Montag, 28. Dezember 2015

Führungskräfte : "Manipulation kann für Führungskräfte hilfreich sein"

Führungskräfte manipulieren ständig, sagt die Psychologin Suzanne Grieger-Langer. Doch das hat wenig mit verdeckten Absichten zu tun. 

ZEIT ONLINE: Frau Grieger-Langer, Sie haben sich intensiv mit Manipulation beschäftigt. Was genau ist Manipulation eigentlich? 
Suzanne Grieger-Langer: Was viele nicht wissen: Der Begriff kommt eigentlich aus der Medizin – genauer gesagt der Chirurgie. Er setzt sich aus den lateinischen Wörtern manus (die Hand) und plere (füllen) zusammen und heißt etwa so viel wie: etwas in der Hand haben. Heute wird unter Manipulation so etwas wie gezielte oder auch verdeckte Einflussnahme verstanden. Das heißt, die Manipulation zielt auf das Erleben und Verhalten von Menschen ab, will das aber so gut wie möglich verbergen. Von der negativen Manipulation eines Menschen spricht man, wenn der Effekt nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil führt. Allerdings kann Manipulation auch positiv oder neutral sein. Das kommt sogar sehr oft im Alltag vor. 
ZEIT ONLINE: Geben Sie mal ein Beispiel. 
Grieger-Langer: Jeder Kinotrailer, jede Werbung zum Beispiel manipuliert, denn sie sind so gestaltet, dass die Zuschauer anschließend den Film sehen wollen oder die Kunden das Produkt kaufen möchten. Damit haben die wenigsten Menschen ein Problem.
mehr:
- Führungskräfte : "Manipulation kann für Führungskräfte hilfreich sein" (Sabine Hockling, Interview, ZEIT Online, 28.12.2015)

Suzanne Grieger Langer - Die 7 Säulen der Macht [1:02:53]
Veröffentlicht am 16.06.2015
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Beschreibung des Interviews:
Im heutigen Interview geht es um Macht, innere Macht. Welche Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale sollte ich entwickelt haben um für Führungsaufgaben zu taugen? Darüber spreche ich mit Wirtschaftsprofiler Suzanne Grieger-Langer. Ja Du hast richtig gelesen: Profiler. Meist kennt man Profiler nur aus den kriminalistischen Zusammenhängen wenn Morde und Verbrechen geschehen. Oder eben aus dem Fernsehen von TV Serien wie Criminal Minds oder CSI Miami und Co.

Dort werden die Profiler eingesetzt, um psychologische Profile von möglichen Straftätern zu erstellen und diese so schneller dingfest zu machen. Suzanne Grieger-Langer macht das in der Wirtschaft und erstellt dort Profile für neue mögliche Vorstände, Geschäftsführer oder Führungskräfte. Dementsprechend hat sie sich viel beschäftigt damit, welche Persönlichkeitsmerkmale richtig gute Führungskräfte mitbringen sollten. Wir besprechen alle 7 Säulen der Macht ausführlich. Es wird gehen um Standfestigkeit, Leidenschaft, Selbst-Kontrolle, Ethik und einiges mehr.

Wer sein eigenes inneres Machtpotential erweitern will, der sollte sich das Modell mit den 7 Säulen der Macht unbedingt einmal ansehen. Profiler verfügen schon über Kenntnisse und Fähigkeiten die einzigartig sind und es lohnt sich von ihnen zu lernen. Viel Spaß dabei ...

Über den Experten:
Suzanne Grieger-Langer ist Wirtschaftsprofilerin und spezialisiert auf den erfolgreichen und verantwortungsvollen Umgang mit Macht. Ihre Kompetenzspannweite umfasst Profiling, Psychotherapie und Nachrichtendienstpsychologie.

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Suzanne Grieger-Langer, Wirtschafts Profiler, Lehrbeauftragte und Autorin: 007 statt 08/15! [1:00:45]

Veröffentlicht am 16.10.2014
Externe Keynote beim DSAG-Jahreskongress am 16. Oktober 2014 in Leipzig:

Nichts ist sicher! Märkte brechen weg, Kunden wandern ab, Leistungsträger werden abgeworben. Führung heute ist Führung in der Unsicherheit! Das Unplanbare planen, Unentscheidbares unterscheiden, Unwägbarkeiten analysieren, mit Unkalkulierbarem umgehen ... Unerwartetes, Unvorhergesehenes, Ungewisses managen – Leben wir zu Unzeiten? Nein, wir sehen der Realität ins Auge. Es war schon immer so. Doch heutzutage ist es schneller, größer und gewaltiger: `Business ist Krieg`, lautet ein japanisches Sprichwort, und manchmal fühlt es sich auch genauso an.

Für das führen in Grenzsituationen erfahren Sie von Profiler Suzanne Grieger-Langer erprobte Strategien aus den Nachrichtendiensten für Krisen-, Change und Katastrophen-Management. Werfen Sie überholte Mainstream-Strategienüber Board und finden Sie Sicherheit in sich und Ihren Fähigkeiten. Das garantiert das Überleben in riskanten Märkten und die Eroberung von Neuland. Gehen Sie als Sieger aus dem Wandel! Lernen Sie von FBI, BND und MI6 für Ihren Managementalltag: Erfahren Sie von der Einsatz-Instruktorin Suzanne Grieger-Langer, was auch für Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Karriere das Überlebenswichtige und damit Richtige ist.

Suzanne Grieger-Langer ist Profiler. Die Erkennung von persönlichen Potenzialen, wie auch die Erkennung von Betrug, sind ihr tägliches Geschäft- Die Spezialistin für die Stärkung von Persönlichkeiten instruiert seit über zwanzig Jahren Agenten wie auch Entscheider in Wirtschaft und Wissenschaft. Sie ist dozentin und Lehrbeauftragte der renommiertesten Wirtschaftshochschulen Europas. Dort lehrt sie für die Fakultäten Wirtschaftswissenschaften und Gouvernance evolutionäre wie revolutionäre Führung, Betrugsprophylaxe und Profiling. Für die Frankfurt School of Finance ans Management entwickelte sie den studiengang `Certified Profiler´. Die von ihr entwickelte Formula Infiltration gilt als Meilenstein der Betrugserkennung. Mit ihrem internationalen Team von Profilern ist sie in der Lage, Charakterprofile auf dem Niveau des psychogenetischen Codes zu erstellen. Mit dieser Kompetenzbreite und –tiefe ist sie Europas unangefochtene Profilingexpertin!

Montag, 21. Dezember 2015

Eine Psychoanalyse der Kirche – Die Wunde, die man nicht heilen kann

Mit den Mitteln der Psychoanalyse geht der Psychotherapeut und Theologe Dieter Funke den Ursachen des sexuellen Missbrauchs im Umkreis der katholischen Kirche nach. Seiner Meinung nach stehen Traumatisierungen schon am Anfang des Christentums. Sie führten zur Abspaltung von Sex und Sinnlichkeit und erheben die »Heilige Familie«, die makellose Jungfrau und den asexuellen Kleriker zum Ideal. Doch damit werde auch die sexuelle Gewalt begünstigt...
mehr:
- Eine Psychoanalyse der Kirche – Die Wunde, die nicht heilen kann (Dieter Funke, connection-Archiv, August 2014?)
Der Grund für die Verteufelung und Abspaltung des Sexuellen liegt darin, dass Trieb und Sexualität das Ideal des unbefleckten Klerikerkörpers bedrohen. Diesem kollektiven Klerikerideal liegen vergessene und verdrängte Traumatisierungen an den Wurzeln des Christentums zugrunde. Zu nennen ist hier vor allem die theologische Konstruktion der »Heiligen Familie«, die als traumatisierendes Beziehungsmodell Pate steht: Der Vater ist nicht der richtige Vater und kein sexueller Partner der Mutter. Die Mutter ist keine richtige Frau, sondern Jungfrau. Der Sohn wird auf diese Weise seiner Kind-Position beraubt und gerät zum Ersatzpartner der Mutter. Dieser wird von der Mutter zum besseren Partner gemacht, er sitzt auf Vaters Platz.

Solche Beziehungsmodelle sind geprägt von ständiger Rivalität und Machtkämpfen, von Größenfantasien und depressiven Schuldgefühlen, von Entwertungen und Idealisierungen, wie sie sich in der biblischen Konstruktion der Heiligen Familie wiederfinden. Jesus wird zum Partner von Maria, indem der Vater ausgeschlossen und das Kind sexualisiert wird. Das gibt Jesus das großartige Auserwähltheitsgefühl, wie es für Kinder typisch ist, die als Ersatzpartner missbraucht wurden. Gleichzeitig löst dies in ihm tiefe Schuldgefühle aus, die durch die Unterwerfung unter den Willen des Vaters bewältigt werden und worin der spätere christliche Masochismus der Leidensunterwerfung begründet liegt. Unterwerfungsbereitschaft (»unter die Schmach des Kreuzes«) und Überlegenheitsgefühle (Jesus wird an die Stelle des Vaters gesetzt) sind die Folgen der Funktionalisierung als Ersatzpartner.

Diese Feststellung ist keine moralische und hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Verletzungen. In den biblischen Texten und den Erzählungen der Frömmigkeitsgeschichte wird eine traumatisierte Familie beschrieben: Die Geburt Jesu findet in der Heimatlosigkeit statt, dann folgen Flucht und Morddrohung. Die Eltern sind überfordert. Natürlich hat sich Jesus als Kompensation für diese Traumatisierungen nicht selbst an die Stelle Gottvaters gesetzt. Diese Sicht der Evangelien und der ersten nachchristlichen Jahrhunderte mit ihren Konzilien ist vielmehr das Konstrukt einer Gruppe von Jesus-Anhängern, die selbst schweren Verfolgungen und Entbehrungen ausgesetzt waren.
siehe auch:
- Funke, Dieter: Ich – Eine Illusion? Bewusstseinskonzepte in Psychoanalyse, Mystik und Neurowissenschaften (Rezension von Gotthard Fuchs, Christ in der Gegenwart, 28/2014)
- Vom Zauber in anderer Leute Häuser zu schauen (Hannelore Hippe, Deutschlandfunk, SWR3, 2013, PDF)
- Zum Verhältnis von Psychotherapie und Religion (Carsten Kießwetter, Tag des Herrn Online, Archiv, 19/1999, 16.05.1999)
Im Zuge der gesellschaftlichen Differenzierung habe sich aus der kirchlichen Sorge um die Seelen eine weltliche Seelen-Heilkunde entwickelt. So bezeichne sich die Allgemeine Ortskrankenkasse AOK neuerdings als "Gesundheitskasse", also als eine Organisation, die für das gesamte Heil der Menschen zuständig sei

Für die Seelsorge stellte Pater Funke einen gravierenden Verlust an Wissen im Umgang mit der seelischen Wirklichkeit des Menschen fest. Die Seelsorge kümmere sich, oft in Unkenntnis der seelischen Wirklichkeit des Menschen, nur noch um deren abstraktes Seelenheil. Die konfliktlösende Kraft der Religion im Hinblick auf Grundfragen des Lebens wie Liebe und Haß, Schuld und Vergebung, Abschied und Neubeginn, Leben und Sterben könnte bestenfalls als moralisches Pflichtgebot, nicht aber als psychisches und damit vormoralische Verordnung erfahren werden. […]

Die Psychotherapie übernimmt, so Funke, die Aufgabe, seelisch leidende Menschen aus ihren Fixierungen und ihren Lebenseinschränkungen herauszuführen. Dieser Prozeß geschehe mittels Kommunikation. Psychotherapie wolle dem Leidenden helfen, seinem Leid auf den Grund zu gehen, es tiefer zu verstehen. Diesem Vorgang, der das Heilen an Einsicht in Wahrheit bindet, wohne eine religiöse Dimension inne. Das Bewußtwerden der inneren Wirklichkeit, des wahren Selbst, sei oft mit einem tiefen Erschrecken, "einem heiligen Schaudern", wie Funke es nennt, verbunden. Das Verdrängte hat dem Leidenden die Freiheit für eine kreative Lebensführung genommen. Im Falle einer gelungenen Psychotherapie werde es ihm möglich aufzuhören, sich von Illusionen über die Wirklichkeit hinwegtäuschen zu lassen. Die Psychotherapie werde in der modernen Gesellschaft deshalb zunehmend zum Ort authentischen Lebens. Sie werde deshalb zur Ersatzreligion, da die Religion offensichtlich nicht mehr gesellschaftlich angenommen wird. Deshalb vermittele die Psychotherapie mittlerweile Erfahrungen, die ursprünglich in der Religion und im Christentum zu Hause waren […]

Der Mensch benötige einen Raum, in dem nichts "exkommuniziert" werde und der in gewisser Weise vormoralisch sei. Dieser vormoralische Raum, der die Liturgie kennzeichne, sei durch die Doktrinalisierung und Objektivierung des Glaubens heimat- und ortlos geworden. Deshalb vermittle die Psychotherapie heute Erfahrungen, die früher die Religion vermittelt habe. Im vormoralischen Raum, was nicht bedeute, daß Religion keine moralische Kompetenz mehr haben solle, müsse wieder eine "unzensierte Lebenserlaubnis" möglich sein. Für die Pastoral bedeute dies, die "vorsprachliche Dimension" des Menschen wieder ernster zu nehmen als bisher. Da das Unbewußte des Menschen ein bedeutender Faktor sei, sollte die Pastoral Orte anbieten, an denen der Mensch "ganz" er selbst sein könne […]

denn gegenüber einer idealistischen Vorstellung von Ganzheit und Glück der Moderne sei das Menschenbild der Theologie viel realistischer. Menschliches Dasein stehe bei ihr unter dem Vorzeichen der Gebrochenheit menschlicher Existenz, die niemals aufzuheben sei. Leben sei bei ihr immer konflikthaftes und durchkreuztes Leben. In der Psychotherapie stehe der Konflikt für die Gebrochenheit des Menschen, in der christlichen Religion das Kreuz. Diese Gebrochenheit religiös oder psychotherapeutisch aufheben zu wollen, komme einer Illusion gleich, stellte Pater Funke zusammenfassend fest. Dies aufzuklären sei gleichermaßen die Aufgabe von Religion und Psychotherapie
- Religion und Gewalt bei den Kindern Abrahams (Wolf Schneider, 12.01.2015)
Die drei gewalttätigsten Religionen der Erde beziehen sich alle drei auf Stammvater Abraham, der dafür geehrt wird, dass er fast seinen eigenen Sohn abgemurkst hätte, weil ihm in einer Vision ein Phantom erschien, welches das verlangte. Kein Wunder, dass diese drei Religionen gewalttätig sind! Wir sollten lieber Väter und Mütter ehren, die ihren Kindern niemals sowas antun würden, egal welche Visionen sie haben.

Sonntag, 20. Dezember 2015

Erziehung: »Mythos Überforderung«

Kolumne: Stadt, Land, Flucht. Ballett, Judo, Yoga – viele Paare projizieren ihre eigenen Hobbies auf ihr Kind, aus dem sie kleine Super-Talente züchten wollen. Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff warnt davor und diagnostiziert bei den Eltern einen „Mythos Überforderung“

Diese Leichtigkeit, mit der die Tänzerin im Video über das Parkett schwebt, der Rhythmus, ihr Ausdruck. Ständig sehe ich Menschen im Internet, die singen, steppen, die Dinge können, die ich auch können möchte. Aber ich werde es nicht mehr schaffen. Nicht in diesem Leben. Neuerdings schiebt sich in diesen Momenten meine sechsjährige Tochter vor mein inneres Auge. Sie tanzt Ballett, wie ich es in diesem Leben nicht mehr lernen werde. Das Tutu sieht an ihr viel besser aus als an mir. Vielleicht lernt sie Gitarre? Yoga? Beginnend in diesem frühen Alter könnte aus ihr ein zweiter Swami Sivananda werden. Was ich mir nicht alles vorstellen kann, beim Winken dieser trügerischen Hoffnung: Könnte sie vielleicht das Talent, den Ehrgeiz, die Bauchmuskeln entwickeln, die ich nie haben werde?

mehr:
- Wenn Kinder die Träume ihrer Eltern verwirklichen sollen (Marie Amrhein, Cicero, 20.12.2015)
Aber da gibt es ja noch die Kinder, die es nach dem Willen vieler Eltern "einmal besser haben" sollen. Genauer lautet der Auftrag an die Kinder: Sie sollen es nicht besser haben, sondern sie sollen alles besser machen! So sind viele Kinder gleichzeitig auch Kinder der Verheißung, die ein schweres, eigentlich unerfüllbares Erbe mit auf den Lebensweg bekommen, an dem sie scheitern. (Überanstrengte Kinder der Versöhnung, Wolfgang Scherf, Zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, S. 5, Word-Dokument, Download ganz unten auf der Seite)

Samstag, 19. Dezember 2015

Psychoanalyse und Politik: Das Unbehagen für kritische Aufklärung nutzen

Ein historischer Abriss über das ambivalente Verhältnis der Psychoanalytiker zu Gesellschaft und Politik 

Psychoanalyse hat, ob sie es will oder nicht, von vornherein mit Politik zu tun. Das weiß die Politik oft besser als die Psychoanalyse. So dulden Diktaturen nirgends auf der Welt Psychoanalyse, da sie ihr Verlangen nach gefügigen Untertanen gefährden könnte. Auch in Demokratien wirken sich politische Einflüsse restriktiv aus. Die Menschen sollen sich mit Sozialabbau, viele mit Arbeitslosigkeit, beschwerdenfrei zurechtfinden, die Umbrüche und Unverlässlichkeiten der modernen Ökonomie sollen sie mit robuster psychischer Flexibilität bewältigen. Wenn Jugendliche mit negativen Zukunftserwartungen nachweislich vermehrt psychosomatische Beschwerden äußern, so soll Psychotherapie helfen, diese Beschwerden wegzubringen. Diese selbst wird nach dem Druck des Kosten-Nutzen-Prinzips bewertet. Sie soll mit geringstem Zeitaufwand maximale Gesundheit produzieren, das heißt Unauffälligkeit und im arbeitsfähigen Alter hohe Leistungsfähigkeit. Der aus der Betriebswirtschaftslehre entlehnte Begriff der Effizienz ist das entscheidende Kriterium. Letztlich geht es um die Brauchbarkeit und die Handhabbarkeit des Menschen.
Psychoanalytiker können sich diesen Zwängen, wie sie es zum Teil auch tun, gefügig anpassen und die Bedeutung dieser Selbsteinschränkung verleugnen. Aber sie bezahlen solches Nachgeben insbesondere, wenn sie es nicht reflektieren, mit Einbußen an sozialer Potenz, an Kreativität sowie mit Rigidisierung ihrer eigenen Strukturen. Die Geschichte der Psychoanalyse stellt diese Problematik anschaulich dar: In der ersten Generation waren die Psychoanalytiker voller Entdeckungsfreude. Mit dem von Sigmund Freud revidierten Menschenbild drangen sie offensiv in viele gesellschaftliche Bereiche ein. Sie beeinflussten die Kindererziehung, die Schulpädagogik, die Heimpflege und die Kriminologie. In der Reformbewegung der Jugend setzte Siegfried Bernfeld entscheidende Akzente. Manche sahen in sozialistischen Projekten eine sinnvolle Ergänzung der individuellen Therapie.
mehr:
- Psychoanalyse und Politik: Das Unbehagen für kritische Aufklärung nutzen (Horst-Eberhard Richter, Ärzteblatt, Juni 2004, Hervorhebungen von mir)

siehe auch:
- Psychoanalyse als „Wissenschaft des Unbewussten“ im ersten Jahrhundert der IPA (Marianne Leuzinger-Bohleber, 2010, PDF)
- Ist Freud heute noch relevant? (Christine Dierks, scienceORF, 19.01.2006)
- Wie ich zur Psychoanalyse kam Von Bruno Bettelheim / Aus dem Essay-Band "Themen meines Lebens" (Bruno Bettelheim, SPON, 01.03.1990)
- Psychoanalyse, Marxismus, Sexualreform – Wilhelm Reichs Zeit in Berlin und der Weg zur Massenpsychologie des Faschismus (Andreas Peglau auf Bernd Senfs Seite, PDF)
- Die Angst vor George W. Bush und die Angst von George W. Bush (Thomas Auchter, Aachener Friedenspreismagazin, 2007, PDF, Hervorhebungen von mir)
Bush setzt sich an die Spitze der Bewegung gegen den Terror. Er erklärt sich zum Oberbefehlshaber der Kreuzritter gegen das Böse. Der erschreckte, verängstigte und verwundete Verlierer vom 11. September verwandelt sich kontraphobisch in einen scheinbar siegessicheren Kriegsherrn, der den Terrorismus der ganzen Welt bis in seine Wurzeln ausrotten will. Dabei ist dann im Laufe der Zeit immer weniger zu unterscheiden, gegen wen dieser Kampf eigentlich geführt wird, gegen den äußeren Schrecken (des Terrorismus, vor allem verkörpert in Osama bin Laden und später Saddam Hussein) oder gegen seine inneren Ängste? Der Hintergrund dieser, seiner persönlichen Ängste wird gleich aus meinen Ausführungen über Bushs Lebensgeschichte deutlicher werden. […]

In der Regierung Bush zählt nicht die Moral, „es zählt allein die Loyalität“, schreibt der französische Journalist Eric Laurent (2003, S. 204; Frank 2004, S. 69) - denn Solidarität und Loyalität reduzieren die Ängste des Präsidenten. „Faktisch die gesamte Regierungsmannschaft lebt anscheinend in einem geschlossenen und unantastbaren Universum“ (Laurent 2003, S. 204). „Es gibt keine Differenzierungen mehr, nur noch ‘pro’ oder ‘contra’“ (Laurent 2003, S. 205). „Ich glaube, daß wir uns in den USA in einer prätotalitären Situation befinden“, stellt der Schriftsteller Norman Mailer (2003, S. 100) fest. „Demokratie und Sicherheit sind nämlich Feinde“ (Mailer 2003, S. 101). Der französische Politikwissenschaftler Emmanuel Todd (2003, S. 32ff.) konstatiert einen „unaufhaltsamen und unglückverheißenden Weg: den der Oligarchie“ anstelle und unter dem Deckmäntelchen der Demokratie. Nämlich: „Daß das [amerikanische] Imperium von einer unanständig reichen Oberschicht abhängt“ (Mailer 2003, S. 65). Der amerikanische Politikwissenschaftler Chalmers Johnson (2003) spricht für den aktuellen Zustand vom „Selbstmord der amerikanischen Demokratie“, der Journalist Mark Hertsgaard (2002, 169ff.) von der „Tragödie der amerikanischen Demokratie“.

In West Point erklärt Präsident Bush am 1. Juni 2002, die USA hätten das Recht, jede Regierung zu stürzen, die eine Gefahr für ihre Sicherheit darstellen könnte. „Wir müssen... gegen die größten Bedrohungen bereits vorgehen, bevor sie entstehen“ (zit. n. Johnson 2003, S. 391; kursiv T.A.). Der „einzige Weg zu Frieden und Sicherheit ist der des aktiven Handelns“ (zit. n. Johnson 2003, S. 391), also Prävention. In der Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten vom 20. September 2002 heißt es in der Präambel: „daß es nur ein einziges dauerhaftes Modell für den Erfolg einer Nation gäbe“, nämlich das amerikanische, das „für alle Menschen in allen Gesellschaften richtig und wahrhaftig ist (zit. n. Johnson 2003, S. 392; kursiv T.A.). 5

Der amerikanische Politikwissenschaftler Chalmers Johnson (2003, S. 392) folgert daraus: „Durch ihre Vorgehensweise werden die USA gerade jene Gefahren heraufbeschwören, die sie angeblich bannen wollen“ (3).

mein Kommentar:
Ich kann ohne jede Übertreibung sagen, daß ich einen Patienten, der eine solche Äußerung mit einer solch absoluten Heils-Gewißheit (siehe die Zitate aus der Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten) tun würde, für zumindest präpsychotisch halten würde.


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Homosexualität: »Lebensläufe wie meiner sollten sich nicht wiederholen.«

Sein Rücken schmerzt, das Gehen fällt ihm zunehmend schwer, Manfred Bruns bewegt sich nur noch mit vorsichtigen Schritten durch seine Wohnung. Vor dem Fenster liegt ein Buch über die richtige Art zu trauern, auf der Kommode stehen auf einer Häkeldecke Fotos seiner Enkelkinder. Rentneralltag in Karlsruhe.

Aber der frühere Bundesanwalt will sich nicht beschweren. "Ich habe ja das Glück gehabt, dass mein Leben auf das Ende hin immer besser geworden ist", sagt Bruns. Er wohnt jetzt seit 23 Jahren mit seinem Partner zusammen. "Es waren die glücklichsten Jahre meines Lebens." Und er hält gute Kontakte zu seiner Frau, die er vor mehr als 50 Jahren geheiratet hat - Anfang der Achtzigerjahre hat er ihr von seiner Homosexualität erzählt. "Ich habe ja auch noch das Glück, dass ich mit meiner Familie im besten Einvernehmen lebe."

Wer wen heiraten darf - oder eben nicht, diese Frage ist für Bruns zum Lebensthema geworden. Seit bald 30 Jahren kämpft er für die Rechte homosexueller Paare, damit sich Schicksale wie seines nicht in jeder Generation wiederholen: die Unsicherheit und die Ängste, die Verletzungen und Brüche, die er als Heranwachsender erlebte, als Familienvater und in seinem Job als Bundesanwalt.

mehr:
- Kampf für die Homo-Ehe "Das wollen wir auch" (Frank Hornig, SPON, 15.12.2015)

Verfolgung Homosexueller in Deutschland:

Veröffentlicht am 05.06.2014
05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben. 05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben. 05.06.2014 - 20 Jahre ist der Bundesanwalt Manfred Bruns mit einer Frau verheiratet, obwohl er schwul ist. Doch irgendwann hält Bruns es nicht mehr aus. Mit über 50 Jahren beginnt er ein neues Leben.
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:
Verfolgung Homosexueller in Deutschland:

Multimediaspezial §175,
Fünf Jahre später rechtfertigte 1962 der unter Konrad Adenauer vorgelegte Regierungsentwurf eines Strafgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland[19] – entgegen dem Vorschlag der Großen Strafrechtskommission von 1959 (wo Vertreter von CDU/CSU selten anwesend waren)[20] – die Aufrechterhaltung des § 175 wie folgt:
„Vor allem stände auch für die Homosexuellen nichts im Wege, ihre nähere Umgebung durch Zusammenleben in eheähnlichen Verhältnissen zu belästigen.[21] […] Ausgeprägter als in anderen Bereichen hat die Rechtsordnung gegenüber der männlichen Homosexualität die Aufgabe, durch die sittenbildende Kraft des Strafgesetzes einen Damm gegen die Ausbreitung eines lasterhaften Treibens zu errichten, das, wenn es um sich griffe, eine schwere Gefahr für eine gesunde und natürliche Lebensordnung im Volke bedeuten würde.“[22]
und meinte weiterhin:
„Die von interessierten Kreisen in den letzten Jahrzehnten wiederholt aufgestellte Behauptung, dass es sich bei dem gleichgeschlechtlichen Verkehr um einen natürlichen und deshalb nicht anstößigen Trieb handele, kann nur als Zweckbehauptung zurückgewiesen werden. […] Wo die gleichgeschlechtliche Unzucht um sich gegriffen und großen Umfang angenommen hat, war die Entartung des Volkes und der Verfall seiner sittlichen Kraft die Folge.“[23] (§ 175, Entwicklung in der alten Bundesrepublik, Wikipedia)

Dienstag, 15. Dezember 2015

Stigma – das »Sahnehäubchen« auf dem Trauma

I had a reminder recently of the stigma facing those dealing with trauma related to childhood abuse. I have encountered this before of course, perhaps vicariously, during my 20 plus years in the trauma treatment trenches. As a psychologist specializing in treating trauma I am well aware that many people do not want to be reminded of the less than pleasant aspects of life. Even mentioning what I do for a living can get me interesting responses, or sometimes just shut down the conversation altogether.
mehr:
- Trauma Stigma: We Are Only As Sick As Our Secrets (Kathleen Young, DrKathleenYoung, 18.08.2009, Hervorhebungen von mir)
The pervasiveness of childhood trauma and its long lasting impact is the big secret and survivors who try to talk about their experiences are shamed and stigmatized. We want to view you as other, an anomaly, not the understandable consequence of a sick society.

My Twitter experience felt very much like a reaction to my telling the truth about these issues our culture wants to disavow. If I as a professional am impacted, imagine how much more so this stigma impacts survivors, I was reminded. The silencing, minimizing and blaming that can occur when a survivor tries to tell their story is a whole other level of traumatization.

This experience reminded me that visibility and conversation about trauma-related topics is crucial. It is why I see blogging and using social media to be an important part of my work as a trauma therapist. By speaking out about trauma and its impact I hope to support those who must live with it and to educate those who do not yet understand. […]
Realize that nature vs. nurture is a false dichotomy. Our environment (how we are nurtured) effects our brain chemistry. “Chemical imbalances” as the cause of psychological problems rarely exist in a vacuum.
siehe auch:
- EMDR - Ein Weg aus dem Trauma mit dem Primärziel der Belastungs-Senkung (Inzest und sexueller Missbrauch: UTUs Texte)

siehe auch:
- Stigmatisierung (Wikipedia)
Zur Stigmatisierung gedacht waren ursprünglich echte Leibesstrafen zum Zweck der öffentlichen Ächtung, wie bis in die Neuzeit hinein das Scheren der Haare (für Hurerei) oder des Bartes oder das Abschneiden der Ohren (für Ehrverlust), heute noch manchenorts im Rechtskreis der Scharia das Abschlagen einer Hand (für Diebstahl). In Frankreich wurden Galeerensträflinge oder Deportierte mit der französischen Lilie lebenslang gebrandmarkt. Ein bekanntes Beispiel des 20. Jahrhunderts war während der Zeit des Nationalsozialismus die Kennzeichnung von Häftlingen in mehreren Konzentrationslagern durch Eintätowierung einer Häftlingsnummer auf dem linken Arm.
Das soziale Stigma als Brandmal kennzeichnet somit ein Auffälligkeitsmerkmal, das als Ausdruck der Abwertung Einzelner oder von Gruppen Ursache und Folge sozialer Randständigkeit sein kann.
Daher sind in der Regel sogenannte Randgruppen betroffen, die gemeinsame, negativ bewertete Merkmale haben, durch die sie von anderen Mitgliedern der Gesellschaft unterschieden werden (siehe auch VorurteilKlischee). Daraus ergibt sich ein Teufelskreis: Randgruppen werden stigmatisiert, Stigmatisierung führt zu Ausgrenzung und Randgruppenbildung.
Patrick Stewart's Father Unknowingly Suffered From Shell Shock - Who Do You Think You Are [4:07]

Veröffentlicht am 10.02.2014
Patrick Stewart is presented with a newspaper article from the very newspaper he would be working for as a junior reporter 15 years later. The article explains his fathers return from Cherbourg of which he is titled 'Sergeant' Alfred Stewart. As well as his new rank Patrick soon learns about his father's acquired shell shock. This intrigues Patrick as to the impact shell shock might have had on his father's domestic life. 

Subscribe to the Who Do You Think You Are? channel for weekly updates and more: http://www.youtube.com/channel/UCC615...

siehe auch »Kriegszitterer« (Post vom 26.09.2012)

Sonntag, 13. Dezember 2015

Wozu brauchen wir eigentlich Führung?

Gute Frage. Denn aktuell sieht es rund um das Thema Führung in vielen Unternehmen nicht besonders rosig aus. "Mein Chef kotzt mich an.", "Mein Chef nervt!", "Der mischt sich immer und überall ein - obwohl er keine Ahnung hat.", "Der interessiert sich nur für seine eigenen Zahlen, nicht aber für meine Weiterbildung." Wollmilchsau hat hierzu einen provokativ guten Beitrag verfasst "Darf ich vorstellen: Unser Feelbad Manager." Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland fühlt sich durch seinen Chef mehr demotiviert als motiviert. Hier mal ein kurzer Podcast zum Thema. Besonders junge Leute stehen dem Thema Führung etwas skeptisch gegenüber: sie wollen sich nicht führen lassen und haben selbst auch keine Lust auf Führung (zumindest wird uns das recht häufig nachgesagt). Statt uns dafür zu verurteilen, ist es doch viel spannender, zu verstehen, was sich hinter dieser Skepsis möglicherweise verbirgt.
mehr:
- Wozu brauchen wir eigentlich Führung? (Steffi Burkhart, Huffington Post, 26.06.2014)

Generation Y trifft Handel und Industrie [16:02]

Veröffentlicht am 10.03.2015
Key-Note von Steffi Burkhart zu den Ansprüchen der Generation Y an die Arbeitswelt auf der Verleihung des Wissenschaftspreises 2015 von EHI Stiftung und GS1 Germany
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GEDANKENtanken: Dr. Steffi Burkhart mit "Generation Y – Moderne Ansprüche an die Arbeitswelt" [24:03]

Veröffentlicht am 11.08.2014
Wer auch mal bei unseren Events & Rednernächten dabei sein will, wir touren deutschlandweit! Alle Termine, Infos & Tickets hier: http://www.gedankentanken.com/events

Wie die neue Generation wirkich tickt, welche Potenziale in ihr stecken, welche Forderungen sie an Arbeitswelt und Führung stellt und wie Sie sie ans Unternehmen binden und langfristig halten können, erklärt Steffi Burkhart uns genau. Sie ist Seminarentwicklerin und Akademie-Leiterin bei GEDANKENtanken, erfolgreiche Autorin und Bloggerin, u.a. Projekt “Generation Why – How we see the world” und Gastbloggerin bei Huffington Post Deutschland.  http://www.generation-why.org
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Die GEDANKENtanken-Experten gehören zu den besten Ihres Fachs und bieten Ihnen praktisches, aktuelles und wichtiges Wissen, Ideen und Impulse zu den Themen Gedächtnistraining, Führung, Psychologie, Vertrieb, Kreativität, Motivation, Kommunikation, und vieles mehr. Das alles unterhaltsam präsentiert, damit Sie gerne dazulernen und garantiert Erfolg haben.

Und um die vielen spannenden Themen zu vertiefen, können Sie Ihr Wissen bei unserer online Akademie erweitern: http://www.gedankentanken.com/akademie/
Und bei Facebook finden Sie uns natürlich auch: https://www.facebook.com/GEDANKENtanken

NEU: Werden Sie selbst Trainer! Ab Oktober 2014 im einsemestrigen Studiengang zum Management Trainer: http://www.gedankentanken.com/akademi...

siehe auch:
- Beitrag 55: Menschen brauchen Führung (Alexander von Lützow, Siemann Personalentwicklung, Datum unbekannt)
- Brauchen wir Führung? Gespräche mit Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kunst, Kirche, Sport und Militär (Rolf van Dick, Goethe-Universität Frankfurt, 2013, PDF)
- Warum wir weder “Erziehung” noch “Führung” brauchen … (Martin Bartonitz, Faszination Mensch, 19.02.2015)
- Die 6 größten Illusionen, die uns in der Matrix gefangen halten (Martin Bartonitz, Faszination Mensch, 11.04.2015)