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Montag, 23. März 2020

Dr. Franz Ruppert – Professor für Psychologie - Corona und wofür ist es JETZT Zeit?

Dr. Franz Ruppert – Professor für Psychologie - Corona und wofür ist es JETZT Zeit? {27:39}

Bewusst gemeinsam Leben
Am 23.03.2018 veröffentlicht 
Text – auch mit Zeit-Links und weitere Links auf YouTube
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Donnerstag, 16. Mai 2019

Die Geschichte der Psychotherapie

Ein kurzer historischer Abriss der verschiedenen psychotherapeutischen Strömungen, Denkrichtungen und Methoden von 1900 bis 1970.
Die moderne Psychotherapie beginnt um 1900 mit der Psychoanalyse. Sie wurde vom Wiener Neurologen Sigmund Freud begründet. Er entdeckte und beschrieb die Psychodynamik des Unbewussten und entwickelte daraus eine psychotherapeutische Theorie und Behandlungsmethode. Aus der Psychoanalyse bildeten sich später die verschiedenen Schulen der Tiefenpsychologie heraus. Anfang des 20. Jahrhunderts praktizierte Freud in Wien. Bald sollte sich Zürich als wichtigster Ort für die Rezeption und Ausbreitung der Psychoanalyse etablieren. Auch Freud zog eine Weile in Betracht, seinen Mittelpunkt dorthin zu verlegen, wie er 1910 in einem Brief an den Zürcher Psychiater Carl Gustav Jung schrieb. 
In Zürich hatte sich unter Eugen Bleuler eine Gruppe von Ärzten gebildet, die sich in der klinischen Arbeit mit der Psychoanalyse auseinandersetzte. Der Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli zeigte sich gegenüber der neuen tiefenpsychologischen Theorie aufgeschlossen. Er wandte die Psychoanalyse auf Patienten mit psychotischen Symptomen an. So wurde Zürich zu einem wichtigen Ort für die Beziehung zwischen Psychiatrie und Psychoanalyse und für die Diskussion über das Verständnis seelischen Leidens und menschlicher Existenz. 
Die Psychoanalyse verbreitete sich weltweit und hatte grossen Einfluss auf die psychiatrische Praxis. Die ersten Psychotherapeuten waren Ärzte. Freud selber war daran gelegen, der Psychoanalyse eine institutionelle Verankerung und eine wissenschaftliche Anerkennung zu verschaffen und eine klare therapeutische Vorgehensweise zu entwickeln. Dies führte unter ihren eigenständigen Rezipient*innen und Anwender*innen zu leidenschaftlichen Diskussionen. In vielen Vereinigungen, Gruppen und Ausbildungsseminaren, die in den folgenden Jahrzehnten entstanden, stritten die Mitglieder heftig um Grundsatzfragen der Psychoanalyse, die nicht selten in weltanschauliche Glaubensstreitigkeiten mündeten. Dabei entwickelte sich auch eine Kultur und Dynamik von Integration und Ausgrenzung.
Differenzen zwischen Freud und Jung
1910 hatte Freud die Internationale Psychoanalytische Vereinigung gegründet. 1919 bildete sich die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa), die sich als Zweig der internationalen Vereinigung verstand. Inhaltliche Differenzen zwischen Freud und den ersten Psychoanalytiker*innen führten zur Entwicklung eigenständiger Richtungen der psychodynamischen Therapie. Carl Gustav Jung wollte seelische Probleme nicht nur im Kontext der individuellen Geschichte deuten, sondern erweiterte Freuds Unbewusstes um die Dimension des kollektiven Unbewussten. Als dessen Inhalte bestimmte er so genannte Archetypen. Bei seelischen Störungen würden nicht nur persönliche Erlebnisse eine Rolle spielen, sondern auch die Archetypen, die grundsätzlich das Seelische strukturieren. Ein weiterer Aspekt der Differenz zwischen den beiden Pionieren der Psychoanalyse war, dass Jung im Unterschied zu Freud die Sexualität nur als Teiltrieb der Libido anerkannte und diese als allgemeine Lebensenergie verstand.
mehr:
- Die Geschichte der Psychotherapie (Walter Aeschimann, InfoSperber, 16.05.2019)

Sonntag, 13. Januar 2019

Was heißt es, dass psychische Störungen Gehirnstörungen sind?

Ein neurophilosophischer Versuch

Milliarden an Steuer- und anderen Geldern werden Jahr für Jahr in die genetische und neurowissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen gesteckt. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass sich die Probleme der Menschen auf dieser Ebene verstehen und behandeln lassen. Zehntausende Forscher gehen weltweit diesen Fragen nach und potenziell hunderte Millionen Patienten sind davon betroffen, was diese Forscher finden – oder auch nicht finden.

Die Frage, was psychische Störungen sind und auf welcher Ebene sie am besten beschrieben werden können, ist darum nicht nur theoretisch interessant, sondern auch unmittelbar praktisch relevant. Tatsächlich kritisierten einige führende Psychiater erst 2016 im British Journal of Psychiatry, dass der Neurohype in ihrem Fach zu viel Geld verschlinge. Für wichtige Ansätze etwa zur Suizidprävention, zur Förderung von Eltern mit psychischen Problemen oder für bessere Lernumgebungen für benachteiligte Kinder bleibe dann kein Geld übrig.

Von dem National of Institute of Mental Heath (NIMH), der vielleicht größten psychiatrischen Forschungseinrichtung der Welt, heißt es in dem Aufsatz, dass 85% des Milliardenbetrags, den das Institut Jahr für Jahr bekommt und in Forschung investiert, in die Neurowissenschaften gehe. Ob das Patienten jemals etwas nutzen wird, steht in den Sternen.

Das überrascht nicht, wenn man weiß, dass der vorherige NIMH-Direktor Thomas Insel psychische Störungen als "gestörte Schaltkreise" im Gehirn beschrieb und sein Nachfolger Joshua Gordon (seit 2016) sein eigenes Fach als "Schaltkreisepsychiatrie". Wenn ich so einen Aufsatz von Gordon lese, dann bekomme ich den Eindruck, dass in der Tat nur Schaltkreise behandelt werden – und dann auch nur solche von Mäusen oder anderen Nagetieren –, und nicht Menschen.

Damit befinden sie sich in der guten Gesellschaft des Physiologie-Nobelpreisträgers Eric Kandel, dem folgendes Zitat nachgesagt wird: "Alle psychischen Prozesse sind Gehirnprozesse und darum sind Störungen der psychischen Funktionen biologische Erkrankungen. Das Gehirn ist das Organ der Psyche. Wo sonst sollten sich psychische Störungen befinden, wenn nicht im Gehirn?"

mehr:
- Was heißt es, dass psychische Störungen Gehirnstörungen sind? (Stephan Schleim, Telepolis, 11.01.2019)

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Cum hoc ergo propter hoc (lateinisch für ‚mit diesem, folglich deswegen‘) bezeichnet den Fehlschluss der Scheinkausalität, bei dem das gemeinsame Auftreten von Ereignissen (Koinzidenz) oder die Korrelation zwischen Merkmalen ohne genauere Prüfung als Kausalzusammenhang aufgefasst wird. Doch impliziert eine Korrelation noch nicht Kausalität (englisch Correlation does not imply causation), auch wenn der Zusammenhang kausal scheinen mag (Scheinkorrelation). Ohne kausalen Zusammenhang aber erfolgt eine Zuordnung von Ursache und Wirkung willkürlich ohne fundierte Begründung. Will man ausdrücken, dass ein Fehlschluss nach dem Muster cum hoc ergo propter hoc vorliegt, so sagt man cum hoc non est propter hoc (lateinisch ‚Mit diesem ist nicht deswegen.‘).[Cum hoc ergo propter hoc, Wikipedia, abgerufen am 13.01.2019]
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Den Begriff „Kategorienfehler“ oder „Kategorienverwechslung“ (category mistake) führt Gilbert Ryle in seinem Hauptwerk Der Begriff des Geistes als Analyseinstrument zur Stützung seiner These ein, dass philosophische Probleme, die sich an Begriffe wie Geist, Wille oder Bewusstsein knüpfen, aus einer falschen Verwendung dieser Begriffe resultieren. Ein prominentes Beispiel dafür ist das Leib-Seele-Problem. Mit seiner Analyse will Ryle zeigen, dass solche philosophischen Probleme bei genauerer Betrachtung gar keine Probleme sind. Ryle sieht daher die Aufgabe der Philosophie darin, „Kategoriengewohnheiten durch Kategoriendisziplin zu ersetzen“.[1]
In Der Begriff des Geistes gibt Ryle zahlreiche Beispiele,[2] mit deren Hilfe er den Begriff des Kategorienfehlers zu erklären versucht. So spricht er etwa von einem Besucher der Oxforder Universität, dem die verschiedenen Einrichtungen wie Hörsäle, Seminarräume, Laboratorien, Mensa oder Bibliothek gezeigt werden. Der Besucher ist nach seinem Rundgang unzufrieden, denn er wollte die Universität sehen und stattdessen zeigt man ihm verschiedene Räume und Orte. Wenn der Besucher die Frage stellt: „Wo ist jetzt eigentlich die Universität?“, begeht er einen Kategorienfehler. Er verwendet den Ausdruck „Universität“ so, als gehöre er der gleichen Kategorie wie „Hörsaal“, „Labor“ oder „Mensa“ an. Ein anderes Beispiel ist Folgendes: Angenommen jemand berichtet davon, sich ein neues Paar Handschuhe gekauft zu haben und bekäme darauf zur Antwort: „Ich sehe, du trägst einen linken und einen rechten Handschuh, aber wo ist das Paar Handschuhe, von dem du sprichst?“ Der Fragende begeht den Fehler, den Ausdruck „ein Paar Handschuhe“ derselben Kategorie wie „rechter Handschuh“ und „linker Handschuh“ zuzuordnen.
[Kategorienfehler, Ryles Kategorienfehleranalyse, Wikipedia, abgerufen am 13.01.2019]
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Korrelation vs Kausalität: So lassen sich Statistiken manipulieren {2:20}

WirtschaftsWoche
Am 27.06.2016 veröffentlicht 
Wie bringt man Ursachen und Wirkungen zusammen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben? Ganz einfach: Indem man Kausalität und Korrelation bei Statistiken in falsche Zusammenhänge einbettet. Wie das geht, zeigen wir Ihnen in der 2. Folge unserer Serie "Schummeln mit Statistiken":
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Recherche, Text und Protagonist: Konrad Fischer
Video, Kamera und Schnitt: Maximilian Nowroth
Fragen, Anregungen, Lob und Kritik bitte an: video@wiwo.de
Lesen Sie mehr auf:
http://www.wiwo.de/my/politik/deutsch...

Eine geschichtlich nachgewiesene Scheinkausalität:
- Realitätsinterpretation: Das Unwetter an der Theiß (Post, 12.04.2008)

dazu einige Wittgenstein-Zitate zur Irreführung durch Sprache:
Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache. [Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen §109 (1953, posthum)]
Die Ergebnisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und die Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkennen.[Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen §119 (1953, posthum)]
Es ist eine Hauptquelle unseres Unverständnisses, daß wir den Gebrauch unserer Wörter nicht übersehen.[Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen §122 (1953, posthum)]
[…] unsere Sprache sich gleich geblieben ist und uns immer wieder zu denselben Fragen verführt. […] solange werden die Menschen immer wieder an die gleichen rätselhaften Schwierigkeiten stoßen, und auf etwas starren, was keine Erklärung scheint wegheben zu können.[Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen: Aus dem Nachlaß (1950/51), Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1977, S. 163]

zur Situation in der Forschungsfinanzierung siehe:
- Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)
siehe auch:
Akademische Freiheit und politischer Druck (Post, 17.12.2018)
- Über Uber und die Käuflichkeit von Wissenschaft (Post, 12.11.2018)
- Tödlicher Ernst – Die Pharmaindustrie ist eines der gefährlichsten Kartelle der Welt. (Post, 23.08.2018)
- ADHS: Werbung, Interpretation und Geld (Post, 28.03.2018)
- Zwei Hübe in die Nase, und der Antisemit strahlt! (Post, 06.11.2017)
Wissenschaft: frei oder nicht frei? (Post, 04.10.2017)
Der Penis ist schuld am Klimawandel! (Post, 25.05.2017)
Glyphosat: Wissenschaft im Kapitalismus (Post, 28.04.2017)
- Ein adretter Psychologe und BigData (Post, 06.12.2016)

Mittwoch, 30. Mai 2018

Gestalttherapie: Was ist ein Impasse-Erlebnis?

Fritz Perls hat sein Leben lang abstrahierendes Denken möglichst vermieden. Er hat sich bemüht zu beschreiben, was beobachtbar ist und möglichst im Beobachtbaren zu bleiben, wenn er Veränderungen angestrebt hat. Seinen Wahlspruch kennt ihr ja: Verliere deinen Verstand und komme zu deinen Sinnen - lose your mind and come to your senses.
Offenbar ist es nicht so leicht, seinen Verstand auf die Dauer zu verlieren, wenn man einen solchen besessen hat - früher oder später macht er sich geltend. Gegen Ende seines Lebens, ein paar Jahre vor seinem Tod im Jahre 1970, ist er wiedet aktiv geworden. Und eine Ausgeburt von Verstandestätigkeit ist seine Einteilung der Neurose in fünf Schichten.
Er stellt sich „der Neurose“ wie etwas Räumlichem gegenüber und möchte ihre Struktur erkennen.
Er sagt dazu gleich am Anfang eines Vortrags: Ich möchte euch jetzt etwas darüber erzählen, wie ich die Struktur der Neurose sehe. Ich weiß natürlich nicht, wie meine nächste Theorie sein wird, weil ich ständig das, was ich tue, entwickle und immer mehr vereinfache. Ich sehe die Neurose jetzt als etwas an, das aus fünf Schichten besteht.
Jede dieser Schichten, die er bei seiner Theoriebildung gefunden hat, bekommt einen Namen, und einer dieser Namen heißt Impasse, zu deutsch Sackgasse. Von der Sackgasse soll heute die Rede sein.
mehr:
- Was ist ein Impasse? (Vortrag von Robert Schigutt, Jour Fixe der Fachsektion Integrative Gestalttherapie im ÖAGG Wien 20. 3. 2018, PDF)

Fritz Perls - What is Gestalt (1970) - byronevents.net/gestalt {23:42}

Am 05.12.2015 veröffentlicht 
byronevents
Awareness of what is true in the present. Top dog - Under dog dynamics. byronevents.net/gestalt
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GESTALT THERAPY (Simply Explained) {3:53}

Am 15.10.2017 veröffentlicht 
Pinnacle Of Man TM
Gestalt Therapy was created by Fritz Perls. It is an experiential and existential type of therapy. This means it uses present moment techniques to examine the issue clients bring in a phenomenological way. One of the most common techniques is the empty chair technique.
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Freitag, 9. März 2018

Die Theorie der Psychoanalyse

Zwei Eigenschaften der Theorie von Sigmund Freud machen es schwer, sie in diesem Rahmen verständlich zusammenzufassen:
Sie ist erstens sehr umfangreich. Man kann kaum Teile weglassen, ohne daß dadurch nicht andere Teile unverständlich werden. Alles hängt mehr oder weniger stark miteinander zusammen.
Und zweitens ist sie sehr komplex. Man kann auch "abstrakt" oder "kontraintuitiv" sagen. Sie erklärt menschliches Verhalten mit Begriffen, die mit unserer alltäglichen Erfahrung sehr wenig zu tun haben. Das ist freilich nichts Schlechtes. Ähnlich versuchte ja auch der Behaviorimus, eine eigene Sprache zur Erklärung menschlichen Verhaltens zu finden, die der übermächtigen Alltagssprache möglichst fernliegt. So werden wir bei der Theorie von Hull (im nächsten Abschnitt) sehen, daß diese kaum weniger umfangreich geraten ist als Freuds - wenn auch wenigstens nicht so komplex.

Wie gehen wir also vor? Um einen ersten Eindruck zu bekommen, schauen wir uns einen Gliederungsversuch der psychoanalytischen Theorie von D. Rapaport an. Er gibt sie anhand von acht Grundannahmen (Axiomen) wieder:

1. Das Objekt der Psychoanalyse ist Verhalten. Sie zeichnet sich durch die Annahme einer psychologischen Determiniertheit von allem Verhalten aus, d.h. alles Verhalten ist motiviert, nichts passiert zufällig. Freud braucht für diesen Determinismus die Annahme von unbewußten Prozessen (s. Axiom 5).
2. Jedes Verhalten ist unteilbar, ist also mehrfach determiniert, nicht einfach nur Verhalten einer Instanz.
3. Kein Verhalten ist isoliert. Alles Verhalten ist Teil der unteilbaren Persönlickeit.
4. Alles Verhalten ist Teil einer genetischen Reihe.
5. Die entscheidenden Determinanten des Verhaltens sind unbewußt.
6. Alles Verhalten ist letzten Endes triebbestimmt.
7. Alles Verhalten führt seelische Energie ab und wird durch seelische Energie reguliert.
8. Alles Verhalten hat strukturelle Determinanten, ist durch Konflikte bestimmt.

So weit ein erster Überblick, der natürlich nicht zu tieferem Verständnis führen kann. Fangen wir also irgendwo an. Am besten bei den Trieben (vgl. Axiom 6), denn diese sind es ja, die für die Motivationspsychologie von besonderem Interesse sind.

mehr:
- Die Theorie von Freud (Psychologie Uni Heidelberg)

Also:
1. Es gibt ein Unbewußtes
Der Leser wird besser verstehen, welche besondere Bedeutung die frühe Kindheit für die Psychoanalyse hat, wenn wir auf den Grundpfeiler der psychoanalytischen Lehre, auf das Unbewußte und seine spezifische Dynamik verweisen; denn ein Hauptcharakter des Unbewußten ist die Beziehung zum Infantilen – das Unbewußte ist das Infantile (Freud, VII, 401). Mit der Entdeckung des Unbewußten hat Freud die Vorstellung, die sich die Philosophie und klassische Psychologie vom psychischen Geschehen machten, grundlegend revolutioniert. Die große Bedeutung dieser Entdeckung – die nicht ein Postulat, sondern das Ergebnis von systematischen Beobachtungen darstellt – wird erst verständlich, wenn wir uns in Erinnerung rufen, daß bis zu seiner Zeit »bewußt« und »psychisch« identisch waren (Freud, XIV, 57), man das Bewußtsein für das wesentliche Regulationssystem hielt, welches, in der Kindheit nur unvollständig ausgebildet, im Laufe der Jugendjahre seine Reife erlangt und die Grundlage für alles seelische Erleben darstellt. Neben dieser formalen Organisation existiert ein Gefühlsleben, welches seine eigenen Gesetze hat und von den Prinzipien der Bedürfnisse und Leidenschaften beherrscht ist. Mit der Freudschen Erkenntnis kam es zu einer Umkehrung der herkömmlichen Denkkategorien und dadurch zu einer tief gehenden Verunsicherung des Menschen. Freud konnte zeigen, daß das Unbewußte die Basis allen seelischen Erlebens ist. Das grundsätzliche Infragestellen der Macht des Verstandes und des Bewußtseins und die Existenz des Unbewußten bedeutet für den Menschen eine schwer erträgliche Verunsicherung, nämlich nicht Herr im eigenen Hause zu sein, seine Gefühle und Phantasien letztlich nicht mit der Kraft des Verstandes beherrschen zu können.
[aus: Jochen Stork, Die seelische Entwicklung des Kleinkindes aus psychoanalytischer Sicht; in: Dieter Eicke (Hrsg.), Tiefenpsychologie, Bd. 2, Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1982, S. 131ff. – Hervorhebungen von mir]
2. »In« diesem Unbewußten »arbeiten« drei Instanzen (von Freud in seinem ersten topischen Modell »Systeme« genannt, s.u.)
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Die Unterscheidung zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten ist grundlegend für die Psychoanalyse. Der deskriptive Begriff des Unbewussten hat zwei Bedeutungen. Er bezieht sich einerseits auf Vorstellungen, die aktuell nicht im Bewusstsein sind, die aber jederzeit bewusst werden können. Er bezieht sich außerdem auf Vorstellungen, die durch eine Kraft daran gehindert werden, bewusst zu werden, durch den Widerstand des Ichs. Freud nennt die erste Art des Unbewussten das Vorbewusste. Nur die zweite Art des Unbewussten, das nicht nur deskriptiv, sondern auch dynamisch Unbewusste, ist das Unbewusste im Sinne der Psychoanalyse.
Die Verdrängung und damit die Neurose vollzieht sich keineswegs, wie Freud zunächst angenommen hatte, im Verhältnis zwischen einem verdrängenden Bewusstsein und einem verdrängten Unbewussten. Die verdrängende Instanz ist vielmehr das Ich, und für dieses Ich gilt, dass es in wesentlichen Teilen unbewusst ist. Vom Ich geht der Widerstand gegen die Aufhebung der Verdrängung aus, und dieser Widerstand ist dem Ich weitgehend unbewusst. Demnach gibt es neben dem Vorbewussten und dem Verdrängten noch eine dritte Art des Unbewussten. Damit scheidet die Möglichkeit aus, die Opposition von Bewusstem und Unbewusstem zur Unterscheidung der verschiedenen Bereiche des Seelenlebens zu verwenden. Zur Verarbeitung dieser Einsicht entwirft Freud eine neue Konzeption des psychischen Apparats.
[
Das Ich und das Es, Bewusstsein und Unbewusstes (Teil I), Wikipedia, abgerufen am 06.5.2018] 
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Freuds Zeichnung im Buch
"Das Ich und das Es" von 1923.
Freud nimmt an, dass der psychische Apparat aus verschiedenen Teilen besteht – „Instanzen“ oder „Systemen“ –, und er erklärt die Beziehungen zwischen den Teilen des Apparats mit Hilfe eines räumlichen Modells, einer Topik (vom griechischen Wort topos für: „Ort“). In Das Ich und das Es illustriert er diese Topik mit Hilfe einer Zeichnung. Ein anderes Raummodell des Psychischen hatte Freud bereits 1900 in der Traumdeutung vorgelegt; das in Das Ich und das Es entwickelte Strukturmodell wird deshalb häufig als zweite Topik bezeichnet.
Das psychische Individuum ist ein Es, dem ein Ich oberflächlich aufsitzt. Den Begriff des Es übernimmt Freud ausdrücklich von Georg Groddeck[1]; das substantivierte Personalpronomen soll bei Groddeck darauf verweisen, dass wir von unbekannten, unbeherrschbaren Mächten „gelebt“ werden. Für Freud ist das Es ein „quantitativ-qualitativ Anderes im seelischen Ablauf“ (S. 291), es ist unbewusst, in ihm herrscht uneingeschränkt das Lustprinzip. Zum Es gehören die Empfindungen und Gefühle, die von den Trieben ausgehen; es ist der Stammsitz der Triebenergie, darunter der Libido; alle Ich-Libido ist sekundär. Vom Es gehen die Objektbesetzungen aus. Da die Triebe miteinander im Konflikt liegen, ist das Es der Ort widerstreitender Empfindungen, Gefühle und Objektbesetzungen. Das Es ist auch der Ort des Verdrängten (in der Zeichnung „Vdgt“), also von Vorstellungen, die durch den Widerstand des Ichs daran gehindert werden, bewusst zu werden.
[
Das Ich und das Es, Das Ich und das Es (Teil II), Wikipedia, abgerufen am 06.05.2018] 
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Der psychische Apparat nach Freuds zweitem Modell
Das Strukturmodell der Psyche, auch Drei-Instanzen-Modell genannt, ist ein von Sigmund Freud beschriebenes Modell der Psyche des Menschen. Danach besteht sie aus drei Instanzen mit unterschiedlichen Funktionen: dem Es, dem Ich und dem Über-Ich.
Freud arbeitete dieses topische Modell erstmals 1923 in seiner Schrift Das Ich und das Es aus. Das Modell wird auch als zweite Topik oder zweites topisches Modellbezeichnet.
Zur genaueren Beschreibung mit Schwerpunkt auf Entwicklung dieses Instanzenmodells siehe Das Ich und das Es.
[
Strukturmodell der Psyche, Wikipedia, abgerufen am 06.03.218]
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Erstes topisches Modell:drei SystemeZweites topisches Modell:
drei Instanzen
- System Unbewußt (Ubw)
- System Vorbewußt (Vbw)
- System Bewußt (Bw)
- Es
- Ich
- Über-Ich
[aus: Die Theorie von Freud (Psychologie Uni Heidelberg)]

siehe dazu auch:
- Was wirkt aus der Tiefe der Seele? - Eine Einführung in tiefenpsychologisches Denken* (Tewese Wischmann, dr-wischmann.privat.t-online.de)


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Mit ihrem 1936 erschienenen Buch Das Ich und die Abwehrmechanismen schuf Anna Freud ein Grundlagenwerk auf dem Gebiet der Ich-Psychologie, das heute zur Standardliteratur der Psychoanalyse zählt. Es beschreibt zehn aus der psychoanalytischen Literatur bekannte AbwehrmechanismenVerdrängungRegressionReaktionsbildung, Isolierung, Ungeschehenmachen/Verleugnung, ProjektionIntrojektionWendung gegen die eigene Person, Verkehrung ins Gegenteil, Verschiebung des Triebziels (Sublimierung).
Anna Freud fügt diesen aus der eigenen Beobachtung und Praxis gewonnene komplexe Abwehrtypen hinzu, die als Mischformen gelten können: die Identifikation mit dem Aggressor (Introjektion und Projektion) sowie die altruistische Abtretung (Projektion und Identifizierung). Der Begriff altruistische Abtretung stammt von Edward Bibring.[12] Anna Freud schreibt hierzu: „Das schönste und ausführlichste Beispiel einer solchen altruistischen Abtretung an das geeignetere Objekt findet sich in dem Schauspiel Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand.“[13]
Zitate aus Das Ich und die Abwehrmechanismen:
„Die Entstehung der psychoanalytischen Lehre aus der Neuroseforschung macht es verständlich, dass die analytische Beobachtung vor allem immer auf den inneren Kampf zwischen Trieb und Ich gerichtet war, dessen Folgezustände die neurotischen Symptome sind. Die Arbeit des kindlichen Ichs zur Unlustvermeidung in direkter Gegenwehr gegen die Eindrücke aus der Außenwelt gehört der Normalpsychologie an. Ihre Folgen sind vielleicht schwerwiegend für die Ich- und Charakter-Bildung, aber sie sind nicht pathogen. Wo immer wir diese Ich-Leistung in klinischen analytischen Arbeiten geschildert finden, erscheint sie deshalb nicht als das eigentliche Objekt der Untersuchung, sondern ist immer nur ein Nebenprodukt der Beobachtung.“[14]
„Aber auch dort in der infantilen Neurose, wo die Abwehr aus Realangst [d. h. Angst vor der Außenwelt] erfolgt war, hat die analytische Therapie sehr gute Aussicht auf Erfolg. Am einfachsten und unanalytischsten ist der Versuch des Analytikers, nach Rückgängigmachen des Abwehrvorgangs im Kind selbst, die Realität, nämlich die Erzieher des Kindes, so zu beeinflussen, dass weniger Realangst vorhanden ist.“[15]
[Anna Freud, Leistungen, Wikipedia, abgerufen am 06.03.2018] 
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Zu den Abwehrmechanismen siehe:
- Abwehrmechanismen Tabellarische Übersicht (Gerald Mackenthun, direkter PDF-Download)
- Abwehrmechanismen (N. Grünherz, Weiterbildungsverbund Ruhrgebiet, 2013, PDF-Version einer Präsentation)
x siehe auch:
- Die Psychoanalyse – Eine Konflikttheorie (in: Peer Kutter, Thomas Müller, Psychoanalyse: eine Einführung in die Psychologie unbewusster Prozesse, Klett-Cotta, Stuttgart 2008, S. 17ff, Googlebooks)
- Die Psychoanalyse Sigmund Freuds (Arthur Brühlmeier, PDF-Version)
- Ichpsychologie (Ich-Psychologie, Ego Psychology) (Dunja Voos, Medizin im Text, 01.03.2014)

Montag, 28. August 2017

Ein Psychotherapeut über Meditation und Achtsamkeit

Krankheit und Gesundheit sind ein Kontinuum. Krankheiten behandeln heißt deshalb auch Gesundheit gestalten. Wie gehe ich gesund mit mir um? Achtsamkeit […] ist dabei nicht nur Methode, also beispielsweise eine halbe Stunde meditieren, sondern ganz wesentlich gelebte Achtsamkeit im Alltag. Da geht es um: Kontakt, Berührung, im Moment sein, neugierig sein und – was ich sehr spannend finde – nicht werten, also die eigenen unangenehmen Seiten nicht ablehnen.

Achtsamkeit bedeutet für mich, in meinem Alltag in Kontakt mit mir und mit meiner Umwelt zu sein, beinhaltet die Fähigkeit, meine inneren Wünsche, Werte und Ziele wahrzunehmen und diese in Verbundenheit mit meiner Umwelt […] zu leben. In der Meditation bei mir zu sein ist häufig schwer genug. Im Alltag achtsam wahrzunehmen, wie es mir in Verbindung mit anderen geht, ist für mich persönlich immer wieder eine Übung. Mit mir im Kontakt zu sein und zu spüren, was steckt da alles in mir, ist alleine schon eine Herausforderung – und manchmal eine Überforderung. Aber darum geht es doch im Alltag: Wie kann ich bei mir und mit anderen sein? Leben bedeutet Kontakt und Beziehung, zu mir und zu anderen. Und dies bewusst im Hier und Jetzt zu erleben heißt für mich, achtsam zu sein.

Wichtig ist für mich auch, dass Achtsamkeit und Ethik zusammengehören. Sonst kann Achtsamkeit missbraucht werden, im Sinne einer ausschließlichen Ausrichtung auf Konzentration und Fokussierung, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. Es gibt Menschen, die zu uns kommen und durch Achtsamkeit wieder „funktionieren“ wollen. Achtsamkeit wird, ähnlich wie Medikamente, als eine Form von „Neurodoping“ eingesetzt, um in der Leistungsgesellschaft noch besser zu funktionieren.

Für mich hat Achtsamkeit etwas damit zu tun, eine neue Form der Beziehung zu meinen Gedanken, Gefühlen oder Wünschen zu entwickeln. Meine Gedanken und mein Verstand sind nicht das Leben, sondern eine Vorstellung, die vor der Wirklichkeit steht.

Vor allem aber ändert sich die Qualität, in der etwas gemacht wird.

Selbstfürsorge bezeichnet die Fähigkeit, freundlich und annehmend mit sich zu sein. „Liebe deinen nächsten wie dich selbst.“ – In diesem Zitat steckt eine ganz wichtige Botschaft. Wir müssen lernen, uns selbst gegenüber freundlich und fürsorglich zu sein, so wie wir es einem guten Freund, einer guten Freundin gegenüber wären. Das Erstaunliche ist, dass die allermeisten Menschen anderen gegenüber sehr hilfsbereit und freundlich sein können, sogar Fehler verzeihen können, gegenüber sich selbst aber die größten Kritiker sind und sich selbst keine Fehler zugestehen. Daher üben wir
Selbstfürsorge in der Meditation. Für mich persönlich war es eine sehr hilfreiche und beeindruckende Erfahrung zu lernen, mit offenem Herzen fürsorglich und annehmend mit mir selbst zu sein.
Die Selbstmitgefühl-Meditation hat mir ermöglicht, eigene Schwächen und Fehler wohlwollend als ein Teil von mir anzunehmen. Nicht im Sinne, dass die Fehler wiederholt werden, sondern als Teil einer Akzeptanz und eines Nicht-Bewertens. Aus meiner Sicht ist dies eine wichtige Ergänzung, wenn nicht gar Voraussetzung für Meditation.

Für mich gehört zum Nach-innen-Schauen das Nach-draußen-Gehen. Wir dürfen unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen und der Gesellschaft nicht außen vor lassen.

Prof. Dr. med. Götz Mundle, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist Leiter des Zentrums für Seelische Gesundheit – Oberberg City Berlin Kurfürstendamm. Von 2007 bis 2014 war er medizinischer Geschäftsführer der Oberbergkliniken, von 2001 bis 2009 Chefarzt der Oberbergklinik Schwarzwald in Hornberg. Zudem war er von 2004 bis 2011 im Vorstand der Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt.

Er ist Mitglied der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen sowie Mitglied des Ausschusses „Sucht und Drogen" der Bundesärztekammer. Sein besonderes Interesse gilt neuen Therapiekonzepten achtsamkeitsbasierter Psychotherapie, individualisierter Medizin, zieloffener Suchttherapie, Prinzipien der Resilienz und Salutogenese als Basis für die Gestaltung von Gesundheit sowie transparenter Kommunikation zwischen Patient und Therapeut auf Augenhöhe.

Nähere Informationen: www.zfsg-berlin.de


Zitate aus dem Interview mit Prof. Götz Mundle »Sich in der Stille wiederentdecken« in »Buddhismus aktuell« 2/2016



siehe auch:


Sonntag, 1. Januar 2017

Dienstag, 9. August 2016

Ego-State-Therapie

Die Ego-State-Therapie (englisch: ego state therapy, lateinisch ego ‚ich‘, englisch state ‚Zustand‘) ist eine psychotherapeutische Methode aus der Traumatherapie. Sie wurde von John Watkins und Helen Watkins entwickelt.
Menschen, die seelisch schwer verletzt wurden (Trauma), entwickeln zum Schutz ihrer Persönlichkeit Abwehrmechanismen gegen die mit der Verletzung verbundenen Schmerz- und Angstgefühle. Einige tun dies, indem sie ihre Persönlichkeit in verschiedene Ich-Anteile (englisch: Ego States) „aufteilen“. Dies geschieht zunächst fast immer unbewusst. Diese Ich-Anteile können wie „eigene Persönlichkeiten“ ein Eigenleben entfalten, mit „eigenem“ Willen, „eigenen“ Gedanken und Gefühlen. Die Ego-State-Therapie hilft den Betroffenen, diese Ich-Anteile wieder besser in Richtung einer ganzheitlichen Persönlichkeit miteinander zu verbinden.  
Modell der Ego-State-Therapie
Die Ego-State-Therapie basiert auf der Theorie, dass die Persönlichkeit aus verschiedenen Ich-Anteilen (Ego States) besteht. Diese Anteile sind umgrenzte und beschreibbare „Unter-Persönlichkeiten“.[2] Sie berücksichtigt psychoanalytische Theorien, hypnoanalytische Techniken und neuere Erkenntnisse aus der Behandlung dissoziativer Störungen.
Sie ist wirksam bei Posttraumatischer BelastungsstörungBorderline-Angst- oder Sexualstörungen und dissoziativer Identitätsstörungen.
Siehe auch: Hypnoanalyse.
 Gesunde Ich-Anteile
Unter „Ich-Anteil“ versteht man einzelne Aspekte der Persönlichkeit, des eigenen Selbst (Sinn und Wirkung der verschiedenen Ich-Anteile sind beschrieben im Artikel Inneres Team). Ein gesunder, nicht traumatisierter Mensch kennt und nutzt etwa 5–15 solcher Ich-Zustände. Sie sind klar bewusst und werden vom Ich gelenkt. Die meisten solcher Ich-Anteile entstehen in der Kindheit im Zuge der normalen Entwicklung.
Gesunde Ich-Anteile sind Anteile aus dem „Alltags-Team“, z. B. der „kompetente Fachmann“, der vor den Kollegen einen Fachvortrag halten kann, oder der „gute Gastgeber“, der den Kaffee von rechts nachschenken kann, oder der „Coole Typ“ in der Disco, oder der begeisterte „Radrennfahrer“. Das sind Anteile, über die der Mensch verfügt und je nach Bedarf zwischen ihnen umschalten kann.
Siehe auch: Eric Berne bzw. dort: Entdeckung der Ich-Zustände. 
Ungesunde integrierte Anteile
Im Übergangsbereich zwischen den gesunden und den abgespaltenen Anteilen gibt es ungesunde, integrierte und bewusst zugängliche Anteile, die auch ohne Hypnose oder Trance therapeutisch bearbeitbar sind.
Ein neuer Ich-Anteil kann auch als Folge eines Widerstands in der Therapie auftreten. Der Patient wird z. B. „plötzlich so müde“. Dadurch soll das Bewusstwerden einer alten, der aktuellen Realität schlecht angepassten Struktur des Patienten (beziehungsweise beängstigender Gefühle dahinter) verhindert werden. Der neue Ich-Anteil hat die Aufgabe davon abzulenken, „dass es da etwas gibt“, beziehungsweise einen anderen Ich-Anteil, der mit der Gestaltung der alten (und heute unangemessenen) Struktur beauftragt war, zu schützen.
Der Therapeut könnte jetzt mit dem aktuellen Widerstand arbeiten, d. h. ihn z. B. zum Kennenlernen „auf die innere Bühne bitten“ und ihn sich vom Patienten bildhaft vorstellen (imaginieren) lassen. („Was ist die Aufgabe dieser Müdigkeit, wovor soll sie schützen?“) Gelingt dies, führt es zum ursprünglichen Ego State (also der heute schlecht angepassten Struktur), mit dem dann therapeutisch weiter gearbeitet werden kann.
Abwehrmechanismen sind bis zu einem gewissen Grad der Ausprägung als ganz normale Schutzmechanismen zu betrachten, die jeder Mensch hat und braucht. Krankheitswert hat eine jeweils extreme Ausprägung. Beispielsweise da, wo die Entwicklung der inneren Struktur in unbewältigten Konflikten bzw. den Grundkonflikten fest hängt, leisten solche Ego-States ihre überkommenen Aufgaben, die für „den Menschen heute“ eine ungesunde Wirkung haben.
Siehe auch Grundkonflikt hier z. B. Grundkonflikte nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD)
Die Psychoanalyse verwendet den Begriff Charaktertypen für ein Set der jeweils vorherrschenden Abwehrmechanismen.
Siehe auch: Charaktertypen. 
Abgespaltene Ich-Anteile
Mit traumatisch verletzenden Situationen verbundene Gefühle können so stark sein, dass Menschen sie nicht aushalten. Auch konfliktbeladene Situationen können an einen Menschen Forderungen stellen, worauf er noch „keine Antwort“ hat und die eine entsprechend tiefe Angst auslösen können. Dagegen wird ein Abwehrmechanismus aufgebaut. Eine Form ist die Abspaltung von Ich-Anteilen. In diesen sind Gefühle und Energien ungelöster Traumata abgespeichert. Es können spezielle Formen und Aufgaben solcher Ich-Anteile unterschieden werden: „Verfolger“, radikale Helfer, Täter-Introjekte (täteridentifizierter Anteil), Angreifer, Mittäter-Introjekte (täterloyale Anteile). Einzelne Ich-Anteile können sich auch überlagern und ggf. gegenseitig verstärken, wie z. B. täteridentifizierte und täterloyale Anteile. In idealer Reinform tritt ein einzelner Ich-Anteil selten zu Tage.
Als Beispiel sei ein Mensch betrachtet, der von Kindheit an von einem Familienmitglied misshandelt wird, inzwischen als Erwachsener in einer eigenen Wohnung lebt, und vom Täter weiterhin zu Gewalthandlungen aufgesucht wird. Sein gesunder, in der Therapie kontaktierbarer Ich-Anteil kann die neue Information lernen „Du musst ihn nicht reinlassen.“ Das wird den Menschen zwar stärken, dennoch sagt er z. B. „Ja, aber ich kann es nicht versprechen.“ Denn da gibt es auch noch den täteridentifizierten Anteil, der glaubt, gemäß der früheren Erfahrung den Menschen weiterhin (relativ) schützen zu müssen, indem er tut, was der Täter verlangt. So kann es zu der kontinuierten Entscheidung kommen, den Täter wider besseres Wissen immer wieder in die eigene Wohnung einzulassen, nach dem alten Motto: „Du musst tun was er will, sonst schlägt er Dich tot“. Dieser Anteil ist abgespalten und unterliegt nicht der Ich-Kontrolle.
Abgespaltene Ich-Anteile erscheinen so, als hätten sie eine „eigene Persönlichkeit“, mit „eigenen“ Gefühlen und Gedanken. Sie halten ihre Existenz für hilfreich und überlebenswichtig, sind potentiell auch auf lebenslanges Bestehen angelegt. Manche „kennen“ sich gegenseitig und sind miteinander in Kontakt. Andere sind gänzlich abgespalten (Untergrund-Ich-Anteile); die Kern-Persönlichkeit ist nicht mehr in Kontakt mit ihnen und sie sind oft nur noch mittels Hypnose oder Trance zugänglich.
Siehe auch: Dissoziative Identitätsstörung.
Solche Ich-Anteile sind nicht zu verwechseln mit im Zuge der psychosozialen Entwicklung aufgenommenen Introjekten, also inneren Abbildern von Personen, die uns wichtig waren und deren Werte, Normen und Verhaltensmuster wir in uns aufgenommen haben. Introjekte starten nicht als Abwehrmechanismen und sind auch ohne Hypnose oder Trance im therapeutischen Gespräch zugänglich für die Aufnahme neuer, realer Informationen (lassen ein „Update“ ihrerselbst zu). Lautet beispielsweise ein überbrachtes Gesetz (Introjekt) einer wichtigen Bezugsperson aus der Kindheit „Du darfst nicht weinen“, so kann der innere Anteil, der das vertritt, in der Therapie nach und nach umlernen, bis das neue, eigene Gesetz schließlich lautet „Du darfst weinen soviel Du willst“. Introjekte bestehen nicht darauf zu bleiben (wie die Ego States); man kann sie ändern oder auffordern zu gehen.   
Wirksamkeitsnachweis
Oberstes Ziel der Ego-State-Therapie ist, den Stress im inneren System zu reduzieren und die Energie wieder auf die Gestaltung eines erfüllten Lebens auszurichten. Der Patient soll lernen, die unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile (die damit verbundenen Bedürfnisse und Standpunkte) besser miteinander abzustimmen und sich für die wesentlichen zu entscheiden und entsprechend zu handeln. Je nach Schweregrad der Störung können die Ich-Anteile vollständig integriert werden (Inneres Team), oder sie werden, nun gelenkt vom eigenen Selbst, symbolisch weiterhin als „eigene Persönlichkeiten“ betrachtet, aber jetzt konstruktiv-integrativ eingesetzt. 
Methoden
Die abgespaltenen Ich-Anteile sind ein Teil vom eigenen Selbst. Deshalb ist es wichtig, sie als wertvolle Ressource anzunehmen. Sie haben treu und zuverlässig über lange Jahre genau das getan, womit sie einst beauftragt wurden. Auch wenn sie heute nicht mehr angemessen für das Selbst des Patienten sorgen können.
Die Therapie erfolgt in vier Phasen:
  • innere Sicherheit schaffen
  • Trauma finden, Ressourcen klären
  • stabilisieren, Traumaerfahrung durcharbeiten
  • Erfahrungen integrieren, Persönlichkeit und Identität festigen
In der Therapie kann der Therapeut einen Ich-Anteil direkt ansprechen. Er wird so symbolisch-imaginativ aktiviert und kann zu seiner Geschichte, zu seinen Erfahrungen, seiner Aufgabe, seinen Zielen, Gedanken, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten direkt befragt werden. Im „Gespräch“ des Therapeuten beziehungsweise des Patienten mit dem Ich-Anteil und der Ich-Anteile untereinander können sich diese verändern und entwickeln. Der Patient kann die „Ich-Anteile“ mit neuen Daten zur aktuellen Realität versorgen und lernen, die in diesen Ich-Anteilen enthaltenen Erfahrungen und Ideen selbst zu steuern und zu integrieren und die oft verborgenen Ressourcen zu nutzen.
Verfestigte Ich-Anteile „fürchten“ häufig, sich auflösen oder verschwinden zu sollen, wenn sie in der therapeutischen Arbeit „entdeckt“ werden. Deshalb ist es wichtig, ihre bisherigen Verdienste zu würdigen, so paradox es erscheinen mag, und ihnen Unterstützung zukommen zu lassen oder ihnen neue wichtige Aufgaben zuzuweisen, denen sie sich gewachsen fühlen, sie also somit neu zu integrieren.
Siehe auch die Methoden in: Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie.
Einordnung des Therapieansatzes
Aufbauend auf der Erkenntnis, dass der Mensch verschiedene innere Anteile entwickeln kann, entstanden unterschiedliche therapeutische Herangehensweisen. Beispielsweise flossen die von Sigmund Freud benannten Anteile Es – Ich – Über-Ich in die psychoanalytisch/tiefenpsychologisch orientierten Therapieansätze ein. Die Arbeit mit dem Inneren Kind kam auf und fand u. a. Niederschlag in der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie von Reddemann. Therapeuten, die mit schwer traumatisierten Menschen arbeiteten, stellten fest, dass diese Konzepte noch nicht weit genug gingen. Es entwickelten sich neue Ansätze, die von vielen inneren Anteilen (Ego State Modell) innerhalb einer Person ausgehen, welche beschreibbar und einzuordnen und in ähnlicher Form auch bei anderen Menschen wieder zu finden sind. Oftmals werden die verschiedenen Therapieansätze auch miteinander kombiniert wie es in der Psychotherapie heute ohnehin üblich geworden ist.
Für die Integrationsarbeit in der DIS-Therapie (Arbeit mit dissoziierten Menschen) finden aktuell z. B. Anwendung: das zielorientierte Integrationsmodell (The Tactical Integrationa Modell von Fine 1991, 1993, 1996, 1999), das strategische Integrationsmodell (Kluft 1988) und das Modell der Ego States von Watkins & Watkins. Dabei zielen die beiden ersten Modelle auf eine vollständige Integration zu einer Ganzheit der Person. Das persönlichkeitsorientierte Modell der Ego States hat eine funktionierende und zufriedenstellende Zusammenarbeit der verschiedenen Teilpersönlichkeiten und/oder Ich-Zustände zum Ziel.
Wirksamkeitsnachweis
Ein Nachweis der besonderen Wirksamkeit dieses speziellen Therapieansatzes konnte nicht erbracht werden. [Ego-State-Therapie, Wikipedia, abgerufen am 08.08.2016]
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Woltemade Hartman 1 - Was ist Ego-State-Therapie? [4:50]

Veröffentlicht am 19.11.2014
Ego-State-Therapie ist Teile-Arbeit. Der Mensch besteht aus verschiedenen Ich-Zuständen, die auch neurophysiologisch darstellbar sind. Gibt es ein Kern-Ich? Wo ist das Kern-Ich lokalisiert. Kann man auch nicht in einem Ego-State sein – im Schlaf. Wenn jemand ein Trauma erlebt dann findet eine Dissoziation oder neurophysiologische Abspaltung statt. „Pendel-Technik“ zwischen Trauma und Ressource und die Auflösung des Traumas in Richtung positive Psychologie.

Woltemade Hartman (http://www.woltemadehartman.com)
Milton Erickson Institut Rottweil (http://www.meg-rottweil.de)

Kai Fritzsche: Einführung in die Ego-State-Therapie [7:22]

Hochgeladen am 20.12.2011
Kai Fritzsche über sein neues Buch "Einführung in die Ego-State-Therapie", erschienen 2010 im Carl-Auer Verlag.
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siehe auch:
- Ego-State-Therapie: Weiterführungskurs Ego-State-Therapie, November 2006 (Jochen Peichl, auf seiner Seite, PDF)