Montag, 28. November 2016

Hirn und Schwanz…

Forscher vermuten, dass intelligentere Tiere unerwünschte Begattungen besser vermeiden können
Die an den Universitäten Stockholm, Zürich und Canberra forschenden Biologen Alexander Kotrschal, Niclas Kolm, Séverine Buechel, Isobel Booksmythe und Michael Jennions haben in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the Royal Society einen Aufsatz mit Ergebnissen einer Studie mit amerikanischen Moskitofischen (Gambusia holbrooki) veröffentlicht, der den aufmerksamkeitstauglichen Titel "Artificial selection on male genitalia length alters female brain size" trägt.

Um herauszufinden, welche Männchen Moskitofischweibchen bevorzugen, züchteten die Wissenschaftler gezielt zwei unterschiedliche Gruppen von Moskitofischmännchen: Für die erste, wurden Tiere ausgewählt, die einen besonders langen Flossenpenis hatten - für die andere solche, bei denen das Geschlechtsorgan besonders kurz war. Damit konfrontiert, zeigten die Weibchen keine erkennbare Vorliebe für eines der beiden Modelle - dafür konnten die Forscher einen anderen Effekt beobachten:

Die Weibchen, die mit Moskitofischen mit langen Penissen konfrontiert wurden, entwickelten mit der Zeit durchschnittliche größere Gehirne. Aufgrund der statistischen Ausprägung sehen die Forscher diese Entwicklung nicht als Zufall an, sondern glauben an einen evolutionären Hintergrund: Intelligentere Weibchen mit größeren Gehirnen können ihrer Meinung nach unerwünschten Begattungen besser ausweichen. Solche Begattungen nehmen Moskitofischmännchen überraschend von hinten vor, weshalb ein längerer Penis dabei potenziell von Vorteil ist.

mehr:
- Bei Moskitofischen wächst das Gehirn der Weibchen mit der Penislänge der Männchen (Peter Mühlbauer, Telepolis, 28.11.2016)

Affenweibchen fördern aggressives Verhalten von Männchen

Beobachtung von Grünmeerkatzen zeigt, dass die weiblichen Tiere positive und negative Verstärker einsetzen, um die männlichen zur Teilnahme an Gruppenkämpfen zu bewegen
In einer in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the Royal Society erschienenen Studie mit dem Titel "Female monkeys use both the carrot and the stick to promote male participationin intergroup fights" zeigen die Schweizer Forscher Jean Marie Arseneau-Robar, Anouk-Lisa Taucher, Eliane Müller, Carel van Schaik, Redouan Bshary und Erik Willems, dass Grünmeerkatzenweibchen in Südafrika Kämpfe zwischen männlichen Artgenossen nicht nur passiv dulden, sondern Männchen aktiv dazu motivieren, mit anderen Männchen zu kämpfen.

Friedliebende Männchen werden demonstrativ ignoriert oder aggressiv zurückgewiesen
Diesen Anreiz schaffen sie sowohl mit "Zuckerbrot", als auch mit der "Peitsche": Als positiven Verstärker widmen sie Männchen, die sich an solchen Kämpfen beteiligen, bei der Fellpflege und bei anderen sozialen Aktivitäten deutlich mehr Aufmerksamkeit als solchen, die sich heraushalten. Letztere werden mit negativen Verstärkern konfrontiert, indem man sie demonstrativ ignoriert oder aggressiv zurückweist. Dadurch sinkt ihr Status innerhalb der Gruppe.

Beides scheint den Wissenschaftlern zufolge "ein sozialer Anreiz zu sein, der die Teilnahme der Männchen in Kämpfen zwischen Gruppen antreibt". Daran nehmen dann nicht nur solche Männchen überdurchschnittlich oft teil, die vorher besondere Zuwendung von Weibchen erfuhren, sondern auch solche, die man aggressiv zurückgewiesen hatte.

Anders als bei individuellen Revierkämpfen zwischen Hirschen oder Löwen geht es bei diesen Kämpfen zwischen Grünmeerkatzengruppen nicht direkt um einen Begattungszugang, sondern um Nahrung. Waren die Nahrungsressourcen, um die es ging, besonders wertvoll, setzten die Affenweibchen dem Eindruck der Wissenschaftler nach positive und negative Verstärker besonders oft ein.

mehr:
- Affenweibchen fördern aggressives Verhalten von Männchen (Peter Mühlbauer, Telepolis, 26.11.2016)