Mittwoch, 28. Februar 2018

US-Massenhysterie auf Kuba?

  • Despite 22 Americans reporting symptoms no evidence of a weapon found
  • Experts suspect a psychosomatic disorder linked to high stress in Havana
Senior neurologists have suggested that a spate of mysterious ailments among US diplomats in Cuba – which has caused a diplomat rift between the two countries – could have been caused by a form of “mass hysteria” rather than sonic attacks.

The unexplained incidents have prompted the US to withdraw most of its embassy staff from Havana and expel the majority of Cuban diplomats from Washington.

The neurologists who talked to the Guardian cautioned that no proper diagnosis is possible without far more information and access to the 22 US victims, who have suffered a range of symptoms including hearing loss, tinnitus, headaches and dizziness.


The state department has described the incidents as “attacks”, saying they began at the end of last year with the last recorded incident in August.

But US and Cuban investigations have produced no evidence of any weapon, and the neurologists argue that the possibility of “functional disorder” due to a problem in the functioning of nervous system – rather than a disease – should be considered.

“From an objective point of view it’s more like mass hysteria than anything else,” said Mark Hallett, the head of the human motor control section of the US National Institute of Neurological Disorders and Stroke.

“Mass hysteria” is the popular term for outbreaks among groups of people which are partly or wholly psychosomatic, but Hallett stressed there should be no blame attached to them.

“Psychosomatic disease is a disease like anything else. It shouldn’t be stigmatised,” said Hallett, who is also president of the International Federation of Clinical Neurophysiology. “It’s important to point out that symptoms like this are not voluntary. They are not a sign of weakness in an individual’s personality.”

mehr:
- Mass hysteria may explain 'sonic attacks' in Cuba, say top neurologists (Julian Borger, Philip Jaekl, The Guardian, 12.10.2017 – Google-Übersetzer)

siehe auch:
Havanna-Syndrom [engl. Wikipedia, abgerufen am 10.04.2020 – Google-Übersetzer]
- An Open Letter to the Diplomats With "Havana Syndrome" (Robert Bartholomew, PsychologyToday, 02.11.2019 – Google-Übersetzer)
Havana Syndrome: ‘Emotional trauma and fear’ most likely cause of illness among US diplomats in Cuba, not mysterious sonic weapons [Harry Cockburn, Independent 01.11.2019 – Google-Übersetzer]
- Scientists Find What Caused ‘Havana Syndrome’ That Affected Diplomats in Cuba – It Wasn’t Sonic Weapons (Ben-Gurion University Of The Negev, 06.10.2019 – Google-Übersetzer)
- US-Diplomaten auf Kuba: Akustikwaffe oder Massenhysterie? (Post, 28.02.2018)
- Fresh row over mysterious sickness affecting US diplomats in Cuba (Ian Sample, The Guardian, 24.02.2018 – Google-Übersetzer)
- What happened to US diplomats in Cuba? – Science Weekly podcast (The Guardians Science Weekly, 23.02.2018)
- The Mystery of “Sonic Health Attacks” on Havana-Based Diplomats may have been from high-power microwave radiation (James C. Lin, EMFacts, 21.02.2018 – Google-Übersetzer)
- A psychological perspective on the Havana “Sonic attack”: Its all just a mass psychogenic illness (Psychology Today) (Don, EMFacts, 18.02.2018 – Google-Übersetzer)
Top medical journal releases report on ‘sonic attack’: Medical sociologist says findings are false (JRAINESWGNAM, 17.02.2018, WGNRadio)
- Major New Study on "Sonic Attack" Is Alarmingly Inaccurate – Report ist badly flawed – How could they get it so wrong? (Robert Bartholomew Ph.D., PsychologyToday, 16.02.2018 – Google-Übersetzer)

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Massenhysterie bezeichnet eine starke emotionale Erregung in großen Menschenmengen, etwa (euphorisch) aus Anlass von Rock- und Popkonzerten, großen Sportereignissen oder (trauernd) nach dem Tod von berühmten Personen. Der Begriff ist von dem der moralischen Panik abzugrenzen, der gezielt der sozialen Kontrolle gilt.
Dieser Gebrauch geht auf den The Quarterly Christian Spectator 1830 zurück und wurde unter anderem bei einem Choleraausbruch gebraucht.[1] Marshall McLuhanbegann das Phänomen in Understanding Media 1964 wissenschaftlich zu beschreiben.[2]
In diesem Sinne wurde und wird beispielsweise die überschießende Begeisterung für die Beatles ebenso dem Bereich der Massenhysterie zugeordnet wie die Trauer um Rudolph ValentinoJosef Stalin oder Eva Perón. Auch die mittelalterliche Tanzwut, der Hexenwahn der Frühen Neuzeit und andere massenhaft auftretende Ängste (etwa die Kommunistenangst im McCarthyismus) werden häufig als Massenhysterie bezeichnet. Der Begriff wird gelegentlich auch als gleichbedeutend mit Massenpanik benutzt. Die Sozialpsychologie beschäftigt sich unter dem Thema Massenpsychologie wissenschaftlich mit dem Verhalten von Menschen in Menschenansammlungen. Thematisiert wird dies auch in Masse und Macht, dem 1960 erschienenen Hauptwerk des späteren Literaturnobelpreisträgers Elias Canetti. 
[Massenhysterie, Entstehung, Wikipedia, abgerufen am 28.02.2018]
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siehe auch:
- Massenhaft akut auftretende psychogene Erkrankungen - Massenhysterie (Karl C. Meyer, neuro24.de, undatiert)
- Massenhysterie – Ursachen der Massenpsychose (Atz Anhalt, Heilpraxis.net, undatiert)
- Massenanfall von Verletzten oder Massenhysterie? Intoxikationsverdacht bei 48 erkrankten Gymnasiasten (Kahnenbley et al., Notarzt 2017 33/02, Thieme connect)
- Blutsauger-Massenhysterie in Malawi und Mosambik (Peter Mühlbauer, Telepolis, 24.10.2017)
- Placebos – Nicht nur die Welt, auch der eigene Körper findet im Kopf statt (Post, 31.01.2016)
- Mediale Massenpanik? Orson Welles’ Radio-Hörspiel „War of the Worlds“ (1938) (Christoph Strupp, Zeithistorische Forschungen, Haft 2/2011)
- Das Golfkriegssyndrom als Nebenwirkung (Peter Mühlbauer, Telepolis, 21.11.2008)
Übersicht - Psycho-Moden, psychische Epidemien, Epidemiologie und systemimmanente Kunstfehler (Rudolf Sponsel, Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie, 12.05.2002)

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Die Phantom-Luftschiff-Welle 1896–1897 (englisch mystery airship oder phantom airship wave) war eine Serie von Sichtungen eines unidentifizierten Flug-Objekts, das laut zeitgenössischen Zeitungsberichten zwischen November 1896 und Mai 1897 von mehreren zehntausend Menschen in mindestens neunzehn Bundesstaaten der USA gesehen wurde.[1] Für die Beobachtungen wurden verschiedene natürliche sowie übernatürliche Ursachen angeführt, ohne dass einer dieser Erklärungsansätze die Gesamtheit der Sichtungen erklären konnte. Aufgrund der überlieferten Beschreibungen sind aber die Beobachtungen von realen zeitgenössischen Luftschiffen sowie von außerirdischen Flugkörpern weitestgehend ausgeschlossen. Zur humanwissenschaftlichenAnalyse möglicher Ursachen wurde das Phänomen in den letzten Jahrzehnten unter massenpsychologischensoziologischen und kulturhistorischen Fragestellungen untersucht. In der aktuellen Rezeption stehen kulturwissenschaftliche Erklärungsansätze im Vordergrund.
[Phantom-Luftschiff-Welle 1896–1897, Wikipedia, abgerufen am 28.02.2018]
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Konzept einer Massenhypnose {17:18}

Gabriel Palacios
Am 29.02.2020 veröffentlicht 
Fühlst du dich hypnotisiert? Du bist es und merkst es wohl nur nicht!
Auszug aus meinem Unterricht. Mehr Infos: http://www.palacios.academy

mein Kommentar:
- „Die Geschichte vom Hammer“ (nach Paul Watzlawick) (Rainer Wilkening, Moderne Verhaltenstherapie in Davos, Davos, undatiert)
am 10.04.2020 aktualisiert

Sonntag, 25. Februar 2018

Der depressive Mensch als Problemfall: Wer isoliert wird, isoliert sich

Österreich Ein Experiment im Oberen Waldviertel befreit Arbeitslose von ständiger Drangsalierung und Depression

Heidenreichstein mit etwa 4.100 Einwohnern ist eine verletzte Kleinstadt. Vor allem nach dem Kollaps der Industrie Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre hat sich der Ort im Oberen Waldviertel in Niederösterreich nie mehr richtig erholt. Die Arbeitslosenrate ist entsprechend hoch. Seit einigen Monaten läuft hier nun das Projekt „Sinnvoll tätig sein“ (STS), das jenseits gängiger Disziplinierungsmuster versucht, über 40 Langzeitarbeitslosen (in etwa ein Prozent der Bevölkerung) Perspektiven zu eröffnen, die sich doch von obligaten Erwartungshaltungen unterscheiden. Geleitet wird dieses Projekt, das offiziell als Kurs des AMS (Arbeitsmarktservice, das österreichische Pendant zur Bundesagentur für Arbeit) firmiert, von Karl Immervoll und der „Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel“, die mit ähnlichen Initiativen schon einschlägige Erfahrungen sammeln konnten. Arbeitslose sollen nicht als Fälle oder gar Problemfälle wahrgenommenen werden, sondern als Menschen. Natürlich geht es auch um Arbeit und Arbeitsplatz – vorrangig jedoch um die Personen selbst. Nicht Was sollen wir? ist die entscheidende Frage, sondern Was wollen wir? Was will ich?
mehr:
- Das Ende der Angst (Franz Schandl, der Freitag 5/2018)

Freitag, 23. Februar 2018

Prof. Gert Scobel: "Künstliche Intelligenz, Komplexität, Prognostik - Die Herausforderungen der Politikwissenschaft durch neue Technologien" – Öffentliche Vorlesung

Öffentliche Vorlesung Prof. Gert Scobel {1:29:02}

NRW School of Governance
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
Am 16. Oktober 2018 hielt Prof. Gert Scobel, Gastprofessor für Politikmanagement der Stiftung Mercator an der NRW School of Governance, eine öffentliche Vorlesung zum Thema "Künstliche Intelligenz, Komplexität, Prognostik - Die Herausforderungen der Politikwissenschaft durch neue Technologien" vor 80 Gästen. Seinen Vortrag stellen wir Ihnen gerne als Video-Mitschnitt zur Verfügung. Zu Beginn sehen und hören Sie Grußworte von Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen und Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance. Der Vortrag von Prof. Gert Scobel beginnt bei Minute 13:24. Kamera und Schnitt: Jonathan Schneider Musik: "Ladybirds Theme" by David Szesztay, licensed under a Attribution-NonCommercial 3.0 International License.
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Depersonalisationsstörungen – Leben wie im (Alb-)Traum?

Unwirklich, fremd oder wie hinter einem Schleier nehmen Menschen sich selbst oder ihre Umwelt wahr, wenn sie unter einer Depersonalisation oder Derealisation leiden 

Fühlen Sie sich manchmal wie im Traum? Haben Sie das Gefühl, als würden Sie die Welt durch einen Schleier betrachten, so dass Personen und Gegenstände weit entfernt, undeutlich oder unwirklich erscheinen? Kommt Ihnen Ihre eigene Stimme, Ihr Körper oder Teile Ihres Körpers fremd vor? 

So oder ähnlich lautet der diagnostische Fragenkatalog zum Krankheitsbild Depersonalisation und Derealisation (DP/DR). Handelt es sich dabei um wiederkehrende Episoden oder gar um eine länger anhaltende Phase, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, an dieser weit verbreiteten und doch weitgehend unbekannten psychiatrischen Erkrankung zu leiden. 

"Neben sich" und "außer sich" 

Nimmt man sich selbst, seinen Körper, seine Stimme als "unwirklich" wahr, sprechen Experten von Depersonalisation. Bezieht sich dieses Erleben auf die Umwelt, ist von Derealisation die Rede. Oft gehen beide Symptome Hand in Hand. "Nicht selten sind die Betroffenen von der Angst beherrscht, 'verrückt' zu werden", berichtet Matthias Michal, leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz und Leiter der Spezialsprechstunde Depersonalisation Derealisation. 

Überhaupt ist es die Erfahrung, von niemandem verstanden zu werden, die den Alltag der DP/DR-Patienten prägt. Denn erschwerend zur Symptomatik sind die Veränderungen der eigenen Wahrnehmung nur schwer in Worte zu fassen. Wie lässt sich auch anderen gegenüber die Tatsache vermitteln, dass man sich selbst und/oder die Umwelt als verändert, fremd, nicht zu einem selbst gehörig, leblos, fern oder unwirklich wahrnimmt?
mehr:
- Ein Leben wie im (Alb-)Traum (Eva Tinsobin, Der Standard, 25.09.2012)

Donnerstag, 22. Februar 2018

Zur Geschichte der Klinischen Psychologie in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der 1970er-Jahre

Noch während des Zweiten Weltkrieges war 1941 mit der Einrichtung des Psychologie-Diploms der Weg für die Professionalisierung der klinischen angewandten Psychologie geebnet worden. Als Psychologen „am Krankenbett“ unterstützten Psychologen in den Kliniken der 1950er-Jahre Ärzte in der Diagnostik. In den 1960er- und 1970er-Jahren wandelte sich das Berufsbild zum „behandelnden“ Psychologen in Beratung und Therapie. Ein Wechselspiel von einerseits amerikanischen Einflüssen mit einem Trend zur Psychometrie, neuen psychologischen Theorien oder experimentellen Verfahren und andererseits wissenschafts- sowie gesellschaftspolitischen Entscheidungen, führten zur universitären Verankerung der klinischen Psychologie innerhalb der philosophisch- oder mathematisch/-naturwissenschaftlichen und schließlich an den medizinischen Fakultäten.
mehr:
- Zur Geschichte der Klinischen Psychologie in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der 1970er-Jahre (L. Rzesnitzek , Nervenheilkunde, Heft 10 2017 (783-862), PDF-Download, Schattauer-Archiv)

siehe auch:
- Die Geschichte der Psychologie: Eine Zeitleiste (Charles L. Brewer, Furman University (deutsche Bearbeitung von Christiane Grosser und Svenja Wahl) , Arbeitsblaetter.Stangl-Taller.at, PDF)

Montag, 19. Februar 2018

Psychische Störungen im Kapitalismus

Was sind psychische Störungen? Teil 2

Was sind psychische Störungen? Teil 2 Im ersten Teil der Serie haben wir die amtliche Sichtweise auf psychische Störungen untersucht, nämlich die Definition in der fünften Auflage des Diagnosehandbuchs der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA), genannt DSM-5. Dabei kam heraus, dass Normen und Werturteile eine wichtige Rolle bei der Unterscheidung "normaler" Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von "Störungen" spielen.

In unserem Denken über psychische Gesundheit spiegelt sich also unsere Kultur wieder. Oder genauer gesagt: Die Kultur der Vereinigten Staaten sowie die Interessen der psychiatrischen Fachleute, die an dem Handbuch mitarbeiten. Dass deren Kultur und Interessen auch für andere Länder von Bedeutung sind, liegt an zwei Gründen: Erstens ist die wissenschaftliche Forschung stark amerikanisch und britisch geprägt. Wer eine akademische Laufbahn anstrebt, kommt kaum an Publikationen in angloamerikanischen Fachzeitschriften vorbei und muss sich dann auch an deren Regeln halten.

Zweitens wird sich der Abschnitt für psychische Störungen des von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen und für 2018 erwarteten Klassifikationssystems ICD-11 wohl stärker an der nordamerikanischen Vorlage orientieren. Das ICD wird meistens in den Ländern verwendet, die nicht das DSM eingeführt haben. Dabei ist auffällig, dass die amerikanische Psychiatrie überhaupt aus dem internationalen System ausbricht und ihr eigenes Handbuch herausgibt.

Das ist zwar nicht die einzige Ausnahme im gesamten Bereich der Medizin, doch eine von wenigen. Wie schon im ersten Teil berichtet, verdient die Vereinigung Millionen mit den Urheber- und Lizenzrechten; und ihr kommt eine besondere Definitionsmacht zu. Wer jedoch denkt, bei der Alternative der Weltgesundheitsorganisation seien alle Länder gleichmäßiger vertreten, der wird leider enttäuscht: Auch bei der Vorbereitung des ICD-11 dominieren Fachleute aus Großbritannien und den USA.

mehr:
- Wenn es ums Geld geht (Stephan Schleim, Telepolis, 19.02.2018)

siehe auch:
- Wissenschaft: frei oder nicht frei? (Post, 05.10.2017)
- Das neoliberale Narrativ: Wir sind verkehrt! (Post, 05.10.2016)
Ist die Psychopharmakologie verrückt geworden? – Kapitalismus-infizierte Wissenschaft (Post, 31.01.2016)


Donnerstag, 15. Februar 2018

Meditation: Mehr Handwerkszeug

Bei etwas schwierigeren emotionalen Zuständen finden es manche hilfreich, sich wieder im Gewahrsein des Körpers niederzulassen und achtsam zu spüren, wie sich diese Gefühle und emotionalen Zustände im Körper anfühlen. Es fällt uns leichter, uns nicht in der Geschichte, im Drama, zu verlieren, wenn wir im Körper verankert sind. Wenn wir die Erfahrung im Körper spüren, bedeutet dies, dass wir sie zugelassen haben. 
Manchmal besteht die Gefahr, dass wir zwar irgendwie wahrnehmen, was läuft, aber das Gewahrsein dazu benutzen, die Erfahrung nicht zuzulassen. Das kann zwar meditativ und befreiend anmuten, ist es aber nicht. Es ist eine Art von Verdrängung. Wenn ihr mit Vipassanā und Mahāmudrā experimentiert, dann schaut, ob ihr die Achtsamkeit dazu missbraucht, die unerwünschte Erfahrung zu verdrängen – eher die Vipassanā-Fehlvariante, oder ob ihr euch in ein eher abgehobenes Gewahrsein begebt, das nicht mehr in Kontakt mit der eigentlichen Erfahrung ist – eher die Mahāmudrā- Fehlvariante. 
Seid so weit wie möglich gewahr und präsent, genau mit dem, was die Erfahrung jetzt ist, ohne etwas dazu zu tun, ohne etwas davon wegzunehmen, ohne sie loswerden zu wollen, ohne euch darin zu verlieren, zu vergessen, zu verstricken. Seid präsent und nicht-eingreifend, so dass mehr und mehr offensichtlich werden kann, wie all die Erfahrungen von selbst kommen und gehen, entstehen und verschwinden – seit jeher. Da ist nichts, was wir dazutun müssen und nichts, was wir wegnehmen müssen. Es ist dieser phänomenale Tanz der Erfahrung. 
Gelassenheit besteht darin, wirklich willens und fähig zu sein, die ganze Skala der Erfahrungen zuzulassen, zu spüren, ohne davon hinund hergezerrt zu werden, ohne sich ständig im Drama zu verlieren, aber auch ohne abzuhängen und aus dem Kontakt und der Verbundenheit mit der Erfahrung zu fliehen. Gelassenheit, wie wir sie hier verstehen, und Gleichgültigkeit mögen zwar manchmal ähnlich aussehen, der Unterschied zwischen ihnen ist aber immens. Er besteht im Kontakt. Echte Gelassenheit ist wirklich mit der Erfahrung im Kontakt, sie spürt sie und ist mit ihr einverstanden, auch wenn sie unangenehm, schwierig oder unerwünscht ist. Echte Gelassenheit verliert sich nicht in der Erfahrung, auch wenn sie fantastisch, angenehm und erwünscht ist. Gelassenheit ist die Fähigkeit, alle Gipfel und Täler des Erlebens voll und ganz mitzuerleben, ohne davon überwältigt zu werden. 
Sobald wir aus dem Kontakt herausgehen und Meditation benutzen, um die momentane Erfahrung nicht zu spüren, entstehen Gleichgültigkeit oder Teilnahmslosigkeit – eindeutig keine heilsamen Geisteszustände. Eine ähnliche Situation liegt vor, wenn wir auf abgehobene Weise im offenen Gewahrsein ruhen, fern von den körperlichen und emotionalen Erfahrungen. 
Wir lassen uns also interessiert und wach nieder im Erleben der Körperempfindungen, der anderen Sinneserfahrungen, der Gefühle, Emotionen oder Geisteszustände. Was immer im Geist entsteht und vergeht: Nichts muss eine Ablenkung sein, denn alles hat Platz im Raum des achtsamen Gewahrseins. Jedes Mal wenn wir aus dem Verlorensein aufwachen, entsteht ein neuer, wertvoller Moment, in dem wir wieder präsent sein können, unverstrickt und zugleich voll und ganz im Kontakt mit dem Erleben von Moment zu Moment.