Viele Männer machen es sich laut Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer in der Beziehung zu einfach. Sie erklärt, warum Treue und bloße Anwesenheit nicht genug sind - und in welchen Situationen Sie besondere Rücksicht auf die Gefühle ihrer Partnerin nehmen sollten.
Am Anfang einer Beziehung sind Paare über beide Ohren verliebt und alles scheint wunderschön zu sein. Hält die Partnerschaft länger, kommen aber immer häufiger Probleme auf. Meist sind es Männer, die die Partnerin über die Zeit als selbstverständlich ansehen. Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer erklärt, welche Dinge Sie auf keinen Fall tun sollten, wenn Sie ihre Partnerin nicht verlieren möchten.
1. Die Verantwortung für das Gelingen der Partnerschaft ihr zu überlassen
Es gibt Männer, die der Meinung sind, ihre bloße Anwesenheit und die Tatsache, dass sie für den Familienunterhalt sorgen, reiche bereits aus, um ein guter Ehemann zu sein. Schließlich würden sie nicht fremdgehen und nicht jeden Abend weggehen. Was will Frau mehr?
Dass eine Partnerschaft vielschichtiger ist und bedeutet, sich immer wieder neu zu justieren, übersehen sie gerne einmal. Und wenn die Frau um das ungeliebte Beziehungsgespräch bittet, entziehen sie sich mit dem Argument, es würde doch ohnehin alles passen. Über die Jahre hinweg baut sich bei den Frauen große Unzufriedenheit auf, die häufig in einer scheinbar überraschenden Trennung endet.
mehr:
- Paartherapeutin erklärtDrei Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn Sie Ihre Partnerin behalten wollen (Sigrid Sonnholzer, Focus, 13.08.2019)
siehe auch:
- Streitgespräch: Verstanden-Werden ist oft wichtiger als Beruhigt-Werden (Post, 27.08.2018)
- Streitigkeiten in der Partnerschaft (Post, 15.12.2012)
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Wilhelm Reich war ein Schüler von Sigmund Freud. Doch mehr als Freud war der österreichisch-US-amerikanische Arzt, Psychiater, Psychoanalytiker und Sexualforscher auch ein politisch radikaler Mensch. Reich war in den 1920er-Jahren der kommunistischen Partei Österreichs beigetreten und entwickelte Freuds Libidotheorie zur Orgasmustheorie. Darin untersuchte und beschrieb er die «vollständige orgastische Potenz». Dabei richtete er den Blick auf körperliche Vorgänge und entfernte er sich vom klassischen Vorbild Freuds. Anders als dieser lehrte Reich nicht die seelische Verarbeitung, nicht die Sublimierung sexueller Triebe, sondern ihr ungehemmtes Ausleben. In der orgastischen Potenz sah Reich den Schlüssel für einen erfolgreichen Kampf gegen die Neurose. Dazu sollte auch der von ihm in Berlin gegründete Reichsverband für proletarische Sexualpolitik, kurz Sexpol, dienen, in dessen Arbeit Psychoanalyse und Marxismus kurzgeschlossen werden sollten.
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus
Denn Reich vertrat inzwischen die Überzeugung, dass die Befreiung der genitalen Sexualität von allen Einschränkungen und Tabus die beste Voraussetzung dafür sei, Individuen für den Kampf gegen politische Repression, gegen die bürgerliche Gesellschaft zu befähigen. Er war einer der ersten, der Psychoanalyse mit den sozialpolitischen Theorien von Karl Marx verknüpfte. Aber seine politische und psychotherapeutische Radikalität führten auch zum Bruch mit Sigmund Freud und zum Ausschluss aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.
Das hinderte Reich nicht daran, den aufkommenden Nationalsozialismus psychoanalytisch zu deuten. Sein Buch «Massenpsychologie des Faschismus» publizierte er 1933. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die im Jahr von Hitlers Machtergreifung in Deutschland erschien, führten auch zum Ausschluss aus der Kommunistischen Partei Deutschlands und aus der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Als Jude, Kommunist und Psychoanalytiker nun dreifach gefährdet, musste er 1933 Deutschland verlassen. Die Schrift erreichte damals nur interessierte Kreise und wurde erst ab den 1960er-Jahren von einem breiteren, linksintellektuellen Publikum entdeckt. In diesem Buch beschrieb Reich grundlegende Zusammenhänge zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie.
Bis heute verbinden sich mit dem Namen des Arztes und Psychoanalytikers Wilhelm Reich sehr gegensätzliche Urteile zwischen Genialität und Scharlatanerie. Mit allen Formen der modernen Sexual- und Körpertherapie in der westlichen Welt bleibt er jedoch untrennbar verbunden. Wilhelm Reich starb am 3. November 1957 mit 60 Jahren in seiner Gefängniszelle in Lewisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania an plötzlichem Herztod. Ein amerikanisches Gericht hatte ihn zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich dem Verbot widersetzt, ein von ihm selbst entwickeltes medizinisches Gerät zu vertreiben.
Eine wesentliche Politisierung der Psychotherapie geschah jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Kriegsgräuel der Nationalsozialisten, deren traumatische Nachwirkungen und die Bewältigungsstrategien der Gesellschaft beeinflussten nun eine breitere Diskussionen in der Psychotherapie. Die Diskurse waren nicht mehr beschränkt auf Methoden und Theorien, sondern um eine gesellschaftspolitische Dimension erweitert. Martin Heidegger war dem Denken der Nationalsozialisten bedenklich nah gerückt. Carl Gustav Jung sah im Nationalsozialismus gar eine «mächtige Eruption» des kollektiven Unbewussten, den Aufstand der germanischen Seele gegen den «areligiösen Rationalismus». Das brachte Schulen, die sich zuvor auf Heidegger oder Jung bezogen hatten, in Erklärungsnot und machte sie angreifbar. Und es stärkte die klassische Psychoanalyse.