Freitag, 19. Februar 2016

Missbrauchsvorwürfe – Der Fall McMartin

Die Missbrauchsvorwürfe an der McMartin-Vorschule betrafen hunderte Fälle angeblichen satanistisch-rituellen Missbrauchs von Kindern an einer Vorschule in Manhattan Beach (Kalifornien) in den 1980er Jahren. Der Prozess um die Vorwürfe zog sich von 1987 bis 1990 hin und war der längste und teuerste Strafprozess in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Alle Angeklagten wurden freigesprochen.
Nachdem 1983 erste Missbrauchsvorwürfe durch die Mutter eines Kindes erhoben wurde, begann das Children's Institute International(CII), eine Klinik für Missbrauchsfälle in Los Angeles unter der Leitung von Kee MacFarlane, mit Untersuchungen. Die Befragungen waren suggestiv.[1][2] Man wollte herausgefunden haben, dass es auch zu satanischen Ritualen gekommen sei; die Kinder hätten von Geheimtüren und Tunneln gesprochen. Im Frühjahr 1984 wurde behauptet, dass über 360 Kinder missbraucht worden seien.[3] (Missbrauchsvorwürfe an der McMartin-Vorschule, Wikipedia)
The infamous McMartin Case - The Movie - Indictment [2:11:58]

Veröffentlicht am 07.04.2014
Film - Indictment. Movie of the McMartin Case starring James Woods. Verrnena Bergin from the States gave me a copy of the movie when I met her at the Protectors And Clients Conference in Utrecht in Holland many years ago. I had it on old VHS and converted the movie from VHS to Video. I have no idea why there was a clicking noise on the first upload - hopefully it will be gone now. If so enjoy and share. Eddie Yu.

siehe auch:
- Wie glaubwürdig sind Kinderzeugen? (Renate Gingma, Informationsdienst Psychologie 2/2002, Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen)
Entscheidend ist, wie Kinder befragt werden: Es gibt suggestive Fragen, es gibt ungenaue Fragen, es gibt Fragen, die beim Kind den Eindruck hinterlassen, dass es dem Befrager einen Gefallen tut, wenn es seine Sicht der Dinge übernimmt, und es gibt suggestive Fragen ("was könnte er getan haben...?"), die beim Kind die Phantasie anregen, etwas zu erfinden. Schließlich wird die Unterscheidung, ob man etwas selbst erlebt oder nur gehört hat, mit zunehmender Häufigkeit der Befragung immer schwieriger.
- Aussagepsychologisches Glaubhaftigkeitsgutachten – Möglichkeiten und Grenzen von Gutachten bei Sexualdelikten (Renate Volbart, korasionNr. 3, August 2011, gefunden bei Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendgynäkologie)

Mittwoch, 17. Februar 2016

Über die Notwendigkeit der Entdämonisierung von Macht

Der Begriff der Macht ist, nach einer bekannten Formulierung Max Webers, »soziologisch amorph« (Weber 1972, S. 28). Anders als die enger definierten Verhältnisse der Herrschaft, der Autorität oder der Gewalt umfasst er ein großes Spektrum asymmetrischer gesellschaftlicher Phänomene und Konstellationen. Weder der Begriff noch die Sache lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen. Andererseits wird solche Einfachheit heutzutage durch die allgegenwärtige moralische Aufladung des Begriffs geradezu ersehnt und gefordert: Wann immer die Rede auf Macht und Machtverhältnisse kommt, müssen wir aufpassen, was wir sagen. 

Wir bewegen uns also auf schwierigem Terrain. Wo die Entrüstung lauert, ist jedes Argumentieren verdächtig. Sie lebt ja geradezu davon, keine Unterschiede zu machen und alles analytische Bemühen einzuebnen. Sachlichkeit ist Verharmlosung und entschuldet die Täter. Tatsächlich ist natürlich das Gegenteil der Fall: Erst die materiale Untersuchung und Ausdifferenzierung der Tatbestände, Perspektiven, Handlungsdynamiken und Interessen erlaubt es, die moralischen Fragen nach Schuld, Legitimität, Gründen und Verallgemeinerbarkeit überhaupt aufzuwerfen und auf dieser Grundlage nach angemessenen Antworten zu suchen. Wirkliche Moralität interessiert sich vor allem für Dilemmata und Tragik, anstatt im Schisma von Gut und Böse von vornherein auf der rich- tigen Seite zu stehen. 

Gerade wenn es darum geht, zwischen positiven und zerstörerischen Aspekten, zwischen legitimer und missbräuchlicher Verwendung der Macht zu unterscheiden und darüber hinaus nach Möglichkeiten ihrer Bändigung, ihrer Begrenzung und Eindämmung, zu fragen, ist jede Übermoralisierung schädlich. Macht hat sehr verschiedene Formen und Ausprägungen, mit denen sich höchst unterschiedliche Motive, Auswirkungen und Leidensqualitäten verbinden. Der erste Grundsatz der hier vorgelegten Machtanalysen lautet daher, dass die Untersuchung und Kritik der Macht, theoretisch wie praktisch, ihre Entdämonisierung zur Voraussetzung hat.
mehr:
- Macht als Interaktion (Einleitung zu Rainer Paris, Der Wille des Einen ist das Tun des Anderen, Velbrück, 2015, PDF)

Montag, 15. Februar 2016

Job oder Liebe?

Liebe und Geborgenheit oder ein Arbeitsplatz und damit finanzielle Sicherheit? Für neun Prozent aller Fach- und Führungskräfte ist der Job wichtiger als eine Beziehung.
Für viele Menschen ist der Partner einer der wichtigsten Anker im Leben, für sie ist die Beziehung mehr wert als der Arbeitsplatz. Aber das gilt nicht für alle: Es gibt auch Angestellte, die ihren Beruf über das private Glück stellen. Für fast jede zehnte Fach- oder Führungskraft (neun Prozent) wäre eine Kündigung schlimmer als die Trennung von ihrem Partner. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing. Hierfür wurden im Januar 1010 Fach- und Führungskräfte befragt.

Demnach gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Elf Prozent der Frauen fänden eine Kündigung schlimmer als eine Trennung. Bei den Männern waren es nur acht Prozent. Für den Großteil der Erwerbstätigen geht die Liebe vor: Nahezu vier von fünf (78 Prozent) fänden es schlimmer, vom Partner verlassen, als vom Chef entlassen zu werden. Der Rest der Befragten machte dazu keine Angaben.

mehr:
- Job oder Liebe – Fast jeder Zehnte zieht eine Trennung der Kündigung vor (SPON, 11.02.2016)

Freitag, 12. Februar 2016

Strafende und belohnende Religionsvorstellungen als evolutionärer Vorteil

Wissenschaftler überprüften ihre Hypothese nicht anhand religiöser Schriften und Erzählungen, sondern mit Befragungen von und Tests mit Gläubigen
Religiöse Vorstellungen haben sich in allen Kulturen entwickelt. Waren sie ein evolutionärer Vorteil, der die Bildung von Gruppen über den bloßen Familienverband hinaus beförderte? Ein Team aus Ethnologen und Psychologen aus den USA, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, Dänemark und Tschechien hat diese Hypothese nun nicht anhand religiöser Schriften und Erzählungen überprüft, sondern mit Befragungen und Tests.
Um auszuschließen, dass die Hypothese nur auf abrahamitische Religionen zutrifft, suchten die Wissenschaftler ihre insgesamt 591 Probanden für ihre mehr als 35.400 Tests und Befragungen unter so verschiedenen Völkern wie den penishüllentragenden Melanesiern auf der Vanatu-Insel Tanna, brasilianischen Indianern am Pesqueiro, sibirischen Tuwinern und tansanischen Hadza, die eine Klicklaut-Sprache sprechen. Die religiösen Vorstellungen, denen die Probanden anhingen, umfassten dabei nicht nur Götter im engeren Sinne, sondern auch Ahnen, als belebt empfundene Gegenstände und Naturphänomene.

Als erstes hielten die Wissenschaftler fest, ob und wie religiös die Probanden waren. Dann untersuchten sie ihre Verhaltensmuster, wobei sie zwischen dem Verhalten gegenüber Glaubensgenossen und dem gegenüber Außenstehenden unterschieden. Dazu ließen sie sie von Psychologen entwickelte Spiele spielen, bei denen es um das Teilen von Münzen geht.

Dabei fanden sie heraus, dass die Bereitschaft zu Kooperation, Vertrauen und Fairness mit und gegenüber Anhängern der gleichen religiösen Vorstellungen um so größer ist, je mehr eine Person sich eine "kognitive Repräsentationen" als all- oder vielwissend, strafend und hegend vorstellt. Mit und gegenüber Außenstehenden waren dieser Effekte deutlich schwächer. Außerdem fanden die Ethnologen und Psychologen heraus, dass Strafvorstellungen dabei weitaus wirksamer sind als Belohnungserwartungen.

Aus diesen Ergebnissen, die jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature erschienen, schließen die Autoren der Studie, dass solche religiösen Vorstellungen in der Vergangenheit tatsächlich ein evolutionärer Vorteil waren, weil sie dazu beitrugen, dass Menschen über den reinen Familien- oder Abstammungsverband hinaus in größeren Gruppen kooperierten. Das verbesserte die Bedingungen für Handel, Arbeitsteilung, Verteidigung und Fortschritt.

mehr:
- Strafende und belohnende Religionsvorstellungen als evolutionärer Vorteil (Peter Mühlbauer, Telepolis, 12.02.2016)

Dienstag, 9. Februar 2016

Immanuel Kant: „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“

Kants Aufsatz mit dem merkwürdig daherkommenden Titel „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“ ist sicherlich eine seiner weniger rezipierten Schriften. Eine Ursache mag darin liegen, dass der im Oktober 1786 in der „Berlinischen Monatsschrift“ erschienene Text eher als zeitgeschichtliche Intervention denn als philosophische Innovation gelesen wird: und zwar als Kants pointierter Beitrag zum „Pantheismusstreit“, einer auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung verbittert geführten Auseinandersetzung um das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Während der Text, der herkömmlichen Lesart folgend, kaum philosophischen Mehrwert hinsichtlich Kants systematischeren Schriften bietet, möchte ich hier einen alternativen (doch wenig beschrittenen) Weg erkunden. Er besteht darin, Kants geographische Metaphorik politisch zu lesen und zu fragen, inwieweit seine Topographie der Vernunft geeignet ist, „global“ zu denken – in einem Zeitalter, in dem sich der Einzugsbereich unserer moralischen Anteilnahme und Verantwortung scheinbar unaufhörlich erweitert.
mehr:
- Wiedergelesen: Kants Orientierungsversuch für ein Globales Zeitalter (Jakob Huber, Theorieblog, 14.04.2014)

Immanuel Kant: Was heisst sich im Denken orientieren?_ Oskar Negt berichtet [23:58]

Veröffentlicht am 13.07.2014

Sonntag, 7. Februar 2016

Woody Allen, Mißbrauchsvorwürfe, die nicht verschwinden

Durhc Zufall bin ich auf einen interessanten und tiefgründigen Artikel gestoßen. Aber zuerst, was sich bei Wikipedia darüber findet:
Der Film Ehemänner und Ehefrauen markiert das Ende der beruflichen Zusammenarbeit von Allen und Mia Farrow, die seit Anfang der 1980er Jahre ein Paar waren. Ihre Beziehung ging in die Brüche, als Mia Farrow 1992 von Allen aufgenommene Nacktfotos ihrer 21-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn (* 1970 oder 1972; das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt, da ihr Alter zum Zeitpunkt der Adoption geschätzt wurde)[5] entdeckte und Allen daraufhin das Verhältnis mit dieser eingestanden hat. Die nachfolgende gerichtliche Auseinandersetzung um das Sorgerecht für die übrigen Kinder brachte Allen stark in Bedrängnis.Mia Farrow hatte Soon-Yi Previn zusammen mit ihrem damaligen Mann André Previn adoptiert, weshalb Allen Soon-Yi – im Gegensatz zu Farrows anderen Adoptivkindern Dylan und Moses – nicht hatte adoptieren dürfen. Farrow und Allen hatten zudem seit 1987 den gemeinsamen Sohn Satchel Farrow, der sich später in Ronan Farrow umbenannte. Nach Angaben der Schauspielerin könnte der biologische Vater von Ronan Farrow auch ihr Ex-Ehemann Frank Sinatra sein.[5]Mia Farrow gewann die gerichtliche Auseinandersetzung; sie erhielt am 7. Juni 1993 das alleinige Sorgerecht für Dylan und Satchel zugesprochen. Allens Adoptivsohn Moses durfte selbst entscheiden und lehnte einen weiteren Kontakt zu Allen ab (erst ca. 20 Jahre später und nach einer Entfremdungsphase von Mia Farrow nahm dieser wieder Kontakt zu Allen und Soon-Yi auf).[5]„Das Gericht stellte in so gut wie allen Punkten seine elterliche Eignung infrage und nannte Allens Verhalten den Kindern gegenüber ‚missbrauchend und gefühllos’“, hieß es dazu am 8. Juni 1993 in der New York Times. […]Auch der von Mia Farrow vier Tage nach dem angeblichen Missbrauch vom 4. August 1992 hinzugezogene Arzt hatte keine Anzeichen für eine Verletzung im Anal- oder Vaginalbereich von Dylan Farrow feststellen können.[5] Moses Farrow, der gemeinsame Adoptivsohn des ehemaligen Paares, widersprach angesichts des erneuten Missbrauchsvorwurfs der Darstellung seiner Schwester und schilderte diese als Produkt einer von Mia Farrow betriebenen, innerfamiliären Rache- und Entfremdungskampagne gegen Allen.[11][12] Allen selbst veröffentlichte zwei Tage später ein in eigenen Worten verfasstes, abschließendes Statement, in dem er diese Darstellung bekräftigt und seinerseits Vorwürfe gegen Mia Farrow erhoben hat.[13][14] (mehr: Woody Allen, Scheidung und Sorgerechtsstreit, Wikipedia)
jetzt zu dem Artikel, den ich empfehlen möchte:
- The Woody Allen Allegations: Not So Fast (Robert B Weide, The Daily Beast, 27.01.2014)


Samstag, 6. Februar 2016

Süchtig nach Arbeit: Wenn es nur noch den Job gibt

Die Arbeit stapelt sich, und trotzdem ist da der Wunsch nach noch einem Projekt: Arbeitssüchtige können nicht ohne ihren Job. Trotz der vielen Überstunden sind sie jedoch nicht immer produktiv.
Manche Menschen arbeiten viel. Und andere können gar nicht aufhören damit - sie sind süchtig. Nicht nach Alkohol oder Nikotin, nicht nach Pillen oder Drogen. Sondern nach ihrem Job.

Ähnlich wie der Burn-out ist die Arbeitssucht nicht allgemeingültig definiert. Das sagt Diplom-Psychologe Stefan Poppelreuter, der verschiedene Bücher zum Thema Arbeitssucht veröffentlicht hat. Zwischen 200.000 und 300.000 Betroffene gibt es Schätzungen zufolge.

Nicht jeder, der exzessiv arbeitet und viele Stunden im Büro verbringt, ist süchtig. "Vielmehr geht es darum, dass einen die Arbeit nicht mehr loslässt und man meint, die Welt bricht zusammen ohne die eigene Leistung", erklärt er. Psychologische Studien zeigen, dass Betroffene sich unwohl fühlen, wenn sie nicht schuften. "Arbeitssüchtige benötigen das Gefühl, permanent produktiv zu sein und gebraucht zu werden", erläutert Prof. Ute Rademacher, Dozentin an der International School of Management (ISM) in Hamburg.

mehr:
- Süchtig nach Arbeit: Wenn es nur noch den Job gibt (n-tv, 06.02.2016)