Montag, 29. Januar 2018

Gustave Le Bon – Psychologie der Massen

Gustave Le Bon (* 7. Mai 1841 in Nogent-le-Rotrou; † 13. Dezember 1931 in Paris) war ein französischer Sozialpsychologe. Er gilt als Begründer der Massenpsychologie. Seine Wirkung auf die Nachwelt, wissenschaftlich auf Sigmund Freud und Max Weber, politisch insbesondere auf den Nationalsozialismus und seine Protagonisten, war groß. Seine Gedanken sind teils stark zeitgebunden und massiv durch persönliche Erfahrungen beeinflusst. Sie werden bis heute von der Sozialpsychologie diskutiert. [Gustave Le Bon, Wikipedia, abgerufen am 29.01.2018]
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Le Bon erlebte 1848 die Krisenzeit der Februarrevolution und der Kommune von 1871, beide Ereignisse hatten auf sein Werk offenbar eine zentrale Wirkung. Nach einem Medizinstudium wurde er 1870 Militärarzt und betrieb ab 1881 auf verschiedenen Reisen unter anderem nach Nordafrika und Indien völkerkundliche Studien, in deren Verlauf er zwischen 1881 und 1891 mehrere einschlägige Werke veröffentlichte, in denen er sich mit AnthropologieArchäologie und Ethnologie beschäftigte und Untersuchungen über Materie und Energie anstellte, wobei er eigens Aufzeichnungsgeräte entwickelte. Es folgten zwischen 1894 und 1903 weitere Studien über Völker, Gruppen und Massen, darunter sein Hauptwerk Psychologie der Massen (1895), das ihn zu einem einflussreichen Soziologenseiner Zeit machte. Im Alter begann Le Bon sich intensiv mit dem Katalogisieren der Menschheit zu befassen, indem er Hierarchien aufstellte für Rassen (die er etwas unklar nicht streng biologisch verstand, sondern als kulturell ererbte Komplexe), Geschlechter, Intelligenz und politische Strömungen. [Gustave Le Bon, LebenWikipedia, abgerufen am 29.01.2018]
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Das Werk setzt sich sowohl mit den Themenkreisen Konformität, Entfremdung und Führung auseinander, als auch mit der Masse im eigentlichen Sinne. Le Bon vertritt die Auffassung, dass der Einzelne, auch der Angehörige einer Hochkultur, in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und sich affektiv, zum Teil primitiv-barbarisch, verhält. In der Massensituation ist der Einzelne leichtgläubiger und unterliegt der psychischen Ansteckung. Somit ist die Masse von Führern leicht zu lenken. Diesen Charakteristiken liegen die allgemeinen und von Freud später aufgegriffenen Doktrinen Le Bons zugrunde, dass menschliche Handlungen von unbewussten Impulsen beherrscht werden, die irrational sind, und dass Ideen die Institutionen formen und nicht umgekehrt.
Le Bon stellt vor allem dar, wie politische Meinungen, Ideologien und Glaubenslehren bei den Massen Eingang und Verbreitung finden, wie man Massen beeinflussen kann, wie die dazu notwendigen Führer entstehen, welche Eigenschaften sie haben müssen, wie sie wirken und untergehen und wo die Grenzen dieser Beeinflussbarkeit liegen. Immer wieder betont er den geringen Einfluss von Vernunft, Unterricht und Erziehung sowie die Anfälligkeit der Massen für Schlagworte, große Gesten und geschickte Täuschungen. [Psychologie der Massen, KonzeptWikipedia, abgerufen am 29.01.2018]
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- Psychologie der Massen – Auszüge aus dem gleichnamigen Buch von Gustave Le Bon, Kröner Verlag Leipzig 1932 (ausgewählt und überarbeitet von Dietmar Kamlah, Netzwerk bekennender Christen, Veröffentlichungsdatum unbekannt)
- Ausgabe 

Psychologie der Massen - von Gustave Le Bon [Kaiser's Klassiker] {24:12}

Am 30.01.2017 veröffentlicht
Gunnar Kaiser  
Über Manipulation und Propaganda, Massenhypnose und Populismus - Ideen aus dem Buch „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon.
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siehe auch:

- Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 14.07.2016)
- Deutschlands Hypnotherapeutin Nr. 1 und das Herstellen von Alternativlosigkeit (Post, 18.01.2016)
- Unsere Welt besteht aus Geschichten (Post, 17.12.2015)
- Die Floskeln der Macht – Wie wir durch Sprache manipuliert werden (Post, 01.04.2016)
- Bob Dylan – My Back Pages (Post, 30.05.2013)
- Wir geben ihnen Macht 1 (Post, 14.03.2013)
Heute vor 20 Jahren – Bob Dylans versteckte Botschaft bei der Grammy-Verleihung (Post, 20.02.2011)
Video eingefügt am 05.02.2018

Donnerstag, 25. Januar 2018

Wie kommt der Geist in die Materie?

Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache. [Ludwig WittgensteinPhilosophische Untersuchungen 109 
(1945, 1953 posthum), nachzulesen auf Mick’s Page, geocities]

Die Ergebnisse der Philosophie sind die Entdeckung irgendeines schlichten Unsinns und die Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkennen. [Ludwig WittgensteinPhilosophische Untersuchungen 119 (1945, 1953 posthum), nachzulesen auf Mick’s Page, geocities] 

Was ist dein Ziel in der Philosophie? Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen. [Ludwig WittgensteinPhilosophische Untersuchungen 309 
(1945, 1953 posthum), nachzulesen auf Mick’s Page, geocities]

Ich übergebe sie [diese Schrift] mit zweifelhaften Gefühlen der Öffentlichkeit. Daß es dieser Arbeit in ihrer Dürftigkeit und der Finsternis dieser Zeit beschieden sein sollte. Licht in ein oder das andere Gehirn zu werfen, ist nicht unmöglich; aber freilich nicht wahrscheinlich.
Ich möchte nicht mit meiner Schrift Andern das Denken ersparen. Sondern, wenn es möglich wäre, jemand zu eigenen Gedanken anregen.
Ich hätte gerne ein gutes Buch hervorgebracht. Es ist nicht so ausgefallen; aber die Zeit ist vorbei, in der es von mir verbessert werden könnte. [Ludwig WittgensteinPhilosophische Untersuchungen Vorwort (1945, 1953 posthum), nachzulesen auf Mick’s Page, geocities

Die Frage, wie ein materielles Gehirn sich der Welt bewusst sein kann, ist eine harte Nuss. Und die Antwort vielleicht überraschend einfach.

Bewusstsein ist ein einzigartiges wissenschaftliches Rätsel. Nicht nur Neurowissenschaftler haben keine grundlegende Erklärung, wie es aus physikalischen Hirnzuständen entsteht. Sondern es ist prinzipiell fraglich, ob wir je eine Lösung dafür haben werden. Astronomen wundern sich über dunkle Materie, Geologen suchen nach den Ursprüngen des Lebens, Biomediziner versuchen, den Krebs zu verstehen: Das sind alles schwierige Probleme, doch wir haben zumindest eine Idee, wie wir sie angehen, und grobe Vorstellungen, wie ihre Lösungen aussehen könnten. Unsere Erfahrung in der ersten Person hingegen liegt jenseits traditioneller naturwissenschaftlicher Methoden. Der australische Philosoph David Chalmers spricht vom harten Problem des Bewusstseins.

Doch vielleicht ist Bewusstsein nicht das einzige Thema, das solche Probleme bereitet. Die alten Naturphilosophen Gottfried Leibniz und Immanuel Kant rangen mit einem weniger bekannten, aber gleichermaßen harten Problem der Materie. Was ist physikalische Materie in und aus sich selbst, hinter der mathematischen Struktur, wie sie die Physik beschreibt? Auch dieses Problem scheint jenseits der traditionellen Methoden der Wissenschaft zu liegen. Denn alles, was wir beobachten können, ist, was Materie tut, nicht, was sie in sich ist. Wir kennen die „Software“ des Universums, aber nicht seine letzte „Hardware“.

Oberflächlich betrachtet, scheinen die beiden Probleme vollständig getrennt. Aber bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass sie sehr tief verbunden sein könnten.

Bewusstsein ist ein vielschichtiges Phänomen, subjektive Erfahrung ist sein rätselhaftester Aspekt. Es ist nicht nur so, dass unsere Gehirne Information sammeln und verarbeiten. Sie unterliegen nicht nur biochemischen Prozessen. Sie erzeugen darüber hinaus einen lebendigen Reigen von Gefühlen und Erfahrungen wie rotsehen, sich hungrig fühlen oder verblüfftsein über philosophische Fragen. Es fühlt sich irgendwie an, man selber zu sein; und niemand anders wird das je so direkt wissen wie man selber.

mehr:
- Rätselhaftes Bewusstsein: Wie kommt der Geist in die Natur? (Hedda Hassel Mørch, FAZ, 24.01.2018)

siehe auch:
- Sind wir wie Roboter? (Post, 08.05.2015)
- Wir haben die Kunst… Keith Emerson nochmal, Teil 2 (Post, 28.12.2016, ganz unten)
- Dalí und Freud (Post, 24.16.2016)

Dienstag, 23. Januar 2018

Erich Fromm und die Neopsychoanalyse

In den zwanziger Jahren gab ein wachsender Pessimismus über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse Anlass, die psychoanalytische Behandlungsmethode neu zu überdenken. In den USA gaben Kulturvergleiche den Anstoß, die gesellschaftlichen und kulturellen Aspekte bei der Behandlung psychischer Störungen einzubeziehen.
Der aufkommende Faschismus in Europa zwang viele der führenden Psychologen in die Emigration. 1926 übernahm Alfred Adler eine Gastprofessur an der Columbia University in New York und führte eine rege Vortragstätigkeit in den USA durch. Beides trug dazu bei, dass die Erkenntnisse seiner Psychologie damals in den USA eine größere Verbreitung fanden als in Europa.
1943 gründeten Frieda Fromm-ReichmannErich FrommHarry Stack SullivanClara Thompson sowie Janet und David Rioch das William Alanson White Institute of Psychiatry, Psychoanalysis and Psychology in New York. Dies war das erste Institut der „loyalen Opposition“ zum psychoanalytischen Establishment in den USA. [Neopsychoanalyse, Geschichte, Wikipedia, abgerufen am 23.01.2018]
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Erich Fromm - Humanismus und Psychoanalyse {37:27}

Am 08.12.2016 veröffentlicht
Humoresque
Ein Versuch zur gegenseitigen Verknüpfung zweier bedeutender Theorien. Gegen Ende des Vortrags stellt Erich Fromm seine Position zum Umgang mit Faschismus dar.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_F…

siehe auch:
- Erich Fromm – Neopsychoanalyse (greiner1.at, Vergasser und Datum unbekannt)
- Erich Fromm – Mein Glaube an den Menschen (Rainer Funk [Hg.], Leseprobe, PDF, beachte den letzten Absatz, S. 13!)
- Vom Umgang mit Ohnmachtserfahrungen (Georg Osterfeld, Beitrag zur Einführung in die Jahrestagung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft „Vom Umgang mit Ohnmachtserfahrungen“ am 21. Mai 2004 in Gummersbach. Der Beitrag wurde von der Redaktion um einige aktualpolitische Bezüge gekürzt. - Erstveröffentlichung in: Fromm Forum (Deutsche Ausgabe) 9 / 2005, Tuebingen (Selbstverlag) 2005, S. 22-26., Internationale Erich-Fromm-Gesellschaft, PDF)
- Erich Fromm Leben zwischen Haben und Sein (Rainer Funk [Hg.], irwish.de, PDF)
- Persönlichkeitstheorien – Erich Fromm (C. George Boeree , Originaltitel: Personality Theories, ©1997, PDF, zu finden auf www.social-psychology.de)
- Einführung in das Leben Erich Fromms (Klaus Widerström, Internationale Erich-Fromm-Gesellschaft , Copyright © 2013)
- Erich Fromms: Anatomie der menschlichen Destruktivität (Sven Fuchs, KriegsursachenBlog, 14.11.2011)
- Der Politiker Erich Fromm (Gerd Meyer, Archiv der Webseite http://www.hanflobby.de, Datum unbekannt)
- Erich Fromm Gesamtausgabe (HG: Rainer Funk, Leseprobe, GoogleBooks)
- Erich Fromm: Analytische Sozialpsychologie und visionäre Gesellschaftskritik (Burkhard Bierhoff, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1993, Leseprobe, GoogleBooks)
- Erich Fromm - ein jüdischer Denker: jüdisches Erbe, Tradition, Religion ( Domagoj Akrap , Lit Verlag, Wien, 2011, Leseprobe, GoogleBooks)

Erich Fromm - Ein Gespräch (1980) {40:37}

Am 17.06.2013 veröffentlicht
PhilosophieKanal
"Die Normalen sind die Kränksten. Die Kranken sind die Gesündesten." (E. Fromm) Themen: Herkunft, Messianismus, Freudsche Analyse, Karl Marx & Religion, Kapitalismus, Christentum, Maske des Glücklichseins, Profit, "Maschinenmenschen", Arm und Reich, kommende Katastrophe sowie Verdrängung.
Mit Micaela Lämmle und Jürgen Lodemann. Fernsehinterview des Südwestfunks Baden-Baden, das zum 80. Geburtstag Fromms geführt wurde und dann als Interview zu seinem Tod am 19. März 1980 ausgestrahlt wurde.
Teil der "Erich Fromm - Vorträge, Gespräche und ein Portrait"-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list...
Hier befindet sich ein zweiteiliges Portrait von Erich Fromm: http://www.youtube.com/watch?v=7JVfcN...

Erich Fromm - Ein Portrait 1/2 {43:53}

Am 06.07.2012 veröffentlicht
PhilosophieKanal
Teil 1: "Leben durch Geschichte" (Rainer Otte, 1990) Teil 2: "Mut zum Menschen": http://www.youtube.com/watch?v=tAJh1f...

Erich Fromm - Ein Portrait 2/2 {44:11}

Am 06.07.2012 veröffentlicht
PhilosophieKanal
Teil 2/2: "Mut zum Menschen" (Rainer Otte, 1990)
Teil 1/2: "Leben durch Geschichte" (Rainer Otte, 1990)
http://www.youtube.com/my_videos_edit...
Teil der "Erich Fromm - Vorträge, Gespräche und ein Portrait"-Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list...

Erich Fromm über den unglücklichen Menschen {7:29}

Am 19.05.2015 veröffentlicht
Psyche Gesellschaftskritik
Ganz allgemein gilt, dass nur der Mensch gierig ist, der unbefriedigt ist. Die Gier ist immer das Ergebnis tiefer Enttäuschung. Ob es um die Gier nach Macht, nach Essen oder etwas anderem geht, die Gier ist immer das Ergebnis einer inneren Leere.Zitat Erich Fromm

Erich Fromm - Der moderne Mensch und seine Zukunft {50:00}

Am 14.04.2015 veröffentlicht
Enlightenments Light
Erich Fromm (1900-1980)

Montag, 22. Januar 2018

Meditation: Wenn du still sitzt, geschieht etwas

Wenn du still sitzt, geschieht etwas {8:20 – Start bei 1:47}

Muho Nölke
Am 22.01.2018 veröffentlicht 
Geweckt wird man im Kloster Antaiji früh, sehr früh, noch vor dem Sonnenaufgang. Und sanft geschieht es auch nicht grade. Um viertel vor vier rennt Xavier über die Flure. Er ist heute der Jikijitsu und für den Tagesablauf verantwortlich. Seine trampelnden Schritte signalisieren jedem: In 15 Minuten beginnt in der Halle die Meditation, das sogenannte Zazen mit dem Gongschlag des Jikijitsu.
Die Meditierenden sitzen auf Kissen, manche auf richtigen Kissentürmchen. Der Lotussitz, eine kreuzbeinige Sitzposition empfiehlt sich nur Geübten. Zwei Stunden wird man so, unterbrochen nur vom Kinhin, einer 15-minütigen Gehmeditation, bewegungslos sitzen. Mit dem Gesicht zur Wand verharrt man ganz im Hier und Jetzt, erklärt Xavier, ein in Chile geborener Deutschlehrer: "Wenn man ganz still ist, dann fühlt man sich anders. Wenn du dich ständig bewegst, dann achtest du nur: Oh, hier juckt es oder wie lange haben wir noch? Wenn du ganz stille sitzt und einatmest und ausatmest und lässt alles, dann geschieht etwas."
"Oft wird gesagt, Zazen bedeutet, man setzt sich aufs Kissen und lässt los und man genießt dann die Ruhe des Geistes. Was aber passiert ist, man genießt es dann für fünf Minuten, zehn Minuten einfach nur stillsitzen zu dürfen. Aber spätestens nach 15 Minuten geht es dann los im Kopf und alle möglichen Dinge kommen hoch. Dieses innere Gespräch beginnt", sagt Muhō.
Nicht nur das sei hart, sagt Murillo aus Brasilien, der seit einem Jahr in Antaiji Zen praktiziert: "Du hast körperliche Schmerzen und dein Geist wird immer wieder abgelenkt. Jemand hat Zazen als einen Spiegel beschrieben, in dem man sich selbst sieht. Man kann sich davor nicht verstecken. Es ist nicht immer schön, aber man lernt auch viel über sich. Besonders während der Sesshin-Tage. In diesen Momenten frage ich mich schon: Was mache ich hier?"
Als "Sesshin-Tage" werden die ersten fünf Tage eines jeden Monats bezeichnet, an denen 15 Stunden täglich mit kleinen Unterbrechungen meditiert wird. Da kommt man schnell an seine Grenzen, sagt Markus aus Berlin, der ein paar Monate hier bleiben will: "Dann hörst du morgens immer diese Trommel und wenn du die Trommel schon hörst, dann denkst du: Das kann nicht sein! Heute ist erst der dritte Tag, wie soll das jetzt weitergehen? Aber irgendwann merkst du auch: Okay, das geht. Ist ja komisch."

siehe auch:
Muho: Und wenn es mich das Leben kostet… (Post, 23.11.2018)
- Abt Muho, der große Markt der Meditation und die Karotte vor der Nase (Post, 25.05.2017)
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Sonntag, 21. Januar 2018

Mark Fisher, Depression, Gesellschaft und das Leben in einer Illusion

Die Alternativlosigkeit des Kapitalismus, ideologische Gespenster und Depression: Damit hat sich Mark Fisher beschäftigt. Vor einem Jahr hat sich der britische Kulturtheoretiker das Leben genommen. Eine Erinnerung. Oder: Warum man hinter rote Vorhänge schauen sollte.

Die Sängerin Rebekah Del Rio tritt vor den schweren, roten Samtvorhang und beginnt ein wunderschönes, trauriges Lied zu singen: die spanische Version von Roy Orbisons „Crying“. Während die beiden Zuhörerinnen im „Club Silencio“ beim Klang der berührenden Ballade selbst zu weinen beginnen, fällt Del Rio plötzlich um und liegt wie tot auf der Bühne – doch ihre Stimme singt weiter.

Gänsehautmomente gibt es viele im Film „Mulholland Drive“ (2001) von David Lynch. Doch die Stimme, die weitersingt, obwohl die Sängerin kollabiert ist, hat Mark Fisher besonders fasziniert: Für ihn ist dies eine der Schlüsselstellen des Films und ein Beispiel für das, was er in seinem Buch „Das Seltsame und Gespenstische“ untersucht hat.

Er lehnte sich dabei an Sigmund Freuds Begriff vom Unheimlichen an. Das Unheimliche, so Freud, irritiert vor allem deshalb, weil es mit dem Heimlichen, also dem von der eigenen Heimat Bekannten, so nahe verwandt ist. Eine kleine Abweichung von diesem Bekannten, Heimlichen reicht aus, um großen Schrecken zu erzeugen, um „un-heimlich“ zu werden. Spuren dieser Art hat Mark Fisher in seinem Spezialfeld, der Popkultur, viele gesucht und gefunden, in der Musik ebenso wie im Kino.

Das Seltsame, Unbehagen Verursachende an der Szene aus „Mulholland Drive“ war für Fisher die plötzliche Einsicht, dass wir uns in einer Illusion befinden. Kino an sich ist immer Illusion, in die wir uns freiwillig und mit großem Glücksversprechen begeben. Das wird in „Mulholland Drive“ sogar an anderer Stelle explizit betont, ändert aber nichts daran, dass wir bei der Einsicht in diese Wirklichkeit – beim Gewahrwerden, dass die Stimme auch weitersingen kann, wenn die Sängerin am Boden liegt – zusammenzucken.

mehr:
- Hinter roten Vorhängen (Lukas Wieselberg, science.ORF.at, 13.01.2018)

Zum Tod des Popkritikers Mark Fisher (11. Juli 1968 – 13. Januar 2017) {1:26:05}

Am 25.01.2017 veröffentlicht
Raoul de Bragelonne
Reste einer verlorenen Zukunft: https://www.neues-deutschland.de/arti...
Aus aktuellem Anlass: http://www.konkret-magazin.de/aktuell...
Das Gefühl, dass sich nichts jemals wieder ändern wird: http://jungle-world.com/artikel/2015/...
Die Geister seines Lebens: https://www.taz.de/!5374241/
Das neue Jahr beginnt mit dem Tod einer Person, die sich für eine kritische Theorie der Popkultur verdient gemacht hat: Am 13. Januar 2017 hat sich der Kulturwissenschaftler Mark Fisher das Leben genommen. Im Gespräch mit Philipp Böhm haben wir sein theoretisches Vermächtnis gewürdigt.

mehr zu Mark Fisher:
- Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ (PhilosophieUndLiteratur.de)
- Dem Störenden folgen (Diedrich Diederichsen, taz, 17.12.2017)
- Mark Fisher – Wenn die Begriffe nicht mehr greifen (Philipp Rhensius, WOZ, 26.10.2017)
- Zum Tod des Popkritikers Mark Fisher: Depression und Kapitalismus (Hartwig Vens, Deutschlandfunk Kultur, 16.01.2017)
- Nachruf auf Mark Fisher – Die Geister seines Lebens (Christian Werthschulte, taz, 15.01.2017)
- Mark Fisher: Der Gespensterforscher (Thomas Groß, ZON, 26.02.2015, beachte auch die Kommentare!)

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Als Reaktion auf die Aussage des US-amerikanischen Historikers Francis Fukuyama, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehöre dem siegreichen Kapitalismus nunmehr uneingeschränkt die Zukunft und es sei somit das „Ende der Geschichte“ eingetroffen, formulierte der französische Philosoph Jacques Derrida im Jahr 1993 seine Theorie der Hauntologie. Unter diesem Begriff, der die Konzepte von haunt (dt. von etwas heimgesucht werden) und Ontologie (Lehre des Seienden) in einem Wort verbindet, versteht man nach Derrida die Gegenwart (oder auch „offensichtliche Nicht-Gegenwart“) von Ideen, Theorien und Ideologien aus der Vergangenheit, die selbst bei ihrem Scheitern in der Praxis noch in den Denkgebäuden der Gegenwart präsent sind und diese dadurch prägen. Dem Titel des zugehörigen Buches – Spectres de Marx (dt.: Geister von Marx) – entsprechend, bezog sich Derrida in erster Linie auf die Theorien von Karl Marx, die durch das Ende des Kalten Krieges nach 1989 in weiten Teilen als gescheitert und nicht mehr relevant galten, obschon die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ursachen von Marx' Kritik am Kapitalismus auf nach dem Fall des Eisernen Vorhangs weiter Bestand haben sollten. Zum weiteren Umfeld der Hauntologie gehört bespielsweise auch die Theorie der „heimgesuchten Orte“, nach der sich bestimmte einschneidende Ereignisse in einen Ort so einprägen können, dass sie sich ständig wiederholen. [Hauntology, "Hauntologie" in der Philosophie, Indiepedia, abgerufen am 21.01.2018]
zu Derridas Buch siehe:
- Derrida über Marx und die neue Weltordnung (Moishe Postone, Krisis, 31.12.1998)

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Mark Fisher on why Modern Life causes Depression {3:31}

Am 28.04.2017 veröffentlicht
Symrun Citizen
Mark Fisher speaking at a lecture about Capitalist Realism and Cybernetics, specifically about how Neoliberalism is exhausting us all.

- „There’s more to the picture“ (EduardMinor, 04.11.2014)
- Neue Bücher zum „Burnout“ – Hurra, hurra, die Klasse brennt (Klaus Walter, taz, 13.11.2013)
- Realismus und Unmündigkeit (Markus Rackow, e-politik.de, 19.06.2013)
- Hauntology-Pop: Elektronische Musik erforscht ihr Unbewusstes (Felix Stephan, ZON, 06.02.2012)
- Mark Fisher: Kapitalistischer Realismus ohne Alternative? Symptome unserer kulturellen Malaise (Steffen Vogel, getidan, 24.01.2011)

siehe auch:
- Ego-Kult, Selbst-Optimierung und Wettbewerbsfähigkeit (scobel, 3sat, 11.01.2018)
- Achtsamkeit im Neoliberalismus: Warum nicht?! (Post, 16.11.2017)
- »Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein« (Post, 15.11.2017)
- Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 16.03.2016)
- Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie sich Emotionen in der Menge entladen, und wie sie gesteuert werden können (Post, 14.03.2016)
- Deutschlands Hypnotherapeutin Nr. 1 und das Herstellen von Alternativlosigkeit (Post, 18.01.2016)
- Unsere Welt besteht aus Geschichten (Post, 17.12.2015)
- Wie gehen wir mit gemachter Realität um? (Post, 15.06.2014)
- Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)
- Wir geben ihnen Macht 1 (Post, 14.03.2013)
- Die neurobiologische Verankerung von Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf das spätere Verhalten (Gerald Hüther, Archiv der Lindauer Psychotherapiewochen, Plenarvortrag, 24. April 2001, PDF)

Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther: Quantenphysik und Kommunale Intelligenz {1:27:38}

Am 03.11.2017 veröffentlicht
Georg Dygruber
TIcket Salzburgarena für 10.2018 jetzt kaufen (mit Prof. Hüther):
https://www.startnext.com/bewusstgeme...
4000 Menschen finden sich und transporieren unsere Anliegen!
Was ist Kommunale Intelligenz: Es geht dabei in erster Linie darum, einen gesellschaftlichen Prozess auszulösen und Menschen in ihrer Entfaltung zu unterstützen.
Machen wir aus dem Inspirationstag im Odeion ein Feuerwerk, das das ganze Land erfasst und unsere Anliegen sichtbar macht. Ein konkretes Ziel ist eine Großveranstaltung in der Salzburgarena im Oktober 2018, wo wir darüber nachdenken, wie wir die Welt durch eine andere Art des Miteinanders verändern.
Mehr Information: https://www.bewusst-gemeinsam-leben.at/



Samstag, 20. Januar 2018

Wünschenswert? - Gelassenheit

Geld, Glück, Gesundheit - und Gelassenheit. Die wohl meist geäußerten Wünsche, davon hätte fast jeder gerne mehr. Was genau erhoffen wir uns von der Gelassenheit, und ist sie tatsächlich wünschenswert? Studiogast: Susanne Boshammer, Philosophin; Moderation: Jürgen Wiebicke
zur Sendung:
- Wünschenswert? – Gelassenheit (WDR 5 Das philosophische Radio | 18.08.2017)

Gleichmut - Nicht Gleichgültigkeit ! - Fred von Allmen {29:13}

Am 29.07.2016 veröffentlicht
Buddhismus im Alltag  
- Mehr als tausend Vorträge, Meditations-Anleitungen... zum Thema Buddhismus findet ihr auf "Buddhas Lehre": https://www.youtube.com/channel/UCMOP...
HIER erscheinen nun weitere ( so wie nach und nach auch alle älteren - größtenteils noch einmal bearbeitet = besserer Ton )...!

siehe auch:
- Gelassenheit, die förderliche innere Haltung (Post, 03.11.2017)
- Der Sinn des Lebens: 42 (Post 27.07.2017)

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die latente depressive Überforderung: Basis der manifesten Depression

Es ist bekannt, dass depressiv selbstüberforderte Menschen nur ganz unscharf ihre eigenen physischen und psychischen Grenzen erkennen und daher auch nur schwer merken, wann eine emotionale bzw. psychische Belastung einfach nicht mehr zu bewältigen ist. siehe auch meine Website

Als Folge übernehmen betroffene Menschen für alles und jedes Verantwortung: für die ANDEREN MUSS ALLES PASSEN, nicht aber für einen selbst. Dieser so handelnde Mensch stellt eigene Bedürfnisse völlig hinten an, da er sie ja auch gar nicht als legitim wahrnimmt.

Es besteht also eine hohe Sensibilität für andere Menschen, nicht aber bezüglich des eigenen Empfindens und eigener psychischer Verletzlichkeit.
Ganz bestimmte depressive Muster und damit Überforderungsklassiker, können auch als gleitender Übergang zu einer möglichen manifesten Depression verstanden und in der Praxis beobachtet werden. Mehrfache Anfragen – bereits zu den beiden Vorblogs – bestätigten mir die allgemeine Unsicherheit beim Thema: Depression und es wurde offensichtlich wohl als sehr hilfreich empfunden, dass ich mehr beschreibend, als rein wissenschaftlich „dozierend“ an die Thematik herangehe. Dies soll hier inhaltlich noch ein Mal vertieft werden, ehe „mögliche“ Lösungs-und Heilungsansätze im Folgeblog aufgezeigt werden.

mehr:
- Basis der manifesten Depression: die latente depressive Überforderung (Monika Koch, Auf der Couch, Aachener Zeitung-Blog, 10.12.2010, Hervorhebungen im Original)

noch mehr:
- Atypische Depression oder hochfunktionelle Depression ohne Depression (Martin Winkler, DocCheckNews, 22.10.2016)
- High Functioning Depression – Die erfolgreichen Depressiven? (Aline Schöneberg, CogniFit, 25.05.2017)
- Über diese besondere Art von Depression spricht kaum jemand – dabei sollten wir es tun (Well&Good-Blog der Huffington Post, 23.09.2016)
- Menschen mit versteckter Depression wollen, dass du diese 9 Dinge weißt (Lindsay Holmes, Huffington Post, 05.10.2016)

Mittwoch, 17. Januar 2018

Autismus und Arbeit

Daniel ist Autist und schrieb mir, dass er immer öfter das Gefühl habe, der Einzige zu sein, der sich richtig freut, arbeiten zu dürfen. Alle anderen in seinem Umfeld würden regelmäßig schimpfen. „Nicht, dass ich falsch verstanden werde“, schreibt er, „ich selbst denke mir auch manchmal: Mensch, ich hab nur zwei Hände, wie soll ich denn das alles schaffen? Oder aber: Hm, wenn jetzt nicht erst 14 Uhr, sondern schon Feierabend wäre, das wäre doch toll. Aber trotzdem… Ich ziehe nicht so über meinen Chef her, wie das andere tun. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich meine Arbeit dankbarer wahrnehme.“
Daniel verfasste schließlich einen Gastbeitrag zu diesem Thema:
mehr:
- Gastbeitrag zum Thema Autismus und Job: „Ich freue mich, arbeiten zu können.“ (Silke, EllasBlog, 26.06.2017)

Montag, 15. Januar 2018

»Zeit der Monster«

Interview Der franko-tunesische Psychoanalytiker Fethi Benslama über seine Begegnung mit Freud und seine Arbeit mit Islamisten 

Fethi Benslama ist Psychoanalytiker, lehrt als Professor für Psychotherapie an der Pariser Universität Denis Diderot und gehört in Frankreich zu den führenden Experten für Islam und Islamismus.
mehr:
- „Die Zeit der Monster“ (Jakob Augstein, der Freitag 51/2017)

Samstag, 13. Januar 2018

Ego-Kult, Selbst-Optimierung und Wettbewerbsfähigkeit

scobel ist eine wöchentlich auf 3sat ausgestrahlte Fernsehsendung, die Themen aus den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft und Ethik behandelt. Moderator und Namensgeber ist der Fernsehjournalist Gert Scobel. Die Vorgängerin der Sendung war bis April 2008 die Sendung delta. [scobel (Fernsehsendung), Wikipedia, abgerufen am 13.01.2018]
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Wir optimieren unsere Körper, unsere Karrieren, unser Privatleben. Was ist richtig, was falsch? Ist die Selbstoptimierungswelle die neue Sinnstiftung? Wozu tun wir das? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen.
mehr:
- scobel: Der Ego-Kult – Im Zweifel, ich zuerst (3sat, 11.01.2018, in der ZDF-Mediathek abrufbar bis 12.01.2023)

Freitag, 12. Januar 2018

Scham und Schuld

Schamgefühle haben großen Einfluss auf die Steuerung des Verhaltens. Ursächlich hängen sie mit dem psychologischen Grundkonflikt zusammen. Somit sind sie mit den Bedürfnissen nach Selbst­bestimmung und Zugehörigkeit sowie dem Selbstwertempfinden vernetzt. Verdrängte Scham­gefühle können ganze Biographien nachhaltig belasten.
Schamgefühle tauchen auf, sobald sich zeigt, dass das tatsächliche Sosein hinter dem Selbstbild zurückbleibt. Da das Selbstbild weitgehend dem entspricht, wie man in den Augen anderer erscheinen möchte, schmerzt das Schamgefühl besonders, wenn auch andere Zeugen der Lücke geworden sind.
Da das Bild, das wir und andere von uns haben, den Rang bestimmt, auf den wir in der Gemein­schaft Anspruch erheben, gefährdet jedes Ereignis, das Lücken offenbart, unsere Zugehörigkeit. Das erzeugt unterschwellig Existenz­angst.
Die Regulation des Schamgefühls ist nicht statisch. Sie unterliegt entwicklungspsychologischen Gesetzen und kulturellen Vorgaben. Je größer der Anpassungs­druck kultureller Vorgaben ist, desto mehr wird die spontane Entwicklungsdynamik der reifenden Person verzerrt. [Scham, 2. Psychologie des Schamgefühls, Seele und Gesundheit, abgerufen am 13.01.2018]
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Was macht Schamgefühle eigentlich aus, was macht sie so erdrückend? Und warum kann Scham zuweilen in Aggression umschlagen? Gert Scobel diskutiert mir seinen Gästen.

siehe Sobel: Scham und Schuld (in der ZDF-Mediathek abrufbar bis 03.11.2022)

siehe auch:
Scham und Schuld (Hanswerner Herber, Individuatio, Datum unbekannt)
- Das Schuldgefühle-Wut-Trauer-Angst-Scham-Dilemma (Marin Vieweg, Spektrum, Bild der Wissenschaft, 26.09.2012)
- Trauma und Scham (Dami Charf, Traumaheilung, 07.07.2017?)

Scham {7:53}

Am 11.04.2015 veröffentlicht
Dami Charf
http://www.traumaheilung.de
Dami Charf (HP-Psychotherapie)
Trauma und Scham gehören zusammen wie Schwestern, es ist kaum möglich das eine zu betrachten ohne auf das andere Thema zu stoßen.
Scham wird oft als etwas schlechtes betrachtet, doch wir brauchen eine gesunde Scham um sozial gut zu funktionieren. Scham wird erst dann "schlecht", wenn sie toxisch wird.
Ich hoffe, ich kann mit diesem Video ein wenig den Unterschied erklären.
Herzliche Grüße,
Dami

- Scham und Schuld – Doppelleben macht krank (Fanny Jiménez , N24, 30.05.2012)
- Emotionen – Scham (Götz Fabry, Vorlesung Medizinische Psychologie, Universität Freiburg, 09.01.2008, PDF)
- Die im Boden versinken... (Focus, 24.10.1993)

Mittwoch, 10. Januar 2018

Meditation: Der adäquate Umgang mit Störungen

Doch immer wieder ziehen andere, besonders auffällige Erfahrungen unsere Aufmerksamkeit von der Körper-Erfahrung ab:
Jemand hustet, wir hören Lärm, die Stimme der Lehrenden oder andere Geräusche, die laut genug sind, dass die Aufmerksamkeit von selbst zum Hören geht. Normalerweise würden wir das wohl als eine Störung betrachten. Hier aber gibt es keine Störung, denn in dem Moment, in dem die Achtsamkeit zum Hören wechselt, wird genau dieses Hören zur Praxis. Es ist das, was jetzt dran ist: die Praxis achtsamen Hörens.
Dieses achtsame Hören ist unmittelbar im Kontakt mit der nackten Erfahrung des Hörens. Dabei wird nicht überlegt, was genau wir da hören, wer wohl hustet und ob er wohl Hustenbonbons braucht oder nicht. Es ist einfach das unmittelbare Präsent- und Wach-Sein in der Erfahrung des Hörens – solange diese dauert. Wenn sie endet, können wir zu den Körperempfindungen zurückkehren.
Lärm oder Geräusche, Stimme oder Klang sollten nie als Ablenkung betrachtet werden. Sie sind einfach die nächste Erfahrung, die unserer vollen Aufmerksamkeit wert ist. Sie entsteht im Gewahrsein, verändert sich und verschwindet wieder – genau wie die Körper- und Atemempfindungen.
Dem Hören folgt oft ein Bild, ein Gedanke, ein Benennen. Zum Beispiel: »Ah! Ein Flugzeug«. Gewahr zu sein, wie solche Bilder, Gedanken, Begriffe im Geist auftauchen und wieder verschwinden, ist Teil der Meditation und keine Störung. Manchmal hören wir Kampfflugmanöver vom nahe gelegenen Armeeflugplatz und erleben vielleicht Empörung, Unverständnis oder Aversion. Falls Gewahrsein präsent ist, kommt es nicht zu Ablenkung: Die Erfahrung mitsamt ihren Gefühlen erscheint im Gewahrsein, verändert sich und ver­schwindet wieder - ganz von selbst. Wenn ich mich aber in der Ge­schichte verliere und bereits plane, was ich dem Militärdepartement schreiben werde, wobei ich völlig vergesse, dass es nur Gedanken und Gefühle sind, die in mir ablaufen, dann ist das Ablenkung und nicht mehr Meditation.
Beim Hören lässt sich gut beobachten, wie wir die Erfahrung nach außen projizieren, mit Vorstellungen darüber was dort draußen passiert, statt das Hören als eine weitere Erfahrung zu erkennen, die sich im Gewahrsein manifestiert und wieder auflöst. Je nachdem, ob wir präsent sind oder nicht, erkennen wir dies - oder verlieren uns darin.