Dienstag, 17. September 2019

„Da geht er dann, dein Traum, normal zu sein“

Porträt Judith Visser wollte ihr Leben lang sein wie alle anderen. Als sie dachte, sie hätte es geschafft, bekam sie ihre Diagnose

Es ist ein diesiger Vormittag in Rockanje, einem Kaff an der Rotterdamer Riviera, wo sich jenseits der Saison wenig regt. Über Nacht ist die Temperatur gefallen, der Wind hat zugelegt, und im Badhotel am äußersten Rand des Dorfs ist wenig los. Soeben wurde das Frühstück abgeräumt, der hellblaue Pool vor der Terrasse ist verwaist. Dann biegt Judith Visser um die Ecke, in kurzem, ärmellosem Jeanskleid und schwarzen All Stars, in den Händen drei Leinen, an jeder einen großen Wolfshund – so läuft sie auf den Eingang zu.

Judith Visser, 41 Jahre alt, ist eine der bemerkenswertesten Schriftstellerinnen der Niederlande. Und sie ist Autistin. Als Thriller-Autorin hat sie es zu einigem Ansehen gebracht, samt Preisnominierungen und einer Verfilmung. Später sattelt sie auf Romane um. Als 2018 Zondagskind erscheint, wird es ein Bestseller. Das Buch (deutsch: Mein Leben als Sonntagskind) handelt vom Aufwachsen des Mädchens Jasmijn Vink, sie hat das Asperger-Syndrom, doch das weiß sie noch nicht. Sie erfährt es erst als Erwachsene. Der Roman ist stark autobiografisch, Jasmijn Vink ist Judith Visser. Wie ihr ist ihrer Protagonistin der Lärm in der Vorschule zu laut, traut sie sich nicht, mit der Lehrerin zu sprechen, und hat größte Probleme mit Situationen, die sie nicht vorhersehen kann. Sie lebt in einer Welt, die sie immer wieder überfordert.

Ihre zuverlässigen Stützen, das sind ihre Hündin Senta, immer an ihrer Seite, der Reitunterricht, aber eben nur, solange sie ihr Lieblingspony Cilly zugeteilt bekommt, und Elvis Presley. Dessen sanfte Stimme spricht sie auf ungekannte Weise an. Bei Senta, Cilly und Elvis weiß sie immer, woran sie ist. Noch eine andere Konstante bildet sich im Laufe von Kindheit und Adoleszenz heraus: die sogenannte „normale Jasmijn“, die Welten entfernt scheint, aber doch ein Alter Ego ist und eine Projektionsfläche, auf der sie in ihrem Tagebuch all das entwirft, was hätte passieren können, wenn sie wäre wie die anderen Kinder. Die „normale Jasmijn“ ist kontaktfreudig, beliebt, sie hat Freunde und weiß immer, wie sie sich zu verhalten hat. Den Namen Jasmijn habe sie gewählt, weil er an eine Blume erinnert, sagt Judith Visser. „Und je älter ich wurde, desto besser wurde ich darin, allerlei Eigenschaften auf blumige Weise zu verstecken.“

In ihrem Buch greift sie das verbreitete Halbwissen über Autismus auf, analysiert es und fügt es ein in die Welt der jungen Protagonistin. Vom Weglaufen aus der Kita, deren Gewusel und Geräuschpegel Jasmijn nicht erträgt, bis zum Einschlafen am Steuer des Fahrschulwagens, weil alles um sie herum sie überfordert. „Normal“, eine Referenz, die die Autorin selbst immer wieder benutzt, ist das alles nicht. Nur weiß sie lange Zeit einfach nicht, was sie hat. Es sind die 1980er, in einer Arbeiterfamilie in einem armen Viertel von Rotterdam, von Autismus hat dort noch nie jemand was gehört.

mehr:
- „Da geht er dann, dein Traum, normal zu sein“ (Tobias Müller, der Freitag, 17.09.2019)

Samstag, 14. September 2019

Dienstag, 13. August 2019

Drei Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn Sie Ihre Partnerin behalten wollen

Viele Männer machen es sich laut Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer in der Beziehung zu einfach. Sie erklärt, warum Treue und bloße Anwesenheit nicht genug sind - und in welchen Situationen Sie besondere Rücksicht auf die Gefühle ihrer Partnerin nehmen sollten. 

Am Anfang einer Beziehung sind Paare über beide Ohren verliebt und alles scheint wunderschön zu sein. Hält die Partnerschaft länger, kommen aber immer häufiger Probleme auf. Meist sind es Männer, die die Partnerin über die Zeit als selbstverständlich ansehen. Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer erklärt, welche Dinge Sie auf keinen Fall tun sollten, wenn Sie ihre Partnerin nicht verlieren möchten. 

1. Die Verantwortung für das Gelingen der Partnerschaft ihr zu überlassen 

Es gibt Männer, die der Meinung sind, ihre bloße Anwesenheit und die Tatsache, dass sie für den Familienunterhalt sorgen, reiche bereits aus, um ein guter Ehemann zu sein. Schließlich würden sie nicht fremdgehen und nicht jeden Abend weggehen. Was will Frau mehr? Dass eine Partnerschaft vielschichtiger ist und bedeutet, sich immer wieder neu zu justieren, übersehen sie gerne einmal. Und wenn die Frau um das ungeliebte Beziehungsgespräch bittet, entziehen sie sich mit dem Argument, es würde doch ohnehin alles passen. Über die Jahre hinweg baut sich bei den Frauen große Unzufriedenheit auf, die häufig in einer scheinbar überraschenden Trennung endet.
mehr:
- Paartherapeutin erklärtDrei Dinge, die Sie nicht tun sollten, wenn Sie Ihre Partnerin behalten wollen (Sigrid Sonnholzer, Focus, 13.08.2019)
siehe auch:
Streitgespräch: Verstanden-Werden ist oft wichtiger als Beruhigt-Werden (Post, 27.08.2018)
- Streitigkeiten in der Partnerschaft (Post, 15.12.2012)
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Sonntag, 11. August 2019

Die 4 Phasen nach einer Trennung und was am Ende am meisten hilft

Eine Trennung und die drauf folgende Achterbahnfahrt an Gefühlen von Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst bis hin zur Erleichterung ist eine Herausforderung. Wie wir eine Trennung erleben und damit umgehen hängt dabei von vielen Faktoren ab: Habe ich mich getrennt oder sich der Partner von mir? Ist es die Trennung der ersten großen Liebe oder habe ich mehrere durchlebt? Was für eine Rolle spielten Trennungen in meiner Kindheit und wie stabil ist mein Selbstwert.
In der Trennungszeit ist es hilfreich zu wissen, welche Phasen es gibt – und vor allem die Sicherheit: Nach einer gewissen Zeit geht es immer wieder Bergauf, garantiert! In diesem Beitrag beschreibe ich die vier Trennungsphasen, welche wir durchlaufen werden. Die Reihenfolge kann variieren, wie auch die Dauer und Intensität der einzelnen Abschnitte bei jedem Menschen unterschiedlich sein können.
mehr:
- Die 4 Phasen nach einer Trennung und was am Ende am meisten hilft (Wieland Stolzenburg, auf seiner Seite, undatiert)
siehe auch:
Trennung verarbeiten: Die 5 Phasen einer Trennung + 8 Heilmittel (Lernen.net)
Die fünf Phasen einer Trennung (welt.de)
Aus und vorbei – Diese 6 Phasen macht jeder nach einer Trennung durch (Sarah Peters, Express.de, 15.02.2017)
- Die 7 Phasen der Trennung (Vera Matt, Praxis für Paartherapie Berlin, 05.05.2019)
- Trennungsschmerz: "Man muss seine Leidenspower nutzen" (Karin Spitra, Stern)
Nach der Trennung: Wie werde ich mit meinen Gefühlen fertig? (Doris Wolf, Familien-Handbuch)
- Der Schmerz nach der Trennung (Interview: Tilmann Botzenhart und Bertram Weiss, Geo.de)
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Samstag, 10. August 2019

Von der Lust am Dialog – der Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer

Am 11. Februar 1900 begann das Lebens eines Mannes, dessen über hundertjähriges Bemühen stilbildend werden sollte: Sein Bemühen um das Verstehen, um das Wort, und darin begründet seine Fähigkeit zum offenen Dialog.

Seine „philosophischen Lehrjahre“ verbrachte Hans-Georg Gadamer in Breslau, Marburg, München und Freiburg; als Hochschullehrer wirkte er danach bis zum Jahre 1968 in Marburg, Leipzig, Frankfurt am Main und Heidelberg. Und erst dann, als „emeritus“ trat er mit großen schriftlichen Arbeiten an die Öffentlichkeit – Fortsetzungen, ja Entfaltungen jenes Werkes aus dem Jahre 1960, dessen Titel programmatisch bleibt: „Wahrheit und Methode“.

Wieder und wieder kreist Hans-Georg Gadamer in Schrift und Wort – und da besonders in der freien Rede – um die Fragen, was gemeint ist und was verstanden wird, versucht in sokratischer Tradition dialogisch zu erheben, was Wahrheit ist. 

In Reden und Gesprächen nähert sich die Lange Nacht dem Jahrhundertleben von Hans-Georg Gadamer.

mehr:
- Von der Lust am Dialog – Eine Lange Nacht mit dem Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer (Bernd H. Stappert, Deutschlandfunk, 20.02.2010)
siehe auch:
Philosophie heute: Warten auf den großen Sprung ( Marion Kretz-Mangold interviewt Wolfram Eilenberger, WDR Wissen, 09.06.2017)
Was ist eigentlich Hermeneutik? (Philosophisches Kopfkino, 3sat-Mediathek, 25.01.2012)
Video-Transkriptionen zu Gadamer (PhilosophieRaum, 19.12.2009)
- Interpretation zu Hans-­Georg Gadamers "Mensch und Sprache" (Christian Heller, Hausarbeit, SoSe 2006)
Hans-Georg Gadamer: "Suchende sind wir im Grunde alle" (Farkas-Zoltán Hajdú’s Gespräch mit dem Heidelberger Philosophen, Veröffentlicht in Aufklärung & Kritik 2/2002, S. 141-149, Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg)
Der ununterbrochene Dialog: Hans-Georg Gadamer und Jacques Derrida (Martin Gessmann, Uni Heidelberg, Ruperto Carola Ausgabe 3/2004)
"Wer eine Frage stellt, auf die er die Antwort weiß, lügt doch!" (Gespräch mit dem Philosophen Hans Georg Gadamer vom 02.08.2001 [Kurzfassung eines Interviews von Sigrid Beckmann-Lamb])
Über das Leben von Hans Georg Gadamer (Hans-Georg Gadamer im Gespräch mit Cato Wittusen über die Philosophie Ludwig Wittgensteins, 1997, siehe Fußnote 1 im verlinkten Text)
- Sprache als Medium der hermeneutischen Erfahrung (Hans-Georg Gadamer, Auszug aus: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 1960, Tübingen – Die erste Seite ist sehr empfehlenswert)
- Die Kontinuität der Geschichte und der Augenblick der Existenz (Hans-Georg Gadamer, Auszug aus: Wahrheit und Methode. Ergänzungen, Register, Gesammelte Werke Band 2, Mohr 1993, Tübingen)
Hans-Georg Gadamer - Portrait & Gespräch {28:29}

PhilosophieKanal
Am 22.08.2012 veröffentlicht 
"Ein Philosoph wird 100 Jahre" (Stefano Tognoli, 2000)
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Montag, 8. Juli 2019

David Chalmers: Bin ich mein Gehirn?

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David Chalmers hat 1995 den Ausdruck vom „schwierigen Problem des Bewusstseins“ (the hard problem of consciousness) geprägt. Darunter versteht er die Frage, warum es überhaupt Erlebnisgehalte – oder Qualia – gibt. Warum tut es etwa weh, wenn ich mir mit einer Nadel in den Finger steche? Wir verstehen einiges von den internen Prozessen, die in einer solchen Situation ablaufen: Von unserem Finger werden Signale ins Gehirn geleitet, dort finden komplexe Verarbeitungsprozesse statt. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren können wir sogar herausfinden, welche Prozesse im Gehirn ablaufen, wenn wir Schmerzen im Finger erleben. Nur, so Chalmers, wir haben dennoch nicht die geringste Ahnung, warum es dabei weh tut! Warum passieren all diese Prozesse nicht, ohne dass dabei auch nur ein Funken Bewusstsein entsteht? Dies ist das harte Problem des Bewusstseins und auch das klassische Qualiaproblem, wie es von Thomas NagelFrank Cameron Jackson und Joseph Levine formuliert wurde.
Dem schwierigen Problem stellt Chalmers ein „einfaches“ (the easy problem of consciousness) Problem gegenüber. Dieses einfache Problem umfasst all die psychischen Phänomene, die nicht direkt von der Frage nach dem Erlebnisinhalt bzw. den Qualia abhängen. Also etwa LernenGedächtnisDenken oder Problemlösen. Es sind solche Themen, bei denen die neuro- und kognitionswissenschaftliche Forschung viele Fortschritte macht. Nun will Chalmers mit seiner etwas provokanten Rede vom „einfachen Problem“ keineswegs sagen, dass die Ergebnisse dieser Wissenschaften trivial sind. Nur im Vergleich mit der Frage nach dem Erlebnisgehalt handelt es sich um einfache Probleme, da sie sich mittels funktionalistischer Methoden lösen lassen. Die Naturwissenschaften (und mit ihnen die Neurowissenschaften) bedienen sich solcher Erklärungsmodelle, die mit Strukturen, Funktionen und Vergleichen arbeiten. Diese Methoden scheitern (bislang), wenn es um eine „objektive“ bzw. allgemeingültig-wissenschaftliche Erklärung der Qualia geht. Demzufolge wissen wir sehr grob, wie z. B. eine Erklärung des Lernens aussehen könnte, wir haben aber nicht den Hauch einer Ahnung, wie eine Erklärung unserer Erlebnisse aussehen könnte.
Die Annahme des „hard problems“ wird von einigen Materialisten abgelehnt. Einer der vehementesten Widersacher Chalmers ist hierbei Daniel Dennett, dem zufolge sich Qualia mittels einer „Heterophänomenologie“ objektiv erklären lassen, wohingegen Dennett laut Chalmers das Problem damit nur „weg definieren“ aber nicht in der Realität lösen würde.
[David Chalmers, Das schwierige Problem des Bewusstseins, Wikipedia, abgerufen am 09.10.2019]
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David Chalmers: Bin ich mein Gehirn? | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur {1:00:30}

SRF Kultur
Am 08.07.2019 veröffentlicht 
Er ist ein hochdekorierter Philosophieprofessor und singt in einer Rockband. Er hat mit Bestnoten Mathematik studiert und glaubt an eine Art Beseelung der Welt. Und er hält die Frage nach dem Bewusstsein für das schwierigste Problem der Philosophie. Barbara Bleisch im Gespräch mit David Chalmers.
Wir alle haben ein grossartiges Kino im Kopf: Es passiert nonstop eine Menge, es gibt Farbe, Ton und sogar Geruch und Geschmack, wir können zurückspulen und uns erinnern und vorspulen und etwas planen. Das Beste daran: Wir erleben den Film. Die Frage ist nur: Was genau heisst das eigentlich? Ist das Ich, das den Film erlebt, Teil des Films – oder ausserhalb und etwas ganz anderes? Ist unser Bewusstsein letztlich nur ein Effekt einer grossartigen Filmmaschinerie, die wir Gehirn nennen?
Physikalisten meinen tatsächlich, auch das Bewusstsein lasse sich rein naturwissenschaftlich erklären. Der australische Philosoph David Chalmers ist anderer Meinung. Für ihn ist die Frage nach dem Bewusstsein nach wie vor ungelöst. Barbara Bleisch im Gespräch mit einem der kreativsten Philosophen unserer Zeit.
Literatur:
David J. Chalmers: «The Character of Consciousness (Philosophy of Mind)». Oxford University Press, 2010
David J. Chalmers (Herausgeber.): «Philosophy of Mind. Classical and Contemporary Readings». Oxford University Press, 2002
English version: https://youtu.be/LkLxuREOwok
Sternstunde Philosophie vom 30.06.2019
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SRF Kultur:
► http://srf.ch/kultur

siehe auch:
Wie kommt der Geist in die Materie? (Post, 25.01.2018)
- Sind wir wie Roboter? (Post, 08.05.2015)

Freitag, 14. Juni 2019

Zen im Schwarzwald – Heidegger und der Rashomon-Effekt

Versuche, Heideggers Denken angemessen zu verstehen, verweisen im Falle von Sein und Zeit auf Aristoteles, Luther oder die Marburger Theologie.1 Beim späten Heidegger beginnt indes die Suche nach Quellen, die außerhalb dessen stehen was Heidegger als «die abendländische Metaphysik» adressierte: die von ihm selbst interpretierten Vorsokratiker oder gar die hebräi- sche Tradition.2 Auch die Konvergenz zwischen der Spätphilosophie Heideggers und zentralen Motiven des ostasiatischen Denkens ist seit langem Gegenstand der Forschung.3 Reinhard May hat zu belegen versucht, dass vor allem Heideggers ausführliche Auseinandersetzung mit dem taoistischen Denken, das ihm durch Bubers Tschuang-Tse-Ausgabe von 1910 und Richard Wilhelms Übersetzung des Tao Te King bekannt war und mit dem er sich unter Anleitung von Paul Hsiao intensiv beschäftigte, einen wichtigen Einfluss auf sein Denken ausübte.4 May kommt zu dem Ergebnis, dass Heideggers Begriff des Nichts, ja die idiosynkratisch anmutende und stets mit Verweis auf Hölderlin hergeleitete Fusion von Dichten und Denken wesentlich durch den Einfluss des Taoismus zu erklären sei. Heideggers Spätwerk werde nur verständlich auf Basis einer gründlichen Auseinandersetzung mit dem «nichtabendländischen Denken».5 

Eine Variante dieser Verknüpfung Heideggers mit außereuropäischem Denken stellt Willfred Hartigs ausführliche Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Buddhismus und Heidegger dar. Er kommt auf der Basis persönlicher Begegnungen mit Heidegger indes zu dem Ergebnis, dass die Konvergenz mit der indischen Kultur entscheidend sei. Über sich selbst in der dritten Person schreibt Hartig: «Ihm wurde bewußt, daß viel stärker als das Altgriechische eigentlich das Alt- und Mittelindische, in denen ja Sein und Wahrheit in ein- und demselbem Wort (sk. sat-ya, Palisacca) zusammenfallen, sich als die phänomenologischen Sprachen des ost-westlichen Altertums erweisen.»6 Hätte Heidegger seine Spätphilosophie also viel weniger umständlich, viel eleganter auf Sanskrit formulieren können?
mehr:
- Zen im Schwarzwald – Heidegger und der Rashomon-Effekt (Felix Heidenreich, Zeitschrift für Ideengeschichte, Heft XIII/2 Sommer 2019)
siehe auch:
- Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit (Rüdiger Safranski, Amazon)
- Wittgenstein und Heidegger: Die letzten Philosophen (Manfred Geier, Amazon)
Zeit der Zauberer: Das große Jahrzehnt der Philosophie (Wolfram Eilenberger, Amazon)
Hannah Arendt und Martin Heidegger (Antonia Grunenberg, EINBLICKE Nr. 44 / Herbst 2006, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – PDF)
- Eine unmögliche Liebe (Klaus Naumann, ZON, 18.08.1995)
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