Mittwoch, 22. März 2017

Psychotherapie im Neoliberalismus

Psychotherapie ist hocheffektiv. Ihre Effektstärken übertreffen beispielsweise diejenigen von Bypass-Operationen (Nübling, 2011) und vielen anderen medizinischen Verfahren. Das gilt besonders für die kürzeren verhaltenstherapeutischen und tiefenpsychologischen Therapien, weil hier zur allgemeinen Effektivität noch die Wirtschaftlichkeit hinzukommt.

Nichtsdestoweniger wird die Lage der Psychotherapie und der Psychotherapeuten in Deutschland immer schlechter. Gleichzeitig steigt die Zahl psychischer Erkrankungen dramatisch. Armut und Unsicherheit greifen um sich und diejenigen, die noch einen Arbeitsplatz haben, werden als 'Menschenmaterial' durch 'zahlenorientierte Führungsstile' zu Leistungen angetrieben, die mit psychischer (und physischer) Gesundheit zunehmend unvereinbar sind.

mehr:
- Die Lage der Psychotherapie: eine Katastrophe (Hans Metsch, psyon.de, Dezember 2012)
Dieser ökonomisch begründete Zwang zur wissenschaftlichen Legitimierung einer vergleichsweise jungen Disziplin war zunächst für die Disziplin selbst vorteilhaft. Ihre Verfahren gehören heute zu den um besten untersuchten in der Medizin überhaupt und das bezieht sich auch auf die ökonomischen Aspekte der Psychotherapie (Lamprecht 1996).
Die wissenschaftlichen Hauptverfahren der Psychotherapie – psychoanalytisch begründete Psychotherapie und Verhaltenstherapie – haben in über 4000 klinisch kontrollierten Studien ihre Wirksamkeit bewiesen. Je nach Störungstyp rangieren die Heilungsraten zwischen 80 bis 95 % bei funktionellen Störungen, zwischen 75 und 85 % bei Neurosen und 60 bis 70 % bei psychosomatischen Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen. Besserungen in Symptomatik und im Verhaltensbereich sind bei mehr als 85 % der Patienten aller Störungsgruppen nachzuweisen. Vergleicht man Kosten und Nutzen von Psychotherapie auf der Wirksamkeitsebene (Break-Even d = 0,22) liegt für ambulante Psychotherapie die Effektstärke bei d = 0,80 (Smith et al. 1980), bei der stationären Psychotherapie bei d = 1,20, d. h. das Ergebnis übersteigt den Kosteneinsatz bei stationärer Psychotherapie um das Fünffache (Wittmann 1996). [Michael Geyer, Die Macht der Ökonomie in der Psychotherapie in: P. Buchheim M. Cierpka (Hrsg.), Macht und Abhängigkeit, Lindauer Texte, Kongressband April 2000, S. 32ff., PDF, Hervorhebung von mir]
dazu auch:
- Psychologe Paul Verhaeghe: „Sinngebung ist ein kollektives Geschehen“ (aus „Tijdschrift voor Sociale Vraagstukken“, Interview: Jan van Dam & Marcel Ham, Verlag Antje Kunstmann, Datum unbekannt, PDF)
- Privatisierung in Psychiatrie und Psychotherapie – zwischen Shareholder Value und öffentlich-rechtlicher Gesundheitsfürsorge (Fritz Hohagen, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, Kongressvortrag 2006, PDF)
- Über die Verletzung der Menschenwürde in unseren Tagen oder:
»Nur weil man Analphabet ist, fehlt ist einem nicht an Würde« (in: Luise Reddemann, Würde – Annäherung an einen vergessen Wert in der Psychotherapie, Klett-Cotta, Stuttgart, 2008, S. 86ff., GoogleBooks)
- Psychotherapie unter Effizienzdruck (Rolf Haubl in: Marianne Leuzinger-Bohleber, Rolf Haubl (Hg.), Psychoanalyse: interdisziplinär – international – intergenerationell, Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S. 390ff., GoogleBooks)
Die Neoliberalisierung der Universität (Post, 24.08.2016)
- Das neoliberale Narrativ: Wir sind verkehrt! (Post, 05.10.2016)
- Möglichkeiten und Grenzen des psychotherapeutischen Angebots (in: Alfred Pritz, Thomas Wenzel (Hrsg.), Weltkongreß Psychotherapie. Mythos - Traum - Wirklichkeit, Facultas Universitätsverlag 2002, S. 269ff., GoogleBooks)
- Heimlicher Wertewandel (in Marie-Luise Althoff, Macht und Ohnmacht mentalisieren: Konstruktive und destruktive Machtausübung in der Psychotherapie, Springer, 2017, S. 7ff.)
- »Muss Psychotherapie politisch werden?« Podiumsdiskussion (AK Kritische Psychologie Klagenfurt/Celovec, 29.03.2017)
- Macht der Kapitalismus depressiv? (Werner Eberwein, werner-eberwein.de, Datum unbekannt) 

siehe auch einige Videos mit 
Gert Postel
(nach dem Motto: Die Welt könnte so schön einfach sein!)

Vorsitzender Richter am BGH Armin Nack lobt Gert Postel {7:02}


Veröffentlicht am 16.05.2013
Werner Fuss
Vorsitzender Richter am BGH Armin Nack lobt Gert Postel
Zur "Schuldfähigkeit":
BGH: Armin Nack, Vorsitzender Richter des 1. Strafsenats am Bundesgerichtshof, zum Begriff der Schuldfähigkeit.
Am 31. Mai 2012 in Passau auf Einladung der studentischen Fachzeitschrift Der Jurist.
!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!
Origingalbeschreibung des ganzen Videos (1h:4min):
"BGH: Armin Nack, Vorsitzender Richter des 1. Strafsenats am Bundesgerichtshof, erklärte am 31. Mai 2012 in Passau auf Einladung der studentischen Fachzeitschrift Der Jurist die revisionsgerichtliche Urteilsprüfung durch den Strafsenat des BGH."
Quelle und vollständiger Vortrag - Video (1h:4min):
http://video.uni-passau.de/video/Vort...
BEMERKUNG: Die Kurzversion ist das Ende des langen Videos ab Minute 57:04

Gert Postel: Ich war ein Hochstapler unter Hochstaplern (Lesung & anschließende Diskussion). {1:59:10}

Veröffentlicht am 24.05.2016
Deutscher Verband für Hypnose e.V. (DVH)
Gert Postel hatte schon viele Positionen inne: Leitender Oberarzt, Weiterbildungsbeauftragter der Landesärztekammer, Vorsitzender des Facharztprüfungsausschusses.
Viele Jahre lang hat er als Oberarzt in psychiatrischen Fachkliniken gearbeitet, Patienten behandelt und etliche Gerichtsgutachten erstellt. Dann platzte die Bombe: Der hochdotierte Facharzt war in Wirklichkeit Postbote!
Ein Skandal, der Deutschland bewegte – und in einer schonungslosen Abrechnung mit der Welt der Psychiatrie endete.
Am 17./18. Oktober 2015 fand bei München die Konferenz des Deutschen Verbands für Hypnose e.V. (DVH) statt. Gert Postel hielt am Samstag Abend der Konferenz eine Lesung aus seinem autobiographischen Buch "Doktorspiele" mit anschließender Diskussion. Anhand seiner Story lässt sich sehr deutlich ablesen, welche Rollen Glaubenssätze, Erwartungen, Überzeugungen (und nicht zuletzt ein starkes Selbstbewusstsein) im Leben häufig spielen.
Der Vortrag bewegte das Publikum sichtlich, und die emotionalen Reaktionen schwankten über die volle Bandbreite - von Zustimmung bis hin zu kategorischer Ablehnung.
Als Veranstalter war es uns wichtig, hier eine neutrale Möglichkeit der Auseinandersetzung zu bieten: Unser Ziel war es nicht, Stellung gegen oder für die Psychiatrie zu beziehen, sondern die Teilnehmer dazu einzuladen, (auch unbequeme) Fragen mal für sich selbst reflektieren zu dürfen, und diese auch gemeinsam diskutieren und ausloten zu können - von der Freiheit des Willens über die Rolle von Ethik und Moral, bis hin zur Wertigkeit von Etiketten und Diagnosen. Dafür bot der Abend eine ganz hervorragende Möglichkeit.

Gert Postel analysiert Bushido, Schwesta Ewa, Karate Andi uvm. im Interview {50:58}

Veröffentlicht am 24.01.2016
Heckmeck.TV
Gert Postel ist einer der bekanntesten Hochstapler Deutschlands. Zwischen 1980 und 1995 gab sich der eigentliche Briefzusteller als Arzt aus. In manchen psychiatrischen Kliniken war er sogar in leitenden Positionen tätig und hielt seine Kollegen damit zu Narren. Sogar bei Gerichtsprozessen stellte Postel psychologische Gutachten über die Angeklagten aus und wurde dafür von Armin Nack, dem Vorsitzenden Richter des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs gelobt. Und das nur mit einem Hauptschulabschluss. Postel selbst mag diese Ettiketierung jedoch nicht und geht darauf in unserem Interview ein.
Durch die für ihn äußerst positive Begegnung mit Kollegah bei Schulz und Böhmermann erklärte er sich bereit, anhand von Videos von Prinz Pi, Karate Andi, Bushido, Schwesta Ewa, SSIO und Toony ein kurzes (pseudo-)psychologisches Gutachten über deren Images abzugeben.
Postel im Netz: www.gert-postel.de
Twitter: http://twitter.com/postelgert
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PS:
Gutes Trinkspiel: Ein Shot für jeden Busen-Blicker von Postel.

mein Kommentar:
Ich kann mich ja eines Schmunzelns nicht erwehren. Auch wenn Postel auf mich ziemlich unsympathisch wirkt, ist er nicht nur der Beweis dafür, daß unser System sehr angreifbar ist sondern zeigt auch auf, wie!

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