Dienstag, 9. August 2016

Ego-State-Therapie

Die Ego-State-Therapie (englisch: ego state therapy, lateinisch ego ‚ich‘, englisch state ‚Zustand‘) ist eine psychotherapeutische Methode aus der Traumatherapie. Sie wurde von John Watkins und Helen Watkins entwickelt.
Menschen, die seelisch schwer verletzt wurden (Trauma), entwickeln zum Schutz ihrer Persönlichkeit Abwehrmechanismen gegen die mit der Verletzung verbundenen Schmerz- und Angstgefühle. Einige tun dies, indem sie ihre Persönlichkeit in verschiedene Ich-Anteile (englisch: Ego States) „aufteilen“. Dies geschieht zunächst fast immer unbewusst. Diese Ich-Anteile können wie „eigene Persönlichkeiten“ ein Eigenleben entfalten, mit „eigenem“ Willen, „eigenen“ Gedanken und Gefühlen. Die Ego-State-Therapie hilft den Betroffenen, diese Ich-Anteile wieder besser in Richtung einer ganzheitlichen Persönlichkeit miteinander zu verbinden.  
Modell der Ego-State-Therapie
Die Ego-State-Therapie basiert auf der Theorie, dass die Persönlichkeit aus verschiedenen Ich-Anteilen (Ego States) besteht. Diese Anteile sind umgrenzte und beschreibbare „Unter-Persönlichkeiten“.[2] Sie berücksichtigt psychoanalytische Theorien, hypnoanalytische Techniken und neuere Erkenntnisse aus der Behandlung dissoziativer Störungen.
Sie ist wirksam bei Posttraumatischer BelastungsstörungBorderline-Angst- oder Sexualstörungen und dissoziativer Identitätsstörungen.
Siehe auch: Hypnoanalyse.
 Gesunde Ich-Anteile
Unter „Ich-Anteil“ versteht man einzelne Aspekte der Persönlichkeit, des eigenen Selbst (Sinn und Wirkung der verschiedenen Ich-Anteile sind beschrieben im Artikel Inneres Team). Ein gesunder, nicht traumatisierter Mensch kennt und nutzt etwa 5–15 solcher Ich-Zustände. Sie sind klar bewusst und werden vom Ich gelenkt. Die meisten solcher Ich-Anteile entstehen in der Kindheit im Zuge der normalen Entwicklung.
Gesunde Ich-Anteile sind Anteile aus dem „Alltags-Team“, z. B. der „kompetente Fachmann“, der vor den Kollegen einen Fachvortrag halten kann, oder der „gute Gastgeber“, der den Kaffee von rechts nachschenken kann, oder der „Coole Typ“ in der Disco, oder der begeisterte „Radrennfahrer“. Das sind Anteile, über die der Mensch verfügt und je nach Bedarf zwischen ihnen umschalten kann.
Siehe auch: Eric Berne bzw. dort: Entdeckung der Ich-Zustände. 
Ungesunde integrierte Anteile
Im Übergangsbereich zwischen den gesunden und den abgespaltenen Anteilen gibt es ungesunde, integrierte und bewusst zugängliche Anteile, die auch ohne Hypnose oder Trance therapeutisch bearbeitbar sind.
Ein neuer Ich-Anteil kann auch als Folge eines Widerstands in der Therapie auftreten. Der Patient wird z. B. „plötzlich so müde“. Dadurch soll das Bewusstwerden einer alten, der aktuellen Realität schlecht angepassten Struktur des Patienten (beziehungsweise beängstigender Gefühle dahinter) verhindert werden. Der neue Ich-Anteil hat die Aufgabe davon abzulenken, „dass es da etwas gibt“, beziehungsweise einen anderen Ich-Anteil, der mit der Gestaltung der alten (und heute unangemessenen) Struktur beauftragt war, zu schützen.
Der Therapeut könnte jetzt mit dem aktuellen Widerstand arbeiten, d. h. ihn z. B. zum Kennenlernen „auf die innere Bühne bitten“ und ihn sich vom Patienten bildhaft vorstellen (imaginieren) lassen. („Was ist die Aufgabe dieser Müdigkeit, wovor soll sie schützen?“) Gelingt dies, führt es zum ursprünglichen Ego State (also der heute schlecht angepassten Struktur), mit dem dann therapeutisch weiter gearbeitet werden kann.
Abwehrmechanismen sind bis zu einem gewissen Grad der Ausprägung als ganz normale Schutzmechanismen zu betrachten, die jeder Mensch hat und braucht. Krankheitswert hat eine jeweils extreme Ausprägung. Beispielsweise da, wo die Entwicklung der inneren Struktur in unbewältigten Konflikten bzw. den Grundkonflikten fest hängt, leisten solche Ego-States ihre überkommenen Aufgaben, die für „den Menschen heute“ eine ungesunde Wirkung haben.
Siehe auch Grundkonflikt hier z. B. Grundkonflikte nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD)
Die Psychoanalyse verwendet den Begriff Charaktertypen für ein Set der jeweils vorherrschenden Abwehrmechanismen.
Siehe auch: Charaktertypen. 
Abgespaltene Ich-Anteile
Mit traumatisch verletzenden Situationen verbundene Gefühle können so stark sein, dass Menschen sie nicht aushalten. Auch konfliktbeladene Situationen können an einen Menschen Forderungen stellen, worauf er noch „keine Antwort“ hat und die eine entsprechend tiefe Angst auslösen können. Dagegen wird ein Abwehrmechanismus aufgebaut. Eine Form ist die Abspaltung von Ich-Anteilen. In diesen sind Gefühle und Energien ungelöster Traumata abgespeichert. Es können spezielle Formen und Aufgaben solcher Ich-Anteile unterschieden werden: „Verfolger“, radikale Helfer, Täter-Introjekte (täteridentifizierter Anteil), Angreifer, Mittäter-Introjekte (täterloyale Anteile). Einzelne Ich-Anteile können sich auch überlagern und ggf. gegenseitig verstärken, wie z. B. täteridentifizierte und täterloyale Anteile. In idealer Reinform tritt ein einzelner Ich-Anteil selten zu Tage.
Als Beispiel sei ein Mensch betrachtet, der von Kindheit an von einem Familienmitglied misshandelt wird, inzwischen als Erwachsener in einer eigenen Wohnung lebt, und vom Täter weiterhin zu Gewalthandlungen aufgesucht wird. Sein gesunder, in der Therapie kontaktierbarer Ich-Anteil kann die neue Information lernen „Du musst ihn nicht reinlassen.“ Das wird den Menschen zwar stärken, dennoch sagt er z. B. „Ja, aber ich kann es nicht versprechen.“ Denn da gibt es auch noch den täteridentifizierten Anteil, der glaubt, gemäß der früheren Erfahrung den Menschen weiterhin (relativ) schützen zu müssen, indem er tut, was der Täter verlangt. So kann es zu der kontinuierten Entscheidung kommen, den Täter wider besseres Wissen immer wieder in die eigene Wohnung einzulassen, nach dem alten Motto: „Du musst tun was er will, sonst schlägt er Dich tot“. Dieser Anteil ist abgespalten und unterliegt nicht der Ich-Kontrolle.
Abgespaltene Ich-Anteile erscheinen so, als hätten sie eine „eigene Persönlichkeit“, mit „eigenen“ Gefühlen und Gedanken. Sie halten ihre Existenz für hilfreich und überlebenswichtig, sind potentiell auch auf lebenslanges Bestehen angelegt. Manche „kennen“ sich gegenseitig und sind miteinander in Kontakt. Andere sind gänzlich abgespalten (Untergrund-Ich-Anteile); die Kern-Persönlichkeit ist nicht mehr in Kontakt mit ihnen und sie sind oft nur noch mittels Hypnose oder Trance zugänglich.
Siehe auch: Dissoziative Identitätsstörung.
Solche Ich-Anteile sind nicht zu verwechseln mit im Zuge der psychosozialen Entwicklung aufgenommenen Introjekten, also inneren Abbildern von Personen, die uns wichtig waren und deren Werte, Normen und Verhaltensmuster wir in uns aufgenommen haben. Introjekte starten nicht als Abwehrmechanismen und sind auch ohne Hypnose oder Trance im therapeutischen Gespräch zugänglich für die Aufnahme neuer, realer Informationen (lassen ein „Update“ ihrerselbst zu). Lautet beispielsweise ein überbrachtes Gesetz (Introjekt) einer wichtigen Bezugsperson aus der Kindheit „Du darfst nicht weinen“, so kann der innere Anteil, der das vertritt, in der Therapie nach und nach umlernen, bis das neue, eigene Gesetz schließlich lautet „Du darfst weinen soviel Du willst“. Introjekte bestehen nicht darauf zu bleiben (wie die Ego States); man kann sie ändern oder auffordern zu gehen.   
Wirksamkeitsnachweis
Oberstes Ziel der Ego-State-Therapie ist, den Stress im inneren System zu reduzieren und die Energie wieder auf die Gestaltung eines erfüllten Lebens auszurichten. Der Patient soll lernen, die unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile (die damit verbundenen Bedürfnisse und Standpunkte) besser miteinander abzustimmen und sich für die wesentlichen zu entscheiden und entsprechend zu handeln. Je nach Schweregrad der Störung können die Ich-Anteile vollständig integriert werden (Inneres Team), oder sie werden, nun gelenkt vom eigenen Selbst, symbolisch weiterhin als „eigene Persönlichkeiten“ betrachtet, aber jetzt konstruktiv-integrativ eingesetzt. 
Methoden
Die abgespaltenen Ich-Anteile sind ein Teil vom eigenen Selbst. Deshalb ist es wichtig, sie als wertvolle Ressource anzunehmen. Sie haben treu und zuverlässig über lange Jahre genau das getan, womit sie einst beauftragt wurden. Auch wenn sie heute nicht mehr angemessen für das Selbst des Patienten sorgen können.
Die Therapie erfolgt in vier Phasen:
  • innere Sicherheit schaffen
  • Trauma finden, Ressourcen klären
  • stabilisieren, Traumaerfahrung durcharbeiten
  • Erfahrungen integrieren, Persönlichkeit und Identität festigen
In der Therapie kann der Therapeut einen Ich-Anteil direkt ansprechen. Er wird so symbolisch-imaginativ aktiviert und kann zu seiner Geschichte, zu seinen Erfahrungen, seiner Aufgabe, seinen Zielen, Gedanken, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten direkt befragt werden. Im „Gespräch“ des Therapeuten beziehungsweise des Patienten mit dem Ich-Anteil und der Ich-Anteile untereinander können sich diese verändern und entwickeln. Der Patient kann die „Ich-Anteile“ mit neuen Daten zur aktuellen Realität versorgen und lernen, die in diesen Ich-Anteilen enthaltenen Erfahrungen und Ideen selbst zu steuern und zu integrieren und die oft verborgenen Ressourcen zu nutzen.
Verfestigte Ich-Anteile „fürchten“ häufig, sich auflösen oder verschwinden zu sollen, wenn sie in der therapeutischen Arbeit „entdeckt“ werden. Deshalb ist es wichtig, ihre bisherigen Verdienste zu würdigen, so paradox es erscheinen mag, und ihnen Unterstützung zukommen zu lassen oder ihnen neue wichtige Aufgaben zuzuweisen, denen sie sich gewachsen fühlen, sie also somit neu zu integrieren.
Siehe auch die Methoden in: Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie.
Einordnung des Therapieansatzes
Aufbauend auf der Erkenntnis, dass der Mensch verschiedene innere Anteile entwickeln kann, entstanden unterschiedliche therapeutische Herangehensweisen. Beispielsweise flossen die von Sigmund Freud benannten Anteile Es – Ich – Über-Ich in die psychoanalytisch/tiefenpsychologisch orientierten Therapieansätze ein. Die Arbeit mit dem Inneren Kind kam auf und fand u. a. Niederschlag in der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie von Reddemann. Therapeuten, die mit schwer traumatisierten Menschen arbeiteten, stellten fest, dass diese Konzepte noch nicht weit genug gingen. Es entwickelten sich neue Ansätze, die von vielen inneren Anteilen (Ego State Modell) innerhalb einer Person ausgehen, welche beschreibbar und einzuordnen und in ähnlicher Form auch bei anderen Menschen wieder zu finden sind. Oftmals werden die verschiedenen Therapieansätze auch miteinander kombiniert wie es in der Psychotherapie heute ohnehin üblich geworden ist.
Für die Integrationsarbeit in der DIS-Therapie (Arbeit mit dissoziierten Menschen) finden aktuell z. B. Anwendung: das zielorientierte Integrationsmodell (The Tactical Integrationa Modell von Fine 1991, 1993, 1996, 1999), das strategische Integrationsmodell (Kluft 1988) und das Modell der Ego States von Watkins & Watkins. Dabei zielen die beiden ersten Modelle auf eine vollständige Integration zu einer Ganzheit der Person. Das persönlichkeitsorientierte Modell der Ego States hat eine funktionierende und zufriedenstellende Zusammenarbeit der verschiedenen Teilpersönlichkeiten und/oder Ich-Zustände zum Ziel.
Wirksamkeitsnachweis
Ein Nachweis der besonderen Wirksamkeit dieses speziellen Therapieansatzes konnte nicht erbracht werden. [Ego-State-Therapie, Wikipedia, abgerufen am 08.08.2016]
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Woltemade Hartman 1 - Was ist Ego-State-Therapie? [4:50]

Veröffentlicht am 19.11.2014
Ego-State-Therapie ist Teile-Arbeit. Der Mensch besteht aus verschiedenen Ich-Zuständen, die auch neurophysiologisch darstellbar sind. Gibt es ein Kern-Ich? Wo ist das Kern-Ich lokalisiert. Kann man auch nicht in einem Ego-State sein – im Schlaf. Wenn jemand ein Trauma erlebt dann findet eine Dissoziation oder neurophysiologische Abspaltung statt. „Pendel-Technik“ zwischen Trauma und Ressource und die Auflösung des Traumas in Richtung positive Psychologie.

Woltemade Hartman (http://www.woltemadehartman.com)
Milton Erickson Institut Rottweil (http://www.meg-rottweil.de)

Kai Fritzsche: Einführung in die Ego-State-Therapie [7:22]

Hochgeladen am 20.12.2011
Kai Fritzsche über sein neues Buch "Einführung in die Ego-State-Therapie", erschienen 2010 im Carl-Auer Verlag.
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siehe auch:
- Ego-State-Therapie: Weiterführungskurs Ego-State-Therapie, November 2006 (Jochen Peichl, auf seiner Seite, PDF)

Montag, 8. August 2016

Die neurologischen Quellen von Kreativität

Neurowissenschaftler ergründen nicht nur die Quellen der Kreativität, sondern auch, woher sie sich speisen
Die Erforschung der Kreativität ist so etwas wie der heilige Gral der Psychologie und Neurowissenschaften. Viele Forscher, die sich damit befassen, sehen in der Kreativität den Ursprung dessen, was den Menschen zum Menschen macht: die Fähigkeit zu Kunst, Wissenschaft und Technik, die Fähigkeit, die Welt zu erklären und zu verändern, sie mit immer neuen begrifflichen und technischen Werkzeugen zu fassen.
Darüber kann man streiten: Was uns, wenn Michael Tomasello vom MPI für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig recht hat, von den Menschenaffen unterscheidet (und was wir mit Vögeln gemeinsam haben), ist unsere Fähigkeit zu Empathie und Kooperation. Durch Einsicht zu einer neuen Lösung können hingegen sogar Tauben finden. Und trotzdem: Wenn es zu erklären gelänge, wie der Mensch die Ideen entwickelt, mit denen er die Welt begreift, könnte die Wissenschaft letztlich ihre eigene geistige Quelle erklären.

Darum befassen sich Psychologen schon seit bald hundert Jahren mit dem Thema, und eigentlich sogar länger, wenn man etwa den Kriminologen Cesare Lombroso dazurechnet, der schon 1864 das Klischee von "Genio e follia" ("Genie und Wahnsinn") in seinem Buch mit diesem Titel zu belegen versuchte. Aber erst im 20. Jahrhundert begann eine bis heute nachwirkende Beschäftigung mit dem Thema.

Freud vertrat die Idee, alle kreative Betätigung diene dazu, verdrängte Begierden zu sublimieren (eine angesichts ihrer Falsifikationsresistenz und Frechheit erstaunlich langlebige Idee), Graham Wallas beschrieb die bis heute gültigen Phasen einer kreativen Lösungsfindung (Vorbereitung, Inkubation, Ahnung, Erleuchtung, Ausarbeitung), und Ende der 40er Jahre operationalisierte endlich Joy Paul Guilford das Konzept so, dass es für quantitative Studien brauchbar wurde: Er behauptete als kognitives Kernmerkmal der Kreativität die Fähigkeit zu divergentem Denken, also dazu, von einem Ausgangsbegriff aus möglichst viele Assoziationen zu bilden.

Das lässt sich leicht an dem Test illustrieren, den Guilford dazu erfand, dem "Unusual uses"-Test: Man nehme einen Alltagsgegenstand – meistens einen Ziegelstein – und frage: "Was kann man damit machen?" Je mehr und je originellere Antworten jemand findet, als desto kreativer gilt er.

mehr:
- Ideen aus dem neuronalen Untergrund (Konrad Lehmann, Telepolis, 07.08.2016)

Kreativität | Folge 9 | ALPHA - Sichtweisen für das dritte Jahrtausend [59:16]

Hochgeladen am 27.10.2011
Was ist Kreativität? Was zeichnet kreative Menschen aus? Schlummert in uns allen Kreativiträt? ALPHA erklärt, daß Kreativität die schöpferische Kraft ist, in einem Bereich etwas Neues entstehen zu lassen. Kreativität heißt aber auch, etwas zu finden, was bereits im Menschen angelegt ist - das wir aber ausgeblendet oder vergessen haben. Kreativität ist die Kraft, die uns ungewohnte Situationen bewältigen läßt und Veränderungen überhaupt erst möglich macht. Damit ist sie ganz entscheidend für Fortschritt und Wandel. ALPHA zeigt, wie kreatives Potential aktiviert wird, und untersucht, wieso Kreativität eine zentrale Sinnquelle in unserem Leben ist. Weil Kreativität immer auch mit Problemlösung zu tun hat, steht fest: Unsere Zukunft ist untrennbar mit der menschlichen Kreativität verknüpft. Experten: Vera F. Birkenbihl, Dr. Andreas Novak, Prof. Dr. Matthias Varga v. Kibéd, A. Karl Schmied, Kay Hoffman.

"Genie oder Wahnsinn: Was ist Kreativität?" - Podiumsdiskussion [46:01]

Veröffentlicht am 15.10.2012
Legendäre Rock-Leichen des Klub 27 und der einohrige Expressionist mit seiner wahnhaften Arbeitswut belegen es ebenso wie der nobelpreisbewährte Waffennarr oder das namentanzende Waldorfkind -- Mit den Kreativen stimmt etwas nicht. Exaltiert borderlinern sie am Rand der Gesellschaft entlang, immer bemüht um Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung. Was ist das Verhältnis von Bahnbrechendem und Zügellosigkeit? Wie stehen Zerstörung und Schöpfung zueinander? Gibt 
es Kreativität in den Bahnen des Bewährten? Und wo steht der Kreative in der Gesellschaft?

In der Abschlussdiskussion des ersten Kongresstages werfen unsere Diskutanten einen Blick auf die menschlichen und gesellschaftlichen Schattenseiten, die hellen Sternstunden und die trüben Grauzonen von Genie und Wahnsinn. „Was ist Kreativität?", fragt Publizist Dr. Hajo Schumacher seine Gäste. Rede und Antwort stehen Ralf Husmann, der geistige Vater des Bürodiktators Stromberg und anderer Fantasiegestalten des TV-Panoptikums und Tim Renner, der die Kreativität seiner musikalischen Entdeckungen zu formen und zu lenken, zu bremsen und anzustacheln weiß.

BEING INDIE - Freiheit, Kreativität und Selbstbestimmung (DOKU) [14:34]

Veröffentlicht am 05.03.2016
In der Kurz-Doku "Being Indie" besucht mein Bruder und Kameramann Dustin vier Spieleentwickler in Deutschland, die alle ihre eigenen Erfahrungen mit dem Wort "Indie - Unabhängigkeit" gemacht haben. Was genau bedeutet es eigentlich, unabhängig zu sein? Und lässt sich wirklich jeder Entwickler in eine bestimmte Richtung einordnen? 
Vielen Dank an Piranha Bytes, Daedalic Entertainment Studio West, Deck 13 und Studio Fizbin.
An dieser Stelle großen Respekt an Dustin, der mehrere Monate geplant, gedreht und geschnitten hat! :)
Danke an Dustin Hasberg

siehe auch:
- Milton H. Erickson – Not in der Kindheit: Zwang, nach Bewältigungsstrategien Ausschau zu halten (Post, 30.11.2015)
- Vom Blick aufs Negative und ewigen Glückspilzen (Post, 28.09.2012)

Sonntag, 7. August 2016

Leni Riefenstahl: geniale Filmemacherin oder naive Kollaborateurin?

Leni Riefenstahl: Olympia - Fest der Völker (1936) [1:55:02]

Veröffentlicht am 03.08.2013
Breve Storia del Cinema - Il cinema e lo stato:
http://brevestoriadelcinema.altervist...

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Helene Bertha Amalie „Leni“ Riefenstahl (* 22. August 1902 in Berlin; † 8. September 2003 in Pöcking) war eine deutsche Filmregisseurin-produzentin und -schauspielerin sowie DrehbuchautorinCutterinFotografin und Tänzerin. Sie gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Filmgeschichte – einerseits für ihre Werke von vielen Filmschaffenden und -kritikern als „innovative Filmemacherin und kreative Ästhetin“[1] verehrt und geachtet, andererseits wegen ihrer Beteiligung an der Propaganda für die Diktatur des Nationalsozialismus kritisiert und moralisch verurteilt.
Nachdem Riefenstahl ihre ursprünglich eingeschlagene Tanzkarriere aufgrund einer Knieverletzung beenden musste, etablierte sie sich während der 1920er Jahre im Deutschland der Weimarer Republik als Schauspielerin im Bergfilmgenre.
Durch ihr 1932 veröffentlichtes Regiedebüt Das blaue Licht, bei dem sie als Hauptdarstellerin, Koproduzentin und Drehbuchautorin fungierte, wurden führende NSDAP-Politiker wie der Parteichef Adolf Hitler und Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels auf sie aufmerksam. Nach der im Jahr darauf erfolgten Machtübernahme der NSDAP erhielt Riefenstahl den Auftrag, die „Reichsparteitagstrilogie“ zu drehen. Die Propagandaproduktionen Sieg des GlaubensTriumph des Willens und Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht entstanden in den Jahren 1933 bis 1935. Für Triumph des Willenserhielt Riefenstahl den Deutschen Nationalen Filmpreis 1934/35, die Auszeichnung für die beste ausländische Dokumentation bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1935 im gleichfalls faschistischen Italien sowie den Grand Prix auf der Pariser Weltfachausstellung.
1938 drehte Riefenstahl Olympia, eine zweiteilige Dokumentation über die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Der Film wurde vielfach als ästhetisches Meisterwerk gelobt, aber auch für seine propagandistischen und ideologischen Elemente kritisiert. Riefenstahl bekam für ihre Arbeit unter anderem den Deutschen Nationalen Filmpreis 1937/38, den Coppa Mussolini, eine olympische Goldmedaille vom Internationalen Olympischen Komiteeund den Kinema-Jumpō-Preis verliehen.
Während des Zweiten Weltkriegs filmte sie mit dem „Sonderfilmtrupp Riefenstahl“ Hitlers Polenfeldzug.
In der Nachkriegszeit wurde sie trotz ihrer Einbindung in die nationalsozialistische Filmpolitik laut eines Spruchkammerbeschlusses lediglich als „Mitläuferin“ eingestuft. Dennoch gestaltete es sich nach der militärischen und politischen Niederschlagung des NS-Regimes für Riefenstahl ab 1945 schwer, weitere Aufträge als Regisseurin und Produzentin zu erhalten, so dass sie ihr Filmschaffen nach Tiefland (gedreht bis 1944) für über ein halbes Jahrhundert einstellte.
Ab den 1960ern betätigte sich Riefenstahl als Fotografin und veröffentlichte mehrere Bildbände. Zu ihren bekanntesten Werken dieser Zeit zählen Fotoreportagen über das Volk der ostafrikanischen Nuba im Sudan und Unterwasseraufnahmen. 2002 veröffentlichte sie mit dem Dokumentarfilm Impressionen unter Wasser ihr letztes Werk. [Leni Riefenstahl, Wikpedia]
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Vor 75 Jahren feierte Leni Riefenstahls Olympia-Film Premiere. Bis heute ist die Dokumentation umstritten: Meisterwerk oder Machwerk?

Hitlers "Lieblings-Regisseurin" Leni Riefenstahl ist wohl die umstrittenste Filmemacherin der Kinogeschichte. Ihr berühmtester Film neben der NS-Parteitags-Verherrlichung "Triumph des Willens" aus dem Jahr 1935 ist der zweiteilige Dokumentarfilm "Fest der Völker"/Fest der Schönheit" über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Uraufgeführt wurde der Film vor 75 Jahren im Berliner Ufa-Palast am Zoo. Seitdem sind die Urteile über den Film gespalten. Die einen sprechen wegen der avantgardistischen Ästhetik der Bilder von einem "Meisterwerk der Filmgeschichte" und vom besten Sportlerfilm aller Zeiten. Hollywood-Regisseur George Lucas nannte Riefenstahl gar "die modernste Filmemacherin überhaupt".

Die anderen bezeichnen die 2003 im Alter von 101 Jahren in New York gestorbene Regisseurin dagegen als eine der "bekanntesten Kollaborateurinnen des NS-Regimes", die ihre Seele verkauft habe. Sie sei Propagandistin des faschistischen Menschenbildes und der NS-Rassentheorie gewesen. Das gelte auch für ihren Olympiafilm.

mehr:
- Stilistisch völlig neue Wege – Bis heute umstritten: Leni Riefenstahls propagandistisches Olympia-Epos (Wilfried Mommert, Tagblatt, 16.04.2013)

siehe auch:
- ORF-Kontroverse über Riefenstahls "Olympia" (Die Presse, 01.08.2016)
- SEM - Filmanalyse - Propaganda im Dritten Reich (Dariush Shahab, Prezi, 18.06.2016)
- Filmkunst: „Olympia in Berlin 1936 – Fest der Völker“ von Leni Riefenstahl & Arbeitsblätter (Daisy Hazzard, Kundst du?, 22.07.2013)
- Leni Riefenstahls „Olympia“ Die Erotik des freien Flugs (Arno Widmann, Belriner Zeitung, 15.04.2013)
- NS-Olympiade in ästhetisch-heroisierenden Bildern (Beatrix Novy, Duetshlandradio Kultur, 20.04.2013)
Faschistische Ästhetik bei Leni Riefenstahl - Analyse propagandistischer Film- und Werbekultur anhand Leni Riefenstahls 'Triumph des Willens' und 'Olympia 1938 - Fest der Völker, Fest der Schönheit' (Franziska Schumm, ciando eBooks, 2012)
- Kunst und Ästhetik im Werk Leni Riefenstahls (Markwart Herzog, H-Soz-Kult, Konferenzbericht zur Veranstaltung der Schwabenakademie Irsee, 27.-29.06.2013, 25.11.2008)
- 1936 - Spiele mit dreifachem Gewinn (Rainer Blasius, FAZ, 28.03.2008)

Olympia 1936 ● der verratene Traum ● ZDF Doku Dokumentation Reportage 2016 | Deutsch German HD [43:09]


Veröffentlicht am 31.07.2016
Doku: Olympia 1936 ● der verratene Traum ZDF Dokumentation Reportage Deutsch German HD 2016
Olympische Bewegung und Nationalsozialismus, zwei unvereinbare Gegensätze? Keineswegs, wie die Olympischen Spiele von 1936 zeigten, die für Hitler und das IOC ein Riesenerfolg wurden.

Leni Riefenstahl - The Immoderation of Me (2002) [59:56]

Veröffentlicht am 05.08.2014
La giornalista Sandra Maischberger incontra Leni Riefenstahl in questo documentario sulla controversa regista ed attrice tedesca. Nel 1926 Leni Riefenstahl inizia a recitare e diventa rapidamente una star del cinema muto. Affascinata dalla potenza oratoria di Hitler, aderì al nazismo fino a divenire la documentarista ufficiale dei film propagandistici del terzo Reich. Dopo la seconda guerra mondiale la Riefensthal riprende a girare documentari, che sono autentici capolavori, sulle culture africane e sulla biologia marina. Nel 2002 esce il suo ultimo film: "Meraviglie sott'acqua". (Biografia a cura di RaiStoria)

Sottotitoli disponibili: inglese.

Leni Riefenstahl [8:00]

Veröffentlicht am 17.05.2012

1934 - Reichsparteitag - Nuernberg (Leni Riefenstahl).avi [11:07]

Hochgeladen am 20.01.2012

The Rise and Fall of Leni Riefenstahl [10:00]

Hochgeladen am 28.11.2006
Using footage from "The Wonderful Horrible Life of Leni Riefenstahl" and "Triumph of the Will" I created this 10 minute documentary about Leni. I realize their are a few grammatical errors in my reading cards so yah.

Leni Riefenstahl Ein Traum fon Afrika [4:20]

Veröffentlicht am 23.04.2014


Mittwoch, 3. August 2016

Tenno Akihito: Der hochrangigste Gefangene der Welt

Kolumne: Leicht gesagt. Japans Kaiser möchte erstmals in der 1700-jährigen Geschichte seines Amtes zurücktreten. Sein Wunsch ist nachvollziehbar: So wie Tenno Akihito lebt, ist er der wahrscheinlich hochrangigste Gefangene der Welt


Wer Kaiser ist, sagt nicht leicht: „Ich will nicht mehr.“ In Japan ist das nun erstmals geschehen seit mehr als anderthalb Jahrtausenden, sofern man weiß. Tenno Akihito will runter vom Chrysanthemen-Thron, auf den er 1989 kam. Seit einiger Zeit sucht er einen Weg in den Ruhestand. Doch das strenge Protokoll lässt das nicht zu, Gesetze dazu gibt es nicht und das Land ist schockiert.

Akihito ist nach traditioneller Zählweise der 125. Herrscher in Folge seit Gründung der kaiserlichen Dynastie vor etwa 1700 Jahren. Sein Vater, Tenno Hirohito, galt noch als Gott. Der Kaiser lebt hinter vielen Mauern und Gräben, verborgen und unzugänglich im Zentrum von Tokio.

Unerreichbar selbst für viele Staatsvertreter. Gewöhnliche ausländische Minister werden nicht zum Tenno vorgelassen. Selbst höchster Besuch, eingeladen vom Tenno selbst, darf nur strengst reguliert zu ihm. Wer dieses Zeremoniell erlebt hat, wird Akihitos Sehnsucht nach Flucht verstehen.
mehr:
- Japan: Der Kaiser will abdanken, darf aber nicht (Wulf Schmiese, Cicero, 03.08.2016)

Kaiser Akihito deutet Abdankung an [1:05]

Veröffentlicht am 08.08.2016
Der japanische Kaiser Akihito (82) hat in einer Videobotschaft an die Nation seinen Wunsch, abzudanken angedeutet. In der zehnminütigen Ansprache erklärte der Tenno, er befürchte, sein voranschreitendes Alter könne es ihm erschweren, seine Funktionen als Symbol des Staates auszuüben.

Es sei jedoch sein ernster Wunsch, dass die Funktionen des Tenno als Symbol des Staates ununterbrochen und ungehindert fortgesetzt werden können, sagte Akihito.

Der Kaiser vermied sorgfältig konkret über die Thron…
LESEN SIE MEHR: http://de.euronews.com/2016/08/08/jap...

euronews: der meistgesehene Nachrichtensender in Europa.
Abonnieren Sie! http://www.youtube.com/subscription_c...

euronews gibt es in 13 Sprachen: https://www.youtube.com/user/euronews...

Auf Deutsch:
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Der Tennō kam in Freizeithose [1:07]

Hochgeladen am 14.04.2011
Der japanische Tennō Akihito und Kaiserin Michiko haben zum erstenmal die von Erdbeben, Tsunami und Atom heimgesuchte Katastrophenregion besucht. Eine weite Reise - obwohl zwischen dem kaiserlichen Palast in Tokio und dem Obdachlosenlager von Asahi in Nordjapan nur 85 Kilometer liegen.
Das Kaiserpaar - sonst in der öffentlichkeit kaum zu sehen und wenn, förmlich perfekt gekleidet, wanderte aus Respekt vor den Opfern in simpler Freizeitkleidung durch die Reihen.

Majestät - die Tränen der Prinzessin Masako von Japan [Doku über Japan] [44:01]

Veröffentlicht am 21.11.2014
Alle 100+ Dokumentarfilme über Japan auf mein Blog:
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➤Alle Dokus über Japan sind auf mein Blog!
➤Auf mein YouTube Channel findet ihr nur ein Teil der Dokus, der Rest ist hochgeladen auf andere Stream Seiten (der link zum video ist auf mein Blog). Warum das? es gibt zu viele Dokumentarfilme mit Kopierschutz Probleme, ich musste irgendwie improvisieren :\
➤Mein Youtube Channel und Blog kann jeder zeit geblockt werden, aber ich werde immer ein neues machen, mit dem gleichen Videos, deshalb empfehle ich euch auf meine Facebook Seite zu abonnieren um die neusten News zu erhalten.
➤Ich mache das alles weil ich die Japanische Kultur wirklich faszinierend finde und möchte dass diese Videos alle Japano-Fans erreichen.

Doku Beschreibung:
--" Das Japanische Kaiserhaus umfasst die Mitglieder der Familie des amtierenden Tennō, die repräsentative öffentliche Aufgaben übernehmen, sowie deren minderjährige Kinder. Nach der aktuellen Japanischen Verfassung ist der Tennō das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes. Die anderen Mitglieder der kaiserlichen Familie übernehmen zeremonielle und soziale Aufgaben, haben aber keine Funktion in den Angelegenheiten der Regierung.
Die japanische Monarchie ist die älteste ununterbrochene Erbmonarchie der Welt. Das Kaiserhaus erkennt 125 legitime Monarchen seit der Thronbesteigung von Jimmu-tennō. Als Ahnherrin gilt die Sonnen-Kami Amaterasu-ō-mi-kami, die Jimmu den Auftrag und die Berechtigung zur Beherrschung Japans gegeben haben soll.
Die meisten Historiker schreiben den ersten vierzehn Tennō (Jimmu-tennō bis Chūai-tennō) eher legendären denn historischen Charakter zu. Der momentan regierende Tennō, Akihito, ist der 125. Monarch der offiziellen Chronologie. "--

Ich Wünsche euch viel spass beim gucken :)
Mit viel Liebe, Dareios Noburu.

Sonntag, 31. Juli 2016

Der Streit um die Deutung: Toxische Männlichkeit oder kranke Gesellschaft

Toxisch David S. und Anders Breivik: Wie man nun weiß, war auch der Amokläufer von München rechtsextrem. Mit dem Norweger verbindet ihn aber noch mehr

Als der Amoklauf von David S. am vergangenen Freitag neun Todesopfer forderte, war es genau fünf Jahre her, dass Anders Behring Breivik bei seinen Anschlägen in Oslo und Utøya 77 Menschen ermordet hatte. Für den Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä war bereits am nächsten Tag klar, dass David S. dieses Datum nicht zufällig gewählt hatte. Denn es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem 18-jährigen Schüler und dem Rechtsterroristen.

Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gab ein 16-jähriger Junge, der letzten Sommer gemeinsam mit David S. in einer psychiatrischen Klinik behandelt wurde, zu Protokoll, David S. habe Breivik verehrt. Außerdem soll er ein Foto des Norwegers in seinem Whatsapp-Profil verwendet haben. Und schließlich habe David S., erklärte LKA-Chef Robert Heimberger, ähnlich wie Breivik eine Art Manifest hinterlassen. Stellt sich lediglich die Frage, ob David S. Breivik "nur" als eine Art perverses Vorbild betrachtete, als jene kaltblütige Tötungsmaschine, die er selbst sein wollte, oder ob es auch ideologische Überschneidungen gibt.

mehr:
- Männlichkeit und die Lust am Töten (Nils Markwardt, Freitag-Community, 27.07.2016)
siehe auch:
- Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)

mein Kommentar:
Vorsicht mit Sprache und Schubladen! »Lust am Töten«? Mit solchen Einkategorisierungen werden scheinbare Kausalitäten hergestellt. Dies spricht für mehr oder weniger verzweifelte Versuche, Zusammenhänge möglichst schnell zu verstehen! Wenn ich von einer »kaltblütigen Tötungsmaschine« rede, ignoriere ich das furchtbare Leiden, welches zu solchen schwer nachvollziehbaren Taten führt!

Das Massaker von Norwegen - Anatomie eines Amoklaufs [43:09]

Veröffentlicht am 03.01.2013
Reportage Doku
Globaler Terror gegen den Islam und Muslime!

Breivik trial video: 'Norway killer' claims self-defense, cries in court [4:26]

Veröffentlicht am 16.04.2012
Anders Behring Breivik is on trial on terror and murder charges. He's behind a bomb-and-shooting massacre that killed 77 people, he admits to the acts, but pleads not guilty to criminal charges. Anders Breivik showed no emotion as the prosecutor read out the horrific details of his victims' deaths in Norway. However, when his propaganda video created for YouTube was shown in court, he broke down crying. The prosecutor said Breivik was playing World of Warcraft (WoW) "full-time" between the summer of 2006 and summer 2007. He went on to describe it as a violent game. When a screenshot of his WoW character was shown on the screen Breivik smiled.

mein Kommentar:
Was unterscheidet einen Massenmörder wie Breivik von 

A) Firmen, deren Schiffe in den Gewässern vor Somalia regelmäßig Giftmüll verklappen?

siehe dazu:
- Piraterie vor den afrikanischen Küsten und ihre Ursachen (Edward A. Ceska, Michael Ashkenazi, Bundeszentrale für politische Bildung, 07.08.2009)

B) der EU, die mit Strafzöllen Kenia dazu gezwungen hat, seinen Markt für europäische Produkte zu öffnen – mit dramatischen Folgen (siehe EPA, Wikipedia)

siehe dazu:
- Rücksichtsloses Abkommen (Report Mainz, 04.11.2014) und
- EPA – TTIP für Arme und die Werte des »alten Europa« (Post, 23.09.2015)
- Abkommen, die Afrika seiner Chancen berauben (Mark Engelhardt, WOZ, 25.06.2015)
- EPA: Wie das neue Freihandelsabkommen mit der EU der afrikanischen Wirtschaft schadet (Angela Schweizer, Uni.de, 20.01.2016)
- Der Kannibalismus und die Doppelzüngigkeit des Westens (Post, 16.11.2014)

C) dem westlichen Verteidigungsbündnis, welches am 22.07.2011 die Röhrenfabrik für das Great-Man-Made-River-Projekt bombardierte und damit die Hälfte der libyschen Bevölkerung von der Trinkwasserversorgung abschnitt?

siehe dazu:
Das Great-Man-Made-River-Projekt (Angelika Gutsche, Freitag Community, 13.05.2015)
NATO bombs the Great Man-Made River (Human rights investigations, 27.07.2011)
Folgen "humanitärer Interventionen" ‒ das Beispiel Libyen (Joachim Guillard, Nachgetragen, 06.12.2015, als PDF)
Operation Nordafrika – Die Nato-Bestien sind gekommen - Wie einem Land Nordafrikas die 'Menschenrechte' gebracht werden (Anneliese Fikentscher, Andreas Neumann, Arbeiterfotografie, 18.11.2011)
- Öl, Kontrolle und Ideologie – Libyen und der neue Imperialismus (Ingar Solty, Sozialismus 5/2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Kolonialkrieg gegen Afrika - Der Krieg gegen Libyen (Joachim Guillard, junge Welt, 27./28.07.2011, zu finden auf der Seite der AG Friedensforschung)
- Krieg gegen Libyen – Ursachen, Motive und Folgen (Lühr Henken, AG Friedensforschung, 08.06.2011)


Samstag, 30. Juli 2016

Sprache & Realitätskonstruktion: Traumatisierter Flüchtling oder gewissenloser Dschihadist?

Mohammed Daleel in Sofia
Lange bevor im westlichen Europa das "Flüchtlingsproblem" zum Thema wurde, hat sich Bulgarien mit ihm konfrontiert gesehen. Dort stieg der Migrantenstrom im August 2013 abrupt an, bald sorgten Fernsehaufnahmen von unhaltbaren Lebensbedingungen in bulgarischen Flüchtlingslagern international für Bestürzung.

Einer der 7.144 Menschen, die 2013 in dem Balkanland Zuflucht suchten - fast fünfmal mehr als im Vorjahr -, hieß Mohammed Daleel, erklärtermaßen ein 27-jähriger Mathematiklehrer aus dem syrischen Aleppo, der im Krieg Frau und Kind verloren hat. Am vergangenen Sonntag hat er sich im fränkischen Ansbach am Eingang eines Musikfestivals in die Luft gesprengt und dabei fünfzehn Menschen verletzt.

War Mohammed Daleel als zum Terror entschlossener Dschihadist nach Europa gekommen, um "Kreuzträger" in ihrer eigenen Heimat zu attackieren, oder haben ihn Krieg und Flüchtlingselend dermaßen traumatisiert, dass er aufgrund psychischer Probleme einen "spektakulären Selbstmord inszenierte"? Die deutschen Ermittlungsbehörden haben in den vergangenen Tagen Indizien für beide Versionen vorgelegt (Der Attentäter von Ansbach war angeblich langjähriges Mitglied des IS). Nun zeigen Archivaufnahmen des Bulgarischen Nationalen Fernsehens (BNT) den Attentäter von Ansbach im Herbst 2013 in Sofia als scheue, verletzt wirkende Persönlichkeit, ein schlaksiger junger Mann mit fast femininen Zügen und schwarzgelocktem langem Haar.

mehr:
- Traumatisierter Flüchtling oder gewissenloser Dschihadist? (Fank Stier, Telepolis, 29.07.2016)

siehe auch:
- Münchner Attentäter David Ali S. – Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)

Ansbacherterror: Mitbewohner plaudert über den IS- Attentäter Mohammad Daleel (†27) [4:19]

Veröffentlicht am 25.07.2016
Mubariz Mahmood (28) wohnte im gleichen Flüchtlingsheim wie der 27-Jährige Moslem Terrorist Mohammad Daleel (†27)

mein Kommentar:
Vorsicht mit Kategorisierungen! Was ist mit »IS-Attentäter« gemeint? Was heißt »Moslem Terrorist«? Mit solchen Deutungsschubladen werden Grenzen und Feindbilder aufgebaut!

aktualisiert am 12.08.2016