Mittwoch, 23. September 2009

Nansen und die Sichel

Eine der Geschichten, die hier von Nansen (Nan-ch'üan P'u-yüan, 748-834) berichtet wird, erklärt treffend die Haltung eines Meisters dem Leben gegenüber und gibt uns selbst heute noch ein gutes Beispiel, das uns Zen-Leben lehrt. Ich liebe diese Geschichte sehr und empfehle den Lesern, gerade diese beim Zen-Studium im Gedächtnis zu behalten.

Als Nansen auf dem Feld arbeitete und Gras mit seinen Mönchen schnitt, fragte ihn ein vorbeikommender Mönch: »Wo geht der Weg zum Nansen-Kloster?« Der Wandernde wußte natürlich nicht, daß der Mann, den er fragte, der Meister Nansen selbst war. Dieser hielt seine Sichel lässig hoch und sagte: »Ich zahlte 30 Geldmünzen dafür!«, als ob er die Frage des Mönches nicht gehört hätte. Es muß nicht betont werden, daß der Meister vom Nansen-Kloster genau wußte, was der Wanderer hören wollte, aber er wollte ihm vor allem klarmachen, daß die Beschäftigung mit Zen keine Anhäufung von abstrakten Kenntnissen ist oder Erfahrung auf den Abwegen philosophischer Gespräche bedeutet. Zen ist praktisches Leben in diesem Augenblick. Deshalb führt der Pfad zum Nansen-Kloster nicht über philosophisches Verständnis, sondern über die Wirklichkeit der Sichel in der Hand.

Wir können voraussetzen, daß der wandernde Mönch keineswegs ein Zen-Anfänger war, sondern schon über bestimmte Erfahrungen verfügte. Deshalb wollte er hören, was Nansen weiter sagen würde, und fuhr fort: »Ich habe nicht nach dem Preis deines Werkzeuges gefragt, ich wollte den Weg zu Nansen erfahren.« Erneut überging der Meister offensichtlich die Frage, zumindest im wörtlichen Sinn, und sagte: »Sie schneidet sehr gut.«



Aus dem Vorwort von Daisetz T. Suzuki zu dem Buch »Zen in Gleichnis und Bild« von Zenkei Shibayama ( O. W. Barth Verlag, München, 2000, S. 11 )  

Dienstag, 22. September 2009

Resilienz, Reddemann-Tips, Kritik

Resilienz (von lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind Entstehung von Gesundheit (Salutogenese), Widerstandsfähigkeit (Hardiness), Bewältigungsstrategie (Coping) und Selbsterhaltung (Autopoiesis).Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit (Vulnerabilität). 
[Resilienz (Psychologie), Wikipedia, abgerufen am 24.08.2016]
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Der Begriff Resilienz wurde in den 1950er Jahren vom Psychologen Jack Block in die Psychologie eingeführt.[6] Resilienz wird jedoch häufig mit dem Namen der US-amerikanischen Forscherin Emmy Werner und dem ihrer Kollegin Ruth Smith verbunden. Werner legte 1971 eine Studie über die Kinder der Insel Kauai vor, die als eine der Pionierstudien zum Thema Resilienz gilt. Im Rahmen dieser wurden 698 Kinder des Jahrgangs 1955 aus schwierigen Verhältnissen von ihrer Geburt an über 40 Jahre beobachtet und getestet. Ein Drittel dieser Kinder wuchs trotz erschwerter Bedingungen zu lebenstüchtigen Erwachsenen heran, wobei die Resilienz sich im Zeitablauf und unter verschiedenen Umweltbedingungen veränderte. Werner zog daraus den Schluss, dass Resilienz erlernbar ist. Ihre Studie war jedoch nicht die erste zum Thema Resilienz. Sie selbst macht in ihrem Buch The children of Kauai bereits auf andere Studien zum gleichen Thema aufmerksam.[7][8]
Norman Garmezy wird oft als „Großvater der Resilienztheorie“ bezeichnet, weil er in den 1960er Jahren entdeckte, dass sich viele Kinder schizophrener Eltern zu erfolgreichen, glücklichen Erwachsenen entwickelten.[9] Seine engste Mitarbeiterin Ann Masten führte an der Universität von Minnesota Garmezys Arbeit weiter. Masten bezeichnete Resilienz als „gewöhnliche Magie“ und sagte: „Wir sind in einem Maß reprogrammierbar, wie es sich die Resilienzpioniere nicht einmal vorstellen konnten. Wir sind dynamische Systeme; wir können uns verändern.“[10]
Ein weiterer Pionier war der US-amerikanische Soziologe und Psychologe Glen Elder. Er stellte fest, dass in den USA viele Kinder der Armut der Dreissigerjahre entkommen konnten. Gute familiäre Beziehungen und kulturelle Faktoren würden die Resilienz begünstigen und fördern. Der französische Ethnologe, Neurologe und Psychiater Boris Cyrulnik, der kamerunische Erziehungswissenschaftler an der Universität in Hamburg Louis Henri Seukwa, die deutsche Pädagogin Corina Wustmann, die indische Psychologin an der staatlichen Universität in Arizona Suniya S. Luthar und viele weitere Forscher haben sich intensiv mit Resilienz beschäftigt.
Im Zuge der Flüchtlingswellen, die seit den 1990er Jahren in Europa, Afrika und Nahost zu verzeichnen sind, spielt neben der Trauma- die Resilienzforschung eine immer größere Rolle, weil sie individuelles und soziales verantwortliches Handeln miteinschließen. Intakte soziale Beziehungen, Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung sind für die Resilienz von Bewohnern der Herkunftsländer von großer Bedeutung.[11][12]  
[Resilienz (Psychologie), Ergebnisse der Resilienzforschung, Wikipedia, abgerufen am 24.08.2016] 
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siehe dazu auch:
Resilienz fördern: Kostenlose Downloads mit Übungen (Verfasser unbekannt, resilienz-onlinetraining.de, eingestellt 27.11.2018 – PDF)
Resilienz – Widerstandsfähigkeit im Beruf (Ella Gabriele Amann, Resilienz-Forum, Universität Hamburg, Dezember 2011 – PDF)
Resilienz – Definition und Merkmale (Verfasser unbekannt, Reinhardt-Verlag, Leseprobe, undatiert – PDF)
- „Resilienz“ – Was Kinder stark macht (Michaela Sit, Dorner-Verlag, Bildungsserver Rheinland-Pfalz – Gesundheitsförderung, undatiert – PDF)
Menschen mit einer starken Resilienz
(Resilienz = Fähigkeit, mit großen Belastungen umzugehen)
- kehren rascher in eine positive Grundstimmung zurück
- interpretieren Belastungen als Herausforderung


»Wir haben die Wahl ob wir in der Positivität erblühen oder durch Negativität verwelken.«



Tips zur Ausbildung von Resilienz:
- negative Gedanken nicht für Schicksal halten sondern hinterfragen
- sich mit dem Leben befreunden anstatt dagegen anzukämpfen
- Grübeln und negatives Wiederkäuen erkennen und unterbinden
- Dingen eine positive Bedeutung geben
- achtsam werden, innere Minen erkennen und entschärfen
- weniger darauf achten was man tut sondern mehr darauf, wie man es tut
- einen Ersatz für Klatsch und Sarkasmus finden
- sich selbst, den eigenen Körper und die eigene Seele schätzen und pflegen
- die eigenen Stärken erkennen und kultivieren
- nicht alles praktizieren, was möglich ist sondern das, was man hat, kultivieren
- Diät des Medienkonsums
- sich mit der Natur verbinden
- Gutes auskosten
- gute Dinge erkennen, schätzen und Dankbarkeit empfinden
- mit anderen verbinden und austauschen
- freundlich sein, zu sich und zu anderen
- einen offenen Geist und ein offenes Herz entwickeln und regelmäßig meditieren


Immer wieder fragen und eine Antwort darauf suchen (V. Frankl):

»Was will das Leben, was ich mit dem, was da jetzt ist, anfangen soll?«

aus dem Vortrag von Luise Reddemann beim HAPP am 26. August 2009

Die Macht der Kränkung [1:19:43]


Veröffentlicht am 23.02.2016
Nahezu jedem menschlichen Problem liegen Kränkungen zugrunde. Kränkungen greifen unsere Selbstachtung, unser Ehrgefühl und unsere Werte an. Sie treffen uns im Innersten, können uns aus der Bahn werfen, uns krank machen und sogar zu den grausamsten Verbrechen und Kriegen führen. Kein Streit, kaum ein Konflikt und nur wenige Krisen, die nicht auf Kränkung zurückzuführen sind. Kränkungen trüben das Lebensglück, lösen mannigfaches Leid aus, stoßen Menschen in Bitternis und bestimmen viele Schicksale. Anhand ausgewählter Beispiele aus der Historie und der Praxis veranschaulicht der Arzt und Psychotherapeut Reinhard Haller, welche Macht Kränkungen über uns ausüben können. Er spricht auch darüber, wie es gelingen kann, an seelischen Verletzungen nicht nur zu wachsen, sondern auch die eigene Persönlichkeit zu stärken.

Resilienz, innere Stärke [1:08:32]

Veröffentlicht am 14.10.2015
Für viele Menschen sind die Anforderungen des modernen Lebens eine Zumutung und Überforderung. Zeit- und Termindruck, hohes Tempo, schneller Wandel, viele Wahlmöglichkeiten, extreme Individualisierung münden nicht selten in Erschöpfung, in psychische und psychosomatische Krankheiten. In seinem Vortrag beleuchtet Univ.-Prof. Wilfried Biebl die Hintergründe der psychischen Voraussetzungen für gute Problembewältigung.

3Sat scobel Talkrunde: Was die Seele stark macht - Resilienzforschung [1:01:10]

Veröffentlicht am 08.07.2014
Talkrunde vom 16.01.2014
Was die Seele stark macht - Resilienzforschung
http://www.3sat.de/scobel

Talkgäste:
Klaus Fröhlich-Gildhoff, Psychologe und Pädagoge
Judith Glück, Psychologin
Raffael Kalisch, Humanbiologe und Neurowissenschaftler

Mit der Frage "Was die Seele stark macht" befasst sich seit etwa 50 Jahren die Resilienzforschung. Sie untersucht, welche Fähigkeiten und Einstellungen den Menschen Krisen gut überstehen lassen.
Genetiker sprechen von einer Erbanlage, Bindungsforscher von Vertrauensbildung und Selbstwertgefühl, die sich in den ersten Lebensjahren entwickeln müssen. Aber zur Resilienz gehört mehr: Sie ist nicht unumstößlich schicksalhaft gegeben, sondern umfasst auch Techniken und Strategien, die erlern- und trainierbar sind.

Die Wissenschaft der Gedankenführung im Internet:
Homepage: http://xn--gedankenfhrung-osb.info

Facebook: https://www.facebook.com/gedankenfueh...
Twitter: https://www.twitter.com/FelixBrocker
Google+: https://plus.google.com/1020359327368...
Pinterest: http://www.pinterest.com/gedankenkraft

Der Neoliberalismus in der Psychotherapie (Klaus Ottomeyer) [28:35]

Veröffentlicht am 09.06.2015
Klaus Ottomeyer (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) referiert unter dem Titel: "Der Neoliberalismus in der Psychotherapie … und wie man ihn bekämpfen kann".
Bericht und Video-Dokumentation des Symposiums: https://www.medico.de/fit-fuer-die-ka...
Der Resilienzdiskurs in der Politik und in der Hilfe. 10jähriges Jubiläum der stiftung medico international und Symposium am 5. und 6. Juni 2015.
Ein neuer Stern am Himmel von Pädagogik und Psychologie, aber auch der Organisationsberatung, in der Entwicklungszusammenarbeit, ja selbst in der Sicherheitspolitik scheint aufgegangen zu sein: das Resilienzkonzept.
Wer heute das Wort Resilienz googelt, stößt auf bald 480.000 Einträge: Resilienz in der Erziehungsberatung, Resilienz in der Traumabehandlung, Resilienz in den einschlägigen Ratgeberspalten der Yellow Press, Resilienz aber auch in der Frage des Aufbaus von Gesundheitsdiensten in Westafrika, in den Trainingskursen für Führungskräfte, beim Schutz vor Klimawandel und kriegerischer Gewalt. Fast scheint es, als wäre ein Allheilmittel gefunden gegen all die Krisen und Probleme, denen Menschen in der heutigen Welt ausgesetzt sind.
Die stiftung medico international, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum begeht, will sich mit ihrem diesjährigen Symposium kritisch mit dem Konzept auseinander setzen. Denn bei genauer Betrachtung entpuppt sich die Resilienz-Idee vielleicht auch als Teil jener neoliberalen Hegemonie, zu deren Wesen es eben auch zählt, gesellschaftliche Verantwortung in die Sphäre des Privaten abzudrängen.
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Homepage: https://www.medico.de/
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Online-Spenden: https://www.medico.de/spenden

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Resiliente Personen besitzen die Fähigkeit, Möglichkeiten dort zu ergreifen, wo sie sich bieten. Doch dort, wo sich keine Möglichkeiten bieten, z. B. in wirtschaftlichen Dauerkrisen, sind selbst resiliente Personen machtlos. Elder warnt unter Bezug auf die Folgen der Großen Depression in den Jahren nach 1929: […] not even great talent and industry can ensure life success over adversity without opportunity (dt: nicht einmal großes Talent und Fleiß gewährleisten das Besiegen von Widrigkeiten, wenn die Gelegenheit fehlt).[63]
Kritiker wie Klaus Ottomeyer oder Thomas von Freyberg sehen in der allgegenwärtigen Verwendung des Resilienzbegriffs einen Hinweis auf die Tendenz zur Individualisierung gesellschaftlicher Risiken und zur Privatisierung sozialer Verantwortung. Ottomeyer spricht sogar vom „Neoliberalismus in der Psychotherapie“.[64] Der Resilienz-Hype suggeriere, dass ein Allheilmittel gegen Krisen und Probleme aller Art gefunden worden sei.
Die Kritik am Umgang mit dem Resilienz-Begriff sieht das Problem nicht in der Stärkung der Widerstandskraft der Menschen und der Unterstützung von Personen, sich vor Katastrophen zu schützen; jedoch in der damit einhergehenden Tendenz, gewaltsame Verhältnisse als gegeben zu akzeptieren und lediglich einen Umgang damit zu finden.[65] Dies führe dazu, so die weitere Kritik auf einer Tagung zum Thema „Fit für die Katastrophe? – Der Resilienzdiskurs in Politik und Hilfe“, organisiert von medico international, dass die Belastung und strukturellen Probleme aus dem Fokus geraten und als gegeben angenommen werden. Somit tritt eine Veränderung und Bekämpfung der bestehenden oder aufkommenden Probleme und der Ursachen in den Hintergrund. Dies unterstützt eine Tendenz der Entlastung politischer Akteure an der Bearbeitung und Vermeidung der Ursachen, hin zu einem individualisierten Umgang der Einzelpersonen mit den Symptomen.[66] Somit stabilisiere sie eher die prekären bzw. gewaltvollen Verhältnisse, welche potenziell zu Traumata führen, anstatt sie zu bearbeiten.[67] [Resilienz (Psychologie), Grenzen der Resilienz und Kritik des Ansatzes, Wikipedia, abgerufen am 24.08.2016, Hervorhebungen von mir]
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siehe auch:
- Kritik der Resilienz (Jan Slaby, 12/15)
- Kritik der Resilienz – Kehrseiten einer Begriffskonjunktur, (Jan Slaby, EOS-Klinik, 20.06.2015, PDF)

Die Mittel des Trostes sind es gewesen, durch welche das Leben erst jenen leidvollen Grundcharakter,
an den man jetzt glaubt, bekommen hat;
die größte Krankheit der Menschen ist aus der Bekämpfung ihrer Krankheiten entstanden,
und die anscheinenden Heilmittel haben auf die Dauer
Schlimmeres erzeugt, als Das war,
was mit ihnen beseitigt werden sollte. 
[Nietzsche, Morgenröthe I.52, zit nach Slaby]
Verleitung zur Unruhe – Zur Hölle mit den Optimisten [1:52:47]

Veröffentlicht am 20.05.2016
Verdrängen viele von uns nur ihr Leid? Können wir dem demonstrativen Optimismus der postmodernen Menschen wirklich Glauben schenken, oder ist er die Folge eines weitverbreiteten Selbstbetrugs? Verbirgt sich hinter der Wortfassade der zuversichtlichen Rede nicht möglicherweise Angst und Verzweiflung? Empirische Daten zeigen: Viele von uns sind krank, überfordert, erschöpft, leer und gefangen in einem Sinnvakuum. Aber gleichzeitig wissen sie auch, dass sie ihr Leiden nicht zeigen dürfen, denn nur der Gesunde, der Zuversichtliche, der lachende Optimist hat einen Platz als vollwertiges Mitglied in der Gemeinschaft der Erfolgreichen, der Gewinner, der Zukunftstauglichen. Der Vortrag und das Buch von Bernhard Heinzlmaier sollen dabei behilflich sein, Taktiken zu entwickeln und anzuwenden, sich vom Zwang des lachenden Gesichts, des zustimmenden Nickens zu befreien. Denn der persönliche Optimismus ist den Menschen unserer Tage aufoktroyiert.

Perfekt oder menschlich? Vom Zwang, immer besser zu werden (Sternstunde Philosophie vom 24.2.2014) [54:59]

Veröffentlicht am 24.02.2014
Menschsein ist dehnbar: Dank medizinischer und technologischer Fortschritte werden die Menschen immer perfekter. Doch ist perfekt in jeder Hinsicht besser? Jürgen Wiebicke meint Nein und plädiert im Gespräch mit Barbara Bleisch für einen entspannten Umgang mit Leistung und Fitness.
Die Menschen leben hierzulande in einer Leistungsgesellschaft. Ist das gut oder schlecht? Wer viel leistet, wächst über sich hinaus und nutzt seinen Gestaltungsspielraum. Doch der Leistungsdruck kann auch in Erschöpfung münden. Bis zu welchem Grad ist Perfektionismus wünschenswert? Und sollen die Menschen mit Medizin und Technik die Grenzen des Menschenmöglichen dehnen?
Jürgen Wiebicke, Moderator des «philosophischen Radios» auf WDR 5, kritisiert den Zwang zur Optimierung und fordert, dass die Menschen so bleiben dürfen, wie sie sind - ein Gespräch über Fluch und Segen des Perfektionismus.
Homepage Sternstunde Religion: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur

Arno Gruen - Leben als Original (Sternstunde Philosophie, 7.6.15) [56:46]

Veröffentlicht am 08.06.2015
Der Psychoanalytiker und Schriftsteller Arno Gruen publiziert auch noch mit über neunzig Jahren Buch um Buch. Ob er über Terrorismus schreibt oder wider blinden Gehorsam – stets geht es Gruen darum, dass der Mensch zu sich und zu seinen wahren Gefühlen findet. Mit Arno Gruen spricht Juri Steiner.
Mit Nachdruck und Engagement argumentiert der 1923 in Berlin geborene und in Zürich lebende Arno Gruen gegen jede Form von Knechtschaft und für das freie Fühlen und Denken.
Juri Steiner fragt ihn, was normal ist, wie man geistige Unabhängigkeit fördern und Freiheit verteidigen kann. Arno Gruen erzählt von Elternliebe, dem Mut des Alters, der Schönheit der Literatur und seiner Freundschaft zum amerikanischen Autor Henry Miller.
Homepage Sternstunde Philosophie: http://www.srf.ch/sendungen/sternstun...
Mehr Kultur: http://www.srf.ch/kultur
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siehe auch:


zuletzt aktualisiert am 18.03.2019

Samstag, 22. August 2009

Ja, ich kann

Selbstbild, Selbstbejahung und nachhaltige Leistungsfähigkeit

Untersuchungen zum Einfluß von positiven und negativen Affirmationen auf die Leistungsfähigkeit.

kostenloser Download der PDF-Datei bei Schattauer

Mittwoch, 24. Juni 2009

Körperkunde – Zeig mal her


Ist an der Vulva wirklich genug dran, um mit ihr ein ganzes Buch zu füllen? Mithu M. Sanyal versucht es.

Rezension von Sigrid Neudecker auf ZEIT-Online.

Dienstag, 23. Juni 2009

Sexuelle Verwahrlosung – Der Kampf um die Kinderseelen

Ein 11-jähriges Mädchen fragt, ob es noch normal ist:„Ich hatte noch nie Sex.’
Auf dem Schulhof küssen sich Pärchen nicht mehr, weil sie das im Porno nicht gezeigt bekommen, Zwölfjährige haben Gruppensex, Partnerwechsel ist unter Teenagern eine sportliche Herausforderung.


Was Bernd Siggelkow, Jugendpastor und Gründer des Berliner Jugendwerks „Arche”, und der Sprecher der Einrichtung, Wolfgang Büscher gehört haben, ist erschütternd. Im Berliner Problem-Bezirk Hellersdorf sprachen die beiden Autoren mit mehr als 80 Jugendlichen über Pornografie, sexuelle Erfahrungen und die Begebenheiten im elterlichen Schlafzimmer. 30 Geschichten von Jugendlichen werden in dem Buch „Deutschlands sexuelle Tragödie” nacherzählt.

Die Arche ist eine Art Ersatzfamilie für viele Jugendliche in Berlin-Hellersdorf. Es gibt dort eine warme Mahlzeit, Platz zum Spielen, Aufmerksamkeit von Erwachsenen, die Möglichkeit, Gespräche zu führen. Das alles in einer Umgebung, die den Jugendlichen keine Perspektive bietet. Viele sind Schulabbrecher, selbst die mit einem Schulabschluss haben so gut wie keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Der Weg in das Erwachsenenleben führt für diese Jugendlichen über Sex. Andere Aufstiegsmöglichkeiten haben sie nicht.

Erschütternde Geschichten

Die Mutter einer 12-Jährigen erzählte, wie sie ihre Tochter regelmäßig los schickt, um Jungen mit nach Hause zu bringen. Gemeinsam haben sie dann mit den Jungs geschlafen und anschließend Partner getauscht. Bernd Siggelkow hat in der Arche einen Liebesbrief einer Neunjährigen an einen zehnjährigen Jungen gefunden, in dem sich das Mädchen mit allem anbietet, was sexuell möglich ist. Die alarmierten Eltern fanden nichts dabei: „Es ist doch nur Sex. Ist doch ganz normal” Wenn Kinder im emotionalen Notstandsgebiet aufwachsen, hat das Folgen: Ein Junge erzählt von einem Streich während der Love-Parade. Sämtliche Kondome, die er und seine Kumpels vom Wagen warfen, hatten sie vorher mit einer Nadel durchstochen. Der Junge fand das komisch. Am Ende erzählte er Siggelkow, dass er mit 15 Jahren mit seiner Mutter in ein Frauenhaus geflohen war und dort von einer anderen Mutter verführt worden war.

Elternhaus? Fehlanzeige!

Wenn Siggelkow mit den Eltern der Arche-Kinder spricht, dann fast immer mit Müttern. „Väter gibt’s hier nicht.” In der Unterschicht haben sich die Beziehungen längst verändert: Die Männer sind nicht mehr Ernährer der Familie, der Staat springt ein und macht es den Partnern leicht, sich zu trennen. Nur 30 % der Väter und 10 % der Mütter haben eine Berufsausbildung. Ohne Schulabschluss und ohne Berufsausbildung gibt es keine realistische Chance auf einen Job. Auf den ökonomischen Niedergang folgt die emotionale Verwahrlosung.

Wenn die Eltern nicht mehr Vorbilder ihrer Kinder sind, suchen sich die Jugendlichen andere Idole – im Internet oder unter Porno-Rappern.

Mädchen lernen von ihren Müttern: Es gibt keine Chance, Anerkennung zu erfahren, außer durch Sex. Pastor Siggelkow trifft Mütter, für die Sex das absolute Highlight ihres Lebens ist. Meistens das einzige. „Sex wird das, was für andere der Beruf ist, das Studium, der Sport oder das Spielen eines Instruments – die Möglichkeit, den eigenen Ehrgeiz auszuleben und zu befriedigen", schreibt das Magazin „Stern” im Artikel „Voll Porno!” im Februar 2007.
Der Stern-Artikel war Auslöser für die Autoren, das Buch zu schreiben. Die Jugendlichen aus Problembezirken, so Siggelkow und Büscher, sind durch das enthemmte Verhalten ihrer Eltern von „sexueller Verwahrlosung” bedroht. Viele Kinder, vor allem die der „sogenannten Unterschicht”, hätten schon früh ein Drehbuch zum Sex im Kopf: „Das Gefühl, nichts wert zu sein, führt diese Menschen schnurgerade dahin, Bestätigung in der Sexualität zu suchen”, erläutert Siggelkow.

Hintergrundmusik zur Verwahrlosung

Es gibt aber noch mehr Faktoren: Der Nachmittagsmüll im Privatfernsehen, Talkshows mit Live-Vaterschaftstests, dazu leicht zugängliche Pornos im Internet und Musik, mit der etwa das Label „Aggro Berlin” die Welt verseucht hat. Bushido, Sido und Frauenarzt – das sind Porno-Rappen, die Idole von Jugendlichen sind, weil viele ihrer Titel nicht im Radio gespielt werden, weil sie auf dem Index stehen. Sido beschreibt in dem Song, der ihn bekannt machte, die anale Vergewaltigung eines Mädchens, der Text von Bushidos „Gang-Bang” ist hier nicht zitierbar, Frauenarzt brüllt Vergewaltigungsphantasien ins Micro. Die Kinder hören so etwas dennoch, auf dem Schulhof wird mit Bluetooth-Technik von Handy zu Handy getauscht. Das Label „Aggro Berlin” hat seine Aktivitäten im April 2009 eingestellt, aber nicht aus Einsicht: „Heute, neun Jahre später, haben die Gründer und Künstler von Aggro Berlin alles erreicht, was in diesem Rahmen möglich ist”, ist auf der Internetseite nachzulesen.

Bernd Siggelkow hat durch seine langjährige Arbeit mit Jugendlichen und Kindern in den Problembezirken das nötige Vertrauen erworben, um solche Gespräche zu führen, die in dem Buch aufgezeichnet sind. Der Pastor Siggelkow und der Journalist Büscher beschreiben die Lebenswelt der Kinder und die Verhältnisse in den Elternhäusern. Aber Lösungsvorschläge zielen nur auf die Kinder ab. Die Mütter und Väter in den sozialen Brennpunkten haben die Autoren bereits aufgegeben.

Stefan Lummer

aus Der Allgemeinarzt 10/2009

Dazu auch ein Artikel in der Augsburger Allgemeinen


Mittwoch, 17. Juni 2009

Mimik löst Gefühle aus

Wer zornig ist, dem ist dies meist schon am Gesicht abzulesen. Gibt es auch ein Feedback vom Ausdruck zum Gefühl? Schon Charles Darwin vertrat die Hypothese, dass die mimische Expression von Emotionen eben diese verstärkt. Wie immer, hat er auch damit Recht behalten.

Eine Münchener Arbeitsgruppe suchte nach einer morphologisch-physiologischen Basis für das »faziale Feedback«. Bekannt war bereits gewesen, dass die gewollte Imitation eines ärgerlichen Gesichtsausdrucks limbische Regionen wie die Amygdala, ein Gefühlszentrum, aktiviert. Die Forscher behinderten nun bei Probanden die Aktivierung des Gesichtsausdrucks mit Injektionen von Botulinumtoxin in Muskeln, mit denen man die Stirn runzelt. Mittels funktioneller Kernspintomographie wurde tatsächlich gezeigt, dass bei reduzierter Mimik diese Aktivierung schwächer ausfällt, der afferente Input also vermindert wird. Mimik macht Gefühle.

Menschen neigen dazu, unbewusst die Mimik ihres Gegenübers zu imitieren. Dadurch werden offenbar auch die zugehörigen Emotionen übertragen. Es findet also ein sozialer Transfer von Gefühlen statt ganz ohne Worte. WE

HennenlotterA et al.: The link between facial feedback and neural activity within central circuitries of emotion – new insights from botulinum toxin-induced denervation of frown muscles. Cereb Cortex 19 (2009) 537 -542
aus Praxis-Depesche 5/2009


zzz
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Dienstag, 16. Juni 2009

Sexualität von Frauen in mittleren Jahren – Lieber ein junger Liebhaber

Die verschiedenen Determinanten des Sexuallebens schwächen sich mit dem Altern bei Mann und Frau ab; dieser Prozess ist dennoch verschieden zwischen den Geschlechtern. Was dabei für Frauen ins Gewicht fällt, versuchte eine brasilianische Arbeitsgruppe zu klären.

Teilnehmer waren in Brasilien geborene Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren. Von 378 ursprünglichen Teilnehmerinnen erteilten 219 die nötigen Auskünfte. Beurteilungsinstrument war das Short Personal Experiences Questionnaire. Der mittlere Score betrug 9. Werte darunter registrierte man bei Frauen, die mit ihrem Partner zusammenlebten, die sich in den Wechseljahren oder in der Postmenopause befanden und die eine Hypertonie hatten.

Der Aspekt des Zusammenlebens konnte weiter aufgeschlüsselt werden. Er spielte dann keine Rolle, wenn der Partner selbst keine sexuellen Probleme hatte und wenn es sich bei dem Partner um einen Liebhaber handelte, mit dem Sex Spaß machte und für den positive Gefühle bestanden. Abträglich waren Alter des Partners über 50 und Dauer der Partnerschaft von mehr als 20 Jahren.

Dass die Routine, die sich nach langem Zusammenleben einstellt, die Sexualität beeinträchtigt, hatten auch schon andere Autoren gefunden. WE

Valadares AL et al.: The sexuality of middleaged women with a sexual partner: a populationbased study. Menopause 15 (2008) 706-713
aus Praxis-Depesche 1/2009