Samstag, 30. Juli 2016

Sprache & Realitätskonstruktion: Traumatisierter Flüchtling oder gewissenloser Dschihadist?

Mohammed Daleel in Sofia
Lange bevor im westlichen Europa das "Flüchtlingsproblem" zum Thema wurde, hat sich Bulgarien mit ihm konfrontiert gesehen. Dort stieg der Migrantenstrom im August 2013 abrupt an, bald sorgten Fernsehaufnahmen von unhaltbaren Lebensbedingungen in bulgarischen Flüchtlingslagern international für Bestürzung.

Einer der 7.144 Menschen, die 2013 in dem Balkanland Zuflucht suchten - fast fünfmal mehr als im Vorjahr -, hieß Mohammed Daleel, erklärtermaßen ein 27-jähriger Mathematiklehrer aus dem syrischen Aleppo, der im Krieg Frau und Kind verloren hat. Am vergangenen Sonntag hat er sich im fränkischen Ansbach am Eingang eines Musikfestivals in die Luft gesprengt und dabei fünfzehn Menschen verletzt.

War Mohammed Daleel als zum Terror entschlossener Dschihadist nach Europa gekommen, um "Kreuzträger" in ihrer eigenen Heimat zu attackieren, oder haben ihn Krieg und Flüchtlingselend dermaßen traumatisiert, dass er aufgrund psychischer Probleme einen "spektakulären Selbstmord inszenierte"? Die deutschen Ermittlungsbehörden haben in den vergangenen Tagen Indizien für beide Versionen vorgelegt (Der Attentäter von Ansbach war angeblich langjähriges Mitglied des IS). Nun zeigen Archivaufnahmen des Bulgarischen Nationalen Fernsehens (BNT) den Attentäter von Ansbach im Herbst 2013 in Sofia als scheue, verletzt wirkende Persönlichkeit, ein schlaksiger junger Mann mit fast femininen Zügen und schwarzgelocktem langem Haar.

mehr:
- Traumatisierter Flüchtling oder gewissenloser Dschihadist? (Fank Stier, Telepolis, 29.07.2016)

siehe auch:
- Münchner Attentäter David Ali S. – Warum sich ein Iraner als Arier fühlt (Ramon Schack, Cicero, 29.07.2016)

Ansbacherterror: Mitbewohner plaudert über den IS- Attentäter Mohammad Daleel (†27) [4:19]

Veröffentlicht am 25.07.2016
Mubariz Mahmood (28) wohnte im gleichen Flüchtlingsheim wie der 27-Jährige Moslem Terrorist Mohammad Daleel (†27)

mein Kommentar:
Vorsicht mit Kategorisierungen! Was ist mit »IS-Attentäter« gemeint? Was heißt »Moslem Terrorist«? Mit solchen Deutungsschubladen werden Grenzen und Feindbilder aufgebaut!

aktualisiert am 12.08.2016

Freitag, 29. Juli 2016

Verbraucherverantwortung: Bio, fair – und billig oder Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau


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Graswurzelbewegung ist die wörtliche Übersetzung des englischen „grassroots movement“, das eine politische oder gesellschaftliche Initiative bezeichnet, die aus der Basis der Bevölkerung entsteht. Der deutsche Terminus ist Basisbewegung. [Graswurzelbewegung, Wikipedia]
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Die Bauern sind schuld an Massentierhaltung, Lebensmittelskandalen und irrwitzigen Subventionen. Oder? Man kann es auch anders sehen: Tier- und umweltgerechte Landwirtschaft hängt von Verbrauchern ab, die gute Lebensmittel nicht nur fordern, sondern auch dafür zahlen. Plädoyer für mehr Ehrlichkeit.
Ich bin Bauer. Der Bauer, der Ihre Lebensmittel macht. Und ich habe ein Problem mit Ihnen. In unserer Beziehung von Erzeuger und Verbraucher stimmt was nicht mehr. Und vielleicht haben Sie das auch schon bemerkt. Dass Sie die Lebensmittel möglichst billig einkaufen wollen, weiß ich ja. Daran hat sich nicht allzu viel geändert, auch wenn Sie das Gegenteil behaupten. Denn wenn Ihnen Lebensmittel etwas wert wären, würden Sie nicht so viel wegwerfen.

Und dass Sie immer auf Qualität achten? Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich dann doch für das billigere Produkt. Gut, die Discounter verkaufen jetzt auch Markenprodukte. Dafür gehen die Supermärkte mit ihren Eigenmarken in Richtung Billigware, um ihre Marktanteile nicht zu verlieren. Alles nichts Neues. Alle drücken den Preis beim Erzeuger – so weit, wie es geht. Bauern, die da nicht mitkommen, müssen halt aufhören. Selbst schuld.

mehr:
- Bio, fair – und möglichst billig (Willi Kremer-Schillings, HAZ, 29.07.2016)

Bio-Milch und regionale Produkte: Wie Verbraucher die Landwirte vor der Existenznot bewahren können [2:46]

Veröffentlicht am 07.09.2015
Ein Liter Milch für 50 Cent - dass da nicht mehr viel für den Landwirt bleiben kann, ist vielen Verbrauchern klar. Wir haben nachgefragt, was man tun kann, wenn man das Preisdumping beim Milchpreis nicht unterstützen will.
Bei einem Unterschied von fast einem Euro pro Liter greifen im Supermarkt viele natürlich zu der günstigeren Variante, die für etwa fünfzig Cent zu haben ist. Doch solche Niedrigpreise gehen zu Lasten der Landwirte.

Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern weiß, was der Kunde machen kann, wenn er dieses Preisdumping nicht unterstützen will: Auf jeden Fall kann man Bio-Milch kaufen, da ist der Preis höher, dafür tut man aber auch gleichzeitig etwas für Tiere und Umwelt. Ebenfalls im Angebot sind faire Milch oder regionale Produkte.

Mancher geht davon aus, dass der Bauer bei der etwas teureren Milch auch mehr bekommt. Leider eine Milchmädchenrechnung, denn das ist nicht immer so. Doch immerhin eine Molkerei gibt es in Deutschland, die ihren Landwirten statt der im Schnitt üblichen 28 Cent pro Liter zehn Cent mehr zahlt: Die Milchwerke Berchtesgadener Land in Bayern. Die Genossenschaftsmolkerei will auf Markenprodukte setzen, hergestellt ohne Gentechnik und mit reduziertem Antibiotika-Einsatz.
Letztlich entscheidet der Kunde am Kühlregal, wo die Reise hingeht: Kauft er nur nach dem Preis, werden sich billige Konzepte durchsetzen.

Homepage: http://www.mittagsmagazin.de
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Bio&Faire Wertschöpfungsketten in den Regionen [2:13]

Veröffentlicht am 29.04.2015
... das hört sich komplizierter an, als es ist. Das Video erklärt kurz und knackig, wer und was alles zu bio&fairen Wertschöpfungsketten gehört, warum Regionen davon profitieren und weshalb Lebensmittel nicht billig sein können. 

Und was Unternehmen dafür konkret tun, findet Ihr hier: www.biofair-vereint.de/regional

Das Projekt „Bio&Faire Wertschöpfungsketten in den Regionen“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramm ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

[Doku][Hitec] Regional statt global - Innovationen verändern die Globalisierung [28:53]

Veröffentlicht am 25.11.2012
Die Ökonomie der Globalisierung ändert sich rapide. Grund dafür sind technische, klimatische und finanzielle Umwälzungen. Selbst in Schwellenländern steigen die Energie-, Transport- und Arbeitskosten ständig. Mancher deutsche Hersteller von Industrie- oder Konsumgütern ist bei der Suche nach...

Kurzfilm: Was ist FAIRTRADE? [3:55]

Veröffentlicht am 21.10.2015
Der Kurzfilm erklärt in wenigen Minuten, wie FAIRTRADE funktioniert und wie bewusste Konsumentscheidungen zu besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbäuerinnen/Kleinbauern und PlantagenarbeiterInnen in Afrika, Asien und Lateinamerika beitragen.
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Sonntag, 24. Juli 2016

Feindbilder und deren Inszenierung

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Freitag, 22. Juli 2016

Maternal Gatekeeping – Bindungsstörung und subtile Vaterentwertung

Bei dem bisher noch nicht so bekannten Maternal Gatekeeping Syndrom handelt es sich um eine Bindungsstörung, eine in unseren Gesellschaften kaum zu erkennende psychische Störung der Mutter. Man reduziert das Phänomen meist auf ein überbeschützendes Verhalten im Rahmen einer Familie, in der die Mutter eine ungesunde Bindung zu ihrem Erstgeborenen entwickelt und den Vater nicht zum Zuge kommen lässt. Nach meiner Erfahrung ist die Sache aber subtiler und komplexer. Ich beobachte ein solches Phänomen akut, bin aber natürlich weder Soziologe, noch Psychologie, Arzt oder Therapeut. Bei der symbiotischen – und am Ende für das (ältere) Kind nachteiligen – Beziehung, die die Mutter zu ihrem Kind aufbaut, stört jeder Einfluss von Außen, stört vor allem der Vater, der sich engagieren möchte. Kommt es zur Trennung, ist es ein Leichtes den Kindesvater komplett auszubooten, ihn aus dem Alltag des Kinder vollständig zu entfernen. Halbbewusste Ängste, vor allem schwere Schuldgefühle und alte, unbewusste Bindungsstörungen der Kindesmutter spielen die tragende Rolle, so dass diese Mutter noch stärkter das Gefühl hat, das Kind beschützen, in Acht nehmen und binden zu müssen, um es von den Folgen die (Trennung vom Vater) zu bewahren. Es ist ein vollständig irrationales Verhalten. Auch bei Müttern mit pädagogischer Vorbildung tritt diese neurotische Störung auf und vielleicht gerade bei diesen in den subtilsten Ausformungen, sind doch diese Pädagoginnen unerschütterlich davon überzeugt, dass nur sie allein am allerbesten wüssten, was für das Kind das wichtig und gut ist. Aber kann das sein? Die Entfernung des Vaters ist für das Kind gut und richtig?
mehr:
- Maternal Gatekeeping – Bindungsstörung und subtile Vaterentwertung (Papalapapi Vaterblog, 22.07.2016)
siehe auch:
„Komm Schatz, ich mach das!“ Bremsen Mütter in der Erziehung wirklich die Väter aus? (Isabell Wohlfahrt, Kölnische Rundschau, 21.09.2018)
Diagnose „Maternal Gatekeeping“ (Jochen König, Süddeutsche Zeitung, 17.02.2017)
Wenn 150-Prozent-Mamis die Väter verdrängen (Jenni Hoch, Süddeutsche Zeitung, 14.10.2016)
Maternal Gatekeeping – Wenn Papa sich nicht einbringen darf (Jenni Hoch, Süddeutsche Zeitung, 05.04.2014)
Die Macht der Mütter (Anke Helle, stern, 16.01.2014)
Maternal Gatekeeping (Windeln.de, 2015)
Die Bedeutung subjektiver Elternschaftskonzepte für Erziehungsverhalten und elterliche Partnerschaft. Ein Überblick über neuere Forschungsergebnisse (Bernhard Kalicki, Zeitschrift für Pädagogik 49 (2003) 4, S. 499-512 – PDF)

Donnerstag, 21. Juli 2016

"Eine Lüge führt zur anderen"

Warum erfinden Menschen Teile ihres Lebenslaufs? Aus Machtstreben, sagt der Forensiker Marco Löw. Allerdings spielen die Lebensumstände auch eine Rolle.

ZEIT ONLINE: Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat Teile ihres Lebenslaufs frei erfunden. Warum schummeln und betrügen Menschen bei ihrer Vita, Herr Löw?

Marco Löw: Sie tun es vor allem, wenn es um Machtpositionen geht, es viel Konkurrenz gibt und die falschen Angaben in der alltäglichen Arbeit nicht sofort auffliegen können. Und wenn zugleich die Voraussetzungen sehr hoch sind, die ein Anwärter erfüllen muss, um für diese Position überhaupt infrage zu kommen. Die Politik ist ein gutes Beispiel. Abitur und abgeschlossenes Studium gelten als selbstverständlich. Vielleicht sogar Auslandserfahrungen oder ein Titel. Nicht umsonst wurden gerade in der Politik immer wieder falsche Doktoren enttarnt. Wer nicht mithalten kann und die entsprechende psychische Veranlagung hat, nimmt den einfachen Weg und mogelt sich seinen Lebenslauf zurecht. Mitunter treiben auch die Lebensumstände einen Menschen dazu, um jeden Preis eine gute Position finden zu wollen, Schulden etwa. Häufig führt dann eine Lüge zur anderen. So wird eine ganze Karriere auf einem Lügengerüst aufgebaut.

ZEIT ONLINE: Aber das muss doch auffliegen.

Löw: Nicht immer. Das Beispiel von Frau Hinz zeigt ja, dass man mit so einem geschönten Lebenslauf mehr als zehn Jahre Abgeordnete im Bundestag sein kann – ohne dass sofort auffällt, dass man weder das Abitur gemacht noch ein Jurastudium abgeschlossen hat. Es gibt solche Fälle aber auch in der Wirtschaft. Da werden vermeintliche Anwälte, Physiker oder Wirtschaftswissenschaftler CEO eines Konzerns. Der bekannteste Hochstapler Deutschland, Gert Postel, war eigentlich Briefträger. Er brachte es zwischen 1980 und 1995 als falscher Arzt sogar in leitende Positionen.

mehr:
- Lebenslauf : "Eine Lüge führt zur anderen" (Tina Groll im Interview mit Marco Löw, ZON, 21.07.2016)

Mittwoch, 20. Juli 2016

Verhaltensforschung: Küken können abstrakt denken

Entenküken sind in der Lage, zwischen "gleich" und "anders" zu unterscheiden und dieses Verständnis auf neue Situationen zu übertragen, berichten Forscher der University of Oxford im Fachblatt "Science".

Bisher sei diese Fähigkeit des abstrakten Denkens vor allem dem Menschen zugeschrieben worden - oder höchstens einigen wenigen Tierarten nach intensivem Training.

Für ihre Untersuchung hatten Antone Martinho und Alex Kacelnik das unter anderem von Gänsen und Enten bekannte Prinzip der Nachfolgeprägung ausgenutzt: Nach dem Schlüpfen folgen die Küken demjenigen, der am nächsten in ihrer Umgebung ist und sich bewegt. In der Regel ist das die Mutter. Man kann Enten aber auch auf einen Fußball oder jeden anderen Gegenstand prägen.

Die Forscher zeigten nun frisch geschlüpften Küken entweder zwei gleiche oder zwei unterschiedliche Objekte. Zum Beispiel zwei identische Kugeln und zwei Objekte mit unterschiedlicher Form.

mehr:
- Verhaltensforschung: Küken können abstrakt denken (SPON, 19.07.2016, Fotostrecke)

Dienstag, 19. Juli 2016

Arist von Schlippe: Das Karussell der Erwartungen

Prof. Dr. Arist von Schlippe: Das Karussell der Erwartungen {13:57}
Gemeinnützige EQUA-Stiftung
Am 19.07.2016 veröffentlicht 
Prof. Dr. Arist von Schlippe von der Universität Witten-Herdecke erläutert anschaulich und am Beispiel von Nachfolgern in Familienunternehmen, was Erwartungs-Erwartungen sind, wie man sich darin verfangen kann und welche Möglichkeiten es gibt, diese zu entwirren.
Den Slidepresenter zum Online-Kolleg und einen interaktiven Fragebogen zur Ermittlung der eigenen Erwartungen findet Ihr hier:
http://equa-stiftung.de/fortbildung/o...
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