Sonntag, 12. November 2017

Achtsamkeit im Neoliberalismus: Warum nicht?!

Was ist dran an der Idee der Achtsamkeit, die gerade wieder einmal als Idee durch die Lande gereicht wird, welche vor Überlastung schützen könnte?

Die Optimierung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit mit pharmazeutischer Hilfe hat unter dem Namen Doping vorwiegend im Sport inzwischen einen durchaus zweifelhaften Ruf erhalten. Dennoch hält die Nachfrage nach Methoden zur Leistungsoptimierung weiter an. Zu groß ist der Wettbewerbsdruck am Arbeitsmarkt. Greifen die einen zu digitalen Auswertung der Körperfunktionen und richten ihr tägliches Leben weitestgehend an diesen Messergebnissen aus, so kommt auf der anderen Seite die Idee der Achtsamkeit wieder zum Zuge.

Rund um die Uhr vernetzt und immer erreichbar hetzt der moderne Mensch durch den Tag. Innehalten ist kaum noch möglich. Zu sehr besteht die Angst, irgendetwas Wichtiges zu verpassen. Doch die Entscheidung, was wichtig ist, wird schon längst anderen überlassen.

Auch wenn der Begriff Achtsamkeit im Deutschen einen leicht esoterischen Klang hat, geht die Vorstellung der Achtsamkeit auf die Lehre Siddhartha Gautamas zurück, der um 500 v. Christus in Nordindien lebte. Nach Europa kam die Vorstellung der Achtsamkeit in erster Linie über den vietnamesischen buddhistischen Mönch Thích Nhất Hạnh sowie über den US-amerikanischen Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn.

Beide Linien haben sich dabei von den fernöstlichen Vorstellungen durchaus gelöst. Thích Nhất Hạnh lebte über viele Jahre im französischen Exil und adaptierte in diesem Zusammenhang auch westliche Vorstellungen und so verwundert es wenig, dass sich seine Bücher in der Hauptsache an westliche Leser wenden.

Bei Jon Kabat-Zinn wurde die Idee der Achtsamkeit vom buddhistischen Ursprung gelöst und über mehrere Jahrzehnte in der Arbeit mit Kranken eingesetzt, die in vielen Fällen als von der Schulmedizin austherapiert galten. Durch die Übung der Achtsamkeit konnte zumindest deren Lebensqualität verbessert werden. Daneben wurden Achtsamkeitsübungen auch als Mittel gegen Burnout eingesetzt. Auf dieser Erfahrung setzte dann auch die Arbeit mit Menschen auf, die ihre Lebensqualität verbessern wollten, ohne im medizinischen Sinne krank zu sein.

mehr:
- Achtsamkeit als Gegenentwurf zur zunehmenden Digitalisierung? (Christoph Jehle, Telepolis, 12.11.2017)
siehe auch:
- »Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein« (Post, 15.11.2017)
- Time is Money? Über Achtsamkeit und #digitaldetox in Zeiten der Selbstoptimierung (Anne Jerratsch, Netzpiloten, 06.01.2017)
- KenFM-Spotlight: Prof. Rainer Mausfeld über das Menschenbild des Neoliberalismus (KenFM, 27.12.2016 – beachte auch die Kommentare!)
- Slavoj Zizek, Hinnerk Polenski, Westlicher Buddhismus, Personal Power Coaching und gendergerechtes Chi-Spezialtraining (Post, 22.05.2016)
- Die Lehre und Praxis der Achtsamkeit als Antwort auf die Krise der westlichen Lebensform (Franz Johannes Litsch, Vortrag an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Freiburg, 25.11.2015 – Link zum kompletten Audiomitschnitt des Vortrages)
- Oh Gott, der Papst: “WIR CHRISTEN HABEN ETWAS SEHR SCHÖNES, EINE HANDLUNGSANLEITUNG, EIN REVOLUTIONÄRES PROGRAMM, KÖNNTE MAN SAGEN.” (Post, 24.12.2014)
- Ärztliches Handeln und die Kultur des Mitgefühls (Luise Reddemann, Vortrag gehalten auf dem Kongress „Achtsamkeit und Mitgefühl in Psychotherapie und Gesundheitsvorsorge“. 14.-16. Juni 2013 Universität Freiburg/Breisgau, gefunden auf ihrer Seite, PDF)
- Von der Revolution zur "Erleuchtung" und zurück (Simon, Graswurzelrevolution, April 2013)
- Kreative Achtsamkeit und ihre Hemmnisse – Ein Interview mit Karl-Heinz Brodbeck von Sandra Winzer (Teil 1) (Benjamin Köhler, Tischlein, deck dich!, 02.11.2012)
- Kreative Achtsamkeit und ihre Hemmnisse – Ein Interview mit Karl-Heinz Brodbeck von Sandra Winzer (Teil 2)
- Interview mit Karl-Heinz Brodbeck über "Die Herrschaft des Geldes" (http://PatrickSeabird.blogspot.de, Dezember 2012)
- Diplomarbeit: Das Geld in der Neoklassik (Patrick Siebert, auf seiner Seite, 10.08.2011)
- L'État c'est moi (I) – Die Kultur der Achtsamkeit (Harald Welzer, taz, 05.09.2009)
- DIE FRAGWÜRDIGEN GRUNDLAGEN DES NEOLIBERALISMUS Wirtschaftsordnung und Markt in Hayeks Theorie der Regelselektion (Karl-Heinz Brodbeck, auf seiner Seite, Datum unbekannt)
- Texte zur Lehre des Buddha (Buddhanetz.org)

Buddhismus und Kapitalismus - WDR {5:28}

Buddhas Lehre
Am 23.02.2018 veröffentlicht 
...Auf meiner Google+ Seite ( Sammlungen ): https://plus.google.com/+BuddhasLehre... ) findet ihr auch buddhistische Texte, Zeitschriften, Bücher ( PDF ) zum Lesen, Downloaden und Teilen - sowie Filme zum Thema Buddhismus !
Wenn ihr nach etwas, zu einem bestimmten Thema sucht: einfach fragen ! Ich schaue, ob ich etwas dazu habe. ►► Alle TEXTE und BÜCHER ( ehemals auf Google + ) zum Lesen und Downloaden: https://drive.google.com/open?id=1A_C... !!!

Psychopolitik - Neoliberalismus & die neuen Machttechniken - Byung-Chul Han - Buchvorstellung {7:42}

Wahret Einheit
Am 11.08.2017 veröffentlicht 
Buchvorstellung Byung-Chul Han:
Psychopolitik - Neoliberalismus & die neuen Machttechniken
Nicht sonderlich rosige Aussichten und sehr karge Lösungsansätze, dennoch wichtig mal so umfassend zur Kenntnis genommen zu werden.

Brodbeck in Marburg: Die implizite Ethik der Mainstream Ökonomie {1:45:51}

Veröffentlicht am 30.10.2016
Plurale Ökonomik
Im Rahmen der Ringvorlesung "Das Ende der Alternativlosigkeit der Wirtschaftswissenschaften" an der Phillips-Universität Marburg, welche im WiSe 2015/2016 stattfand, hat Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck einen Vortrag über die implizite Ethik der Mainstream-Ökonomie im Kontext der aktuellen Krisensituation gehalten.

Die Gier zügeln - Buddhistische Wirtschafts-Ethik - Dr. Karl Heinz Brodbeck {27:37}

Veröffentlicht am 29.10.2015
Buddhas Lehre
( Radio SRF ) «Das Geld ist eine kollektive Illusion» oder „die Verblendung des Geistes", diese Ausdrücke benützt der Wirtschaftsethiker Karl-Heinz Brodbeck, wenn es um die heutige Ökonomie geht. Die Grundlagen für seine Kritik entnimmt er dem Buddhismus und will damit die Menschen zu eigenem Denken anregen.
Mit Buddhistischer Wirtschaftethik beschäftigte sich Karl-Heinz Brodbeck schon vor der aktuellen Wirtschaftskrise. Er bezweifelt, dass der Markt immer recht habe. Das sei eine naive Idealisierung. Stattdessen müssten Werte wie soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ins Wirtschaften einfliessen. Der Buddhismus lehrt ihn, dass die Gier zu zügeln sei, dass man lernen müsse loszulassen und genügsamer zu sein. Der Buddhismus ist für ihn nicht nur eine Religion, sondern auch ein Denksystem.
- Zwei Texte von K.H. Brodbeck:
"Karl-Heinz Brodbeck über Ärger. Alles nur falsch interpretiert ?":
https://plus.google.com/+BuddhasLehre... &
"Erkenntnis und Meditation ( Das Schwert der Weisheit und die Kraft der Stille in der Lehre des Buddha )":
https://plus.google.com/+BuddhasLehre...
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aktualisiert am 29.08.2019

Sonntag, 5. November 2017

Schule und Lernen: Wenn Du den Sumpf trockenlegen willst, darfst Du nicht die Frösche fragen

PRECHT, Richard David Precht im Gespräch mit Gerald Hüther, Macht Lernen dumm? {42:50}

Veröffentlicht am 12.12.2016
Quantum Healing

siehe auch:
- Sozialkunde bei Oberlehrer Precht (seriousguy, Freitag-Community, 04.09.2017)
- TV-Premiere: Precht macht dumm (Maximilian Probst, ZON, 03.09.2012)
- Talksendung mit Precht: Der große Schlagabflausch (Ariane Lemme, taz, 03.09.2012)
- Philosophie-Talk im ZDF: Precht ab (Sebastian Hammelehle, SPON, 30.08.2012)

Freitag, 3. November 2017

Gelassenheit, die förderliche innere Haltung

Eine optimale innere Haltung ist annehmend und gelassen. Tatsächlich ist aber allzu oft das Gegenteil der Fall.

Abträglich sind wertende, urteilende und verurteilende Haltungen: »Das war nicht gut genug.« »Ich scheine besser zu werden.« »Ich bin wieder schlechter.« » Jetzt läuft es gut.« Auch vergleichende Betrachtungsweisen sind nicht förderlich: »Heute Morgen war es besser, jetzt ist es schlechter.« »Der Mann, der unbeweglich vor mir sitzt, hat sicher eine bessere Meditation als ich.« Abträgliche Haltungen können kritisch sein, klagend, fordernd oder aggressiv.

Zum Glück gibt es auch förderliche Haltungen, mit denen wir der Erfahrung des Moments begegnen können: interessiert, offen, annehmend, liebevoll, gelassen. Es sind schlicht andere Qualitäten des Gewahrseins. Sofern wir mit solch hilfreichen Einstellungen präsent sind, wird die Meditation einfacher, leichter und klarer. Dabei müssen wir Acht geben, nicht zu versuchen, möglichst die richtige Einstellung hinzukriegen und uns jedes Mal, wenn wir die falsche haben, dafür zu verurteilen.

Hilfreicher ist es, nicht nur verstandesmäßig zu wissen, was förderlich ist, sondern immer wieder bewusst zu erleben, was nützliche und was schädliche Umgangsweisen mit uns machen. Wenn wir dies tun, findet ein Erkennen statt, welches diese inneren Haltungen von selbst in positiver Richtung transformiert. In diesem Sinne können wir der Achtsamkeit, dem Gewahrsein und der Erkenntnis zutiefst vertrauen. Dieses Erkennen und Lernen findet immer dann statt, wenn wir wirklich an der direkten Erfahrung interessiert und mit ihr präsent sind - immer und immer wieder von neuem.

Interessiert und gelassen, weil wir verstehen wollen

Die Moment-zu-Moment-Erfahrungen werden hier nicht aus »sicherer Distanz« betrachtet, sondern in unmittelbarem Kontakt: mit der Wärme oder Kälte der Körperempfindung, dem Pulsieren, dem Vibrieren oder dem Stechen und Zerren. Wenn die Empfindungen unangenehm sind, ist das genauso akzeptabel, wie wenn sie angenehm oder neutral sind. Wir spüren, was ist - dabei bleiben wir offen und heißen die gegenwärtige Erfahrung willkommen.

Wenn wir beim Atem sind, hegen wir keine Vorstellungen darüber, wie er sein sollte. Es mag angenehm sein, wenn er tief und fließend ist, aber es ist genau so richtig, sollte er kurz und gepresst sein. Manchmal ist er kurz, manchmal ist er lang, manchmal schnell und manchmal langsam. Auch der Körper fühlt sich einmal gut an und ein andermal überhaupt nicht. Unser Job ist es, interessiert und möglichst gelassen in Kontakt damit zu sein. Wir praktizieren nicht, um bestimmte erwünschte Erfahrungen hinzukriegen, sondern um Gewahrsein, Gelassenheit und Erkenntnis zu kultivieren.

Gelassen bedeutet hier, sich nicht gegen unangenehme Erfahrungen zu sträuben und auch nicht zu versuchen, mehr angenehme hervorzubringen. Sollten wir dies trotzdem tun – was sehr wahrscheinlich ist, da wir immer lieber mehr Angenehmes und weniger Unangenehmes haben möchten, – nehmen wir auch dies mit freundlicher Gelassenheit wahr. Dabei spüren wir, wie sich Sträuben oder Festhalten, Ablehnung oder Verlangen, Unruhe oder Ruhe anfühlen und was sie in uns bewirken. Und wir stellen fest, dass diese Reaktionen ebenfalls nur für kurze Zeit andauern und dann wieder vergehen. Sind wir auch diesen Erfahrungen gegenüber offen und entspannt?

Wir müssen uns immer wieder erinnern: Es geht um achtsames Gewahrsein. Es geht darum, zu sehen und zu erfahren, wie die Dinge wirklich sind, wie sie entstehen, sich verändern und wieder verschwinden – und nicht darum, bestimmte Erfahrungen zu produzieren und andere zu vermeiden. Wenn wir wirklich interessiert sind und in einer wohlwollenden, willkommen heißenden Art präsent, werden sich die Dinge früher oder später in heilsamer Weise verändern. Weil wir ihnen in heilsamer Art und Weise begegnen. Der burmesische Vipassanā-Lehrer U Tejaniya Sayādaw schrieb in seinem Buch Awareness alone is not enough:

»Wir praktizieren, weil wir verstehen wollen. Manche Leute scheinen die Wirkung des achtsamen Gewahrseins nicht wirklich zu schätzen. Sie glauben, das Wesentliche in der Meditation seien die Objekte, die Erfahrungen, die sie betrachten. Aber die Objekte, die Erfahrungen, spielen nicht wirklich eine Rolle. Manche verbringen viel Zeit damit, über die Resultate nachzudenken. Sie möchten angenehme, friedvolle Zustände, sie möchten Entzücken. Wenn sie das hinkriegen, haften sie an diesen Zuständen. Der große Wert der Meditation liegt nicht in dieser Art von Resultaten, wie erfreulich sie auch immer sein mögen. Der wirkliche Wert der Meditation liegt im eigentlichen Prozess des achtsamen Gewahrseins, um zu erkennen und zu verstehen, was geschieht. Dieser Prozess ist wichtig, nicht die Erfahrungen und Zustände! Wir üben uns in Gewahrsein, weil wir verstehen wollen.«*

Versuchen wir's!
... stille Meditation ...

Wenn ihr den Klang der Glocke hört, betrachtet dies bitte nicht als Signal für das Ende der Gewahrseinsübung. Das Läuten der Glocke bedeutet nur, dass die Sitzmeditation zu Ende ist, nicht aber das achtsame Gegenwärtigsein. Wir verändern die Körperhaltung, stehen auf und wechseln zur Gehmeditation. Die Praxis bleibt das kontinuierlich achtsame Gewahrsein. Ich möchte euch sehr ans Herz legen, die Zeit der Gehmeditation wirklich zu nutzen. Danke.

*Ashin Tejaniya, Awareness Alone is Not Enough, Questions and Answers with Ashin Tejaniya, http://sayadawutejaniya.org/teachings/

 Fred von Allmen in: Mahāmudrā und Vipassanā: Gewahr Sein. Retreat-Unterweisungen
siehe auch:
- Weil wir verstehen wollen (Fred von Allmen)

Gelassenheit - Fred von Allmen {36:31}
Veröffentlicht am 14.09.2015
Buddhas Lehre
Ein zentraler Begriff der buddhistischen Geistesschulung ist Upekkhā („Gleichmut“), einer der vier Grenzenlosen Geisteszustände (Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut). Zum Bedeutungsspektrum dieses Begriffs gehören auch Gelassenheit, Nicht-Anhaften, Nicht-Unterscheiden, Loslassen. Diese Art von Gelassenheit soll die „Weisheit der Gleichheit“ zum Ausdruck bringen, das heißt die Fähigkeit, alle Menschen als gleich zu betrachten und keine Unterschiede zwischen sich selbst und anderen zu machen. Der Geisteszustand der Gelassenheit hat also zur Voraussetzung, die dualistische Unterscheidung zwischen sich selbst und anderen zu unterlassen.
Fred von Allmen studiert und praktiziert seit über vierzig Jahren unter Lehrenden der tibetischen Dzogchen- und Gelug-Traditionen sowie der Theravada Vipassana-Tradition. Seit 1984 lehrt er – auf der Basis einer altruistischen Motivation des Mitgefühls – einen Praxis-Weg zur befreienden Erkenntnis von Herz und Geist. Er ist Autor der Bücher 'Die Freiheit entdecken' (Arbor), 'Buddhismus' (Theseus), 'Mit Buddhas Augen sehen' und 'Buddhas tausend Gesichter' (beide Steinrich) und ist Mitbegründer des Meditations­zentrums Beatenberg.
...Auf meiner Google+ Seite ( https://plus.google.com/+BuddhasLehre... ) findet ihr auch buddhistische Texte, Zeitschriften, Bücher ( PDF ) zum Lesen, Downloaden und Teilen !
Wenn ihr nach etwas, zu einem bestimmten Thema sucht: einfach fragen ! Ich schaue, ob ich etwas dazu habe.

Fred von Allmen Interview Teil 1 {12:07}

Veröffentlicht am 26.10.2016
dharma edu
Fred von Allmen - Dharma Praxis - 4 Interviews  

Prof. Dr. Gerald Hüther - Gelassenheit hilft: Anregungen für Gehirnbenutzer {41:58}

Veröffentlicht am 05.04.2012
demographienetzwerk

Wilhelm Schmid: Gelassenheit {1:32:04}

Veröffentlicht am 08.11.2016
AKVorarlberg
Gelassenheit ist in jeder Lebensphase ein Gewinn, insbesondere aber beim Älterwerden, wenn das Leben schwieriger und ärmer zu werden droht. In seinem Bestseller „Gelassenheit“ schreibt Wilhelm Schmid: „Ich bin nicht im Besitz der Gelassenheit, aber sie erscheint mir erstrebenswert, um ein schönes Leben führen zu können. Gelassenheit zu gewinnen, ist vielleicht überhaupt erst im Laufe des Älterwerdens möglich: Es fällt leichter, gelassen zu werden, wenn nicht mehr alles im leben auf dem Spiel steht und die Hormone sich etwas beruhigt haben, der Schatz der Erfahrungen größer, der Blick weiter, die Einschätzung von Menschen und Dingen treffsicherer geworden ist.“

Sonntag, 29. Oktober 2017

Was ist Bewusstsein?

Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie 

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste ... 

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs ("bewusst") oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?
mehr:
- Was ist Bewusstsein? (Stephan Schleim, Telepolis, 23.10.2017)

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Die Neoliberalisierung der Psychotherapie

Eigenverantwortung bei psychischen Erkrankungen? Mit dieser Prämisse arbeitet zuweilen die Psychotherapie. Der Burnout im Betrieb gerät so schnell zum Politikum.

Als die „Verwaltung der vagen Dinge“ bezeichnet der Soziologe Peter Fuchs die Psychotherapie. Patentrezepte gibt es hier nicht. Keine klaren, naturwissenschaftlich unausweichliche und fassbare Lösungen. Einerseits leidet jeder Patient anders (und wenn wir noch so viele neue Kategorien und Namen für psychische Erkrankungen schaffen) und andererseits kann die Ursache niemals völlig geklärt werden.

Allzu oft liegen Ursachen psychischer Krankheiten in einer Melange aus biologischen Faktoren, tiefenpsychologischen Einflüssen und Umständen der Sozialisation, deren einzelne Anteile auch bei noch so guter Diagnostik niemals restlos auseinander sortiert werden können; auch deswegen, weil sich etwa prägende Phasen wie die frühkindliche der Erinnerung des Menschen weitestgehend entziehen und daher nur schwer aufgearbeitet werden können.

Diese „vage“ Natur der Psychotherapie bringt es mit sich, dass sie anfällig wird für verschiedenste Formen der Interpretation, der Politisierung, der Manipulation. Wo empirische Erkenntnisse nicht abschließend herzustellen sind, da arbeitet der Sozialwissenschaftler mit Theorien und Hypothesen. Eine Tatsache, die unvermeidlich ist, aber auch nicht grundsätzlich problematisch, auch wenn sie vielen eher „technisch“ denkenden Menschen, für die am Ende immer ein klares Ergebnis, ein „A oder B“ stehen muss, oft suspekt ist.

Problematisch wird es erst, wenn diese Interpretationsanfälligkeit geschickt genutzt wird, um mit ihrer Hilfe „hinten rum“ eine politische Ideologie zu verwirklichen, die dem Menschen – dem Patienten – am Ende des Tages alles andere als zum Vorteil gereichen wird. Bei der modernen Psychotherapie ist genau dieses Phänomen vorzufinden – was umso schlimmer anmutet deswegen, weil es damit Menschen trifft, die ihr leidendes Innerstes offenlegen, weil sie sich anders nicht zu helfen wissen.
mehr:
- Burnout & Eigenverantwortung: Die Neoliberalisierung der Psychotherapie (Florian Sander, Le Bohemien, 26.10.2017)
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Montag, 16. Oktober 2017

Ich, Neuron und der freie Wille

Die Sichtweise, dass Nervenzellen nichts als passive Träger von Verknüpfungen sind, wird zunehmend aufgegeben 

Lernen in neuronalen Netzen wird gemeinhin gleichgesetzt mit Änderungen an den Verbindungen zwischen den Nervenzellen, den Synapsen. Diese Idee war ursprünglich ein Postulat von Donald Hebb (und, im Westen weniger bekannt, zeitgleich von Jerzy Konorski).

Viel später erst wurde es möglich, unmittelbar zu beobachten, wie sich Synapsenstärken während eines Lernvorgangs ändern, wie neue Rezeptormoleküle eingelagert werden, und wie sich die winzigen Dornfortsätze auf den Eingangsstrukturen der Nervenzellen dabei vermehren und in ihrer Form verändern. Dass man diese Veränderungen seit ungefähr 15 Jahren in der lebenden Großhirnrinde über Wochen hinweg verfolgen kann, gehört für mich immer noch zu den großen Wundern der Mikroskopie und Neurobiologe, Daran, dass synaptische Veränderungen beim Lernen vor sich gehen, besteht kein Zweifel. Aber bewahren sie auch die Erinnerung?

Die Frage mag überraschen. Umso mehr, als hinreichend gründlich bewiesen ist, dass Gedächtnisspeicherung in Synapsen funktioniert. Man denke etwa an die immer leistungsfähiger werdenden künstlichen neuronalen Netze. Eine klassische und sehr einfache Form solcher Netze - die McCulloch-Pitts-Netze - wird sogar gemeinhin nur als Matrix der Verbindungsstärken dargestellt. Die Neuronen sind darin nichts als Nummern für Zeilen und Spalten.

In den letzten Jahren häufen sich die Hinweise, dass diese Sicht unvollständig ist. Nervenzellen können mehr tun als Synapsen tragen und Membranpotentiale aufsummieren. Sie greifen selbst ins Geschehen ein.

mehr:
- Ich, Neuron (Konrad Lehmann, Telepolis, 14.10.2017)
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siehe auch:
- Gesundheit – „Der freie Wille ist eine Illusion“ (Tagesspiegel, 23.10.2002)

Informationsverarbeitung und elektrische Potenziale: Die Sprache der Neurone {3:29}

Veröffentlicht am 26.04.2012
dasGehirnInfo
Zum weiterlesen: http://dasgehirn.info/
Neuronale Informationsverarbeitung: Aus den eingehenden, meist chemischen Signalen werden im Neuron elektrische Potenziale -- wenn die Botschaft wichtig war. Kommen genug wichtige Botschaften zusammen, sendet das Neuron selbst ein Aktionspotenzial.
Datum: 26.04.2012
Autor: Arvid Leyh
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1.) Namensnennung -- Sie müssen den Namen des Projekts wie folgt nennen: © 2012 www.dasGehirn.info
2.) Keine kommerzielle Nutzung -- Dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden.

What is Consciousness? What is Its Purpose? {1:08:08}

Veröffentlicht am 09.06.2017
Athenewins
http://www.projectnoexcuse.net
Skip to Part 2: https://youtu.be/nQKMNI5X148?t=48m35s
Research sources: https://docs.google.com/document/d/12…
Audio:
voice only: https://mega.nz/#!SkQVVTJA!0ohoMGdw18…
https://mega.nz/#!ypZC0YCB!XzVMitRRha…
full: https://mega.nz/#!rhgWjQCa!St8RsqLklx…
Full transcript in English and each of the subtitled languages (Dutch, French, German, Polish, Russian and Spanish):
https://drive.google.com/drive/folder…
music by:
Professor Kliq: http://www.professorkliq.com/
Mind.Divided: http://minddivided.bandcamp.com/
Chris Zabriskie: http://chriszabriskie.com/
Stellardrone: https://stellardrone.bandcamp.com/
Keosz: https://cryochamber.bandcamp.com/albu…
Much thanks to Mind.Divided for allowing the use of his music, Cryo Chamber for allowing the use of Keosz' music, Professor Kliq for creating the ending track for Athene's Theory of Everything which is used at the end here as well and to Chris Zabriskie and Stellardrone for making their music available for free and free to use under the Creative Commons license.
Full tracklist (excluding some purchased royalty-free music):
00:00:06 Chris Zabriskie - Cylinder Eight
00:02:30 Keosz - Be Left to Oneself
00:03:59 Mind.Divided - Filled With Dreams
00:07:33 Stellardrone - Journey To The Sun
00:11:41 Stellardrone - Red Giant
00:19:54 Stellardrone - Endeavour
00:21:39 Stellardrone - Maia Nebula
00:23:07 Mind.Divided - Only Human
00:25:53 Stellardone - Twilight
00:28:53 Stellardrone - A Moment of Stillness
00:33:41 Stellardrone - Ultra Deep Field
00:34:41 Chris Zabriskie - The Temperature of the Air on the Bow of the Kaleetan
00:36:25 Chris Zabriskie - Remember Trees
00:39:01 Mind.Divided - In Her Eyes I Saw Supernovae Erupt In Violent Flame
00:42:24 Stellardrone - Stardome
00:45:27 Stellardrone - Blinking Star
00:59:44 Stellardrone - Galaxies
01:00:36 Stellardrone - A Moment of Stillness
01:01:44 Stellardrone - Stardome
01:04:06 Professor Kliq - Satellite

Ist der freie Wille eine Illusion? 3sat Doku 1:3.flv {12:49}

Veröffentlicht am 09.06.2017
astrototal24
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Montag, 2. Oktober 2017

Über die Wirkung von Meditation

Klinische Studien zeigen, dass Meditation einen positiven Einfluss auf unser Gehirn hat. Die Wissenschaft erforscht, inwiefern die mentale Praxis wirksam bei Schmerzen, Depressionen und Ängsten ist. Kann die Meditation möglicherweise Krankheiten heilen oder uns gar ganz vor ihnen bewahren? 

Die Meditation ist längst nicht mehr nur eine religiöse Praxis. Heute wird ihre Wirkung medizinisch erforscht, was vielleicht bald neuen Behandlungsverfahren den Weg bahnen wird. Psychiater, Neurologen und Molekularbiologen wie Jon Kabat-Zinn haben eine Reihe positiver Auswirkungen des Meditierens auf die Funktion des menschlichen Gehirns und Organismus beobachtet. Dank der neuen Erkenntnisse hielten Meditationstechniken in Europa und den USA auch Einzug in den Krankenhausalltag. Sie werden begleitend bei der Behandlung verschiedener Krankheiten wie Depressionen, Angststörungen oder auch bei chronischen Schmerzen eingesetzt. Wie aber kann der Geist den Körper beeinflussen, und bis zu welchem Grad? Die Forscher beginnen, die biologischen Mechanismen zu verstehen, die dabei eine Rolle spielen. Durch regelmäßiges Meditieren lassen sich Gefühle besser regulieren, was wiederum dazu führt, dass die schädliche Wirkung von Stresshormonen auf unser Immunsystem vermindert wird. Auf diese Weise, so der derzeitige Forschungsstand, ist die Meditation in der Lage, entzündliche Erkrankungen, Abwehrkräfte und sogar die Zellalterung positiv zu beeinflussen. Außerdem verändert Meditieren nachweisbar die Hirnareale und verlangsamt möglicherweise die Hirnalterung. Die Dokumentation begleitet verschiedene wissenschaftliche Experimente, erläutert die komplexen physiologischen Zusammenhänge zwischen dem meditierenden Gehirn und dem Organismus und zeigt, welche medizinischen Anwendungen derzeit bereits möglich sind.
mehr:
- Die heilsame Kraft der Meditation (Arte-Sendung vom 23.09.2017)
verfügbar auf der arte-mediathek bis 13.10.2017
siehe auch:
- Ein Psychotherapeut über Meditation und Achtsamkeit (Post, 28.08.2017)
- Placebos – Nicht nur die Welt, auch der eigene Körper findet im Kopf statt (Post, 31.01.2016)
- Nirwana im Kernspin (Post, 10.06.2015)
- Freiheit bedeutet Kontrolle (Post, 19.04.2015)