Montag, 18. Juli 2016

US-amerikanisches Denken: Pragmatismus und Propaganda

John Dewey (* 20. Oktober 1859 in BurlingtonVermont; † 1. Juni 1952 in New York) war ein US-amerikanischer Philosoph und Pädagoge.
John Dewey wurde 1859 in den Vereinigten Staaten von Amerika im Staate Vermont in der Kleinstadt Burlington geboren. Sein Vater arbeitete zunächst in einem Lebensmittel-, später in einem Tabakgeschäft. Dort musste Dewey die strenge puritanische Neu-England-Kultur und eine autoritäre Erziehung spüren, die er später auch als eine „Empfindung schmerzlicher Unterdrückung“ beschrieb.[1]
Dewey graduierte 1879 an der University of Vermont und arbeitete danach zwei Jahre als High-School-Lehrer, bevor er 1884 an der Johns Hopkins University promoviert wurde. Zu seinen Lehrern gehörten Granville Stanley Hall – ein Begründer der experimentellen Psychologie – und Charles Sanders Peirce. Dewey unterrichtete Philosophie an den Universitäten von Michigan (1884–1888 und 1889–1894) und Minnesota (1888). 1894 wurde er Vorsitzender des Departments für Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der gerade vier Jahre alten University of Chicago. Ab 1904 war er Professor an der Columbia University in New York und wurde dort 1930 emeritiert.
Von 1899 bis 1900 war Dewey Präsident der American Psychological Association und im Jahr 1911 der American Philosophical Association. Zwischen 1919 und 1921 unternahm er Vortragsreisen nach Japan und in die Republik China; 1928 besichtigte er Schulen in der Sowjetunion.
Dewey war eines der Gründungsmitglieder der American Civil Liberties Union und des China Institute in America. Mitte der 1930er Jahre wirkte er in einer Kommission mit, die die im Moskauer Schauprozess gegen Trotzki erhobenen Vorwürfe überprüfte; 1940 setzte er sich für den Verbleib Bertrand Russells im New Yorker Lehramt ein.
Neben zahlreichen akademischen Artikeln und Büchern schrieb Dewey häufig Kommentare für Zeitschriften wie The New Republic und Nation.
Philosophie
Zunächst folgte Dewey bis in die 1890er Jahre dem Hegelschen Idealismus. In Chicago vollzog er schließlich die Wende zu einer empiristischen Philosophie. Diese Position legte er am deutlichsten 1929 in Die Suche nach Gewissheit dar.
Seine zentrale Intention besteht darin, die zeitgenössischen Naturwissenschaften gegen den Vorwurf zu verteidigen, dass sie bereits in ihren Grundbegriffen theoretische Annahmen zugrunde legten, über die sie selbst sich keinerlei Rechenschaft ablegten. Diese Kritik geht davon aus, Naturwissenschaften verfügten über keinerlei gesichertes Fundament und könnten daher stets nur die Möglichkeit einer Anwendbarkeit ihrer Grundbegriffe auf konkrete Phänomene demonstrieren. Eine Entscheidung über deren eigentlichen Wahrheitsgehalt sei demnach unmöglich. Diesen Einwand lässt Dewey nicht gelten. Denn er betont selbst den bloß hypothetischenCharakter naturwissenschaftlicher Erkenntnis.
Dewey stellt die These auf, es habe in der bisherigen Geschichte der Philosophie noch keine eigenständige Philosophie gegeben. Was bisher darunter gefasst worden sei, sei bloß eine Mischform aus Theologie und Naturforschung gewesen: Aus der Theologie habe die Philosophie ihren Anspruch auf absolute Erkenntnis (Wahrheit im starken Sinne, Gewissheit) übernommen, aus der Naturforschung hingegen die Mittel zu deren Erlangung, nämlich das rationale Denken. Aufgrund dieser Mischform sei die Philosophie in der Vergangenheit der größte Feind der Naturwissenschaften gewesen, insofern sie bei grundsätzlich gleicher Vorgehensweise immer am letztlich bloß theologischen Anspruch auf absolute Erkenntnis festgehalten habe. Dieser Anspruch habe innerhalb der Theologie anfänglich durchaus seine Berechtigung gehabt, solange die Menschen der Natur noch vollständig ausgeliefert gewesen seien und deshalb den Glauben an eine beständige jenseitige Welt gebraucht hätten. Der zunehmende Fortschritt der Naturwissenschaften hingegen habe diesen überflüssig gemacht und in Gestalt der philosophischen Einwände gegen naturwissenschaftliche Vorgehensweisen habe er sich inzwischen zum größten Hindernis für einen weiteren Fortschritt der Menschheit entwickelt. Ihn gelte es daher aufzugeben, um stattdessen alle apriorischen Begriffe (die „Ideen“ der philosophischen Tradition) vollständig dem alleinigen Kriterium der Nützlichkeit zu überantworten („pragmatische Wende“). Im Alltagsleben heißt dies, dass sich die Wahrheit in jeglicher Wahrnehmung stets schon zugrundegelegter Begriffe anhand ihrer Brauchbarkeit für jeweils beabsichtigte Handlungen bestimmen lässt. Auf der Ebene der Wissenschaften bedeutet es, den Ausgang von bloßen Konstruktionen zu verteidigen, solange diese im Dienst bestimmter Anwendungswissenschaften stehen.
Aus dieser Perspektive heraus weist Dewey jeder künftig erst möglichen Philosophie eine ganz bestimmte Aufgabe zu, nämlich im Ausgang von den jeweiligen Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens jene „Werte“ zu bestimmen, denen die Naturwissenschaften verpflichtet werden sollen, damit diese wieder an die gerade wichtigen „großen menschlichen Zwecke“ zurückgebunden werden (ebd. 310). Die Philosophie wird damit zur philosophischen Anthropologie, die stets den gesellschaftlich gewordenen Menschen zu ihrem Gegenstand haben und – so meinen Kritiker – dessen durchschnittliche Werte in immanent-affirmativer Weise verallgemeinern soll. Die Frage nach einer Notwendigkeit apriorischer Voraussetzungen für ein solches Unterfangen wird von Dewey nicht diskutiert. Insgesamt ist sein Primärinteresse die Rechtfertigung der Naturwissenschaften gegenüber der traditionell-philosophischen Kritik an ihnen. Das Programm einer zukünftigen Philosophie wird abschließend knapp skizziert. Dewey versucht mit seinem Pragmatismus, die Philosophie im traditionellen Sinne abzuschaffen und diesen zur Grundlage einer neuen Konzeption von Philosophie zu machen.
Pädagogik
Gesellschaftspolitisch setzte sich Dewey für die Demokratisierung sämtlicher Lebensbereiche ein.
Deweys Ansatz ist von der Auffassung geprägt, dass die demokratische Staatsform ein wesentlicher Lebensstil ihrer Bürger sei. So habe sich auch die demokratische Verfassung der USA aus einem Gemeinschaftsleben freier und gleicher Individuen heraus entwickelt: „Das klare Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Lebens, mit allem, was sich damit verbindet, konstituiert die Idee der Demokratie.“[2]
Für John Dewey ist der Begriff der Demokratie zunächst keine Frage der Regierungsform; er sieht in Demokratie vielmehr eine bestimmte Weise des miteinander Verkehrens. Der Staat ist die Organisation der Öffentlichkeit, ausgeführt durch Beamte, für den Schutz der Interessen seiner Mitglieder. Nach Dewey ist er eine organisatorische Form des Zusammenlebens, um bestimmte Dinge zu regeln, wie Außenpolitik oder die Gesetzgebung.[3] Für Dewey ist Demokratie ein erfülltes und daher nicht entfremdetes Leben. Hier kommt auch die Verbindung zu Erziehung und Schule zustande, denn auch der fremdgesteuerte, freudlose Lernprozess des Schülers ist demnach undemokratisch. Demokratie ist demnach die Betrachtung der Gesellschaft aus der pädagogischen Perspektive mit dem Hauptziel, das Kind zu einem mündigen Bürger hinzuführen und in der weiteren Konsequenz die Arbeitswelt, die sich nach Dewey auch auf die Schule auswirkt, zu humanisieren. Dewey stellt hierbei auch die gesellschaftlichen Möglichkeiten vor, der profitorientierten Entfremdung durch eine sinnerfüllte und selbstbestimmte Arbeit entgegenzutreten. In der Folge sollen die Strukturen des Kapitalismus in solche des sozialen Humanismus umgewandelt werden. Deweys Demokratieverständnis ist im sozialen Humanismus verwurzelt, der von der Selbst- und Mitbestimmung der Einzelnen ausgeht. In seiner Versuchsschule äußerte sich dieses Verständnis in einer intelligenten Selbstführung der Schüler als auch der Lehrenden. Dewey war der Meinung, dass der eigene Willen zum Lernen vorhanden sei und lediglich gefördert werden müsse.[4]
In seinem Werk Demokratie und Erziehung (1916) macht Dewey deutlich, wie Erziehung und Demokratie miteinander verwoben sein müssen, wenn eine Gesellschaft nicht „lediglich ihren Fortbestand“[5], sondern einen Wandel zum Besseren erstrebt. Seiner Auffassung nach sollte Demokratie stets im konkreten Zusammenleben verankert und gelebt werden. Diese tätige Erfahrung muss so durchgängig und so intensiv wie möglich in der Familie, in der Schule und in der großen Gemeinschaft gemacht werden.
Kinder sollten Demokratie als gesellschaftliche Lebensform auf individueller Ebene so früh wie möglich kennenlernen. So erörterte Dewey die Möglichkeiten, demokratische Methoden im Unterricht einzuführen und Demokratie in der sozialen Organisation von Schule und Unterricht zu verankern. Die traditionelle Schule seiner Zeit unterwarf er dabei einer fundamentalen Kritik. Sie sei nicht nur aus vordemokratischen Zeiten überliefert, sondern sie habe diese Überlieferung auch in ihrer Arbeitsweise beibehalten.
Um seine Theorie der demokratischen Erziehung mit einer überzeugenden Praxis zu untermauern, entwickelte Dewey an der University Elementary School experimentelle Modelle für die praktische Verwirklichung seiner Vorstellung.[6]
1896 gründeten er und seine Ehefrau Alice Dewey mit finanzieller Unterstützung einer Gruppe von Eltern eine Versuchsschule in Chicago, die laboratory school, die der Universität angeschlossen war.[7] Das Lernen muss seiner Meinung nach ganz und gar auf Erfahrung aufgebaut sein. Daher berufen sich auch heute noch viele Reformpädagogen auf ihn. Kinder lernen hier experimentierend in einer Lernumwelt aus Materialien, Werkstätten, Bibliothek und Schulgarten die Realität, sich selbst entdecken und Kooperation kennen. Dem Lehrer kam dabei nicht die Rolle des Wissenden und Bevormundenden zu, sondern die eines Mitarbeiters, etwa im Projektunterricht. Diese wirkte als Vorbild auf die Bielefelder Laborschule Hartmut von Hentigs. Nach Streitigkeiten über die Verwaltung der Schule verließen beide Chicago und zogen nach New York. 1904 wurde John Dewey in New York Professor für Philosophie an der Columbia University und lehrte am Teachers College Pädagogik. Alice Dewey war in New York in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung tätig. John Dewey wurde nach dem Verlassen seiner Laborschule zum prägenden Autor der amerikanischen Reformpädagogik. Sein 1915 erschienenes Buch Schools of To-Morrow wurde zu einer der einflussreichsten Schriften der amerikanischen Erziehungsdiskussion im 20. Jahrhundert, weil es Wege der Reform aufzeigte und positive Beispiele beschrieb, an denen gezeigt werden konnte, wie sich die Ideen der „neuen Erziehung“ umsetzen ließen.
In seiner an Adolf Reichwein und Maria Montessori – letzterer stand er kritisch gegenüber[8] – erinnernden Reformpädagogik hat er vor allem durch den bekannten pädagogischen Ansatz „Learning by Doing“ Popularität erlangt. Der Begriff wird manchmal scherzhaft in pädagogischen Kreisen auch als „learning by dewey-ing“ bezeichnet. Es griffe allerdings deutlich zu kurz, Dewey auf diesen Ansatz zu reduzieren. Zwar hat bei ihm der Handlungsbezug von Wissen durchgehend eine wesentliche Bedeutung, zentral ist in seiner Philosophie jedoch der Bezug abstrakter Konzepte und konkreter Situationen aufeinander. Abstrakte Konzepte (etwa die Darstellung von Wasser als „H2O“) haben dabei einen instrumentellen Wert, sie transzendieren die konkrete Situation und helfen, neue Handlungsmöglichkeiten zu kreieren. Auch in der Trainingswissenschaft gilt Dewey als theoretischer Hintergrund, da auch hier theoretische Konzepte durch die Praxis überprüft werden und die Vorstellung gilt, dass der Weltrekordler oder Olympiasieger irgendetwas richtiger gemacht haben muss als der Verlierer.[9]
 [John Dewey, Wikipedia]


Was ist Idealismus? Philosophisches Kopfkino (3sat) [2:37]
Hochgeladen am 26.10.2010
3sat (scobel) - Was ist Idealismus? Philosophisches Kopfkino

Laut Platon basiert unsere Wirklichkeit auf Ideen. Die Dinge, wie wir sie erfahren, sind nur ihre Abbilder. 

Mit Gott und Gas - der erste Weltkrieg und der deutsche Idealismus [32:10]

Veröffentlicht am 26.06.2014
Doku. Den "Erzfeind" wie Ungeziefer zu behandeln, die eigenen Soldaten zu verbrauchen wie Munition, gilt für den 1. Weltkrieg bis heute nicht als Verbrechen sondern nur als Katastrophe bzw. Urkatastrophe. Eine Beschönigung. Kriege sind kein Naturereignis. Die deutsche Heeresleitung hat den Krieg gewollt, Kaiser Wilhelm II. hat zugestimmt und sich dabei auf die "Ehre" und all die gepredigten "heiligen" deutschen Werte berufen. Allein gewollt oder ausgelöst hat das Regime in Berlin den Krieg aber nicht. Die Anteile an der Verursachung sind nicht an Hand von moralische Kriterien zu ermitteln, daher dient Frage nach der "Kriegsschuld" auch nur der Ablenkung von dem aus deutscher Sicht unangenehmen Befund: Die Oberste Heeresleitung beging mit ihrer Verschleißstrategie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie hätte weitergemacht, wenn ihr nicht das Menschenmaterial ausgegangen wäre. Bis zuletzt gab sie die Parole vom "Siegfrieden" aus und erhob Anspruch auf einen Teil der eroberten Gebiete. Soweit zu den "Idealen" der deutschen, vorwiegend adligen Militärkaste. Nach dem Krieg kam dieselbe mit der Propagandathese ihrer Unschuld durch, ermöglichte die Machtergreifung von Hitler, der ihr sofort zu einer Armee verhalf, die ihren Vorstellungen entsprach und mit der der zweite Anlauf begonnen werden konnte. Und wieder geführt im Namen der Ideale, die schon im ersten vorgeschoben worden waren und einiger neuer, die die Nationalsozilisten beisteuerten. Wieder mit Gott, aber nun für Führer, Volk und Vaterland. Und wieder geführt, bis das Material ausging. Aber diesmal setzte sich mit Hilfe der Sieger langsam die Erkenntnis durch, dass eine Verbrecherbande am Werk gewesen war, die auch das eigne Volk und Vaterland weitgehend ruiniert hatte. 

Der Film vergleicht die Ideale, in deren "Geist" die Jugend des Kaiserreichs erzogen wurde und mit der Umsetzung in die Wirklichkeit im Krieg durch das Regime. Kanzel und Katheder priesen zwecks Wehrertüchtigung kriegerische Tugenden. Nationaler Idealismus als Doktrin, vulgo Gehirnwäsche: Ziel: Die Bereitschaft, das Leben als Held auf "dem Altar des Vaterlands" zu opfern. Vaterland, längst eine Verklärung zum Reich Gottes des „Deutschen Glaubens". Die Aufklärung, Immanuels Kants „Ewiger Friede", eine Gesellschaft der Weltbürger, ausgeträumt. Kants Aufruf: Nutze den eigenen Verstand, übertönt vom Hurragebrüll.

Mit Gott für Kaiser und Vaterland. Jesus Christus war schon beim ersten Kreuzzug zum obersten Kriegsherrn des Abendlandes ernannt worden. Jetzt nahm Gott selbst diese Stelle ein, nach seinem Übertritt zum Deutschtum. Den Germanen unterstellte Tugenden wie Treue bis in den Tod wurden Eckwerte des neudeutschen Vaterland-Kultes, diesem Mix aus Christentum, Rassismus, Deutschtümelei und preußischem Militarismus. Dazu gehörte die Vergötzung des Kaisers: Heil dir im Siegerkranz, lies er sich besingen. Anzeichen von Größenwahn zeichnen sich ab. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, ein gern hergesagter Vers.

Aber auch aus dem Bereich des Dichtens und Denkens wurden Werte und Ideale ins Feld geführt, für die es sich lohne zu kämpfen und zu sterben. Viele Gymnasiasten, Studenten und Bündische aus der Jugendbewegung meldeten sich freiwillig, weil sie glaubten, dem "Wahren, Schöne, Guten" in der Welt Geltung verschaffen zu können. Daher die Begeisterung als es losging.

Das Handeln der Heeresleitung widersprach eklatant vielen verkündeten Idealen Bei Kriegen, die im Namen Gottes oder des Guten begonnen werden ist das eben so und zwar zwangsläufig Das lehrt auch die jüngste Geschichte. Aber die, die das Gute wollen, denken leider immer wieder: Diesmal geht's gut. Am Ende werden aber immer Grenzen neu gezogen, Rohstoffe neu verteilt, Märkte erschlossen. Solche reale Sachen. Machthaber werden durch Machthaber ersetzt, die so weiter machen, wie ihre Vorgänger. Aber die Welt wird nicht besser. Schade, aber die Verhältnisse sind eben so. Peter Milger, die alte Unke. http://www.milger.de/

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Deutscher Idealismus
Einführung
Begriff

Der Terminus Deutscher Idealismus wurde von seinen Vertretern nicht verwendet. Er wurde erst in den 1840er Jahren von seinen materialistischen Gegnern eingeführt;[2] in neutraler Bedeutung tauchte der Begriff erst ab den 1860er Jahren auf.[3]
Der Begriff ist bis heute nicht unumstritten, da er die Vorstellung einer Einheitlichkeit oder eines Aufeinander-Folgens innerhalb dieser Denkbewegung in den Vordergrund stellt und dabei die Konflikte zwischen ihren Vertretern in den Hintergrund rückt. Zudem ist die Wortwahl „Deutscher Idealismus“ etwas irreführend, denn er war keine rein deutsche Erscheinung, sondern interagierte mit den Philosophien anderer nationaler Kulturen auf unterschiedlichste Weise.
Strittig ist die Stellung Kants und Schellings innerhalb dieser Epoche. Die klassische Sicht von Richard Kroner[4] begreift den Denker Kant als Anfang und Hegel als Ende und Höhepunkt dieser Bewegung. Für Nicolai Hartmann dagegen ist der Deutsche Idealismus eine „nachkantische“ Bewegung, die sich in einen Gegensatz zu Kant und seinem kritizistischen Ansatz setzt.[5] Walter Schulz und Harald Holz betrachten, letztgenannter unter Einbeziehung des Neuplatonismus, schließlich nicht Hegel, sondern Schelling als Vollender des Deutschen Idealismus.[6]
Bisweilen werden die vertretenen Varianten des Idealismus in einen kritischen und einen spekulativen Idealismus unterschieden.[7]Zur ersteren Variante werden die Philosophien Kants, des frühen Fichtes und frühen Schelling gezählt, zur letzteren die Spätphilosophien Fichtes und Schellings und die gesamte Philosophie Hegels.
Merkmale
Die Hauptmerkmale des Deutschen Idealismus sind die Thesen der Existenz geistiger Entitäten (Wesenheiten), einer von den Vorstellungen denkender Subjekte nicht unabhängig existierenden Außenwelt und die Überzeugung von der Begründbarkeit des menschlichen Handelns aus Vernunftprinzipien. Die für diese Philosophie charakteristische Textform ist die große, systematisch aufgebaute Lehrdarstellung, die den Inhalt nach einem einheitlichen Prinzip deduktiv entwickelt. Diese Darstellungen zeichnen sich durch eine hohe Dichte und Genauigkeit aus. Sie zählen nicht nur zu den gehaltvollsten und einflussreichsten Schriften der Philosophiegeschichte, sondern auch zu den am schwersten zugänglichen. Viele davon wurden bis heute noch nicht vollständig aufgearbeitet.
Die Philosophie Kants als Ausgangspunkt
Die Philosophie Kants ist der Anknüpfungspunkt für die Philosophie des Deutschen Idealismus. Grundsätzlich wird anerkannt, dass das folgende Prinzip der kantischen Philosophie den Prinzipien aller vorkantischen Philosophie überlegen ist: Alles Wissen auf dem Wege der transzendentalen Reflexion ist in der Einheit des Ichbewusstseins verankert (transzendentale Apperzeption). Kant hatte jedoch offene Probleme bezüglich des Verhältnisses von Anschauung und Denken, theoretischer und praktischer Vernunft, Subjekt und Objekt hinterlassen, die der Deutsche Idealismus zu überwinden trachtete.
Kant hatte in der Kritik der reinen Vernunft Anschauung und Denken als die zwei Stämme der Erkenntnis angegeben. Die Frage nach ihrer gemeinsamen Wurzel wurde von ihm offengelassen. Die theoretische Vernunft blieb auf den Bereich möglicher Erfahrung und bloßer Erscheinung beschränkt. Metaphysik als Wissenschaft war demzufolge nicht möglich. Die theoretische Vernunft konnte dem Handeln keinerlei Normen geben und die unbedingte Verbindlichkeit des sittlichen Sollens nicht begründen. Das Sittengesetz wurde alleine in der praktischen Vernunft verankert. Deren „Postulate“ (Freiheit des WillensUnsterblichkeit der Seele, Existenz Gottes) wurden bei Kant zwar als Voraussetzung sittlichen Handelns gedacht, konnten aber das theoretische Wissen nicht erweitern. So fielen beide Bereiche auseinander, obwohl es sich doch um ein und dieselbe Vernunft – in ihrer theoretischen und praktischen Funktion – handeln sollte.
Die zentrale Hinterlassenschaft Kants war das ungeklärte Verhältnis von Subjekt und Objekt. Kants „kopernikanische“ Einsicht war, dass nicht unsere Erkenntnis sich nach den Gegenständen, sondern umgekehrt die Gegenstände sich nach der Erkenntnis richten. Zugleich aber hielt er daran fest, dass die menschliche Erkenntnis kein produktives, sondern ein rezeptives Vermögen sei – affiziert von einem unerkennbaren „Ding an sich“.
 [Deutscher Idealismus, Wikipedia]

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Karl-Otto Apel
Werk

Hermeneutik und Sprachkritik

Apel kann als einer der ersten deutschen Philosophen gelten, die die bis dahin getrennten und gegensätzlichen Strömungen der an Heidegger anknüpfenden hermeneutischen Philosophie und der sprachanalytischen Philosophie im Gefolge Wittgensteins verbunden haben. Apel versucht durch eine Kritik sowohl an Heidegger, dem er Logosvergessenheit vorwirft, als auch am frühen Wittgenstein, dessen Tractatus er als selbstwidersprüchliche Grenzziehung der Vernunft ansieht, nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten beider Strömungen zu erfassen. So sei sowohl Heideggers als auch Wittgensteins Philosophie durch eine Überwindung oder 'Verwindung' der Metaphysik gekennzeichnet. Beide Richtungen zielen auf die pragmatische Lebenswelt, wie dies bei Heidegger durch den Vorrang der Zuhandenheit über die theoretische Vorhandenheit zum Ausdruck kommt. In eben jene Richtung gehe auch die Sprachspielanalyse Wittgensteins. Indem die Pragmatik und die Sprache als intersubjektive Struktur bei beiden Denkern eine zentrale Rolle spielen, sei der Übergang zur Philosophie der Gegenwart als Philosophie der Intersubjektivität in beiden Fällen vollzogen. Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit diesen beiden philosophischen Richtungen versucht Apel in seiner transzendentalen Hermeneutik zwischen den Modellen des Welterklärens der Naturwissenschaften und des Weltverstehens der Geisteswissenschaften zu vermitteln.

Intersubjektivität und Reflexivität

Apel sieht es als die große Leistung der Philosophie des 20. Jahrhunderts an, den methodischen Solipsismus überwunden zu haben, der in seinen Augen die ganze neuzeitliche Philosophie von Descartes bis zum Deutschen Idealismus gekennzeichnet hatte. Die solipsistische Überzeugung, dass „im Prinzip ‚einer allein‘ etwas als etwas erkennen und dergestalt Wissenschaft treiben könnte“[10], sei von Wittgenstein und Heidegger zu Recht zurückgewiesen worden. Die positive Kehrseite dieser Ablehnung sei die Orientierung an der Sprache, die nach der vorkantischen Ontologie und der transzendentalen Bewusstseinsphilosophie die sprachlich vermittelte Intersubjektivität als drittes Paradigma der abendländischen Philosophie eingeleitet habe. Diese Ansätze verwickeln sich nach Apel jedoch aufgrund ihres Reflexivitätsverbots in Widersprüche, die ihre Verbindlichkeit gefährden. Ohne die Durchbrechung dieses Verbots sei intersubjektive Verständigung und Letztbegründung unmöglich.[11]


Sprechakte

Einen Meilenstein zur Entwicklung der Transzendentalpragmatik stellte die Auseinandersetzung Apels mit der Sprechakttheorie Austins und Searles dar. Als wichtigste Leistung der Sprechakttheorie gilt Apel die Entdeckung der performativ-propositionalen Doppelstruktur der menschlichen Rede. Sätze können nur in Sprechakten ausgedrückt werden, die daher die grundlegende Einheit der menschlichen Sprache darstellen. Mit jedem Sprechakt werden vier Geltungsansprüche erhoben: Verständlichkeit der Äußerung, Wahrheit ihres propositionalen Bestandteils, Richtigkeit ihres performativen Bestandteils und Wahrhaftigkeit des sprechenden Subjekts, was Apel als die intersubjektive Dimension jedes Sprechakts interpretiert.


Rationalitätsformen


Apel hat in seinen Arbeiten verschiedene Rationalitätsformen unterschieden, wobei sich die einzelnen Gliederungen und Bezeichnungen etwas unterscheiden. Die einzelnen Rationalitätsformen stellen dabei unterschiedliche, aber doch aufeinander bezogene Momente der Erfassung von Wirklichkeit dar.
Eine frühe These von Apel ist die Leib-Gebundenheit der menschlichen Erkenntnis, die er als „Leibapriori“ bezeichnet.[12]Leiblichkeit und Bewusstsein ergänzen sich für Apel; beide bilden zusammen komplementäre apriorische Elemente für das menschliche Erkennen: „Das Erkennen ist vom handelnden Eingriff in die Welt prinzipiell nicht mehr zu trennen, und darin liegt die Aufhebung der kartesischen Subjekt-Objekt-Trennung.“[13]
In seiner Arbeit Die „Erklären: Verstehen“-Kontroverse in transzendentalpragmatischer Sicht geht er von vier Formen von Rationalität aus: einer „szientifischen“, „technologischen“, „hermeneutischen“ und „ethischen“ Rationalität.[14] Apel geht es dabei vor allem um das Verhältnis zwischen Erklären und Verstehen der szientifischen bzw. hermeneutischen Rationalität. Beide Rationalitätsformen beziehen sich zum einen auf unterschiedliche Bereiche der Wirklichkeit: das, was naturwissenschaftlich durch die Angabe von Wirkursachen erklärt wird, kann nicht zugleich als Ausdruck einer Absicht verstanden werden. Beide Rationalitätsformen ergänzen sich aber auch: hermeneutisches Verstehen erfordert Erklärungswissen, während umgekehrt eine naturwissenschaftliche Erklärung nur dadurch möglich ist, dass die beteiligten Forscher sich wechselseitig als Subjekte mit Intentionen verstehen und anerkennen.
In einem späteren Aufsatz unterscheidet Apel dann im Rahmen der Letztbegründungsproblematik zwischen einer „formal-logischen“ und einer „transzendentalen Rationalität“. Während die erstere sich an der syntaktisch-semantischen Widerspruchsfreiheit propositionaler Sätze bemisst, geht es bei der letzteren um die „pragmatische Widerspruchsfreiheit von Sprechakten bzw. von performativ-propositionalen Sätzen, welche die ‚Doppelstruktur‘ von Sprechakten explizit machen“.[15] Der Unterscheidung zwischen einem formal-logischen (bzw. mathematischen) und einem transzendentalen Rationalitätstypus entspricht dabei nach Apel die traditionelle Unterscheidung zwischen Verstand und Vernunft.[16] Während die formal-logische Rationalität das Verhalten von Objekten auf naturwissenschaftliche Weise erkläre, gehe es der transzendentalen bzw. Diskursrationalität um das Verstehen von Subjekten.

Letztbegründung

Apels Letztbegründungsargument entstand als Reaktion auf das von Hans Albert zuerst 1968 aufgestellte Münchhausen-Trilemma, wonach letzte Begründungen nicht möglich seien.[17] Für Apel war die Suche nach letzten, vom Common senseunabhängigen Begründungen angesichts des Missbrauchs der Argumentationsfigur des „gesunden Volksempfindens“ im Nationalsozialismus unumgänglich geworden.[18]
Philosophische Letztbegründung besteht für Apel in dem Aufweis, dass gewisse Aussagen in jedweder Argumentation von jedem einzelnen immer schon vorausgesetzt werden müssen, gleichgültig welche spezielle Meinung, Weltanschauung oder Kultur er vertritt. Apel formuliert zwei Kriterien, die Sätze als letztbegründet ausweisen sollen:[19]
  • Sie können „nicht ohne pragmatischen Selbstwiderspruch“ bestritten werden
  • Sie können „nicht ohne logischen Zirkel (petitio principii) (formal-logisch) begründet“ werden
Apel nennt als Beispiel für pragmatisch inkonsistente Sätze: „Ich behaupte hiermit, dass ich nicht existiere“, „Ich behaupte hiermit, dass ich keinen Sinn-Anspruch habe“, „Ich behaupte hiermit, dass ich keinen Wahrheits-Anspruch habe“. Die Unmöglichkeit einer zirkelfreien logischen Begründung zeige bei diesen Sätzen nicht eine Aporie im Begründungsproblem an, sondern sei „eine notwendige Folge des Umstandes, dass die Sätze als einsehbar notwendige Präsuppositionen allen logischen Begründens a priori gewiss sind“.[20]
Apel bezeichnet die Art des von ihm analysierten Widerspruchs oft auch als performativen Widerspruch. Er stamme nicht aus dem subjektiven Denken, sondern aus dem Akt des intersubjektiven Gesprächs, so dass sich für Apel die Intersubjektivität als unhintergehbare Bestimmung menschlichen Denkens und Handelns ergibt.

Diskursethik

Mit diesem „Letztbegründungs-Kriterium“ verteidigt Apel grundlegende Diskursnormen und entwickelt eine Diskursethik, wie sie in abgeschwächter Form – d.h. ohne Letztbegründungsanspruch – auch Jürgen Habermas vertritt. Die ethischen Prinzipien entwickelt er dabei aus den nach seiner Überzeugung in jeder Diskussion um jede Ethik, ja auch um den ethischen Nihilismusimmer schon vorausgesetzten Annahmen. Jeder philosophische und ethische Ansatz appelliere an das Kriterium der objektiven Verbindlichkeit und Wahrheit der eigenen Aussage, so dass die Verbindlichkeitsanforderung und die Wahrheitsfähigkeit nach Apel nicht vernünftig in Frage gestellt werden können. Ziel Apels ist hierbei die Abwehr des ethischen Nihilismus und die Rückkehr zu einer objektiven und rationalen Ethik, die das „Paradoxon“ der Gegenwart überwinden soll. Er sieht in der Trennung zwischen objektivem Faktenwissen der Einzelwissenschaften und der Privatheit und Beliebigkeit ethischer Überzeugungen eines der Hauptprobleme der Moderne, aus dem die Diskursethik einen Ausweg darstellen soll.

Konventionelle und postkonventionelle Moral

In seiner Auseinandersetzung mit dem Problem der Umsetzung moralischer Normen und den Bedingungen ihres Scheiterns wie in der Zeit des Nationalsozialismus greift Apel auf die Moraltheorie von Lawrence Kohlberg zurück. Kohlberg hatte eine präkonventionelle, konventionelle und postkonventionelle Ebene der Moralentwicklung mit insgesamt sechs Stufen beschrieben. Jede dieser Stufen weist dabei – entsprechend den logischen Stufen der Denkoperationen bei Piaget – eine neue logische Struktur auf, die zugleich als „Gerechtigkeitsstruktur“[27] aufgefasst werden kann. Die moralische Entwicklung ist dabei nach Apel verbunden mit einem Wandel der jeweils eingenommenen sozialen Rolle („role taking“) und des „Reziprozitätsdenkens“:
[…]
Apel interpretiert die moralische Katastrophe des Nationalsozialismus als eine „Adoleszenzkrise der Menschheit“ [28] im Übergang von der konventionellen zur postkonventionellen Ebene der Moral. Die gesellschaftlichen Regeln werden einerseits nicht mehr als verbindlich anerkannt, andererseits verspürt das Individuum noch keine Verpflichtung, seine Entscheidungen mit Prinzipien zu begründen, die mit den Interessen der Gesellschaft in Einklang zu bringen sind. Wesentlich verantwortlich für diese Krise waren für Apel die Philosophie Friedrich Nietzsches und Martin Heideggers, die zu einer „Paralysierung des ethischen Prinzipienbewußtseins“ führte und „zusammen mit einem kompensativen Nationalismus […] das Versagen der ‚intellektuellen Elite‘ im Dritten Reich zur Folge gehabt hatte“ [29].

Wirkung

Apel gehörte in den 1970er bis 1990er Jahren zu den einflussreichsten deutschen Philosophen, insbesondere durch seine als kritische Erneuerung der Kantischen Transzendentalphilosophie intendierte „transzendentale Sprachpragmatik“. Seine Diskursethik löste in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts lebhafte Kontroversen aus. Aufsehen erregten seine Auseinandersetzungen mit Odo MarquardHermann LübbeHans AlbertRichard RortyJacques Derrida und Jean-François Lyotard. Zu Apels wichtigsten Schülern zählen Dietrich Böhler, Matthias Kettner und Wolfgang Kuhlmann.

Kritik

Ein wesentlicher Einwand gegen Letztbegründungskonzepte, wie sie Apel vertritt, beruht auf der Schwierigkeit, Sätze unabhängig von ihrem Kontext zu bewerten. Dem stehen mehrere in der Philosophie vertretene Standpunkte entgegen. Beispielsweise besagt etwa die Duhem-Quine-These explizit, dass Sätze nie isoliert bewertet werden, oder nach Thomas Kuhn gehen in Theorien immer auch (teilweise unbewusste) Grundannahmen ein, welche für die Interpretation und Bewertung der einzelnen Sätze wichtig sind.
Vor allem Vertreter des Kritischen Rationalismus wie Hans Albert (Traktat über kritische Vernunft) wiesen, etwa mit dem Verweis auf das Münchhausen-Trilemma, auf die logische Unmöglichkeit einer solchen Letztbegründung hin. Apel verteidigte sein Argument dadurch, dass die Letztbegründung keine deduktive Form der Begründung bzw. des Beweises sei, sondern eine Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit des Diskurses überhaupt.[30]
Ebenfalls wurde Apel vorgeworfen, dass sein Argument nur für diejenigen gültig sei, die ohnehin schon den Willen zur Diskussion aufbrächten: „All die stillschweigenden Implikationen des Diskurses, die Apel reflexiv aufdeckt, gelten nur dann, wenn man argumentieren will, wenn man also rational sein will.“[31] Eine universale, d.h. für alle Menschen gültige Ethik könne Apel daher nicht begründen.
Ein anderer Kritikpunkt betrifft die Frage nach der Motivation für moralisches Handeln. Selbst wenn Apel unhintergehbare Normen für den Diskurs aufweisen könne, bliebe ungeklärt, warum man sich auch willentlich an diese Normen zu halten hätte.
 [Karl-Otto Apel, Wikipedia]
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Karl-Otto Apel "Der Letztbegründer" [45:53]

Hochgeladen am 10.02.2012
Karl-Otto Apel, der am 15. März 2012 neunzig Jahre alt wird, ist ein deutscher Philosoph, der auf einzigartige Weise den transzendentalphilosophischen Ansatz Kants mit dem semiotischen Pragmatismus von Charles Sanders Peirce und mit dem Linguist Turn der Sprachphilosophie seit den 60er Jahren des 20. Jdts. verbindet. Die "Diskursethik", die auch von Jürgen Habermas propagiert wurde, ist ein Ergebnis der Philosophie Apels - der "Transzendentalen Sprachpragmatik". - In dem 45 minütigen, für das Philosophieprogramm des WDR produzierten Film stellen Henning Burk und Matthias Kettner die wichtigsten Denkmotive Apels dar.

From German Idealism to American Pragmatism & Back (Robert Brandom) [1:41:08]

Veröffentlicht am 27.03.2013
Professor Robert Brandom gives a talk on the development of American Pragmatism, beginning with Kant and German Idealism.

Pragmatism is a philosophical tradition that began in the United States around 1870. Pragmatism rejects the idea that the function of thought is to describe, represent, or mirror reality. Instead, pragmatists consider thought an instrument or tool for prediction, problem solving and action. Pragmatists contend that most philosophical topics—such as the nature of knowledge, language, concepts, meaning, belief, and science—are all best viewed in terms of their practical uses and successes.

This talk was given at Cambridge as part of a workshop on Cambridge Pragmatism. The workshop aims to explore this distinctive Cambridge philosophical tradition: its origins in the 1920s in the Cambridge of Bertrand Russell and G E Moore; its common themes; and its links and influences, in both directions, with other prominent figures, movements and schools in international philosophy.

Was ist eigentlich Pragmatismus ?

Veröffentlicht am 12.09.2015

Origins of Cambridge Pragmatism [1:30:32]

Veröffentlicht am 12.04.2013
In this talk, Cheryl Misak discusses the history of pragmatism and some of its central ideas.

Pragmatists approach philosophical problems by enquiring about the practical role of disputed notions — truth, causation, value, or necessity, for example — in human life. Over the past century, many distinguished Cambridge philosophers have been pragmatists in one sense or another. Most famously of all, the remarkable shift in Wittgenstein's views when he returned to Cambridge in 1929 is distinctly pragmatist in nature: it focuses on the many things that we humans do with language. In the same period, many of Frank Ramsey's contributions to topics such as probability, belief, causation and laws have a deeply practical character. Later, it is easy to identify pragmatist strands in von Wright's views of causation, Anscombe's writings on indexical thought, Mellor's work on tense and on success semantics, and Craig's view of knowledge, to name just four of the more prominent examples. And in this century, to date, Simon Blackburn and Huw Price are self-avowed pragmatists about a range of philosophical topics.

This talk was given at Cambridge at a workshop on Cambridge Pragmatism. The workshop aims to explore this distinctive Cambridge philosophical tradition: its origins in the 1920s in the Cambridge of Bertrand Russell and G E Moore; its common themes; and its links and influences, in both directions, with other prominent figures, movements and schools in international philosophy.

John Dewey [22:41]

Veröffentlicht am 20.10.2012
Chapter Thirty from Book Three, Part Two of Bertrand Russell's "The History Of Western Philosophy" (1945).

John Dewey, Pragmatism, & Metaphilosophy [41:50]

Veröffentlicht am 28.05.2015
In 1920, John Dewey argued for “Reconstruction in Philosophy”, claiming that philosophical discussions had become detached from contemporary human problems and were “a sentimental indulgence for a few”. Dewey’s challenge is as pertinent today as it was then. In this talk, Philip Kitcher (Columbia) suggests that some of Dewey's own works provide guidance for rethinking the philosophical agenda. In this light, the principal points of philosophical growth are seen as areas often viewed as peripheral, while the supposedly “core questions” are relevant only insofar as they enable people to cope with the issues of primary concern. Philosophy is not only reconstructed, but also turned inside out.

This talk was part of a conference on metaphilosophy and the future of philosophy.
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John Deweys (geb. 20.10.1859 in Burlington/Vermont, gest. 1.6. 1952 in New York City) Ruf, der bedeutendste politische Philosoph des Pragmatismus zu sein, gründet sich neben seinen Forschungs- und Lehrtätigkeiten an der University of Chicago (1894- 1904) und der Columbia University (1904-1930) auf sein politisches Engagement. In Chicago hatte er den dortigen Lehrstuhl für Philosophie, Psychologie und Pädagogik inne, und insbesondere seine schulreformerischen Projekte führten zur Veränderung seines während des Studiums angeeigneten Hegelianismus und zur Annäherung an den Pragmatismus. Deweys Wechsel an die Columbia University als Professor für Philosophie brachte schließlich eine eigenständige Philosophie des Experimentalismus und Instrumentalismus hervor, die dem eher epistemologisch begrenzten bzw. popularisierend vergröbernden Pragmatismus von Ch. S. Peirce und William James eine konsequente politische Interpretation an die Seite stellte. Dort entstanden auch Deweys Hauptwerke: Democracy and Education (1916), Experience and Nature (1925), The Public and Its Problems (1927), The Quest for Certainty (1929). Nach seiner Emeritierung erschien u.a.: Art as Experience (1934), ein großangelegter Versuch den pragmatischen Erfahrungsbegriff auf ästhetische Sachverhalte anzuwenden und Ästhetik dadurch als besondere Form von Kommunikation zu begreifen. Die Gesamtausgabe seiner Werke umfaßt 37 Bände. 

Dewey war Zeit seines Lebens öffentlich engagiert und gilt als Modell eines gesellschafts politisch verantwortlich agierenden Intellektuellen. In der Verbindung von Wissenschaft und politischer Praxis sah er die Lösung der vielfältigen Probleme eines wildwüchsigen Kapitalismus, mit denen die USA zu Beginn des 20. J ahrhunderts konfrontiert wurden. Es ist kein Zufall, dass an der Universität von Chicago dieser instrumentalistisch-reformerische Impetus besonders stark unter den Mitgliedern der (im weitesten Sinne) sozialwissenschaftlichen Fakultät vertreten war, denn Chicago zeigt sich in diesen Jahren als Brutstätte der Pathologien unregulierter Marktökonomie. Auch wenn Dewey schon zu Beginn des Jahrhunderts Chicago verließ, gehörte er gleichwohl zu diesem Diskurs der als "Chicago School" bekannt gewordenen interventionistischen Wissenschaft – vor allem der Soziologie (Joas 1992: 23ff.). Höhe
punkte erreichte diese Relevanzbestimmung der Wissenschaften als Werkzeuge politischer Reformen in der Ära des Progressive Movement zu Beginn des Jahrhunderts und in der Ära des New Deal. Deweys Aktivitäten waren nicht auf sozialreformerische Fragen der Innenpolitik beschränkt. So trat er für die Neugründung eines polnischen Staates nach Ende des Ersten Weltkriegs ein, beriet Anfang der zwanziger Jahre die chinesische Regierung bei der Modernisierung des Bildungssystems und propagierte in der Zwischenkriegszeit eine gesellschaftliche Bewegung für internationalen Gewaltverzicht und Abrüstung. Er machte sich auch international einen Namen durch die Leitung des Untersuchungskomitees, das sich mit der Ermordung Trotzkys beschäftigte. 


Dewey als beispielgebenden Theoretiker für den Pragmatismus vorzustellen, ist schon aufgrund der Heterogenität der pragmatischen Philosophie nicht ganz unproblematisch. Zwar bestand zwischen den Angehörigen der ersten Generation des Pragmatismus, zwischen Peirce, James, Dewey und Mead, zum Teil ein enger persönlicher oder publizistischer Zusammenhang, aber trotzdem hat sich keine Schule im engeren Sinne der Wissenschaftsdominanz und Nachwuchsrekrutierung gebildet. Allen Spielarten des Pragmatismus ist jedoch die Ablehnung einer Wissenstheorie der richtigen, d.h. abbildungsadäquaten Wahrheitsformulierung eigen. Darüber hinaus können noch die Ablehnung eines Realitätsskeptizismus, ein selbstreflexiver Fallibilismus, ein kontextualistisches Bewußtsein und die Betonung der sozialen Konstruktion, des Diskurses für die Konstruktion von wahren Aussagen genannt werden. Aber wichtiger als die gemeinsame Gegnerschaft zur Korrespondenztheorie der Wahrheit sind für die Entwicklung eines pragmatischen Paradigmas die feinen Unterschiede zwischen Peirce  James und Dewey. Im Zusammenhang mit der Herausbildung einer spezifischen Denk- und Argumentationsrichtung die Theorievarianten zu betonen, ist nicht widersprüchlich, da es eine "Schule" des Pragmatismus nicht gibt. So überwindet Peirce zwar die klassische dualistische Subjektphilosophie Descartes', aber auch für ihn bleibt in erster Linie die individuelle Reflexion Bezugspunkt aller erkenntnistheoretischen Überlegungen. Die Selbstvergewisserung des Individuums ist bei Peirce nun allerdings an eine konkrete Problemlage, einen kontextuellen Reflexionsdruck gebunden. Danach bestimmen reale Problemsituationen die jeweilige Wirklichkeitserkundung, der
en Stimmigkeit dann an ihrer Problemlösungskapazität gemessen wird. Erkenntnis bildet nicht mehr objektiv ab, sondern steht im Dienst der vergrößerten Bewältigungsmacht. Gewißheiten müssen sich in der Praxis als solche bewähren, um zu solchen werden zu können. Für Peirce bleibt diese Kontextualisierung von Wissen allerdings an die gedankenexperimentelle Erwartbarkeit der praktischen Folgen von Erkenntnissen gebunden (Peirce 1991: 5). Praxis ist hier noch keine Kategorie der Faktizität. Die mit der Ablösung von Korrespondenztheorien der Wahrheit verbundene Frage nach den Geltungsansprüchen beantwortet Peirce nun nicht nur mit der Bindung von Aussagen (lndikativsätzen) an Handlungsfiktionen. Neben dieser Bestimmung der Relationalität von Wahrheit entwirft er eine Logik des Zusammenhangs von Handlung und Bezeichnung. Peirce selbst entwickelt in diesem Kontext mit der "Abduktion" ein pragmatisches Schlußverfahren zwischen Induktion und Deduktion (Eco/Sebeok 1985), das in einer konkreten Situation Erkenntnisinteresse, Vorurteil und Vorwissen zu einem Komplex verbindet, der Schlußfolgerungen, die Konstruktion von Kausalitäten konkret situiert und nicht ewige und universale Gültigkeit anstrebt. Eingebunden ist diese Logik in Wahrscheinlichkeiten, von denen die meisten quasi selbstverständlich Handlungen bestimmen. Unwahrscheinlichkeit muß nicht erst bewiesen werden, sondern erfährt eine praktische Nichtberücksichtigung. Nicht alle Annahmen müssen prohlematisiert und begründet werden. Erst wenn diese Vorurteile ihre Selbstverständlichkeit verlieren, besteht der Zwang zur Neuorientierung. Schlußfolgerungen basieren auf Zeichen, die lageadäquat gedeutet werden müssen. Dabei übersteigt Peirce allerdings nicht einen epistemologischen Rahmen. Pragmatismus ist danach vor allem eine wissenschaftliche Methode, und Handlung ist vor allem experimentelles Schließen. 


Doch in der Zeichentheorie ist eine über den Rahmen wissenschaftlicher Diskurse hinausweisende Soziabilität enthalten. Zeichen sind für das Individuum Merkzeichen und immer auch Anzeichen für andere. Peirces Semiotik wird als Theorie der Relativität von Bezeichnungen damit Ausgangspunkt für philosophisches und 
sozialwissenschaftliches Denken, das die Interaktion zwischen den Individuen in den Mittelpunkt stellt? Schon für Peirce war die Kommunikation Fundament der scientific community. William James machte dann den Versuch, den Begriff des Pragmatismus zu einer allgemeinen, psychologischen Theorie nützlichkeitsmaximierender Individualität zu erweitern (James 1977). James lehnt alle essentialistischen Definitionen des menschlichen Wesens ab und entwirft Identität als Ergebnis der Existenzführung und ihrer Bedingungsfaktoren. Diese Selbstgestaltung ist Reaktion auf Entscheidungsprobleme, die sich dem einzelnen stellen. Die so kontextualisierte Indidividualitat ist wirklichkeitsorientiert; Selbstbehauptung ist konkret. Entsprechend realistisch und empirisch ist James' Pragmatismus ausgerichtet. Er bereichert Peirces Theorie der Zeichenbedeutung durch eine pragmatische Theorie der individuellen Wirklichkeitskonstruktionen. Zur kommunikativen Bedeutung kommt jetzt die Ebene des subjektiven Glaubens und Meinens hinzu.3 Damit besteht eine Anschlußmöglichkeit für hermeneutische Verfahren. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, daß die gegen den Pragmatismus immer wieder herbeizitierten Argumente eines vermeintlichen performativen Selbstwiderspruchs der Relativierung aller Bezeichnungen, also auch der jeweils eigenen, das pragmatistische Denken verfehlt. Geht es diesem doch gar nicht um die Fortführung traditioneller erkenntnistheoretischer Debatten, sondern um die handlungstheoretische, bei den Akteuren und ihren Interaktionen ansetzende Aufschließung solcher Begriffe wie Wissen, Erkenntnis, Urteil. 


1 Genauso operiert Sherlock Holmes, während Inspektor Lestrade von Scotland Yard den Schritt vom alten Wahrscheinlichen zum neuen Wahrscheinlichen nicht schafft. 


2 Hier knüpft etwa Meads „symbolischer Interaktionismus" als Theorie der Entstehung von individueller Identität im Prozeß der Vergesellsehaftung an. 


3 Diese (sozial- )psychologisehe Orientierung läßt Peirce für sein Denkgebäude den Begriff des „Pragmatizisrnus'' erfinden, um sich vom unlauteren „Pragmatismus" abzusetzen. 



2. Metaphysik der Erfahrung und politische Theorie 

2.1. Handlung und Erfahrung 

Das pragmatische Denken geht davon aus, daß Wissen das Erreichen von gesetzten Zwecken sichert und darum dann problematisch wird, wenn Widerstände im Handlungsvollzug auftreten. Vor einer solchen Handlungssequenz steht keine ursprüngliche Intention, sondern die Handlung ist Teil eines Kontinuums und immer in konkrete Lagen eingebettet. Die Reflexion des Handelnden ist mithin nicht von der Handlung zu trennen; erst der distanzierte (sozialwissenschaftliche) Beobachter muß durch willkürliche Sequeritialisierung einen Beginn konstruieren. Ein solcher Handlungs- und Reflexionsbegriff verweist zwar auf "Nützlichkeit" als allgemeinen Handlungsmodus, aber eben nicht im Sinne des klassischen moralphilosophischen Utilitarismus. Im Gegensatz zu diesem unterlegt der Pragmatismus seinem Handlungsbegriff keine Ontologie der Nutzensuche. Vielmehr ist die Feststellung, daß Handlungen bestimmten Zwecksetzungen dienen, schlicht unhintergehbare Voraussetzung, um Handlungen (auch die jeweils eigenen) überhaupt beobachten und verstehen zu können. Es zeichnet den pragmatischen Handlungsbegriff aus, daß er die Situierung der Individuen nicht in ein Korsett objektiver Rationalität zwängt. Weil die Vorstellung einer am Beginn der Handlung stehenden Intention, die dann bestimmte Zweck-Mittel-Überlegungen auslöst, aufgegeben und analytisch der Beginn jeder Handlung von vorausgehenden Absichten nicht getrennt wird, erübrigen sich grobschlächtige Unterscheidungen des Handlungsverlaufs in rational vs. irrational. Ebenfalls entfallen behavioristische Reiz-Reaktions-Schemata, weil der Reflex immer von der Gestimmtheit der gereizten Subjekte, von ihrer konkreten Lage abhängt (Dewey 1972). Darüber hinaus steht die Formulierung einer utilitaristischen sozialen Wohlfahrtsfunktion als das größte Glück der größten Zahl konträr zur Nutzenvorstellung des Pragmatismus, setzt dieser doch immer bei der konkreten Rekonstruktion von Situationsdeutungen von "Glück" und "Unglück" als Ausgangspunkt jeder Handlung an. 


Die Einheit von Intention und Handlung zeigt sich für Dewey in der erfolgreichen Bewältigung problematischer Situationen. Hier fügt sich ein Erfahrungsbegriff ein, der die geglückte Handlung als erfolgreiche Anpassung an Umweltansprüche versteht. 


Erfahrungen markieren die Schnittstelle zwischen individueller Disposition und Umwelteinflüssen. in ihnen kommen die Objekte zu ihrem Eigenrecht als Realität jenseits individuellen Wollens. Erfahrungen sind deshalb zentral für die zukünftige Orientierung der Akteure; sie geben die Möglichkeiten der optimalen Handlung vor und statten den Handelnden quasi mit Ressourcen zur Problemlösung aus. Ganz deutlich drängt an diesem Punkt Deweys Evolutionismus in seine politische Philosophie. Erfahrung ist Ausdruck einer gelungenen Koevolution zwischen Individuen und ihrer Umwelt und als solche allgemeines Naturprinzip. "Mere activity does not constitute experience. lt is dispersive, centrifugal, dissipating· Experience as trying involves change, but change is meaningless transition unless it is consciously connected wi th the return wave of consequences which flow from it. When an activity is continued into the undergoing of consequences, when the change made by action is reflected hack into a change made in us, the mere flux is loaded with significance" (Dewey 1966: 139). Als Kopplungsstelle zwischen psychischem System und Umwelt besitzen Erfahrungen eine eigene Materialität. Im Rahmen von Experimenten können Erfahrungen aktiv gesucht und gemacht werden, aber sie entwickeln als Reflexion geglückter/mißglückter Anpassung Selbständigkeit. Diese Autonomie von Erfahrungen bedarf einer entsprechenden individuellen Reflexionsbereitschaft. einer gewissen Intelligenz der richtigen, problemlösenden Schlußfolgerungen, erst dann kann es zu Rückkopplungen in den Handlungsverlauf kommen. Erfolgreiche Sozialisation besteht nach Dewey in der Entwicklung von Offenheit gegenüber Erfahrungen. Folgerichtig stellen seine Schulexperimente und Lehrplanentwürfe dieses Erlernen von Sensibilität in den Mittelpunkt. Schüler sollen vor allem praktische Erfahrungen machen, sich Lehrinhalte aktiv aneignen ,usw. Erfahrungen umfassen Umwelt und System, Körper und Geist, Subjekt und Objekt. So holistisch definiert bilden sie das Fundament der antidualistischen Philosophie Deweys, das vor der Berufung nach Chicago noch deutliche religiöse Ganzheitssemantiken aufweist und danach den Erfahrungsbegriff immanentisiert und politisiert. Seine lebensreformerische Position, die als Variante der um die Wende zum 20. Jahrhundert populären Ideen der Ganzheitlichkeit gelten kann, führt zu einer vehementen Ablehnung erfahrungs armen Theoreti
sierens: "An ounce of experience is better than a ton of theory simply because it is only in experience that any theory has vital and verifiable significance. (. .. ) A theory apart from an experience cannot be defitinely grasped even as theory. lt tends to become a mere verbal formula, a set of catchwords used to render thinking, or genuine theorizing, unnecessary and impossible. Because of our education we use words, thinking they are ideas, to dispose of questions. the disposal being in reality simply an obscuring of perception as prevents us from seeing any longer the difficulty" (Dewey 1966: 144). Dewey privilegiert also mit diesem emphatischen Erfahrungsbegriff eine bestimmte Form der Wirklichkeitsvergewisserung und rückt ihn in das Zentrum seines Pragmatismus. Mit Peirce geht er von der Leere der Begriffe aus, die keine Unterschiede mehr machen, aber er wendet dessen Nominalismus in einen Realismus der praktischen Erfahrung.' Dieses Element der intelligenten Entwicklung und Anwendung von erfahrungsbestätigten Instrumenten zur Anpassungssicherung bewegt Dewey schließlich dazu, für seine Philosophie die Bezeichnungen "Experimentalismus" oder "Instrumentalismus" dem Etikett "Pragmatismus" vorzuziehen. 


Dewey setzt also auf die Authentizität des Zusammenfallens von Subjekt und Objekt in der Erfahrung der Koevolution, Er überträgt dieses Konzept schließlich auf das politische Handeln. Dabei gehen Kritiker, die Dewey eine Szientifizierung des Politischen vorwerfen, jedoch fehl, denn Experimentalismus bedeutet etwas anderes als die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntisse. Er spricht in "Democracy and Education" davon, daß die Verbindung von Erfahrungen, intelligenter Bearbeitung und Erwartungsformulierung ein Grundmuster jeder Entwicklung darstellen: "As soon as an infant begins to expect he begins to use something which is now going as a sign of something to follow; he is ( ... ) judging. For he takes one thing as evidente of something else, and so recognizes a relationship. Any future development, however elaborate it may be, is only an extending and a refining of this simple act of inference" (Dewey 1966: 146, Hervorh. im Orig.). Die fortgeschrittenen (Natur)Wissenschaften unterscheiden sich von diesem Grundmuster der 
intelligenten Rückkopplung nur durch bessere, ausgefeiltere Verfahren der Beobachtung und Schlußfolgerung. Das Experiment ist eine besonders elaborierte Ausprägung existenzsichernder Kulturtechnik. Deweys Betonung der herausgehobenen Bedeutung der Pädagogik wird vor diesem Hintergrund verständlich. Die Schule ist für ihn die zentrale soziale Institution der Erfahrungsaneignung. Die Schüler sollen ihre Intelligenz, ihre Kreativität und Produktivität vergrößern; "theoretisches" Wissen tritt demgegenüber zurück. So ausgebildet werden sie zu Individuen, die nicht nur über technische Meisterschaft verfügen, sondern in ihrer Erfahrungsoffenheit ideale Bürger eines Gemeinwesens darstellen, das ohne Mobilisierung von sozialer Intelligenz sich nicht behaupten kann. Dewey entgeht dabei nicht der Gefahr, Bildung und Ausbildung zum sozialen Panacea schlechthin zu machen. Bezeichnenderweise setzen viele seiner praktischen Politikempfehlungen – erinnert sei hier nur an seine Beratertätigkeit für die chinesische Regierung – an Bildungs- und Schulreformen an. 


Diese Leitidee der Sicherung der Bedingung der Möglichkeit Erfahrungen zu machen, hat eine weitere Komponente, die ins Zentrum des politischen Denkens Deweys deutet. Das politische System muß Strukturen aufbauen, die die Wirkung des kulturellen Instrumentalismus der intelligenten Erfahrungsbearbeitung verstetigen. Bildungspolitik ist dabei ein zentrales Politikfeld, aber Dewey geht weit über eine solche Beschränkung auf spezifische polieies hinaus. Systematisierte Erfahrungen, zum Paradigma im modernen Wissenschaftsbetrieb verdichtet, sollen danach politisches Handeln bestimmen. Wobei Dewey bis in sein Spätwerk hinein dieses Handeln mit staatlichen Interventionen gleichsetzt. Hier äußert sich ein starker Steuerungsoptimismus gegenüber etatistischen Eingriffen, der sich aus dem Vertrauen in die Problemlösungskapazität der methodischen Erfahrungsbearbeitung speist. Für Dewey kommt es darauf an, Erfahrungsoffenheit auf die politische Entscheidung zu übertragen. Es geht dabei nicht um die Transformation dieses oder jenes Einzelwissens aus der Sphäre der Wissenschaften in die der Politik', sondern eher um die Übertragung eines bestimmten Handlungsmodus. Dieses Vertrauen ist Ausdruck einer Mischung aus religiösem Glauben an die letztlich gerechtfertigte 
Schöpfung, einem geschichtsphilosophischen Hegelianismus der siegreichen Vernünftigkeit und Darwins Evolutionstheorie, die Deweys Frühwerk prägt (Dewey 1971). Das Problem der normativen Leerstelle einer solchen politischen Theorie der engen Verzahnung von Erfahrung und Steuerung, die die Qualität des politischen Systems auf seine Leistungsfähigkeit reduziert, bleibt zunächst unbearbeitet. Dewey tritt in seinen politischen Überlegungen immer als Anhänger der Demokratie auf. Sie ist ihm authentischer gesellschaftlicher Ausdruck dieser umfassenden Vervollkornmnunssfähigkeit. So fordert er schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine umfassende Demokratisierung der industriellen Beziehungen, aber dieses Plädoyer entspringt allein seinem damaligen Entwicklungsoptimismus, der die Evolution als Aussöhnung der partikularen sozialen Interessen begreift (Dewey 1969: 246). Angesichts der in der Zwischenkriegszeit prekär werdenden Begründungen für individuelle Freiheit besteht dann für Dewey die Notwendigkeit, seine Handlungstheorie der Erfahrung als Theorie der Demokratie genauer zu formulieren. 


4 Die Hierarchisierung von Weltbezügen hat Dewey den Vorwurf der Metaphysik der Erfahrung eingehandelt (Rorty 1982, I 998a). Gerade vor dem Hintergrund des linguistic turn kann die Abwertung von "leeren Wörtern" nicht überzeugen, da ja auch die Erfahrung verbalisiert werden muß. 


5 Die Stellung des Experten wird in Abschnitt 2.3. diskutiert. 

mehr:
- Politische Theorie des Pragmatismus: John Dewey (Thomas Noetzel, in: A. Brodocz/ G. S. Schaal (Hg.), Politische Theorie der Gegenwart Band I; Opladen, S. 157-183., gefunden bei Uni Marburg, Politikwissenschaften, 2002)

George Orwell (Doku) Der Ruf nach Freiheit

Hochgeladen am 12.12.2011
George Orwell (Doku) Der Ruf nach Freiheit GERMAN Dokumentation Deutsch

In der Dokumentation des preisgekrönten schottischen Regisseurs Mark Littlewood werden Leben und Werk George Orwells, der mit bürgerlichem Namen Eric Arthur Blair hieß, noch einmal lebendig. Orwells Werk hat bis heute nichts von seiner Brisanz eingebüßt. Imperiale Kriegführung und totalitäre Strukturen bestehen auch in der Welt des 21. Jahrhunderts weiter, ja viele Aspekte seines Zukunftsentwurfs der totalen Überwachung sind sogar Wirklichkeit geworden.

Der Film basiert auf biographischen Nachforschungen des Autors Anthony Grace, die Orwell als couragierten Kämpfer für Demokratie und Individualität zeigen. Dazu hat Regisseur Mark Littlewood faszinierende Archivaufnahmen gefunden und prominente Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Richard Rorty befragt.

Die Macht der Medien | Journal Interview [12:09]

Veröffentlicht am 30.06.2013
Im Gespräch: Noam Chomsky. Der amerikanische Gegenwartskritiker, Linguist und Philosoph gilt als weltweit bedeutender linker Intellektueller und Kritiker der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik. 
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Noam Chomsky -- Wissenschaftler und Rebell (Sternstunde Philosophie, 28.10.2012) [53:31]

Veröffentlicht am 03.01.2014
Barbara Bleisch debattiert mit Noam Chomsky am Massachusetts Institute of Technology (MIT) über den US-amerikanischen Wahlkampf, über die Rolle des Staates im 21. Jahrhundert und über die Verantwortung der Intellektuellen.

Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur

Noam Chomsky Interview 'WDR Nachgefragt - Wie uns die oberschicht manipuliert [13:59]

Veröffentlicht am 08.05.2012
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Noam Chomsky: Driving forces in US policy | Vortrag (deutsche Untertitelung) [56:28]

Veröffentlicht am 07.07.2014
Noam Chomsky: Driving forces in US policy | Die treibende Kraft hinter der US-amerikanischen Außenpolitik

Vortrag [in englischer Sprache, mit deutscher Untertitelung] | Lecture | 30. Mai 2014

Der Gesellschaftskritiker und Friedensaktivist Noam Chomsky ist einer der am meisten zitierten öffentlichen Intellektuellen der Gegenwart.

Mit seiner Arbeit in der Sprachwissenschaft, Philosophie und Kognitionswissenschaft trägt er verdient den Titel „Vater der modernen Linguistik". Seine kritischen Veröffentlichungen über die Massenmedien, Politik und der Globalisierung haben ihn an der Spitze des zivilen Aktivismus gebracht: War er in den 1960er-Jahren zunächst Anti-Kriegs-Aktivist, so ist er heute Unterstützer der Occupy-Bewegung.

Social critic and peace activist Noam Chomsky is the most cited public intellectual of today.
His works in linguistics, philosophy and cognitive science have earned him the title the "father of modern linguistics". His critical publications on mass media, politics and globalization have put him on the forefront of civil activism starting as anti-war activist in the 1960s and now as supporter of the Occupy movement. 


Noam Chomsky über Menschenrechtsverletzungen der USA und die Proteste in der Türkei [15:18]

Veröffentlicht am 24.08.2013
Bei einer Umfrage des US-Magazins "Foreign Policy" wurde der Linguistikprofessor Noam Chomsky zum wichtigsten Intellektuellen im englischsprachigen Raum gewählt. Gegenüber Kulturzeit kritisiert Chomsky, der gerade als Ehrengast des Global Media Forums in Bonn war, den US-Präsidenten scharf.

"Wenn man Obama vor einen Internationalen Gerichtshof stellen würde, dann sollte man ihn dafür anklagen, dass er eine der extremsten Terroristen-Kampagnen der Welt organisiert hat." El Kaida sei schlimm, aber dieser Staatsterror sei noch schlimmer. Noam Chomsky wirft Obama und der Vorgängerregierung unter George W. Bush vor, die Grundsätze der Magna Carta außer Kraft gesetzt zu haben - allen voran den Grundsatz der Unschuldsvermutung gegenüber jedem Menschen. Bush und Obama hätten jedoch Verdächtige töten lassen - unter ihnen Osama bin Laden - denen nach dem Geist der Magna Carta erst einmal ein Gerichtsverfahren zugestanden hätte. Sie hielten Menschen in Guantanamo ohne Gerichtsverfahren fest. "Das alles verletzt Prinzipien, die seit 800 Jahren gelten."

In diesem Zusammenhang wirft Chomsky der Obama-Administration vor, mit dem Drohnen-Krieg, wie Chomsky es nennt, nicht nur terroristische Waffen einzusetzen, sondern damit auch neuen Terrorismus zu schüren. Mit gezielten Drohnen-Angriffen wie dem im Jemen, zwei Tage nach dem Attentat auf den Boston-Marathon, habe man ein ganzes Dorf zu potenziellen Terroristen gemacht. "Schauen Sie sich die Terrorlistenlisten an", so Chomsky. "Wenn jemand in diesen Terrorlisten auftaucht, kann eine Regierung mit ihm alles machen: Töten, unbegrenzt inhaftieren, was auch immer." Das sei eine exekutive Macht, die man nie einem Staat zugestehen wollte. Als Begründung diene das Argument, dass wir eine Überwachung haben müssen, um das Land vor Terror zu schützen. Chomsky bedauert, dass es keine unabhängige Presse mehr in den USA gebe, die eine solche Argumentation als Scherz entlarve.

Es wundert den Obama-Kritiker auch nicht, dass Überwachungsprogramme wie Prism angewendet werden. Solche Überwachungsmethoden haben in den USA eine lange Tradition, sagt er. Schon immer habe man Technologien zur Überwachung und Infiltration eingesetzt. Das sei schon unter der Regierung des liberalen Woodrow Wilson so gewesen, der die Überwachungstechnologien, die während der Philippinen-Invasion vor 100 Jahren erprobt wurden, später auch auf US-amerikanischem Boden einsetzte. "Das ist das, was alle Regierungen immer machen. Sie sind Machtsysteme und sie machen sich verfügbare Hilfsmittel zunutze. [...] Wir sollten uns dagegen wehren, aber überrascht sein dürfen wir nicht."

Zur Feststellung, dass immer mehr Menschen von Obama enttäuscht seien, bemerkte Chomsky, dass Obamas Wahl im Jahr 2008 vor allem ein Produkt der US-amerikanischen PR-Industrie gewesen sei. "Das sind dieselben Leute, die Zahnpasta-Werbung im Fernsehen verkaufen." Ihre Aufgabe sei es, Illusionen zu erzeugen. Und wer, fragt Chomsky am Ende, habe 2008 den Preis für die beste Marketing-Kampagne bekommen? Nicht "Apple", sondern Obama.


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Avram Noam Chomsky [ˈævɹəm ˈnoʊəm ˈtʃɒmski] (* 7. Dezember 1928 in PhiladelphiaPennsylvaniaUSA) ist emeritierter Professor für Linguistik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der weltweit bekanntesten linken Intellektuellen und seit den 1960er Jahren einer der prominentesten Kritiker verschiedener Aspekte der US-amerikanischen Politik.
Chomsky ist einer der bekanntesten US-amerikanischen Sprachwissenschaftler (Linguisten) der Gegenwart, der – durch die Verbindung der Wissenschaftsdisziplinen Linguistik, Kognitionswissenschaften und Informatik – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts starken Einfluss auf deren Entwicklung ausübte. Seine Beiträge zur allgemeinen Sprachwissenschaft sowie seine Modelle der Generativen Transformationsgrammatik veränderten den bis dahin vorherrschenden US-amerikanischen Strukturalismus. Seine Kritik am Behaviorismus förderte den Aufstieg der Kognitionswissenschaft.
Chomsky war ab den 1960er und 1970er Jahren oft im politischen und wissenschaftlichen Diskurs öffentlich präsent. Zu seinen bedeutendsten medientheoretischen Arbeiten gehörte die Entwicklung der Theorie des Propagandamodells zusammen mit Edward S. Herman, das manipulative Einflüsse wirtschaftlicher Interessengruppen mit Hilfe der Massenmedien auf demokratische Gesellschaften erklärt. Seit Chomskys Kritik am Vietnamkrieg trat er immer wieder als scharfer Kritiker der US-amerikanischen Außen- und Wirtschaftspolitik in Erscheinung und wurde als Kapitalismus- und Globalisierungskritikerweltweit bekannt. Er bezeichnet sich als Libertären Sozialisten (synonym mit Anarchismus) mit Sympathien für den Anarchosyndikalismus und ist Mitglied der Industrial Workers of the World und der Internationalen Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft (IOPC).[1]

Dem Arts and Humanities Citation Index von 1992 zufolge ist Chomsky im Zeitraum zwischen 1980 und 1992 die am häufigsten zitierte lebende Person der Welt gewesen.

Leben

Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia (Pennsylvania, USA) als Sohn von dem Hebraisten William Chomsky und von Elsie Simonofsky, beide jüdischen Glaubens, geboren. Im Jahr 1945 begann er, an der University of Pennsylvania Philosophieund Linguistik zu studieren. Zu seinen Lehrern zählten der Sprachwissenschaftler Zellig S. Harris und der Philosoph Nelson Goodman. Chomskys anarchistische Überzeugungen bildeten sich schon in den 1940er Jahren heraus. Von Bedeutung war dabei die Auseinandersetzung mit dem Anarchismus in Spanien während des Bürgerkrieges.
Anfang der 1950er Jahre studierte Chomsky einige Jahre an der Harvard University. 1955 wurde er an der Universität von Pennsylvania in Linguistik promoviert. Seine Dissertation Transformational Analysis war Teil eines groß angelegten Frühwerks, in welchem er bereits einige jener Ideen zu entwickeln begann, die er 1957 in seinem Buch Syntactic Structures, einem der bekanntesten Werke der Linguistik, ausarbeitete.
Nach der Verleihung der Doktorwürde lehrte Chomsky zunächst als Assistenzprofessor, seit 1961 als ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie am Massachusetts Institute of Technology. In den 1960er Jahren wurden seine revolutionären linguistischen Arbeiten weltweit anerkannt, seither gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet.
Noam Chomsky war seit 1949 mit der Linguistin Carol Chomsky (1930–2008) verheiratet.[2][3] Seine älteste Tochter ist die Lateinamerikawissenschaftlerin Aviva Chomsky. Chomsky ist in zweiter Ehe mit Valeria Wasserman verheiratet.

Akademisches Wirken

Noam Chomsky hat die Darstellung natürlicher Sprachen formalisiert: Die Neuerung war, die einzelsprachlichen Ausdrücke mit Hilfe einer Metasprache rekursiv zu definieren. Die aus der Metasprache abgeleiteten Klassen von Grammatiken können in eine Hierarchieeingeteilt werden, die heute Chomsky-Hierarchie genannt wird. Seine Arbeit stellt einen Meilenstein für die Linguistik dar.
Formale Sprachen und die Chomsky-Hierarchie spielen auch in der Informatik eine wichtige Rolle, insbesondere in der Komplexitätstheorie und im Compilerbau.
Zusammen mit den Arbeiten Alan Turings begründen sie einen eigenen Bereich in der Mathematik und machen strukturelle Bereiche und Formalismen natürlicher Sprachen einer mathematischen Betrachtung zugänglich, unter anderem mit dem Ergebnis, dass maschinelle Übersetzungen prinzipiell möglich sind.
Die mathematische Formalisierung natürlicher Sprachen legte Grundlagen für die Computerlinguistik und das Projekt maschineller Sprachübersetzung. Chomskys Theorien selbst gelangten dabei aber schnell in die Kritik, nachdem bewiesen wurde, dass die generative Transformationsgrammatik Turing-vollständig und damit nicht endlich bearbeitbar ist. Als Reaktion beschränkte Chomsky daraufhin die Eigenschaften seiner Grammatik durch sogenannte Barriers. Diese und spätere Grammatiktheorien, wie Government and Binding und Minimalistisches Programm sind allerdings nicht mathematisch formalisiert und spielen damit für die Computerlinguistik nur noch eine untergeordnete Rolle neben unifikationsbasierten Grammatiken wie die Lexikalisch-funktionale Grammatik (LFG) und die Head-driven Phrase Structure Grammar (HPSG).
Noam Chomsky ist seit 1965 ein führender linker Kritiker der US-amerikanischen Außenpolitik. Seine Vorträge werden nicht nur in Büchern, sondern einige auch auf CDs veröffentlicht, die beispielsweise auf dem Label Alternative Tentacles von Jello Biafraerscheinen.
Zusammen mit Edward S. Herman hat Chomsky im Propagandamodell zu erklären versucht, wie Massenmedien im kapitalistischen Umfeld die Berichterstattung so gestalten, dass die Interessen der Regierung und der Oberschicht gewahrt bleiben.

Beiträge zur Psychologie
Chomskys linguistisches Werk beeinflusste auch die Entwicklung der Psychologie im 20. Jahrhundert. Seine Theorie einer Universalgrammatik war ein direkter Angriff auf die etablierten behavioristischen Theorien seiner Zeit und hatte erhebliche Auswirkungen auf das wissenschaftliche Verständnis des kindlichen Spracherwerbs und der menschlichen Fähigkeit zur Interpretation von Sprache.
1959 veröffentlichte Chomsky seine Kritik an B. F. Skinners Verbal Behavior. In diesem Buch behandelte einer der führenden Behavioristen das Phänomen Sprache als sprachliches Verhalten (engl. verbal behavior). Dieses Verhalten, so Skinner weiter, könne wie jedes andere Verhalten – vom Schwanzwedeln eines Hundes bis zur Vorstellung eines Klaviervirtuosen – durch Verstärkung geformt werden.
Chomskys Kritik an Skinners Arbeit war einer der Auslöser der sogenannten kognitiven Wende in der Psychologie. In seinem Buch Cartesianische Linguistik von 1967 und anderen weiterführenden Arbeiten entwickelte Chomsky eine Erklärung der menschlichen Sprachfähigkeit, die auch für Untersuchungen in anderen Bereichen der Psychologie Modellcharakter entfaltete. Viele Aspekte des gegenwärtigen Konzepts von der Funktionsweise des Geistes entspringen unmittelbar Ideen, die in Chomsky ihren ersten Autor fanden.
Hier sind vor allem drei Kerngedanken festzuhalten. Erstens, behauptete er, ist der Geist kognitiv. Das bedeutet, dass er tatsächlich mentale Zustände, Überzeugungen, Zweifel usw. enthält. Frühere Ansichten haben das mit dem Argument abgelehnt, dass es sich lediglich um Ursache-Wirkung-Beziehungen – beispielsweise der Art „Wenn Du mich fragst, ob ich X will, werde ich Y sagen“ – handle. Im Widerspruch hierzu zeigte Chomsky, dass es besser sei, den Geist so zu verstehen, als ob man es mit Gegenständlichem wie Überzeugungen oder Unbewusstem zu tun hätte.
Zweitens behauptete er, dass ein Großteil dessen, was der erwachsene Geist könne, bereits angeboren sei. Es käme zwar kein Kind auf die Welt, das bereits eine Sprache spreche, aber alle werden mit der Fähigkeit zum Spracherwerb geboren, die es sogar gestatte, in wenigen Jahren gleich mehrere Sprachen geradezu aufzusaugen. In der Linguistik wird diese These Chomskys auch als linguistischer Mentalismus bezeichnet. Psychologen erweiterten diese These weit über das Feld der Sprache hinaus. Marc Hauser etwa, ehemals Psychologe an der Harvard University, nimmt auf Basis der Forschungen von Chomsky an, dass der Mensch auch, ähnlich dem Sprachinstinkt, bereits mit gewissen Moralinstinkten geboren wird. Der Geist des Neugeborenen wird heute nicht mehr als unbeschriebenes Blatt betrachtet. Damit widersprechen Chomsky und seine Nachfolger der lange Zeit unter anderem in der Philosophie durch die Empiristen vertretenen These, dass „nichts im Verstand ist, was nicht zuvor in den Sinnen war“, die also den Menschen bei seiner Geburt als Tabula rasa ansehen.
Schließlich entwickelte Chomsky aus dem Konzept der Modularität ein entscheidendes Merkmal der kognitiven Architektur des Geistes. Der Geist sei aus einer Ansammlung zusammenwirkender spezialisierter Subsysteme zusammengesetzt, die nur eingeschränkt miteinander kommunizierten. Diese Vorstellung unterscheidet sich stark von der alten Idee, dass jedes Stückchen Information im Geist durch jeden anderen kognitiven Prozess abgerufen werden könne. (Optische Täuschungen zum Beispiel lassen sich nicht abschalten, sogar dann nicht, wenn man wisse, dass es sich um Illusionen handle.)

Politisches Engagement
In den 1960er Jahren begann Chomsky, sich in der Öffentlichkeit deutlicher politisch zu artikulieren. Seit 1964 protestierte er gegen den von ihm als „Angriff auf Südvietnam“ bezeichneten Vietnamkrieg und kritisierte, dass dieser in den USA Krieg in Vietnamgenannt wurde. 1969 veröffentlichte er Amerika und die neuen Mandarine, eine Sammlung von Aufsätzen über den Vietnamkrieg, die Einfluss auf die Antikriegsbewegung ausübte. Ebenso deutlich bezog Chomsky Stellung gegen die US-amerikanische Politik und die Rolle der Medien in Bezug auf KubaHaitiOsttimorNicaragua, den Nahostkonflikt und gegenüber den „Schurkenstaaten“ sowie zum zweiten Golf- und zum Kosovokrieg, zur Frage der Menschenrechte, zu Globalisierung und neoliberalerWeltordnung. Heute ist er, neben seiner weiter unbestrittenen Bedeutung für die Linguistik, zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der politischen Weltordnung und der Macht der Massenmedien geworden. Chomsky äußerte, dass seine „persönlichen Visionen traditionell anarchistisch sind, mit Herkunft aus der Aufklärung und dem klassischen Liberalismus“.[10] Er tendiert zum Anarchosyndikalismus und ist Mitglied der Industrial Workers of the World und der Internationalen Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft.[11][12] Chomsky wird vorgeworfen, die Massenmorde unter Pol Pot in Kambodscha abgestritten zu haben.[13]
Im New York Times Book Review wurde Chomsky einmal als der „wichtigste Intellektuelle der Gegenwart bezeichnet. Noam Chomsky hierzu: „Das Zitat wurde von einem Verlagshaus veröffentlicht. Doch da sollte man immer sehr genau lesen: Wenn man nämlich das Original nachschaut, dann heißt es weiter: „wenn dies der Fall ist, wie kann er dann solchen Unsinn über die amerikanische Außenpolitik schreiben?“ Diesen Zusatz zitiert man nie. Aber um ehrlich zu sein: Gäbe es ihn nicht, würde ich glauben, ich mache etwas falsch.“[14]
Noam Chomsky gilt in Hinblick auf sein politisches Schrifttum als der „meistzitierte Außenseiter der Welt“. Er gilt als einer der Vorsprecher und Vordenker der Globalisierungskritik.
Im Jahr 2001 gab Chomsky der für ihr politisches Engagement bekannten Band Rage Against the Machine ein Interview zum Thema Politik in Mexiko, welches auf deren DVD und VHS zum Konzert The Battle of Mexico City veröffentlicht wurde.
2008 unterstützte Chomsky den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader, rief jedoch die wahlberechtigte Bevölkerung in den Swing States auf, für Barack Obama und gegen John McCain zu stimmen. Dies brachte ihm Kritik von Anarchisten ein.
Seit 2008 unterstützte Chomsky das Free Gaza Movement, welche er als „mutiges und notwendiges Unterfangen“ bezeichnet.[15][16] Im Mai 2010 wollte er zu einem Vortrag an der Universität Bir Zait über die Allenby-Brücke in das israelisch besetzte Westjordanland einreisen. Nach einem vierstündigen Verhör wurde ihm die Einreise von den israelischen Grenzbehörden verweigert. Später erklärte ein Regierungssprecher, dass das Einreiseverbot ein Missverständnis gewesen sei. Chomsky hatte zuvor schon zahlreiche Vorträge an israelischen Universitäten gehalten.[17] Im Jahr 2013 war Chomsky einer der Akademiker, die Stephen Hawking dazu aufriefen, seine Teilnahme an einer Konferenz in Israel abzusagen.[18]
Im August 2013 wurde Chomsky mit dem Werk 10 Strategien der Manipulation, einer Auflistung von Möglichkeiten zur Steuerung von Gesellschaften, in Verbindung gebracht.[19] Als alternativer Autor wird der Franzose Sylvain Timsit genannt.[20]

Rezeption in Deutschland

Chomskys politische Schriften erschienen in Deutschland zunächst prominent im Suhrkamp-Verlag; im Berliner Oberbaum Verlag erschien 1975 ein kritischer Sammelband von Chomsky und Edward S. Herman über den Imperialismus, 1981 bei Ullstein die Übersetzung eines französischen Buches mit Interviews von Mitsou Ronat unter dem Titel Sprache und Verantwortung. Suhrkamp beschränkte sich nun auf die anthropologischen und sprachwissenschaftlichen Arbeiten. Der politische Chomsky wurde, durchaus vergleichbar mit seiner Rezeption in den USA, von kleineren linken Verlagshäusern wie dem Argument Verlag, Berlin, zu Klampen in Lüneburg, Pendo (Zürich), Mink (Berlin) und vor allem dem Trotzdem-Verlag und dessen Zeitschriften (Schwarzer FadenDinge Der Zeit) vertreten, bis die globalisierungskritische Bewegung ihn gegen Ende der 1990er Jahre wieder breiteren Medien zuführte (z.B. Europa Verlag).
Chomskys linguistische Arbeiten hatten große Konjunktur in der Pädagogik der 1970er Jahre, an ihnen polarisierte sich die Schulgrammatik und die aufklärerische bzw. wissenschaftliche Linguistik. Andererseits lag er mit seinen affirmativen Positionen zu Descartes einerseits und mit seiner Berufung auf Wilhelm von Humboldt andererseits mannigfach in weltanschaulich und fachgebietsspezifisch umkämpften Traditionen. Ähnlich zwischen den Lagern wurden seine Positionen zur Künstlichen Intelligenz empfunden, wo er sowohl als Vater der Computerlinguistik eingeschätzt wurde, als eben auch als quasi-idealistischer Gegner der Informatisierung. Seine herausragende Rolle für die Linguistik des 20. Jahrhunderts ist auch im deutschen Sprachraum unbestritten.
 [Noam Chomsky, Wikipedia]
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Die Rolle der Medien in der gegenwärtigen Politik zwingt uns zu der Frage, in was für einer Welt und in was für einer Gesellschaft wir leben wollen, und vor allem, in welchem Sinn diese Gesellschaft demokratisch verfaßt sein soll. Ich möchte zunächst zwei unterschiedliche Konzeptionen von Demokratie einander gegenüberstellen. Die eine geht davon aus) daß in einer demokratischen Gesellschaft die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich auf sinnvolle Weise an der Regelung ihrer Angelegenheiten zu beteiligen und ungehinderten Zugang zu den Informationsmitteln besitzt. Wenn man in einem Lexikon den Begriff »Dernokratie« nachschlägt) wird man eine Definition dieser Art erhalten.

Eine andere Konzeption besagt, daß die Bevölkerung von der Regelung ihrer Angelegenheit ausgeschlossen und der Zugang zu den Informationsmitteln streng begrenzt und kontrolliert werden muß. Das mag sich seltsam anhören) aber diese Konzeption von Demokratie ist die vorherrschende, und das schon seit langem, in der Theorie ebenso wie in der Praxis. Es ist eine Geschichte, die bis zu den frühesten demokratischen Revolutionen im England des 17. Jahrhunderts zurückreicht. Ich betrachte im folgenden die Epoche der Moderne) sage etwas zur Entwicklung des Demokratiebegriffs und erörtere, wie und warum das Problem der Medien und der Desinformation in diesem Zusammenhang auftaucht.



Frühgeschichte der Propaganda


Beginnen wir mit der ersten modernen Propagandaoperation einer Regierung. Sie fand während der Amtszeit von Woodrow Wilson statt) der 1916 mit dem Slogan »Frieden ohne Sieg« zum P
räsidenten der USA gewählt worden war. Zu der Zeit, Mitte des Ersten Weltkriegs) war die amerikanische Bevölkerung äußerst pazifistisch gesonnen und sah keinen Grund, sich in einen europäischen Krieg hineinziehen zu lassen. Die Regierung Wilson hatte sich jedoch auf den Kriegseintritt festgelegt und mußte nun etwas gegen die friedfertige Stimmung unternehmen. Es wurde eine Propaganda-Agentur, die so genannte Creel-Kommission, auf die Beine gestellt) der es innerhalb von sechs Monaten gelang, die Bevölkerung in eine hysterische Begeisterung zu versetzen. Jetzt auf einmal wollte man alles Deutsche vernichten) die Deutschen in Stücke reißen, in den Krieg ziehen und die Welt retten. Dieser propagandistische Erfolg führte zu weiteren Unternehmungen ähnlicher Art: Nach dem Krieg benutzte man die gleichen Techniken, um die »Angst vor den Roten« (Red Scare) zu schüren, wobei es gelang, der Gewerkschaftsbewegung schweren Schaden zuzufügen und so gefährliche Probleme wie die politische Meinungs- und Pressefreiheit zu beseitigen. Geschäftswelt und Medien sekundierten bei diesem Unterfangen, das insgesamt ein großer Erfolg wurde.


Zu denen, die sich aktiv und begeistert an Wilsons Kriegstreiberei beteiligten, gehörten auch progressive Intellektuelle aus dem Kreis um John Dewey, die, wie man ihren Schriften entnehmen kann, sehr stolz darauf waren) daß es den (so ihre Worte) »intelligenteren Mitgliedern der Gemeinschaft«, nämlich ihnen selbst, gelungen war, durch Verbreitung von Schreckbildern und nationalistischem Fanatismus der Bevölkerung den Krieg schmackhaft zu machen. Dazu waren ihnen so ziemlich alle Mittel recht, wie etwa die »Greuelpropaganda«, die den abfällig »Hunnen« genannten Deutschen das Zerstückeln belgiseher Kinder und andere Grausamkeiten andichtete, die in manchen Geschichtsbüchern immer noch zu lesen sind. Vieles davon beruhte auf Erfindungen des britischen Propagandaministeriums, das damals) wie sich geheimen Unterlagen entnehmen läßt) das Ziel verfolgte) »die Gedanken fast der gesamten Welt zu lenken«. Vor allem aber wollte man die Gedanken der »intelligenteren Mitglieder der Gemeinschaft« in den Vereinigten Staaten lenken, damit die von den Briten zusammengekochte Propaganda dort Verbreitung finden und eine friedliche Bevölkerung in Kriegshysterie stürzen könne. Das gelang sehr gut, und man konnte eine Lehre daraus ziehen:


Die Wirkungen staatlicher Propaganda sind umso größer, je mehr sie von den gebildeten Schichten unterstützt und keine Kritik daran zugelassen wird. Diese Lektion haben Hitler und viele andere gelernt) bis auf den heutigen Tag.

mehr:
- Über die spektakulären Erfolge der Propaganda (Noam Chomsky, 2. Kapitel aus seinem Buch Media Control: Wie die Medien uns manipulieren, Piper Verlag, München, 2006, gefunden bei Parkclub Fürstenwalde, PDF)

chomsky on dewey [2:56]

Hochgeladen am 06.04.2010
Noam Chomsky discussing John Dewey's educational and social theories, in response to an interview question.
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