Mittwoch, 16. Dezember 2015

Homosexualität: »Lebensläufe wie meiner sollten sich nicht wiederholen.«

Sein Rücken schmerzt, das Gehen fällt ihm zunehmend schwer, Manfred Bruns bewegt sich nur noch mit vorsichtigen Schritten durch seine Wohnung. Vor dem Fenster liegt ein Buch über die richtige Art zu trauern, auf der Kommode stehen auf einer Häkeldecke Fotos seiner Enkelkinder. Rentneralltag in Karlsruhe.

Aber der frühere Bundesanwalt will sich nicht beschweren. "Ich habe ja das Glück gehabt, dass mein Leben auf das Ende hin immer besser geworden ist", sagt Bruns. Er wohnt jetzt seit 23 Jahren mit seinem Partner zusammen. "Es waren die glücklichsten Jahre meines Lebens." Und er hält gute Kontakte zu seiner Frau, die er vor mehr als 50 Jahren geheiratet hat - Anfang der Achtzigerjahre hat er ihr von seiner Homosexualität erzählt. "Ich habe ja auch noch das Glück, dass ich mit meiner Familie im besten Einvernehmen lebe."

Wer wen heiraten darf - oder eben nicht, diese Frage ist für Bruns zum Lebensthema geworden. Seit bald 30 Jahren kämpft er für die Rechte homosexueller Paare, damit sich Schicksale wie seines nicht in jeder Generation wiederholen: die Unsicherheit und die Ängste, die Verletzungen und Brüche, die er als Heranwachsender erlebte, als Familienvater und in seinem Job als Bundesanwalt.

mehr:
- Kampf für die Homo-Ehe "Das wollen wir auch" (Frank Hornig, SPON, 15.12.2015)

Verfolgung Homosexueller in Deutschland:

Veröffentlicht am 05.06.2014
05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben. 05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben. 05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben.
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:

Multimediaspezial §175,
Fünf Jahre später rechtfertigte 1962 der unter Konrad Adenauer vorgelegte Regierungsentwurf eines Strafgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland[19] – entgegen dem Vorschlag der Großen Strafrechtskommission von 1959 (wo Vertreter von CDU/CSU selten anwesend waren)[20] – die Aufrechterhaltung des § 175 wie folgt:
„Vor allem stände auch für die Homosexuellen nichts im Wege, ihre nähere Umgebung durch Zusammenleben in eheähnlichen Verhältnissen zu belästigen.[21] […] Ausgeprägter als in anderen Bereichen hat die Rechtsordnung gegenüber der männlichen Homosexualität die Aufgabe, durch die sittenbildende Kraft des Strafgesetzes einen Damm gegen die Ausbreitung eines lasterhaften Treibens zu errichten, das, wenn es um sich griffe, eine schwere Gefahr für eine gesunde und natürliche Lebensordnung im Volke bedeuten würde.“[22]
und meinte weiterhin:
„Die von interessierten Kreisen in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgestellte Behauptung, dass es sich bei dem gleichgeschlechtlichen Verkehr um einen natürlichen und deshalb nicht anstößigen Trieb handele, kann nur als Zweckbehauptung zurückgewiesen werden. […] Wo die gleichgeschlechtliche Unzucht um sich gegriffen und großen Umfang angenommen hat, war die Entartung des Volkes und der Verfall seiner sittlichen Kraft die Folge.“[23] (§ 175, Entwicklung in der alten Bundesrepublik, Wikipedia)

Dienstag, 15. Dezember 2015

Stigma – das »Sahnehäubchen« auf dem Trauma

I had a reminder recently of the stigma facing those dealing with trauma related to childhood abuse. I have encountered this before of course, perhaps vicariously, during my 20 plus years in the trauma treatment trenches. As a psychologist specializing in treating trauma I am well aware that many people do not want to be reminded of the less than pleasant aspects of life. Even mentioning what I do for a living can get me interesting responses, or sometimes just shut down the conversation altogether.
mehr:
- Trauma Stigma: We Are Only As Sick As Our Secrets (Kathleen Young, DrKathleenYoung, 18.08.2009, Hervorhebungen von mir)
The pervasiveness of childhood trauma and its long lasting impact is the big secret and survivors who try to talk about their experiences are shamed and stigmatized. We want to view you as other, an anomaly, not the understandable consequence of a sick society.

My Twitter experience felt very much like a reaction to my telling the truth about these issues our culture wants to disavow. If I as a professional am impacted, imagine how much more so this stigma impacts survivors, I was reminded. The silencing, minimizing and blaming that can occur when a survivor tries to tell their story is a whole other level of traumatization.

This experience reminded me that visibility and conversation about trauma-related topics is crucial. It is why I see blogging and using social media to be an important part of my work as a trauma therapist. By speaking out about trauma and its impact I hope to support those who must live with it and to educate those who do not yet understand. […]
Realize that nature vs. nurture is a false dichotomy. Our environment (how we are nurtured) effects our brain chemistry. “Chemical imbalances” as the cause of psychological problems rarely exist in a vacuum.
siehe auch:
- EMDR - Ein Weg aus dem Trauma mit dem Primärziel der Belastungs-Senkung (Inzest und sexueller Missbrauch: UTUs Texte)

siehe auch:
- Stigmatisierung (Wikipedia)
Zur Stigmatisierung gedacht waren ursprünglich echte Leibesstrafen zum Zweck der öffentlichen Ächtung, wie bis in die Neuzeit hinein das Scheren der Haare (für Hurerei) oder des Bartes oder das Abschneiden der Ohren (für Ehrverlust), heute noch manchenorts im Rechtskreis der Scharia das Abschlagen einer Hand (für Diebstahl). In Frankreich wurden Galeerensträflinge oder Deportierte mit der französischen Lilie lebenslang gebrandmarkt. Ein bekanntes Beispiel des 20. Jahrhunderts war während der Zeit des Nationalsozialismus die Kennzeichnung von Häftlingen in mehreren Konzentrationslagern durch Eintätowierung einer Häftlingsnummer auf dem linken Arm.
Das soziale Stigma als Brandmal kennzeichnet somit ein Auffälligkeitsmerkmal, das als Ausdruck der Abwertung Einzelner oder von Gruppen Ursache und Folge sozialer Randständigkeit sein kann.
Daher sind in der Regel sogenannte Randgruppen betroffen, die gemeinsame, negativ bewertete Merkmale haben, durch die sie von anderen Mitgliedern der Gesellschaft unterschieden werden (siehe auch VorurteilKlischee). Daraus ergibt sich ein Teufelskreis: Randgruppen werden stigmatisiert, Stigmatisierung führt zu Ausgrenzung und Randgruppenbildung.
Patrick Stewart's Father Unknowingly Suffered From Shell Shock - Who Do You Think You Are [4:07]

Veröffentlicht am 10.02.2014
Patrick Stewart is presented with a newspaper article from the very newspaper he would be working for as a junior reporter 15 years later. The article explains his fathers return from Cherbourg of which he is titled 'Sergeant' Alfred Stewart. As well as his new rank Patrick soon learns about his father's acquired shell shock. This intrigues Patrick as to the impact shell shock might have had on his father's domestic life. 

Subscribe to the Who Do You Think You Are? channel for weekly updates and more: http://www.youtube.com/channel/UCC615...

siehe auch »Kriegszitterer« (Post vom 26.09.2012)

Sonntag, 13. Dezember 2015

Wozu brauchen wir eigentlich Führung?

Gute Frage. Denn aktuell sieht es rund um das Thema Führung in vielen Unternehmen nicht besonders rosig aus. "Mein Chef kotzt mich an.", "Mein Chef nervt!", "Der mischt sich immer und überall ein - obwohl er keine Ahnung hat.", "Der interessiert sich nur für seine eigenen Zahlen, nicht aber für meine Weiterbildung." Wollmilchsau hat hierzu einen provokativ guten Beitrag verfasst "Darf ich vorstellen: Unser Feelbad Manager." Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland fühlt sich durch seinen Chef mehr demotiviert als motiviert. Hier mal ein kurzer Podcast zum Thema. Besonders junge Leute stehen dem Thema Führung etwas skeptisch gegenüber: sie wollen sich nicht führen lassen und haben selbst auch keine Lust auf Führung (zumindest wird uns das recht häufig nachgesagt). Statt uns dafür zu verurteilen, ist es doch viel spannender, zu verstehen, was sich hinter dieser Skepsis möglicherweise verbirgt.
mehr:
- Wozu brauchen wir eigentlich Führung? (Steffi Burkhart, Huffington Post, 26.06.2014)

Generation Y trifft Handel und Industrie [16:02]

Veröffentlicht am 10.03.2015
Key-Note von Steffi Burkhart zu den Ansprüchen der Generation Y an die Arbeitswelt auf der Verleihung des Wissenschaftspreises 2015 von EHI Stiftung und GS1 Germany
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GEDANKENtanken: Dr. Steffi Burkhart mit "Generation Y – Moderne Ansprüche an die Arbeitswelt" [24:03]

Veröffentlicht am 11.08.2014
Wer auch mal bei unseren Events & Rednernächten dabei sein will, wir touren deutschlandweit! Alle Termine, Infos & Tickets hier: http://www.gedankentanken.com/events

Wie die neue Generation wirkich tickt, welche Potenziale in ihr stecken, welche Forderungen sie an Arbeitswelt und Führung stellt und wie Sie sie ans Unternehmen binden und langfristig halten können, erklärt Steffi Burkhart uns genau. Sie ist Seminarentwicklerin und Akademie-Leiterin bei GEDANKENtanken, erfolgreiche Autorin und Bloggerin, u.a. Projekt “Generation Why – How we see the world” und Gastbloggerin bei Huffington Post Deutschland.  http://www.generation-why.org
__________________________

Die GEDANKENtanken-Experten gehören zu den besten Ihres Fachs und bieten Ihnen praktisches, aktuelles und wichtiges Wissen, Ideen und Impulse zu den Themen Gedächtnistraining, Führung, Psychologie, Vertrieb, Kreativität, Motivation, Kommunikation, und vieles mehr. Das alles unterhaltsam präsentiert, damit Sie gerne dazulernen und garantiert Erfolg haben.

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NEU: Werden Sie selbst Trainer! Ab Oktober 2014 im einsemestrigen Studiengang zum Management Trainer: http://www.gedankentanken.com/akademi...

siehe auch:
- Beitrag 55: Menschen brauchen Führung (Alexander von Lützow, Siemann Personalentwicklung, Datum unbekannt)
- Brauchen wir Führung? Gespräche mit Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kunst, Kirche, Sport und Militär (Rolf van Dick, Goethe-Universität Frankfurt, 2013, PDF)
- Warum wir weder “Erziehung” noch “Führung” brauchen … (Martin Bartonitz, Faszination Mensch, 19.02.2015)
- Die 6 größten Illusionen, die uns in der Matrix gefangen halten (Martin Bartonitz, Faszination Mensch, 11.04.2015)

Samstag, 12. Dezember 2015

Kindern helfen, die am Leben verzweifeln

Lena sitzt mit dem Rücken zur Tür, schaut reglos aus dem Fenster. Draußen grauer Novemberbrei. Ihre Arme hängen schlapp herunter, wenn man sie anspricht, reagiert sie nicht, Kopfhörer stecken in ihren Ohrmuscheln. Sie hat noch nichts gesagt, aber ihre Düsterkeit wirkt niederdrückend, als entweiche allen Gegenständen in ihrer Nähe die Farbe. Wann genau es angefangen hat, weiß sie nicht mehr. Vor zwei, drei Jahren dachte sie zum ersten Mal daran, sich umzubringen, malte sich aus, wie sie sich tötet. Erzählt hat sie es niemandem, bis sie solche Kopfschmerzen bekam, dass ihre Eltern sie zum Arzt brachten. Die Ärzte glaubten an einen Hirntumor, aber sie konnten nichts finden. Als alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen waren, blieb nur noch die Seele. Lena ging das erste Mal zum Psychologen. Mit 15.

Die Gespräche halfen ihr, aber sie dachte weiter darüber nach, wie sie sich das Leben nehmen könnte. Und sie kotzte nach jedem Essen, um schlank zu bleiben. An einem Mittwoch im Oktober vor einem Jahr sah ihr Vater den Fettfilm in der Toilette, der zurückbleibt, nachdem man sich übergeben hat. "Lena, willst du tot sein?", fragte er seine Tochter. "Ja", antwortete Lena. Ihre Therapeutin hatte ihr geraten, sie solle einen Stein auf den Tisch legen, wenn es nicht mehr gehe. Der Stein als Sinnbild für das In-sich-verschlossen-Sein. Lena hätte das nie getan, also legte ihr Vater den Stein für sie auf den Tisch und brachte sie in die Jugendpsychiatrie nach Eberswalde, Brandenburg. An jenem Mittwoch um 18.15 Uhr kommt Lena auf die Akutstation J2 des Martin Gropius Krankenhauses. Sie hat sich die Uhrzeit gemerkt, als Markierung einer neuen Zeitrechnung, der Eintritt in die Jugendpsychiatrie.

Von außen betrachtet, erscheint bei Lena alles gut: Sie geht auf ein Gymnasium, ist hübsch, ihre Eltern arbeiten als Beamte im gehobenen Dienst. Sie haben sie nicht vernachlässigt oder geschlagen, sie kümmern sich um sie. "In die Klapper wollte ich nie", sagt Lena. Und nun hockt sie im November 2014 in der Jugendpsychiatrie auf ihrem Bett, roter PVC-Boden, die gelben Wände sind kahl, sie kann keine Bilder aufhängen, alles, was spitz ist, ist verboten – Nägel, Stecknadeln, Reißzwecken. Sie trägt die dunklen Haare hochgesteckt, enge Hosen, ihre langen Fingernägel sind orange lackiert. Ein Teenager in der Pubertät. Auf Fragen antwortet sie höflich, doch ihr Blick bleibt abwesend, als laufe in ihren Gedanken ein ganz anderes Programm.

mehr:
- Jugendpsychiatrie – Heile Welt (Jana Simon, ZEIT-Magazin, 11.12.2015)
Von außen betrachtet, erscheint bei Lena alles gut: Sie geht auf ein Gymnasium, ist hübsch, ihre Eltern arbeiten als Beamte im gehobenen Dienst. Sie haben sie nicht vernachlässigt oder geschlagen, sie kümmern sich um sie. […] Und Lena fragt sich nun jeden Tag: "Was stimmt nur nicht mit mir?" […] Die Jugendlichen sprechen am Tisch kaum miteinander. Die gesammelte Traurigkeit legt sich wie ein Schatten auf die Brust, nimmt den Atem. Wenn man Lena und die anderen fragt, wie es ihnen geht, antworten trotzdem alle: "Gut!" […] Lena sagt: "Ich fühle mich hier beschützt vor allem." Drinnen, wie sie die Jugendpsychiatrie nennt, denke sie nicht so oft an Selbstmord. Draußen, sagt sie, erdrückten die Eltern sie mit ihrer Liebe. […] Jedes Wochenende fährt Lena nach Hause. Der Sonnabend fängt gut an, aber am Sonntag sehnt sie sich zurück in die Klinik. Sie kann dann nicht aufhören, daran zu denken, wie sie sich etwas antut, sitzt fest im Gedankensumpf, fügt sich selbst Schmerz zu. Wenn Lena vom Ritzen erzählt, verändert sich ihre Körpersprache. Sie richtet sich auf, ihre Stimme wird weich, klingt verzückt: "Das ist ein unglaublich schönes Gefühl, dieses warme Blut auf deiner Haut. Früher tat es weh, aber für einen Moment nimmt es dir so viel Last."
 mein Kommentar:
Last? Welche Last? Wo sollte es in einer Familie, in der sich das Kind durch die elterliche Liebe erdrückt fühlt, eine Last geben? Hört denn keiner zu? 



Freitag, 11. Dezember 2015

Von der Kunst, zerstreut zu sein

Wenn von den angeblich bedrohlichen Auswirkungen durch Massenmedien, Digitalisierung und Internet die Rede ist, dann geht es oft um die fehlende Balance zwischen Aufmerksamkeit und Zerstreuung. Die Flut an unterschiedlichen Informationen, die auf uns einstürmen, die Hyperlink-Struktur, die uns schnell von einem zum nächsten klicken lässt, zerstöre unsere Fähigkeit, aufmerksam zu sein, heißt es dann, und bald könne niemand mehr längere Texte lesen. Wir werden immer zerstreuter.
mehr:
- Von der Kunst, zerstreut zu sein (Christian Möller, Buchvorstellung, Deutschlandfunk, 29.03.2014)

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Rosemarys Schicksal

Nicht einmal das FBI wusste, wo sie ist: Ein französischer Journalist hat sich auf die Suche gemacht - und das Leben der behinderten Schwester von John F. Kennedy minutiös rekonstruiert.
Es ist um die Mittagszeit an einem sonnigen Herbsttag 1975 in Chicago, als der Reporter Peter Nolan einen Hinweis erhält: Rosemary Kennedy wird vermisst. Die geistig behinderte Schwester des ermordeten Präsidenten JFK ist nach dem sonntäglichen Kirchgang verschwunden, ihre jüngere Schwester Eunice hat es soeben der Polizei gemeldet.

Nolan springt mit einem Kameramann aus dem Büro, in der Hoffnung ein paar Aufnahmen mit Seltenheitswert zu drehen, seit Jahrzehnten hat niemand mehr Rosemary gesehen. Fünf Stunden lang suchen die Polizei und der Reporter, jeder für sich, die Vermisste. Nolan wird sie als Erster entdecken: an der Ecke Monroe Street und Michigan Avenue, vor einem Schaufenster. Der Reporter hat kaum Zeit, Bilder zu machen, denn wenig später sind Polizisten zur Stelle und nehmen Rosemary mit.

Von seiner Begegnung mit Rosemary Kennedy hat Nolan dem französischen Journalisten Pierre Pratabuy erzählt. Fasziniert von der Geschichte hatte sich Pratabuy 2005, nach Rosemarys Tod, auf Spurensuche gemacht, Zeugen kontaktiert und Archive aufgesucht. Minutiös hat er das Leben der Kennedy-Schwester rekonstruiert und jetzt für die französische Kulturzeitschrift XXI aufgeschrieben - und dabei einige überraschende Details ans Licht gebracht.

mehr:
- Die verschwundene Kennedy-Schwester – Das Mädchen Rosemary (Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010)


Dienstag, 8. Dezember 2015

Nietzsches Kindheit

Frühe Kindheit (NietzscheSpuren)
Friedrich Nietzsche. Lebensstationen in Mitteldeutschland (1) – 1844-1849: Kindheit in Röcken (Klaus Horn, Perspictuitas)
Der junge Nietzsche ( Helmut Walther (Nürnberg), überarbeitete und erweiterte Fassung eines Vortrages vom 08.05.2002 vor der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg)
Der Vater wird als sehr begabt und pflichtbewußt geschildert; auch war er sehr musikalisch und spielte ausgezeichnet Klavier, insbesondere in freier Improvisation; dieses Erbteil hat sein Sohn offenbar von ihm mitbekommen, der den Vater schon als einjähriges Kind bewußt am Klavier hörte, was ihm zeitlebens unvergeßlich blieb. Die Mutter Franziska, die gerade noch mit Puppen gespielt hatte, soll ein "Wildfang" und dabei sehr hübsch gewesen sein – so hatte sie den bereits gesetzten und etwas förmlichen, in familiäre und berufliche Pflichten eingebundenen Karl Ludwig sogleich unwiderstehlich angezogen. […] schildert der Vater in einem Brief 1846 (Friedrich war also gerade mal zwei Jahre alt!): "Bruder Fritz ist ein wilder Knabe, den manchmal allein der Papa noch zur Raison bringt, sintemalen von diesem die Ruthe nicht fern ist; allein jetzt hilft ein Anderer mächtiger miterziehen, denn das ist der liebe heilige Christ, welcher auch bei dem kleinen Fritz schon Kopf und Herz ganz eingenommen hat, daß er von nichts Anderem sprechen und hören will als vom >heile Kist!<"(11)
Nach dem Tod des Vaters 1849 und des jüngeren Bruders Ludwig Joseph (1848–1850) zog die Familie nach Naumburg. Der spätere Justizrat Bernhard Dächsel wurde formal zum Vormund der Geschwister Friedrich und Elisabeth bestellt. Von 1850 bis 1856 lebte Nietzsche im „Naumburger Frauenhaushalt“, das heißt zusammen mit Mutter, Schwester, Großmutter, zwei unverheirateten Tanten väterlicherseits und dem Dienstmädchen.  [Friedrich Nietzsche, Jugend (1844–1869), Wikipedia], Wikipedia-Absatz zur Aufrechterhaltung des zeitlichen Ablaufs von mir eingefügt]
[der Doktor] ... hatte ein gr. Pläsier an dem kräftigen Knaben, als er aber nach den Jahren noch nicht sprechen konnte, sagte ich so beiläufig einmal zu ihm ‚nur daß er noch nicht sprechen will‘, darauf sagte er ‚ja sie geben zu sehr auf seine Zeichen acht wie er seinem Willen ausdruck giebt‘ u. so that ich dies von da an nicht mehr." ... "Kurz die Biographie ist ‚Wahrheit u. Dichtung‘".(8) Die Schwester schildert ihn jedenfalls als "sehr leidenschaftlich, was er aber später nicht gern hörte, da er der Nietzsche’schen Familientradition gemäß sich früh zu beherrschen lernte."(9) Nun, diese "Selbstbeherrschung" fällt nicht vom Himmel; im Pfarrhaus gab es verschiedene "Beruhigungsmittel" für das leidenschaftliche, aber noch "sprachlose" Kind: Schrie es aus unbestimmten Gründen, wurde der Vater zum "Musikmachen" gebeten, und sogleich wurde "Fritzchen mäuschenstill, setzte sich aufrecht in seinem kleinen Wagen und verwandte kein Auge von dem Spielenden."(10)

Schleichender Irrsinn (SPIEGEL, 11.07.1983)
Nietzsches Krankheit: Genie und Wahnsinn (Deutsches Ärzteblatt, 11.06.2008)
Berühmte psychisch kranke Persönlichkeiten (Kompetenznetz Schizophrenie, 16.04.2013)
Genie, Irrsinn und Ruhm, Band 7 – Die Philosophen und Denker (Lange-Eichbaum, Kurth, gekürzt, f-nietzsche.de)
Störung der Explikation (2. Wurzel) (aus Moldzio, Schizophrenie, eine philosophische Erkrankung?, S. 132, googlebooks)
Wissen und Bewältigung – Grundkurs Psychose (Lampert, Psychiatrie-Dienste Süd, PDF-Version einer PowerPoint-Präsentation)

Nietzsches Kindheit 1/3: Die Bösen sind die Guten (Alice Miller) [10:25]

Veröffentlicht am 22.07.2015

Nietzsches Kindheit - wie lebte Friedrich Nietzsche, was waren seine prägenden Einflüsse? Psychoanalyse eines Genies - Lebenslinien und Werkvergleich

Philosophie konkret: Nietzsche und die Psychoanalyse - Hat Alice Miller Recht? [11:13]

Veröffentlicht am 24.07.2015
Philosophin Claudia Simone Dorchain über Alices Millers Versuch, Nietzsches Werk "Der Antichrist" in psychoanalytischer Manier aus prägenden Erlebnissen seiner frühen Kindheit abzuleiten.

Dorchain ist der Ansicht, dass die Psychoanalyse zu ehrgeizig und grundlos zu selbstgewiss ist im Verkünden vermeintlicher Herleitungen von Werkinhalten aus biographischen Lebenslinien. Nietzsches Werk sei keinesfalls auf frühkindliche Prägungen zurückzuführen im Sinn einer Erklärung desselben.

Nietzsches Hass auf Theologen und das Christentum im Allgemeinen sei mehr als eine zornige Reflektion seiner frühen Lebensbedingungen, sei auch ein Hass auf alles, was er als "Unnatur" empfindet. Seine Frage lautet: warum definiert sein Zeitalter, das späte 19. Jahrhundert, soviel Unnatur - Heuchelei, Doppelmoral, Verleugnung des Körpers, Prüderie - als guten Ton?

Als einen Urheber der gesellschaftlichen Heuchelei entlarve Nietzsche das Christentum, insbesondere in seiner asketisch-bigotten Form ausgelegt. Doch seine Religionskritik ginge weiter als Institutionenkritik, er verstünde sich als Zerstörer im Geiste eines aufgeklärten Humanismus - und zuletzt sei Nietzsche stets größer als seine Interpretatoren, insbesondere die psychoanalytischen.
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mein Kommentar: 
Hergottnochmal, was soll denn dieses überhöhende Geschwurbel: zuletzt sei Nietzsche stets größer als seine Interpetatoren? Wird das von irgendjemandem infrage gestellt?