Werde ich vom Küssen schwanger? Ist mein Penis zu klein? Fragen, die Teenager brennend interessieren, die sie ihren Eltern aber nie stellen würden, beantwortet seit 50 Jahren "Dr. Sommer". Zum Jubiläum verrät Klaus Mauder vom "Dr. Sommer"-Team n-tv.de, welche die drängendsten Fragen sind, wie Pornos das Sexleben der Jugendlichen verändern und wer sich hinter "Dr. Sommer" verbirgt.
n-tv.de: "Dr. Sommer" beantwortet jetzt bereits seit 50 Jahren Fragen in der "Bravo". Haben Teenager im Jahr 2019 die gleichen Probleme wie Teenager 1969?
Klaus Mauder: Die Fragen haben sich im Wesentlichen nicht verändert. Jugendliche haben während der Pubertät Probleme, die sich in jeder Generation wiederholen. Sie stellen vor allem Fragen zur körperlichen Entwicklung, der ersten Liebe oder zur Verhütung. Mit der Digitalisierung und dem Internet kamen natürlich neue Fragen dazu. Online flirten, sich im Internet verlieben - das sind ganz neue Möglichkeiten für Jugendliche, die aber auch wieder neue Fragen aufwerfen. Hinzu kommen Themen wie Sexting oder Cybermobbing.
Stichwort Internet: Sexuelle Inhalte sind heute viel leichter zugänglich als noch vor einigen Jahrzehnten. Führt das dazu, dass die Jugendlichen früher aufgeklärt sind oder verunsichert es eher?
Ich denke, das trifft beides zu. Dank des Internets kennen sich viele Teenager mit Verhütung und Co gut aus, sind aufgeklärt und informiert, aber auch verunsichert - und zwar immer dann, wenn es um sie persönlich geht, um ihre Fragen, um ihre Pubertät. Die können sie oft schwer ergoogeln. Denn wann ist denn nicht für irgendwen, sondern für mich persönlich der richtige Zeitpunkt für das erste Mal? Dazu kommt, dass Inhalte im Internet zum Thema Sexualität oft nicht altersgerecht aufbereitet sind. Vieles verwirrt dann eher, als dass es für Aufklärung sorgt.
mehr:
- 50 Jahre "Dr. Sommer" Liebeskummer, Brüste und das erste Mal (n-tv, 20.10.2019)
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Sonntag, 20. Oktober 2019
Freitag, 18. Januar 2019
Pornofilme – Der weibliche Blick
Immer mehr Frauen schauen Pornos, doch die meisten bevorzugen immer noch Filme, die für Männer gemacht sind. Was macht das mit ihnen – und was macht sie dort an?
Alle schauen Pornos. Okay, nicht alle, aber viele. Obwohl die meisten Pornos immer noch von Männern gesehen werden, gibt es gerade unter jüngeren Frauen immer mehr, die auch welche konsumieren. Laut einer Studie, die Porn Hub 2018 veröffentlichte, zählt die Seite in Deutschland mittlerweile 24 Prozent Nutzerinnen, drei Prozent mehr als noch im letzten Jahr.
Die meisten Männer, die ich kenne, finden Frauen, die über Pornos reden, irgendwie "cool". Frauen, die keine Pornos schauen beziehungsweise nicht darüber reden wollen, werden zur gleichen Zeit noch und immer wieder als verklemmte Alte abgestempelt, die insgeheim keine Lust auf Sex haben. In offener Solidaritätsbekundung zu allen Frauen, die keine Pornos schauen oder nicht darüber reden wollen, rede ich jetzt über Pornos. Weil in unserem Verhältnis zu ihnen etwas ausgetragen wird, das uns alle angeht.
Und ja, es wird jetzt explizit. Weil das die Sprache dieser Bilder ist, denen die meisten von uns sich regelmäßig aussetzen. Und ja, es wird auch pornografisch. Nicht zuletzt, weil es eine Frau ist, die spricht. Wenn Philip Roth in Portnoys Beschwerden auf 20 Seiten über sein Masturbationsfrühlingserwachen schreibt, ist das lustig oder radikal. Wenn ich es tue, mache ich mich darin zum Objekt der Fantasien des Lesers. Sich dem zu entziehen, ist unmöglich: Ins Klinisch-Distanzierte zu verfallen, wäre genauso eine Anpassung an diese Erwartung, wie in die Vollen zu gehen. Die Sprache, in der wir uns selbst neu schreiben können, muss erst noch erfunden werden. Vorerst ist es diese.
Ich sehe Pornos ungefähr seit dem Zeitpunkt, als meine Eltern mir mit zwölf einen Computer mit DSL-Anschluss ins Zimmer gestellt haben. Seitdem bewegen sich meine Präferenzen innerhalb einer relativ engen Bandbreite aus heterosexuellem Hardcore. Einer meiner Lieblingspornos ist der, in dem Rocco Siffredi eine Frau an den Haaren in eine Toilettenschüssel drückt, nachdem er sie sechs Minuten lang von hinten gevögelt hat, um anschließend in ihr mit Mascara verschmiertes Gesicht zu kommen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich dafür schäme, dass mich diese Szenen anmachen. Vielleicht finde ich es sogar selber ein bisschen cool. Trotzdem stellt sich jedes Mal, nachdem ich gekommen bin, ein dumpf-widerliches Gefühl ein, das mich dazu bringt, sofort panisch alle Tabs zu schließen.
mehr:
- Der weibliche Blick (Anna Gien, ZON, 18.01.2019 – Hervorhebung von mir)
Mein Kommentar:
Sie »kann nicht sagen«, daß sie sich schämt, aber nach ihrem Orgasmus »stellt sich jedes Mal ein dumpf-widerliches Gefühl ein«.
Wo ist das Problem?
==========
siehe auch:
- Pornografie: Grausame Geilheit (Anselm Neft, ZON, 25.03.2018)
- Porno, politisch korrekt (Antje Hildebrandt, WELT, 23.10.2017)
- Das ist die (gratis) frauenfreundliche Pornoseite, auf die wir alle gewartet haben (Wienerin.at, 21.02.2017)
- Die Befreiung der weiblichen Lust (Lorraine Heist, WELT, 19.10.2009)
Alle schauen Pornos. Okay, nicht alle, aber viele. Obwohl die meisten Pornos immer noch von Männern gesehen werden, gibt es gerade unter jüngeren Frauen immer mehr, die auch welche konsumieren. Laut einer Studie, die Porn Hub 2018 veröffentlichte, zählt die Seite in Deutschland mittlerweile 24 Prozent Nutzerinnen, drei Prozent mehr als noch im letzten Jahr.
Die meisten Männer, die ich kenne, finden Frauen, die über Pornos reden, irgendwie "cool". Frauen, die keine Pornos schauen beziehungsweise nicht darüber reden wollen, werden zur gleichen Zeit noch und immer wieder als verklemmte Alte abgestempelt, die insgeheim keine Lust auf Sex haben. In offener Solidaritätsbekundung zu allen Frauen, die keine Pornos schauen oder nicht darüber reden wollen, rede ich jetzt über Pornos. Weil in unserem Verhältnis zu ihnen etwas ausgetragen wird, das uns alle angeht.
Und ja, es wird jetzt explizit. Weil das die Sprache dieser Bilder ist, denen die meisten von uns sich regelmäßig aussetzen. Und ja, es wird auch pornografisch. Nicht zuletzt, weil es eine Frau ist, die spricht. Wenn Philip Roth in Portnoys Beschwerden auf 20 Seiten über sein Masturbationsfrühlingserwachen schreibt, ist das lustig oder radikal. Wenn ich es tue, mache ich mich darin zum Objekt der Fantasien des Lesers. Sich dem zu entziehen, ist unmöglich: Ins Klinisch-Distanzierte zu verfallen, wäre genauso eine Anpassung an diese Erwartung, wie in die Vollen zu gehen. Die Sprache, in der wir uns selbst neu schreiben können, muss erst noch erfunden werden. Vorerst ist es diese.
Ich sehe Pornos ungefähr seit dem Zeitpunkt, als meine Eltern mir mit zwölf einen Computer mit DSL-Anschluss ins Zimmer gestellt haben. Seitdem bewegen sich meine Präferenzen innerhalb einer relativ engen Bandbreite aus heterosexuellem Hardcore. Einer meiner Lieblingspornos ist der, in dem Rocco Siffredi eine Frau an den Haaren in eine Toilettenschüssel drückt, nachdem er sie sechs Minuten lang von hinten gevögelt hat, um anschließend in ihr mit Mascara verschmiertes Gesicht zu kommen. Ich kann nicht sagen, dass ich mich dafür schäme, dass mich diese Szenen anmachen. Vielleicht finde ich es sogar selber ein bisschen cool. Trotzdem stellt sich jedes Mal, nachdem ich gekommen bin, ein dumpf-widerliches Gefühl ein, das mich dazu bringt, sofort panisch alle Tabs zu schließen.
mehr:
- Der weibliche Blick (Anna Gien, ZON, 18.01.2019 – Hervorhebung von mir)
Mein Kommentar:
Sie »kann nicht sagen«, daß sie sich schämt, aber nach ihrem Orgasmus »stellt sich jedes Mal ein dumpf-widerliches Gefühl ein«.
Wo ist das Problem?
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Madison Young, eigentlich Tina Butcher (* 20. September 1980 in Loveland, Ohio) ist eine amerikanische Pornodarstellerin und -regisseurin sowie Besitzerin der Galerie Femina Potens, in der erotische Kunst von Frauen und Transgenders ausgestellt wird. Madison Young gilt als eine der „namhaftesten weiblichen Pornoproduzentinnen“[1] und wurde mehrfach mit dem Feminist Porn Award ausgezeichnet.[2]
[Madison Young, Wikipedia, abgerufen am 31.01.2019]==========
siehe auch:
- Pornografie: Grausame Geilheit (Anselm Neft, ZON, 25.03.2018)
- Porno, politisch korrekt (Antje Hildebrandt, WELT, 23.10.2017)
- Das ist die (gratis) frauenfreundliche Pornoseite, auf die wir alle gewartet haben (Wienerin.at, 21.02.2017)
- Die Befreiung der weiblichen Lust (Lorraine Heist, WELT, 19.10.2009)
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Sexualität
Samstag, 13. Oktober 2018
Immer vernetzt – Wenn das Gehirn überfordert ist
Smartphones, Computer, Tablets digitale Geräte durchdringen heute alle Lebensbereiche des modernen Menschen. Diese permanente Informationsüberflutung gilt besonders in der Arbeitswelt als ein Auslöser für mentale Erschöpfung und Stress. Basierend auf unterschiedlichen Untersuchungen beleuchtet die Dokumentation die Risiken der digitalen Vernetzung.
mehr:
- Immer vernetzt Wenn das Gehirn überfordert ist (Arte, 13.10.2018, 22:55h)
52 Min. Verfügbar von 06/10/2018 bis 11/12/2018
Live verfügbar: ja
Nächste Ausstrahlung am Samstag, 13. Oktober um 22:55
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Immer vernetzt - Wenn das Gehirn überfordert ist - Arte Doku 2016 HD {2:10:01}
mehr:
- Immer vernetzt Wenn das Gehirn überfordert ist (Arte, 13.10.2018, 22:55h)
52 Min. Verfügbar von 06/10/2018 bis 11/12/2018
Live verfügbar: ja
Nächste Ausstrahlung am Samstag, 13. Oktober um 22:55
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Immer vernetzt - Wenn das Gehirn überfordert ist - Arte Doku 2016 HD {2:10:01}
仲志闕
Am 05.02.2018 veröffentlicht
Am 05.02.2018 veröffentlicht
Die Hälfte der Weltbevölkerung surft heute im Internet, täglich tauschen wir über digitale Geräte riesige Datenmengen aus. EMails, Blogs und soziale . Die Hälfte der Weltbevölkerung.
Wahrnehmung von Zeit stößt auf ihre Grenzen und ist ein unbegreifliches Phänomen. Ein grundsätzlicher Unterschied zum Raum ist doch auch, dass man sich . Im Kosmos tritt der Zusammenhang.
Die Hälfte der Weltbevölkerung surft heute im Internet, täglich tauschen wir über digitale Geräte riesige Datenmengen aus. E-Mails, Blogs und soziale . Die Hälfte der Weltbevölkerung.
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Wahrnehmung von Zeit stößt auf ihre Grenzen und ist ein unbegreifliches Phänomen. Ein grundsätzlicher Unterschied zum Raum ist doch auch, dass man sich . Im Kosmos tritt der Zusammenhang.
Die Hälfte der Weltbevölkerung surft heute im Internet, täglich tauschen wir über digitale Geräte riesige Datenmengen aus. E-Mails, Blogs und soziale . Die Hälfte der Weltbevölkerung.
Donnerstag, 23. August 2018
Michael Hochgeschwender | Prof. für Nordamerikanische Kulturgeschichte
Michael Hochgeschwender | Prof. für Nordamerikanische Kulturgeschichte | SWR1 Leute {30:34}
SWR1 Baden-Württemberg
Am 21.08.2018 veröffentlicht
Am 21.08.2018 veröffentlicht
Er ist katholischer Theologe und Geschichtsprofessor, er hat einen Lehrstuhl für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Maximilians-Universität in München. Und Michael Hochgeschwender ist nicht nur ein gefragter Gesprächspartner wenn es um die Geschichte der USA geht, sondern auch um die Präsidentschaft des Donald Trump, um das Ende alter Sicherheiten und Gewissheiten und um eine bevorstehende neue Weltordnung.
Dienstag, 11. April 2017
Sonntag, 23. Oktober 2016
Muss man Donald Trump hassen?
Kisslers Konter: An der Person und am Programm des Präsidentschaftskandidaten gäbe es viel auszusetzen. Die Abscheu aber hat das Argument besiegt, die Abneigung die Auseinandersetzung. Eine fatale Entwicklung, gerade in Deutschland
Am 8. November entscheidet sich, ob der nächste amerikanische Präsident Hillary Clinton oder Donald Trump heißen wird. Es ist also höchste Zeit, an einige offenbar unbekannte Selbstverständlichkeiten zu erinnern: Wahlberechtigt sind ausschließlich US-Bürger. Kein deutscher Leitartikler hat eine Stimme, kein EU-Politiker darf mitwählen, nordrhein-westfälische Landesvorsitzende müssen draußen bleiben. Das mag schmerzen, ist aber so. Gewinnen wird, wer die meisten Stimmen der Wahlleute auf sich vereint, nicht, wer jenseits des Atlantiks die größte Fangemeinschaft bilden konnte. Und drittens ist Hass auch hässlich, wenn es der Hass der Mehrheit ist – dann vielleicht sogar besonders.
mehr:
- US-Wahlkampf – Muss man Donald Trump hassen? (Alexander Kissler, Cicero, 13.10.2016)
siehe auch:
- "Weil es mir reicht!" – Trump-Fans haben die Nase gestrichen voll (n•tv, 23.10.2016)
- Von der Gefahr einer hysterischen Opposition gegen Trump (Post, 22.11.2016)
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Am 8. November entscheidet sich, ob der nächste amerikanische Präsident Hillary Clinton oder Donald Trump heißen wird. Es ist also höchste Zeit, an einige offenbar unbekannte Selbstverständlichkeiten zu erinnern: Wahlberechtigt sind ausschließlich US-Bürger. Kein deutscher Leitartikler hat eine Stimme, kein EU-Politiker darf mitwählen, nordrhein-westfälische Landesvorsitzende müssen draußen bleiben. Das mag schmerzen, ist aber so. Gewinnen wird, wer die meisten Stimmen der Wahlleute auf sich vereint, nicht, wer jenseits des Atlantiks die größte Fangemeinschaft bilden konnte. Und drittens ist Hass auch hässlich, wenn es der Hass der Mehrheit ist – dann vielleicht sogar besonders.
mehr:
- US-Wahlkampf – Muss man Donald Trump hassen? (Alexander Kissler, Cicero, 13.10.2016)
siehe auch:
- "Weil es mir reicht!" – Trump-Fans haben die Nase gestrichen voll (n•tv, 23.10.2016)
- Von der Gefahr einer hysterischen Opposition gegen Trump (Post, 22.11.2016)
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Montag, 22. August 2016
Amok in der Männerdämmerung
Männlichkeitswahn ist sicher eine Reaktion auf die Ahnung, dass das Patriarchat weltweit in die Krise gekommen ist - aber das ist nicht alles
Eines der wunderbarsten Phänomene der Mediengesellschaft ist nach wie vor, dass sie nicht nüchtern und klar die offensichtlichste Tatsache im Zusammenhang mit Gewalt benennen kann: Gewalt ist überwiegend männlich. Das gilt auch für die jüngsten Schreckenstaten, die angeblich "den Terror nach Deutschland" brachten - als habe es vorher hierzulande noch nie Terror gegeben. Die Zahl schwerer Gewalttaten sinkt seit fast einem Jahrzehnt Jahr für Jahr, aber eine bemerkenswerte Anzahl von Männern findet nach wie vor Gefallen daran, gewalttätig blöd zu sein.
An Angeboten zum Aggressiven und autoaggressiven Ausagieren ist freilich kein Mangel. Religion, Sport, Krieg, Politik, Konsum, Wirtschaft, Sexismus, Rassismus sind da nur ein paar Beispiele. Nehmen wir nur das echte deutsche Heldentum während der Olympiade in Rio. Der Turner Andreas Toba verletzte sich bei seiner Turnerei schwer, machte aber unter größten Schmerzen weiter, und die Presse fand es so wunderbar wie seinerzeit Schweinis Feldzug als "Blutkrieger".
Die Selbstaufrüstung der Extremsportler, die aus sieben Kilometer Höhe ohne Fallschirm in ein Netz hageln oder sich gar aus dem Weltraum auf die Erde herunterstürzen, findet ihren Spiegel in den Aktionen von Jugendlichen, die ungesichert auf Kirchtürme steigen und oben ein Instagram-Foto von ihren Füßen über dem Abgrund machen.
Angebote für alle
Das ist genauso ein Aspekt der toxic masculinity wie die psychopathische Eiseskälte des Finanzdurchblickers, der gar nicht mehr anders kann als jede Mikrosituation daraufhin auszuloten, ob sie ihn im Wettbewerb mit all den anderen Finanzdurchblickern nach vorne bringt.
Der Islam ist ebenfalls eines der aktuellen Angebote, und zwar eines der wirkmächtigsten. Männern wird im Islam attestiert, dass ihre Herrschaft gottesgefällig ist. Dass Allah als projiziertes Größen-Ich des ihn verehrenden Mannes der beste von allen Göttern ist, steht ja wohl von vornherein fest. Noch schöner am Islam ist, dass er gleich zwei Typen von Testosteron-Junkies hervorbringt: den Dschihadisten und den Abendlandsverteidiger; beide mit Eiern aus Stahl und Köpfen voller Wirsing aus den Zeiten der Kreuzzüge.
mehr:
- Amok in der Männerdämmerung (Marcus Hammerschmitt, Telepolis, 21.08.2016)
mein Kommentar:
»Gewalt ist überwiegend männlich.«
Kopfschüttel, Kopfschüttel, Kopfschüttel… Immer vorsichtig mit den Interpretationen!
Nicht Gewalt ist überwiegend männlich, die Gewalt, von der berichtet wird, ist überwiegend männlich!
Das Problem, um das es geht, gleicht dem Bild Magrittes: »Ce n'est pas une pipe!«
Die Tatsache, daß über weibliche Gewalt nicht berichtet wird, bedeutet nicht, daß es sie nicht gibt!
Und die Tatsache, daß Frauen über Jahrhunderte unterdrückt wurden, hat diese nach subtileren, nicht-körperlichen Formen suchen lassen, in denen sie ihre Aggressivität leben. Aber: die Emanzipation schreitet voran, auch auf dem Gebiet der körperlichen Gewalt!
Eines der wunderbarsten Phänomene der Mediengesellschaft ist nach wie vor, dass sie nicht nüchtern und klar die offensichtlichste Tatsache im Zusammenhang mit Gewalt benennen kann: Gewalt ist überwiegend männlich. Das gilt auch für die jüngsten Schreckenstaten, die angeblich "den Terror nach Deutschland" brachten - als habe es vorher hierzulande noch nie Terror gegeben. Die Zahl schwerer Gewalttaten sinkt seit fast einem Jahrzehnt Jahr für Jahr, aber eine bemerkenswerte Anzahl von Männern findet nach wie vor Gefallen daran, gewalttätig blöd zu sein.
An Angeboten zum Aggressiven und autoaggressiven Ausagieren ist freilich kein Mangel. Religion, Sport, Krieg, Politik, Konsum, Wirtschaft, Sexismus, Rassismus sind da nur ein paar Beispiele. Nehmen wir nur das echte deutsche Heldentum während der Olympiade in Rio. Der Turner Andreas Toba verletzte sich bei seiner Turnerei schwer, machte aber unter größten Schmerzen weiter, und die Presse fand es so wunderbar wie seinerzeit Schweinis Feldzug als "Blutkrieger".
Die Selbstaufrüstung der Extremsportler, die aus sieben Kilometer Höhe ohne Fallschirm in ein Netz hageln oder sich gar aus dem Weltraum auf die Erde herunterstürzen, findet ihren Spiegel in den Aktionen von Jugendlichen, die ungesichert auf Kirchtürme steigen und oben ein Instagram-Foto von ihren Füßen über dem Abgrund machen.
Angebote für alle
Das ist genauso ein Aspekt der toxic masculinity wie die psychopathische Eiseskälte des Finanzdurchblickers, der gar nicht mehr anders kann als jede Mikrosituation daraufhin auszuloten, ob sie ihn im Wettbewerb mit all den anderen Finanzdurchblickern nach vorne bringt.
Der Islam ist ebenfalls eines der aktuellen Angebote, und zwar eines der wirkmächtigsten. Männern wird im Islam attestiert, dass ihre Herrschaft gottesgefällig ist. Dass Allah als projiziertes Größen-Ich des ihn verehrenden Mannes der beste von allen Göttern ist, steht ja wohl von vornherein fest. Noch schöner am Islam ist, dass er gleich zwei Typen von Testosteron-Junkies hervorbringt: den Dschihadisten und den Abendlandsverteidiger; beide mit Eiern aus Stahl und Köpfen voller Wirsing aus den Zeiten der Kreuzzüge.
mehr:
- Amok in der Männerdämmerung (Marcus Hammerschmitt, Telepolis, 21.08.2016)
![]() |
| Johannes Sadeler, Phyllis und Aristoteles, 16. hdt., Quelle: The Curious History of Phyllis on Aristotle, Darin Hayton, 19.02.2016 |
»Gewalt ist überwiegend männlich.«
Kopfschüttel, Kopfschüttel, Kopfschüttel… Immer vorsichtig mit den Interpretationen!
Nicht Gewalt ist überwiegend männlich, die Gewalt, von der berichtet wird, ist überwiegend männlich!
Das Problem, um das es geht, gleicht dem Bild Magrittes: »Ce n'est pas une pipe!«
Die Tatsache, daß über weibliche Gewalt nicht berichtet wird, bedeutet nicht, daß es sie nicht gibt!
Und die Tatsache, daß Frauen über Jahrhunderte unterdrückt wurden, hat diese nach subtileren, nicht-körperlichen Formen suchen lassen, in denen sie ihre Aggressivität leben. Aber: die Emanzipation schreitet voran, auch auf dem Gebiet der körperlichen Gewalt!
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Mittwoch, 17. August 2016
Fischer im Recht / Wahnsinn III – Störung, Wahn und Schuld
Zwei Meldungen vorab!
Erstens: Wir freuen uns, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen mitteilen zu können, dass in der vergangenen Woche der Verein für Reinhaltung von Sprache, Meinung und Zitierung (RSMZ) gegründet wurde. Die Gründungsmitglieder entstammen höchsten Kreisen der Presse (3), der Justiz (2) sowie der Psychiatrie (1). Der Verein ist gemeinnützig und hat sich zum Ziel gesetzt, Schmutz und Schund in Kolumnen aufzuspüren, allenthalben für Mäßigung zu sorgen und der Erwähnung sekundärer oder gar primärer Geschlechtsmerkmale ein Ende zu setzen.
Der Kolumnist unterstützt diese Bemühung selbstverständlich vorbehaltlos. Insbesondere, da ihm kürzlich von einem alten Zigeuner prophezeit wurde, er werde unter dieser Voraussetzung ruhigen Herzens in Pension gehen dürfen. Von nun an wird er deshalb gnadenlos an den Gutachterausschuss des RSMZ melden, was ausgemerzt gehört!
Zweitens: In der vergangenen Woche haben wir aus den Medien – unter anderem – Folgendes gelernt: dass die strafprozessuale Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Terrorismus sei (Quelle: CDU plus Weltpresse), dass allen Schweinen der Schwanz (Achtung, FAZ!) abgeschnitten gehöre (Quelle: Lohfink, Weltpresse), und dass, falls Hillary C. Präsidentin werden sollte, allenfalls noch die National Rifle Association etwas gegen die Ernennung eines linksextremistischen Obersten Bundesrichters unternehmen könne (Quelle: Entenhausener Kurier). Man könnte das für Nachrichten aus einer Welt des Wahns halten. Sie stammen aber, wie die Quellen belegen, aus den Zentren zivilisatorischer Vernunft.
Preisverleihung
Den Kolumnistenpreis für den erhellendsten Beitrag der Woche erhält diesmal der Deutschlandfunk für ein bizarres Interview vom 9. August zwischen dem Moderator Tobias Armbrüster und der Journalistin Gisela Friedrichsen über die bevorstehende Entlassung des Strafgefangenen Dieter Degowski ("Gladbecker Geiseldrama") nach 30 Jahren Haftzeit (nachzuhören in der DLF-Mediathek).
mehr:
- Störung, Wahn und Schuld (Thomas Fischer, ZON, 16.08.2016)
Zitate:
siehe auch:
- Wahnsinn II: Wunder, Wahn und der Paragraf 20 (Thomas Fischer, ZON, 09.08.2016)
- Wahnsinn: Böse, verrückt oder ein Würstchen?: (Thomas Fischer, ZON, 02.08.2016)
- Serie Fischer im Recht bei ZON
Erstens: Wir freuen uns, liebe Leserinnen und Leser, Ihnen mitteilen zu können, dass in der vergangenen Woche der Verein für Reinhaltung von Sprache, Meinung und Zitierung (RSMZ) gegründet wurde. Die Gründungsmitglieder entstammen höchsten Kreisen der Presse (3), der Justiz (2) sowie der Psychiatrie (1). Der Verein ist gemeinnützig und hat sich zum Ziel gesetzt, Schmutz und Schund in Kolumnen aufzuspüren, allenthalben für Mäßigung zu sorgen und der Erwähnung sekundärer oder gar primärer Geschlechtsmerkmale ein Ende zu setzen.
Der Kolumnist unterstützt diese Bemühung selbstverständlich vorbehaltlos. Insbesondere, da ihm kürzlich von einem alten Zigeuner prophezeit wurde, er werde unter dieser Voraussetzung ruhigen Herzens in Pension gehen dürfen. Von nun an wird er deshalb gnadenlos an den Gutachterausschuss des RSMZ melden, was ausgemerzt gehört!
Zweitens: In der vergangenen Woche haben wir aus den Medien – unter anderem – Folgendes gelernt: dass die strafprozessuale Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Terrorismus sei (Quelle: CDU plus Weltpresse), dass allen Schweinen der Schwanz (Achtung, FAZ!) abgeschnitten gehöre (Quelle: Lohfink, Weltpresse), und dass, falls Hillary C. Präsidentin werden sollte, allenfalls noch die National Rifle Association etwas gegen die Ernennung eines linksextremistischen Obersten Bundesrichters unternehmen könne (Quelle: Entenhausener Kurier). Man könnte das für Nachrichten aus einer Welt des Wahns halten. Sie stammen aber, wie die Quellen belegen, aus den Zentren zivilisatorischer Vernunft.
Preisverleihung
Den Kolumnistenpreis für den erhellendsten Beitrag der Woche erhält diesmal der Deutschlandfunk für ein bizarres Interview vom 9. August zwischen dem Moderator Tobias Armbrüster und der Journalistin Gisela Friedrichsen über die bevorstehende Entlassung des Strafgefangenen Dieter Degowski ("Gladbecker Geiseldrama") nach 30 Jahren Haftzeit (nachzuhören in der DLF-Mediathek).
mehr:
- Störung, Wahn und Schuld (Thomas Fischer, ZON, 16.08.2016)
Zitate:
[…] denn der Titel eines Gesetzes fällt nicht vom Himmel oder erscheint dem Bundestagspräsidenten im Traum, sondern ist das Ergebnis eines rechtspolitischen Wollens und Formens oder Sinnens: Die Fraktion, die sich durchsetzt, bestimmt auch den Titel des Gesetzes. Und wenn sie dazu der Hilfe einer Politikberatungsfirma bedarf, deren Partner aus einer Riege vordem bedeutender Elder-Fraktionsmen besteht, so ist das nur natürlich und nicht schlecht, sondern gut (wie Mao sagen würde).
Also heißt ein Gesetz, das die Förderung von Arbeitslosen einschränkt, "Gesetz zur Beschleunigung der Integration in den Arbeitsmarkt", ein Gesetz, das das Streikrecht beschränkt, "Gesetz zur Modernisierung der Arbeitnehmervertretung", ein Gesetz, das den Bürgern jede denkbare Möglichkeit nimmt, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden, "Gesetz zur Sicherstellung der Lebensfreude".
Warum ist das so? Weil die Worte "Reform" oder "Modernisierung" etwas in uns anstoßen. Täten sie das nicht – jeder Politiker, jede Partei und erst recht jede Regierung miede sie. Niemand würde seinen Gesetzesvorschlag nennen: "Gesetz zur Rückwärtsorientierung" oder "Gesetz zur Rückgängigmachung der Reform…". Die Botschaft ist also ein stetes Vorwärts! Und sie trifft immerzu in die Seelen: Vorwärts, wohin auch immer! […]
Der Wahnsinn
Wenn Sebastian Schweinsteiger, ungedopt, aus Sicht von Mehmet S. dezent übergewichtig, untrainiert, in der 93. Minute gegen die Ukraine ein Tor schießt wie Günter Netzer (aus Sicht von Waldemar H. dezent adipös) im Pokalfinale von 1973, dann sagt der Maghrebiner: "Wahnsinn". Er meint damit natürlich nicht, dass der Schweini von 2016 geisteskrank geworden sei, sondern nur, dass die Wirklichkeit vor den Augen des Nordafrikaners soeben eine Form angenommen hat, die er für übernatürlich hielte, stünde das Gegenteil nicht fest. Aber das tut es.
Anders wäre es: Wenn zum Beispiel eine riesige blauweiße Wolke sich über das Stadion senkte, und eine Stimme käme aus dem Himmel wie aus tausend Marshall-Verstärkern, die da spräche: "Dies ist mein lieber Mittelstürmer, an dem ich Wohlgefallen habe", und dann liefe ein kleiner Mensch, der sich niemals selbst eingewechselt hat, ganz allein in einem Halbkreis gegen den Ball, in Super-Slow-Motion, und die Bananenflanke senkte sich von rechts herein, und Uwe Seeler stiege hoch und hoch, höher als jemals vor ihm ein Mensch gestiegen ist, und er legte sich quer in der Luft, drei Meter über dem braunen Rasen, und er zöge einen Seitfallrückzieher mit dem rechten Spann ins linke Lattenkreuz, und noch bevor er den Boden berührte, wäre er vom gnadenlosesten Treter aller Zeiten, Nobby Stiles, genannt Ohnezahn, schon wieder gefoult worden, aber egal. […]
Also werden wir auch die Sache mit dem Dschihad hinkriegen: Je sicherer wir unserer Welt sind, desto schneller. Denn der Dschihad kämpft, entgegen seinem durcheinandergeratenen Zeitgefühl, mitnichten gegen das Kreuzfahrertum oder die Geißlerzüge oder die Verzückung der heiligen Märtyrer, und daher auch nicht gegen das "Abendland": Er kämpft auch mitnichten für das, was er zu sein vorgibt: ein Gottesreich. Denn das, liebe Verzückte, haben wir längst hinter uns.
Der Dschihad kämpft in seinen Wurzeln gegen die Armut und die Dummheit, in seinen Formen aber gegen die Offenheit und die Freiheit, für die erbärmlichste ejaculatio violentiae und einen Streifen mehr auf dem Turnschuh und zwei Gramm mehr Koks im Hirn. Das macht die Sache unübersichtlich. Die Drogenmafia in Mittelamerika ist eine Degenerationsform des Dschihad. Der Dschihad ist ein zweitausend Jahre verspäteter Spartakus-Aufstand: Sklaven möchten Herren sein. […]
Was halten wir für "normal"? Uns selbst. Alles andere: irgendwie verrückt, oder zu dick, oder fehl am Platze. Was machen wir mit den Verrückten? Alle umbringen, sagt die Ameise. Alle therapieren, sagt der Therapeut. Alles schwierig, sagt der Soldat: Erst mal ein paar Panzerhaubitzen auffahren und die Lage stabilisieren. Und was dann?
siehe auch:
- Wahnsinn II: Wunder, Wahn und der Paragraf 20 (Thomas Fischer, ZON, 09.08.2016)
- Wahnsinn: Böse, verrückt oder ein Würstchen?: (Thomas Fischer, ZON, 02.08.2016)
- Serie Fischer im Recht bei ZON
Sonntag, 31. Juli 2016
Der Streit um die Deutung: Toxische Männlichkeit oder kranke Gesellschaft
Toxisch David S. und Anders Breivik: Wie man nun weiß, war auch der Amokläufer von München rechtsextrem. Mit dem Norweger verbindet ihn aber noch mehr
Als der Amoklauf von David S. am vergangenen Freitag neun Todesopfer forderte, war es genau fünf Jahre her, dass Anders Behring Breivik bei seinen Anschlägen in Oslo und Utøya 77 Menschen ermordet hatte. Für den Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä war bereits am nächsten Tag klar, dass David S. dieses Datum nicht zufällig gewählt hatte. Denn es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem 18-jährigen Schüler und dem Rechtsterroristen.
Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gab ein 16-jähriger Junge, der letzten Sommer gemeinsam mit David S. in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurde, zu Protokoll, David S. habe Breivik verehrt. Außerdem soll er ein Foto des Norwegers in seinem Whatsapp-Profil verwendet haben. Und schließlich habe David S., erklärte LKA-Chef Robert Heimberger, ähnlich wie Breivik eine Art Manifest hinterlassen. Stellt sich lediglich die Frage, ob David S. Breivik "nur" als eine Art perverses Vorbild betrachtete, als jene kaltblütige Tötungsmaschine, die er selbst sein wollte, oder ob es auch ideologische Überschneidungen gibt.
mehr:
- Männlichkeit und die Lust am Töten (Nils Markwardt, Freitag-Community, 27.07.2016)
siehe auch:
- Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)
mein Kommentar:
Vorsicht mit Sprache und Schubladen! »Lust am Töten«? Mit solchen Einkategorisierungen werden scheinbare Kausalitäten hergestellt. Dies spricht für mehr oder weniger verzweifelte Versuche, Zusammenhänge möglichst schnell zu verstehen! Wenn ich von einer »kaltblütigen Tötungsmaschine« rede, ignoriere ich das furchtbare Leiden, welches zu solchen schwer nachvollziehbaren Taten führt!
Das Massaker von Norwegen - Anatomie eines Amoklaufs [43:09]
Breivik trial video: 'Norway killer' claims self-defense, cries in court [4:26]
RT on Twitter: http://twitter.com/RT_com
RT on Facebook: http://www.facebook.com/RTnews
mein Kommentar:
Was unterscheidet einen Massenmörder wie Breivik von
A) Firmen, deren Schiffe in den Gewässern vor Somalia regelmäßig Giftmüll verklappen?
siehe dazu:
- Piraterie vor den afrikanischen Küsten und ihre Ursachen (Edward A. Ceska, Michael Ashkenazi, Bundeszentrale für politische Bildung, 07.08.2009)
B) der EU, die mit Strafzöllen Kenia dazu gezwungen hat, seinen Markt für europäische Produkte zu öffnen – mit dramatischen Folgen (siehe EPA, Wikipedia)
siehe dazu:
- Rücksichtsloses Abkommen (Report Mainz, 04.11.2014) und
- EPA – TTIP für Arme und die Werte des »alten Europa« (Post, 23.09.2015)
- Abkommen, die Afrika seiner Chancen berauben (Mark Engelhardt, WOZ, 25.06.2015)
- EPA: Wie das neue Freihandelsabkommen mit der EU der afrikanischen Wirtschaft schadet (Angela Schweizer, Uni.de, 20.01.2016)
- Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens (Post, 16.11.2014)
C) dem westlichen Verteidigungsbündnis, welches am 22.07.2011 die Röhrenfabrik für das Great-Man-Made-River-Projekt bombardierte und damit die Hälfte der libyschen Bevölkerung von der Trinkwasserversorgung abschnitt?
siehe dazu:
- Das Great-Man-Made-River-Projekt (Angelika Gutsche, Freitag Community, 13.05.2015)
- NATO bombs the Great Man-Made River (Human rights investigations, 27.07.2011)
- Folgen "humanitärer Interventionen" ‒ das Beispiel Libyen (Joachim Guillard, Nachgetragen, 06.12.2015, als PDF)
- Operation Nordafrika – Die Nato-Bestien sind gekommen - Wie einem Land Nordafrikas die 'Menschenrechte' gebracht werden (Anneliese Fikentscher, Andreas Neumann, Arbeiterfotografie, 18.11.2011)
- Öl, Kontrolle und Ideologie – Libyen und der neue Imperialismus (Ingar Solty, Sozialismus 5/2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Kolonialkrieg gegen Afrika - Der Krieg gegen Libyen (Joachim Guillard, junge Welt, 27./28.07.2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Krieg gegen Libyen – Ursachen, Motive und Folgen (Lühr Henken, AG Friedensforschung, 08.06.2011)
Als der Amoklauf von David S. am vergangenen Freitag neun Todesopfer forderte, war es genau fünf Jahre her, dass Anders Behring Breivik bei seinen Anschlägen in Oslo und Utøya 77 Menschen ermordet hatte. Für den Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä war bereits am nächsten Tag klar, dass David S. dieses Datum nicht zufällig gewählt hatte. Denn es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem 18-jährigen Schüler und dem Rechtsterroristen.
Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gab ein 16-jähriger Junge, der letzten Sommer gemeinsam mit David S. in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurde, zu Protokoll, David S. habe Breivik verehrt. Außerdem soll er ein Foto des Norwegers in seinem Whatsapp-Profil verwendet haben. Und schließlich habe David S., erklärte LKA-Chef Robert Heimberger, ähnlich wie Breivik eine Art Manifest hinterlassen. Stellt sich lediglich die Frage, ob David S. Breivik "nur" als eine Art perverses Vorbild betrachtete, als jene kaltblütige Tötungsmaschine, die er selbst sein wollte, oder ob es auch ideologische Überschneidungen gibt.
mehr:
- Männlichkeit und die Lust am Töten (Nils Markwardt, Freitag-Community, 27.07.2016)
siehe auch:
- Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)
mein Kommentar:
Vorsicht mit Sprache und Schubladen! »Lust am Töten«? Mit solchen Einkategorisierungen werden scheinbare Kausalitäten hergestellt. Dies spricht für mehr oder weniger verzweifelte Versuche, Zusammenhänge möglichst schnell zu verstehen! Wenn ich von einer »kaltblütigen Tötungsmaschine« rede, ignoriere ich das furchtbare Leiden, welches zu solchen schwer nachvollziehbaren Taten führt!
Das Massaker von Norwegen - Anatomie eines Amoklaufs [43:09]
Veröffentlicht am 03.01.2013
Reportage Doku
Globaler Terror gegen den Islam und Muslime!
Breivik trial video: 'Norway killer' claims self-defense, cries in court [4:26]
Veröffentlicht am 16.04.2012
Anders Behring Breivik is on trial on terror and murder charges. He's behind a bomb-and-shooting massacre that killed 77 people, he admits to the acts, but pleads not guilty to criminal charges. Anders Breivik showed no emotion as the prosecutor read out the horrific details of his victims' deaths in Norway. However, when his propaganda video created for YouTube was shown in court, he broke down crying. The prosecutor said Breivik was playing World of Warcraft (WoW) "full-time" between the summer of 2006 and summer 2007. He went on to describe it as a violent game. When a screenshot of his WoW character was shown on the screen Breivik smiled.
RT on Twitter: http://twitter.com/RT_com
RT on Facebook: http://www.facebook.com/RTnews
mein Kommentar:
Was unterscheidet einen Massenmörder wie Breivik von
A) Firmen, deren Schiffe in den Gewässern vor Somalia regelmäßig Giftmüll verklappen?
siehe dazu:
- Piraterie vor den afrikanischen Küsten und ihre Ursachen (Edward A. Ceska, Michael Ashkenazi, Bundeszentrale für politische Bildung, 07.08.2009)
B) der EU, die mit Strafzöllen Kenia dazu gezwungen hat, seinen Markt für europäische Produkte zu öffnen – mit dramatischen Folgen (siehe EPA, Wikipedia)
siehe dazu:
- Rücksichtsloses Abkommen (Report Mainz, 04.11.2014) und
- EPA – TTIP für Arme und die Werte des »alten Europa« (Post, 23.09.2015)
- Abkommen, die Afrika seiner Chancen berauben (Mark Engelhardt, WOZ, 25.06.2015)
- EPA: Wie das neue Freihandelsabkommen mit der EU der afrikanischen Wirtschaft schadet (Angela Schweizer, Uni.de, 20.01.2016)
- Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens (Post, 16.11.2014)
C) dem westlichen Verteidigungsbündnis, welches am 22.07.2011 die Röhrenfabrik für das Great-Man-Made-River-Projekt bombardierte und damit die Hälfte der libyschen Bevölkerung von der Trinkwasserversorgung abschnitt?
siehe dazu:
- Das Great-Man-Made-River-Projekt (Angelika Gutsche, Freitag Community, 13.05.2015)
- NATO bombs the Great Man-Made River (Human rights investigations, 27.07.2011)
- Folgen "humanitärer Interventionen" ‒ das Beispiel Libyen (Joachim Guillard, Nachgetragen, 06.12.2015, als PDF)
- Operation Nordafrika – Die Nato-Bestien sind gekommen - Wie einem Land Nordafrikas die 'Menschenrechte' gebracht werden (Anneliese Fikentscher, Andreas Neumann, Arbeiterfotografie, 18.11.2011)
- Öl, Kontrolle und Ideologie – Libyen und der neue Imperialismus (Ingar Solty, Sozialismus 5/2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Kolonialkrieg gegen Afrika - Der Krieg gegen Libyen (Joachim Guillard, junge Welt, 27./28.07.2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Krieg gegen Libyen – Ursachen, Motive und Folgen (Lühr Henken, AG Friedensforschung, 08.06.2011)
Dienstag, 19. Juli 2016
Empörungsmanagement: Kindergarten des Grauens
Skandal Was Bewegtbilder an Aufklärung fabrizieren können: In Frankfurt ist erstmals in Deutschland die Doku „Salafistes“ zu sehen
Der Skandal ist medial betrachtet auch nur Routine. Eine Übung, die immer wieder absolviert werden muss, eine Kategorie, die der Empörung sagt, wo sie ansetzen kann, ein Begriff für eine etwas hochtourigere Kritik an gewissem Fehlverhalten. Das Skandalöse am Skandal hat es darüber mitunter schwer, gebührend wahrgenommen zu werden.
Das lässt sich etwa an all den Videos zeigen, die seit dem Zusammenschlagen von Rodney King 1992 weiße Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA dokumentieren. Eines der jüngsten Beispiele war der Film, den Lavish Reynolds kürzlich auf Facebook streamte und der in vieler Hinsicht als skandalös diskutiert werden kann – dass in ihm Reynolds’ Mann, von Schüssen eines Polizisten vor dem Fenster getroffen, verblutet, dass die Tochter der beiden auf der Rückbank sitzt, oder vielleicht doch am ehesten: dass es als günstige Entscheidung in der völlig übertriebenen Situation erscheinen muss, zum Schutz vor Repression durch die Staatsgewalt zur Kamera zu greifen, statt nach medizinischer Hilfe zu rufen beziehungsweise nicht erst von einem Gesetzeshüter umgebracht zu werden wegen nichts.
Routiniert am Skandal, den solche Bilder dokumentieren, ist, dass sie nicht einer idealistischen journalistischen Logik entsprechend zur sofortigen Beendigung des Skandalösen führen (Entwaffnung der USA, Deeskalation der Polizisten), sondern lediglich neuen Stoff in den besinnungslos laufenden Nachrichtenstrom eines ausdifferenzierten Medienbusiness einspeisen.
mehr:
- Kindergarten des Grauens (Matthias Dell, der Freitag, 21.07.2016)
Der Skandal ist medial betrachtet auch nur Routine. Eine Übung, die immer wieder absolviert werden muss, eine Kategorie, die der Empörung sagt, wo sie ansetzen kann, ein Begriff für eine etwas hochtourigere Kritik an gewissem Fehlverhalten. Das Skandalöse am Skandal hat es darüber mitunter schwer, gebührend wahrgenommen zu werden.
Das lässt sich etwa an all den Videos zeigen, die seit dem Zusammenschlagen von Rodney King 1992 weiße Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA dokumentieren. Eines der jüngsten Beispiele war der Film, den Lavish Reynolds kürzlich auf Facebook streamte und der in vieler Hinsicht als skandalös diskutiert werden kann – dass in ihm Reynolds’ Mann, von Schüssen eines Polizisten vor dem Fenster getroffen, verblutet, dass die Tochter der beiden auf der Rückbank sitzt, oder vielleicht doch am ehesten: dass es als günstige Entscheidung in der völlig übertriebenen Situation erscheinen muss, zum Schutz vor Repression durch die Staatsgewalt zur Kamera zu greifen, statt nach medizinischer Hilfe zu rufen beziehungsweise nicht erst von einem Gesetzeshüter umgebracht zu werden wegen nichts.
Routiniert am Skandal, den solche Bilder dokumentieren, ist, dass sie nicht einer idealistischen journalistischen Logik entsprechend zur sofortigen Beendigung des Skandalösen führen (Entwaffnung der USA, Deeskalation der Polizisten), sondern lediglich neuen Stoff in den besinnungslos laufenden Nachrichtenstrom eines ausdifferenzierten Medienbusiness einspeisen.
mehr:
- Kindergarten des Grauens (Matthias Dell, der Freitag, 21.07.2016)
Samstag, 6. November 2010
Wie wird eine öffentliche Debatte verhindert? – Das Vier-Phasen-Modell
Sarrazin beim Club SF1 Wie Gutmenschen auf Kritiker losgehen {8:12}
Die Phasen, wie Alain Pichard sie vorstellt:
1. »Deckel drauf!« (ab 3:10)
2. Öffentliche Diffamierung (3:30)
Hinter vorgehaltener Hand: »Danke, daß Du das sagst!«
3. Diffamierung der Sympathisanten durch Einordnung in Schubladen (4:20)
4. Abwiegelung von oben: »Das haben wir schon lange gesagt!« (5:00)
siehe dazu auch:
- 4-Phasen-Reduit-Denken der Linken (Alexander Müller, DailyTalk.ch, 06.11.2010)
Veröffentlicht am 15.11.2010
Plain Citizen
Ausschnitt aus der Diskussion mit Sarrazin am Schweizer Fernsehen (2.11.2010). Der Lehrer Alain Pichard erläutert, wie Gutmenschen auf Kritker losgehen und wie sie reagieren, wenn die Kritik unwiderlegbar ist.
xDie Phasen, wie Alain Pichard sie vorstellt:
1. »Deckel drauf!« (ab 3:10)
2. Öffentliche Diffamierung (3:30)
Hinter vorgehaltener Hand: »Danke, daß Du das sagst!«
3. Diffamierung der Sympathisanten durch Einordnung in Schubladen (4:20)
4. Abwiegelung von oben: »Das haben wir schon lange gesagt!« (5:00)
siehe dazu auch:
- 4-Phasen-Reduit-Denken der Linken (Alexander Müller, DailyTalk.ch, 06.11.2010)
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Montag, 17. Mai 2010
Aufklärung 2.0: Widerstand vs. Das Hypnoid von der Unveränderbarkeit der Verhältnisse
Kulturzeit -"Der Kampf geht weiter" Interview mit Karl-Heinz Dellwo 17.05.2010 [7:54]
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IM DIALOG - Michael Krons im Gespräch mit Karl-Heinz Dellwo [31:05]
„Das Gespräch kam erst nach intensiven Bemühungen zustande“, sagt Moderator Michael Krons zu den Vorbereitungen des Exklusivinterviews. „Dellwo wollte eigentlich nicht mehr im Fernsehen auftreten, sah aber in unserem Dialog-Format eine Möglichkeit, die ideologischen Hintergründe der Entstehung der RAF zu kommentieren.“
Karl-Heinz Dellwo ist 22 Jahre, als er sich der Roten Armee Fraktion anschließt. Er habe sich damals überhaupt nicht vorstellen können, sich in die Gesellschaft zu integrieren, erklärt Dellwo rückblickend, er habe unbedingt außerhalb des „Systems“ bleiben wollen. Nach Tätigkeiten als Seemann und Briefträger wird er wegen Hausbesetzung in Hamburg ein Jahr inhaftiert. 1975 beteiligte sich Dellwo an der Botschaftsbesetzung in Stockholm, mit der die RAF ihre inhaftierten Mitglieder freipressen will. Die Aktion scheitert, die Botschaftsangehörigen Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart werden von der RAF ermordet. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute nicht aufgeklärt. Dellwo, wegen gemeinschaftlichen Mordes und Geiselnahme zu zweimal lebenslänglich verurteilt, verbüßte eine zwanzigjährige Gefängnisstrafe. Von der damaligen Gewalt distanziert sich Karl-Heinz Dellwo später öffentlich, als links bezeichnet er sich nach wie vor. Dellwo arbeitet heute als Autor, Filmemacher und Verleger. 2010 gründet er den Laika-Verlag und ist Herausgeber der „Bibliothek des Widerstands“.
Über die Bibliothek des Widerstands [9:30]
Dienstag, 01 März 2011
Die "Bibliothek des Widerstands" will zu Umwälzungen anregen, zu Revolten aufstacheln und die linke Geschichte ins heutige Bewusstsein rücken. In einer Kombination aus Buch und Filmen blickt sie auf soziale Kämpfe und schärft den Blick für heute.
Der US-amerikanische Weather Underground, die Revolte in Griechenland, Rebellen und Aufrührerische - das sind die Akteure in der "Bibliothek des Widerstands". Das sind Bücher und Filme, die soziale Kämpfe dokumentieren - aber durchaus auch im Hinblick auf den Widerstand heute und morgen. Heike Demmel hat sich die Reihe angesehen.
http://goo.gl/AM700
http://www.laika-verlag.de/
Karl-Heinz Dellwo spricht über die "Bibliothek des Widerstands'' [9:24]
zum politischen Hintergrund:
- 68er-Revolte und Ukraine-Krise: Die Identität des Westens und der Kampf um die Deutunghoheit oder Der Unterschied zwischen Pudding und Sprengstoff (27.06.2015)
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Axel Honneth entwirft in seiner Aktualisierung des Sozialismus ein Konzept kommunikativer Demokratie, das eine internationale NGO umsetzen soll. Eine steht schon bereit
Mehr als 25 Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks und damit des sogenannten realexistierenden Sozialismus zumindest in Europa muss man sich in der Tat fragen, warum zugleich mit diesem gescheiterten Projekt auch beinah die gesamte ideelle Stoßkraft des Sozialismus überhaupt verschwunden ist. Die totalitären sozialistischen Systeme scheinen die ihnen zugrunde liegende Vision dermaßen diskreditiert zu haben, dass ein ernsthaftes Wiederanschließen an diese Vision heute geradezu unmöglich geworden ist.
Dem Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth reicht diese Erklärung in seinem Buch Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung allerdings keineswegs aus. Er attestiert unserer Gegenwart vielmehr eine grundsätzliche Utopielosigkeit, ja eine Fetischisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, die trotz weiter wachsender Empörung über skandalöse soziale Ungleichheiten eine radikale Veränderbarkeit dieser Verhältnisse für schlichtweg unmöglich hält. Die vielbeschworene Politik, oder besser Ideologie der Alternativlosigkeit hat hier ganze Arbeit geleistet.
Dennoch gibt es für Honneth auch dem Sozialismus selbst inherente Gründe, die seinen utopischen Kern heute noch zusätzlich anschlussunfähig gemacht haben. Ironischerweise kann man diese als ähnliche Fetischismen auffassen, nämlich zum einen ein Determinsimus zwar nicht in Bezug auf die Gegenwart, aber auf die Geschichte: der Glaube an das historisch notwendige Eintreten einer sozialistischen Revolution, oder zumindest an die zwangsläufige Selbstzerstörung des Kapitalismus. Damit zusammen hängt zum zweiten die unhinterfragte Voraussetzung des Proletariats als geschichtlichem Subjekt dieser Revolution.
Vor allem aber konstatiert Honneth eine Beschränkung der sozialistischen Vision auf den Bereich der Ökonomie, dessen radikale Umgestaltung allein auch die Gesellschaft im Ganzen verändern sollte, weil er allein auch für ihr gesamtes Übel verantwortlich sei. Alle diese Punkte, historischer Determinismus, Voraussetzung eines revolutionären Subjekts und ökonomischer Monismus bezeugen die Verhaftung des Sozialismus in ihrem historischen Entstehungskontext, dem Beginn und der ersten Hochphase der Industrialisierung.
mehr:
- Sozialphilosophie: Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie (Tom Wohlfahrt, Le Bohémien, 25.02.2016)
Axel Honneth: Den Sozialismus zur Vollendung bringen (Sternstunde Philosophie, 17.1.2016) [58:25]
Marx ist tot, aber der Sozialismus lebt - zumindest als Idee. Der renommierte Philosoph Axel Honneth spricht von einem unvollendeten Projekt und entwirft einen Sozialismus für die Gegenwart. Im Gespräch mit Barbara Bleisch verteidigt er seine gesellschaftskritische Vision.
Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur
BRUNO-KREISKY-PREIS FÜR DAS POLITISCHE BUCH: Axel Honneth Die Idee des Sozialismus, Suhrkamp 2015 [37:46]
Veröffentlicht am 18.04.2016
Axel Honneth und der Sozialismus – Sozialismus / Kommunismus reloaded? (04.12.2015 Kulturzeit) [28:38]
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Hochgeladen am 22.08.2010
Karl-Heinz Dellwo war als Mitglied der Roten Armee Fraktion 1975 an der Botschafts-Besetzung in Stockholm beteiligt, bei der die RAF zwei Gefangene erschoss. Dafür saß er 20 Jahre im Gefängnis. Jetzt gibt er eine "Bibliothek des Widerstands" heraus, eine Serie von Dokumentarfilmen über weltweite Protestbewegungen seit den 1960er Jahren, die er in einem Begleitbuch im Politjargon der radikalen Linken kommentiert.
Gegen die bürgerliche GeschichtsschreibungDer filmische Blick zurück als Erkenntnisträger für eine Revolte der Zukunft? Dellwos Filmreihe beginnt am 2. Juni 1967. Der Schah ist zu Besuch in Deutschland. Erst prügeln Perser, dann prügeln Polizisten, und schließlich ist Benno Ohnesorg tot. Der Rest ist Geschichte - linke Geschichte. Die will Dellwo auch so verstanden wissen und nicht der bürgerlichen Geschichtsschreibung überlassen. Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft. "Inzwischen dominiert eine bürgerliche Geschichtsinterpretation", sagt Dellwo. "Diese bürgerliche Geschichtsinterpretation hat einen zentralen Kern, der sagt: Die Verhältnisse, so wie sie sind, sind unveränderbar, man kann nur immanent, innerhalb dieser Verhältnisse agieren, und deswegen vergesst jeden Ausbruch aus diesen Verhältnissen."
Gegen die bürgerliche GeschichtsschreibungDer filmische Blick zurück als Erkenntnisträger für eine Revolte der Zukunft? Dellwos Filmreihe beginnt am 2. Juni 1967. Der Schah ist zu Besuch in Deutschland. Erst prügeln Perser, dann prügeln Polizisten, und schließlich ist Benno Ohnesorg tot. Der Rest ist Geschichte - linke Geschichte. Die will Dellwo auch so verstanden wissen und nicht der bürgerlichen Geschichtsschreibung überlassen. Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft. "Inzwischen dominiert eine bürgerliche Geschichtsinterpretation", sagt Dellwo. "Diese bürgerliche Geschichtsinterpretation hat einen zentralen Kern, der sagt: Die Verhältnisse, so wie sie sind, sind unveränderbar, man kann nur immanent, innerhalb dieser Verhältnisse agieren, und deswegen vergesst jeden Ausbruch aus diesen Verhältnissen."
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Die Geiselnahme am Norrmalmstorg (in Schweden hauptsächlich als Norrmalmstorg-Drama, Norrmalmstorgsdramat, bezeichnet) ereignete sich vom 23. bis 28. August 1973 in der damaligen Kreditbanken auf dem Platz Norrmalmstorg in Stockholmund zog sich über 131 Stunden hin. Sie war einer der ersten Kriminalfälle, über den die schwedischen Medien live berichteten. In der Folge gab der Psychiater Nils Bejerot einer Überlebensstrategie der Geiseln den Namen „Stockholm-Syndrom“. [Geiselnahme am Norrmalmstorg, Wikipedia]======================
Denis Diderot [dəni didʁo] (* 5. Oktober 1713 in Langres; † 31. Juli 1784 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Aufklärer, Literatur- und Kunsttheoretiker[1], Kunstagent für die russische Zarin Katharina II. und einer der wichtigsten Organisatoren und Autoren der Encyclopédie.Zusammen mit Jean-Baptiste le Rond d’Alembert war er Herausgeber der großen französischen Encyclopédie, zu der er selbst als Enzyklopädist etwa 6000 von insgesamt 72.000 Artikeln beitrug. Als Autor von Bühnenwerken hatte er großen Anteil am Entstehen des bürgerlichen Dramas. Seine Romane und Erzählungen – zumeist postum erschienen wie La Religieuse, Jacques le fataliste oder Le Neveu de Rameau – leisteten in verschiedener Weise ihren Beitrag zu den großen Themen der Zeit der (französischen) Aufklärung, so zu den Fragen der Selbstbestimmung des Menschen, des Leib-Seele-Problems und des Gegensatzes von Determinismus und Willensfreiheit sowie zur Kritik an der Religion.
In seinen Werken wird eine deutliche Entwicklung von einer theistischen über eine deistische zu einer atheistischen Haltung erkennbar. Doch gibt es auch Hinweise darauf, dass seine materialistischen und atheistischen Vorstellungen schon in den frühen Werken, so z. B. in den Pensées philosophiques (1746),[2] kenntlich werden.[3] Nachgerade lässt sich Diderots Einstellung[4] die sich auf die Erfahrung individueller Sinneseindrücke oder Wahrnehmungen bezieht, in die Kategorie des Begriffs Sensualismus einordnen.[5]
Diderot trat in seinen Spätwerken für die Popularisierung des Geistes der Aufklärung, des Atheismus und gegen den aus seiner Sicht verbreiteten Aberglauben und Bigotterie ein. Diderot und seine Mitstreiter, die philosophes, überließen in ihren Werken nicht mehr den religiösen Institutionen und verschiedensten Agenturen die alleinige Deutungs- und Interpretationshoheit über die Welt und die Wissenschaften. Somit gab es für den Glauben an übernatürliche und irrationale Kräfte im unter aufklärerischen Einfluss stehenden Europa sowie in Nord- und Südamerika weniger Raum.[6]
Im Zentrum des diderotschen Denkens stand das Spannungsfeld – und dies mag auch für andere Denker des 18. Jahrhunderts gelten – zwischen Vernunft und Sensibilität, sens et sensibilité. Vernunft zeichnete sich für Diderot durch die Suche nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und der Überprüfbarkeit der empirisch beobachteten und bewiesenen Fakten aus, ohne dabei in der rein quantitativen Erfassung der Wirklichkeit, in mathematischen Aussagen, verhaftet zu bleiben. In den Jahren 1754 bis 1765 entwickelte er die Lehre von der universellen Sensibilität, sensibilité universelle.
Für Diderot war Naturwissenschaft dadurch charakterisiert, dass sie nicht nach einem Warum fragen, sondern auf die Frage nach dem Wie eine Antwort finden solle. Er beschäftigte sich mit vielen Wissensgebieten, darunter Chemie, Physik, Mathematik, vor allem aber Naturgeschichte sowie Anatomie und Medizin.
Als philosophische Position erarbeitete er sich – so zu erkennen in seinen späteren Werken – eine (undogmatische) materialistische Geisteshaltung. Obgleich Diderot kein Philosoph war, der sich mit „begründungstheoretischen“ Problemen[7] oder systematisierenden, analytischen Reflexionen beschäftigte, zählt er zu den vielfältigsten und innovativsten philosophischen Autoren des 18. Jahrhunderts.
Diderot und seine Weggefährten waren mit ihren aufklärerischen Gedanken und Publikationen gegenüber den vorherrschenden Vorstellungen im Ancien Régime häufig Repressionen ausgesetzt. Seine Erfahrungen mit der Inhaftierung im Jahr 1749 ließen ihn gegenüber weiteren Kontrollen und Überwachungen durch die verschiedenen Agenturen aufmerksam sein, obwohl ihm und den Enzyklopädisten einige Personen aus dem Kreis der Einflussreichen und Herrschenden, so Mme de Pompadour, Mätresse von Ludwig XV., und auch einige Minister, aber vor allem der Chefzensor, Censure royale Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes, insgeheim zur Seite standen. So war den interessierten Zeitgenossen Diderots, die ihn ausschließlich über seine Publikationen kannten, nur eine begrenzte Auswahl an Essays, Romanen, Dramen zugänglich, wohl aber alle seine Beiträge zur Encyclopédie. [Denis Diderot, Wikipedia]======================
Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipatio, was „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutet.Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung (siehe auch Mündigkeit (Philosophie)). Neben die äußere tritt die innere Emanzipation: als Befreiung aus eigener Unmündigkeit und den Fesseln von Tradition, gesellschaftlichen Normen und vorgegebener Weltanschauung. Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit, meist durch Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen z. B. paternalistischen Strukturen, oder auch die Verringerung von z. B. seelischer, ökonomischer Abhängigkeit, etwa von den Eltern. Heutzutage steht der Begriff häufig synonym für die Frauenemanzipation.Oft bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Rasse, Ethnizität, Geschlecht, Klassenzugehörigkeitusw. diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen waren (z. B. Judenemanzipation – siehe unten – oder Katholikenemanzipation). Für diesen weiteren Begriff politischer Emanzipation hat sich im US-amerikanischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung empowerment (wörtl. „Ermächtigung“) durchgesetzt. [Emanzipation, Wikipedia]======================
IM DIALOG - Michael Krons im Gespräch mit Karl-Heinz Dellwo [31:05]
Veröffentlicht am 08.05.2016
Die tödliche Gewalt der RAF lehne er inzwischen ab, sagt Karl-Heinz Dellwo. Er bereue seine Gewalttaten. Einen ideologischen Schlussstrich will er aber auch nicht unter das Kapitel der „Rote Armee Fraktion“ ziehen. In der Sendung Im Dialog mit Michael Krons äußert sich Dellwo zum ersten Mal seit über zehn Jahren über seine Zeit als Terrorist und Gewalt als Irrweg. Das Gespräch ist Teil des Themenschwerpunktes „Rätsel RAF-Terror“.
„Das Gespräch kam erst nach intensiven Bemühungen zustande“, sagt Moderator Michael Krons zu den Vorbereitungen des Exklusivinterviews. „Dellwo wollte eigentlich nicht mehr im Fernsehen auftreten, sah aber in unserem Dialog-Format eine Möglichkeit, die ideologischen Hintergründe der Entstehung der RAF zu kommentieren.“
Karl-Heinz Dellwo ist 22 Jahre, als er sich der Roten Armee Fraktion anschließt. Er habe sich damals überhaupt nicht vorstellen können, sich in die Gesellschaft zu integrieren, erklärt Dellwo rückblickend, er habe unbedingt außerhalb des „Systems“ bleiben wollen. Nach Tätigkeiten als Seemann und Briefträger wird er wegen Hausbesetzung in Hamburg ein Jahr inhaftiert. 1975 beteiligte sich Dellwo an der Botschaftsbesetzung in Stockholm, mit der die RAF ihre inhaftierten Mitglieder freipressen will. Die Aktion scheitert, die Botschaftsangehörigen Andreas von Mirbach und Heinz Hillegaart werden von der RAF ermordet. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute nicht aufgeklärt. Dellwo, wegen gemeinschaftlichen Mordes und Geiselnahme zu zweimal lebenslänglich verurteilt, verbüßte eine zwanzigjährige Gefängnisstrafe. Von der damaligen Gewalt distanziert sich Karl-Heinz Dellwo später öffentlich, als links bezeichnet er sich nach wie vor. Dellwo arbeitet heute als Autor, Filmemacher und Verleger. 2010 gründet er den Laika-Verlag und ist Herausgeber der „Bibliothek des Widerstands“.
Über die Bibliothek des Widerstands [9:30]
Hochgeladen am 02.03.2011
Autorin: Heike Demmel
Dienstag, 01 März 2011
Die "Bibliothek des Widerstands" will zu Umwälzungen anregen, zu Revolten aufstacheln und die linke Geschichte ins heutige Bewusstsein rücken. In einer Kombination aus Buch und Filmen blickt sie auf soziale Kämpfe und schärft den Blick für heute.
Der US-amerikanische Weather Underground, die Revolte in Griechenland, Rebellen und Aufrührerische - das sind die Akteure in der "Bibliothek des Widerstands". Das sind Bücher und Filme, die soziale Kämpfe dokumentieren - aber durchaus auch im Hinblick auf den Widerstand heute und morgen. Heike Demmel hat sich die Reihe angesehen.
http://goo.gl/AM700
http://www.laika-verlag.de/
Karl-Heinz Dellwo spricht über die "Bibliothek des Widerstands'' [9:24]
Hochgeladen am 20.07.2010
Interview Karl-Heinz Dellwo mit http://www.weltnetz.tv/ weltnetz tv ist eine Seite für alternativen Videojournalismus mit einem interessanten und unterstützenswerten Konzept.
Karl-Heinz Dellwo spricht über ''Die Bibliothek des Widerstands''
In der „Bibliothek des Widerstands", herausgegeben im Laika-Verlag, werden 100 oder mehr Dokumentarfilme und Bücher über Kämpfe in der Welt veröffentlicht, die deren soziale Veränderung zum Ziel haben. Diese Kämpfe sollen für jeden erreichbar dokumentiert und reflektiert werden. Die Bibliothek beginnt ab Mitte der 60er-Jahre und geht bis heute fort. Sie zeigt auf, dass es Niederlagen und Rückschläge im Kampf um die soziale Befreiung der Menschen gibt, aber ebenso eine Kontinuität immer wieder neu entstehender Befreiungskämpfe.
In der „Bibliothek des Widerstands", herausgegeben im Laika-Verlag, werden 100 oder mehr Dokumentarfilme und Bücher über Kämpfe in der Welt veröffentlicht, die deren soziale Veränderung zum Ziel haben. Diese Kämpfe sollen für jeden erreichbar dokumentiert und reflektiert werden. Die Bibliothek beginnt ab Mitte der 60er-Jahre und geht bis heute fort. Sie zeigt auf, dass es Niederlagen und Rückschläge im Kampf um die soziale Befreiung der Menschen gibt, aber ebenso eine Kontinuität immer wieder neu entstehender Befreiungskämpfe.
zum politischen Hintergrund:
- 68er-Revolte und Ukraine-Krise: Die Identität des Westens und der Kampf um die Deutunghoheit oder Der Unterschied zwischen Pudding und Sprengstoff (27.06.2015)
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Axel Honneth (* 18. Juli 1949 in Essen) ist ein deutscher Sozialphilosoph und Direktor des Instituts für Sozialforschung (IfS) an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Leben
Honneth studierte 1969–1974 Philosophie, Soziologie und Germanistik in Bonn und Bochum und schloss das Studium mit einem Magister in Philosophie ab. 1977 wurde er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin. Dort wurde er 1983 bei Urs Jaeggi mit der Arbeit „Foucault und die Kritische Theorie“ promoviert (später unter dem Titel „Kritik der Macht“ veröffentlicht). Es folgte ab 1983 eine Anstellung als Hochschulassistent am Fachbereich Philosophie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main sowie eine parallele Tätigkeit als „Fellow“ am Wissenschaftskolleg zu Berlin.Im Juni 1990 habilitierte sich Honneth mit der Arbeit „Kampf um Anerkennung“ am Fachbereich Philosophie in Frankfurt. 1991 erhielt er seine erste C3-Professur für Philosophie an der Universität Konstanz, nur ein Jahr später erfolgte der Ruf auf eine Professur für politische Philosophie am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Von September 1995 bis April 1996 war Honneth zudem Theodor-Heuss-Gastprofessor an der New School for Social Research in New York, bevor er 1996 als Professor für Philosophie an die Goethe-Universität in Frankfurt berufen wurde. Hier gehörte er auch dem Kollegium des „Instituts für Sozialforschung“ an.1999 vertrat er für einige Monate den Spinoza-Lehrstuhl am Fachbereich Philosophie der Universität von Amsterdam. Es folgte die Berufung auf den Lehrstuhl für Philosophie mit dem Schwerpunkt Sozialphilosophie an der Universität Frankfurt. 2001 wurde Honneth zum geschäftsführenden Direktor des Instituts für Sozialforschung bestellt.Seit Herbst 2011 lehrt er an der Columbia University.[1]Axel Honneth ist mit der Journalistin und Philosophin Christine Pries verheiratet.
Forschungsschwerpunkte
Honneths Forschungsgebiet ist die Sozialphilosophie. Im Zentrum seiner Arbeiten steht eine an die Jenenser Schriften des jungen Hegel und den symbolischen Interaktionismus George Herbert Meads anknüpfende Theorie der Anerkennung, die er in seinem bekanntesten Buch, „Kampf um Anerkennung“, entfaltet. In seinem Werk „Verdinglichung“ versucht er diesen marxistischen Schlüsselbegriff anerkennungstheoretisch zu reformulieren. Ein verwandtes Thema Honneths ist, ähnlich wie bei Habermas, die Rekonstruktion der Moralität interpersoneller Beziehungen. Moralische Entwicklung setzt interpersonale Beziehungen voraus und in deren Zentrum stehen Anerkennungsbeziehungen. Unter dem Stichwort „Pathologien der Vernunft“ strebt Honneth die Vergegenwärtigung und Weiterentwicklung einer kritischen Gesellschaftstheorie im Sinne der Frankfurter Schule an. Er greift dabei explizit auf psychologische und psychoanalytische Theorien und die zeitgenössische soziologische Theorie und Sozialontologie zurück. [Axel Honneth, Wikipedia]
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Axel Honneth entwirft in seiner Aktualisierung des Sozialismus ein Konzept kommunikativer Demokratie, das eine internationale NGO umsetzen soll. Eine steht schon bereit
Mehr als 25 Jahre nach dem Zerfall des Ostblocks und damit des sogenannten realexistierenden Sozialismus zumindest in Europa muss man sich in der Tat fragen, warum zugleich mit diesem gescheiterten Projekt auch beinah die gesamte ideelle Stoßkraft des Sozialismus überhaupt verschwunden ist. Die totalitären sozialistischen Systeme scheinen die ihnen zugrunde liegende Vision dermaßen diskreditiert zu haben, dass ein ernsthaftes Wiederanschließen an diese Vision heute geradezu unmöglich geworden ist.
Dem Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth reicht diese Erklärung in seinem Buch Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung allerdings keineswegs aus. Er attestiert unserer Gegenwart vielmehr eine grundsätzliche Utopielosigkeit, ja eine Fetischisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, die trotz weiter wachsender Empörung über skandalöse soziale Ungleichheiten eine radikale Veränderbarkeit dieser Verhältnisse für schlichtweg unmöglich hält. Die vielbeschworene Politik, oder besser Ideologie der Alternativlosigkeit hat hier ganze Arbeit geleistet.
Dennoch gibt es für Honneth auch dem Sozialismus selbst inherente Gründe, die seinen utopischen Kern heute noch zusätzlich anschlussunfähig gemacht haben. Ironischerweise kann man diese als ähnliche Fetischismen auffassen, nämlich zum einen ein Determinsimus zwar nicht in Bezug auf die Gegenwart, aber auf die Geschichte: der Glaube an das historisch notwendige Eintreten einer sozialistischen Revolution, oder zumindest an die zwangsläufige Selbstzerstörung des Kapitalismus. Damit zusammen hängt zum zweiten die unhinterfragte Voraussetzung des Proletariats als geschichtlichem Subjekt dieser Revolution.
Vor allem aber konstatiert Honneth eine Beschränkung der sozialistischen Vision auf den Bereich der Ökonomie, dessen radikale Umgestaltung allein auch die Gesellschaft im Ganzen verändern sollte, weil er allein auch für ihr gesamtes Übel verantwortlich sei. Alle diese Punkte, historischer Determinismus, Voraussetzung eines revolutionären Subjekts und ökonomischer Monismus bezeugen die Verhaftung des Sozialismus in ihrem historischen Entstehungskontext, dem Beginn und der ersten Hochphase der Industrialisierung.
mehr:
- Sozialphilosophie: Soziale Freiheit und kommunikative Demokratie (Tom Wohlfahrt, Le Bohémien, 25.02.2016)
Axel Honneth: Den Sozialismus zur Vollendung bringen (Sternstunde Philosophie, 17.1.2016) [58:25]
Veröffentlicht am 19.01.2016
Marx ist tot, aber der Sozialismus lebt - zumindest als Idee. Der renommierte Philosoph Axel Honneth spricht von einem unvollendeten Projekt und entwirft einen Sozialismus für die Gegenwart. Im Gespräch mit Barbara Bleisch verteidigt er seine gesellschaftskritische Vision.
Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur
BRUNO-KREISKY-PREIS FÜR DAS POLITISCHE BUCH: Axel Honneth Die Idee des Sozialismus, Suhrkamp 2015 [37:46]
Veröffentlicht am 18.04.2016
Axel Honneth und der Sozialismus – Sozialismus / Kommunismus reloaded? (04.12.2015 Kulturzeit) [28:38]
Hat die Idee des Sozialismus ausgedient? Trotz einer wachsenden Kritik an den Auswüchsen einer ungezügelten Wirtschaft hat der Sozialismus keine Konjunktur. Wie ist das rapide Veralten dieser einst so faszinierenden Idee zu erklären? Der Soziologe Axel Honneth hat eine Neudefinition versucht. Für ihn stammt die Theorie des Sozialismus aus der Zeit des Industrialismus, deren Annahmen heute, im 21. Jahrhundert, keine Überzeugungskraft mehr besitzen. Diese müssten ersetzt werden durch Bestimmungen von Geschichte und Gesellschaft, die unserem heutigen Erfahrungsstand angemessen sind. Wenn das gelänge, könne das Vertrauen in ein Projekt zurückgewonnen werden, das nach wie vor zeitgemäß wäre und auch zum Inhalt hätte, die Wirtschaft nach Maßgabe einer solidarisch verstandenen Freiheit zu gestalten.
6:50 Polizei- und Justizwillkür in den USA
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