Freitag, 25. September 2015

Regieren Psychopathen unsere Welt?

Ask yourself: Is it possible that these were isolated lapses in judgment? In other words, was this the only time Dominique Strauss-Kahn went after the help, or the only instance of Arnold Schwarzenegger cheating on his wife and exploiting those beneath him? Not too likely. And it’s surely not the only time Gingrich has excused his own bad behavior as a side effect of patriotism – while simultaneously trashing the basic humanity of a political opponent.



If these are patterns, why are millions so fascinated, often even seduced, by people whose behavior actually points to pathology? Perhaps we are wired to be attracted by psychopaths, sociopaths, narcissists, people so focused on their own central role in whatever takes place that the rest of us are sucked into their reality.



Think about entering a portal and emerging into the head of Donald Trump. What could that level of self-absorption be like? Begin by imagining a complete lack of empathy, one of the tell-tale signs of the psychopath.



Is Trump a psychopath? Well, he does score well on a 20 item checklist. And are there more psychopaths around us than we think? Not just serial killers and the violent type, but successful, powerful psychopaths who will do anything to win and affect our lives in profound ways?

The checklist, a way to help identify potential psychopaths among us, was developed by Bob Hare, a prison psychologist who conducted remarkable experiments and eventually codified his findings. Jon Ronson has provides an excellent history and analysis in his new book, The Psychopath Test.

mehr:
- Schwarzenegger, DSK, and Gingrich: Do We Have Psychopaths Misruling Our World? (Greg Guma, Alternet, 19.05.2011)

siehe auch:
- Ärzte halten Strauss-Kahn für selbstmordgefährdet (Die Welt, 18.05.2011)
- Dominique Strauss-Kahn: Freigesprochen, aber politisch tot (Georg Blume, ZEIT Online, 12.06.2015)
Seine berechtigte Strafe hat der große Zampano, den die Franzosen immer noch familiär-vertraulich DSK nennen, trotzdem längst erhalten. Denn jedes Mal, wenn er vor Gericht stand, nahm die Öffentlichkeit Kenntnis von seinem brutalen sexuellen Verhalten gegenüber Frauen, die ihm sozial weit untergeordnet waren. Das war im Mai 2011 so, als die New Yorker Staatsanwaltschaft den prominenten IWF-Chef und französischen Präsidentschaftsanwärter vor den Augen der ganzen Welt noch am Tag seiner angeblichen Tat festnehmen und vor Gericht führen ließ. Damals hatte ihn ein Zimmermädchen des New Yorker Sofitel-Hotels beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben.

- What Were They Thinking? Chicago Psychoanalyst Arnold Goldberg on Anthony Weiner and Dominique Strauss-Kahn (Chicago Magazine, 10.06.2011)
“These are not moral issues,” [Psychoanalyst Arnold Goldberg] told me in a telephone conversation late Thursday in which he tried to make sense of why Anthony Weiner and Dominique Strauss-Kahn aimed a wrecking ball at their own futures. “These are psychological illnesses…..Everyone jumps on them and beats them up because they think they are bad people….These are not moral deviations and they’re not biological dysfunctions.”

- Health & Families The difference between a psychopath and a sociopath (30.07.2015)
Most of us, fortunately, will never meet a Hannibal Lecter, but psychopaths and sociopaths certainly do exist. And they hide among us. Sometimes as the most successful people in society because they’re often ruthless, callous and superficially charming, while having little or no regard for the feelings or needs of others.

These are known as “successful” psychopaths, as they have a tendency to perform premeditated crimes with calculated risk. Or they may manipulate someone else into breaking the law, while keeping themselves safely at a distance. They’re master manipulators of other peoples’ feelings, but are unable to experience emotions themselves.


- Psychopathen in der Chefetage – Zeitbomben mit Schlips (Heiner Thorborg, SPON, 09.04.2015)
Das ist natürlich alles richtig, spart aber aus, was Bertelsmann-Urgestein Reinhard Mohn das "auffällig häufige menschliche Versagen aufgrund stark übertriebener Eitelkeit" nannte: Viele Probleme in der Wirtschaft gehen auf Menschen mit psychischen Problemen zurück, insbesondere auf Narzissten und Psychopathen.

Beiden Typen ist gemeinsam, dass sie so mit dem eigenen Ich beschäftigt sind, dass sie die Befindlichkeiten anderer nicht wirklich berühren. Forscher sagen, in Chefetagen sei der Anteil der Psychopathen sechsmal höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. […] Auch empfiehlt Kets de Vries Stille und Muße - etwas, das viele Top-Manager kaum noch erleben. Doch ohne Stille und Tagträume gibt es auch keine Reflexion und schon gar keine Kreativität. Paul McCartney träumte sein berühmtes "Yesterday" und Albert Einstein von der Relativitätstheorie. Am Ende geht es darum, sich selber besser kennenzulernen und sich bewusst zu werden, welchen Effekt das eigene Verhalten auf andere hat.

Das Problem ist: Genau das interessiert narzisstische und psychopathische Typen kaum. Zumal die psychologische Eskalation eher zunimmt, wenn ein Mensch mächtiger wird. Die Forscher sagen: "Je höher jemand auf der Karriereleiter steigt, desto mehr dreht er oft psychopathisch auf." Daher hilft nur Aufklärung und das scharfe Bewusstsein - gerade unter Aufsichtsräten -, dass der Charismatiker im CEO-Sessel möglicherweise ein erfolgreicher Psychopath ist oder zumindest ein Narziss.

Und da hilft nur eines: gesundes Misstrauen. Wenn bei einem Top-Dog immer nur die anderen schuld sind, wenn er sofort angreift, sobald er bei einem Menschen eine Unsicherheit spürt, wenn alle Appelle an gesunden Menschenverstand oder Kaufmannsehre versagen und nur gehört wird, was dem Eigenwohl dieses Chefs dient - dann hat ein Aufsichtsrat es unter Umständen mit einer tickenden Bombe im Anzug zu tun.

Solche Leute darf man nicht decken oder schützen, und man sollte schon gar nicht auf Einsicht und Umkehr hoffen. Solche Leute kann man nur feuern. Ganz emotionslos.


- Raubtiere ohne Kette (Frank Thadeusz, SPON, 15.04.2013)
In diesem Zustand übersteigerten Selbstvertrauens spielten die Experimentatoren Dutton ein Video mit gräuslichen Inhalten vor; zu sehen waren in dem Film Menschen, die gefoltert, verstümmelt und hingerichtet wurden. Duttons unmittelbare Reaktion auf die Horrorschau: "Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, ein Lächeln zu unterdrücken", bekundete er gegenüber dem Laborpersonal.

Messergebnisse bestätigten, dass der Zustand moralischer Fragwürdigkeit nicht gespielt war. Duttons Herz schlug ruhig, seine Gehirnströme zogen trotz der gezeigten Gewaltexzesse in sanften Wellen dahin. Die Transformation war geglückt. Für einige Momente betrachtete der englische Psychologe die Welt mit ähnlicher Gewissenlosigkeit wie jene merkwürdig Gestörten, deren seelische Abgründe er erforscht: Psychopathen.

"Diese Menschen können ihre Opfer mit so viel Anteilnahme foltern und verstümmeln wie unsereiner, wenn er eine Weihnachtsgans tranchiert", sagt Robert Hare. Um 1980 herum entwickelte der kanadische Psychologe erstmals ein Instrument, mit dem sich Psychopathen einigermaßen zuverlässig identifizieren lassen. Seine Checkliste wird bis heute in der US-Psychiatrie verwendet. […]

Weit oben auf der Liste, auf Platz acht, liegen auch die Geistlichen - wenig überraschend, findet Dutton: "Psychopathen tun sich immer dort hervor, wo es dynamische Machtstrukturen gibt, die sie kontrollieren und manipulieren können. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Kirche nicht von anderen Unternehmen."

Verwundert notierte der Wissenschaftler allerdings, wie wenig Berührungsängste die Befragten mit dem Persönlichkeitstest hatten. Darauf angesprochen, dass sie in der Psychopathie-Skala ziemlich weit oben liegen, reagierten die Betroffenen in der Regel völlig entspannt. "Die meisten sagen nur: ,Das überrascht mich überhaupt nicht. Ich könnte meinen Job gar nicht machen, wenn es anders wäre.'"

Den Unterschied zwischen einem psychopathischen und einem normalen Unternehmenslenker fasst Dutton so zusammen: "Ein normaler Mensch würde sich in der Toilette einschließen und kotzen, wenn er gerade eine Milliarde versemmelt hätte. Der Psychopath geht unverdrossen nach Hause und denkt nicht mehr daran."


- "Psychopathen-Experte" Kevin Dutton - Selber Psychopath oder nützlicher Idiot? (Sott.net, 29.11.2013)
Kevin Dutton ist ein Mainstream-"Psychopathen-Experte" und forscht an der Universität Oxford. Und was das Thema Psychopathie in Deutschland betrifft, ist er ein sehr gut gelesener "Rockstar", bis hin zu vorderen Plätzen bei einer Bestsellerliste und die Buchrezensionen sind überwältigend. Doch was denkt dieser "Experte" über Psychopathen? Das soll in diesem Artikel beantwortet werden.


Man hat die Geschichten vieler großer Persönlichkeiten immer als Erfolgsgeschichten herausragender Talente erzählt. Aber womöglich sind es zugleich Krankengeschichten. Dann müsste man sich zwei Fragen stellen: Ist Genie und Wahnsinn doch ein und dasselbe? Muss man ein Abweichler sein, um Besonderes zu leisten?
[
Kerstin Bund, Marcus Rohwetter, Irre erfolgreich: Wahnsinns-Typen, ZON, 14.08.2013]

Freitag, 18. September 2015

Strukturniveau

Strukturniveau ist ein in der Psychoanalyse verwendeter Begriff, der von Heinz Kohut im Rahmen der von ihm entwickelten Selbstpsychologie geprägt wurde,[1] und die in den 1960er und 70er Jahren als Weiterentwicklung der klassischen Psychoanalyse entstand. Auch die psychoanalytischen Objektbeziehungstheorien verwenden den Begriff.

Die Erfassung des Strukturniveaus einer Persönlichkeit lässt eine erweiterte Beschreibung psychischer Störungen zu, über die Konfliktpathologie – also die Unfähigkeit, unbewusste Konflikte adäquat lösen zu können – hinausgehend. Auf Kernberg geht die Unterscheidung in hohes, mittleres und niedriges Strukturniveau zurück, womit jeweils ein unterschiedlicher Entwicklungsstand bzw. Reifegrad der psychischen Funktionen und der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen beschrieben wird. Als Strukturelle Störungen werden psychische Störungen bezeichnet, in denen die Verfügbarkeit über psychische Funktionen eingeschränkt ist, die für die Organisation des Selbst und seine Beziehungen zu inneren und äußeren Objekten erforderlich sind, meistens als Folge frühkindlicher Beziehungsstörungen. Die Beschreibung des Strukturniveaus einer Persönlichkeit und die Diagnose von Strukturpathologien, wie sie beispielsweise in der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik entwickelt wurde, stellt eine wichtige Grundlage der aktuellen psychodynamischen Diagnostik dar.  [Strukturniveau, Wikipedia]

- Strukturdimensionen nach OPD (Karl C. Mayer, Neuro24)
- Arbeitsblatt zur Bestimmung des Strukturniveaus (BerichtOnline)
- Das strukturelle Interview in Psychoanalyse und tiefenpsychologischer Psychotherapie (Hans-Jürgen Fercher, Vortrag, Salzburger Arbeitskreis für Psychoanalyse, 18.06.2010)
- Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen (Gerd Rudolf, Buchvorstellung, Deutsches Ärzteblatt, 102/103, 2005)
- Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen (Gerd Rudolf, GoogleBooks)
- Wie ich Psychodynamische Psychotherapie mache: Übertragung - Gegenübertragung (Mathias Lohmer, Lindauer Psychotherapiewochen, 2010)
- Strukturelle Störung in kleinianischer Psychoanalyse: Eine Falldiskussion (Strukturbezogene Psychotherapie. Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen (Gerd Rudolf, GoogleBooks)

Donnerstag, 10. September 2015

Begeisterung …

Neue Erkenntnisse der Hirnforschung – Wie Eltern lernen können, sich selbst und ihre Kinder zu begeistern 

Leider können sich Erwachsene nur vereinzelt an ihre ersten Kindheitserlebnisse erinnern. Erinnern an dieses Glücksgefühl, mit dem sie sich als kleines Kind auf den Weg gemacht haben, die Welt zu entdecken. Sie können sich kaum entsinnen an diese unglaubliche Offenheit, Gestaltungslust und Entdeckerfreude. Sie haben nur eine getrübte Vorstellung von dieser den ganzen Körper durchströmenden Begeisterung über sich selbst und über all das, was es damals zu entdecken und zu gestalten gab. Wären diesen Erinnerungen präsenter, wären viele Sorgen, Probleme und Nöte des Erwachsenseins gar nicht existent.

Leider ist vielen Erwachsenen genau das, weitgehend verloren gegangen was einem Kind die pure Lebensfreude vermittelt: die Begeisterung. Zwanzig bis fünfzig mal am Tag erlebt ein Kleinkind einen Zustand größter Begeisterung. Und jedes Mal kommt es dabei im Gehirn zur Aktivierung der emotionalen Zentren. Die dort liegenden Nervenzellen haben lange Fortsätze, die in alle anderen Bereiche des Gehirns ziehen. An den Enden dieser Fortsätze wird ein Cocktail von neuroplastischen Botenstoffen ausgeschüttet. Diese Botenstoffe bringen nachgeschaltete Nervenzellverbände dazu, verstärkt bestimmte Eiweiße herzustellen. Diese werden für das Auswachsen neuer Fortsätze, für die Bildung neuer Kontakte und für die Festigung und Stabilisierung all jener Verknüpfungen gebraucht, die im Hirn zur Lösung eines Problems oder zur Bewältigung einer neuen Herausforderung aktiviert worden sind.

Das ist der Grund, warum wir bei all dem, was wir mit Begeisterung machen, auch so schnell immer besser werden. Jeder kleine Sturm der Begeisterung führt gewissermaßen dazu, dass im Hirn ein selbsterzeugtes Doping abläuft. So werden all jene Stoffe produziert, die für alle Wachstums- und Umbauprozesse von neuronalen Netzwerken gebraucht werden. So einfach ist das: Das Gehirn entwickelt sich so, wie und wofür es mit Begeisterung benutzt wird.

mehr:
- Begeisterung … ist Doping für Geist und Hirn (Gerald Huether, Datum unbekannt)

„Begeistern statt entgeistern!" - Prof. Dr. Gerald Hüther im Gespräch [22:14]

Veröffentlicht am 01.05.2014
Der Göttinger Gehirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther plädiert für eine Abkehr von der Egozentrik im Denken für die Nutzung der menschlichen Begeisterungsfähigkeit. -

Das heute in unserer Gesellschaft gepflegte Menschenbild ist eher „maschinenähnlich": Wir bemühen uns darum, Gedanken von Gefühlen zu trennen, und legen schon in der schulischen Ausbildung Wert auf den „reinen Intellekt", wobei der Erwerb von Wissen unabhängig vom Erleben des Kindes stattfinden soll; wir setzen den Begriff Seele mit Gehirntätigkeit gleich und stellen den freien Willen in Frage. Und nicht selten beruft man sich bei diesem „modernen Menschenbild" auf die Gehirnforschung. Dabei könnten deren Erkenntnisse zu ganz anderen Schlüssen führen - wie aus diesem Gespräch mit Prof. Dr. Gerald Hüther, einem der bekanntesten Gehirnforscher Deutschlands, deutlich wird.

Dieses Gespräch mit Prof. Gerald Hüther fand für die Filmproduktion „Die Macht der Gedanken" statt.

Sonntag, 6. September 2015

Nach Drogen-Experiment: Ermittlungen dauern an

Was hat sich bei dieser Tagung in Handeloh (Landkreis Harburg) am Freitag bloß abgespielt? Diese Frage bleibt vorerst ungeklärt. Denn noch immer sind die Teilnehmer nicht vernehmungsfähig. 29 Menschen, den Angaben zufolge Ärzte, Homöopathen und Heilpraktiker aus dem gesamten Bundesgebiet, hatten bei einem Seminar offenbar mit Drogen experimentiert - und zwar mit illegalen Halluzinogenen. Sie verursachten einen Großeinsatz der Rettungskräfte. Die Polizei vermutete zunächst, sie hätten "2C-E" eingenommen, auch "Aquarust" genannt. Die Droge ist in Deutschland seit Ende 2014 verboten. Doch sicher ist das nicht. Es könnte sich auch um ein anderes Rauschmittel handeln, um welches, müssten chemische Untersuchungen klären, doch die würden an diesem Wochenende nicht mehr stattfinden. Nun ermittelt die Polizei: Es bestehe der Anfangsverdacht des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, hieß es am Sonnabend. 
mehr: 
- Nach Drogen-Experiment: Ermittlungen dauern an (NDR, 06.09.2015) 

Heilpraktiker unter Drogen lösen Großeinsatz aus Massenvergiftung auf Kongress [1:22]

Veröffentlicht am 05.09.2015
Den Einsatzkräften kommen torkelnde Menschen entgegen - es ist ein Großalarm für die Rettungskräfte: In einem Tagungszentrum in Niedersachsen erleiden mindestens 29 Heilpraktiker und Ärzte eine Drogenvergiftung. Sie kommen mit Wahnvorstellungen, Krämpfen und Herzrasen ins Krankenhaus. Jetzt droht ihnen ein Strafverfahren.
Beachte auch den Kommentar!

siehe auch:
- Heilpraktiker vergiften sich mit Drogen (Abendblatt, 05.09.2015)
- Rätselhafte Massenvergiftung mit Drogen: Dutzende Verletzte in Niedersachsen (Südkurier, 04.09.2015)
- Massenvergiftung mit Drogen in Niedersachsen (FAZ.net, 05.09.2015)
- Tagungsteilnehmer vergifteten sich selbst mit Drogen (n24, 05.09.2015)
- Kreis Harburg – Heilpraktiker im Vollrausch (FAZ.net, 05.09.2015)
- Der Großeineinsatz in Inzmühlen: Seminarteilnehmer nahmen Partydroge 2C-E – Polizei leitet Strafverfahren ein (Kristian Stemmler, Buchholz Express, 05.09.2015)

Aktualisierungen:
- Therapeutisches Drogenexperiment: Massenrausch von Handeloh – Seminarleiter im Visier (Neue Osnabrücker Zeitung, 29.09.2015)
- Massenrausch war wohl therapeutisches Drogenexperiment (Stimme, 25.09.2015)

zur Erinnerung:
- Die seltsamen Methoden des Therapeuten Garik G. (Die Welt, 20.09.2009)

mein Kommentar:
Vorsicht mit Abkürzungen!
Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.

Samstag, 5. September 2015

Was ist Wahrheit? – Zum Begriff der Wahrheit in europäischen und indischen Traditionen

Warum wollen wir nach „Wahrheit“ streben, ist dies sinnvoll, wo sich doch im Alltäglichen Wahrheit und Unwahrheit als nützlich erweisen? Ist die Wissenschaft so sicher, dass sie nach Wahrheit strebt – und nicht etwa z.B. nach Macht? So jedenfalls fragt Friedrich Nietzsche. Was soll es überhaupt heißen, wenn wir etwas als »wahr« bezeichnen? Schon die Formulierung des Gegenteils lässt mehrere Möglichkeiten zu: falsch, unwahr, gelogen, das ist doch nicht wahr (im Sinne von: das darf doch nicht wahr sein!), unecht . Diese Beispiele zeigen, dass wir aus dem Gegenbegriff zum Wahren einen höchst vielschichtigen Wahrheitsbegriff erwarten können, und ich möchte auf nur zwei Aspekte eingehen: den philosophisch-erkenntnistheoretischen Wahrheitshorizont und die religiöse Erfahrung der Wahrheit.

Zum philosophischen Wahrheitsbegriff in der europäischen Tradition 


Nicht nur der Wahrheitsinhalt, sondern die Form der Wahrheitssuche ist historisch bedingt. Wir können in der Geschichte des abendländischen Denkens sehr allgemein drei Phasen hinsichtlich der Entwicklung des Wahrheitsverständnisses unterscheiden:

- die onto-theologische von den Vorsokratikern bis zu den Realisten des Mittelalters,
- die subjektivitäts-zentrierte von den Nominalisten bis zum Idealismus,
- die sprachanalytische seitdem.

mehr:
- Was ist Wahrheit? – Zum Begriff der Wahrheit in europäischen und indischen Traditionen (Michael von Brück, "Tibet und Buddhismus" – Zeitschrift für tibetischen Buddhismus im Westen, Tibetisches Zentrum)
Die Begriffe, die wir benutzten, erzeugen illusionäre Eindeutigkeit, insofern sie auf „Dinge“ hinweisen, die so gar nicht gegeben sind. Begriffsbildungen können also praktisch nützlich sein, sie beschreiben aber nicht die Welt, wie sie ist. Die relative Gültigkeit von Aussagen hat dennoch im praktischen Leben erhebliche Bedeutung.
Buddhistische Philosophie - Gespräch mit Michael von Brück [55:12]

Veröffentlicht am 13.05.2015
Ein Gespräch mit dem Religionswissenschaftler Michael von Brück unter der Leitung von Norbert Bischofberger: Der Buddhismus lädt die Menschen dazu ein Achtsamkeit, Güte und Toleranz einzuüben und gegenseitige Abhängigkeit aller Lebewesen anzuerkennen. Die Begegnung mit dem Buddhismus kann in einer Welt ohne Mass zu neuem Denken und Handeln anregen und führen. Davon ist der Religionswissenschaftler Michael von Brück überzeugt. Der Yoga-und Zenlehrer gibt im Gespräch Einblick in die Welt der buddhistische Philosophie und berichtet von seinen eigenen Erfahrungen mit der indischen Geisteswelt und ihrer faszinierenden Verbindung von tiefer Frömmigkeit und intelektueller Schärfe.

Bewusstsein – Ich – Selbst - Wer oder was meditiert ? - Michael von Brück [58:23]

Veröffentlicht am 12.05.2015
Michael von Brück ist ein deutscher evangelischer Theologe und Zen- und Yoga-Lehrer. Bis zu seiner Emeritierung Ende des Sommersemesters 2014 leitete er den Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

...Auf meiner Google+ Seite findet ihr auch buddhistische Texte, Zeitschriften, Bücher ( PDF ) zum Lesen, Downloaden und Teilen !
Wenn ihr nach etwas, zu einem bestimmten Thema sucht: einfach fragen ! Ich schaue, ob ich etwas dazu habe.



Sonntag, 30. August 2015

Negative Nachrichten? Welche negativen Nachrichten?

Heute morgen machte der WDR erneut Stimmung gegen das, was man dort offensichtlich als ein Zuviel an negativen Nachrichten betrachtet.

Es herrscht Krieg in Europa. Ein heißer Krieg in der Ukraine mit tausenden Toten – finanziert von Deutschland und der EU. Ein Wirtschaftskrieg gegen Russland und Wirtschaftskriege gegen Griechenland und andere südeuropäische Staaten, die von der deutschen Wirtschaft in Bankrott, Elend und Ausverkauf getrieben werden. Es herrschen Kriege in der Peripherie des Nahen und Mittleren Ostens und Afrika, die Millionen Flüchtlinge Richtung EU treiben. Es gibt also massenhaft schlechte Nachrichten, die alle – mehr oder weniger direkt – auf europäische Politik zurückzuführen sind.

In diesem Umfeld bemüht sich der Staatssender ARD zunehmend verzweifelt, eine Ponyhof-Illusion der Welt aufrechtzuerhalten. Zur Rechtfertigung einer politisch motivierten Zensur und Manipulation schlechter Nachrichten, wird an der Mär von den „verängstigten Schafen“ gesponnen, die als Vorwand dient, die Bürger dieses Landes zukünftig mit weniger schlechten Nachrichten und mehr positiver Propaganda zu beglücken.

mehr:
- WDR5: Was bringt einen 11-Jährigen dazu, im Funkhaus über negative Nachrichten zu klagen? (Propagandaschau, 22.08.2015, beachte auch de Kmmentare!)

Mittwoch, 26. August 2015

Kindererziehung: Wann ist ein Vater ein Vater?

Kolumne: Stadt, Land, Flucht. Väter sollen sich um die Kinder kümmern, aber sie sollen es machen wie die Mütter. Dabei ist es Zeit für die Frage: Was kann ein Vater besser als die Mutter?

„Lasst Väter Vater sein“. Die Überschrift knallt schon mal. Sie befasse sich mit einer Debatte, die längst überfällig sei, schreibt die Autorin Barbara Streidl, Mitverfasserin des 2008 viel beachteten Werks „Wir Alphamädchen“, Mitbegründerin des feministischen Blogs Mädchenmannschaft und nun Urheberin dieser sogenannten Streitschrift. Die aber kommt zunächst brav daher als ein Sermon über das Glück, Kinder zu haben, über verständnislose Arbeitgeber, den Gender-Pay-Gap, die erkaltete Gesellschaft, welche die Wünsche der Väter nicht anerkenne. Nichts Neues. Dann kritisiert Streidl aber auch jene Frauen, die erwarten, dass er den Kinderjob auf die gleiche Weise ausführt, wie sie es von sich selbst gewohnt ist.

Bereits vor einem knappen Jahrzehnt hat sich der Entwicklungspsychologe Wassilios E. Fthenakis in einer Studie den Facetten der Vaterschaft gewidmet und referierte über die Wandlungen der Vaterrolle in den vergangenen Jahrhunderten. Da muss es verwundern, dass die heutige Debatte um die neuen Väter noch immer im Gewand der 70er Jahre daher kommt.

Während der Vater im 18. Jahrhundert noch in Haus und Hof mit patriarchalischen Strukturen herrschte, ward mit dem Ende bäuerlicher Lebenswelten seine ökonomische Position instabil, schreibt Fthenakis. Mit dem Auslagern seiner Arbeitsstätte löste sich auch sein Einfluss auf die Kindererziehung. Sichtbar wird der Wandel der Vaterrolle vor allem im Scheidungsrecht: Wurden bis ins 19. Jahrhundert die Kinder grundsätzlich ihm zugesprochen, bekam von nun an die Mutter den Zuschlag. In der Nachkriegszeit, so Fthenakis, etablierte sich dann die „Tender Years Doktrin“, nach der die Mutter in ihren elterlichen Kompetenzen dem Vater überlegen sei. Das heutige Vaterbild wiederum speist sich, so klingt es auch bei Streidl an, aus der Anfangszeit des Feminismus, wo auf der einen Seite der androgyne weibliche behütende Typus alles richtig – weil mütterlich – mache und auf der anderen Seite der verantwortungslose Vater seine Familie im Stich ließe oder Gewalt ausübe, konstatiert Fthenakis.

mehr:
- Wann ist ein Vater ein Vater? (Marie Amrhein, Cicero, 23.08.2015)