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Dienstag, 3. April 2018

Stress ist ansteckend – auch auf zellulärer Ebene

Die Traumen anderer können bei uns zu schwerwiegenden Symptomen führen

Dass man sich Emotionen und Stress bei seinen Mitmenschen "aufschnappen" kann, ist keine Imagination, sondern biochemisch messbar. Eine vor Kurzem in der Nature publizierte Studie zeigt, dass solch "übertragener" Stress in der Tat in gleichem Maße Spuren im Gehirn hinterlässt wie "echter" Stress.

Stress aktiviert neuronale Netzwerke, die das Individuum dazu befähigen sollen, auf Bedrohungen reagieren und überleben zu können. Selbst eine kurze Exposition mit einem Stressor löst langfristige Veränderungen an Synapsen aus. Für Menschen, Primaten und Nagetiere ist belegt, dass stressinduzierte Verhaltensweisen und hormonelle Veränderungen sich auf andere übertragen können. Auch dies macht evolutiv Sinn – den Gemütszustand unseres Gegenüber erfassen zu können, ist wichtig für den Aufbau sozialer Bindungen.

Soziale Übertragung synaptischer Veränderungen nach Stress


Bislang war nicht bekannt, ob übertragener Stress sich gleichartig auf Synapsen auswirkt wie selbst erlebter. Eine kürzlich in der Nature veröffentlichte Studie[1] beantwortet dies mit einem klaren "Ja".

Ein Forschungsteam aus Calgary studierte die zerebralen Auswirkungen von Stress an Pärchen von weiblichen und männlichen Mäusen, indem sie eine Maus von ihrem Partner trennten und moderatem Stress aussetzten. Nach Rückkehr zum Partner untersuchten sie bei beiden Mäusen die Reaktion einer spezifischen Population von Neuronen im Zwischenhirn, genauer den CRH-Neuronen des Nucleus paraventricularis (PVN). Diese steuern die zerebrale Reaktion auf Stress.


Das bemerkenswerte Ergebnis war, dass die CRH-Neurone der Partner, die selbst keinem Stress ausgesetzt waren, identische Veränderungen zu denen der tatsächlich gestressten Mäuse zeigten.[2]

mehr:
- Stress ist ansteckend – auch auf zellulärer Ebene (Esanum.de, 25.03.2018)

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Der Nucleus paraventricularis ist ein Kerngebiet im Hypothalamus, also im Zwischenhirn. Sein Name leitet sich von seiner Lage neben dem dritten Ventrikel ab.
Die großen Nervenzellen dieses Kerngebiets produzieren das Hormon Oxytocin und in geringeren Mengen Antidiuretisches Hormon. Darüber hinaus enthält dieses Kerngebiet auch kleine Kerne, die das Releasing-Hormon CRH sezernieren, dieses wird allerdings an der Eminentia mediana in den primären hypophysären Pfortaderkreislauf (Primärplexus) abgegeben.
Die Zellfortsätze (Axone) des Nucleus paraventricularis bilden zusammen mit denen des Nucleus supraopticus den Tractus hypothalamohypophysialis. Über diese Nervenbahn werden das Oxytocin und ADH in die Neurohypophyse transportiert, wo es zwischengespeichert und bei Bedarf an das Blut abgegeben wird.

[Nucleus paraventricularis, Wikipedia, abgerufen am 03.04.2018]
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Nucleus paraventricularis (Abb. gefunden bei Kenhub.com)

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Sonntag, 25. Februar 2018

Der depressive Mensch als Problemfall: Wer isoliert wird, isoliert sich

Österreich Ein Experiment im Oberen Waldviertel befreit Arbeitslose von ständiger Drangsalierung und Depression

Heidenreichstein mit etwa 4.100 Einwohnern ist eine verletzte Kleinstadt. Vor allem nach dem Kollaps der Industrie Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre hat sich der Ort im Oberen Waldviertel in Niederösterreich nie mehr richtig erholt. Die Arbeitslosenrate ist entsprechend hoch. Seit einigen Monaten läuft hier nun das Projekt „Sinnvoll tätig sein“ (STS), das jenseits gängiger Disziplinierungsmuster versucht, über 40 Langzeitarbeitslosen (in etwa ein Prozent der Bevölkerung) Perspektiven zu eröffnen, die sich doch von obligaten Erwartungshaltungen unterscheiden. Geleitet wird dieses Projekt, das offiziell als Kurs des AMS (Arbeitsmarktservice, das österreichische Pendant zur Bundesagentur für Arbeit) firmiert, von Karl Immervoll und der „Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel“, die mit ähnlichen Initiativen schon einschlägige Erfahrungen sammeln konnten. Arbeitslose sollen nicht als Fälle oder gar Problemfälle wahrgenommenen werden, sondern als Menschen. Natürlich geht es auch um Arbeit und Arbeitsplatz – vorrangig jedoch um die Personen selbst. Nicht Was sollen wir? ist die entscheidende Frage, sondern Was wollen wir? Was will ich?
mehr:
- Das Ende der Angst (Franz Schandl, der Freitag 5/2018)

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die latente depressive Überforderung: Basis der manifesten Depression

Es ist bekannt, dass depressiv selbstüberforderte Menschen nur ganz unscharf ihre eigenen physischen und psychischen Grenzen erkennen und daher auch nur schwer merken, wann eine emotionale bzw. psychische Belastung einfach nicht mehr zu bewältigen ist. siehe auch meine Website

Als Folge übernehmen betroffene Menschen für alles und jedes Verantwortung: für die ANDEREN MUSS ALLES PASSEN, nicht aber für einen selbst. Dieser so handelnde Mensch stellt eigene Bedürfnisse völlig hinten an, da er sie ja auch gar nicht als legitim wahrnimmt.

Es besteht also eine hohe Sensibilität für andere Menschen, nicht aber bezüglich des eigenen Empfindens und eigener psychischer Verletzlichkeit.
Ganz bestimmte depressive Muster und damit Überforderungsklassiker, können auch als gleitender Übergang zu einer möglichen manifesten Depression verstanden und in der Praxis beobachtet werden. Mehrfache Anfragen – bereits zu den beiden Vorblogs – bestätigten mir die allgemeine Unsicherheit beim Thema: Depression und es wurde offensichtlich wohl als sehr hilfreich empfunden, dass ich mehr beschreibend, als rein wissenschaftlich „dozierend“ an die Thematik herangehe. Dies soll hier inhaltlich noch ein Mal vertieft werden, ehe „mögliche“ Lösungs-und Heilungsansätze im Folgeblog aufgezeigt werden.

mehr:
- Basis der manifesten Depression: die latente depressive Überforderung (Monika Koch, Auf der Couch, Aachener Zeitung-Blog, 10.12.2010, Hervorhebungen im Original)

noch mehr:
- Atypische Depression oder hochfunktionelle Depression ohne Depression (Martin Winkler, DocCheckNews, 22.10.2016)
- High Functioning Depression – Die erfolgreichen Depressiven? (Aline Schöneberg, CogniFit, 25.05.2017)
- Über diese besondere Art von Depression spricht kaum jemand – dabei sollten wir es tun (Well&Good-Blog der Huffington Post, 23.09.2016)
- Menschen mit versteckter Depression wollen, dass du diese 9 Dinge weißt (Lindsay Holmes, Huffington Post, 05.10.2016)

Samstag, 13. Januar 2018

Mark Fisher, Depression, Gesellschaft und das Leben in einer Illusion

Die Alternativlosigkeit des Kapitalismus, ideologische Gespenster und Depression: Damit hat sich Mark Fisher beschäftigt. Vor einem Jahr hat sich der britische Kulturtheoretiker das Leben genommen. Eine Erinnerung. Oder: Warum man hinter rote Vorhänge schauen sollte.

Die Sängerin Rebekah Del Rio tritt vor den schweren, roten Samtvorhang und beginnt ein wunderschönes, trauriges Lied zu singen: die spanische Version von Roy Orbisons „Crying“. Während die beiden Zuhörerinnen im „Club Silencio“ beim Klang der berührenden Ballade selbst zu weinen beginnen, fällt Del Rio plötzlich um und liegt wie tot auf der Bühne – doch ihre Stimme singt weiter.

Gänsehautmomente gibt es viele im Film „Mulholland Drive“ (2001) von David Lynch. Doch die Stimme, die weitersingt, obwohl die Sängerin kollabiert ist, hat Mark Fisher besonders fasziniert: Für ihn ist dies eine der Schlüsselstellen des Films und ein Beispiel für das, was er in seinem Buch „Das Seltsame und Gespenstische“ untersucht hat.

Er lehnte sich dabei an Sigmund Freuds Begriff vom Unheimlichen an. Das Unheimliche, so Freud, irritiert vor allem deshalb, weil es mit dem Heimlichen, also dem von der eigenen Heimat Bekannten, so nahe verwandt ist. Eine kleine Abweichung von diesem Bekannten, Heimlichen reicht aus, um großen Schrecken zu erzeugen, um „un-heimlich“ zu werden. Spuren dieser Art hat Mark Fisher in seinem Spezialfeld, der Popkultur, viele gesucht und gefunden, in der Musik ebenso wie im Kino.

Das Seltsame, Unbehagen Verursachende an der Szene aus „Mulholland Drive“ war für Fisher die plötzliche Einsicht, dass wir uns in einer Illusion befinden. Kino an sich ist immer Illusion, in die wir uns freiwillig und mit großem Glücksversprechen begeben. Das wird in „Mulholland Drive“ sogar an anderer Stelle explizit betont, ändert aber nichts daran, dass wir bei der Einsicht in diese Wirklichkeit – beim Gewahrwerden, dass die Stimme auch weitersingen kann, wenn die Sängerin am Boden liegt – zusammenzucken.

mehr:
- Hinter roten Vorhängen (Lukas Wieselberg, science.ORF.at, 13.01.2018)

Zum Tod des Popkritikers Mark Fisher (11. Juli 1968 – 13. Januar 2017) {1:26:05}

Am 25.01.2017 veröffentlicht
Raoul de Bragelonne
Reste einer verlorenen Zukunft: https://www.neues-deutschland.de/arti...
Aus aktuellem Anlass: http://www.konkret-magazin.de/aktuell...
Das Gefühl, dass sich nichts jemals wieder ändern wird: http://jungle-world.com/artikel/2015/...
Die Geister seines Lebens: https://www.taz.de/!5374241/
Das neue Jahr beginnt mit dem Tod einer Person, die sich für eine kritische Theorie der Popkultur verdient gemacht hat: Am 13. Januar 2017 hat sich der Kulturwissenschaftler Mark Fisher das Leben genommen. Im Gespräch mit Philipp Böhm haben wir sein theoretisches Vermächtnis gewürdigt.

mehr zu Mark Fisher:
- Mark Fisher: „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ (PhilosophieUndLiteratur.de)
- Dem Störenden folgen (Diedrich Diederichsen, taz, 17.12.2017)
- Mark Fisher – Wenn die Begriffe nicht mehr greifen (Philipp Rhensius, WOZ, 26.10.2017)
- Zum Tod des Popkritikers Mark Fisher: Depression und Kapitalismus (Hartwig Vens, Deutschlandfunk Kultur, 16.01.2017)
- Nachruf auf Mark Fisher – Die Geister seines Lebens (Christian Werthschulte, taz, 15.01.2017)
- Mark Fisher: Der Gespensterforscher (Thomas Groß, ZON, 26.02.2015, beachte auch die Kommentare!)


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Als Reaktion auf die Aussage des US-amerikanischen Historikers Francis Fukuyama, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehöre dem siegreichen Kapitalismus nunmehr uneingeschränkt die Zukunft und es sei somit das „Ende der Geschichte“ eingetroffen, formulierte der französische Philosoph Jacques Derrida im Jahr 1993 seine Theorie der Hauntologie. Unter diesem Begriff, der die Konzepte von haunt (dt. von etwas heimgesucht werden) und Ontologie (Lehre des Seienden) in einem Wort verbindet, versteht man nach Derrida die Gegenwart (oder auch „offensichtliche Nicht-Gegenwart“) von Ideen, Theorien und Ideologien aus der Vergangenheit, die selbst bei ihrem Scheitern in der Praxis noch in den Denkgebäuden der Gegenwart präsent sind und diese dadurch prägen. Dem Titel des zugehörigen Buches – Spectres de Marx (dt.: Geister von Marx) – entsprechend, bezog sich Derrida in erster Linie auf die Theorien von Karl Marx, die durch das Ende des Kalten Krieges nach 1989 in weiten Teilen als gescheitert und nicht mehr relevant galten, obschon die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ursachen von Marx' Kritik am Kapitalismus auf nach dem Fall des Eisernen Vorhangs weiter Bestand haben sollten. Zum weiteren Umfeld der Hauntologie gehört bespielsweise auch die Theorie der „heimgesuchten Orte“, nach der sich bestimmte einschneidende Ereignisse in einen Ort so einprägen können, dass sie sich ständig wiederholen. 
[
Hauntology, "Hauntologie" in der Philosophie, Indiepedia, abgerufen am 21.01.2018]

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zu Derridas Buch siehe:
- Derrida über Marx und die neue Weltordnung (Moishe Postone, Krisis, 31.12.1998)

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Mark Fisher on why Modern Life causes Depression {3:31}

Am 28.04.2017 veröffentlicht
Symrun Citizen
Mark Fisher speaking at a lecture about Capitalist Realism and Cybernetics, specifically about how Neoliberalism is exhausting us all.

- „There’s more to the picture“ (EduardMinor, 04.11.2014)
- Neue Bücher zum „Burnout“ – Hurra, hurra, die Klasse brennt (Klaus Walter, taz, 13.11.2013)
- Realismus und Unmündigkeit (Markus Rackow, e-politik.de, 19.06.2013)
- Hauntology-Pop: Elektronische Musik erforscht ihr Unbewusstes (Felix Stephan, ZON, 06.02.2012)
- Mark Fisher: Kapitalistischer Realismus ohne Alternative? Symptome unserer kulturellen Malaise (Steffen Vogel, getidan, 24.01.2011)

siehe auch:
- Ego-Kult, Selbst-Optimierung und Wettbewerbsfähigkeit (scobel, 3sat, 11.01.2018)
- Achtsamkeit im Neoliberalismus: Warum nicht?! (Post, 16.11.2017)
- »Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein« (Post, 15.11.2017)
- Warum schweigen die Lämmer? – Der Mensch im Geflecht von Medien, Manipulation und Macht (Post, 16.03.2016)
- Angewandte Psychoanalyse: Masse und Mob – Wie sich Emotionen in der Menge entladen, und wie sie gesteuert werden können (Post, 14.03.2016)
- Deutschlands Hypnotherapeutin Nr. 1 und das Herstellen von Alternativlosigkeit (Post, 18.01.2016)
- Unsere Welt besteht aus Geschichten (Post, 17.12.2015)
- Wie gehen wir mit gemachter Realität um? (Post, 15.06.2014)
- Realität ist, was wir glauben wollen oder Hirnströme von Friseurpuppen (Post, 29.08.2013)
- Wir geben ihnen Macht 1 (Post, 14.03.2013)
- Die neurobiologische Verankerung von Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf das spätere Verhalten (Gerald Hüther, Archiv der Lindauer Psychotherapiewochen, Plenarvortrag, 24. April 2001, PDF)

Gehirnforscher Prof. Gerald Hüther: Quantenphysik und Kommunale Intelligenz {1:27:38}

Am 03.11.2017 veröffentlicht
Georg Dygruber
TIcket Salzburgarena für 10.2018 jetzt kaufen (mit Prof. Hüther):
https://www.startnext.com/bewusstgeme...
4000 Menschen finden sich und transporieren unsere Anliegen!
Was ist Kommunale Intelligenz: Es geht dabei in erster Linie darum, einen gesellschaftlichen Prozess auszulösen und Menschen in ihrer Entfaltung zu unterstützen.
Machen wir aus dem Inspirationstag im Odeion ein Feuerwerk, das das ganze Land erfasst und unsere Anliegen sichtbar macht. Ein konkretes Ziel ist eine Großveranstaltung in der Salzburgarena im Oktober 2018, wo wir darüber nachdenken, wie wir die Welt durch eine andere Art des Miteinanders verändern.
Mehr Information: https://www.bewusst-gemeinsam-leben.at/



Donnerstag, 26. Oktober 2017

Die Neoliberalisierung der Psychotherapie

Eigenverantwortung bei psychischen Erkrankungen? Mit dieser Prämisse arbeitet zuweilen die Psychotherapie. Der Burnout im Betrieb gerät so schnell zum Politikum.

Als die „Verwaltung der vagen Dinge“ bezeichnet der Soziologe Peter Fuchs die Psychotherapie. Patentrezepte gibt es hier nicht. Keine klaren, naturwissenschaftlich unausweichliche und fassbare Lösungen. Einerseits leidet jeder Patient anders (und wenn wir noch so viele neue Kategorien und Namen für psychische Erkrankungen schaffen) und andererseits kann die Ursache niemals völlig geklärt werden.

Allzu oft liegen Ursachen psychischer Krankheiten in einer Melange aus biologischen Faktoren, tiefenpsychologischen Einflüssen und Umständen der Sozialisation, deren einzelne Anteile auch bei noch so guter Diagnostik niemals restlos auseinander sortiert werden können; auch deswegen, weil sich etwa prägende Phasen wie die frühkindliche der Erinnerung des Menschen weitestgehend entziehen und daher nur schwer aufgearbeitet werden können.

Diese „vage“ Natur der Psychotherapie bringt es mit sich, dass sie anfällig wird für verschiedenste Formen der Interpretation, der Politisierung, der Manipulation. Wo empirische Erkenntnisse nicht abschließend herzustellen sind, da arbeitet der Sozialwissenschaftler mit Theorien und Hypothesen. Eine Tatsache, die unvermeidlich ist, aber auch nicht grundsätzlich problematisch, auch wenn sie vielen eher „technisch“ denkenden Menschen, für die am Ende immer ein klares Ergebnis, ein „A oder B“ stehen muss, oft suspekt ist.

Problematisch wird es erst, wenn diese Interpretationsanfälligkeit geschickt genutzt wird, um mit ihrer Hilfe „hinten rum“ eine politische Ideologie zu verwirklichen, die dem Menschen – dem Patienten – am Ende des Tages alles andere als zum Vorteil gereichen wird. Bei der modernen Psychotherapie ist genau dieses Phänomen vorzufinden – was umso schlimmer anmutet deswegen, weil es damit Menschen trifft, die ihr leidendes Innerstes offenlegen, weil sie sich anders nicht zu helfen wissen.
mehr:
- Burnout & Eigenverantwortung: Die Neoliberalisierung der Psychotherapie (Florian Sander, Le Bohemien, 26.10.2017)
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Montag, 2. Oktober 2017

Über die Wirkung von Meditation

Klinische Studien zeigen, dass Meditation einen positiven Einfluss auf unser Gehirn hat. Die Wissenschaft erforscht, inwiefern die mentale Praxis wirksam bei Schmerzen, Depressionen und Ängsten ist. Kann die Meditation möglicherweise Krankheiten heilen oder uns gar ganz vor ihnen bewahren? 

Die Meditation ist längst nicht mehr nur eine religiöse Praxis. Heute wird ihre Wirkung medizinisch erforscht, was vielleicht bald neuen Behandlungsverfahren den Weg bahnen wird. Psychiater, Neurologen und Molekularbiologen wie Jon Kabat-Zinn haben eine Reihe positiver Auswirkungen des Meditierens auf die Funktion des menschlichen Gehirns und Organismus beobachtet. Dank der neuen Erkenntnisse hielten Meditationstechniken in Europa und den USA auch Einzug in den Krankenhausalltag. Sie werden begleitend bei der Behandlung verschiedener Krankheiten wie Depressionen, Angststörungen oder auch bei chronischen Schmerzen eingesetzt. Wie aber kann der Geist den Körper beeinflussen, und bis zu welchem Grad? Die Forscher beginnen, die biologischen Mechanismen zu verstehen, die dabei eine Rolle spielen. Durch regelmäßiges Meditieren lassen sich Gefühle besser regulieren, was wiederum dazu führt, dass die schädliche Wirkung von Stresshormonen auf unser Immunsystem vermindert wird. Auf diese Weise, so der derzeitige Forschungsstand, ist die Meditation in der Lage, entzündliche Erkrankungen, Abwehrkräfte und sogar die Zellalterung positiv zu beeinflussen. Außerdem verändert Meditieren nachweisbar die Hirnareale und verlangsamt möglicherweise die Hirnalterung. Die Dokumentation begleitet verschiedene wissenschaftliche Experimente, erläutert die komplexen physiologischen Zusammenhänge zwischen dem meditierenden Gehirn und dem Organismus und zeigt, welche medizinischen Anwendungen derzeit bereits möglich sind.
mehr:
- Die heilsame Kraft der Meditation (Arte-Sendung vom 23.09.2017)
verfügbar auf der arte-mediathek bis 13.10.2017
siehe auch:
- Ein Psychotherapeut über Meditation und Achtsamkeit (Post, 28.08.2017)
- Placebos – Nicht nur die Welt, auch der eigene Körper findet im Kopf statt (Post, 31.01.2016)
Nirwana im Kernspin (Post, 10.06.2015)
- Freiheit bedeutet Kontrolle (Post, 19.04.2015)

Sonntag, 31. Juli 2016

Der Streit um die Deutung: Toxische Männlichkeit oder kranke Gesellschaft

Toxisch David S. und Anders Breivik: Wie man nun weiß, war auch der Amokläufer von München rechtsextrem. Mit dem Norweger verbindet ihn aber noch mehr

Als der Amoklauf von David S. am vergangenen Freitag neun Todesopfer forderte, war es genau fünf Jahre her, dass Anders Behring Breivik bei seinen Anschlägen in Oslo und Utøya 77 Menschen ermordet hatte. Für den Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä war bereits am nächsten Tag klar, dass David S. dieses Datum nicht zufällig gewählt hatte. Denn es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem 18-jährigen Schüler und dem Rechtsterroristen.

Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gab ein 16-jähriger Junge, der letzten Sommer gemeinsam mit David S. in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurde, zu Protokoll, David S. habe Breivik verehrt. Außerdem soll er ein Foto des Norwegers in seinem Whatsapp-Profil verwendet haben. Und schließlich habe David S., erklärte LKA-Chef Robert Heimberger, ähnlich wie Breivik eine Art Manifest hinterlassen. Stellt sich lediglich die Frage, ob David S. Breivik "nur" als eine Art perverses Vorbild betrachtete, als jene kaltblütige Tötungsmaschine, die er selbst sein wollte, oder ob es auch ideologische Überschneidungen gibt.

mehr:
- Männlichkeit und die Lust am Töten (Nils Markwardt, Freitag-Community, 27.07.2016)
siehe auch:
- Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)

mein Kommentar:
Vorsicht mit Sprache und Schubladen! »Lust am Töten«? Mit solchen Einkategorisierungen werden scheinbare Kausalitäten hergestellt. Dies spricht für mehr oder weniger verzweifelte Versuche, Zusammenhänge möglichst schnell zu verstehen! Wenn ich von einer »kaltblütigen Tötungsmaschine« rede, ignoriere ich das furchtbare Leiden, welches zu solchen schwer nachvollziehbaren Taten führt!

Das Massaker von Norwegen - Anatomie eines Amoklaufs [43:09]

Veröffentlicht am 03.01.2013
Reportage Doku
Globaler Terror gegen den Islam und Muslime!

Breivik trial video: 'Norway killer' claims self-defense, cries in court [4:26]

Veröffentlicht am 16.04.2012
Anders Behring Breivik is on trial on terror and murder charges. He's behind a bomb-and-shooting massacre that killed 77 people, he admits to the acts, but pleads not guilty to criminal charges. Anders Breivik showed no emotion as the prosecutor read out the horrific details of his victims' deaths in Norway. However, when his propaganda video created for YouTube was shown in court, he broke down crying. The prosecutor said Breivik was playing World of Warcraft (WoW) "full-time" between the summer of 2006 and summer 2007. He went on to describe it as a violent game. When a screenshot of his WoW character was shown on the screen Breivik smiled.

mein Kommentar:
Was unterscheidet einen Massenmörder wie Breivik von 

A) Firmen, deren Schiffe in den Gewässern vor Somalia regelmäßig Giftmüll verklappen?

siehe dazu:
- Piraterie vor den afrikanischen Küsten und ihre Ursachen (Edward A. Ceska, Michael Ashkenazi, Bundeszentrale für politische Bildung, 07.08.2009)

B) der EU, die mit Strafzöllen Kenia dazu gezwungen hat, seinen Markt für europäische Produkte zu öffnen – mit dramatischen Folgen (siehe EPA, Wikipedia)

siehe dazu:
- Rücksichtsloses Abkommen (Report Mainz, 04.11.2014) und
- EPA – TTIP für Arme und die Werte des »alten Europa« (Post, 23.09.2015)
- Abkommen, die Afrika seiner Chancen berauben (Mark Engelhardt, WOZ, 25.06.2015)
- EPA: Wie das neue Freihandelsabkommen mit der EU der afrikanischen Wirtschaft schadet (Angela Schweizer, Uni.de, 20.01.2016)
- Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens (Post, 16.11.2014)

C) dem westlichen Verteidigungsbündnis, welches am 22.07.2011 die Röhrenfabrik für das Great-Man-Made-River-Projekt bombardierte und damit die Hälfte der libyschen Bevölkerung von der Trinkwasserversorgung abschnitt?

siehe dazu:
Das Great-Man-Made-River-Projekt (Angelika Gutsche, Freitag Community, 13.05.2015)
NATO bombs the Great Man-Made River (Human rights investigations, 27.07.2011)
Folgen "humanitärer Interventionen" ‒ das Beispiel Libyen (Joachim Guillard, Nachgetragen, 06.12.2015, als PDF)
Operation Nordafrika – Die Nato-Bestien sind gekommen - Wie einem Land Nordafrikas die 'Menschenrechte' gebracht werden (Anneliese Fikentscher, Andreas Neumann, Arbeiterfotografie, 18.11.2011)
- Öl, Kontrolle und Ideologie – Libyen und der neue Imperialismus (Ingar Solty, Sozialismus 5/2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Kolonialkrieg gegen Afrika - Der Krieg gegen Libyen (Joachim Guillard, junge Welt, 27./28.07.2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Krieg gegen Libyen – Ursachen, Motive und Folgen (Lühr Henken, AG Friedensforschung, 08.06.2011)


Sonntag, 10. Juli 2016

Gewaltakte in der US-amerikanischen Gesellschaft: gehen uns die Schubladen aus?

Vom Amoklauf zum Terrorakt: Reflexionen zum Durchbruch der molekularen Form eines autodestruktiven Terrorismus 

Orlando war Mitte Juni Tatort des blutigsten Massakers, das in der jüngsten Geschichte der Vereinigten Staaten verübt worden ist. 49 Gäste des bei der LBGT-Community sehr beliebten Nachtclubs wurden von einem Amokläufer ermordet, der anscheinend ein Mitglied des Islamischen Staates war. Doch Omar Mateen, der 29-jährige Täter, bekannte sich zwar während des Massenmordes zum Islamischen Staat, ohne aber jemals - wie die CIA im Nachhinein ermittelte - direkten Kontakt mit der Terrororganisation gehabt zu haben.

Der amerikanischen Öffentlichkeit fiel es schwer, den Massenmord in Orlando eindeutig einzuordnen. Handelte es sich hierbei um einen jener Amokläufe, die in den Vereinigten Staaten inzwischen zur blutigen Routine geworden sind? Oder ist der selbst- und massenmörderische Gewaltexzess gegen Homosexuelle als ein islamistischer Terrorakt zu begreifen, da sich der Täter zum Islamischen Staat bekannte?

Ein ähnliches Tatmuster, bei dem isolierte Täter kurz vor ihren Massakern sich dem Islamischen Staat quasi symbolisch anschließen, war auch beim Amoklauf im kalifornischen San Bernardino festzustellen, dem im vergangenen Dezember 14 Menschen zum Opfer fielen. Die Täter, das Terrorpaar Syed Rizwan Farook und Tashfeen Malik, haben ebenfalls dem Islamischen Staat kurz vor der Tat Gefolgschaft geschworen, ohne direkten Kontakt zu diesem Terrornetzwerk zu haben. Das FBI sprach in diesem Zusammenhang von "einheimischen Terroristen", die durch ausländische Terrororganisationen "inspiriert" worden waren.

mehr:
- Fluchtpunkt Amok (Tomasz Konicz, Telepolis, 10.07.2016)

Breivik weint vor Gericht - Breivik cries in court [1:48]

Veröffentlicht am 16.04.2012
Gefühlsausbruch

Beachte: »Präsentierte sich meist kühl und bedacht und nutzte den Prozessauftakt zur Selbstinszenierung.«
siehe auch:
- Heute vor 100 Jahren – 14.10.2006: Hannah Arendt wird in Linden geboren (Post, 14.10.2006)
Anders Breivik – zurechnungsfähig oder nicht? (Post, 13.01.2012)
- Heute vor 50 Jahren – 31. Mai 1962: Hinrichtung Adolf Eichmanns in Jerusalem (Post, 31.05.2012)

Soziopathen und gesellschaftlicher Erfolg (Post, 01.05.2015)
Die nebelige Banalität des Bösen: Donald Rumsfeld (Post, 07.07.2016)

Freitag, 20. Mai 2016

Depressionen bei Männern: Wilhelm Busch und die Hirnchemie in Ungleichgewicht

Busch war ein ernster und verschlossener Mensch, der viele Jahre seines Lebens zurückgezogen in der Provinz lebte. Seinen Bildergeschichten, die er als „Schosen“ (französisch chose = Sache, Ding, quelque chose = etwas, irgendwas) bezeichnete, maß er wenig Wert bei. Sie waren am Beginn für ihn nur ein Broterwerb, mit dem er nach einem nicht beendeten Kunststudium und jahrelanger finanzieller Abhängigkeit von den Eltern seine drückende wirtschaftliche Situation aufbessern konnte. Sein Versuch, sich als ernsthafter Maler zu etablieren, scheiterte an seinen eigenen Maßstäben. Die meisten seiner Bilder hat Wilhelm Busch vernichtet, [Wilhelm Busch, Wikipedia]
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Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 als erstes von sieben Kindern aus der Ehe zwischen Henriette Kleine und Friedrich Wilhelm Busch geboren. Sechs weitere Geschwister folgten in kurzem Abstand. Fanny (1834), Gustav (1836), Adolf (1838), Otto (1841), Anna (1843) und Hermann (1845) überlebten alle ihre Kinderzeit. Die Eltern waren strebsame, fleißige und fromme Protestanten, die es im Laufe ihres Lebens zu einigem Wohlstand brachten.[6] Sie konnten es sich später erlauben, neben Wilhelm zwei weitere ihrer Söhne studieren zu lassen. Die Bereitschaft Friedrich Wilhelm Buschs, in so hohem Maße in die Ausbildung seiner Söhne zu investieren, führt der Busch-Biograf Berndt W. Wessling zumindest zu einem Teil auf dessen eigene uneheliche Abstammung zurück, die insbesondere im dörflichen Raum ein erheblicher gesellschaftlicher Makel war.[7]
Der junge Wilhelm Busch war zwar groß gewachsen, jedoch von eher zartem und feingliedrigem Körperbau. Jungenhaft derbe Streiche, wie er sie später seinen Protagonisten Max und Moritz andichtete, blieben in seiner Wiedensahler Kindheit selten. Er selbst hat sich später in seinen autobiographischen Skizzen und Briefen als ein empfindsames, ängstliches Kind geschildert, das die „Bangigkeit gründlich studiert“[8] habe und fasziniert, mitleidig und verstört reagierte, wenn im Herbst die Haustiere geschlachtet wurden.[9] Das kindliche Miterleben der „schauderhaft anziehenden“[10] „Metamorphose in Wurst“[11] prägte Wilhelm Busch so nachhaltig, dass er sich während seines gesamten Lebens vor Schweinefleisch ekelte.[12]
Im Herbst 1841, nach der Geburt des Bruders Otto, wurde der nunmehr neunjährige Wilhelm Busch seinem Onkel mütterlicherseits, dem 35-jährigen Pfarrer Georg Kleine in Ebergötzen, zur Erziehung anvertraut. Ein Grund dafür war wohl neben der räumlichen Enge im kinderreichen Elternhaus auch der Wunsch des Vaters, seinem Sohn eine bessere Erziehung zu verschaffen, als sie die Wiedensahler Dorfschule zu bieten vermochte, wo bis zu 100 Kinder gleichzeitig auf 66 Quadratmeter unterrichtet wurden.[13] Die nächste von Wiedensahl aus erreichbare weiterführende Schule lag im ca. 20 Kilometer entfernten Bückeburg. Die Buschs hätten ihren Sohn dort als Kostgänger bei einer fremden Familie unterbringen müssen. Pfarrer Kleine dagegen, der gerade selbst erst Vater geworden war, verfügte in Ebergötzen über ein geräumiges Pfarrhaus und war prädestiniert, gemeinsam mit seiner Frau Fanny Petri eine Ersatzelternrolle wahrzunehmen.[14] Tatsächlich erwies sich Georg Kleine als ein verantwortungsbewusster und fürsorglicher Onkel, bei dem Wilhelm Busch in den Jahren seiner Erfolglosigkeit immer wieder Zuflucht fand.[15] [Wilhelm Busch, Kindheit, Wikipedia]


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Wilhelm Busch ZDF 09.01.08 [2:46]


Hochgeladen am 09.01.2008
Beitrag im ZDF am 09.01.2008

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150 Jahre Comics aus Deutschland - Karikatur und Zeichenkunst in Hannover [3:34]
Veröffentlicht am 16.02.2014
"Streich auf Streich - 150 Jahre Max und Moritz"
"Deutschsprachige Comics von Wilhelm Busch bis heute"
http://www.karikatur-museum.de/Streic...

"Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Präsentation von Bildergeschichten- und Comic-Originalen mit ihren Vorzeichnungen und Skizzen, die die Entstehung der Werke nachvollziehbar machen. Bei der Auswahl der ausgestellten Comics werden alle Medien, deren sich die Künstler bedienen, berücksichtigt: So sind Heft-Serien zu sehen wie Sigurd, Silberpfeil, Mosaik und Fix und Foxi sowie Alben bzw. Bücher wie Werner von Brösel, Das kleine Arschloch von Walter Moers oder Der bewegte Mann von Ralf König. Ebenso werden in Deutschland populäre, in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckte Comicreihen wie Vater und Sohn, Nick Knatterton, Mecki oder auch Strizz thematisiert. Auch aktuelle Phänomene wie künstlerisch ambitionierte Graphic Novels, beispielsweise von Isabel Kreitz, Reinhard Kleist und Ulli Lust, populäre »Germanga« nach japanischem Vorbild und Internet-Blog-Comics werden präsentiert."

Programm zur Ausstellung (PDF-Format)
http://www.karikatur-museum.de/_user/...

http://www.karikatur-museum.de/



Die typisch depressiven Symptome wie gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und Aktivität, reduzierte Fähigkeit zu Freude, beeinträchtigte kognitive Funktionen und Vitalparameter etc. finden sich bei männlichen Patienten nicht immer in der gewohnten Art. Sie neigen weniger zum emotionalen Rückzug und zum typisch depressiven „Losigkeitssyndrom“. Wohl sind auch bei depressiven Männern Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stark beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Gedanken über die eigene Wertlosigkeit und Schuldgefühle vor. Auch verwenden Männer wie Frauen Suchtmittel, vor allem Alkohol, als falsch verstandene Eigenmedikation (sogenannter sekundärer Alkoholismus) zum Lösen von Spannung, Ohnmacht, Wut, die von einer unbehandelten depressiven Störung stammen können. Wilhelm Busch beschreibt in der „Frommen Helene“ diesen Modus: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“. Allerdings wird dadurch das Gegenteil bewirkt: Es kommt zur Akzentuierung und Dekuvrierung vordem ausreichend kontrollierter Persönlichkeitsanteile und -impulse.

Die meisten Menschen – und Männer noch mehr als Frauen – fürchten sich am meisten vor dem Verlust der rationalen Kontrolle. Das ist vermutliche Ursache der tiefsitzenden Angst vor Geisteskranken. Auch bei Depressionen ist die Stimme der Vernunft leise. Sie setzt sich gegen einen erstarrten Affekt, eine agitierte Antriebssteigerung, eine mühsam gebremste oder durchbrechende Wut einfach nicht durch.
mehr:
- Die männliche Depression (Sigrun Roßmanith, Homepage, 01.10.2015)

Sigrun Roßmanith: Depressionen bei Männern [2:42]

Veröffentlicht am 19.09.2015
Warum Männer später zum Psychiater kommen als Frauen.

Mehr dazu und zu meiner Ordination unter
http://www.sigrunrossmanith.at/

2 Wege aus der Depression (Coach & Mentaltrainer Dr. Marc Stollreiter) [7:58]

Veröffentlicht am 22.11.2013

mein Kommentar:
»zusammengefaßt: Wenn Sie sich vorstellen können, daß Sie sich wie Münchhausen am Schopf selbst aus dem Sumpf ziehen zu können, dann können Sie das auch tatsächlich.«
Ein Hoch auf Mentaltrainer! (Wenn das Wörtchen »wenn« nicht wär’…)

Siehe auch:
- Was ist nur mit mir los? – Ein Lesebuch für depressive Patienten und ihre Angehörigen (Lilly-Pharma, PDF)
»Depressionen sind kein Grund, sich zu schämen, und sie sind keineswegs Zeichen einer labilen Psyche. Viele erfolgreiche, selbstbewusste Menschen sind betroffen, und auch die Geschichte kennt viele, wie zum Beispiel: Wilhelm Busch, Winston Churchill, Jean-Paul Sartre […] Die Behandlung der Depression mit Tabletten stellt eine – in vielen Fällen – wirksame Methode zur Therapie dieser Erkrankung dar. Dies lässt sich damit erklären, dass die Depression – wie oben beschrieben – auf eine Stoffwechselstörung im Gehirn zurückzuführen ist. «
Mein Kommentar:
Man reiche mir meine Uzi! Woher nehmen diese Leute die unglaubliche Arroganz zu behaupten, daß das biochemisch Meßbare das Psychische verursacht? Die Forschungsergebnisse, von denen Goleman [Emotionale Intelligenz] berichtet, beweisen das Gegenteil! (bzw. zumindest eine Wechselwirkung)


Das posttraumatische Stress-Syndrom setzt den neuralen Sollwert für Alarm in gefährlicher Weise herab, so daß der Betroffene auf normale Lebensvorgänge in einer Weise reagiert, als wären es Notfälle. Daran, daß ein so übermächtiges Brandmal in der Erinnerung zurückbleibt, scheint die im zweiten Kapitel besprochene »Entgleisungs«-schaltung beteiligt zu sein. Je brutaler, schockierender und grauenvoller die Ereignisse, welche die Entgleisung des Mandelkerns auslösen, desto unauslöschlicher ist die Erinnerung. Die neurale Grundlage dieser Erinnerungen besteht anscheinend in einer umfassenden Veränderung in der Chemie des Gehirns, in Gang gesetzt durch einen einzigen Fall von überwältigendem Grauen. Zwar beruhen die PTSD-Befunde in der Regel auf der Wirkung eines einzigen Erlebnisses, doch können ähnliche Folgen auf Grausamkeiten zurückgehen, die über eine Spanne von mehreren Jahren erlitten wurden, wie im Falle von Kindern, die sexuell, physisch oder emotional mißhandelt werden. […]
»Wer Opfer eines verheerenden Traumas geworden ist, ist biologisch nicht mehr derselbe wie vorher«, erklärte mir Dr. Dennis Charney. Charney, ein Yale-Psychiater, ist Direktor der klinischen Neurowissenschaft am National Center. [aus: aus Goleman, Emotionale Intelligenz, dtv, 1997, S. 256ff.]

 


zu PRSD siehe:
- Das posttraumatische Stress-Syndrom (Post, 25.02.2015)
- Epigenetik: Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Gene (Post, 28.02.2015)
- PTSD in der Bundeswehr (Post, 30.12.2015)
- Stigma – das »Sahnehäubchen« auf dem Trauma (Post, 15.12.2015)
siehe auch:
Peter Gøtzsche: Vortrag zu Übermedikalisierung und Überdosierung (Winston Smith, Meinungsverbrechen, 06.12.2015)
Simplistic notion of antidepressants correcting chemical imbalance in the brain is publically untenable (Duncan Double, Critical Psychiatry, 28.11.2015)
Werbung für SSRI-Antidepressiva irreführend, sagen Wissenschaftler (Thomas Gotterbarm, gefunden auf MutzumAnderssein, der Psychiatriekritischen Gemeinschaftshomepage, 12.11.2005, PDF)

siehe auch:
- Psychisch krank und weltbekannt (Kurier. at, 15.10.2012)
- Weitere bekannte Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die unter psychischen Belastungen und psychischen Krankheiten litten (Berühmte Persönblichkeiten über ihre Angst, Depressionen und Burn-out, Janett Menzel, IchhabeauchAngst, 01.12.2015)
- Genie und seelische Störung (Volker Faust, PsychosozialeGesundheit)
- Berühmte psychisch kranke Persönlichkeiten (Bodo Bodenstein, Pahashi)
- Depressionen: Psychischer Stress verkürzt das Leben (SPON, 01.08.2012)
- Neuer Ansatzpunkt für Therapien gegen Depressionen (Stephanie Heyl, GesundheitsindustrieBW, 13.01.2016)
Wenn Freudlosigkeit, innere Leere, Antriebslosigkeit und sogar Suizidgedanken sich beständig breit machen und die einfachsten Dinge wie Körperpflege fast unmöglich sind, kann das ein Zeichen für eine Depression sein. Oft wird „depressiv“ gleichbedeutend mit verstimmt verwendet. Die Depression dauert jedoch meist viel länger als zwei Wochen und entzieht sich völlig der Beeinflussung durch Willenskraft oder Zuspruch. Sie ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die behandelt werden muss und auch gut behandelt werden kann. Eine depressive  Episode kann häufiger als einmal auftreten. „Etwa die Hälfte der Depressionsfälle sind einmalig, man hat eine Depression im Leben und dann nie wieder“, sagt Prof. Dr. Dietrich van Calker von der Sektion Psychopharmakotherapie an der Psychiatrie der Universitätsklinik Freiburg, „leider ist die andere Hälfte aber rezidivierend. Das heißt, wer einmal eine Depression hatte, hat ein erhöhtes Risiko für eine weitere.“

mein Kommentar:
Junge, Junge, wer rezidivierende Depressionen hat, hat nicht ein erhöhtes Risiko (das sowieso), der hat eine Persönlichkeitsstörung!
Die Pharmaindustrie zaubert ein Hoffnungs-Karnickel nach dem anderen aus dem Hut und verdient sehr gut daran! Und immer das gleiche Erklärungsmodell: chemisches Ungleichgewicht. »Calker analysiert die molekularen Ursachen von Depressionen…« Für diesen Satz braucht man eigentlich einen Waffenschein!

- Prominente Bipolare (BipolarKreis, 25.04.2012)

Donnerstag, 7. Januar 2016

Frida Kahlo – Ein Leben voller Schmerz und Lust


Frida Kahlo wurde 1907 als drittes Kind von Matilde und Guillermo Kahlo geboren (damals noch als „Frieda“); sie änderte später ihr Geburtsjahr auf 1910, das Jahr der Mexikanischen Revolution.[2] Sie befand es für wichtig hervorzuheben, dass ihr Leben in ihren Augen mit dem neuen Mexiko begonnen habe. Die Revolution stürzte die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten, so dass sie das Haus mit einer Hypothek belasten und einen Teil des französischen Mobiliars verkaufen musste.[3]
Fridas Mutter war Analphabetin, sie brachte Frida und ihren Schwestern früh das Nähen und Sticken bei sowie das Erledigen der Hausarbeit. Zudem bestand sie auf den täglichen Besuch der Kirche. Frida und ihre jüngere Schwester Cristina lehnten sich jedoch gegen das Weltbild der Mutter auf.[4] Als Frida sieben Jahre alt war, lief ihre ältere Schwester Matilde von zu Hause weg, um mit ihrem Freund zu leben. Auch als einige Jahre später der Kontakt zur Schwester wieder hergestellt war, verzieh ihr die Mutter nicht. Die Familie versöhnte sich erst 1927.[5] Fridas Vater, der neben seinem Beruf wenig Zeit mit seinen sechs Töchtern verbrachte (Frida wuchs mit drei Schwestern und zwei Halbschwestern auf), erkor Frida zu seinem Lieblingskind und führte sie bald an die Kunst des Fotografierens heran. Frida lernte von ihm das genaue Beobachten der Natur, das Aufnehmen und Entwickeln von Fotos sowie Techniken des Retouchierens.[6]
Als Sechsjährige erkrankte Frida an Kinderlähmung, durch das lange Krankenlager behielt sie ein dünneres und etwas kürzeres rechtes Bein zurück. Trotz des fortan notwendigen Tragens einer Ferseneinlage trieb sie als Kind viel Sport (Schwimmen, Radfahren).[7]
Ab 1922 besuchte Kahlo die Escuela Nacional Preparatoria, eine der besten mexikanischen Schulen.[8] Dort lernte sie unter anderem Xavier Villaurrutia und Jorge Cuesta kennen.[9]
Am 17. September 1925 wurde Frida Kahlo Opfer eines Busunglücks, bei dem sich eine Stahlstange durch ihr Becken bohrte, so dass sie ihren Alltag fortan immer wieder liegend und in einem Ganzkörpergips oder Stahlkorsett verbringen musste. Zum Zeitvertreib begann sie im Bett zu malen. [Frida Kahlo, Kindheit und Jugend, Wikipedia, abgerufen am 11.10.2016]
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Eigentlich war die Diva mit dem Damenbart ein armes Ding. Der Körper kaputt von Unfällen, Krankheit und Drogen, die Seele ständig wund von übergroßer Liebe. Kein Wunder, dass Hollywood ihr ein opulentes Denkmal widmet. 

Tragödien sind albern. "Wenn man solche Schmerzen hat, wird man depressiv, verlässt das Bett nicht mehr, wäscht sich nicht mehr. Aber sie", sagt Salma Hayek, "sie stand auf, schmückte ihren zerstörten Körper, dachte Stunden darüber nach, welche Schuhe zu den Bändern und Blumen in ihrem Haar passten. Und dann ging sie nicht etwa zu einer Party, sondern auf den Markt, kaufte ein, kochte, sie hatte Spaß daran zu kochen, und trank und rauchte und sang und feierte ..."

In ihrem Tagebuch hatte Frida Kahlo, fast programmatisch, notiert: "Nichts ist fürs Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen etwas völlig Albernes." Ihr Leben bot Stoff für mehrere Tragödien, seit sie - Frida "Hinkebein", als Kind an Polio erkrankt - bei einem Busunglück fast zu Tode gekommen wäre, durchbohrt von einer Eisenstange, die in der Vagina wieder austrat. Das rechte Bein war elfmal gebrochen, die Wirbelsäule verletzt, der Fuß zermalmt, ihr Becken zerschmettert. […]

Das Weihespiel ihres Nachruhms begann in den Achtzigern, fast 30 Jahre danach. Ihre Bilder, der Kunstgeschichte bis dahin kaum mehr als eine Fußnote wert, diese so intimen wie abweisenden Werke, "beißend und zart", wie Rivera sie nannte, "liebenswürdig wie ein Lächeln und tief grausam wie die Bitternis des Lebens" - sie werden zu Höchstsummen gehandelt: als gemalte Autobiografie. Die Frau, die unter den bauschigen Röcken ihrer Tijuana-Tracht ihr verkrüppeltes Bein verbarg, wurde zur Heldin feministischer Folklore, in ihren Schmerzen glaubte man jedes Wehwehchen leidender Weiblichkeit widerspiegeln zu können.
mehr:
- Frida Kahlo – Ein Leben voller Schmerz und Lust (Annette Meyhöfer, Stern, 28.02.2003)
mehr von Annette Meyhöfer:
- Vor 155 Jahren: Sigmund Freud wird geboren (Post, 08.05.2011)
Frida Kahlo wurde 1907 als drittes Kind von Matilde und Guillermo Kahlo geboren (damals noch als „Frieda“); sie änderte später ihr Geburtsjahr auf 1910, das Jahr der Mexikanischen Revolution.[2] Sie befand es für wichtig hervorzuheben, dass ihr Leben in ihren Augen mit dem neuen Mexiko begonnen habe. Die Revolution stürzte die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten, so dass sie das Haus mit einer Hypothek belasten und einen Teil des französischen Mobiliars verkaufen musste.[3]
Fridas Mutter war Analphabetin, sie brachte Frida und ihren Schwestern früh das Nähen und Sticken bei sowie das Erledigen der Hausarbeit. Zudem bestand sie auf dem täglichen Besuch der Kirche. Frida und ihre jüngere Schwester Cristina lehnten sich jedoch gegen das Weltbild der Mutter auf.[4] Als Frida sieben Jahre alt war, lief ihre ältere Schwester Matilde von zu Hause weg, um mit ihrem Freund zu leben. Auch als einige Jahre später der Kontakt zur Schwester wieder hergestellt war, verzieh ihr die Mutter nicht. Die Familie versöhnte sich erst 1927.[5] Fridas Vater, der neben seinem Beruf wenig Zeit mit seinen sechs Töchtern verbrachte (Frida wuchs mit drei Schwestern und zwei Halbschwestern auf), erkor Frida zu seinem Lieblingskind und führte sie bald an die Kunst des Fotografierens heran. Frida lernte von ihm das genaue Beobachten der Natur, das Aufnehmen und Entwickeln von Fotos sowie Techniken des Retouchierens.
[6]Als Sechsjährige erkrankte Frida an Kinderlähmung, durch das lange Krankenlager behielt sie ein dünneres und etwas kürzeres rechtes Bein zurück. Trotz des fortan notwendigen Tragens einer Ferseneinlage trieb sie als Kind viel Sport (Schwimmen, Radfahren).[7]
Ab 1922 besuchte Kahlo die Escuela Nacional Preparatoria, eine der besten mexikanischen Schulen.[8] Dort lernte sie unter anderem Xavier Villaurrutia und Jorge Cuesta kennen.[9]
Am 17. September 1925 wurde Frida Kahlo Opfer eines Busunglücks, bei dem sich eine Stahlstange durch ihr Becken bohrte, so dass sie ihren Alltag fortan immer wieder liegend und in einem Ganzkörpergips oder Stahlkorsett verbringen musste. Zum Zeitvertreib begann sie im Bett zu malen. (Frida Kahlo, Kindheit und Jugend, Wikipedia)
Frida - Trailer German / Deutsch [2:18]

Veröffentlicht am 29.11.2014
Hintergrund ist das großstädtische Leben der Hauptstadt Mexikos im frühen 20. Jahrhundert. Eine hübsche und temperamentvolle junge Frau, Frida, erleidet einen tragischen Verkehrsunfall, der sie für lange Zeit ans Bett fesselt. Doch sie gibt sich nicht auf, sondern beginnt mit eisernem Willen aus der Bettlägerigkeit heraus zu malen. Ihre Träume, Sehnsüchte und insbesondere ihre Schmerzen verarbeitet sie in leidenschaftlichen, unverblümten Ölgemälden, durch deren aufrichtige Eindringlichkeit sie die Aufmerksamkeit und Liebe ihres späteren langjährigen Lebensgefährten und Ehemanns Diego Rivera gewinnt. Das Ganze wird zu einer nach Hollywoodmanier aufgebauten wildromantischen Liebesgeschichte, in denen die Flirts und Seitensprünge beider Ehepartner breiten Raum einnehmen. Sie bändelt zwischendurch mit so illustren Gestalten an wie Leo Trotzki.

Frida trennt sich von Diego, als sie diesen mit ihrer Schwester beim Sex erwischt. Später kommt es zur Scheidung, der kurz darauf wieder eine Eheschließung unter dramatischen Umständen folgt: Nachdem Frida wegen Wundbrand die Zehen eines Fußes amputiert werden mussten, macht Diego ihr einen erneuten Heiratsantrag, den sie annimmt. Sie bleiben Eheleute bis zu Fridas Tod.

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zu den Männern in Frida Kahlos Umfeld:

Diego Rivera " Man At The Crossroads" Produced by James Ayala & John Riveaux [12:15]

Veröffentlicht am 20.12.2012
A Short biography Produced for the 2012 Hispanic Heritage Celebration at FDA V in The Bronx.
Directed and Edited By James Ayala
Written and Narration by John Riveaux

Rare Film of Diego Rivera 1932 Working On The Detroit Industry Murals At Institute of Arts 2/2 [9:03]

Veröffentlicht am 17.07.2014
Detroit Institute Of Arts (Museum),Diego Rivera (Author),Mural (Visual Art Form),Public Domain (Content License),Detroit Industry Murals,Michigan,Ford Motor Company Archives,National Archives,Art,Painting,Film (Film)

Trotzki Aufstieg und Fall eines Revolutionärs -Dokumentation über Trotzki [51:24]
Veröffentlicht am 17.05.2013
Lew Trozki (russisch Лев Троцкий, wiss. Transliteration Lev Trockij, Pseudonym von Lew Dawidowitsch Bronstein / Лев Давидович Бронштейн / Lev Davidovič Bronštejn, im deutschen Sprachraum meistens Leo Trotzki geschrieben; * 26. Oktoberjul./ 7. November 1879greg. in Janowka, heute Bereslawka, Ukraine; † 21. August 1940 in Coyoacán, Mexiko) war ein kommunistischer Politiker, russischer Revolutionär und marxistischer Theoretiker. Er war Volkskommissar des Auswärtigen, für Kriegswesen, Ernährung, Transport, Verlagswesen sowie Gründer und Organisator der Roten Armee. Nach ihm wurde die von der sowjetischen Parteilinie des Marxismus-Leninismus abweichende Richtung des Trotzkismus benannt. Nachdem er von Josef Stalin 1927 entmachtet und 1929 ins Exil getrieben worden war, ermordete ihn 1940 ein sowjetischer Agent in Mexiko.

Trotsky In Mexico Talks On Moscow Trials (1938) [3:41]
Veröffentlicht am 13.04.2014
Unused / unissued material - no paperwork - dates unclear or unknown

Mexico.

A clapper board comes down in front of Leon Trotsky - communist thinker, writer and revolutionary.

Trotsky is holding a copy of his book 'Behind The Moscow Trial'. He stands in front of a brick wall. He apologises for his poor English and gives thanks to the Mexican people and their leader President Cardenas. He thanks Cardenas for allowing him to go from being held 'under lock and key' in Norway to being able to talk freely in Mexico. He says that Stalin's trial against him is based on false evidence. This is based on Stalinism - 'the irresponsible despotism of the bureaucracy over the people." He wants to show his personal files to an independent inquiry to prove himself innocent. He wants a counter trial.

A Mexican voice calls out cut.

N.B. Trotsky was assassinated in Mexico in August 1940. This film dates from between 1937 and then. For those with a Stalinist bent it is interesting to note the crowing of the cockerel in the background - shades of St Peter denying Christ perhaps.

Dupe Neg in UN 52 R.
90,000 historic films, all SEARCHABLE on YouTube at: http://www.youtube.com/britishpathe Join us on Facebook at: http://www.facebook.com/britishpathe Tweet us @britishpathe FILM ID:558.21

The Assassination of Trotsky (1972) Starring Richard Burton [1:38:47]
Veröffentlicht am 14.07.2012
After having been forced to leave the Soviet Union 1929 Trotsky has ended up in Mexico 1940. He is still busy with the politics. Stalin has sent out an assassin, Frank Jacson. Jacson befriends a young communist and gets an invitation to Trotsky's house

Surrealism: Andre Breton [3:11]
Hochgeladen am 12.12.2011
This was for my art project in school.

André Breton, Pionnier Du Surréalisme (27/02/61) [26:27]
Veröffentlicht am 29.06.2013
En 1961, Judith Jasmin s'entretient avec le poète André Breton dans son atelier de Paris. Pour situer les téléspectateurs, la journaliste demande d'entrée de jeu à l'écrivain de lui définir le surréalisme. Celui que ses détracteurs surnomment le « pape du surréalisme » voit ce mouvement comme une « réaction contre le rationalisme et contre le positivisme scientifique ». Pour André Breton, les artistes surréalistes adoptent une attitude libre de tout intérêt esthétique ou moral dans leur production. Ils laissent à l'inconscient une large place dans leur processus de création.

"Freedom of Love," by Andre Breton [3:09]
Hochgeladen am 18.09.2010
poem, translated by Edouard Rodti

zum geschichtlichen Umfeld siehe:
und:

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siehe auch:
- 100. Geburtstag von Frida Kahlo Fridomanía in Mexiko (Steffen Heinzelmann, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010)
Ihr Werk, aber auch ihr Leben fesseln die Bewunderer der Tochter eines deutschstämmigen Fotografen: Nach dem furchtbaren Unfall durchlebte Kahlo eine bewegte Ehe mit dem berühmten Wandmaler Diego Rivera und mehrere Liebschaften mit Frauen und Männern, unter ihnen mit dem russischen Revolutionär Leo Trotzki.
- Frida Kahlo: Eine bewundernswerte Tragödie (Filiz Delkus, Jugend trifft Kunst, 21.05.2010)
- Pain and the Paintbrush: The Life and Art of Frida Kahlo (Fernando Antelo, Journal of Ethics, Mai 2013)
By distilling and depicting the emotions surrounding her traumatic accident and subsequent medical complications, Kahlo painted experiences that people could recognize and relate to – feeling pain, being hospitalized, and fearing isolation. In the iconic painting Broken Column (1944), Kahlo portrays the effect on her body of the injuries sustained in the streetcar accident. She offers her body for study by exposing her bare breasts and uncovering her spinal column. With metal construction nails sticking into her body, moreover, she conveys the sharp and diffuse nature of her pain.
The real Frida Kahlo Video [3:31]

Hochgeladen am 14.02.2008
Canción/Song: Esa Noche (Café Tacuba)

Fragmento extraido de un documental dedicado a esta gran artista, (The History Channel Español)

Frida Kahlo, The Broken Column, 1944
Pain and suffering is a constant topic in Frida's painting. In this painting, The Broken Column, Frida expressed her anguish ans suffering in a most straightforward and horrifying way. The nails are stuck into her face and whole body. A split in her torso which looks like an earthquake fissure. In the background is the earth with dark ravines. At the beginning she paint herself nude but later covered her lower part up with something looks like a hospital sheet. A broken column is put in place of her spine. The column appears to be on the verge of collapsing into rubble. Penetrating from loins to chin, the column looks phallic, and the sexual connotation is all the more obvious because of the beauty of Frida's breasts and torso.

This painting Frida looks pretty and strong. Although her whole body is supported by the corset, she is conveying a message of spiritual triumph. She has tears on her face but she look straight ahead and is challenging both herself and her audience to face her situation.
 (The Broken Column, 1944 by Frida Kahlo, FridaKahlo.org)











Frida Kahlo biography - (1 of 6) [10:58]


Hochgeladen am 20.01.2009
A documentary about Mexican painter Frida Kahlo.

Frida Kahlo: "Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe?" (Elke Drewes-Schulz, Stern, 13.07.2014)
"Ich bin mit allem einverstanden, was mich mein Vater lehrte und mit nichts von dem, was mir meine Mutter beibrachte." (Salomon Grimberg, Frida Kahlo – Bekenntnisse, München 2008, S. 57)
Fridas Körper wird in Gips- und Stahlkorsette gezwängt, ihre Wirbelsäule mithilfe kiloschwerer Gegengewichte gestreckt. Bisweilen greift sie zu Drogen und Alkohol, um ihre Schmerzen zu bekämpfen. Zweimal versucht sie, sich das Leben zu nehmen.
Dazu kommt der jahrelange Kampf um ihre große Liebe, den Maler Diego Rivera. Sie sagt, Diego sei der zweitgrößte Unfall in ihrem Leben. Immer wieder enttäuscht und betrügt er sie. Trotzdem heiratet Frida ihn – nach zwei Jahren der Scheidung – ein weiteres Mal. Auch sie selbst flüchtet sich immer wieder in erotische Abenteuer, nicht aus Liebe, eher als Antwort auf Diegos Eskapaden. Ihn liebt sie, ihn braucht sie. Auch was ihr Verhältnis zur Religion betrifft, ist Frida voller Widersprüche: Einerseits bezeichnet sie alles Religiöse als dumm und unaufgeklärt. Andererseits sind ihre Gemälde ohne den Reichtum religiöser Traditionen undenkbar. […]

Der Mensch sei dem Menschen ein Gott – sagt Ludwig Feuerbach.

"Homo homini Deus est. – dies ist der oberste praktische Grundsatz – dies der Wendepunkt der Weltgeschichte. Hat der Mensch erst einmal erkannt, dass Gott pures Wunschdenken ist, muss seine Liebe auch nicht mehr den Umweg über Gott nehmen. Aus Gottesliebe wird Menschenliebe."

Für Frida ist an die Stelle der Liebe zu Gott offenbar die Liebe zu Diego getreten – oder besser gesagt: die Abhängigkeit von ihm.
Umso schmerzhafter und existentiell bedrohlicher empfindet sie, dass er sie immer wieder betrügt. Auf einem Bild, das deutlich an Leonardo da Vincis Abendmahlstafel erinnert, nimmt Frida den Platz Jesu ein. Sie ist es, die Abschied nimmt von ihren Lieben. Schwere Bühnenvorhänge trennen den Betrachter von der Abendmahlsszene. Es sieht so aus, als wolle Frida schnell noch einen Einblick in ihr Seelenleben gewähren, bevor der Vorhang fällt. Zu ihrer Rechten steht Diego als übergroßer Judas, links von ihr der Tod. Frida guckt wie immer ernst. Der Tod lacht. Er spielt mit ihrem Haar – so wie es bei Kreuzwegdarstellungen die Folterknechte mit Jesu Haar tun. […]

Frida Kahlos Bilder sind Zeugnisse ihrer existentiellen Zerrissenheit. Immer wieder kämpft ihre vom Marxismus geprägte strikte Diesseitsorientierung mit einer tiefen Jenseits-Sehnsucht. Einerseits zwingt sie sich, brutal realistisch zu sein, andererseits erzählen Natur und religiöse Motive von ihrem Wunsch, das Leben möge doch mehr sein. Der Konflikt ist für Frida Kahlo unlösbar. Sie findet keinen Zugang zu der erlösenden Kraft der von ihr immer wieder gemalten religiösen Welt.
Für mich ist es ein Akt der Verzweiflung, dass Frida Kahlo kurz vor ihrem Lebensende aus dem Marxismus eine Wunder wirkende Ersatzreligion macht. […]

"Ich ging und ließ die Liebe zurück. Die seltsame Welt war schon meine, eine Welt der sträflichen Stille der wachsamen fremden Augen ... Dunkelheit am Tag."

So wie es eigentlich nur eine gläubige Katholikin tut, spricht sie dann ein „mea culpa" – ein Schuldbekenntnis:

"Ich gebe zu, meine Schuld ist groß, so groß wie der Schmerz."

Der Tagebucheintrag endet mit der Vision einer starken Hand, die sie annimmt. „Hier bin ich", sagt sie. Doch mit wem spricht Frida? Wem gehört die starke Hand, die sie ergreift? Sie selber hat diese Zeilen an H. adressiert. Wer damit gemeint ist, bleibt Fridas Geheimnis.
- Frida Kahlo’s Body: Confronting Trauma in Art (Siobhan M. Conaty, Journal of Humanities in Rehabilitation, 08.07.2015)
In the years following her accident, Frida became dedicated to both art and revolutionary politics. Through these interests, Frida met and married Mexico’s most famous muralist, Diego Rivera, when she was twenty-two years old. Frida’s parents, who were dismayed with this match, described the union as “a marriage between an elephant and a dove.”4 Rivera was indeed a large man, twenty years her senior, a communist, and a controversial figure. Despite the many trials and tribulations of their personal relationship, Rivera supported Kahlo’s work unconditionally. He introduced her to Andre Breton, a founding figure of Surrealism – an art movement whose members embraced Frida’s art whole-heartedly. The Surrealists celebrated Freud’s writings on dreams and the unconscious mind, encouraging artists to use the irrational as subject in their art. Breton quickly claimed Kahlo as one of his own, describing her works as “pure surreality, despite the fact that it had been conceived without any prior knowledge whatsoever of the ideas motivating the activities of my friends and myself.”5 Although Kahlo benefitted from her association with the Surrealists, she made a clear distinction in a 1953 interview with Time Magazine, asserting, “(t)hey thought I was a Surrealist, but I wasn’t. I never painted dreams. I painted my own reality.”6 And Frida’s “reality” was undeniably on par with some of the most imaginative works by her fellow Surrealists.
In the last decade of her life, Kahlo’s health had deteriorated to the point where she could barely sit or stand without the support of medical casts and corsets. Her self-portrait, Broken Column (1944) (Fig.2), demonstrates both the physical and psychological pain she endured. Her spinal column was replaced with a cracked and damaged Ionic column, the most slender and delicate of the Greek order of columns. Although torn apart at the center, her body stands upright, held together with a surgical brace. Kahlo stands strong and stoic despite the nails that pierce her flesh. She positions herself in a barren and fractured landscape, a symbol of her own loss and infertility that can be seen in many of her works. While tiny points of pain radiate across her shattered body, Kahlo’s gaze remains strong. She makes direct eye-contact with the viewer, a conscious choice, putting herself in the position of active subject, rather than a passive object to be “looked at” – the standard pose for women in the history of art.7 Kahlo maintains a position of power here, using her body and her gaze to prevent the portrait from entering into the realm of pity. The tears she sheds provide evidence of the effects of the physical pain, but Kahlo’s paintings have the unique ability to project her strength rather than emphasize weakness or disability.
siehe auch:
- 17 Sätze der unglaublichen Frida Kahlo (Gedankenwelt, Datum unbekannt)