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Sonntag, 10. Juli 2016

Gewaltakte in der US-amerikanischen Gesellschaft: gehen uns die Schubladen aus?

Vom Amoklauf zum Terrorakt: Reflexionen zum Durchbruch der molekularen Form eines autodestruktiven Terrorismus 

Orlando war Mitte Juni Tatort des blutigsten Massakers, das in der jüngsten Geschichte der Vereinigten Staaten verübt worden ist. 49 Gäste des bei der LBGT-Community sehr beliebten Nachtclubs wurden von einem Amokläufer ermordet, der anscheinend ein Mitglied des Islamischen Staates war. Doch Omar Mateen, der 29-jährige Täter, bekannte sich zwar während des Massenmordes zum Islamischen Staat, ohne aber jemals - wie die CIA im Nachhinein ermittelte - direkten Kontakt mit der Terrororganisation gehabt zu haben.

Der amerikanischen Öffentlichkeit fiel es schwer, den Massenmord in Orlando eindeutig einzuordnen. Handelte es sich hierbei um einen jener Amokläufe, die in den Vereinigten Staaten inzwischen zur blutigen Routine geworden sind? Oder ist der selbst- und massenmörderische Gewaltexzess gegen Homosexuelle als ein islamistischer Terrorakt zu begreifen, da sich der Täter zum Islamischen Staat bekannte?

Ein ähnliches Tatmuster, bei dem isolierte Täter kurz vor ihren Massakern sich dem Islamischen Staat quasi symbolisch anschließen, war auch beim Amoklauf im kalifornischen San Bernardino festzustellen, dem im vergangenen Dezember 14 Menschen zum Opfer fielen. Die Täter, das Terrorpaar Syed Rizwan Farook und Tashfeen Malik, haben ebenfalls dem Islamischen Staat kurz vor der Tat Gefolgschaft geschworen, ohne direkten Kontakt zu diesem Terrornetzwerk zu haben. Das FBI sprach in diesem Zusammenhang von "einheimischen Terroristen", die durch ausländische Terrororganisationen "inspiriert" worden waren.

mehr:
- Fluchtpunkt Amok (Tomasz Konicz, Telepolis, 10.07.2016)

Breivik weint vor Gericht - Breivik cries in court [1:48]

Veröffentlicht am 16.04.2012
Gefühlsausbruch

Beachte: »Präsentierte sich meist kühl und bedacht und nutzte den Prozessauftakt zur Selbstinszenierung.«
siehe auch:
- Heute vor 100 Jahren – 14.10.2006: Hannah Arendt wird in Linden geboren (Post, 14.10.2006)
Anders Breivik – zurechnungsfähig oder nicht? (Post, 13.01.2012)
- Heute vor 50 Jahren – 31. Mai 1962: Hinrichtung Adolf Eichmanns in Jerusalem (Post, 31.05.2012)

Soziopathen und gesellschaftlicher Erfolg (Post, 01.05.2015)
Die nebelige Banalität des Bösen: Donald Rumsfeld (Post, 07.07.2016)

Samstag, 27. Juni 2015

Gabalier: "Nicht meinen Vater verurteile ich, aber seine Tat"

Zum Vatertag: Andreas Gabalier spricht erstmals ausführlich über die Tragödie seines Lebens, den Selbstmord seines Vaters. 

Andreas Gabalier steht für Lustigkeit. Wenn er über den Selbstmord seines Vaters spricht, hört sich der Spaß auf.
mehr:
- Gabalier: "Nicht meinen Vater verurteile ich, aber seine Tat" (Bernd Melichar, KleineZeitung.at, 14.06.2015)

siehe auch:

Vater und Schwester verbrannt – Wie ihm ein Selbstmord-Drama zum Erfolg verhalf (Ines Fedder, News.de, 16.12.2014)


Mittwoch, 25. Dezember 2013

Warum wollte Rico nicht mehr leben?

Ein Junge, elf Jahre alt, glücklich, klug und geliebt von seiner Familie, bringt sich um. Noch heute, drei Jahre später, wissen die Eltern und Schwestern nicht: Warum wollte Rico nicht mehr leben?

Barfuß geht Rico ins Zimmer der Eltern und legt sich zwischen Simon und Simone, Rico ist elf, bester Schüler der sechsten Klasse, der Vater stammt aus dem Tal, die Mutter aus Deutschland, zwei Ärzte, gemeinsam führen sie die einzige Praxis in einem Schweizer Dorf, 1600 Meter über dem Meer, jeden Morgen legte er sich zwischen uns und begann zu kuscheln, zu plappern, zehn Minuten lang, ein fröhliches Kind, ein lustiger Bub war Rico, liebenswert und klug, klein, hübsch, ein bisschen frech vielleicht oder laut. 

Aber Probleme machte er uns nie, sagt der Vater, Simon.
mehr:
- Selbstmord: "Bitte verzeih mir. dein lieber Sohn" (Erwin Koch, die Welt, 25.11.2013)

Donnerstag, 14. November 2013

Heute vor 70 Jahren – 24. Juni 1940: Der Suizid Joseph Meisters, die Geschichte eines verzweifelten Mannes

Im Juli 1885 wurde ein neunjähriger französischer Junge namens Joseph Meister von einem tollwütigen Hund übel gebissen, so dass ihm der Tod so gut wie sicher war. Stattdessen aber schrieb der junge Meister Medizingeschichte: als erster menschlicher Patient Pasteurs, der mit einem Tollwutimpfstoff behandelt wurde und überlebte. Nun geben Berichte in englischer und französischer Sprache dieser Erzählung seit mehr als einem halben Jahrhundert ein dramatisches Ende: 1940, 55 Jahre nachdem ihm das Leben gerettet worden war, arbeitete Meister als Pförtner am Pasteur-Institut in Paris. Als die Wehrmacht im Juni jenes Jahres Paris besetzte, marschierten Soldaten am Institut vor und verlangten Zugang zu Pasteurs Gruft. Statt die letzte Ruhestätte seines Retters den Nazis preiszugeben, tötete sich der 64-jährige Meister selbst – so die Geschichte. […]

Nach der verbreiteten Erzählung tötete sich Meister am 14. oder 16. Juni kurz nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich. Wollman schreibt jedoch am 24. Juni, zehn Tage nach der Besetzung von Paris: "Heute morgen wurde Meister tot aufgefunden." Oft wird erzählt, dass er sich selbst erschossen hätte, doch Wollman sagt aus, dass er sich "mit Gas" getötet habe. Manche Quellen geben an, dass Meister sich umbrachte, weil er die Vorstellung nicht ertragen hatte, die Nazis könnten Pasteurs Grab entweihen. Wollman erwähnt nichts dergleichen. Stattdessen weist er daraufhin, dass Meister "sehr depressiv" gewesen sei und seine Frau und Kinder abgereist waren. Wie Millionen andere Menschen flohen sie vor den anrückenden deutschen Truppen aus Paris. […]

Er dachte offensichtlich, dass seine Familie in einem feindlichen Bombenangriff ums Leben gekommen war, und wurde von Schuldgefühlen überwältigt, weil er sie weggeschickt hatte. In den chaotischen Tagen nach dem Zusammenbruch Frankreichs war es nahezu unmöglich, Nachrichten von Angehörigen zu bekommen, weshalb Meister nicht wusste, dass sie in Sicherheit waren. Tatsächlich kehrten seine Frau und Töchter just am selben Tag nach Paris zurück, an dem er sich tötete. "Das Leben kann manchmal von ausgesuchter Grausamkeit sein", notierte Wollman.

Die Geschichte eines verzweifelten Mannes, der sich wenige Stunden vor Heimkehr seiner irrtümlich für tot gehaltenen Familie mit Hilfe eines Gasofens das Leben nimmt, ist tragisch. Doch hat sie wenig mit dem Mythos zu tun, laut dem ein kleiner Angestellter die Pläne von Invasoren hintertreibt.

mehr:
- Wissenschaftsgeschichte – Große Mythen sterben langsam (Héloise Dufour, Sean Carroll , Spektrum, 14.10.2013)
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Samstag, 27. Februar 2010

Alexander McQueen tötete sich selbst

Eine Obduktion hat den Anfangsverdacht bestätigt: Der Modemacher Alexander McQueen hat sich erhängt - offenbar aus Trauer um seine Mutter.

Was viele ahnten, ist nun Gewissheit: Der britische Modeschöpfer Alexander McQueen hat sich das Leben genommen. Der 40-Jährige habe sich in seinem Kleiderschrank erhängt und sei daraufhin am vergangenen Donnerstag einem Erstickungstod erlegen, sagte eine Gerichtsmedizinerin vor einem Gericht in London. McQueen habe auch einen Abschiedsbrief in seiner Wohnung im Nobelviertel Mayfair hinterlassen. Der allein lebende Designer wurde am Tag vor der Beerdigung seiner Mutter tot aufgefunden. Offenbar steht der Suizid McQueens mit ihrem Tod im Zusammenhang.

mehr:
- Stardesigner: Alexander McQueen tötete sich selbst (ZON, 18.02.2010)