Anliegen in der Supervision: »Momentan habe ich ein Paar in Therapie, das zunehmend alles negativ sieht. Beide haben eigentlich viele Fähigkeiten und Ressourcen. Sie sehen aber beim Anderen nur noch die Mängel und sorgen sich, dass sie sich definitiv auseinanderleben könnten. Auch wegen der noch kleinen Kinder wollen sie sich wieder mehr aufs Positive konzentrieren. So weit sind wir schon. Eigentlich sind beide recht kreativ, aber manchmal hat man den Eindruck, sie haben nur noch einen problemtranceartigen Tunnelblick auf alles Negative und auf Schwachpunkte. Der Spaß am Leben und der Liebe erlischt dabei. Ich suche eine Hausaufgabe oder etwas Humorvolles für dieses Paar.« Als Erstes fällt mir ein Witz ein:
»Es regnet überraschend in Strömen und die Großveranstaltung in der Konzerthalle geht zu Ende. Zu Beginn der Veranstaltung konnte niemand mit diesem Wolkenbruch rechnen. Alle schauen, ob es Taxis gibt, aber vergebens. Einer der Konzertbesucher läuft um die Halle herum und versucht über einen Schleichweg abseits der Massen zu der doch recht entfernten U-Bahn zu gelangen. Da hält ein Taxi, der Fahrgast bezahlt und verschwindet durch den Hintereingang in die Halle. Ein freies Taxi, ein Geschenk des Himmels! Der Taxifahrer meint: ›Sie sind ja ein richtiger Glückspilz! Das war der Manager der Musikgruppe. Vor der Halle prügeln sich bestimmt Hunderte um die nicht vorhandenen Taxis. Sie sind so ein Typ wie Karlheinz, der hatte auch immer Glück. Egal wo der auch hin fuhr, es war einfach immer ein Parkplatz frei.‹ Der Fahrgast ist skeptisch: ›Ach hören Sie doch auf, das gibt es nicht. Sie übertreiben.‹ Der Taxifahrer erwidert: ›Doch, das war ein unglaublicher Typ. Was der anfasste, wurde zu Gold. Geschäftlich ist ihm alles geglückt, was er anpackte. Er hatte eine Stimme wie Tom Jones. Er war athletisch. Wenn der gewollt hätte, dann hätte er bestimmt Weltmeister im Sport werden können. Das Glück stand ihm stets zur Seite.‹ Der Fahrgast lacht: ›Ach, kommen Sie, das erfinden Sie doch. Das gibt es doch nicht.‹ – ›Doch, doch‹, schob der Taxifahrer nach, ›und als Liebhaber war er unübertroffen. Der Mann war ein Genie auf allen Ebenen.‹ Der Fahrgast wurde schließlich neugierig: ›Wo haben Sie denn diesen Kerl kennengelernt? Das hört sich alles sehr unwahrscheinlich an.‹ Der Taxifahrer erwiderte: ›Ja gut, so direkt kennengelernt habe ich ihn eigentlich nicht. Es ist der verstorbene erste Ehemann meiner Frau.‹«
Anschließend könnte man dem Paar sagen: »Es ist vielleicht nicht klug, bis nach dem Ableben des Partners zu warten, um sich an dessen Stärken zu erinnern, die man irgendwann einmal geliebt hat. Ich würde ihnen gerne eine Hausaufgabe geben. Eigentlich zwei. Zum einen könnten wir für unsere Beratungsstelle gelegentlich die gegengeschlechtliche Variante für obigen Witz gebrauchen. Also eine Frau, die begnadet alles kann und besser macht – und dann ist es die erste Frau eines Mannes. Vielleicht können Sie uns beide unabhängig einen Entwurf für diesen modifizierten Witz schreiben?«
aus Bernhard Trenkle, Dazu fällt mir eine Geschichte ein, gefunden in M.E.G.a.Phon 09/12
Bernhard Trenkle ist ein deutscher Psychotherapeut, Autor und Publizist mit eigener Praxis in Rottweil.
Von 1984 bis 2003 war Trenkle im Vorstand der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose, von 1996 bis 2003 deren 1. Vorstand. Er ist Gründungsherausgeber des M.E.G.a.Phon. Seit 2006 ist er Vorstand der International Society of Hypnosis ISH. http://www.bernhard-trenkle.eu/
Interview Bernhard Trenkle Witz zu Mentales Stärken [3:50]
Veröffentlicht am 27.10.2014 Interview mit Bernhard Trenkle auf Mentales Stärken 2014 - Witz zu Mentales Stärken - www.mentalesstaerken.de
Interview Bernhard Trenkle 1 - Mentales Training im Sport [2:37]
Veröffentlicht am 06.11.2014
Jürgen Klinsmann und Mentaltraining, Deutschland-Brasilien und Mentaltraining, Jogi Löw , Otto Rehagel als Naturtalent.
Bernhard Trenkle 2 - Faszination Mentales Training und was fasziniert an der Tagung Mentales Stärken [3:52]
Veröffentlicht am 06.11.2014
Sepp Herberger Mentale Tricks 1954, Sportpsychologie, Mentale Techniken, Jogi Löw und Götze/Messi, Suggestionen in der Vorbereitung von Sportlern, Hypnotherapie und Mentaltraining, Vorbereitung von medizinischen Operationen und Vorbereitung von wichtigen Auftritten eines Musikers oder Politikers.
Interview Bernhard Trenkle 3 - Mentaltechniken im Alltag [3:10]
Veröffentlicht am 06.11.2014
Mentaltechniken im Alltag, Selbsthypnose bei medizinischen Eingriffen Zähneziehen unter Hypnose, schnelleres Heilen durch Hypnose, Selbsthypnose als Alternative für Regionalanästhesie/Vollnarkose bei Notoperation, Blutungskontrolle unter Hypnose.
Who is Bernhard Trenkel, helping Bertrand Piccard doing Hypnosis?
"DIYed" by Solar Impulse's communication team
Insider #9: Bernhard Trenkle explains what deep trance is [1:31]
Veröffentlicht am 18.12.2013
Bernhard Trenkle explains what deep trance is. Hypnosis is used by Bertrand Piccard during the#72Hsim.
"DIYed" by Solar Impulse's communication team
Learn about Self-Hypnosis with Bertrand Piccard and Bernhard Trenkle [29:53]
Live übertragen am 18.12.2013
Discover how Bertrand Piccard prepares the Round-The-World attempt with Prof. Bernhard Trenkle, specialist in Hypnosis. They discuss about self-hypnosis.
Des öfteren fuhr mein frankophiler Vater mit uns zu den Schlachtfeldern von Verdun. Dort besichtigten wir Fort Vaux, Fort Douaumont, die Höhe 304, die Höhe Toter Mann, das Beinhaus und einige vom Erdboden verschwundene Dörfer. Einmal nahmen wir den etwa 65jährigen Vater eines Freundes mit, der im Ersten Weltkrieg dort gekämpft hatte. Im Fort Douaumont saß ein französischer Kriegsveteran und kassierte den Eintritt. Mein Vater erklärte ihm, sein Begleiter habe damals auch dort gekämpft. Ich war tief beeindruckt, als sich die beiden gestandenen alten Männer minutenlang weinend umarmten… ==========
Nach der Marneschlacht und dem sich hinziehenden Stellungskrieg hatte die deutsche Oberste Heeresleitung(OHL) erkannt, dass ihr angesichts der sich abzeichnenden quantitativen Überlegenheit der Entente die Möglichkeit zur strategischen Initiative allmählich zu entgleiten drohte. Die Idee eines Angriffs bei Verdun stammte ursprünglich von Kronprinz Wilhelm, Oberkommandierender der 5. Armee, dabei de facto federführend Konstantin Schmidt von Knobelsdorf, Generalstabschef der 5. Armee. Die deutsche Heeresleitung entschied sich für den Angriff auf die ursprünglich stärkste Festung Frankreichs (seit 1915 teilweise entwaffnet), um ihrerseits den Krieg an der Westfront wieder in Bewegung zu bringen. Rund um Verdun bestand zudem eine Einbuchtung der Front zwischen dem Frontbogen von St. Mihiel im Osten und Varennes im Westen, wodurch dort die deutsche Front in ihren Flanken bedroht war. Im Gegensatz zu nachträglichen Darstellungen des Generalstabschef des deutschen Heeres, Erich von Falkenhayns[3] war die ursprüngliche Absicht des Angriffs nicht, ohne räumliche Ziele die französische Armee „ausbluten“ zu lassen. Falkenhayn versuchte mit dieser im Jahre 1920 aufgestellten Behauptung, dem misslungenen Angriff und dem negativen deutschen Mythos der „Blutmühle“ nachträglich einen vorgeblichen Sinn zu geben.[4][…]Die Schlacht markiert einen Höhepunkt der großen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges – niemals zuvor war die Industrialisierung des Krieges so deutlich geworden. Dabei sorgte das französische System der Noria(auch „Paternoster“ genannt) für einen regelmäßigen Austausch der Truppen nach einem Rotationsprinzip. Dies trug maßgeblich zum Abwehrerfolg bei und war ein wesentlicher Faktor in der Etablierung Verduns als symbolischer Erinnerungsort für ganz Frankreich. Die deutsche Führung nahm hingegen an, die französische Seite sei zur Ablösung der Truppen wegen übergroßer Verluste gezwungen. In der deutschen Erinnerungskultur wurde Verdun zu einem Begriff, der mit einem Gefühl der Bitterkeit und dem Eindruck, verheizt worden zu sein, verbunden war.
Obwohl die im Juli 1916 begonnene Schlacht an der Somme mit deutlich höheren Verlusten verbunden war, wurden die monatelangen Kämpfe vor Verdun zum deutsch-französischen Symbol für die tragische Ergebnislosigkeit des Stellungskriegs. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen kriegerische Handlungen und dient der gemeinsamen Erinnerung und vor der Welt als Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung. [Schlacht um Verdun, Wikipedia, abgerufen am 04.08.2017]
Die Erfahrungen aus Verdun spiegeln die unmenschliche und menschliche Dimension der Tragödie: Hass und Angst, Durchhaltewahn und Verzweiflung, Alltag .
Die Erfahrungen aus Verdun spiegeln die unmenschliche und
menschliche Dimension der Tragödie: Hass und Angst, Durchhaltewahn und Verzweiflung, Alltag zwischen Leben und Tod. Alltag an der Front und in der Etappe, Trauer um die Kameraden, aber auch versöhnliche Momente während der längsten Schlacht des Ersten Weltkrieges, die am Ende nur Opfer kannte – und die Frontlinie befand sich nahezu dort, wo das Inferno begonnen hatte.
Die szenische Dokumentation zeichnet anhand ausgewählter Einzelschicksale französischer und deutscher Soldaten ein sehr persönliches Bild der verheerenden Kämpfe um Verdun 1916.
Centenaire de la Bataille de Verdun, épisode 4 : La Voie Sacrée {2:42}
Veröffentlicht am 19.05.2016
Le 4e épisode de web-série sur le centenaire de la Bataille de Verdun est intitulé "La Voie Sacrée". Une présentation animée du dispositif incroyable qui a permis à l'armée française de résister pendant la Bataille.
A propos de notre web série Verdun : De février à décembre est diffusée sur nos réseaux sociaux, une web-série de 11 vidéos vous proposant de découvrir la bataille de Verdun sous un angle novateur.
300 jours et 300 nuits de combats : les deux-tiers des divisions françaises engagées, 700 000 tués, blessés, prisonniers et disparus français et allemands. Entre 60 et 80 millions d'obus tirés en 10 mois. Retour sur la plus symbolique des batailles de la 1re Guerre Mondiale sous différentes thématiques : armes, faits de guerre ou personnages historiques.
Centenaire de la Bataille de Verdun, épisode 5 : Les Forts en guerre {3:03}
Veröffentlicht am 19.06.2016
5e épisode de web-série sur le centenaire de la Bataille de Verdun intitulé "Les Forts en guerre".
4 juin 1916. Encerclés par les allemands, le commandant Raynal et ses troupes envoient leur dernier pigeon, Vaillant, depuis le fort de Vaux...
A propos de notre web série Verdun : De février à décembre est diffusée sur nos réseaux sociaux, une web-série de 11 vidéos vous proposant de découvrir la bataille de Verdun sous un angle novateur.
300 jours et 300 nuits de combats : les deux-tiers des divisions françaises engagées, 700 000 tués, blessés, prisonniers et disparus français et allemands. Entre 60 et 80 millions d'obus tirés en 10 mois. Retour sur la plus symbolique des batailles de la 1re Guerre Mondiale sous différentes thématiques : armes, faits de guerre ou personnages historiques.
Dokumentation von German Werth und Claus-Ferdinand Siegfried aus den 1980ern über die Schlacht bei Verdun 1916 mit Berichten ehemaliger Frontkämpfer Teile 1-3
Documentation from the 80ies by German Werth and Claus-Ferdinand Siegfried about the Battle of Verdun including personal descriptions of battle by german veterans Parts 1-3
Documentaire de German Werth et Claus-Ferdinand Siegfried à partir des années 1980 sur la bataille de Verdun en 1916 avec des rapports des anciens combattants Parts 1-3
FOR ALL THE PEOPLE POSTING REPETITIVE COMMENTS: "A hero is someone who understands the responsibility that comes with his freedom." (Bob Dylan). I don't agree with censorship and I will always support freedom of speech and expression. Some people have asked me why I don't delete the entire video because it's being "tarnished" by puerile "games", which are an example of freedom of speech used in a questionable way. I don't want to delete this video because it's not at all about "games". It's about suffering and struggling to live with a mental illness. Imagine yourself in these poor men's shoes for one moment, you'll understand what I mean. I am sorry for you, but I will delete from now any repetitive, meaningless, spam-like comments.
"In World War I, shell shock was considered a psychiatric illness resulting from injury to the nerves during combat. The horrors of WWI trench warfare meant that about 10% of the fighting soldiers were killed (compared to 4.5% during World War II) and the total proportion of troops who became casualties (killed or wounded) was 56%. Whether a shell-shock sufferer was considered "wounded" or "sick" depended on the circumstances. The large proportion of WWI veterans in the European population meant that the symptoms were common to the culture, although it may not have become popularly known in the US. Many generals considered those who suffered shell shock to be cowards, and a large number were executed." http://en.wikipedia.org/wiki/Shell_shock
Clips from the documentary films: "Les grandes batailles- Verdun aux portes de l'enfer" and "La Premiere Guerre Mondiale-Verdun, le cauchemar". Original song:Mother's Journey-Yann Tiersen. I had to replace it due to copyright issues. The present song is Melancholia by Christopher Slaski.
The Century: America's Time - 1914-1919: Shell Shock {44:24}
Veröffentlicht am 28.12.2013
Part two of a 15-part series of documentaries produced by the American Broadcasting Company on the 20th century and the rise of the United States as a superpower.
From the assassination of Archduke Ferdinand in Sarejevo in June of 1914 to Armistice Day in November of 1918, the world was embroiled in the First World War. World War I not only shaped much of the events of the twentieth century but also was truly unique since it was the first "mechanized" war. This episode documents the development of the war and American foreign policy regarding both war and peace.
There is a monument covering a trench that has the fixed bayonets of French soldiers sticking up out of the ground. They died in a barrage that buried them standing up.
Verursacht oder ausgelöst wurde das Krankheitsbild durch psychische Überlastung der Soldaten in Situationen, denen sie im Krieg ausgesetzt waren. Ursprünglich waren führende Neurologen wie zum Beispiel Hermann Oppenheim (1857–1919) der Auffassung, diese Störungen seien durch mechanische Ursachen bedingt. Mit ihm nahmen auch Psychiater und Psychologen damals an, die Störungen würden durch die Druckwellen explodierender Granatenoder durch laute Explosionsgeräusche verursacht, deren Folge kleine Gehirnerschütterungen seien.[1] Heute wird das Leiden zum Teil auch als nichtorganischer Tremor bezeichnet und den Konversionsstörungen zugeordnet oder als Ausdruckskrankheit angesehen. Diese Diskussion wird als „bis heute nicht abgeschlossen“ bezeichnet (heute = Stand 2002).[2]
Die Alliierten nannten die Krankheit Bomb Shell Disease oder auch shell shock, da sie glaubten, die Druckwellen der Explosionen hätten die Gehirne an die Schädelwände gedrückt und so beschädigt.[3]
Heilung gab es bis auf wenige Fälle praktisch keine, da es zu dieser Zeit noch keinerlei Therapien für derartige Störungen gab. Die Opfer waren meist für den Rest ihres Lebens schwerst pflegebedürftig.
Einfache Mannschaftssoldaten wurden (im Gegensatz zu Offizieren, die Bäder oder Beruhigungsmittel erhielten) mittels äußerst schmerzhafter Elektroschocks behandelt, die der „Überrumpelung“ dienen sollten. Mit längerer Kriegsdauer wurde immer öfter der Verdacht hysterischer Simulation geäußert und den Betroffenen unterstellt, von Unproduktivität und Rentenbezug profitieren zu wollen. Ärzte wurden daher angehalten, die Zahl der Rentenberechtigten so niedrig wie möglich zu halten und Heilungsraten zwischen 95 und 100 Prozent zu erzielen. Propagandistische Berichte und Filme aus psychiatrischen Kliniken ließen den Eindruck schneller „Wunderheilungen“ entstehen. In den Anstalten starb zwischen 1915 und 1918 ein Teil dieser Patienten an durch Unterernährung verursachten Krankheiten, da die Zuteilungen an psychiatrische Institutionen zu knapp waren und teilweise der Tod „unnützer Esser“ passiv in Kauf genommen wurde. Zusätzlich wurde von Medizinern zur Erfassung des Phänomens der Kriegsemotionen nach dem Modell epidemisch-infektiöser Erkrankungen eine militärische Topographie erstellt, die besonders den Gegensatz zwischen einer vermeintlich männlich dominierten Frontzone und einer weiblich dominierten Heimatfront (bei fluktuierendem Etappenbereich) hervorhob. So galten einem Arzt „Briefe aus der Heimat“ als stärkeres angst- und erregungsauslösendes und daher potentiell gefährlicheres Moment als unmittelbare Kriegserlebnisse. Der Tübinger Internist Gustav Liebermeister sah die stärkste Ansteckungsgefahr für Kriegsneurosen im Heimatgebiet, „wo wir nicht nur die Kriegsbeschädigten, sondern auch deren Angehörige, ferner einen grossen Teil der weiblichen Bevölkerung und sonst sehr viele Menschen haben, die als Krankheitsüberträger wirken.“ Nachdem in der NS-Zeit durch ein Gesetz vom 3. Juli 1934 seelische Erkrankungen grundsätzlich nicht mehr als Folge erlittener Kriegstraumata anerkannt wurden, wurden schließlich im Rahmen der NS-Euthanasiemorde zwischen 4000 und 5000 psychisch kranke Veteranen des Ersten Weltkriegs umgebracht.[4][5]
In Frankreich wurden Traumatisierte des Ersten Weltkriegs als „émotionnés de la guerre“ (Erkrankung nach einem schreckhaften Ereignis, plötzlicher Furcht oder dem Anblick toter Soldaten) bzw. „commotionés de la guerre“ (mechanische Erschütterung z. B. durch Granatenexplosion mit vermuteter Folge von feinsten Nervenläsionen) bezeichnet. Französische Psychiater klammerten einige Krankheitsbilder aus der generellen Kategorie der Hysterie (die leicht unter Simulationsverdacht geraten konnte) aus und diskutierten die Rolle der Kriegsangst („anxiété“, „angoisse“ oder „peur de la guerre“). Durch die Schaffung dieser neuen Kategorie konnten erkrankten Soldaten die gleichen Ehren zugestanden werden wie körperlich Versehrten. Albert Devaux und Benjamin Logre, zwei Schüler von Ernest Dupré, nannten dementsprechend Soldaten mit Angstzuständen „Invalides du Courage“ (Invaliden der Tapferkeit).[5]
Im englischen Sprachraum bürgerte sich der Begriff Shell Shock für diese psychische Erkrankung ein.
Shell Shock in WWI {49:50}
Veröffentlicht am 13.11.2013
This moving and often emotive documentary describes the discovery of what came to be known as "shell shock" in the Great War and the desperate attempts by the British military to find remedies for it. It will be of interest to students of history, psychology and psychiatric medicine. See also the second part - "Shell Shock 1939-45", also available on this channel. Uploaded for educational purposes only.
»My great grandfather was a psychiatrist during the great war. He faught and faught that shell shock was a mental disorder that needed months if not years of treatment. During a meeting with the war department he was dismissed. They claimed there was no such thing.«
Shellshock in World War One
[2:23]
Veröffentlicht am 08.10.2009
A short clip to use within a history lesson
WW1 Veterans Recall Executions {3:19}
Hochgeladen am 22.07.2007
During WWl, over 300 British and Commonwealth soldiers were executed for desertion or cowardice - some as young as 14. Ahead of Armistice Day, Charles Wheeler spoke to some veterans of the Great War about the executions. 10th November 2005
Family Challenge WW1 Execution {4:03}
Hochgeladen am 22.07.2007
The family of a First World War soldier shot for cowardice, is hoping to get him a conditional pardon at the High Court. Private Harry Farr's granddaughter Janet Booth spoke to BBC Breakfast about the circumstances of his death. 24th October 2005
Private Peaceful - Charlie gets shot {2:16}
Veröffentlicht am 15.01.2014
Private Peaceful - Charlie is shot for cowardice in the face of the enemy. Captions available and working correctly.
Auf dem Blog »Psyche und Politik« findet sich ein Post mit beeindruckenden Beschreibungen sadistisch anmutender Behandlungsformen für diese bemitleidenswerten Soldaten. Link zum Kapitel »Die Kriegszitterer des Ersten Weltkriegs als neues Phänomen in der Medizingeschichte« aus dem Buch »Unvernunft und Kriegsmoral« von Barbara Schaffellner. (googlebooks)
Den Ärzten sei – so Freud – „etwas wie die Rolle von Maschinengewehren hinter der Front zugefallen, die Rolle, die Flüchtigen zurückzutreiben“.[Rezensionzu »Der Krieg der Psychiatrie«, Sarah Mohi-von Känel, Literaturkritik.de, 2010?]
- Traumatisierter Bundeswehrsoldat – Der Kriegszitterer (Ute Scheub, taz, 04.02.2009)
Siegfried Zepter, früherer Oberstleutnant, kam traumatisiert aus Bosnien zurück. Er prozessierte durch drei Instanzen gegen die Bundeswehr - und verlor.
- Kriegszitterer (Bernd Ulrich, ZEIT Online, 18.04.1997) Mobilmachung der Seelen: eine kurze Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie
The Messines crater filled with 10,000 German soldiers, a dark pyramid of German Helmets, the eerie silence of the Armistice, the mountains of artillery that rained from the sky, and the madness of shell shock... Dark5 presents 5 of the most darkly interesting photos from World War I. Join Dark5 ►► http://bit.ly/dark5
AMAZING MOMENTS OF WORLD WAR I COMBAT CAUGHT ON CAMERA 70752 {7:24}
Veröffentlicht am 28.01.2015
Created from official films of the U.S. Army Expeditionary Forces in World War I, "Flashes of Action" is a silent newsreel created in 1928 -- for the ten year anniversary of the end of hostilities. The film features footage of trench warfare, balloon busting by aircraft (including a spotter jumping from the balloon moments before it bursts into flames), gas warfare, nighttime bombardments, and more.
This film is part of the Periscope Film LLC archive, one of the largest historic military, transportation, and aviation stock footage collections in the USA. Entirely film backed, this material is available for licensing in 24p HD. For more information visit http://www.PeriscopeFilm.com
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Quelle: Wikimedia Commons
Als Kriegszitterer wurden auf deutscher Seite im Ersten Weltkrieg und auch noch danach Soldaten bezeichnet, welche an posttraumatischen Belastungsstörungen litten. Die meisten Patienten zitterten unkontrolliert (daher der Name), konnten sich nicht auf den Beinen halten, verweigerten die Nahrungsaufnahme und hatten vor scheinbar banalen Gegenständen wie z. B. Mützen oder Schuhen panische Ängste.
Seit
Eckhart Tolle vor zwei Jahren das erste Mal in Deutschland einen
Vortrag gehalten hat, ist sein Buch „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“
mittlerweile in 32 Sprachen übersetzt worden und stand sogar wochenlang
in der New York Times Bestsellerliste auf Platz Nr. 1. Sogar der Focus
(19/2004) berichtete unlängst über „Meister Eckhart“ und beschreibt ihn
dort als Guru von Hollywood, da sein Buch auch von Schauspielern wie Meg
Ryan, Dennis Quaid, Ursula Karven oder Musikern wie Cher gelesen wird.
Neben dem erfolgreichen spirituellen Lehrer und Buchautor, dessen
Bücher, Videos und Kartensets weltweit über 3 Millionen Mal verkauft
wurden, gibt es aber auch den Menschen Eckhart Tolle, der alles andere
als ein Medienstar ist.
Doris Iding: Wie geht es Ihnen?
Eckhart Tolle: Seit meinem letzten Besuch in Deutschland vor zwei Jahren
ist viel passiert. Die Verbreitung des Buches ist sehr stark
angestiegen. Während es früher nur in esoterischen Buchhandlungen zu
kaufen war, ist es inzwischen in allen Buchgeschäften der USA erhältlich
und sozusagen mainstream geworden. Das liegt daran, dass es
mittlerweile in der New York Times auf Nummer 1 war.
Es war für mich selbst auch überwältigend, wie schnell alles angewachsen
ist. Aber es ist auch wundervoll zu sehen – wenn nicht das schönste an
dem Phänomen überhaupt - wie viele Menschen sich jetzt in einem Prozess
der Bewusstseinswandlung befinden.
Darüber hinaus bin ich in letzter Zeit viel gereist und werde dies jetzt
etwas reduzieren. Es scheint, als wenn jetzt ein Zyklus kommt, in dem
ich etwas zurückgezogener leben werde.
D.I.: Es ist wirklich außergewöhnlich, dass Sie quasi vom
Parkbankbewohner zum Medienstar geworden sind. Bleibt Ihr Ego wirklich
verschwunden, auch jetzt, wo Sie so viel Ruhm erleben?
Eckhart Tolle: Solange ich nicht in die Illusion verfalle, dass ich für
all dies verantwortlich bin, der das tut, ist das Ego nicht da. Nur wenn
ich der Illusion verfalle, dass die Leute kommen, um mich zu sehen,
könnte ein spirituelles Ego entstehen. Aber ich weise die Leute immer
darauf hin, dass sie nicht kommen sollen, um mich zu sehen, sondern um
ihr Selbst zu vertiefen. Sonst wäre es stressig.
Ich bin von Natur aus eher jemand, der zurückgezogen lebt, fast so wie
ein Einsiedler. Und das was jetzt passiert, ist eigentlich schon fast
gegen meine Natur. Trotzdem begebe ich mich dort hinein und dann geht es
auch ganz gut. Die Aufmerksamkeit, die jetzt von allen Seiten auf mich
zukommt, ist etwas seltsam. Es sind natürlich auch die Projektionen, die
von anderen Menschen auf mich übertragen werden. In diesem Falle ist es
besonders wichtig für den spirituellen Lehrer, diese Projektionen nicht
als Wahrheit zu betrachten, denn sonst glaubt man den Projektionen, die
andere auf einen richten. Ich habe einige Lehrer gesehen, die dies
getan haben. Sie haben nach einiger Zeit geglaubt, etwas Besonderes zu
sein. Alle Menschen glauben nämlich, dass der spirituelle Lehrer etwas
Besonderes ist, was allerdings gar nicht der Fall ist. Der spirituelle
Lehrer ist eigentlich weniger besonders als der normale Mensch. Und nur
aus dem Grund kommt etwas zum Vorschein, was tiefer liegt als bei
anderen. Sobald man aber glaubt, etwas Besonderes zu sein, wird es
wieder verdeckt.
D.I.: Freuen Sie sich über das, was Sie erleben?
Eckhart Tolle: Ja, besonders darüber, dass eine so große
Bewusstseinswandlung im Gange ist. Im Fernsehen sieht man es noch kaum,
vor allem nicht in den Nachrichten, aber auch die Tausende von Briefen
und Emails, die ich erhalte, bezeugen, dass eine Veränderung im Gange
ist. Natürlich sind meine Bücher nur ein Aspekt der
Bewusstseinsveränderung. Es gibt ja noch wundervolle Bücher von anderen
spirituellen Lehrern, die alle ein Teil des Wandlungsprozesses sind.
D.I.: Wen würden Sie nennen?
Eckhart Tolle: Byron Katie und Gangaji zum Beispiel. Es freut mich auch
besonders, dass mehr und mehr Frauen zu spirituellen Lehrern werden. Es
werden auch noch mehr werden.
D.I.: Sie haben gesagt, dass Sie von Natur aus eher zurückgezogen leben.
Aber stattdessen reisen Sie immer wieder. Warum tun Sie sich diese
Tortour an?
Eckhart Tolle: Ich lehne sowieso schon einen Großteil der Einladungen
ab, die auf mich zukommen. Es sind höchstens fünf Prozent, die ich
annehme. Und auch das wird sich jetzt noch reduzieren.
Ich habe diese Reisen und Veranstaltungen bisher gemacht, weil ich nicht
anders konnte. Sie kamen an mich heran. Ich habe sie nie gesucht. Zum
Glück hat das Buch mittlerweile eine eigene Energie. Es hat jetzt ein
eigenes Leben. Ich sehe es sogar wie einen eigenen Energieraum. Ich habe
auch gar nicht mehr das Gefühl, dass es mein Buch ist. Es ist jetzt
erwachsen und arbeitet im kollektiven Bewusstsein der Menschen aktiv
mit. Dann gibt es auch noch die Videos und Retreats und es alles
arbeitet weiter. Schließlich ist es jetzt in fast allen Ländern der Welt
zu kaufen.
D.I.: Dann ist Ihr Buch ist ja fast so verbreitet wie die Bibel.
Eckhart Tolle: Ja, das schreiben auch einige Menschen: Das Buch ist
jetzt meine Bibel. Sie haben es auf dem Nachttisch liegen und lesen
immer wieder darin. Es ist ja nicht so, dass man das Buch nach
mehrmaligem Lesen noch der Information wegen liest, sondern um durch das
Lesen in den Bewusstseinszustand der Gegenwärtigkeit einzutreten. Denn
das ist ja das Energiefeld, das in dem Buch wirkt. Und das ist noch
wichtiger als die Information, die durch das Buch vermittelt wird. Es
sind also zwei Ebenen, durch die das Buch wirkt. Die zweite Ebene ist
die wichtigere. Wie das Energiefeld in den Text einfloss, kann ich nicht
sagen. Es war nicht beabsichtigt. Und wenn jemand das Buch aufmacht und
die innere Offenheit dafür da ist,
kann es die Wirkung haben, dass es
den gleichen Bewusstseinszustand im Leser hervorruft, aus dem das Buch
geschrieben wurde. Und das ist fast ein Wunder.
D.I.: Das heißt, ich könnte mir das Buch auch unter das Kopfkissen legen.
Eckhart Tolle: Fast. Die meisten Menschen sagen, dass sie nur ein paar
Zeilen lesen und dann in die Gegenwärtigkeit kommen. Sie werden sich der
Energie in ihrem Körper bewusst etc.
D.I.: Eigentlich ist doch alles in dem Buch „JETZT“ enthalten. Warum
dann die vielen anderen Bücher? Wird Ihre Botschaft dadurch nicht
oberflächlicher?
Eckhart Tolle: Im Grunde genommen ist es immer nur eine Lehre. Es ist
nichts Neues, aber es gibt viele Perspektiven, von denen aus man über
diese Wahrheit sprechen kann. Und es gibt viele Perspektiven, die auf
diese Wahrheit hinweisen können. Deshalb schreibe ich weiter. Darüber
hinaus gibt es bestimmte Dinge, von denen ich jetzt schreibe, über die
ich vorher nicht gesprochen habe. Sie haben sich organisch durch die
Vorträge in den letzten drei bis vier Jahren entwickelt. Und für viele
Menschen waren die neuen Perspektiven auch sehr hilfreich.
D.I.: Wenn man Ihren Namen hört, dann wird er ja immer mit „JETZT“ in
Verbindung gebracht. Gibt es daneben auch noch einen Privatmenschen
Eckhart Tolle?
Eckhart Tolle: Ja natürlich. Es gibt den ganz normalen Menschen, der all die Dinge des Alltags tut.
D.I.: Schauen Sie sich auch schon mal ein Fußballspiel im Fernsehen an?
Eckhart Tolle: Nein, dass nicht gerade. Fußball und Sport interessieren
mich nicht. Aber manchmal fahre ich mit dem Fahrrad, trinke ein Glas
Bier, kaufe im Supermarkt ein oder fahre Auto. Manche Menschen sind über
die Tatsache, dass ich Auto fahre, erstaunt. (lacht) Ich weiß nicht
warum.
D.I.: Manchmal frage ich mich, ob jemand, der so im gegenwärtigen Moment
lebt wie Sie und anscheinend nichts mehr braucht, trotzdem ab und zu
ein Restaurant besucht, um sich dort kulinarisch verwöhnen zu lassen?
Eckhart Tolle: Ja. Ich genieße es. Ich bin aber auch zufrieden, wenn ich
jeden Tag das gleiche esse. Je aufmerksamer man ist und je mehr man im
gegenwärtigen Moment lebt, desto mehr genießt man ihn. Manchmal schaue
ich auch Fernsehen, wenn auch nicht für lange Zeit.
D.I.: Sie haben ja auch eine Lebensgefährtin. Gibt es im JETZT auch Streitpunkte oder Beziehungsprobleme?
Eckhart Tolle: Jede Lebenssituation hat ihre Herausforderungen. Es ist
eine Situation, die entsteht, die eine neue Anforderung an den Menschen
stellt. Zum Beispiel war es für mich eine große Herausforderung, so
bekannt zu werden. Jede Herausforderung bringt auch neue Beschränkungen
mit sich. Und natürlich gibt es in jeder Beziehung Dinge, die man
besprechen muss, emotionale Schwankungen. Die meisten Menschen haben
noch einen Schmerzkörper und der wird in einer Beziehung natürlich
aktiviert. Die besondere Herausforderung einer Beziehung ist, den
emotionalen Zustand des Partners sowie die eigenen Emotionen zuzulassen
und gleichzeitig zu erkennen, dass es neben den Emotionen noch einen
tiefen Raum gibt. Wenn einem das gelingt, ist man nicht vollständig
gefangen von seinen eigenen Emotionen. Dieser weite Raum ist der
Schlüssel für die Herausforderungen in den persönlichen Beziehungen. Man
könnte auch sagen, dass man versucht, diese Emotion zu
entpersonifizieren. Denn jede Emotion ist nur eine menschliche Emotion
und eigentlich gar nichts persönliches.
D.I.: Das heißt, dass dann auch Wut oder Traurigkeit auftauchen kann?
Eckhart Tolle: Wütend bin ich sehr, sehr selten. Aber es kommt vor, dass
auch Tränen kommen. Jede Emotion ist ein Teil des Lebens, der
Lebendigkeit, des manifestierten Lebens.
D.I.: Sie haben geschrieben, dass Sie zwei Jahre gebraucht haben, Ihre
Erfahrung zu integrieren. Ich höre aber immer wieder, dass es viel
länger dauert, bis eine so tiefgehende Erfahrung integriert ist, bzw.
dass die wirkliche Arbeit erst nach der Erfahrung beginnt.
Eckhart Tolle: Natürlich war diese Erfahrung noch nicht vollkommen
integriert. Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich überhaupt etwas tun
konnte.
D.I.: An welchem Punkt der Integration sehen Sie sich jetzt - wenn man überhaupt von einem Punkt sprechen kann.
Eckhart Tolle: Es ist sehr schwer, sich selbst von der Perspektive der
Totalität aus zu sehen. Eine erste Integration dauerte Jahre, dann kam
eine Vertiefung. Durch das Buch und durch das Lehren kam ebenfalls eine
Intensivierung. Welchen Platz das jetzige Stadium im Ganzen hat, kann
ich nicht sagen. Auch wenn es so scheint, dass es sich um etwas
Persönliches handelt, ist es eher ein universaler Prozess, in dem wir
uns gerade befinden. Es ist unmöglich, mit dem Verstand zu erfassen, wo
genau wir uns innerhalb des Prozesses befinden, denn mit dem Verstand
können wir nur einen winzigen Bruchteil erkennen. Aber jeder von uns ist
ein untrennbarer Teil dieses Prozesses und das ist das wunderbare
daran. Ich stelle mir überhaupt keine Fragen, ob noch mehr kommt, oder
ob es genügt, sondern ich gebe mich vollkommen dem gegenwärtigen Moment
hin und auch das ist schon wieder die Vertiefung.
D.I.: Dann kommen ja auch täglich wieder neue Überraschungen auf Sie zu!
Eckhart Tolle: Ja, und das ist das Schöne daran. Durch die
Herausforderungen kommen auch sehr oft die Vertiefungen auf mich zu. Das
heißt, dass man zum Beispiel das begrüßt, was man vorher mit dem
Verstand verurteilt hat. Zum Beispiel, dass etwas schief geht. Die Welt
der Formen ist nun mal nicht sehr stabil. Auch der menschliche Körper
besitzt nur eine kurzlebige Form. Oft beurteilt der Verstand eine
Situation und sagt: „Es geht schief!“. Dabei ist jede Erfahrung eine
wundervolle Herausforderung.
Man kann durch die Weise, wie man einer solchen Herausforderung
begegnet, bestimmen, ob man durch sie bewusster wird oder unbewusster.
Jedes Mal, wenn irgendetwas passiert, besteht die Möglichkeit, dass man
entweder in ein altes Reaktionsmuster, wie eine egoistische
Verhaltensweise, herabgezogen oder aber aufmerksamer und gegenwärtiger
wird.
Ich kenne zum Beispiel einige Menschen, die unheilbar krank sind. Sie
haben vielleicht vom Arzt erfahren, dass sie nur noch wenige Monate zu
leben haben. Aber in diesen Menschen hat sich ein unglaublicher
Bewusstseinswandel vollzogen, weil sie ihrer Krankheit erlaubt haben,
sie in den gegenwärtigen Moment zu zwingen. Wenn man keine Zukunft mehr
hat, wo soll man dann hingehen? In die Vergangenheit zurückzugehen ist
für viele sehr schmerzhaft. Dann bleibt zwangsläufig nur noch der
gegenwärtige Moment, wo es zu einer enormen Vertiefung des Bewusstseins
kommen kann. Bei manchen Menschen, die dies tun, sehe ich, dass sie von
innen heraus richtig strahlen. Sie erkennen dann selbst, dass die
Krankheit das Beste war, was ihnen passiert ist. Aber natürlich können
auch kleine Herausforderungen das Bewusstsein vertiefen.
D.I.: Sie haben gerade gesagt, dass man entweder bewusster oder
unbewusster durch eine Herausforderung werden kann. Kann ich denn
überhaupt unbewusster werden, wenn ich einen bestimmten Grad an
Bewusstheit erreicht habe?
Eckhart Tolle: Wahrscheinlich nicht permanent, aber man kann zeitweise
in die Unbewusstheit zurückfallen. Das beobachte ich sehr oft an
Menschen, die einen bestimmten Grad an Gegenwärtigkeit erreicht haben.
Sie werden durch bestimmte Ereignisse in ihrem Leben, sehr oft sind es
Konflikte in ihren engeren Beziehungen, wieder für eine Zeit
unbewusster, wachen dann aber wieder auf. Es geht schließlich nicht
ständig nach oben, sondern die spirituelle Entwicklung ist eher wie der
Verlauf einer Spirale. Die meisten Menschen müssen sich damit abfinden,
dass sie sich hin- und herbewegen zwischen dem alten unbewussten
Verhalten und dem neuen Bewusstsein der Gegenwärtigkeit. Wichtig daran
ist, dass man immer wieder aus dem alten unbewussten Zustand aufwacht.
Es ist nicht so wichtig, wie lange man in der Gegenwärtigkeit ist, denn
das kommt mit der Zeit ganz von alleine. In dem Moment, in dem man
erkennt, dass man identifiziert ist mit Gedanken oder Emotionen, ist
schon wieder das gegenwärtige Bewusstsein da. Dann besteht natürlich die
Gefahr, dass der Verstand eingreift und sagt: „Du kannst nicht bewusst
bleiben!“ oder „Du bist wieder gescheitert.“ Dabei muss man darauf
achten, dass man sich selbst nicht wieder verurteilt, dass man unbewusst
geworden ist. Der unbewusste Zustand ist nichts Persönliches. Es ist
auch kein Fehler, unbewusst zu sein.
Man muss sich bewusst sein, dass das Ego versucht, die Oberhand zu
behalten, denn es hat eine Intelligenz. Es weiß, welches die
verführerischen Gedanken sind, die den Menschen wahrscheinlich wieder in
die Identifizierung zurückbringen. Jeder Gedanke hat magnetische
Anziehungskraft und versucht die Aufmerksamkeit des menschlichen Geistes
an sich zu ziehen, um zu wachsen. Ist man aufmerksam, sieht man, dass
die Gedanken wollen, dass man sie wichtig nimmt und sich mit ihnen
identifiziert. „Gib mir deine Aufmerksamkeit!“ ruft jeder Gedanke. „Ich
bin der wichtigste Gedanke!“ (lacht wieder herzlich)
D.I.: Sie geben in Ihren Büchern zahlreiche Hinweise und genaue
Anleitungen, in die Gegenwärtigkeit zu kommen. Aber den Zustand, in dem
Sie sich befinden, haben Sie durch Gnade erreicht. Den kann man ja nicht
machen. Dieser Zustand ist bei Ihnen auch ohne einen Lehrer passiert.
Ist es denn dann nicht auch für andere Menschen Gnade, dorthin zu
kommen?
Eckhart Tolle: Ja, das seltsame an meiner Wandlung war, dass es so
plötzlich kam. Und es kam auch ohne Lehrer. Es war Gnade. Aber, um
überhaupt erreicht werden zu können, muss ein Boden da sein. Es gibt
nämlich genügend Menschen, die ein spirituelles Buch aufmachen und das,
was darin steht, ist für sie vollkommen bedeutungslos. Das bedeutet
nicht, dass diese Menschen vielleicht weniger intelligent sind, sondern
das, was die Wahrheit einer Lehre erkennen könnte, ist noch verdeckt.
Man könnte es Gnade nennen, wenn eine Offenheit da ist, die Wahrheit zu
erkennen, die in einer geistigen Lehre enthalten ist. Hat jemand die
Offenheit noch nicht, muss man warten, bis der Mensch innerlich reif
genug ist und sich etwas in ihm öffnet – was dann natürlich auch wieder
Gnade ist. Es hat aber auch etwas mit dem menschlichen Leid zu tun, da
es letztendlich das menschliche Leid ist, welches die Schale des Ego
aufbricht. Ist diese Schale dann aufgebrochen, ist eine gewisse
Offenheit da. Somit verbirgt sich die Gnade im menschlichen Leid selbst.
Es wird zwar vom Ego hervorgerufen, aber paradoxerweise ist es auch so,
dass das menschliche Leid das Ego am Ende zerstört. Das Ego zerstört
sich am Ende durch selbsthervorgerufenes Leid. Darum ist es auch nicht
gut, das Ego als negativ zu bewerten. Es ist sowohl als auch. Es ist ein
wichtiger Bestandteil der menschlichen Entwicklung. Die Wandlung, die
dann nach der Öffnung geschieht, ist ein Prozess. Es ist kein einmaliges
Erlebnis, sondern alle Menschen erleben es so.
Natürlich wird der Prozess beschleunigt, wenn der Mensch mit einer
lebendigen geistigen Lehre oder einem geistigen Lehrer in Kontakt kommt.
Der Mensch würde zwar ohne den Kontakt auch dahin kommen, aber so geht
es dann schneller. Man könnte sagen, dass man dadurch Zeit spart.
D.I.: Haben Sie selbst einen Lehrer?
Eckhart Tolle: Nach meiner Bewusstseinswandlung habe ich mehrere Jahre
damit verbracht, alle Lehrer, die ich finden konnte, zu besuchen und mit
ihnen zu sprechen. Denn zu der Zeit verstand ich noch nicht, was
geschehen war. Ich wusste nur, dass ein innerer Zustand des Friedens da
war. Wie und was passiert war, wusste ich nicht. Ich hatte das starke
Bedürfnis, mehr über meinen inneren Zustand zu lernen. Ich habe mit
Buddhisten und allen anderen Lehrern gesprochen. Dann habe ich auch
angefangen zu lesen. Gewisse Lehrer haben mir sehr geholfen, meinen
eigenen Zustand zu erkennen und zu verstehen. So hat mir zum Beispiel
ein Mönch gesagt, dass Zen damit zu tun hat, dass die Gedanken aufhören.
Und in dem Moment erkannte ich zum ersten Mal, warum der Zustand des
inneren Friedens da war. Das war nach drei, vier Jahren. Da erst
realisierte ich, dass ich gar nicht mehr viel denke, dass das zwanghafte
Denken nicht mehr da ist. Dieses Denken hatte bei mir früher diesen
schrecklichen inneren Zustand hervorgerufen. Jeder Gedanke war
schmerzhaft. Zu jener Zeit sah ich bei meiner Mutter eine Bibel und zum
ersten Mal wusste ich genau, was mit den Worten Jesu gemeint war, als er
sagte, dass die Blumen auf dem Feld blühen und sich nicht darum
kümmern. Als ich das las, sah ich die Tiefe. Und mir wurde bewusst, dass
es jeden Sonntag in der Kirche gelesen, aber die gewaltige Tiefe der
Sätze nicht erkannt und gelebt wird. Und somit warfen Gespräche mit
Lehrern oder Schriften Licht auf meinen Zustand und durch das konnte ich
auch gleichzeitig die Lehre verstehen. Ich fühlte mich auch sehr zum
Buddhismus hingezogen, zu der Erkenntnis des Buddha, der sagt, dass das
Selbstgefühl, die Identität, eine Illusion ist. Und auch das war neu für
mich.
D.I.: In einem Buch gehen Sie auf die Sutren ein und schreiben, dass Sie
an die Sutren, die Lehren Buddhas etc. anschließen. Dann stellen Sie
sich ja mit Buddha und Jesus auf eine Stufe. Das finde ich ganz schön
gewagt.
Eckhart Tolle: In Wirklichkeit gibt es keinen Buddha und keinen Jesus,
sondern nur das Bewusstsein, dass durch manche Menschen hindurchscheint
und manchmal die Form von Worten annimmt. Mehr nicht. In Wirklichkeit
ist es eine Illusion zu glauben, dass da ein Mensch ist, der eine
bestimmte Stufe erreicht hat. Die Wahrheit ist, dass da ein Mensch ist,
der durchscheinend genug ist. Der als Person so unbedeutend geworden
ist, dass das Bewusstsein durch ihn durchscheinen kann und sich dann als
Ausstrahlung oder durch Worte auszeichnet. Aber man darf es nicht
gleichsetzen mit einer Person.
D.I.: Jetzt habe ich noch eine letzte Frage: Wenn Sie drei Wünsche hätten, was wären diese?
Eckhart Tolle: Da müsste ich sehr lange nachdenken. Und ich würde
wahrscheinlich keine finden. Denn alles, was im Moment geschieht, könnte
nicht besser sein.
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