Samstag, 21. Februar 2015

Es ist die passive Gewalt, die Öl in das Feuer der körperlichen Gewalt gießt.

Vorwort zur amerikanischen Neuauflage
Als Farbiger in den 40er Jahren im Südafrika der Apartheid aufzuwachsen, war nicht gerade das, was man sich am meisten wünscht, denn es verging täglich kaum ein Augenblick, in dem man nicht an die eigene Hautfarbe erinnert wurde. Darüber hinaus ist es eine demütigende Erfahrung, wenn man im Alter von zehn Jahren erst von weißen Jugendlichen verprügelt wird, weil sie einen für zu schwarz halten, und dann von schwarzen Jugendlichen, weil sie einen für zu weiß halten: Das kann jeden in rachsüchtige Gewalttätigkeit treiben.
Diese Erlebnisse brachten mich so in Rage, daß meine Eltern beschlossen, mich nach Indien zu schicken und mich bei meinem Großvater, dem legendären Mahatma Gandhi zu lassen, damit ich von ihm lerne, wie ich mit dem Ärger, der Frustration, der Diskriminierung und der Demütigung umgehen kann, die gewalttätige Rassenvorurteile in einem Menschen heraufbeschwören können. Während dieser 18 Monate lernte ich mehr, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Heute bedaure ich nur, daß ich erst 13 Jahre alt und ein mitelmäßiger Schüler in diesem Fach war. Wäre ich doch nur etwas älter, etwas klüger und etwas aufmerksamer gewesen, dann hätte ich so viel mehr lernen können. Aber man muß zufrieden sein mit dem, was man hat, und keinen Neid aufkommen lassen - eine grundlegende Lektion im gewaltlosen Leben. Wie kann ich das vergessen?
Unter vielen Dingen lernte ich von meinem Großvater, die Gewaltlosigkeit in ihre Tiefe und Breite zu verstehen und anzuerkennen, daß wir alle gewalttätig sind und dass es darum geht, unsere Einstellungen grundlegend zu ändern. Wir sehen unsere eigene Gewalttätigkeit oft nicht, weil wir sie ignorieren. Wir halten uns nicht für gewalttätig, weil wir uns unter Gewalt einen Kampf, einen Mord, eine Schlägerei und Kriege vorstellen - alles Dinge, die „normale“ Menschen „normalerweise“ nicht tun.
Mein Großvater ließ mich einen Stammbaum der Gewalttätigkeit zeichnen, der genauso wie ein Familien-Stammbaum aufgebaut war. Sein Argument dafür war, daß ich zu einer besseren Wertschätzung der Gewaltlosigkeit kommen könnte, wenn ich die Gewalt, die in der Welt existiert, wahrnehme und verstehe. Jeden Abend half er mir, die Geschehnisse des Tages zu analysieren - alles, was ich erlebt oder gelesen hatte, was ich gesehen oder anderen angetan hatte. Das wurde dann in den Baum eingetragen, entweder unter körperlich" (wenn es sich um körperliche Gewalt handelte) oder unter passiv" (wenn es eher eine emotionale Verletzung war).
Innerhalb weniger Monate war eine Wand in meinem Zimmer bedeckt mit Handlungen von passiver Gewalt, die mein Großvater als heimtückischer erachtete als „körperliche Gewalt. Er erklärte dann, daß passive Gewalt letztendlich Ärger im Opfer erzeugt, das daraufhin gewalttätig reagiert, sei es als Individuum oder in einer Gruppe. Mit anderen Worten: Es ist die passive Gewalt, die Öl in das Feuer der körperlichen Gewalt gießt. Weil wir diesen Zusammenhang nicht verstehen oder ihn nicht anerkennen, tragen alle unsere Friedensbemühungen entweder keine Früchte, oder sie sind von kurzer Dauer. Wie können wir ein Feuer löschen, wenn wir nicht zuerst die Ölleitung kappen, die das Inferno entzündet?
Großvater betonte immer lautstark, wie wichtig es ist, gewaltfrei zu kommunizieren – das verwirklicht Marshall Rosenberg seit vielen Jahren auf bewundernswerte Weise in seinen Schriften und in seinen Seminaren. Mit großem Interesse habe ich Mr. Rosenbergs Buch Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens gelesen, und ich bin beeindruckt von der Tiefe seiner Arbeit und von der Einfachheit seiner Lösungswege.
Gewaltlosigkeit ist keine Strategie, die man heute anwendet und morgen wieder fallen läßt, und sie ist auch nichts, das einen klein oder schwach macht. In der Gewaltlosigkeit geht es darum, negative Einstellungen, die uns beherrschen, in positive Einstellungen umzuwandeln. Alles, was wir tun, geschieht aus selbstsüchtigen Motiven heraus, so sind wir konditioniert. „Was springt für mich dabei heraus?“das wird in einer überwältigend materialistisch orientierten Gesellschaft gefördert, die sich den verbissenen Individualismus auf die Fahnen geschrieben hat. Keine dieser negativen Vorstellungen ist für den Aufbau einer homogenen Familie, Gemeinde, Gesellschaft oder Nation nützlich.
Es kommt nicht darauf an, daß wir in Krisen zusammenstehen und unseren Patriotismus mit dem Hissen einer Flagge zum Ausdruck bringen; es reicht nicht, eine Supermacht zu werden, die sich ein Waffenarsenal anlegt, mit dem diese Erde vielfach zerstört werden kann; es ist nicht genug, uns den Rest der Welt durch unsere militärische Macht zu unterwerfen, denn Frieden kann nicht auf Angst aufgebaut werden.
Gewaltlosigkeit heißt, daß wir dem Positiven in uns Raum geben. Lassen wir uns lieber von Liebe, Respekt, Verständnis, Wertschätzung, Mitgefühl und Fürsorge für andere leiten als von den selbstbezogenen und selbstsüchtigen, neidischen, haßerfüllten, mit Vorurteilen beladenen, mißtrauischen und aggressiven Einstellungen, die unser Denken für gewöhnlich dominieren. Wir hören oft, daß Menschen sagen: „Diese Welt ist rücksichtslos, und wenn man überleben will, muß man eben auch rücksichtslos sein.“ Da bin ich ganz bescheiden anderer Meinung.
Die Welt ist das, was wir aus ihr gemacht haben. Wenn sie heutzutage rücksichtslos ist, dann liegt es daran, daß wir sie durch unsere Einstellungen rücksichtslos gemacht haben. Ändern wir uns selbst, dann können wir die Welt ändern. Und eine Veränderung unserer selbst beginnt mit einer Veränderung unserer Sprache und unserer Art, zu kommunizieren. Ich lege Ihnen sehr ans Herz, dieses Buch zu lesen und den Prozeß der Gewaltfreien Kommunikation, der darin dargestellt wird, anzuwenden. Das ist ein bedeutender erster Schritt zur Veränderung unserer Kommunikation und zur Schaffung einer einfühlsamen Welt.
Arun Gandhi Gründer und Präsident des M.K. Gandhi-Instituts für Gewaltlosigkeit im Vorwort zu Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation
(Hervorhebungen von mir)
siehe auch:

Montag, 16. Februar 2015

Marshall Rosenberg: Die Warum-Frage ist eine der gewalttätigsten Fragen

Marshall B. Rosenberg - How do you talk to yourself about making mistakes [19:40]

Veröffentlicht am 11.01.2013

siehe auch:
- Eine Hommage an Marshall B. Rosenberg (Post, 15.02.2015)

Sonntag, 15. Februar 2015

Eine Hommage an Marshall B. Rosenberg

Vor wenigen Tag verstarb Marshall B. Rosenberg. Leider bin ich wieder zu spät damit, das Gute zu würdigen, so lange es noch da ist. Menschen mit seiner Ausstrahlung machen das Leben auf diesem Planeten erträglicher.
Einige Zitate aus einem Interview mit Marshall Rosenberg:
- Eine Sprache des Mitgefühls (Leseprobe Arbor-Verlag, PDF)

Die gewaltfreie Kommunikation sagt: Werde gut darin, zwei Dinge auszudrücken: Was in dir los ist und was dein Leben schöner machen würde. Lerne nur dies zu sagen, ohne Kritik und ohne Forderungen. Sag’ einfach nur, was in dir lebendig ist, in anderen Worten, wie es dir geht, und was dein Leben wunderbar machen würde. Und egal, was andere sagen, höre nur, was in ihnen lebendig ist und was ihr Leben wunderbar machen würde.
Marshall Rosenberg Tribute 1934 - 2015 {3:45}
Veröffentlicht am 11.02.2015
Marshall Rosenberg Founder of Nonviolent Communication died on the 7th of February 2015 in Albuquerque New Mexico at home with his family, from prostate cancer.
This is a short tribute video to Marshall, his loved ones and everyone who's gotten to know him over the years from the work that he did. I hope NVC will continue to help others make life more enjoyable on the planet, as it did mine. You will be missed! Thank you Marshall. Love to you and all those who supported the message you shared with us.
- Leehamster.com

Marshall Rosenberg: Liebest du mich? {7:33}

Hochgeladen am 20.02.2011
Das Dialog-Team München (http://www.dialog-herold.de) stellt Ihnen dieses Video mit freundlicher Genehmigung des Auditorium Netzwerk (http://www.auditorium-netzwerk.de) bereit.
siehe dazu auch:
Wie Liebe entsteht… (Post, 14.02.2015)
Liebe ist … (Post, 01.04.2008)
- Fünf Sprachen der Liebe (Wikipedia)

Empathie - Gehört werden - Marshall Rosenberg und Paula Gloria {2:59}
Hochgeladen am 07.06.2010
Empathie - eins der wichtigsten Erlebnisse in der gewaltfreien Kommunikation und in der Kommunikation überhaupt: Vor ein paar Tagen erhielt ich von Paula Gloria das Originalvideo ihres Interviews mit Marshall Rosenberg aus den USA, um mir für meine Arbeit mit Untertiteln Unterstützung durch gutes Videomaterial zu geben, Vielen Dank noch mal an Paula Gloria. Ich habe mich entschieden, erst einmal eine Reihe von - wie ich finde - bedeutsamen Teilen des Interviews auf Youtube hochzuladen, und mit deutschen Untertiteln zu versehen.
Hier ist das Originalinterview in Paula Glorias Kanal auf youtube zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=YvFeY5...
Mein "GfK Video blog", wo ich von mir untertitelte Videos zur Gewaltfreien Kommunikation veröffentliche ist hier zu finden:
http://gfkvideos.blogspot.com/

Für die meisten Menschen bedeutet Gewalttätigkeit zu versuchen, jemanden körperlich zu verletzen. Für uns bedeutet Gewalttätigkeit auch jegliche Machtausübung auf andere Menschen, es bedeutet, sie zu zwingen zu versuchen, bestimmte Dinge zu tun. Dazu würde jegliche Anwendung von Bestrafung, Beloh- nung, Schuldzuweisung, Beschämung und Verpflichtung gehören. Gewalttätigkeit in diesem weiteren Sinne beinhaltet jede Anwendung von Druck, mit dem wir Menschen zwingen, etwas zu tun. Zu Gewalttätigkeit gehört auch jedes System, das Menschen diskriminiert und gleichen Zugang zu Ressourcen und Gerechtigkeit für alle Menschen verhindert. Mit dieser Definition könnten viele Aspekte unserer Unternehmenskultur, unserer Erziehung, des Sportes und der formalen Ausbildung als gewalttätig betrachtet werden.
John Holt hat ein Buch über Erziehung geschrieben. Es trägt den Titel „Wie Kinder versagen”. Ich lernte John zu seinen Lebzeiten kennen und wir arbeiteten manchmal zusammen. Er sagte: „Wenn wir Kindern das Sprechen beibringen würden, wür- den sie es nie lernen.” Wir benützen weder Belohnung noch Strafe, um Kinder das Sprechen zu lehren. Sie lernen es, weil es ihr Leben bereichert und ihnen Möglichkeiten eröffnet. Warum sollten wir jemals irgendjemandem etwas beibringen wollen, wenn nicht aus diesem Grund? Und wenn es das Leben bereichert, dann braucht man keine Strafen und Belohnungen. Michael Katz schrieb das Buch „Schicht, Bürokratie und die Schulen”. Eine der politischen Funktionen von Schulen besteht darin, Menschen darin zu trainieren, für äußerli- che Belohnungen zu arbeiten. Das Wirtschaftssystem braucht Arbeiter, die Dinge tun, die das Leben vielleicht nicht reicher machen und sogar die Umwelt ver- schmutzen können. Es benötigt gefü- gige Arbeiter, um sich selbst aufrecht- zuerhalten. Schulen tun das, indem sie junge Menschen glauben machen, dass das Ziel darin besteht, gute Noten zu bekommen, also für äußerliche Belohnungen zu arbeiten.
John Holt half mir zu erkennen, dass die Lernumgebung, also die Struktur selbst, so aufgebaut ist, dass sie die Mehrheit der Kinder daran hindert, erfolgreich zu sein. Er half mir zu sehen, dass die Struktur das Problem ist und nicht die Kinder.
 Laut Michael Katz und anderen Forschern wurden Schulen dazu entworfen, Menschen auf ein Leben innerhalb eines sie beherrschenden Systems vorzubereiten, bei dem wenige Menschen von den Mühen vieler profitieren. Seit dem Beginn der öffentlichen Erziehung in den USA existieren dort immer die gleichen Probleme. Circa alle zwanzig Jahre kommen neue Reformer mit neuen Ideen, um sie zu lösen. Sie tragen ihre Erziehungsideen gegen großen Widerstand in die Schulen. Hinsichtlich der Bildungsstandards sind sie sehr erfolgreich. Die Kinder lernen mehr. Das Lernen macht ihnen mehr Spass. Und innerhalb von fünf Jahren sind die Reformprogramme verschwunden. Warum?
Weil die Schulen nie zum Zwecke der Bildung gegründet worden sind. Sie wurden gegründet, um ein Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten, das von den Menschen verlangt, dass sie für äußerliche Belohnungen arbeiten und nicht dafür, dass die Menschen über den Wert dessen, was sie tun, nachdenken. Eines der Dinge, das ich beim Fortgeschrittenenstudium entdeckte, war, wie gefährlich es ist, Psychologie getrennt von sozialen Strukturen zu betrachten und zu glauben, dass Leiden nur dadurch entstünde, dass mit den Menschen etwas nicht stimmt. Deshalb habe ich in unsere Ausbildung Methoden eingebaut, mit denen wir uns von dem frei machen, was wir von diesen unterdrückenden Strukturen verinnerlicht haben, die uns aber auch zeigen, wie wir Strukturen der Dominanz in Strukturen umwandeln, die dem Leben dienen. 
Die Menschen können ihr Denken und ihre Kommunikation verändern. Sie können sich selbst viel respektvoller behandeln und aus ihren Begrenzungen lernen, ohne sich selbst zu hassen. Wir bringen den Menschen bei, wie das geht. Wir zeigen den Menschen einen Prozess, der ihnen helfen kann, zu den ihnen nahe stehenden Personen auf eine Weise in Beziehung zu treten, die es ihnen vielleicht erlaubt, größere Intimität zu genießen, einander mit mehr Freude etwas zu geben und sich nicht darin zu verstricken, Dinge aus Gefühlen von Pflicht, Schuld, Beschämung und anderen, die intime Beziehungen zerstören, zu tun. Wir zeigen den Menschen, wie sie an einem Arbeitsplatz voller Freude zusammenarbeiten können. Wir zei- gen ihnen, wie man Dominanzstrukturen, hierarchische Strukturen, in Arbeitsgemeinschaften umwandelt, in denen die Menschen eine Vision teilen, wie sie zum Leben beitragen können. Und wir finden es aufregend, wie viele Menschen auf der ganzen Welt viel Energie dafür aufbringen, um dies zu verwirklichen. Wir gehen in neue Bereiche und fin- den Menschen vor, die sehen möchten, ob es so funktioniert, wie ich es sage. Unsere Programme gibt es jetzt in ungefähr 30 Ländern. Wir leisten viel Arbeit an Schulen zusammen mit den Eltern, wir arbeiten mit der Poli- zei, dem Militär, medizinischem Personal und Firmen. Es ist erstaunlich, wie effektiv dieser einfache, kleine Prozess ist. Er ist einfach im Hinblick auf seine Struktur; er ist nicht sehr kompliziert, aber er erfordert einen ziemlich großen Paradigmenwechsel bei den eigenen Werten. 
Meine Familie zog 1943 nach Detroit, als dort gerade die Rassenunruhen begannen. Wir kamen aus dem Süden, wie es zu der Zeit viele Menschen taten, um Jobs in der Kriegsindustrie von Detroit zu bekommen. Im Süden waren Schwarze und Weiße getrennt. Als sie nach Detroit kamen, lebten sie im selben Viertel. Es war ein zum Explodieren bereites Pulverfass. 1943 hatten wir die zweitschlimmsten Rassenunru- hen in den USA. In drei Tagen wurden ungefähr 33 Menschen getötet. Das war meine erste Berührung mit dieser Art von Gewalttätigkeit. Ich erkannte, dass dies eine Welt ist, in der man nur wegen seiner Hautfarbe verletzt werden kann. Dann wurde ziemlich viel Gewalt auf mich gerichtet, weil ich jüdisch war. In diesem Viertel gab es Gewalt gegen jeden, der anders war. Es war Angst einjagend und deprimierend, sich nie sicher zu fühlen und sich fragen zu müssen, wie man von der Schule nach Hause kommen würde, ohne geschlagen oder gedemütigt zu werden. Meine Familie, von der einige Mitglieder aus Europa gekommen waren, tat ihr Bestes, damit ich mich besser fühlte. Sie pflegten zu sagen: „Sei froh, dass wir hier sind. Wenn wir jetzt in Deutsch- land leben würden, wärst du tot.” Das gab mir kein besonders großes Gefühl von Sicherheit in Bezug auf diese Welt. Die Mitglieder meiner Familie sagten zu mir das, was die Menschen sehr häufig unter solchen Umständen sagen: „Schlag sie zuerst, dann lassen sie dich in Ruhe.” […]
Ich entdeckte, dass es zwei Arten von Lächeln gibt. Die eine Art fand sich in den Gesichtern der Menschen, die zuschauten, wie ich von einer Gruppe verprügelt wurde. So Angst einjagend das Geschlagenwerden war, so erinnere ich mich daran, dennoch aufgeblickt zu haben und gesehen zu haben, wie die Beobachtenden es genossen: wie sie es genos- sen zuzuschauen, wie ich verletzt und gedemütigt wurde, weil ich ein Jude war. Als ich nach Hause kam, sah ich eine andere Art von Lächeln. Meine Großmutter war gelähmt. Wir waren so arm, dass meine Mutter sie in unserem Esszimmer pflegte. Und mein Onkel kam jeden Abend herüber, um meiner Mutter zu helfen, meine Großmutter zu versorgen. Während er meine Großmutter sauber machte, was mir als Kind als eine schreckliche Arbeit erschien, sah ich ihn die ganze Zeit dabei lächeln, mit einem herrlichen Lächeln! 
Menschen besitzen eine enorme Fähigkeit und Kraft, das Leben zu bereichern. Wir können mit Worten zur Freude und Weisheit anderer beitragen. Und wir können Worte benützen, mit denen wir das Leben anderer elendig machen. Unsere Worte sind also sehr machtvoll. Wir können Menschen auf Weisen berühren, die große Freude verursachen und sie sehr nähren und unterstützen. Wir sind Kraftwerke und nichts genießen wir mehr, als diese Macht, die wir besitzen, dazu zu nützen, das Leben anderer zu bereichern. Ist es also nicht wunderbar, dass wir diese Macht besitzen und die Freude erleben können, die sie bringt, wenn wir sie nützen? Das ist ein Grund zum Feiern. Wow! Und je mehr wir das feiern, umso weniger werden wir bereit sein, irgendetwas anderes zu machen. 
Marshall B. Rosenberg - Lösung eines Konfliktes durch Klärung der Bedürfnisse {7:52}

Veröffentlicht am 23.03.2012

Weitere Texte von und über Marshall Rosenberg:
-  Was der Beziehung guttut (Ute Kleindienst, Kommunikation und Seminar 1/2012, S. 32, PDF)
Eine Sprache des Mitgefühls (Interview, Mit Kindern wachsen, Arbor Verlag, April 2004, PDF)
Skript zum Einführungsseminar »Gewaltfreie Kommunikation« (Center for Nonviolent Communication, PDF)
Skript zum Basistraining »Gewaltfreie Kommunikation« (Center for Nonviolent Communication, PDF)
- Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B Rosenberg – Einführung (Gens, Forum Gewaltfreie Kommunikation Berlin, PDF)
Liebe ist kein Gefühl (MultiMind 5/04)


Gewaltfrei heißt nicht nur Verzicht auf Gewalt und Widerstand, heißt auch nicht etwa die andere Wange hinhalten. Gewaltfrei ist eine viel schwierigere Aufgabe, nämlich Verständnis und Einfühlung in die Ängste, die Unwissenheit, Hilflosigkeit und Unsicherheit der Menschen und Faktoren, die gewaltvolles Handeln hervorrufen. (Gandhi)

2 Grundannahmen Rosenbergs:
  1. Die Art und Weise des Sprechens spielt eine entscheidende Rolle bei unserer Fähigkeit, einfühlsam zu bleiben. Der bewusste Umgang mit Sprache ist demnach der Schlüssel dazu, wieder mit unserem natürlichen Einfühlungsvermögen in Kontakt zu kommen und die zwischenmenschliche Kommunikation friedfertiger zu gestalten: Weg von Wertungen, Kritik und Schuldzuweisungen - hin zu Wertschätzung und Mitgefühl.
  2. Konflikte entstehen immer dann, wenn wichtige menschliche Bedürfnisse unerfüllt sind. Zu diesen Bedürfnissen zählen neben Nahrung, Unterkunft und Sicherheit auch Mitgefühl und Wertschätzung - ebenso wie Zugehörigkeit, Harmonie und Autonomie. Werden die Bedürfnisse der Konfliktparteien in angemessener Weise angesprochen und berücksichtigt, so sind Konflikte auch lösbar.


4-Schritte-Modell:

Marshall Rosenberg: Objektiv beobachten {9:09}


Hochgeladen am 16.12.2010
Ausschnitt aus dem auf Video-DVDs erschienenen, 12-stündigen Seminar "Einführung in die gewaltfreie Kommunikation" mit dem Psychologen Marshall B. Rosenberg, erschienen beim Auditorium-Netzwerk, http://www.auditorium-netzwerk.de
INHALTSANGABE ZU DIESEM AUSSCHNITT:
Marshall Rosenberg schildert einen Fall, in dem sich Lehrkräfte darüber beschweren, dass der Schuldirektor bei Zusammenkünften immer einen Anlass findet, aus seinem Privatleben zu erzählen, während die Lehrer lieber zügig vorankommen wollen. Als Marshall die Lehrer in Abwesenheit des Direktors um eine Beobachtung dessen bittet, was der Direktor tut, werden eine Reihe von Diagnosen gestellt, statt Beobachtungen geschildert. Es heißt in den Unterstellungen und Bewertungen, er habe ein großes Maul, rede zu viel, wolle ständig im Mittelpunkt stehen oder glaube, er sei der einzige mit Intelligenz. Die Lehrkräfte sind anfänglich nicht in der Lage, eine Beobachtung ohne Bewertung zu machen.
ÜBER MARSHALL ROSENBERG:
Marshall B. Rosenberg ist ein international gefragter Konfliktmediator. Im Jahre 1961 erlangte er an der University of Wisconsin-Madison die Doktorwürde in klinischer Psychologe. 1966 wurde er zum offiziellen Prüfer in klinischer Psychologie ernannt. 1984 gründete Rosenberg das "Center for Nonviolent Communication" in Sherman, Texas, um seine Ideen und Ansätze allen Interessierten zugänglich zu machen. Seine Methode der Gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) wird erfolgreich für die Schlichtung von Konflikten aller Art eingesetzt. Er ist Mitglied des Ehrenschutzkomitees der "Internationalen Koordination für die Dekade" für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt.

1. Beobachtungen schildern (statt zu deuten) 
Zunächst geht es lediglich darum, Beobachtungen wiederzugeben. Was hat man in der Situation, wegen der man sein Gegenüber anspricht, gesehen, gehört oder auch vermisst? Jegliche Bewertungen, Interpretationen wie auch Verallgemeinerungen ('Regelmäßig werden mir von Ihnen wichtige Informationen vorenthalten!') sind dabei zu vermeiden. Ansonsten verringert sich die Chance, dass unsere darin enthaltenen Bedürfnisse auch wahrgenommen werden und dass auch wir die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen. Die eigenen Gefühle mitteilen (statt zu beschuldigen) 
2. Im zweiten Schritt gilt es, die eigenen Gefühle, die die Beobachtung hervorgerufen hat, mitzuteilen (z.B. 'Ich bin verärgert.'). 
Die Kunst besteht dabei darin, zwischen Gefühlen einerseits und Gedanken bzw. Wahrnehmungen andererseits zu unterscheiden. Eine Aussage wie 'Ich fühle mich übergangen' bezeichnet Rosenberg als Pseudogefühl, denn es macht den anderen für die eigene Befindlichkeit verantwortlich und kommt einer Beschuldigung gleich. Die eigenen Gefühle haben aber immer nur mit mir selbst zu tun haben, nicht mit anderen. 
3. Bedürfnisse formulieren (statt Strategien zur Bedürfniserfüllung anzuwenden) 
Als nächstes sollte man seinem Gegenüber mitteilen, welches konkrete Bedürfnis hinter dem zuvor geäußerten Gefühl steht ('Ich wünsche mir einen zügigen und direkten Informationsfluss, um mein eigenes Arbeitspensum besser planen zu können.'). 

Marshall Rosenberg: Amtssprache {8:08}


Veröffentlicht am 16.12.2010
vegankoestler
Ausschnitt aus dem auf Video-DVDs erschienenen, 12-stündigen Seminar "Einführung in die gewaltfreie Kommunikation" mit dem Psychologen Marshall B. Rosenberg, erschienen beim Auditorium-Netzwerk, http://www.auditorium-netzwerk.de
INHALTSANGABE ZU DIESEM AUSSCHNITT:
Marshall Rosenberg erzählt etwas über "Amtsspache", wie Karl Adolf Eichmann sie in der Verhandlung seiner Kriegsverbrechen nannte und sie als eine Art der Sprache schilderte, die einem durch Formulierungen wie "ich muss" oder "ich müsste" keine Wahlfreiheit ließ. Diese Sprache habe es nach Eichmanns Aussage sehr einfach gemacht, tausende Menschen im Zuge der so genannten Endlösung in den Tod zu schicken. Marshall weist darauf hin, dass wir Menschen immer die Wahl haben und nichts tun, ohne uns dafür zu entscheiden. Diese Geschichte erzählte Marshall auch einmal einer Gruppe aus Eltern und Lehrern, wobei eine Lehrerin verärgert äußerte, dass es die Aufgabe der Erziehungsberechtigten sei, den Kindern zu sagen, was sie zu tun haben. Es gebe einfach unvermeidliche Dinge, die man tun müsse, ob man nun will oder nicht. So müsse sie nach dem Seminar z. B. Essen für die Familie kochen, obwohl sie dies hasse. Dennoch täte sie es seit zwanzig Jahren widerwillig. Nach dem Seminar verkündete sie der Familie, dass sie nicht mehr länger Essen kochen werde.
ÜBER MARSHALL ROSENBERG:
Marshall B. Rosenberg ist ein international gefragter Konfliktmediator. Im Jahre 1961 erlangte er an der University of Wisconsin-Madison die Doktorwürde in klinischer Psychologe. 1966 wurde er zum offiziellen Prüfer in klinischer Psychologie ernannt. 1984 gründete Rosenberg das "Center for Nonviolent Communication" in Sherman, Texas, um seine Ideen und Ansätze allen Interessierten zugänglich zu machen. Seine Methode der Gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) wird erfolgreich für die Schlichtung von Konflikten aller Art eingesetzt. Er ist Mitglied des Ehrenschutzkomitees der "Internationalen Koordination für die Dekade" für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt.

Übung - Bedürfnissprache entwickeln - Marshall Rosenberg (dt. Untertitel) {4:08}

Hochgeladen am 09.06.2010
Marshall Rosenberg erklärt eine Übung mit drei verschiedenen Listen von Urteilen. Es geht darum, Urteile und schwer zu hörende Botschaften in diese Listen zu sammeln und dann diese Botschaften in Bedürfnisse zu übersetzen.
Ein paar der möglichen Bedürfnisse:
Autonomie, Selbstbestimmung (Selbst seine Träume, Pläne, Ziele, Handlungen, Werte wählen), Feiern (von erfüllten Träumen, Geschenken des Lebens, Verlusten von Träumen und geliebten Menschen), Echtheit, Kreativität, Sinn, Selbstwert, Wertschätzung, Akzeptanz, Nähe, Gemeinschaft, Rücksicht, zur Lebensfülle beitragen, emotionale Sicherheit, Empathie, Aufrichtigkeit, Liebe, Bestätigung, Respekt, Unterstützung, Vertrauen, Verständnis, Wärme, Spaß, Lachen, Schönheit, Harmonie, Inspiration, Ordnung, Frieden, Luft, Essen, Bewegung, Schutz vor lebensbedrohlichen Lebensformen, Ruhe, sexueller Ausdruck, Schutz (Raum), Berührung, Wasser
weitere englischsprachige Video zur Gewaltfreien Kommunikation finden sie hier:
http://gfkvideos.blogspot.com

4. Eine Bitte äußern (statt zu fordern) 
Last but not least geht es darum, dem Gesprächspartner mitzuteilen, was dieser konkret tun kann, damit das eigene Bedürfnis erfüllt wird bzw. man diesem ein Stück näher kommen kann. Dies sollte immer als Bitte, nie als Forderung formuliert werden - um damit dem Gesprächspartner echte Entscheidungsfreiheit einräumen und seine Autonomie zu respektieren ('Ich möchte Sie bitten, mich beim Mittagessen über den aktuellen Projektstand zu informieren.'). Wichtig auch: Die Bitte sollte sich im Hier und Jetzt erfüllen lassen und nicht auf Handlungen in der Zukunft zielen. Empathie zum Gesprächspartner lässt sich letztlich auch nur in der aktuellen Situation aufbauen.

»Präsent sein: Empathie und Selbstempathie« DVD 07 {3:36}


Hochgeladen am 13.04.2011
Marschall B. Rosenberg
Empathie fordert Präsenz. Sie ist nur möglich, wenn es gelingt, alle vorgefassten Meinungen und Urteile abzulegen. Wie Buber sagte: „Eine neue Situation erwartet von dir eine Antwort, die nicht im Vorhinein vorbereitet werden kann. Sie erwartet nichts aus der Vergangenheit. Sie erwartet Präsenz, Verantwortung; sie erwartet -- dich." Der Film zeigt, wie diese Form der Präsenz als eine zentrale Haltung in der Mediation geübt werden kann.
INHALT
Empathie
Selbstempathie
Mit dem Leben tanzen (Lied)
Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.concadoraverlag.de

Marshall Rosenberg fasst das Vier-Schritte-Modell in folgendem Satz zusammen: 'Wenn a, dann fühle ich mich b, weil ich c brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.'


Wolfsattacken und Giraffensprache 
In der Gewaltfreien Kommunikation spielen zwei Tiere eine Rolle: der Wolf und die Giraffe. Marshall B. Rosenberg benutzt die beiden Vierbeiner als Symbole, um den Menschen vor Augen zu führen, wie Sprache angreifen und verletzen und wie sie umgekehrt von Gefühlen und Bedürfnissen im positiven Sinne gelenkt werden kann. Geleitet von bewertenden und interpretierenden Denken steht der Wolf für unseren 'normalen' Umgangston. Die Giraffe indes steht für Kommunikation mit Herz (Sie ist das Landtier mit dem größten Herzen). Die Giraffe ist einfühlsam und bezieht die eigenen Bedürfnisse im Gespräch ein.

Je nachdem, ob man in der Giraffen- oder Wolfssprache spricht, kommen beim Gegenüber andere Botschaften an. 

Wolfssprache - Giraffensprache:
W: Ich fühle mich von dir im Stich gelassen!
G: Ich bin verzweifelt, weil ich mehr Unterstützung brauche.

W: Ich bin genervt, weil du so lange rumtrödelst.
G: Ich bin genervt, weil ich über meine Zeit selbst bestimmen möchte.

W: Hör mir endlich zu! 

G: Kannst Du mir bitte sagen, was Du gehört hast?

W: Du bist ein Egoist!
G: Wenn ich sehe, dass du für dich den Tisch deckst und nicht für die anderen...

W: Ich fühle mich übergangen.
G: Ich bin verzweifelt, weil ich mehr Unterstützung brauche.

W: Ich fühle mich von Ihnen ignoriert.
G: Ich bin unsicher, weil ich gerne beachtet werden möchte.

W: Ich möchte ebenbürtig behandelt werden!
G: Ich bitte Dich, das Honorar 50/50 zu teilen.

(Die Beispiele stammen aus dem Buch 'Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt' von Serena Rust.)


siehe auch:

- Marshall Rosenberg: Die Warum-Frage ist eine der gewalttätigsten Fragen (Post, 16.02.2015)

Lass Dir Zeit-bewußt handeln/blind reagieren-Marshall Rosenberg-dt.U. {3:04}

Veröffentlicht am 02.09.2010
dietermaas 

Marshall Rosenberg: Dankbarkeit ausdrücken {7:07}

Veröffentlicht am 16.12.2010
vegankoestler
Ausschnitt aus dem auf Video-DVDs erschienenen, 12-stündigen Seminar "Einführung in die gewaltfreie Kommunikation" mit dem Psychologen Marshall B. Rosenberg, erschienen beim Auditorium-Netzwerk, http://www.auditorium-netzwerk.de
INHALTSANGABE ZU DIESEM AUSSCHNITT:
Marshall Rosenberg weist darauf hin, dass auch Lob, Komplimente und Belohnungen eine Form der Gewalt darstellen (mit Hinweis auf das Buch "Punished by Rewards" von Alfi Kohn), weil wir Menschen damit sagen, was sie sind ("du bist brillant", "du bist so intelligent") und damit vielleicht auch eine Erwartungshaltung offenbaren, die unser Gegenüber vielleicht weder erfüllen kann noch erfüllen möchte. Vielmehr bemüht man sich in der Art der Gewaltfreien Kommunikation darum, die Anerkennung einer Person dadurch zum Ausdruck zu bringen, indem man ihr mitteilt, welches Bedürfnis sie erfüllt hat oder was man fühlt durch das, was sie getan hat. Man bringt die Bereicherung des eigenen Lebens zum Ausdruck, ohne sein Gegenüber dabei zu bewerten.
Liedtext zu "Mit dem Leben tanzen":
Mit dem Leben tanzen
Wie die Blätter mit der Sonne
Die Pflanzen mit dem Regen
Die Vögel mit dem Korn
Mit dem Leben tanzen
Wieder und wieder
Auf vielerlei Weisen
Wir haben Angst zu geben
Wir haben Angst zu leben
Wieder und wieder
Lasst uns feiern
Die Freude am Leben
In jedem Atemzug
In jedem Augenblick
Lasst uns feiern
Mit dem Leben tanzen
Wie die Blätter mit der Sonne
Die Pflanzen mit dem Regen
Die Vögel mit dem Korn
Mit dem Leben tanzen
ÜBER MARSHALL ROSENBERG:
Marshall B. Rosenberg ist ein international gefragter Konfliktmediator. Im Jahre 1961 erlangte er an der University of Wisconsin-Madison die Doktorwürde in klinischer Psychologe. 1966 wurde er zum offiziellen Prüfer in klinischer Psychologie ernannt. 1984 gründete Rosenberg das "Center for Nonviolent Communication" in Sherman, Texas, um seine Ideen und Ansätze allen Interessierten zugänglich zu machen. Seine Methode der Gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) wird erfolgreich für die Schlichtung von Konflikten aller Art eingesetzt. Er ist Mitglied des Ehrenschutzkomitees der "Internationalen Koordination für die Dekade" für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit für die Kinder der Welt.

VISION OF THE FUTURE - MARSHALL ROSENBERG {23:01}


Veröffentlicht am 19.02.2013
A method using compassion, understanding, empathy, to transform wars and conflicts, promoting Human Capacity to contribute to the well being of others.
MARSHALL ROSENBERG : Psychologist - Writer Creator of Non-Violent Communication

Marshall Rosenberg - Gewaltfreie Kommunikation deutsch (Liste mit 26 Videos, zuletzt am 28.02.2016 aktualisiert)

Ein Vorwort von Mahatma Gandhis Enkel Arun Gandhi zu Rosenbergs empfehlenswerten Buch Gewaltfreie Kommunikation
siehe auch:
- Liebe und Abhängigkeit (Post, 16.01.2016)

Samstag, 14. Februar 2015

Wie Liebe entsteht…

Der Blick im Café, der Satz am Telefon – niemand weiß, wann Liebe entsteht und was daraus wird: Kinder, Kunstwerke, Kriege. Und ratlos vis-à-vis: Die Wissenschaft

Es ist der 13. November 1938, als im verschneiten Russland ein Mann aus Liebe vom Himmel fällt. Ohne Erlaubnis und auf eigene Faust hat Brian Grover an diesem Tag die russische Grenze überflogen, in einem kleinen Flugzeug, verborgen über den Wolken. Der britische Ingenieur will nur eines: seine Frau Jelena wiedersehen, eine Russin. Auf legalem Weg lässt man ihn nicht ins Land. Beziehungen zwischen Russen und Westlern sind unerwünscht, Stalins Leute sind unerbittlich. Fünf Jahre sind die Liebenden schon getrennt, es ist Zeit für eine Verzweiflungstat. Doch als Grover 100 Meilen vor Moskau der Treibstoff ausgeht und die Maschine zu Boden trudelt, sieht es schlecht aus.

Wie groß muss die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen sein, dass sie bereit sind, alles füreinander aufs Spiel zu setzen? Wohl nur die Liebe vermag uns so den Kopf verlieren zu lassen. Es sind Geschichten wie die von Brian Grover, die den Mythos der Liebe als einer magischen Kraft nähren. Als ein Naturgesetz: "Liebe ist die Anziehungskraft des Geistes, wie die Schwerkraft die Anziehungskraft der Körper ist", schrieb Valentin-Marie Breton. Falling in love sagt man im Englischen, tomber amoureux im Französischen. Wer sich verliebt, fällt.

mehr:
- Ein Lächeln, und die Welt wird neu erschaffen (Claudia Wüstenhagen, ZEIT  WISSEN, 01/2015)

mein Kommentar:
Der alte Siggi hat einmal gesagt:
Glück ist die nachträgliche Erfüllung eines prähistorischen Wunsches. Darum macht Reichtum so wenig glücklich; Geld ist kein Kinderwunsch gewesen (Briefe an Wilhelm Fließ, 1950, S. 259)
Ich finde, es ist recht einfach: Irgendetwas bringt uns dazu, in eine, meist gegengeschlechtliche, Person jemanden zu projizieren, der uns das in prähistorischer (= frühkindlicher) Zeit ersehnte (größte) Glück zu verschaffen imstande und willens ist. Die Sprache sagt ja auch (in Anerkennung der unbewußten Projektion) nicht »Elvira verliebt mich in sie« oder »Eberhard verliebt mich« sondern »ich verliebe mich«. Angesichts der Liebes-Projektion sei an die Länder gedacht, die Heiraten arrangieren: die geben nichts auf die Projektion…

Marshall Rosenberg: Liebest du mich? [7:33]

Hochgeladen am 20.02.2011
Das Dialog-Team München (http://www.dialog-herold.de) stellt Ihnen dieses Video mit freundlicher Genehmigung des Auditorium Netzwerk (http://www.auditorium-netzwerk.de) bereit.

"Du bist toll, schön, süß, clever" - Komplimente, Dankbarkeit - Marshall Rosenberg, Paula Gloria [4:37]

Hochgeladen am 08.07.2010
(deutsche Untertitel) "positive" Urteile, Lob und Komplimente, haben grosse Nachteile. Marshall Rosenberg Und Paula Gloria sprechen in diesem Segment des Interviews über Lob und Komplimente, ihre Nachteile, und wieso der Ausdruck echter Dankbarkeit wesentlich effektiver sein kann, als alle "du bist blablabla" Etikettierungen.

Auch Crosby, Stills & Nash haben das nicht so bierernst gesehen:

Crosby Stills Nash W/ J.Taylor - LOVE THE ONE YOU'RE WITH 2009 [3:57] Text

Hochgeladen am 28.06.2010
Never forget about it. Never waste your life. The message couldn't be any clearer, IF YOU CAN'T BE WITH THE ONE YOU LOVE, LOVE THE ONE YOU'RE WITH - Fight and struggle for it ! ---------
No lo olvides nunca ! No malgastes tu vida. El mensaje no podría ser más claro: SI NO PUEDES ESTAR CON LA PERSONA A QUIEN AMAS, AMA A LA PERSONA CON QUIEN ESTAS . Lucha y pelea por ello !


More then friendship is not possible (Osho)

Marshall Rosenberg - Solution for conflicts through communication [7:24]

Veröffentlicht am 23.03.2012

Ein höchst lesenswwertes Interview mit Marshall Rosenberg:
- Liebe ist kein Gefühl (MultiMind 5/04)
Wenn wir sagen: „Ich liebe dich“, können das 30 unterschiedliche Gefühle sein. Es wäre so viel bereichernder, wir würden diese Vielfalt beibehalten, statt uns nur auf dieses eine Wort „Liebe“ zu beschränken! Manchmal ist es Freude, manchmal ist es richtige Leidenschaft, manchmal ist es eher Dankbarkeit. Es könnte jedes dieser Gefühle sein. Deswegen: Was geht wirklich in dir vor, wenn du sagst: Ich liebe dich? Um welches Bedürfnis geht es – denn oft ist es gar nicht mehr das Bedürfnis nach Liebe? Manchmal ist es einfach Dankbarkeit, dass jemand eine Arbeit für dich gemacht und dein Bedürfnis nach Unterstützung erfüllt hat. Dann hieße „Ich liebe dich!“, „Ich bin so dankbar, dass du das für mich gemacht hast!“ Zu anderen Zeiten meint es etwas ganz anderes. Worte sind geradezu bedeutungslos, weil sie nicht ausdrücken, was wirklich in der Person vorgeht, wenn sie das sagt.

Effektiv Danke sagen - Dankbarkeit und Gewaltfreie Kommunikation - Marshall Rosenberg [11:58]

Hochgeladen am 10.01.2011
Ich bin Marshall Rosenberg besonders dankbar für das "Giraffenmodell" von Dankbarbarkeit und "danke sagen", weil ich mich daran erinnere, daß ich, bevor ich ihn kennenlernte, gerade mit danken und Dankbarkeit selbst grosse Schwierigkeiten hatte, und mir seine Ausführungen zum ersten mal die "Ökologie", d.h. den echten natürlichen Sinn und Zweck von "Danke", jenseits von Moral und Erziehung, erhellt haben. Auch der Zusammenhang von Dankbarkeit und Feiern ist mir dadurch näher gekommen. Und zusätzlich ist mir klargewoden, warum ich mich zuvor gegen dieses Thema innerlich gewehrt habe. In diesem kurzen Ausschnitt steckt für mich sehr viel drin an Einsichten über die Ökologie und auch den Mißbrauch von "Danke".

Weitere Videos über bedürfnisorientierte Kommunikation, kurze und auch längere Workshopvideos, meist mit Marshall Rosenberg, mit deutschen Untertiteln, gibt es auf meinem Blog:
http://gfkvideos.blogspot.com


Donnerstag, 12. Februar 2015

Die Sünden der Väter 2

Aya ist eine ehemalige Sklavin. Die junge Kambodschanerin stammt vom Lande und wurde im Alter von 16 Jahren über eine malaysische Agentur als Dienstmädchen verkauft. Sie erhielt keinerlei Vergütung für ihre Arbeit und musste Misshandlungen und Entbehrungen ertragen. Heute ist sie wieder zu Hause. Sie ist nicht nur genauso arm wie vorher, sondern sie ist auch schwer traumatisiert und gilt als entehrt. Man hat ihr ganz brutal ihre Menschlichkeit genommen. 

Neben dem Schicksal der jungen Frau zeigt die Dokumentation auch die Vorgehensweise zweier Menschenhändler, einer Anwerberin und eines Agenturchefs. In Kambodscha nennt man diese Leute "Mey Kechol": Sturmmacher. 

Die Dokumentation führt von den armen und rückständigen ländlichen Gegenden Kambodschas in den anonymen Großstadtdschungel der Hauptstadt Phnom Penh und gibt Einblicke in die Funktionsweise der modernen Sklaverei. Letztlich wird die Frage aufgeworfen, was das Leben einer jungen Frau in der heutigen kambodschanischen Gesellschaft überhaupt wert ist

- Die Herren des Windes (Arte-Mediathek, noch zu sehen bis 16.02.2015)

Die Herren des Windes Doku Deutsch [1:01:24]


Veröffentlicht am 23.02.2015
Im Alter von 16 Jahren wurde die Kambodschanerin Aya über eine malaysische Agentur als Dienstmädchen verkauft. Ihr Leben glich dem einer Sklavin, ohne Bezahlung und Misshandlungen ausgesetzt, fristete sie ihr Dasein. Heute lebt sie, immer noch arm und an Leib und Seele gebrochen, wieder zu Hause. Die Dokumentation zeichnet Ayas Schicksal nach und schildert die Vorgehensweise von Menschenhändlern.

Regisseur: Guillaume Suon (fanz. Wikipedia)
Am Ende des Films kniet der wohlhabende Arbeitsvermittler, der Aya nach Malaysia schickte, mit seinen manikürten gefalteten Händen betend in der christlichen Gemeinde und spricht aus dem Off:
»Ich habe Angst arm zu werden und das Geld wieder zu verlieren. Ich liebe Geld. […] Ich hoffe, daß ich, wenn ich sterbe, viel Gutes getan haben werde. Ich habe nie gestohlen, nie etwas Falsches gemacht. Ich hoffe, Jesus führt mich ins Paradies.«

Aya sagt am Ende des Films, während sie mit ihrem Sohn spielt:
»Den Schmerz kann ich nicht vergessen. Aber ich kann mit meiner Familie nicht darüber reden. Dieser Schmerz sitzt tief in mir drin. […] Ich hab’ noch nicht vergessen, was in Malaysia passiert ist. Ich hasse dieses Kind. Erst wollte ich es nach der Geburt weggeben. Ich mußte an den Mann denken, der mich mißhandelt hat. Aber dann dachte ich:  ›Ich kann mich zumindest an dem Kind dieses Mannes rächen.‹ Deshalb habe ich dieses Kind behalten, damit ich es schlagen kann. Manchmal würge ich es, bis es fast erstickt und lasse erst im letzten Moment wieder los. Wenn ich an all das denken muß, schlage ich das Kind.«
Der Film wirkt still und zugleich mit der Wucht einer griechischen Tragödie: einer wird am anderen schuldig, und jeder beteuert, er habe das nicht gewollt. Vater und Mutter streiten miteinander, dabei ist der Vater, der das Wegschicken seiner Tochter zugelassen hatte, der moralisch Gute, der jetzt seiner Frau aus der Sicherheit des Nahhinein Vorwürfe machen kann, aber nicht mit seiner Tochter redet und nichts tat, um die Mutter an der Umsetzung ihres Vorhaben zu hindern. Die – in den Augen ihres Mannes und der Tochter schuldige – Mutter sagt:

»Aya schimpft mich aus. Ich will keinen Streit und bin still.«
Das eindeutige Opfer, Aya, von allen benutzt und alleingelassen, wird – das scheint vorherbestimmt – zur Schuldigen an ihrem Sohn, der schon lange, bevor er dies zu verstehen imstande ist, für die Schuld seines Vaters bestraft und die ihm von seiner Mutter zugeschriebene Last der Schuld seines Vaters sein ganzes Leben lang in seiner Identität tragen wird. Dabei tun Opfer und Täter das Gleiche: Sie benutzen eine andere Person wie einen seelenlosen Gegenstand, um ihre Gefühle an ihm abzureagieren. Bei so viel Tragik hilf nur ein Bibel-Zitat:
Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen (2. Mose, 20.5)

siehe auch:
- TV-Tipps 9.2.: Der Wert der Frauen (Dokumentarfilminfo.de)