkrankung der Depression. (Jede Neurose hat einen Auslöser!) Es ist also gesellschaftlich weniger stigmatisierend, unter einem Burn-Out zu leiden als unter einer Depression. Über Depressionen, Eßstörungen, Zwangsstörungen, Borderline-Störungen (jede Menge Störungen – wieder so ein stigmatisierender Begriff) berichtet die Bild-Zeitung – es sei denn es handelt sich um bekannte Fußballer oder Skispringer – nicht. (Wer sich intensiver für den Burn-out-Begriff interessiert, sollte nach »burn out gibt es nicht« googeln.)
Je häufiger aber in den Zeitungen über psychische Erkrankungen berichtet wird, desto größer ist die Gefahr, daß über die Versorgungssituation der psychisch Erkrankten berichtet wird. Und dann kommen Fakten auf den Tisch wie die Wartezeiten auf eine Behandlung, das Einkommen oder das Durchschnittsalter deutscher Psychotherapeuten. Alles Dinge, die geneigt sind, die verzweifelten Versuche der Standortsicherung Deutschland durch Deckelung der Kosten im Gesundheitswesen infrage zu stellen.
Aus diesem Grund ist Vorwärtsverteidigung angesagt. Vor wenigen Wochen gab es einen Vorschlag der Techniker Krankenkasse, die Zahl der Kurzzeitpsychotherapie-Stunden von 25 auf 15 Stunden zu verringern. Damit hätte sich auf einen Schlag die Zahl der gesamtgesellschaftlich zur Verfügung stehenden Kurzzeitpsychotherapie-Stunden um 40 Prozent erhöht. (Ich bin gespannt, wie sich der TK-Vorschlag entwickeln wird.) Ein anderer Versuch der Mängel-Verwaltung ist das durch die AOK aufgelegte »Behandlungsprogramm Depression und Burn-out«.
Die in diesem Programm ausgelobte »Stabilisierungspauschale« besagt, dass der innerhalb dieses
Vertrags behandelnde Psychotherapeut dann 50 Euro zusätzlich bekommt, wenn er die
Behandlung innerhalb von maximal zehn Behandlungseinheiten (incl. der Erst-
und
Vorgespräche) abschließt und am Ende dieser Ultrakurzzeitbehandlung der davor wegen
Depressionen krankgeschriebene Patient in den folgenden sechs Monate mit dieser
Diagnose nicht erneut arbeitsunfähig
sowie
nicht erneut psychotherapeutisch behandelt
wird.
Dieses ganze AOK-Behandlungsprogramm sagt viel über die Sichtweise und die Kompetenz der AOK-Bosse aus: Eine Maschine hat eine Störung, und der Spezialist dreht an einigen Schräubchen oder Rädchen, und wenn er das gekonnt und schnell auf die Reihe kriegt, erhält er 50 Euro. (Übrigens gibt’s das Programm und das Geld nur für arbeitende AOK-Mitglieder, also zum Beispiel nicht für HARTZ-IV-Empfänger.) Das Programm beinhaltet, daß die Psychotherapeuten ein wenig mehr arbeiten (drei Stunden in der Woche zusätzlich) und dann ein signifikanter Teil der Patienten nach zehn Wochen wieder zu arbeiten imstande ist. Ich erspare sowohl mir auch dem Leser eine genauere Darlegung, wie nach Meinung der AOK-Oberen die Seele funktioniert und was wir Psychotherapeuten tun. (Ich habe zum Beispiel einen Patienten mit »Burn-out«, der drei Jahre lang von seinem Vorgesetzten gemobbt wurde, bis er in die Knie ging. Dieser Patient konnte nach 20 Stunden Therapie etwas mit dem Begriff »Gefühle« anfangen.)
Wir sind in unserem real existierenden Raubtierkapitalismus mit seinen Rettungsschirmen, der Globalisierung, der Dauerarbeitslosigkeit, der Alternativlosigkeit und der Flickschusterei im Gesundheitswesen nach der Privatisierungswelle jetzt bei der Mechanisierung der Psychotherapie angekommen. Vor wenigen Jahren hat einer meiner Standesvertreter in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Psychotherapie mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin-Präparaten verglichen. Jetzt glaubt die Chef-Etage der größten deutschen Krankenkasse, es wäre möglich, einen an einer Depression Erkrankten binnen zehn Stunden wieder zurecht zu therapieren, damit er weiter arbeiten kann. Da frage ich mich, was die Leute denn glauben, was ich den ganzen Tag hier tue: dumm rum labern, bis bei dem, der einen an der Waffel hat, endlich der Groschen fällt? Diese weitverbreitete Ignoranz und Dummheit empfinde ich als extrem ärgerlich.
Ein Leserbrief des Kollegen Daiger aus Oldenburg im Deutschen Ärzteblatt:
Leserbrief zum Thema: „Schnelle Hilfen. Neue Wege bei der Behandlung von Depressions- und Burnout-Patienten“ – Niedersächsisches Ärzteblatt, April 2013, S. 35-37
Ich habe an der Präsenzschulung des AOK-Behandlungsprogramms „Depression und Burnout“ am 24.05.2013 in Oldenburg teilgenommen. Obwohl der Vertrag zwischen KVN und AOKN mit Unterstützung des Deutschen Hausärzteverbandes - Landesverbände Niedersachsen und Braunschweig – sowie dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) angesichts der Zunahme von psychischen Erkrankungen sowie langer Wartezeiten bei Nervenärzten und Psychotherapeuten sicherlich sinnvoll ist, ist der Vertrag aus meiner Sicht unbefriedigend. Ich möchte einige Kritikpunkte äußern.
1.) Der Vertrag wird von keinem einzigen ärztlichen oder psychologischer Psychotherapeutenverband unterstützt (VPK, BVVP, BDP, DPtV).
2.) Nur AOK-Patienten, die eine Arbeit haben, werden berücksichtigt. AOK-Patienten, die Hartz IV beziehen, werden nicht berücksichtigt und werden im Sinne einer Zwei-Klassen-Medizin benachteiligt.
3.) Ärgerlich ist, dass das Honorar an Erfolge geknüpft ist. Die Stabilisierungspauschale von 50.- € wird nur ausbezahlt, wenn nach maximal 10 Sitzungen Arbeitsfähigkeit besteht, der Patient 6 Monate gesund sowie arbeitsfähig bleibt und keine Richtlinientherapie beantragt ist bzw. durchgeführt wird. (Kein Rechtsanwalt verliert seinen Honoraranspruch, wenn er einen Prozess verliert.) Bei Patienten mit z.B. einer schweren depressiven Episode ohne/mit psychotische/n Symptome/n (F32.2/F32.3) oder einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne/mit psychotische/n Symptome/n (F33.2/F33.3) sind sicherlich 10 Sitzungen nicht ausreichend, um die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen.
4.) Ärzten und Psychotherapeuten wird zusätzliche Büroarbeit aufgebürdet (KVN-Terminmanagementstelle mit Zusteuerung innerhalb von 14 Tagen, Patientenfragebogen PHQ-9, verschiedene Module, Eingabe- und Dokumentationsmasken im KVN-Portal, Datenerfassung innerhalb einer Woche, Unterscheidung, ob eine Sitzung vor oder nach 18 Uhr stattfindet usw.)
5.) Herr Barjenbruch äußert im Nds. Ärzteblatt (April 2013, S. 36), dass die teilnehmenden Fachärzte und Psychotherapeuten sich bereit erklären werden, Überstunden zu leisten. Ich frage mich, welche Behandler, die sowieso schon Überstunden machen, noch mehr Überstunden machen werden. Herr Barjenbruch äußert sich leider nicht dazu, was passiert, wenn die Behandler infolge der Überstunden selbst ein Burnout bekommen.
6.) Die Dokumentation im KVN-Portal (Webanwendung) ist zwar transparent und vermeidet Doppel- und Mehrfachuntersuchungen, ist aber unter Gesichtspunkten des Datenschutzes kritisch zu hinterfragen. Was ist, wenn ein AOK-Patient nicht möchte, dass seine Daten in Bezug auf sein Burnout oder seine depressive Erkrankung im Internet zu finden sind? Darf er dann an dem AOK-Behandlungsprogramm nicht teilnehmen? Es wäre sicherlich klüger gewesen, wenn die KVN mehr Nervenärzte und Psychotherapeuten zulassen würde, anstatt so einen Vertrag mit der AOKN abzuschließen. Sie trägt damit zur Zerstückelung der nervenärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung bei. Bei ähnlichen Verträgen mit z.B. BARMER, DAK, TK usw. würde die Zerstückelung weiter zunehmen.
Der Ausschuß für Berufsordnung und Berufsethik der Niedersächsischen Psychotherapeutenkammer hat den AOK-Vertrag scharf kritisiert. Die ausführliche Stellungnahme findet sich hier.
Dieses ganze AOK-Behandlungsprogramm sagt viel über die Sichtweise und die Kompetenz der AOK-Bosse aus: Eine Maschine hat eine Störung, und der Spezialist dreht an einigen Schräubchen oder Rädchen, und wenn er das gekonnt und schnell auf die Reihe kriegt, erhält er 50 Euro. (Übrigens gibt’s das Programm und das Geld nur für arbeitende AOK-Mitglieder, also zum Beispiel nicht für HARTZ-IV-Empfänger.) Das Programm beinhaltet, daß die Psychotherapeuten ein wenig mehr arbeiten (drei Stunden in der Woche zusätzlich) und dann ein signifikanter Teil der Patienten nach zehn Wochen wieder zu arbeiten imstande ist. Ich erspare sowohl mir auch dem Leser eine genauere Darlegung, wie nach Meinung der AOK-Oberen die Seele funktioniert und was wir Psychotherapeuten tun. (Ich habe zum Beispiel einen Patienten mit »Burn-out«, der drei Jahre lang von seinem Vorgesetzten gemobbt wurde, bis er in die Knie ging. Dieser Patient konnte nach 20 Stunden Therapie etwas mit dem Begriff »Gefühle« anfangen.)
Wir sind in unserem real existierenden Raubtierkapitalismus mit seinen Rettungsschirmen, der Globalisierung, der Dauerarbeitslosigkeit, der Alternativlosigkeit und der Flickschusterei im Gesundheitswesen nach der Privatisierungswelle jetzt bei der Mechanisierung der Psychotherapie angekommen. Vor wenigen Jahren hat einer meiner Standesvertreter in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Psychotherapie mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin-Präparaten verglichen. Jetzt glaubt die Chef-Etage der größten deutschen Krankenkasse, es wäre möglich, einen an einer Depression Erkrankten binnen zehn Stunden wieder zurecht zu therapieren, damit er weiter arbeiten kann. Da frage ich mich, was die Leute denn glauben, was ich den ganzen Tag hier tue: dumm rum labern, bis bei dem, der einen an der Waffel hat, endlich der Groschen fällt? Diese weitverbreitete Ignoranz und Dummheit empfinde ich als extrem ärgerlich.
Ein Leserbrief des Kollegen Daiger aus Oldenburg im Deutschen Ärzteblatt:
Leserbrief zum Thema: „Schnelle Hilfen. Neue Wege bei der Behandlung von Depressions- und Burnout-Patienten“ – Niedersächsisches Ärzteblatt, April 2013, S. 35-37
Ich habe an der Präsenzschulung des AOK-Behandlungsprogramms „Depression und Burnout“ am 24.05.2013 in Oldenburg teilgenommen. Obwohl der Vertrag zwischen KVN und AOKN mit Unterstützung des Deutschen Hausärzteverbandes - Landesverbände Niedersachsen und Braunschweig – sowie dem Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) angesichts der Zunahme von psychischen Erkrankungen sowie langer Wartezeiten bei Nervenärzten und Psychotherapeuten sicherlich sinnvoll ist, ist der Vertrag aus meiner Sicht unbefriedigend. Ich möchte einige Kritikpunkte äußern.
1.) Der Vertrag wird von keinem einzigen ärztlichen oder psychologischer Psychotherapeutenverband unterstützt (VPK, BVVP, BDP, DPtV).
2.) Nur AOK-Patienten, die eine Arbeit haben, werden berücksichtigt. AOK-Patienten, die Hartz IV beziehen, werden nicht berücksichtigt und werden im Sinne einer Zwei-Klassen-Medizin benachteiligt.
3.) Ärgerlich ist, dass das Honorar an Erfolge geknüpft ist. Die Stabilisierungspauschale von 50.- € wird nur ausbezahlt, wenn nach maximal 10 Sitzungen Arbeitsfähigkeit besteht, der Patient 6 Monate gesund sowie arbeitsfähig bleibt und keine Richtlinientherapie beantragt ist bzw. durchgeführt wird. (Kein Rechtsanwalt verliert seinen Honoraranspruch, wenn er einen Prozess verliert.) Bei Patienten mit z.B. einer schweren depressiven Episode ohne/mit psychotische/n Symptome/n (F32.2/F32.3) oder einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne/mit psychotische/n Symptome/n (F33.2/F33.3) sind sicherlich 10 Sitzungen nicht ausreichend, um die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen.
4.) Ärzten und Psychotherapeuten wird zusätzliche Büroarbeit aufgebürdet (KVN-Terminmanagementstelle mit Zusteuerung innerhalb von 14 Tagen, Patientenfragebogen PHQ-9, verschiedene Module, Eingabe- und Dokumentationsmasken im KVN-Portal, Datenerfassung innerhalb einer Woche, Unterscheidung, ob eine Sitzung vor oder nach 18 Uhr stattfindet usw.)
5.) Herr Barjenbruch äußert im Nds. Ärzteblatt (April 2013, S. 36), dass die teilnehmenden Fachärzte und Psychotherapeuten sich bereit erklären werden, Überstunden zu leisten. Ich frage mich, welche Behandler, die sowieso schon Überstunden machen, noch mehr Überstunden machen werden. Herr Barjenbruch äußert sich leider nicht dazu, was passiert, wenn die Behandler infolge der Überstunden selbst ein Burnout bekommen.
6.) Die Dokumentation im KVN-Portal (Webanwendung) ist zwar transparent und vermeidet Doppel- und Mehrfachuntersuchungen, ist aber unter Gesichtspunkten des Datenschutzes kritisch zu hinterfragen. Was ist, wenn ein AOK-Patient nicht möchte, dass seine Daten in Bezug auf sein Burnout oder seine depressive Erkrankung im Internet zu finden sind? Darf er dann an dem AOK-Behandlungsprogramm nicht teilnehmen? Es wäre sicherlich klüger gewesen, wenn die KVN mehr Nervenärzte und Psychotherapeuten zulassen würde, anstatt so einen Vertrag mit der AOKN abzuschließen. Sie trägt damit zur Zerstückelung der nervenärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung bei. Bei ähnlichen Verträgen mit z.B. BARMER, DAK, TK usw. würde die Zerstückelung weiter zunehmen.
Der Ausschuß für Berufsordnung und Berufsethik der Niedersächsischen Psychotherapeutenkammer hat den AOK-Vertrag scharf kritisiert. Die ausführliche Stellungnahme findet sich hier.
Eine Gesellschaft, die die menschliche Seele dermaßen geringschätzt, ist krank.
siehe aber auch:
- Es ist nicht alles burnout (Reinhard Lütjen, FH Kiel, 2012)
siehe aber auch:
- Es ist nicht alles burnout (Reinhard Lütjen, FH Kiel, 2012)
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