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Montag, 13. August 2018

Warum Beziehungen scheitern

Ich las kürzlich eine Studie des Paar-Forschers John Gottman über die Stabilität in Beziehungen. Er richtete eine Art kleiner Pension als Labor ein. Dort brachte er Paare für ein Wochenende unter, verkabelte sie für die Gewinnung physiologischer Messdaten und beobachtete ihre Reaktionen aufeinander. Mit 94-prozentiger Sicherheit kann er vorhersagen, ob Paare sich scheiden lassen werden. Eine eindrucksvolle Quote.

Gottman identifizierte zwei Phänomene, die hochinteressant sind. Das erste: Paare, die sich in Zukunft scheiden lassen werden, kommen in die Pension und sprechen ganz ruhig miteinander. Aber es ist eine angespannte Ruhe, wie ein Gehen auf Eierschalen. Obwohl sie ruhig miteinander reden, zeigen die physiologischen Messdaten, dass sie sehr erregt sind, so stark, als stünden sie einem Raubtier gegenüber.

In einer unglücklichen Beziehung betrachten sich die Partner sozusagen gegenseitig als Raubtiere. Ihre Worte dienen nicht der Kommunikation, sondern sollen vielmehr Angriffe verhindern und die Oberfläche ruhig halten. Was aber liegt unter der Oberfläche? Nach Freuds Auffassung liegt das Unbewusste darunter. Man kann auch sagen, dass das Kaputte und Verworrene darunter liegt, das, was sich nicht in eine vernünftige Form bringen ließ. Niemand will die Tür dorthin öffnen. Manche aber tun es – und zwar in Form einer Freud’schen Fehlleistung.

Und damit sind wir beim zweiten von Gottman beobachteten Phänomen. Angenommen, die Frau geht zum Fenster und sagt: „Oh, schau, da draußen ist ein Roter Kardinal!“ (also die seltene Vogelart mit dem ungewöhnlichen Aussehen). Das ist zunächst etwas Triviales. Aber es ist auch eine positive Bemerkung – zwanzig solche Bemerkungen davon täglich wären eine gute Dosis für die Beziehung. Der Mann hat nun zweimal zwei Möglichkeiten, zu reagieren.

Die erste: „Wer interessiert sich schon für deinen blöden Vogel!“

Die zweite: Genervtes, verächtliches Stöhnen – und dann geht er hin und schaut sich den Vogel an.

Die dritte: Er verzichtet zwar auf das verächtliche Stöhnen, verhält sich aber entsprechend.

Und die vierte: Er verhält sich wie ein zivilisierter Mensch, der mit jemandem interagiert, den er wirklich mag, schaut sich den verdammten Vogel an und freut sich darüber. Und das mit dem Maximum an Aufrichtigkeit, die er aufbringen kann.

mehr:
- Warum Beziehungen scheitern (Jordan B. Peterson , Achgut.com, 09.08.2018)

2015 Maps of Meaning 5: Narrative, Neuropsychology & Mythology III / Part 1 (Jordan Peterson) {2:09:05}

Jordan B Peterson
Am 06.02.2015 veröffentlicht 
Twitter: https://twitter.com/jordanbpeterson
Facebook: https://www.facebook.com/drjordanpete...
University of Toronto PSY434
Course Information: http://jordanbpeterson.com/Psy434H/
Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list...
February 4, 2015 Want to support this channel?
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Jordan Peterson Website: http://jordanbpeterson.com/
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Dienstag, 11. April 2017

Scobel: Die hysterische Gesellschaft

Scobel Die hysterische Gesellschaft 06 04 2017 {59:07}

TheWorldhaus  
Am 11.04.2017 veröffentlicht 

Dienstag, 1. November 2016

Liebe muß zwangsläufig frustriert werden…

Aus Versuchen, Möbelstücke eines schwedischen Einrichtungshauses zusammenzubauen, weiß man, dass der Texttypus der Gebrauchsanleitung im Prinzip der Peripetie wurzelt: Übersichtlichkeit schlägt vor dem geistigen Auge von einer Sekunde zur nächsten in Gewusel um. Sonnige Ordnung in den Sturm des reinsten Chaos. Man hat am Ende kein Möbel. Aber die Erkenntnis gewonnen, dass der Grad der Systematik einer Gebrauchsanleitung nichts anderes ist als ein Barometer für das Durcheinander, das man sich ins Haus geholt hat.

Auffallend ähnlich verhält es sich mit mit Sachbüchern über die Liebe. Je enger sie sich an die Form der Gebrauchsanleitung halten, desto stärker erwecken sie den Verdacht, zu diesem Mittel gliedernder Vernunft nur deshalb zu greifen, weil sie fürchten, von der Anarchie ihres Themas überrollt zu werden. Ein Buch, das den Titel Der Beziehungsführerschein. Mit Simply Love auf Dauer glücklich trägt und ein ausgefeiltes psychologisches Curriculum der Eherettung enthält, kommt im Grunde genommen als Kampfansage gegen den Kollaps im emotionalen Verkehrswesen daher, ohne den es die Liebe aber nun mal nicht gäbe.


Es ist ein Buch, das Anleitung und Ratschlag zum Dogma erhebt: Jeder Trottel kann einen Ikea-Schrank zusammenbauen. Er muss nur wollen! Jede Ehe kann funktionieren. Die Eheleute müssen nur dauerhaft, konsequent und effizient an ihr und ihrer Liebe arbeiten! Das kann ja sein. Viele der Ratschläge, die die Autorin Katja Sundermeier, eine Psychologin mit reichlich Erfahrung im Beraten, Coachen, Therapieren von (Ehe-)Paaren, unterbreitet, sind für Leute, die beim morgendlichen Zähneputzen schon mit der Brüllerei anfangen, bestimmt sehr gesund. Nur zieht die Sprache der Erfolgsrationalität, die von Haus aus jede Gebrauchsanleitung beherrscht, der Liebe, von der auf jeder Buchseite die Rede ist, und ihren speziellen Obsessionen den Boden unter den Füßen weg.
mehr:
- Bringen Sie Ordnung in Ihr Gefühlsleben! (Ursula Maerz, ZON, 27.10.2005)

Dienstag, 5. April 2016

Über die Notwendigkeit gemeinsamer Mythen

Europa, und das steht seiner Einigung im Weg, hat viele Erzählungen, aber keine gemeinsame Erzählung. Das ist ein emotionaler Mangel, den auch das hundertste Treffen von Staats- und Regierungschefs nicht wettmachen kann.

Da verwandelt sich also, so berichten Homer und Ovid, der Göttervater Zeus in einen Stier, lässt die schöne Europa auf seinen Rücken steigen und schwimmt mit ihr davon. Eine naive Jungfrau, die zuerst ent- und dann verführt wird – das dürfte so ziemlich der einzige Mythos sein, den die Nationen Europas gemeinsam haben. Und es ist leider die Sorte Mythos, die sich nicht für Sonntagsreden eignet, und schon gar nicht dazu, bei Europäern patriotische Gefühle zu erwecken.

Das ist schade, denn ein gemeinsamer Mythos wird dringend benötigt, wenn die disparaten Staaten des Kontinents irgendwann einmal zu einer wie immer gearteten Einheit zusammenwachsen sollen. Ich meine damit nicht jene aus Verträgen zusammengebastelte Einheit, für die sich ausser den Politikern, die sie ausgehandelt haben, niemand begeistern kann, sondern eine Einheit, die auch im Bewusstsein ihrer Bürger ankommt, und zwar über die erleichterte Feststellung hinaus, dass man für eine Reise von Berlin nach Paris kein Passbüro und keine Wechselstube mehr braucht. Ein wirkliches Zusammengehörigkeitsgefühl kann nur dort entstehen, wo es auch eine gemeinsame Erzählung über die Ursprünge dieser Zusammengehörigkeit gibt – und genau daran mangelt es in Europa.

- Auf der Suche nach einer gemeinsamen Erzählung: Mythos Europa (Charles Lewinsky, Neure Zürcher Zeitung, 21.03.2016)
Wir bestärken unser nationales Selbstbild, indem wir ganz bestimmte Geschichten aussuchen und sie im Erzählen und Wiedererzählen so lang zurechtbiegen, bis sie dem Bild, das wir von uns selber haben, entsprechen. Das hat zur Folge, dass historische Wendepunkte je nach Nation völlig unterschiedlich erinnert werden. Mein Geschichtslehrer am Gymnasium zum Beispiel war der Meinung, das wichtigste Datum der europäischen Geschichte sei das Jahr 1519. Er sagte «fünfzehnneunzehn», seine nasale Aussprache wird sich für mich immer mit dieser Jahreszahl verbinden. Für ihn lag die Bedeutung dieses Datums darin, dass Karl V. zum Kaiser gekrönt wurde und damit ein Reich entstand, «in dem die Sonne nie unterging». […] 

Für diese Selbstverortung ist es völlig nebensächlich, ob die Ereignisse, an die wir uns mit einer gewissen Ehrfurcht erinnern, auch tatsächlich so stattgefunden haben, wie man sie weitererzählt. Es spielt letztlich keine Rolle, ob die Story der History entspricht oder ob sie in den Bereich der reinen Erfindung gehört. In der Schweiz haben wir im Jubiläumsjahr 2015 diese Debatte mehr als genügend geführt und mussten feststellen: Die Schlacht bei Morgarten bliebe auch dann noch ein wichtiges Datum der eidgenössischen Geschichte, wenn sie gar nicht stattgefunden hätte. Oder wie es der alte Schülerspruch besagt: Man weiss nicht, ob Wilhelm Tell jemals existiert hat, es steht nur fest, dass er den Landvogt Gessler erschoss.
(aus obigem Artikel)
Mein Kommentar:
In Walt Disney’s »Ein toller Käfer« gibt es eine Szene, die mir nie mehr aus dem Sinn gehen wird: 
Der Rennfahrer und die Tochter seines Mechanikers, in die er verliebt ist, halten in Herbie bei einem Drive-In. Der Rennfahrer versucht die junge Frau zu küssen, diese will aus dem Auto fliehen, aber Herbie hat die Beifahrertür verriegelt. Durchs offene Fenster ruft die junge Frau: »Hilfe, ich will hier raus!« Ein Pommes-fressender Hippie schaut sie aus dem Nachbarauto mit sehr distanzierte Mitgefühl und weit herunterhängenden Augenlidern lässig an und spricht die tiefgründigen Worte: »Hier kommt keiner raus, Baby!«

Ein toller Käfer - Trailer [2:31]

Veröffentlicht am 20.03.2014
Herbie ist ein niedlicher VW Käfer mit eigener Persönlichkeit. Doch der fiese Rennfahrer Peter Thorndyke (DAVID TOMLINSON - Mary Poppins) behandelt ihn nicht gerade zimperlich. Zum Glück wird der flotte Käfer von dem erfolglosen Rennfahrer Jim Douglas (DEAN JONES - That Darn Cat) "gerettet". Aus Dankbarkeit gibt Herbie sein Bestes und fährt gemeinsam mit Jim einen Sieg nach dem anderen ein. Peter Thorndyke will dies nicht hinnehmen und versucht, den Superkäfer mit allen Mitteln zurückzubekommen ... Rasanter Renn-Spass für die ganze Familie! (Originaltitel - THE LOVE BUG) - 1969 Walt Disney Productions

Wir können uns noch so sehr um journalistische Wahrheit bemühen, das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Narrativ ist so groß, daß die Menschenmassen lieber das Unwahrscheinliche glauben wollen als ihre geistige Wohlfühlzone zu verlassen. Und damit haben uns die Mächten im Sack!


An das «Goldene Zeitalter» einer gerechten Verteilung von Gütern, einer Aufhebung von Zwang und Triebunterdrückung mag Freud nicht glauben wenngleich er versichert, daß es ihm fernliegt, «das große Kulturexperiment zu beurteilen, das gegenwärtig in dem weiten Land zwischen Europa und Asien angestellt wird». Nein, dazu fehle ihm die Sachkenntnis und die Fähigkeit, über dessen Ausführbarkeit zu entscheiden, «die Zweckmäßigkeit der angewandten Methoden zu überprüfen oder die Weite der unvermeidlichen Kluft zwischen Absicht und Durchführung zu messen». Der «unpolitische» Freud war der Ansicht, daß der Zwang zur Kulturarbeit die «Beherrschung der Masse durch eine Minderheit» erforderte, «denn die Massen sind träge und uneinsichtig, sie lieben den Triebverzicht nicht». (Sigmund Freud, Die Zukunft einer Illusion, zitiert in Annette Meyhöfer, Eine Wissenschaft des Träumens)
siehe auch:
- Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie sich Emotionen in der Menge entladen, und wie sie gesteuert werden können (Post, 14.03.2016)
- Wie gehen wir mit gemachter Realität um? (15.06.2014, beachte auch die Links)


»Die wichtigste Lektion der jüngsten Geschichte ist meiner Meinung nach – ich wiederhole es und werde es wiederholen, solange ich lebe – ganz einfach, obwohl sie schwer zu befolgen ist. Die Lektion heißt: Wahrheit und Toleranz. Heute sind Wahrheit und Toleranz keine idealistischen Träume mehr, sie sind lebensnotwendig und unentbehrlich, eine condition sine qua non. Ohne sie wird alles Leben auf Erden zugrunde gehen. Vorbehaltlose Wahrheit und bereitwilligste Toeranz, Menschenliebe, die alle Arten von Haß und Feindseligkeit überwindet: Sie sind unerläßlich, wenn die Menschheit am Leben bleiben will.« (Lew Kopelew, Autor von »Aufbewahren für alle Zeit«)
»Die Menscheit ist an sich immer vollständig, niemand fehlt ihr, und sie wartet auch auf keinen. Sie wird weiter nichts zustande bringen, dieselben Menschen werden sich dieselben Fragen vorlegen und dasselbe Leben verpfuschen.« (Jean-Paul Sartre, Der Aufschub) 
Enttäuschung wird allgemein und spontan als etwas Negatives empfunden, als eine Ungerechtigkeit, die uns widerfahren ist, als ein Wermutstropfen im ohnehin schon bitteren Leben. Die Sprache ist anderer Meinung. Denn »ent-« ist ein Privativ, wie man das nennt – wer seine Kleider ablegt, ent-kleidet sich, wer den Mut verliert, ist ent- mutigt, und Kirschen ent-kernen wird, bevor wir Marmelade daraus machen – , und gerade dies sollte uns im Falle der »Enttäuschung« doch eher trösten. Was hat der Enttäuschte denn zu beklagen? Daß er einer holden Täuschung erlegen war und nun die Dinge etwas klarer und wahrheitsnäher sieht? Genau da scheint jedoch die Schwierigkeit zu liegen...: »Es ist manchmal schwer, jemanden zu enttäuschen, weil er Illusionen braucht.« Man täuscht sich eben nur allzu gern über Tatsachen hinweg, will also dann folgerichtig nicht ent-täuscht werden, ist es aber gerade deshalb immer wieder ... und klagt. Der Enttäuschte, sagt die Sprache, ist um eine Täuschung ärmer, um eine Wahrheit reicher. Wer wollte da klagen?  
[aus Legros, Was die Wörter erzählen]

  

Samstag, 16. Januar 2016

Liebe und Abhängigkeit

Emotionale Abhängigkeit – was sollen wir darunter eigentlich verstehen? Sind wir denn nicht alle in gewisser Weise voneinander abhängig und aufeinander angewiesen?
Natürlich sind wir das in gewissem Sinne! Der Mensch ist schließlich ein soziales und fühlendes Wesen, das in unterschiedlich intensiven Bindungen lebt. Unsere erste emotionelle Abhängigkeit beginnt oft schon mit der Beziehung zur Mutter. Von ihrer Nähe, Liebe und Zuwendung sind wir körperlich und emotionell in einer Weise abhängig, die beispiellos ist. Und genau deswegen eignet sie sich auch hervorragend für emotionelle Erpressung und Missbrauch jeglicher Art.
Später sollte sich die seelische Abhängigkeit lösen dürfen – aber viele Mütter wollen aus eigener Bedürftigkeit heraus lebenslang gebraucht werden und achten darauf, dass die emotionellen Bande zu ihren Kindern zwanghaft eng bleiben. Sie verstricken eines oder mehrere ihrer Kinder in unzulässiger Weise in neurotische Anwandlungen, Besitzansprüche, tief sitzende, unbewusste oder verleugnete Ängste und eigene Bedürftigkeiten. So formen sie oftmals ein Wesen, dass enge Bindungen ebenso sehr fürchtet wie es sie verzweifelt sucht. Wenn dieser Mensch sich nicht aus diesen Verstrickungen befreien kann, bleibt er lebenslang bedürftig und abhängig von der Zuneigung anderer. […]
Der Abhängige glaubt, ohne den anderen nicht überleben zu können, ohne ihn hilflos, einsam und ausgeliefert zu sein. Auch in der so genannten Co-Abhängigkeit finden wir die emotionelle Abhängigkeit. Der Alkoholiker braucht einen Unterstützer und Komplizen, der die Erkrankung mit trägt. Seine Rolle ist es, die immer häufiger auftretenden Ausfälle zu dulden, zu “verstehen” und mit Mitgefühl zu begleiten. Der gesunde Partner kann ein Helfersyndrom haben und seinerseits den Alkoholiker brauchen, um es auszuleben. Oftmals möchte man den kranken Partner vor seinen selbstzerstörerischen Neigungen und seiner Sucht retten und wird dadurch zum Komplizen statt zum Helfer. Vielfach wird eine solche Abhängigkeit erst bemerkt, wenn der Partner stirbt oder den anderen verlässt. Wo genau eine emotionelle Abhängigkeit beginnt, ist verschieden. Menschen empfinden unterschiedlich stark und sind unterschiedlich vorgeschädigt. Ohne die Sicherheit und das Vertrauen, ohne den anderen weiterleben zu können, wird eine solche Beziehung auf Dauer zu einer Belastung für beide.
Was können wir nun tun, um emotionelle Abhängigkeiten zu mildern oder zu beseitigen? Gespräche zur Bewusstmachung sind sicher sinnvoll, können aber meist keine tief greifenden Änderungen in der vorgeprägten Persönlichkeitsstruktur erzeugen. Sie unterliegt frühkindlichen Prägungen und ist meist unbewusst. Trotzdem kann man damit arbeiten. Eine Psychotherapie oder gestalttherapeutische Gespräche können sinnvoll sein. Auch die Beschäftigung mit spirituellen Inhalten kann Sinn machen. Beispielsweise lehrt uns der Buddhismus das Loslassen vom Anhaften.
Buddhas Lehren zu Folge ist allem Anhaften als Folge das Leiden zugeordnet. Man leidet nach dieser Sichtweise, wenn man etwas haben möchte, aber nicht bekommt. Hat man es, leidet man aber auch, weil man es verlieren könnte! Ganz egal, was wir haben möchten: Es erzeugt oft einen so starken Wunsch, dass wir glauben, ohne diese Sache oder diesen Menschen nicht mehr leben zu können. Sofern es nur um materielle Wünsche geht, kauft man nur mehr Dinge, Lebensmittel oder Schallplatten als man tatsächlich braucht. Aber wenn es einem um Größeres geht, das an einem nagt, wenn man es nicht bekommt, wird es problematisch.
Noch gefährlicher ist das Anhaften in Beziehungen. Es macht abhängig und verletzbar. Man verliert seine Autonomie, lebt in zu enger Symbiose und kann ohne den anderen nicht sein. Zumindest fühlt es sich so an! Es ist oft nicht einmal als Gedanke vorstellbar. Solche Partner sterben oft kurz hintereinander und geben sich vollkommen auf, wenn der andere nicht mehr da ist. Nicht-Anhaften kann in Partnerbeziehungen aber auch nicht funktionieren, weil es hier um Nähe und Authentizität, Intimität und ähnliches geht. Je eingeschränkter das Selbstwertgefühl ist, desto mehr wird man am anderen klammern. Gerade dadurch engt man ihn oft so ein, dass er einen erst Recht verlässt oder sich zumindest zunehmend eingeengt fühlt und ausbricht. Folge des zu starken Klammerns ist oft Eifersucht, Besitzdenken und Kontrolle. Eine emotionelle Abhängigkeit schadet also der Beziehung auf Dauer, obwohl alles danach aussieht, als sei man nur besonders eng verbunden. (Emotionale Abhängigkeit lösen / überwinden, Beziehungsratgeber, Datum und Verfasser unbekannt, Hervorhebungen von mir)
Ne me quitte pas (excellente qualité) {4:09}   Text (Songtexte)

Hochgeladen am 02.08.2006
Ne me quitte pas, Jacques Brel

Viele Menschen sehen es auch als ideale Liebe an, wenn man bereit ist, für den Partner alles zu tun. Äußerungen wie „Ich bin ohne dich nichts“ oder „Für dich tue ich alles“ gehören zu unserer Vorstellung von romantischer Liebe, die in unzähligen Liedern und Gedichten beschrieben und besungen wird. (Ist es wahre Liebe oder Abhängigkeit (Liebessucht)?, Doris Wolf, Partnerschaft-Beziehung, Datum unbekannt)


Night of the Proms 2001, Meat Loaf, I would do Anything for Love [10:00]   Text (Songtexte)

Hochgeladen am 04.04.2010
Meat Loaf bei der Night of the Proms 2001

Michel Polnareff : Love me please love me [4:27]   Text (Songtexte)

Veröffentlicht am 17.06.2015

siehe auch:
- Saboteure des Glücks – Verlange, daß bestimmte Menschen Dich mögen müssen (Rolf Merkle, Psychotipps, Datum unbekannt)
- 7 Indikatoren für Beziehungsabhängigkeit (aus: Beziehungsbhängigkeit, Psychotherapie-Blog, 2012, Indikatoren basieren auf einem Artikel von Laurie Pawlik-Kienlen; Tipps zum Überwinden basieren in Teilen auf Robin Norwood’s Buch “Wenn Frauen zu sehr lieben“
- Wie Paare in die Abhängigkeitsfalle geraten (FR Online, 05.09.2012)
- Ich bin ich und Du bist Du. Symbiose, Autonomie und Bezogenheit in Zweierbeziehungen (Sabine und Matthias Stiehler, Beratung Aktuell 4/2002, Dresdner Institut für Erwachsenenbildung und Gesundheitswissenschaft, PDF)


„I do my thing, I am I,
you do your thing, you are you.
I am not in this world to live up to your expactations, neither are you to live up to mine.
I am I und you are you
and if by chance we find each other, is‘s beautiful,
if not, it can‘t be helped.“
 (Gestaltgebet, Fritz Pearls, 1976, zit. in obigem Artikel)
I'm So Happy I Can't Stop Crying Live. Sting and Ross Viner [7:43]   Text (Songtexte)   Übersetzung (Golyr)

Hochgeladen am 11.07.2006
Great hilarious video from some guy who sang with him. www.brushwithfame.com
Sting pulls guy (Ross Viner) up from audience to sing with him.


- Symbiose (Psychology48, Psychologie-Lexikon)
- Maligne Symbiose und Autonomiestörung als entscheidende Ursache von Streß und Krankheit (Ernst Robert Langlotz, Systemische Selbst-Integration, 2006)

- Partnerschaft – Symbiotische Beziehung versus reife Beziehung (Thomas Latka, Autonomie-Training)
- Eigene Traumata annehmen und fremde loslassen - Auswege aus symbiotischen Verstrickungen (Franz Ruppert, 14.05.2010, PDF einer PP-Präsentation)

Gedankenlesen in Beziehungen kann sehr gefährlich sein… »You know what I mean!«

Marshall Rosenberg arbeitet an klarer Kommunikation:

FULL - Nonviolent Communication Workshop - Marshall Rosenberg (2000) (Multi Subtitles) [3:05:57]

Hochgeladen am 05.01.2012
Lista de Reprodução com vídeos legendados de Marshall Rosenberg:
http://www.youtube.com/playlist?actio...
A forma mais básica e comum de interação entre seres humanos é a comunicação.
E a comunicação verbal é a mais importante.
Vídeo de um Workshop de um dia com o Dr. Marshall Rosenberg, PhD em Psicologia, que sistematizou a arte da COMUNICAÇÃO NÃO VIOLENTA.
Veja esse vídeo e aprenda a comunicar-se com seu cônjuge, filhos, pais, parentes, amigos, estranhos, patroes, empregados, colegas, etc, de forma harmônica, construtiva, baseada em seu coração, sem julgamentos, sem ataques verbais, sem viagens de ego, sem expectativas, sem incutir culpa, medo, aprovação ou desaprovação.
Aprenda a respeitar o próximo como ele é, e não da forma como vc "gostaria" que ele fosse quando se comunica com ele.
Aprenda com esse vídeo mil exemplos de como cometemos erros básicos ao comunicar-nos verbalmente ou por escrito com outras pessoas.
Como otimizar sua forma de comunicar-se e gerar harmonia e amor à sua volta.
Conversar ou debater com alguém que pensa ao CONTRARIO de você, sem fazer a pessoa sentir-se mal, e aprenda a jamais se sentir mal com QUALQUER COISA que alguém disser para você.
Comunicar-se com o seu coração, vendo e dirigindo-se ao coração do seu próximo.
Evitar os repetitivos conflitos gerados pela maneira agressiva, destrutiva, contraproducente, injusta e até mesmo grotesca com que 99% dos seres humanos se comunicam.
Aprenda o interessantíssimo conceito da "linguagem do chacal"e "linguagem da girafa", tanto na forma como falamos como também na forma como ouvimos.
A linguagem "chacal" dos outros e o que e como fazer para não se envolver. Como reconhecer a razão por trás da comunicação autoritária, exigente ou agressiva dos "chacais" e como identificar as "necessidades não satisfeitas" deles, que os leva a comunicarem-se (falar e ouvir) de uma forma psicologicamente doente.
O trabalho do Dr. Rosenberg é fascinante, muda a vida das pessoas que estudam seu enfoque sobre a comunicação.
Essencial, imperdível!
Aprenda CNV, sua vida e de todos com quem vc convive e/ou se comunica será mais pacífica, harmônica, terna, compassiva, amorosa.
A forma como quase todos os seres humanos se comunicam uns com outros gera conflitos, quase sempre.
Pequenos conflitos que distanciam pais de filhos, antipatizam vizinhos, professores e alunos, conflitos que geram reações violentas e guerras...
Pais comunicam-se de forma contraproducente com filhos e vice-versa. Esposas irritam maridos, maridos humilham esposas através de formas pobres e contraproducentes de comunicação.
O problema da comunicação humana é gigantesco e poucas pessoas estudaram isso de forma tao completa e interessante como o Dr. Marshall Rosenberg.
Ele criou a teoria da COMUNICAÇÃO NÃO VIOLENTA.
Através de livros, workshops, seminários, cursos, etc suas teoria da Comunicação Não Violenta se espalhou pelo mundo.
Este vídeo é a filmagem parcial de um workshop de Marshall Rosenberg em São Francisco em Abril de 2000.
(Texto em construção: Santsuma)
Meus canais:
Problemas e vídeos para alertas, muitos com legendas:
http://www.youtube.com/AMhiro2
Soluções, saúde, ecologia, espiritualidade, etc
http://www.youtube.com/YashamiLL
Economia, finanças, etc:
http://www.youtube.com/SANtsuma
Permacultura, ecovilas, comunidades, agric. Natural, etc:
http://www.youtube.com/ECOmantiqueira
http://www.youtube.com/ECOmantiqueira2
Problemas, documentários alerta, muitos documentários longos, importantes:
http://www.youtube.com/SUNamori6765__
Quando nossa comunicação dá suporte a doar e receber com compaixão, a felicidade substitui a violência e a dor.
(Marshall Rosenberg)
Além das ideias de ações certas e erradas existe um campo.
Lá eu o encontrarei.
(Rumi) _____________
Informações complementares:
http://pt.wikipedia.org/wiki/Comunica...
http://pt.wikipedia.org/wiki/Marshall...
http://CNVC.org

Justin Bieber - What Do You Mean? [4:57]   Übersetzung (Magistrix)

Veröffentlicht am 30.08.2015
‘Purpose’ Available Everywhere Now!
iTunes: http://smarturl.it/PurposeDlx?IQid=VE...
Stream & Add To Your Spotify Playlist: http://smarturl.it/sPurpose?IQid=VEVO...
Google Play: http://smarturl.it/gPurpose?IQid=VEVO...
Amazon: http://smarturl.it/aPurpose?IQid=VEVO...

Director: Brad Furman
Production Company: Happy Place
Producer: Roger Ubina
Executive Producer: Tara Razavi

Download or stream the single below:
iTunes: http://smarturl.it/iWDYM?IQid=YT
Google: http://smarturl.it/gWDYM?IQid=YT
Amazon: http://smarturl.it/aWDYM?IQid=YT
Stream On Spotify & Add To Your Playlist: http://smarturl.it/sWDYM?IQid=YT

Follow Justin:
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And sign up to Justin’s newsletter: http://justinbiebermusic.com

Lyrics:
What do you mean?
When you nod your head yes
But you wanna say no
What do you mean?
When you don’t want me to move
But you tell me to go
What do you mean?
Said we’re running out of time
Trying to catch the beat make up your mind
What do you mean?
Better make up your mind
What do you mean?
You’re so indecisive of what I’m saying
Don’t want us to end where do I start
First you wanna go left and you want to turn right
First you up and you’re down and then between

Ohh I really want to know…

When you nod your head yes
But you wanna say no
What do you mean?
What do you mean?
But you tell me to go
Said we’re running out of time
What do you mean?
Better make up your mind
What do you mean?
You’re overprotective when I’m leaving
Trying to compromise but I can’t win
You wanna make a point but you keep preaching
You had me from the start won’t let this end
First you wanna go left and you want to turn right
Wanna argue all day make love all night
First you up and you’re down and then between
Ohh I really want to know…
What do you mean?
When you nod your head yes
What do you mean?
When you don’t want me to move
But you tell me to go
What do you mean?
Said we’re running out of time
What do you mean?
Better make up your mind
What do you mean?

http://vevo.ly/zvsAcK

Something - Concert For George - Paul McCartney [4:51]   Text (Songtexte)

Hochgeladen am 28.07.2010
Something - Paul McCartney
Concert for George 2002 en el "Royal Albert Hall"
Un años después de la muerte de George Harrison

Paul McCartney: guitarra, ukelele y voz
Ringo Starr: batería
Eric Clapton: guitarra y voz
Billy Preston: teclados
Jeff Lynne: guitarra y coros

Masked And Anonymous clip girl singing the times are changing.mpg [2:37]

Hochgeladen am 15.02.2011
the girl name is tinashe kachingwe singing the times are changing from the movie masked and anonymous along with background score by Bob Dylan... enjoy....:)))

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aktualisiert am 19.10.2016

Sonntag, 3. Januar 2016

"Viele Ärzte und Therapeuten verzweifeln am Unglück anderer"

Menschen in helfenden Berufen leiden besonders häufig an Burnout oder Depression. Der Glücksforscher und Mediziner Tobias Esch erklärt, wie es dazu kommt – und welche Techniken Ärzte oder Therapeuten ausgeglichener machen können.
mehr:
- Positive Psychologie: "Viele Ärzte und Therapeuten verzweifeln am Unglück anderer" (Nele Langosch, Spektrum, 29.12.2015)
"Ein guter Therapeut vermag es, eine Beziehung zu ermöglichen, zu halten, aber auch zu beenden" (Tobias Esch)

siehe auch:
- Psychische Erkrankungen sind Volkskrankheiten des 21. Jahrhunderts – BPtK: Präventionsgesetz ignoriert psychotherapeutischen Sachverstand (BundespsychotherapeutenKammer, 22.04.2015)
- Weltanschauungen, Ideologien und Religionen im 21. Jahrhundert Was kommt auf uns zu? (Sektenwatch, Dokumentation der Jahresfachtagung 2011, PDF)
- Altes "Neues Denken" Religiösität in Deutschland - Deutsche Religiösität: Begriffe, Ideologen, Strömungen, Gemeinsamkeiten (aus Peter Kratz, Die Götter des New Age. Im Schnittpunkt von 'Neuem Denken', Faschismus und Romantik, 2002, gefunden bei Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e. V., PDF)
- Mythen der Erleuchtung: Phantasie und Realität des Erwachens (Daniel, Ingram, One World Verlag, 06.08.2013)
Meine persönliche Arbeitshypothese lautet, dass Erleuchtung mich in keiner Weise zu einem besseren Menschen macht, weder positive mentale Qualitäten noch Zustände von Glück oder Frieden produziert, und mir keine zusätzliche Klarheit darüber verschafft, wie ich mein normales Leben lebe. (Daniel Ingram)
- Ist die Seele eine Frage des Standpunkts? Interview mit Stephan Schleim (W. Bernhard, agora 42, 14.12.2015)
- Bedürfnisse der Menschen – Bedürfnisse der Wirtschaft (Christian Felber, Waldviertler, Januar 2008)

Samstag, 4. Oktober 2014

Wegschauen und weglesen

Wie lässt sich der tägliche Schrecken des Weltgeschehens ertragen? Kontext hat den Freiburger Psychoanalytiker Tilmann Moser gebeten, sich dazu Gedanken zu machen. Sein Ratschlag: Er dosiert die Informationen, um nicht daran zu ersticken. 
Wegschauen und weglesen: Goethe hat die Seelenruhe des Spießers auch in der damaligen Zeit von Kriegen und Katastrophen unnachahmlich im "Faust" in Worte gefasst: "Wenn hinten, weit, in der Türkei die Völker aufeinander schlagen ..." Das war die scheinbare Lösung, um sich damit abzufinden, wie geschützt sich viele Zeitgenossen fühlten in ihrer Bierruhe. Es kam noch hinzu, dass alle Nachrichten nur mit unterschiedlich großer Verzögerung in die Öffentlichkeit drangen, höchstens von fantasiereichen Zeichnungen oder Stichen untermalt. Das schonende Filter war also groß.
Heute stürzt uns alles von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute ins Haus, in vielen Fällen durch die aktuelle Fernsehberichterstattung vom Ort des Geschehens aus quasi zeitgleich, und wenn wir nicht sofort ausschalten, sind wir den Bildern ausgeliefert, auch wenn sie dadurch oft schon redaktionell "aufbereitet" erscheinen. Wer es nicht für sich selbst dosieren lernt, erliegt der Überschwemmung. 
Was dagegen tun?
mehr:
- Wegschauen und weglesen (Tilmann Moser, Kontext, 01.10.2014)

Sonntag, 5. Dezember 2010

Matthias Horx erforscht das Liebesleben der Deutschen

Immer weniger Menschen sind heutzutage bereit, in ihrer Partnerschaft auf guten Sex zu verzichten. Aber was passiert, wenn sich Gewohnheiten einspielen und die Erotik im Laufe der Jahre nachlässt? Wie gelingt es, eine lange Beziehung dauerhaft gelungen zu machen? Mann und Frau müssen sich etwas einfallen lassen, rät Trendforscher Matthias Horx im Interview mit n-tv.de. Sex werde heute mehr und mehr zelebriert oder wie ein Gourmet-Menü zubereitet. Dafür würden Kulturtechniken eingesetzt, die es früher nicht gab. Heute setzt man sich mit seinen "individuellen Wünschen und Lüsten auseinander".

n-tv.de: Vor drei Jahren haben sie das Liebesleben der Deutschen erforscht. Sehen Sie ihre vorhergesagten Trends in der "Sexstyle-Studie 2010" bestätigt?

Matthias Horx: Man kann Trends grundsätzlich nicht vorhersagen, sondern nur diagnostizieren und von da aus bestimmte Aussagen in Richtung Zukunft machen. Wir haben vor drei Jahren eine Art Diagnose oder Analyse des Wandels der erotischen Kultur gemacht, im Auftrag der Firma Beate Uhse. Dafür haben wir eine Menge Material aus der Lebensweltforschung ausgewertet und auch eigene Interviews gemacht. Drei Jahre später hat sich daran natürlich noch nicht viel verändert.


Sie sagten damals voraus, dass "Inszenierung und Individualisierung zu wichtigen Komponenten des Liebeslebens" werden – verschwindet damit der Glaube an die Liebe auf Lebenszeit? 

Nein, der wird niemals verschwinden, weil das ja einer der tiefsten inneren Impulse des Menschen ist. Inszenierung und Individualisierung sind auch nicht, wie Sie es in der Frage suggerieren, ein Gegensatz dazu, sondern die Bedingung. Unsere Beobachtung war ja folgende: Um eine lange Beziehung gelungen zu machen, ist Erotik von entscheidender Bedeutung. Denn immer weniger Menschen sind bereit, in ihrer Partnerschaft auf guten Sex zu verzichten. Das ist die Spätauswirkung der sexuellen Revolution: Ein erfülltes Sexleben gehört zu einer erfüllten Liebe einfach dazu. Um das hinzubekommen, müssen sich Mann und Frau etwas einfallen lassen. Da es eine Tendenz zur Abflachung der erotischen Spannung im Lauf der Jahre gibt, muss man inszenieren. Sex wird heute mehr und mehr zelebriert oder wie ein Gourmet-Menü zubereitet. Man nutzt viel mehr Verkleidung, Spiele, Verabredung. Man setzt sich mit seinen individuellen Wünschen und Lüsten auseinander und redet auch mehr darüber. Junge Paare gehen heute zusammen in den Sexshop und kaufen ungezwungen Dildos oder Reizwäsche. Man experimentiert im Bett, versucht Rollenspiele oder was auch immer. So entsteht eine erotische "Gourmet"-Kultur, aber nicht, weil man sich nicht treu sein will, sondern weil man sich treu sein will! Man ist romantisch, aber man weiß auch, dass erotische Gefühle wachgehalten werden müssen. Am besten durch differenzierte Praxis.
mehr:
- Sex und Liebe – "Gevögelt wird immer" (n-tv, 02.12.2010)

Matthias Horx - Future Love {42:12}

Business Circle
Am 15.01.2018 veröffentlicht 
"Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, der nicht unter ständigem Liebeskummer leidet."
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Matthias Horx über Europas ganz normale Krisen + deren verzerrte Wahrnehmung der Mediengesellschaft {7:31}

heinrich quernheim
Am 11.01.2017 veröffentlicht 
aus 3Sat Kulturzeit

Samstag, 3. Mai 2008

Armer Robbie!

Robbie Williams hat die Klinik, in der er sich wegen seiner Tablettensucht aufhielt, gegen den Rat der Ärzte schon nach drei statt nach vier Wochen verlassen. Seine Mutter, die selbst Drogenberaterin ist, »wird ihn unterstützen«, las ich heute in der HAZ. Jetzt braucht man nur noch eins und eins zusammenzählen.

Im Video zu »Rock DJ« reißt sich Robbie lachend alles vom Leib, was man sich »vom Leib reißen« kann …




… und steht schließlich als fröhlich tanzendes Skelett da.


Bei My Video und Yahoo kann man sich das Video ansehen.



Einen der auf Yahoo hinterlassenen Kommentare will ich nicht vorenthalten:
»I say we vote that that put more sexy guys flaunting their bodies around on videos... feed us hungry eyed women.«

Everything you want, baby…


Im Internet gibt es einige nachdenkliche Kommentare, u.a. bei www.theomag.de und bei Jungle World. Die Tendenz dieser Deutungen bezieht sich auf den Kontext Musikindustrie. Wenn wir den Kontext auf seine Drogenprobleme und die liebevolle Nachbetreuung durch seine Mutter verschieben, ändert sich auch die »Be-Deutung«. Aus einem Entertainer, der für seinen Erfolg bezahlen muß, wird ein Junge, der hinter der Maske des fröhlichen Lächelns verzweifelt gleichzeitig versucht, etwas loszuwerden und etwas zu bekommen. Dieser Versuch (man denke an Harald Juhnke) kann nur kurzfristig entlasten und muß langfristig scheitern. Ich lade dazu ein, darüber zu phantasieren, was Robbie da wohl loswerden will und nach was er dürstet und warum.



Man schaue sich die wenigen Szenen, in denen Robbie Williams zu sehen ist, an: entweder er tut unbeteiligt, oder er übertreibt. Die beiden Gegenteile sind dasselbe, beides soll die Not hinter der Fassade verbergen.

Bert Hellinger, der Familienaufstellungs-Guru, haut vorschlaghammerartig ab und zu Sätze raus wie diesen: »Jemand wird süchtig, wenn ihm die Mutter gesagt hat: Was vom Vater kommt, taugt nichts. Nimm nur von mir. Dann rächt sich das Kind an der Mutter und nimmt so viel von ihr, dass es ihm schadet. Die Sucht ist also die Rache des Kindes an seiner Mutter, weil sie verhindert, vom Vater zu nehmen.« (gefunden bei »Die Psychoszene hat einen neuen Star« im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt vom 6.10.2000 auf »mitglied.lycos.de/ueberlebende«) Abgesehen davon, daß seine rabiaten Aufstellungspräsentationen wohl häufig mehr schaden als nutzen und der Absolutheitsanspruch seiner Realitätsbeschreibungen mit äußerster Vorsicht zu genießen ist (man führe sich den eben erwähnten Artikel ruhig zu Gemüte), steckt in dieser Äußerung über die Sucht meiner Meinung nach einiges an Wahrheit. (Ich möchte allerdings darauf hinweisen, daß sich das Kind meiner Meinung nach nicht an der Mutter rächt, dazu ist es nicht souverän genug.) Wenn wir Robbie Williams’ Drogenprobleme unter diesem Aspekt betrachten, bekommen wir eine Ahnung davon, was sich Robbie da vom Leib reißt. Und wenn wir uns vergegenwärtigen, wer ihn nach seinem Klinikaufenthalt so liebevoll betreut, läuft es einem kalt den Rücken runter.

Unter diesem Aspekt wird deutlich, wie zumindest ein Teil des Erfolgs von Robbie (»beliebtester Schwiegersohn«) zustandekommt: Wir erleben einen Entertainer, der fröhlich um sein Leben singt, dessen verzweifelter Versuch um eine stabile Perspektive im Leben unsere eigene Verzweiflung an unserer Existenz künstlerisch überhöht und damit aushaltbarer macht.


»Was ist der Unterschied zwischen Piranhas und klammernden Müttern?
Der Piranha läßt mal los.« (Dr. Mathias Hirsch, Psychotherapeut in der Bruker-Klinik Lahnhöhe bei Lahnstein)

In diesem Kontext ein Zitat aus Erich Neumanns Buch »Ursprungsgeschichte des Bewußtseins« (Kapitel 2, Die große Mutter):

Die tödliche Spannung zwischen den orgiastischen Festen, in denen der Jüngling als Phallus die zentrale Rolle spielt, und der nachfolgenden rituellen Kastration und Tötung bestimmt archetypisch die Situation des Jünglings-Ich unter der Dominanz der Großen Mutter. Diese archetypische Situation ist sowohl kulturgeschichtlich aufzuweisen, wie entwicklungsgeschichtlich von der psychologischen Geschichte des Ich, aus zu verstehen. Die Beziehung des Sohngeliebten zur Großen Mutter ist eine archetypisch wirksame Situation, deren Überwindung auch heute noch die Voraussetzung ist für eine Weiterentwicklung des Ich und des Bewußtseins.Die blütenhaften Jünglingsknaben sind noch nicht stark genug, sich gegen die Übermacht der Großen Mutter wehren oder gar sie überwinden zu können. Noch sind sie mehr Geliebte als Liebende. Denn die Göttin ist die Begehrende, die sich die Knaben wählt und ihre Sexualität weckt. Die Aktivität geht niemals von ihnen aus, sondern sie sind Opfer, blütenhaft hinsterbende Geliebte. Der Jüngling dieser Stufe hat noch keine Männlichkeit, kein Bewußtsein, kein oberes geistiges Ich. Er ist narzißtisch identisch mit seinem männlichen Körper und dem, was ihn kennzeichnet, dem Phallus. Nicht nur, daß die Muttergöttin ihn nur als Phallus liebt und, kastrierend, sich seines Phallus bemächtigt zu ihrer Fruchtbarkeit, auch der Jüngling selber ist noch identisch mit dem Phallus, sein Schicksal ist Phallusschicksal.Die Jünglinge, ichschwach und ohne Persönlichkeit, besitzen nur ein kollektives Schicksal, kein eigenes, sie sind noch keine Individuen und haben so auch kein individuelles, sondern nur ein rituelles Dasein. Und auch die Muttergöttin ist nicht auf ein Individuum bezogen, sondern auf den Jüngling als eine archetypische Gestalt.

Und jetzt wissen wir ungefähr, wo sich Robbie aufhält, gegen was er – vergeblich – kämpft und was er zu betäuben versucht. Und wir können gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht: »I hope I’m getting old before I die.«

Ich empfehle das Buch von Rafael Yglesias »Dr. Nerudas Kampf gegen das Böse«. Hier geht es nämlich nicht nur um Klammern…