Mittwoch, 25. Mai 2016

Warum zum Teufel dürfen wir keine Angst und Zweifel haben?


Klar erleben wir lieber Glück, Freude, Liebe und Leichtigkeit. Aber deshalb Ängste und Zweifel zu ungewünschten Gefühlen zweiter Klasse abstempeln und vor ihnen weglaufen? Nein! Wenn wir unsere Ängste aushalten, macht uns das stärker.

Karrierekiller Angst?

Später an diesem Abend im April kam eine Frau auf mich zu, nahm mich spontan in die Arme und sagte mit Tränen in den Augen: „Sie glauben gar nicht, wie sehr es mich erleichtert, von Ihnen zu hören, dass Ängste sein dürfen! Danke!“

Bei solch einem Feedback wird mir besonders warm ums Herz. Denn, um ehrlich zu sein: Mit diesem Thema bin ich schon ziemlich missionarisch unterwegs. So auch an diesem Abend in Wien – circa 100 Menschen, Geschäftsführer, Führungskräfte und Personaler waren mein Publikum – Titel meines Vortrags: „Karrierekiller Angst?“.

Seit ich mein Buch „Angstfrei arbeiten. Selbstbewusst und souverän im Job“ geschrieben habe, ist mir dieses Thema enorm wichtig. Vermutlich jedoch aus anderen Gründen, als ihr jetzt glauben werdet. Es geht mir nämlich nicht in erster Linie darum, Menschen möglichst schnell von allen Ängsten und Zweifeln zu befreien. Klar lebt es sich besser ohne Ängste. Das kann aber nicht bedeuten, dass wir unsere Ängste so behandeln sollen, wie es ein Kollege von mir in einem Vortrag einmal vorschlug:
„Behandle Deine Ängste so, als ob sie lästige, unsinnige, überflüssige und nervtötende 

Phobien sind.“ 
Find ich gruselig, ganz ehrlich. 
Weil Ängste Emotionen sind, die wir ernst nehmen und in gewisse Weise sogar wertschätzen sollten, so paradox es klingen mag! Klar erleben wir lieber Glück, Freude, Liebe und Leichtigkeit. Aber deshalb Ängste und Zweifel zu ungewünschten Gefühlen zweiter Klasse abstempeln und weglaufen, wegschauen und verleugnen? Nein! Das haben sie nicht verdient, die Ängste.

Ich mag viel lieber den Indianerspruch:

„Der Weg ist dort, wo die Angst ist.“

Halten wir die Angst aus!

Hören wir hin, was sie uns zu sagen hat. „Da bist du also. Wozu bist du hier? Wovor willst du mich beschützen, wovor möchtest du mich warnen – was kannst du tun für mich?“ Nehmen wir sie ernst.

Wenn wir nämlich wie die Kinder die Ohren zuhalten, die Augen zukneifen und laut pfeifend singen „Ich hab gar keine Angst, sie ist gar nicht da, lalala!“, dann muss sie lauter werden. Muss mehr stören, sich bemerkbarer machen. Bis wir endlich hinhören. Und dann kommt sie zur Ruhe, teilt sich uns mit. Und dann werden auch wir ruhiger und es dürfen Mut und Vertrauen kommen.
mehr:
- Warum zum Teufel dürfen wir keine Angst und Zweifel haben? (Bettina Stackelberg, editionf.com, 25.05.2016)
siehe auch:
- xxx (Post, )
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Freitag, 20. Mai 2016

Depressionen bei Männern: Wilhelm Busch und die Hirnchemie in Ungleichgewicht

Busch war ein ernster und verschlossener Mensch, der viele Jahre seines Lebens zurückgezogen in der Provinz lebte. Seinen Bildergeschichten, die er als „Schosen“ (französisch chose = Sache, Ding, quelque chose = etwas, irgendwas) bezeichnete, maß er wenig Wert bei. Sie waren am Beginn für ihn nur ein Broterwerb, mit dem er nach einem nicht beendeten Kunststudium und jahrelanger finanzieller Abhängigkeit von den Eltern seine drückende wirtschaftliche Situation aufbessern konnte. Sein Versuch, sich als ernsthafter Maler zu etablieren, scheiterte an seinen eigenen Maßstäben. Die meisten seiner Bilder hat Wilhelm Busch vernichtet, [Wilhelm Busch, Wikipedia]
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Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 als erstes von sieben Kindern aus der Ehe zwischen Henriette Kleine und Friedrich Wilhelm Busch geboren. Sechs weitere Geschwister folgten in kurzem Abstand. Fanny (1834), Gustav (1836), Adolf (1838), Otto (1841), Anna (1843) und Hermann (1845) überlebten alle ihre Kinderzeit. Die Eltern waren strebsame, fleißige und fromme Protestanten, die es im Laufe ihres Lebens zu einigem Wohlstand brachten.[6] Sie konnten es sich später erlauben, neben Wilhelm zwei weitere ihrer Söhne studieren zu lassen. Die Bereitschaft Friedrich Wilhelm Buschs, in so hohem Maße in die Ausbildung seiner Söhne zu investieren, führt der Busch-Biograf Berndt W. Wessling zumindest zu einem Teil auf dessen eigene uneheliche Abstammung zurück, die insbesondere im dörflichen Raum ein erheblicher gesellschaftlicher Makel war.[7]
Der junge Wilhelm Busch war zwar groß gewachsen, jedoch von eher zartem und feingliedrigem Körperbau. Jungenhaft derbe Streiche, wie er sie später seinen Protagonisten Max und Moritz andichtete, blieben in seiner Wiedensahler Kindheit selten. Er selbst hat sich später in seinen autobiographischen Skizzen und Briefen als ein empfindsames, ängstliches Kind geschildert, das die „Bangigkeit gründlich studiert“[8] habe und fasziniert, mitleidig und verstört reagierte, wenn im Herbst die Haustiere geschlachtet wurden.[9] Das kindliche Miterleben der „schauderhaft anziehenden“[10] „Metamorphose in Wurst“[11] prägte Wilhelm Busch so nachhaltig, dass er sich während seines gesamten Lebens vor Schweinefleisch ekelte.[12]
Im Herbst 1841, nach der Geburt des Bruders Otto, wurde der nunmehr neunjährige Wilhelm Busch seinem Onkel mütterlicherseits, dem 35-jährigen Pfarrer Georg Kleine in Ebergötzen, zur Erziehung anvertraut. Ein Grund dafür war wohl neben der räumlichen Enge im kinderreichen Elternhaus auch der Wunsch des Vaters, seinem Sohn eine bessere Erziehung zu verschaffen, als sie die Wiedensahler Dorfschule zu bieten vermochte, wo bis zu 100 Kinder gleichzeitig auf 66 Quadratmeter unterrichtet wurden.[13] Die nächste von Wiedensahl aus erreichbare weiterführende Schule lag im ca. 20 Kilometer entfernten Bückeburg. Die Buschs hätten ihren Sohn dort als Kostgänger bei einer fremden Familie unterbringen müssen. Pfarrer Kleine dagegen, der gerade selbst erst Vater geworden war, verfügte in Ebergötzen über ein geräumiges Pfarrhaus und war prädestiniert, gemeinsam mit seiner Frau Fanny Petri eine Ersatzelternrolle wahrzunehmen.[14] Tatsächlich erwies sich Georg Kleine als ein verantwortungsbewusster und fürsorglicher Onkel, bei dem Wilhelm Busch in den Jahren seiner Erfolglosigkeit immer wieder Zuflucht fand.[15] [Wilhelm Busch, Kindheit, Wikipedia]


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Wilhelm Busch ZDF 09.01.08 [2:46]


Hochgeladen am 09.01.2008
Beitrag im ZDF am 09.01.2008

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150 Jahre Comics aus Deutschland - Karikatur und Zeichenkunst in Hannover [3:34]
Veröffentlicht am 16.02.2014
"Streich auf Streich - 150 Jahre Max und Moritz"
"Deutschsprachige Comics von Wilhelm Busch bis heute"
http://www.karikatur-museum.de/Streic...

"Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Präsentation von Bildergeschichten- und Comic-Originalen mit ihren Vorzeichnungen und Skizzen, die die Entstehung der Werke nachvollziehbar machen. Bei der Auswahl der ausgestellten Comics werden alle Medien, deren sich die Künstler bedienen, berücksichtigt: So sind Heft-Serien zu sehen wie Sigurd, Silberpfeil, Mosaik und Fix und Foxi sowie Alben bzw. Bücher wie Werner von Brösel, Das kleine Arschloch von Walter Moers oder Der bewegte Mann von Ralf König. Ebenso werden in Deutschland populäre, in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckte Comicreihen wie Vater und Sohn, Nick Knatterton, Mecki oder auch Strizz thematisiert. Auch aktuelle Phänomene wie künstlerisch ambitionierte Graphic Novels, beispielsweise von Isabel Kreitz, Reinhard Kleist und Ulli Lust, populäre »Germanga« nach japanischem Vorbild und Internet-Blog-Comics werden präsentiert."

Programm zur Ausstellung (PDF-Format)
http://www.karikatur-museum.de/_user/...

http://www.karikatur-museum.de/



Die typisch depressiven Symptome wie gedrückte Stimmung, Verminderung von Antrieb und Aktivität, reduzierte Fähigkeit zu Freude, beeinträchtigte kognitive Funktionen und Vitalparameter etc. finden sich bei männlichen Patienten nicht immer in der gewohnten Art. Sie neigen weniger zum emotionalen Rückzug und zum typisch depressiven „Losigkeitssyndrom“. Wohl sind auch bei depressiven Männern Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen stark beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Gedanken über die eigene Wertlosigkeit und Schuldgefühle vor. Auch verwenden Männer wie Frauen Suchtmittel, vor allem Alkohol, als falsch verstandene Eigenmedikation (sogenannter sekundärer Alkoholismus) zum Lösen von Spannung, Ohnmacht, Wut, die von einer unbehandelten depressiven Störung stammen können. Wilhelm Busch beschreibt in der „Frommen Helene“ diesen Modus: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“. Allerdings wird dadurch das Gegenteil bewirkt: Es kommt zur Akzentuierung und Dekuvrierung vordem ausreichend kontrollierter Persönlichkeitsanteile und -impulse.

Die meisten Menschen – und Männer noch mehr als Frauen – fürchten sich am meisten vor dem Verlust der rationalen Kontrolle. Das ist vermutliche Ursache der tiefsitzenden Angst vor Geisteskranken. Auch bei Depressionen ist die Stimme der Vernunft leise. Sie setzt sich gegen einen erstarrten Affekt, eine agitierte Antriebssteigerung, eine mühsam gebremste oder durchbrechende Wut einfach nicht durch.
mehr:
- Die männliche Depression (Sigrun Roßmanith, Homepage, 01.10.2015)

Sigrun Roßmanith: Depressionen bei Männern [2:42]

Veröffentlicht am 19.09.2015
Warum Männer später zum Psychiater kommen als Frauen.

Mehr dazu und zu meiner Ordination unter
http://www.sigrunrossmanith.at/

2 Wege aus der Depression (Coach & Mentaltrainer Dr. Marc Stollreiter) [7:58]

Veröffentlicht am 22.11.2013

mein Kommentar:
»zusammengefaßt: Wenn Sie sich vorstellen können, daß Sie sich wie Münchhausen am Schopf selbst aus dem Sumpf ziehen zu können, dann können Sie das auch tatsächlich.«
Ein Hoch auf Mentaltrainer! (Wenn das Wörtchen »wenn« nicht wär’…)

Siehe auch:
- Was ist nur mit mir los? – Ein Lesebuch für depressive Patienten und ihre Angehörigen (Lilly-Pharma, PDF)
»Depressionen sind kein Grund, sich zu schämen, und sie sind keineswegs Zeichen einer labilen Psyche. Viele erfolgreiche, selbstbewusste Menschen sind betroffen, und auch die Geschichte kennt viele, wie zum Beispiel: Wilhelm Busch, Winston Churchill, Jean-Paul Sartre […] Die Behandlung der Depression mit Tabletten stellt eine – in vielen Fällen – wirksame Methode zur Therapie dieser Erkrankung dar. Dies lässt sich damit erklären, dass die Depression – wie oben beschrieben – auf eine Stoffwechselstörung im Gehirn zurückzuführen ist. «
Mein Kommentar:
Man reiche mir meine Uzi! Woher nehmen diese Leute die unglaubliche Arroganz zu behaupten, daß das biochemisch Meßbare das Psychische verursacht? Die Forschungsergebnisse, von denen Goleman [Emotionale Intelligenz] berichtet, beweisen das Gegenteil! (bzw. zumindest eine Wechselwirkung)


Das posttraumatische Stress-Syndrom setzt den neuralen Sollwert für Alarm in gefährlicher Weise herab, so daß der Betroffene auf normale Lebensvorgänge in einer Weise reagiert, als wären es Notfälle. Daran, daß ein so übermächtiges Brandmal in der Erinnerung zurückbleibt, scheint die im zweiten Kapitel besprochene »Entgleisungs«-schaltung beteiligt zu sein. Je brutaler, schockierender und grauenvoller die Ereignisse, welche die Entgleisung des Mandelkerns auslösen, desto unauslöschlicher ist die Erinnerung. Die neurale Grundlage dieser Erinnerungen besteht anscheinend in einer umfassenden Veränderung in der Chemie des Gehirns, in Gang gesetzt durch einen einzigen Fall von überwältigendem Grauen. Zwar beruhen die PTSD-Befunde in der Regel auf der Wirkung eines einzigen Erlebnisses, doch können ähnliche Folgen auf Grausamkeiten zurückgehen, die über eine Spanne von mehreren Jahren erlitten wurden, wie im Falle von Kindern, die sexuell, physisch oder emotional mißhandelt werden. […]
»Wer Opfer eines verheerenden Traumas geworden ist, ist biologisch nicht mehr derselbe wie vorher«, erklärte mir Dr. Dennis Charney. Charney, ein Yale-Psychiater, ist Direktor der klinischen Neurowissenschaft am National Center. [aus: aus Goleman, Emotionale Intelligenz, dtv, 1997, S. 256ff.]

 


zu PRSD siehe:
- Das posttraumatische Stress-Syndrom (Post, 25.02.2015)
- Epigenetik: Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Gene (Post, 28.02.2015)
- PTSD in der Bundeswehr (Post, 30.12.2015)
- Stigma – das »Sahnehäubchen« auf dem Trauma (Post, 15.12.2015)
siehe auch:
Peter Gøtzsche: Vortrag zu Übermedikalisierung und Überdosierung (Winston Smith, Meinungsverbrechen, 06.12.2015)
Simplistic notion of antidepressants correcting chemical imbalance in the brain is publically untenable (Duncan Double, Critical Psychiatry, 28.11.2015)
Werbung für SSRI-Antidepressiva irreführend, sagen Wissenschaftler (Thomas Gotterbarm, gefunden auf MutzumAnderssein, der Psychiatriekritischen Gemeinschaftshomepage, 12.11.2005, PDF)

siehe auch:
- Psychisch krank und weltbekannt (Kurier. at, 15.10.2012)
- Weitere bekannte Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die unter psychischen Belastungen und psychischen Krankheiten litten (Berühmte Persönblichkeiten über ihre Angst, Depressionen und Burn-out, Janett Menzel, IchhabeauchAngst, 01.12.2015)
- Genie und seelische Störung (Volker Faust, PsychosozialeGesundheit)
- Berühmte psychisch kranke Persönlichkeiten (Bodo Bodenstein, Pahashi)
- Depressionen: Psychischer Stress verkürzt das Leben (SPON, 01.08.2012)
- Neuer Ansatzpunkt für Therapien gegen Depressionen (Stephanie Heyl, GesundheitsindustrieBW, 13.01.2016)
Wenn Freudlosigkeit, innere Leere, Antriebslosigkeit und sogar Suizidgedanken sich beständig breit machen und die einfachsten Dinge wie Körperpflege fast unmöglich sind, kann das ein Zeichen für eine Depression sein. Oft wird „depressiv“ gleichbedeutend mit verstimmt verwendet. Die Depression dauert jedoch meist viel länger als zwei Wochen und entzieht sich völlig der Beeinflussung durch Willenskraft oder Zuspruch. Sie ist eine lebensbedrohliche Krankheit, die behandelt werden muss und auch gut behandelt werden kann. Eine depressive  Episode kann häufiger als einmal auftreten. „Etwa die Hälfte der Depressionsfälle sind einmalig, man hat eine Depression im Leben und dann nie wieder“, sagt Prof. Dr. Dietrich van Calker von der Sektion Psychopharmakotherapie an der Psychiatrie der Universitätsklinik Freiburg, „leider ist die andere Hälfte aber rezidivierend. Das heißt, wer einmal eine Depression hatte, hat ein erhöhtes Risiko für eine weitere.“

mein Kommentar:
Junge, Junge, wer rezidivierende Depressionen hat, hat nicht ein erhöhtes Risiko (das sowieso), der hat eine Persönlichkeitsstörung!
Die Pharmaindustrie zaubert ein Hoffnungs-Karnickel nach dem anderen aus dem Hut und verdient sehr gut daran! Und immer das gleiche Erklärungsmodell: chemisches Ungleichgewicht. »Calker analysiert die molekularen Ursachen von Depressionen…« Für diesen Satz braucht man eigentlich einen Waffenschein!

- Prominente Bipolare (BipolarKreis, 25.04.2012)

Dienstag, 17. Mai 2016

Schwerkraft ade: Bergauf rollende Kugeln

26.04.2012 - In diesem Video rollen Kugeln scheinbar bergauf. Werden sie etwa von einem Magneten angezogen? Oder wird auf andere Weise die Schwerkraft überlistet? - Die Erklärung ist sehr viel einfacher… 
[SPIEGEL, 26.04.2016]

Schwerkraft ade - Bergauf rollende Kugeln. Optische Täuschung Video Nr. 1 [0:50]

Hochgeladen am 06.07.2011
Mehr Informationen unter: http://illusionoftheyear.com
Weiter zum nächsten Video Nr. 2: http://youtu.be/5YFOWIDdXzA
In diesem Video rollen Kugeln scheinbar bergauf. Werden sie etwas von einem Magneten angezogen Oder wird auf eine andere Wiese die Schwerkraft überlistet? -- Die Erklärung ist sehr viel einfacher...

Mit Material des "Best Illusion of the Year Contest" der Neural Correlate Society / Kokichi Sugiha

Montag, 16. Mai 2016

Helikopter-Eltern – Per Anwalt gegen Lehrer

Eltern tyrannisieren Lehrer per Anwalt - bisweilen wegen eines einzigen Punktes in einer Klausur. Wenn es um Bildung geht, setzt bei manchen Vätern und Müttern offenbar der Verstand aus.

Ein Fachmann für Schulrecht aus Bayern berichtet von "unglaublichen Exzessen", weil Eltern im Streit um einzelne Punkte in Klassenarbeiten vor Gericht ziehen. Stimmt das Klischee von den "Helikopter-Eltern" also doch? Das Bild von den übereifrigen Müttern und Vätern aus dem Bildungsbürgertum, die alles überwachen wollen, vor allem die Schullaufbahn ihres Kindes? Und vor denen sich Lehrer und andere Eltern gruseln?

Neu ist das Phänomen nicht. Die Metapher von den "Hubschrauber-Eltern" tauchte schon vor Jahrzehnten auf. Aber heute sind diese Mütter und Väter stark von Angst getrieben, glauben Fachleute wie der britische Soziologe Frank Furedi, der 2008 in seinem Buch "Paranoid Parenting" ("Die Elternparanoia") von einer weiter wachsenden Verunsicherung schrieb. Eltern sehen ihre Kinder demnach ständig bedroht.

Wenn es um Bildung und Erziehung geht, setzt bei einigen der Verstand aus - und die Panik ein. Aber wovor eigentlich? Ist es die Angst, das eigene Kind könnte in unserer Leistungsgesellschaft den Anschluss verlieren, wenn es nicht den Sprung aufs Gymnasium schafft oder den Numerus Clausus für den gewünschten Studienplatz knackt?

Hat die Panik mit Abstiegsängsten und Existenzsorgen einer Elterngeneration zu tun, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und der Einführung von Hartz IV aufgewachsen ist? Wer heute Kinder im Schulalter hat, ist oft selbst nur über unbezahlte Praktika oder befristete Stellen ins Erwerbsleben gelangt. Nachvollziehbar, dass man sich da um die Zukunft der Kinder sorgt.

Die große Verunsicherung

Furedi hat noch eine andere Erklärung: Unzählige Ratgeber, Psychologen und Pädagogen, die sich allesamt zu Experten für Kindererziehung erklärt hätten, verunsicherten Mütter und Väter massiv und schürten bei ihnen die Angst, Fehler zu machen. Auch Journalisten tragen demnach mit hämischen Berichten über "Helikopter-" oder "Curling-Eltern" dazu bei, dass Elternschaft als uncool und vor allem schwierig gilt. Das verunsichert Mütter und Väter weiter. Das Phänomen reproduziert sich selbst.
mehr:
- Per Anwalt gegen Lehrer: Liebe Eltern, chillt mal! (Silke Fokken, SPON, 15.05.2016)
- Eltern verklagen Lehrer: "Es kommt zu unglaublichen Exzessen" (Silke Fokken, SPON, 16.05.2016)

Sonntag, 15. Mai 2016

Das mütterliche Gehirn

Mutterschaft ist nicht nur ein kulturelles Konstrukt, sondern ein biologisches Phänomen mit messbaren physiologischen Folgen. Was eine Gesellschaft daraus macht, ist eine andere Frage

Die Debatte, was das Mutter-Sein für eine Frau bedeutet, und mehr noch, was es nach gesellschaftlichen Vorstellungen bedeuten soll, ist seit dem Erscheinen der Studie "Regretting Motherhood" von Orna Donath virulent geworden und hat sich auf Telepolis auch in einem Artikel von Bettina Hammer (Non, je ne regrette rien - Abgesehen von der Mutterschaft) niedergeschlagen.

Das, was man wohl nur sarkastisch das "gesunde Volksempfinden" nennen kann, stört sich daran, dass es Frauen gibt, die in der Mutterschaft mitnichten ihre Erfüllung gefunden haben, sondern es im Gegenteil bereuen, Mutter geworden zu sein. Bettina Hammer und andere wiederum sehen in dieser Abwehrreaktion die Äußerung eines überkommenen Mutterkultes und halten dagegen, dies sei alles nur "mystische Verklärung" einer "quasi per Natur entstehenden Hingabe" und folglich eine "esoterisch anmutende Ansicht". Implizit steckt darin die Behauptung: Mutterschaft ist, über das reine Fortpflanzungsgeschehen hinaus, ein rein kulturelles Konstrukt.

mehr:
- Das mütterliche Gehirn (Konrad Lehmann, Telepolis, 14.05.2016)

Freitag, 13. Mai 2016

Einige Aspekte aus dem Leben von C. G.Jung

Carl Gustav Jung, der 1864 verstorbene Großvater, ist als Achtundzwanzigjähriger in die Schweiz gezogen und auf Empfehlung von Alexander von Humboldt 1822 an die Universität Basel berufen worden. In der Familie wird die Legende tradiert, dieser berühmte, gleichnamige Grossvater, dem sich Jung sehr nahe fühlte, sei ein natürlicher Sohn Goethes gewesen. Jungs Mutter stammte aus Basel. Durch ihre Familie ist Jung über fünf Jahrhunderte zurück im schweizerischen Volkstum verwurzelt. Ihr Vater, Samuel Preiswerk, war ein bedeutender Theologe und Hebraist, der auch mit Geistern Umgang pflegte. Seine zweite Frau, Jungs Großmutter, hatte, nachdem sie als Achtzehnjährige 36 Stunden lang scheintot gewesen war, das ?zweite Gesicht". Mediale Begabung, ebenso wie Theologie, Medizin und Naturwissenschaften, also jene Bereiche, die sich in Jungs späterer Ausrichtung auf die Psychiatrie kreuzen, haben in der Familie Tradition.[…]

Früh schon sind die Beziehungen zwischen den Eltern gespannt, sie schlafen in getrennten Zimmern, der Junge schläft beim Vater. Die Mutter bleibt mehrere Monate im Krankenhaus. "Die lange Abwesenheit meiner Mutter hat mir schwer zu schaffen gemacht. Seit jener Zeit war ich immer misstrauisch, sobald das Wort "Liebe" fiel. Das Gefühl, das sich mir mit dem „Weiblichen" verband, war lange Zeit: natürliche Unzuverlässigkeit. "Vater" bedeutete für mich Zuverlässigkeit und - Ohnmacht." Der Junge leidet an psychosomatischen Erkrankungen, und nachts befallen ihn Ängste. Seine Mutter lehrt ihn ein Nachtgebet, das er jeden Abend beten "muss". In seinen Erinnerungen schildert Jung, wie ihm als Kind der Jesus, den ihm dieses Gebet sowie andere aufgeschnappte Ereignisse, Aussagen und Lehrsätze vermitteln, zu etwas Ungeheurem anwächst - ?eine Art Totengott".

Während er dem Vater und Pastor gegenüber skeptisch bleibt, schildert er seine Mutter mit mehr Wärme: „Meine Mutter war mir eine sehr gute Mutter. Sie hatte eine große animalische Wärme..., eine ausgesprochene literarische Begabung, Geschmack und Tiefe. Aber das kam eigentlich nirgends recht zum Ausdruck; es blieb verborgen hinter einer wirklich lieben dicken, alten Frau... Sie hatte alle hergebrachten traditionellen Meinungen, die man haben kann, aber handkehrum trat bei ihr eine unbewusste Persönlichkeit in Erscheinung, die ungeahnt mächtig war - eine dunkle große Gestalt, die unantastbare Autorität besaß - darüber gab's keinen Zweifel."


Jungs Schilderung seiner eigenen Kindheit, wie er sie in hohem Alter in "Erinnerungen, Träume, Gedanken" niedergelegt hat, liest sich wie ein religiös zu nennendes Ringen. Carl ist geprägt vom elterlichen Pfarrhaus und dem Versuch seiner Eltern, ein frommes Leben zu führen. Die Formen und Riten, die ihm präsentiert werden, kommen ihm jedoch, verglichen mit dem eigenen inneren Erleben, schal und hohl vor. Das Kind wird von Träumen und Visionen heimgesucht. […] Wenn Jung später in seinen Schriften stets von neuem Aussagen über den psychologischen Aspekt der Gottesidee machen wird, die immer wieder auf Kritik, nicht nur von theologischer Seite, stoßen werden, so geschieht dies zweifelsohne auf diesem Hintergrund. Wiederholt wird er betonen, dass er nur als Seelenarzt und Wissenschaftler spricht; doch lässt er immer einen Raum spürbar offen, in welchem seine frühe Erfahrung gilt: und darüber soll man schweigen.

Im Alter von drei oder vier Jahren erlebt er seinen ersten Traum, seine "Uroffenbarung", den er aber erst als Dreiundachtzigjähriger, erzählen wird. Dieser Traum begleitet kontrastiv als dunkler Widerpart die Lichtgestalt Christi. "Der Phallus dieses Traumes scheint auf alle Fälle ein unterirdischer und nicht zu erwähnender Gott zu sein. Als solcher ist er mir durch meine ganze Jugend geblieben und hat jeweils angeklungen, wenn vom Herrn Jesus Christus etwas zu emphatisch die Rede war." Damals, so stellt er fest, habe sein geistiges Leben seinen unbewussten Anfang genommen. Gerhard Wehr macht auf die auffallende zeitliche Nähe zu Friedrich Nietzsche aufmerksam: Dieser, ebenfalls ein Pfarrerssohn, schreibt 1881 in "Sils Maria" seine epochenprägende Proklamation "Gott ist tot" nieder. Im geistesgeschichtlichen Kontext sieht Wehr sie beide "neue Horizonte inmitten der Gottesfinsternis" erspähen. Für Jung selber war Nietzsches "Zarathustra" nach Goethes "Faust" die zweite Begegnung mit einer verwandten Seele. Seine inneren Erlebnisse behält der Junge für sich. "Dieser Besitz an Geheimnis hat mich damals stark geprägt. Ich sehe es als das Wesentliche meiner frühen Jugendjahre an, als etwas, das für mich höchst bedeutend war." […]


Bis in sein hohes Alter wird sich Jung, der keiner anerkannten Konfession beigetreten ist, immer wieder auf seine persönliche Erfahrung berufen: „Auch heute bin ich einsam", bekennt er wenige Jahre vor seinem Tod, „weil ich Dinge weiß und andeuten muss, die die anderen nicht wissen und meistens auch gar nicht wissen wollen." […]

1914

Nach der Trennung von Freud folgt eine Zeit innerer Unsicherheit, ja Desorientiertheit. Jung lässt sich nun auf eine Auseinandersetzung mit dem Unbewussten ein. Die Flut von Bildern aus dem Unbewussten ist derart überwältigend, dass er sich veranlasst sieht, seine akademische Laufbahn aufzugeben.

Vor dem Ersten Weltkrieg wird er wiederholt von Visionen befallen, in denen ein Meer von Blut Europa bedeckt. Als dann der Krieg ausbricht, sieht Jung seine wichtigste Aufgabe darin, sich auf sich selber zu besinnen, zu begreifen, inwiefern sein eigenes Erleben mit dem der Kollektivität zusammenhängt. „Ich lebte ständig in einer intensiven Spannung, und es kam mir oft vor, als ob riesige Blöcke auf mich herunterstürzten." Innere Beruhigung tritt in dem Masse auf, wie es ihm gelingt, die Emotionen in Bilder zu fassen, und indem er das Ganze als ein wissenschaftliches Experiment betrachtet, gewinnt er etwas Distanz. Als „soror mystica" steht ihm Toni Wolff bei seiner „Nachtmeerfahrt" als eine unentbehrliche Bezugsperson bei.

Er lässt sich von den Phantasiegestalten seiner Seelenbühne zur Erkenntnis führen, „dass es Dinge in der Seele gibt, die nicht ich mache, sondern die sich selber machen und ihr eigenes Leben führen". Auf diese Art begegnet er jenem Seelenaspekt, den er „Anima" nennen wird: seinem weiblichen Teil des Unbewussten. Sie wird ihm zur Vermittlerin zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Er stösst hier auf einen Archetyp, dessen Entsprechung bei der Frau er „Animus" nennen wird. Der Bearbeitung des Materials, das es da aus den Tiefen des Unbewussten angespült hat, wird von dieser Zeit an sein ganzes Werk und Leben gewidmet sein.
 [aus: Biographie,  CGJung.com]

siehe auch:

- Carl Gustav Jung (Werner Stangl, Arbeitsblätter)
- Astrologie/Jung: Lageschema am Himmel (SPIEGEL 14/1968, 01.04.1968)
- Enthüllte Briefe (SPIEGEL 32/1970, 03.08.1970)
- Psychoanalyse: Verfluchte Briefe (SPIEGEL 15/1974, 08.04.1974)
- Wotans Erwachen (SPIEGEL 13/1977, Original)
- Psychoanalyse – Gewöhnliche Poesie (SPIEGEL 12/1982, 23.02.1982)
- „Neue Hochzeit mit einem Propheten“ (SPIEGEL 5/87, 26.01.1987)
- Fragiles Selbst (SPIEGEL 32/1997, 04.08.1997)
- C. G. Jungs «Rotes Buch» – das beeindruckende Vermächtnis eines Analytikers des kollektiven Unbewussten – Die Nachtseite der Seele (Andrea Köhler, 14.10.2009)
- SPIEGEL-Gespräch: „Künstler sind wie Seelenärzte“ (SPIEGEL 45/2011, 07.11.2011)
- Vater im Himmel (SPIEGEL 6/2014, 25.11.2014)
- Das Rätsel der Schizophrenie (in: Andrea Molzino, Schizophrenie – eine philosophische Erkrankung?, Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, GoogleBooks, S. 44)
 - Biographie (Chaoskind)
- War C.G.Jung schizophren ? (Forum GIGA, 19.03.2005)
- C.G.Jung (Frank Sacco, siehe auch: Das Sacco-Syndrom)
- C.G. Jung, konservativer Verkünder psychiatrischer Grundannahmen - eine weitgehend übersehene Tatsache (Marc Rufer, Forum Meinungsverbrechen, 22.04.2013)
- Nachtmeerfahrten, Sabina Spielrein und eine Flaschenpost an Verena Kast (Post, 04.12.2011)

über den Individuationsprozeß:
- Der Individuationsprozeß in der analytischen Psychologie C.G. Jungs (Tewes Wischmann, Datum unbekannt)
Die Auseinandersetzung mit den archaischen kollektiven Bildern des Unbewußten als Aufgabe der I. kann also Gefahr laufen, daß die archetypischen Komplexe aufgrund ihrer "Numinosität" das Ich-Bewußtsein inflationieren. "Die Individuation wäre eine geordnet verlaufende ,Psychose', die Psychose eine mißglückte Individuation" (Blomeyer 1975, S. 260). "Wie die Neurose, so ist auch die Psychose in ihrem inneren Verlauf ein Individuationsprozeß, der aber nicht ans Bewußtsein angeschlossen ist und darum als Ouroboros im Unbewußten verläuft" (Jung, in Jacobi 1971, S. 44 f). Daraus ergibt sich allerdings auch der positive Aspekt zumindest der neurotischen Störung eines Menschen, denn "seine Neurose hat den Sinn daß er zu einer vollständigen Persönlichkeit wird, und das schließt Anerkennung seines ganzen Wesens, seiner guten und schlechten Seiten, seiner entwickelten und minderwertigen Funktionen ein, sowie die Fähigkeit, selbst die Verantwortung dafür zu übernehmen" (Jung 1975, S. 167)[24].
- Haben Psychosen auch was Positives? (Kompetenznetz Schizophrenie, Diskussionsforum, ab 13.05.2011)
Psychose als Entwicklungsschritt? Das sei zynisch, meinte mein Psychiater. Ich hatte ihm von meiner Internetlektüre erzählt, nach der eine Psychose auch als Entwicklungsschritt verstanden werden könne und nach dem die Medikamente eine wichtige persönliche Transformation einfach abwürgten. Er kenne niemanden, der eine Psychose lustig gefunden habe, es sei zynisch eine Krankheit als Entwicklungsschritt zu bewerten. Das sei ein Ungleichgewicht im Stoffwechsel und müsse behandelt werden. [Zora, 13.05.2011] 
Gerade diese Woche bin ich darauf auch wieder hingewiesen worden durch einen Film, der "Das Steinzeitrezept" hieß, und über den ich woanders hier im Forum heute schon mal geschrieben habe.

Es ist für mich verblüffend zu sehen, dass die doch so einfache und nachvollziehbare Erkenntnis so vernachlässigt wird, dass wir Menschen uns Jahrmillionen in der afrikanischen Savanne entwickelt haben und erst seit 5000-10000 Jahren Ackerbau und Viehzucht betreiben und eine Zivilisation aufgebaut haben und erst seit knapp 100 Jahren in etwa in den Verhältnissen leben, in denen wir heute leben.

Wir sind von unserer ganzen Natur nicht an das Leben, das wir heute und hier führen, angepasst. Wir sind ausdauernde Läufer, Allesfresser, vor allem Früchte, Gemüse und Fleisch, soziale Wesen in einem stabilen Sippenverband, die ständig von Raubtieren bedroht sind, die lange Phasen Hunger leiden und nichts zu Essen und zu Trinken finden, und sich dann irgendwann wieder den Bauch vollschlagen und feiern, ein unregelmäßiges Leben, wo man nachts auch überfallen werden kann und auch tagsüber vorsichtig sein muss. Unser Gehirn haben wir, um ein solches Leben erfolgreich leben und sich fortpflanzen zu können.

Wir, die wir heute leben, sind die Nachkommen von denen, die dieses Leben erfolgreich bestanden haben. Die eben alles überstanden haben, was da an Not, Krankheiten, Gefahren und Entbehrungen war.

So ist unser Gehirn aufgebaut. Dann sind wir in einer Famile aufgewachsen, zur Schule gegangen, haben gearbeitet in einem regelmäßigen Ablauf, hatten immer was zu essen und die einzige Gefahr war, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt.

Unser Leben ist ganz anders als das Leben, für das wir geboren wurden. Wenn wir unsere biologischen Wurzeln zu sehr verleugnen und missachten, dann werden wir krank. Seelische Krankheiten, körperliche Krankheiten, Allergien, Unverträglichkeiten, alles das kann kommen.

Ich denke, ich habe es jetzt gelernt. Man muss das Leben nehmen wie einen langen, ewigen Campingurlaub. Dann kommt man klar. Vor der Psychose war ich eingezwängt in meinen stereotypen Lebensvorstellungen. Heute orientiere ich mich endlich nach dem, wer ich eigentlich bin.
Ich sag ja nicht, dass ich das immer so kann, aber das ist das, was ich durch die Psychose gelernt habe: Zu sein, wer ich bin.
 [Oknos, 14.05.2011] 
- Carl Gustav Jung (Chaoskind, Datum unbekannt)
Archetypen sind "Energiekomplexe", die besonders in Träumen, Neurosen und Wahnvorstellungen ihre Wirkmacht entfalten. Jung erklärt eine Psychose, die unter anderem dann entstehen kann, wenn eine Neurose nicht behandelt wird, als Überhandnehmen des Unbewussten, das sich des Bewusstseins bemächtigt, um dessen Einstellung zu korrigieren und das Individuum auf dem Weg zur Ganzwerdung zu befreien. Die nun "symbolisch" wirksamen Archetypen zielen darauf ab, die Gesamtpersönlichkeit wieder ins Lot zu bringen, indem sie urzeitliche, durch Numinosität sehr attraktive Zielbilder ins Bewusstsein aufsteigen lassen. Diese Bilder und die Beschäftigung der Seele mit ihnen haben die Aufgabe, der Persönlichkeit eine fundamentale Balance zurückzugeben, Sinn und Ordnung zu stiften. Sie manifestieren sich daher in symbolischen Bildern universeller Gültigkeit, die einen beträchtlichen Anteil am Leben eines jeden haben. Das Selbst ist das Zentrum der Persönlichkeit. In ihm werden alle gegenläufigen Teile der Persönlichkeit zusammengefasst und vereinigt. Es ist das Ziel des lebenslangen Individuationsprozesses, der im wesentlichen daraus besteht, möglichst große Teile des Unbewussten dem Bewusstsein einzugliedern. Die "Individuation" setzt immer neue und umfassendere Anpassungsleistungen der Persönlichkeit voraus und in Gang. Er findet auf der "Ich-Selbst-Achse" statt.

C.G.Jung im Gespräch (Originalaufnahme 1960) [36:37]


Veröffentlicht am 15.11.2013
"Ich habe es nicht nötig an Gott zu glauben, ich weiss es." Über das Religiöse, die Archetypen, die Wichtigkeit der Träume, die Schwierigkeit der Vermittlung, die Bedeutung des Einzelnen, die Unterbewertung der menschlichen Seele, das Ergriffen-Sein, die Sinnfrage und das Numinose (Gespräch aus Anlass des 85. Geburtstages. Georg Gerster, 1960).
Teil der C.G. Jung-Playlist (deutsch): https://www.youtube.com/playlist?list...

Ein legendärer Psychoanalytiker spricht offen über die kranke Gesellschaft. [2:09]

Hochgeladen am 21.10.2011
Erich Fromm über den angepassten Menschen 

Die Zwangspsychiatrisierung der Gesellschaft und deren Therapie durch die Pharmakonzerne http://youtu.be/37hQoQaauFA

Irre! Wir behandeln die Falschen: https://startpage.com/do/metasearch.p... (Literatur-Tipp)

Psychologie für Nicht-Psychologen:
http://youtube.com/watch?v=M5CeT3Zash... ...ein Vortrag von Erich Fromm am 1. Nov. 1973

...und ein paar Zitate: http://de.wikiquote.org/wiki/Erich_Fromm
Mensch, der Sieger schreibt Geschichte.
Sie lehrt dem Menschen, dass er aus ihr nichts lernt.

!! Die Frankfurter Schule:
· http://mister-wong.de/doc/fromm_25959...
· https://startpage.com/do/metasearch.p...
· http://youtube.com/results?search_typ...
· https://startpage.com/do/metasearch.p...
Erich Fromm war Teil jener Denkfabrik.
https://secure.wikimedia.org/wikipedi...
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Donnerstag, 12. Mai 2016

Das Moduskonzept in der Schematherapie

Die Schematherapie ist eine aktuelle Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie, vor allem für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen und chronifizierten Achse-I-Störungen. Sie wird oft der„dritten Welle“ der Verhaltenstherapie zugerechnet. Dabei verbindet sie auf der Grundlage der Beziehungsgestal- tung mit dem Ansatz des „limited reparenting“ kognitive, erlebnisaktivierende und behaviorale Techniken zu einem systematischen und transparenten Vorgehen. Empirische Studien bei Borderline-(BPS) oder Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen belegen die hohe Wirksamkeit der Schematherapie.
mehr:
- Schematherapie bei Persönlichkeitsstörungen: Das Moduskonzept (Christine Zens, Gitta Jacob, Der Neurologe & Psychiater, 14/2013, gefunden beim Institut für Schematherapie Hamburg, PDF)
Modusübersicht [11]
Funktionale Modi
Gesunder Erwachsener Glückliches Kind
Maladaptive Kindmodi
Verletzbare, einsame, traurige, verlassene, missbrauchte, abhängige Kindmodi
Ärgerliche, wütende, impulsive, undisziplinierte Kindmodi
Dysfunktionaler Elternmodi
Fordernder Elternmodus (leistungsfordernd, emotional fordernd) Strafender Elternmodus
Dysfunktionale Bewältigungsmodi
Unterwerfung
Angepasster Unterwerfer
Vermeidung
Distanzierter Beschützer
Vermeidender Beschützer
Ärgerlicher Beschützer
Distanzierter Selbstberuhiger
Über- kompensation
Narzisstischer Selbsterhöher
Suche nach Aufmerksamkeit und Bestätigung Übermäßig perfektionistischer Kontrolleur
Übermäßig misstrauischer Kontrolleur
Einschüchterer
Gerissener Täuscher
Raubtier-/Killer-Modus
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siehe auch:
- Cluster-Einteilung nach DSM-5 und ICD-10 (Wikipedia)
Kategorisierung
ICD-10DSM-5
Cluster A
sonderbar, exzentrisch
paranoide PS (F60.0)
schizoide PS (F60.1)
paranoide PS
schizoide PS
schizotypische PS
Cluster B
dramatisch, emotional
emotional instabile PS: vom Borderline-Typ
oder vom impulsiven Typ (F 60.3)
histrionische PS (F60.4)
dissoziale PS (F60.2)
Borderline-PS
histrionische PS
antisoziale PS
narzisstische PS
Cluster C
ängstlich, vermeidend
ängstliche PS (F60.6)
abhängige PS (F60.7)
anankastische PS (F60.5)
passiv-aggressive PS (F60.8)
selbstunsichere PS
dependente PS
zwanghafte PS
(passiv-aggressive PS)

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung oder schizotype Störung ist im ICD-10 unter der Kodierung F21 (Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen) gelistet. Dort heißt es aber auch: „Entwicklung und Verlauf entsprechen gewöhnlich einer Persönlichkeitsstörung.“ (ICD 10, 2002)

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Quelle: Angst und Zwang (Springer)
siehe auch:
- Schematherapie (Post, 30.04.2016)
- Persönlichkeitsstörung (ICD 10, DSM IV) (Psychotherapeutisches Propädeutikum, Graz, )