Montag, 18. Juni 2018

KenFM im Gespräch mit: Michael Meyen ("Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand")

KenFM im Gespräch mit: Michael Meyen ("Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand") {1:33:58}

KenFM
Am 03.05.2014 veröffentlicht 
Was braucht man für eine gute Fußball-Berichterstattung?
„3 Medienheinis, die mit den Spielern die fünf Antworten auswendig lernen, die auf die drei möglichen Interviewanfragen gegeben werden können.“ Was das Satiremagazin TITANIC hier locker-lässig als Witz formuliert hat, hat einen tieferen Kern. Gescripteter, abgesprochener Journalismus ist bei weitem nicht mehr nur Satire oder ausschließlich im Privatfernsehen zu finden. Vorgegebene, diktierte Meinungsmache ist real und begegnet uns beim Medienkonsum Tag für Tag.
Längst hat sich auch der politische Journalismus von der Wirklichkeit verabschiedet. Die Realität und unsere Haltung zu Putin, Trump, Kim und Merkel entstehen nicht einfach so, sie werden gemacht – und zwar von dem, was Presse- und PR-Agenturen schreiben und vor allem: was sie nicht schreiben.
Wie funktioniert das? Was muss seriöser Journalismus eigentlich leisten und wie unterscheidet er sich von klassischer Public Relations? Michael Meyen, ehemaliger Journalist und aktuell Kommunikationswissenschaftler an der LMU München, geht diesen Fragen auf den Grund.
In seinem Buch „Breaking News: Die Welt im Ausnahmezustand – Wie uns die Medien regieren“, beschreibt er, wie Werbung, Medien und Journalisten um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Er erklärt, wie einseitig die Gebührenzahler bei politischen Geschehnissen informiert werden und wie das große Theater, das uns tagtäglich von Tagesschau bis Weltmeisterschaft präsentiert wird, funktioniert. Er macht aber auch klar, dass wir uns mittels Achtsamkeit, Gehirn und eigenständigem Denken von diesen Manipulationen befreien können.
Haben wir erst einmal durchschaut, welche Rolle die Protagonisten auf der Theaterbühne des Journalismus spielen, welcher Journalist mit welchem Gehaltszettel eine Nachricht zur herrschenden Meinung und letztlich zu unserer eigenen Meinung macht, werden die Zusammenhänge klarer: Das Misstrauen steigt und die vielen Manipulationen verpuffen wie ein Abstoß ins Abseits.
Üben wir uns in Achtsamkeit. Lernen wir, die Dinge zu verstehen. Bestehen wir auf Transparenz. Und sehen wir die Weltmeisterschaft in Russland als eine Art Übung in Medienkompetenz. Auch das ist ein Weg zum Frieden.
5:0 für Russland. Vorhang auf.
Inhaltsübersicht:
0:06:24 Werbung muss sexy sein, Nachrichten auch
0:12:43 Sport –eine politische Bühne
0:22:03 Wirkung und Funktion von Journalismus, Presse & PR
0:30:40 Die Nachfrage nach PR-Jobs steigt
0:41:16 Was andere Journalisten über den aktuellen Zustand der Medien denken
0:54:03 Kontaktschuld und der "Raum des Sagbaren"
1:06:28 Der Kampf um die Deutungshoheit
1:15:43 Das Idealbild von Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft
1:26:32 Medien und Terrorismus
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Newsroom Ist Amerika das wunderbarste Land der Weld? {7:44}

kokot13BTB
Am 23.10.2013 veröffentlicht 

mein Kommentar:
Wenn Michael Meyen recht hat, wie kommt es, daß Harald Lesch – nur mit einer Tafel und einem Stück Kreide bewaffnet – solch einen Erfolg mit seiner Sendereihe auf Alpha Centauri haben konnte?

Alpha Centauri - Was ist der Urknall - Folge 38 {14:31}

TheLordOfDeath1000
Am 05.08.2012 veröffentlicht 
Alpha Centauri - Was ist der Urknall - Folge 38

"Die Menschheit schafft sich ab" Prof. Dr. Harald Lesch SWR {44:46}

antecerebri1
Am 10.05.2018 veröffentlicht 
Ein Video aus der Reihe Teleakademie des SWR - heruntergeladen am 10.05.2018 aus der Mediathek, gesendet vom TV am 06.05.2018


Samstag, 16. Juni 2018

Die Schönheit des Abgrunds

Die Christine-Westermannisierung der Literatur hat ihren Siegeszug angetreten. Erstens durch Buchverkäufe. Kitsch verkauft sich besser als Qualität. Denken ist anstrengend, tut bisweilen weh, Kitsch funktioniert wie Pornographie, allerdings nicht in der Hose, sondern links unter dem Hemd. Was sich verkauft, wird auch massenhaft produziert. 

#metoo

Bei diesem Thema kann man sich wunderbar die Finger verbrennen. Mangelnde Empathie wird der erste Vorwurf sein. Als vor einem halben Jahr die #metoo-Debatte durch die Welt schwappte, blieb ein Aspekt unbeantwortet, der aber sehr maßgeblich ist: könnte es sein, dass brillante Menschen eine dunklere Seite haben als Normalos?

Seit Jahren geistert ständig eine Statistik durch die Gazetten, dass nämlich unter Spitzenmanagern der Anteil von Soziopathen übermäßig hoch sei. Dies bestätigt die Klischees vom herzlosen Kapitalisten.

Aber Künstler?

Besonders interessant erscheint mir der Fall Kevin Spacey. Die Empörung schlug Wellen, dass er augenblicklich die Serie House of cards verlassen musste.

Das Genie und das Böse

Spacey dürfte, was den Legendenstatus angeht, zu den allergrößten Namen in der Geschichte von Hollywood gehören. Er spielte in the usual suspects ein sich als Trottel gebendes kriminelles Superhirn, das die verhörenden Polizisten mit erfundenen Geschichten manipuliert. In Se7en verkörperte er einen unauffälligen, aber brillant perversen Serienmörder und in American Beauty stellte er einen frustrierten Vorstadt-Papi in der Midlifecrisis dar. Der gemeinsame Nenner: seine Rollen waren immer von manipulativer Intelligenz, auch schon vor Darstellung des fiktionalen Präsidenten Underwood.

Und jetzt die #metoo-Debatte. Was hatten wir doch für ein Vergnügen, wenn die von Spacey dargestellten Figuren ihren dummen Kontrahenten den Schneid abgekauft hatten. Es war beinahe so schön, wie wenn Robert de Niros Antihelden anderen die Knochen brachen, ihren Kopf in einem Schraubstock zerquetschten oder ihnen Teile des Gesichts wegbissen. Da schmecken die Nachos, und die Brause auf dem Schoß waberte launig hin und her. Privat sind Schauspieler ja ganz bodenständige nette Kerle, oder? Wenn nicht, wären wir dann etwa Komplizen?

Was erlauben Spacey?

Ist eine charakterliche Düsterheit vielleicht gar ein struktureller Vorteil des Genies, nicht nur fiktional, sondern real?

Felder der vielschichtigen Genies

Neben dem auffällig langen Wegsehen in Hollywood – die Liste der mutmaßlich Übergriffigen wird länger, wobei die Vorfälle wahrscheinlich über Jahrzehnte reichen – ist für mich gar nicht die geheuchelte Empathie seitens des Publikums von Belang. Es interessiert mich nicht, ob Spacey schuldig ist. Empathie wird nie meine Sache sein, das vorweg. Auch die Binsenweisheit, dass große Erfolge immun gegen Kritik machen, scheint mir nur bedingt interessant zu sein. Es erscheint viel interessanter und vordergründig erschreckender, dass eben nicht nur in den hohen Etagen deutscher Unternehmen, sondern gerade auch im Bereich der Kreativen, der Künstler und Erfinder, Wunderbares auf dem Mist des Schrecklichen besser wächst. Verdanken wir vielleicht Erbauung und Fortschritt vornehmlich dunklen Neigungen? Was, wenn ja? War Einstein treu? Diente ihm seine Promiskuität als Triebfeder in Denkprozessen gar?

mehr:
- Die Schönheit des Abgrunds - Empathie Pornos (Hans-Martin Esser, The European, 04.06.2018)

siehe auch:
- „Wir wollen die Möpse sehen…!“ (Clemens Lukitsch, The European, 05.09.2014)

Montag, 11. Juni 2018

Freiheit und so…

In den Geistes- und Naturwissenschaften finden sich zahlreiche Erklärungsmodelle zum freien Willen. Der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert wirft einen Blick auf den Diskurs um die menschliche Willensfreiheit in Philosophie und Neurobiologie. 

»Die Gedanken sind frei« lautet ein bekanntes Volkslied. Aber sind sie das wirklich? Haben wir tatsächlich die Freiheit, das zu denken, was wir denken wollen?

Der Streit über diese Frage dauert nun schon Jahrhunderte. Platon glaubte, wenn es gelänge, dass die Vernunft über das Gefühl dominiert, könne der Mensch frei werden und sein Leben in Glück und Harmonie führen. Jean-Paul Sartre ging sogar von der absoluten Willensfreiheit aus und war überzeugt: »Der Mensch ist dazu verdammt, frei zu sein« – im Gegensatz zum Parkplatz. Schopenhauer wiederum hielt das für Quatsch und war der Meinung: »Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.«

Doch welcher dieser großen Denker hatte nun Recht? Wenn Sie einem Philosophen diese Frage stellen, dann wird er Sie in der Regel verwundert anschauen. »Wie? Wer Recht hat? Das ist eine vollkommen unphilosophische Frage.« 

Um herauszufinden, ob an Behauptungen etwas dran ist oder nicht, kommt man an den Naturwissenschaften nicht vorbei. Eines der ersten naturwissenschaftlichen Experimente zum freien Willen wurde 1979 von Benjamin Libet durchgeführt. Der Neurobiologe konnte nachweisen, dass in dem Moment, in dem wir willentlich beschließen, unseren Arm zu heben, unser Gehirn schon längst entschieden hat, diese Bewegung auszuführen. Ist etwa alles, was wir tun, neurologisch vorbestimmt? Sind wir lediglich ein komplizierter Chemiebaukasten auf zwei Beinen? Ein Molekülsalat, der sich hochnäsig einbildet, ein frei denkendes Wesen zu sein? Könnte ich also theoretisch meinem Nachbarn die Fresse polieren und danach sagen: »Ich bin nicht schuld. Die Biochemie hat angefangen …«?
mehr:
- Was wäre, wenn wir frei wären? (Vince Ebert, Spektrum, 09.06.2018)

Vince Ebert - Freiheit ist alles! - Teil 1 {44:47}

Am 25.08.2014 veröffentlicht 
gbs Koblenz
In Zeiten, in denen Karikaturen und Videos Massenproteste verursachen, tritt der Physiker und Kabarettist Vince Ebert mit einem ebenso schlauen wie lustigen Solo-Programm an die Öffentlichkeit: "Freiheit ist alles!" heißt sein Titel, und der ist durchaus wörtlich gemeint.
"Freiheit - ein spannender Begriff! Was genau ist das eigentlich? Ob der Dalai Lama, meine Oma oder David Hasselhoff - jeder hat da seine eigenen Vorstellungen!" beginnt Vince Ebert seinen gedanklichen Spaziergang durch die Geschichte des Freiheitsbegriffes. Dabei bückt er sich auch nach scheinbar Nebensächlichem, entdeckt auch bei Abwegigem Wichtiges für die Beschäftigung mit Freiheit.
Es ist ein großer Spaß, wenn Vince Ebert mit der Akribie eines Naturwissenschaftlers auf der Grundlage biblischer Quellen beweist, dass die Temperatur in der Hölle niedriger ist als im Himmel, wo doch Qualen unbekannt sein sollen - und die Freiheit schier grenzenlos. Es geht heiß her, wenn Vince Ebert zeigt, wie man sich frei machen kann vom Konsumzwang und wie man unabhängig wird vom Geld. Und der Humor wird schwarz, wenn Nichtraucher Vince Ebert sich auf offener Bühne eine Raucherzone einrichtet und bei einer Zigarette darüber nachdenkt, dass, wer solchermaßen die Freiheit sucht, allenfalls die Sucht findet.
"Freiheit ist alles!" ist kein Solo-Programm ausschließlich für Anders-, Frei- und Querdenker, sondern für alle, die selbst denken - und manchmal auch Joghurtgläser ungespült entsorgen. Was? Eben!
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Mittwoch, 30. Mai 2018

Gestalttherapie: Was ist ein Impasse-Erlebnis?

Fritz Perls hat sein Leben lang abstrahierendes Denken möglichst vermieden. Er hat sich bemüht zu beschreiben, was beobachtbar ist und möglichst im Beobachtbaren zu bleiben, wenn er Veränderungen angestrebt hat. Seinen Wahlspruch kennt ihr ja: Verliere deinen Verstand und komme zu deinen Sinnen - lose your mind and come to your senses.
Offenbar ist es nicht so leicht, seinen Verstand auf die Dauer zu verlieren, wenn man einen solchen besessen hat - früher oder später macht er sich geltend. Gegen Ende seines Lebens, ein paar Jahre vor seinem Tod im Jahre 1970, ist er wiedet aktiv geworden. Und eine Ausgeburt von Verstandestätigkeit ist seine Einteilung der Neurose in fünf Schichten.
Er stellt sich „der Neurose“ wie etwas Räumlichem gegenüber und möchte ihre Struktur erkennen.
Er sagt dazu gleich am Anfang eines Vortrags: Ich möchte euch jetzt etwas darüber erzählen, wie ich die Struktur der Neurose sehe. Ich weiß natürlich nicht, wie meine nächste Theorie sein wird, weil ich ständig das, was ich tue, entwickle und immer mehr vereinfache. Ich sehe die Neurose jetzt als etwas an, das aus fünf Schichten besteht.
Jede dieser Schichten, die er bei seiner Theoriebildung gefunden hat, bekommt einen Namen, und einer dieser Namen heißt Impasse, zu deutsch Sackgasse. Von der Sackgasse soll heute die Rede sein.
mehr:
- Was ist ein Impasse? (Vortrag von Robert Schigutt, Jour Fixe der Fachsektion Integrative Gestalttherapie im ÖAGG Wien 20. 3. 2018, PDF)

Fritz Perls - What is Gestalt (1970) - byronevents.net/gestalt {23:42}

Am 05.12.2015 veröffentlicht 
byronevents
Awareness of what is true in the present. Top dog - Under dog dynamics. byronevents.net/gestalt
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GESTALT THERAPY (Simply Explained) {3:53}

Am 15.10.2017 veröffentlicht 
Pinnacle Of Man TM
Gestalt Therapy was created by Fritz Perls. It is an experiential and existential type of therapy. This means it uses present moment techniques to examine the issue clients bring in a phenomenological way. One of the most common techniques is the empty chair technique.
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Was ist ein Impasse?

Fritz Perls hat sein Leben lang abstrahierendes Denken möglichst vermieden. Er hat sich bemüht zu beschreiben, was beobachtbar ist und möglichst im Beobachtbaren zu bleiben, wenn er Veränderungen angestrebt hat. Seinen Wahlspruch kennt ihr ja: Verliere deinen Verstand und komme zu deinen Sinnen - lose your mind and come to your senses.
Offenbar ist es nicht so leicht, seinen Verstand auf die Dauer zu verlieren, wenn man einen solchen besessen hat - früher oder später macht er sich geltend. Gegen Ende seines Lebens, ein paar Jahre vor seinem Tod im Jahre 1970, ist er wiedet aktiv geworden. Und eine Ausgeburt von Verstandestätigkeit ist seine Einteilung der Neurose in fünf Schichten.
Er stellt sich „der Neurose“ wie etwas Räumlichem gegenüber und möchte ihre Struktur erkennen.
Er sagt dazu gleich am Anfang eines Vortrags: Ich möchte euch jetzt etwas darüber erzählen, wie ich die Struktur der Neurose sehe. Ich weiß natürlich nicht, wie meine nächste Theorie sein wird, weil ich ständig das, was ich tue, entwickle und immer mehr vereinfache. Ich sehe die Neurose jetzt als etwas an, das aus fünf Schichten besteht.
Jede dieser Schichten, die er bei seiner Theoriebildung gefunden hat, bekommt einen Namen, und einer dieser Namen heißt Impasse, zu deutsch Sackgasse. Von der Sackgasse soll heute die Rede sein.
mehr:
- Was ist ein Impasse? ( Vortrag von Robert Schigutt, Jour Fixe der Fachsektion Integrative Gestalttherapie im ÖAGG Wien 20. 3. 2018 )


Sonntag, 27. Mai 2018

Die deutsche Psychoszene im Visier des Verfassungsschutzes

Aus den Aufzeichnungen eines Geheimforschers (1)
Himmelfahrt 1985. – Der Chef muß wieder einmal ein Buch gelesen haben, aber ein falsches.[1]Kam angerannt und stauchte uns zusammen, weil wir die Psychoszene nicht im Auge hätten. Und das nach rund zehn Jahren Psychoboom! Meinen Einwand, der Höhepunkt sei wohl schon überschriteten, schmetterte er ab: das habe man vor 15 Jahren auch von der Protestbewegung gesagt, und dann ... (das alte Lied). Außerdem komme die Welle jetzt erst in der Provinz an (bei ihm). Ich versuchte es nochmals: da gehe es doch nur um individuelle Veränderung oder Erlösung. Er konterte: »Aber in Gruppen! Das ist konspirativ!« Der typische Polizistenblick, geschärft durch überholte Devianztheorien: soziales Milieu x plus kognitiver (konspirativer) Einfluß y gleich abweichendes Verhalten z. (Z wie Zufall: rot oder grün oder braun. Oder blau? Schwarz jedenfalls gilt als normal.) Tatsache ist: Wir ersticken in Daten und wissen nichts damit anzufangen. Es fehlt uns ein klares – Feindbild –, auch wenn der Minister das nicht einsehen will. Für ihn beginnt der »gesetzliche Beobachtungsauftrag« links von ihm selbst. Aber was ist links, was rechts, wenn sich K-Gruppen mit Heimatschützern und Naturfreunden gegen ein technisches Großprojekt verbünden? Oder wenn ein Franz Alt im Namen des Friedens gegen Pro familia zu Felde zieht? Mittlerweile ist die »Kartei 2 zur Identifizierung von Personen, die konspirativ tätig sind oder dessen verdächtig«, ins Unermeßliche angeschwollen. Über 16 ooo Personen werden observiert, und in der H-Skala (Persönlichkeitsmerkmale) häufen sich die Banalitäten, von den Trinkgewohnheiten über »gepflegt/ungepflegt/modisch/auffällig gekleidet« bis zum Sexualleben.[2]Warum nicht noch ein bißchen Psychokram dazupacken? Schaden kann’s ja nicht. Dann wissen wir in ein paar Jahren vielleicht, daß der » Westküstenstil« der Gestalttherapie eher Fundamentalisten erzeugt, der »Ostküstenstil« eher Realpolitiker - na bitte!
Ich kenne diese Unterscheidungen natürlich von Gerda, die seit einiger Zeit (englisch ausgesprochen) »Gestalt« macht. Sie betont allerdings, daß die unterschiedlichen Therapiemethoden – ein paar hundert sollen es sein – sich im Rahmen der Humanistischen Psychologie immer mehr vermischen. »Da wächst alles irgendwie zusammen«, sagte sie, »ganzheitlich eben.« Das sind ihre neuen Lieblingswörter: ganzheitlich und wachsen;heilige Namen für das, was in der Gestalt-Gruppe geschieht. Als ich sie kürzlich fragte, wohin sie eigentlich ganzheitlich wachsen wolle (sie ist über vierzig), las sie mir aus einem Buch vor: »Die Leere wich dem blühenden, fruchtbaren Lebensbaum – mit seinen Blüten, Blättern, Vögeln, Eichhörnchen –, und es entstand ein Gefühl des Erfülltseins, des lebendigen Friedens, des Rauschens einer inneren Quelle. Und dann in der Gegenwart zu sein, mit einem hier-und-jetzt daseienden anderen Menschen, der ebenfalls ... «[3]Hier brach sie unvermittelt ab. Klar, daß ich mit dem anderen Menschen nicht gemeint sein kann. Ich werde in ihrer Gruppe auf den ›leeren Stuhl‹, gesetzt und kleingemacht, damit Gerda wachsen kann. Also, das geht mir langsam gegen den Strich. Deshalb habe ich gestern dem Chef ein Psycho-Forschungsprojekt vorgelegt, das nicht nur seine, sondern auch meine Sorgen berücksichtigt: Ich werde Gerda beobachten lassen. Damit sie mir nicht ganz abdriftet in ihre innere Quelle. (Wie hieß doch gleich ihr Therapeut, der so »super« ist?)

[…]

Aus den Aufzeichnungen eines Geheimforschers (4)
Allerheiligen 1985. – Sechs Monate Forschung und Ermittlung haben uns nicht weitergebracht, und der Termin für den Zwischenbericht rückt bedenklich näher. Was soll ich dem Chef hinschreiben – daß das alles nichts bringt? Dann geht er an die Decke. Oder daß die ganze westdeutsche Psychoszene – ein paar Millionen Menschen, schätzungsweise – verdächtig ist? Dann kriegt er einen Infarkt.
Ich glaube immer weniger, daß das, was in der Therapie geschieht, nach außen irgendeine Wirkung hat. Die Leute gehen da hin, wie sie ins Kino oder in die Disko gehen – um etwas zu erleben. Aber was? Ihre Gefühle? In den Protokollen stehen dauernd die Aufforderungen »Geh da rein«, »Laß es raus«, »Du mußt da durch«, und das heißt: »Sei angstvoll«, »Sei wütend«, »Sei schwach«, ja sogar »Sei katatonisch« und »Stirb«. Und dann wird geflennt, getobt, gewinselt, gezittert, gekotzt. Aber geht es dabei um Gefühle oder vielmehr um deren Abschaffung zugunsten irgendwelcher Sensationen im Hier-und-Jetzt? Bei Arthur Janov las ich, daß das »wahre Selbst«, zu dem der Klient durch den Urschrei gelange, ohne jedes gesellschaftliche Interesse sei, indifferent gegenüber allem Streben, Mühen und Hoffen – Reaktionen, die für Janov »neurotisch« sind, »symbolischer Ersatz«.39 Die Therapie soll davon befreien, und solange man in Therapie ist, scheint man auch, indem man solche Gefühle nicht passiv erleidet, sondern aktiv »agiert«, von ihrem Druck befreit zu sein. Gefährlich (gefährdet) wären dann nur diejenigen, die aus der Therapie aussteigen – oder sich ihr überhaupt verweigern.
Aber wie sag ich das dem Chef? Am besten, ich lege ihm zur Illustration ein paar Protokolle bei. Etwa jenes Bekenntnis eines jungen Mannes, der freimütig erzählte – vor der Fernsehkamera!-, er habe in den vergangenen Jahren alles mitgemacht, habe demonstriert und blockiert und sabotiert, an der Startbahn West und anderswo – »und es hat alles nichts gebracht, die Startbahn wird doch gebaut«. Jetzt macht er körperorientierte Selbsterfahrung auf Tantra-Basis und ist heiter und lieb. Der für die junge Generation so typische » Terror des unmittelbaren Wertevollzugs« – ein Ausdruck von Carl Schmitt – wird am eigenen Leib exekutiert: das müßte ich dem Chef klarmachen können!
Was eignet sich sonst noch? Einen brauchbaren Bericht über die »Friedensmeditation« habe ich leider nicht. Unser freier Mitarbeiter war der Sache spirituell einfach nicht gewachsen. (Er behauptete, bei den »kosmischen Flammen« handle es sich um eine Art geistiger Laser-Strahlen zur Abwehr von Raketen – ist der Kerl übergeschnappt? Oder ist er schon infiziert? Schade um die Spesen.) Vielleicht eignet sich als zweites Dokument das Protokoll aus einer Trainingsgruppe »Selbsterfahrung und Menschenführung« (für Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik), wo ein harter Boß buchstäblich verflüssigt wurde. Und als drittes ein ganz harmlos wirkender Fall aus einer Psychodrama-Sitzung, wo die Klientin so weit kommt, aus ihrer devoten Haltung ihrem Mann gegenüber auszubrechen – jedenfalls im Rollenspiel. Also wenigstens ein Beispiel für Widerstand, für Subversion, wie der Chef es sich wünscht! Ich mach gleich mal einen Auszug:
»Patientin klagt, daß sie sich von ihrem Mann völlig entmündigt fühle und daß sie das ganz fertig mache. Damit hänge es auch zusammen, sagt sie, daß sie so viele körperliche Beschwerden habe.
Therapeutfordert sie auf, eine typische Situation zu beschreiben.
Patientinberichtet: Morgens beim Frühstück habe ihr Mann ihr mitgeteilt, er werde heute seine Sekretärin beauftragen, im Reisebüro die Tickets für die geplante Urlaubsreise zu besorgen. Sie habe erwidert, das sei nicht nötig, da sie selbst am Nachmittag mit dem (achtjährigen) Sohn in die Stadt wolle, um Schuhe für ihn zu kaufen. Sie könne dann gleich zum Reisebüro gehen.
Therapeutbittet sie, diese Szene zu spielen. Ein Gruppenmitglied übernimmt die Rolle des Ehemannes. Dann wird ein Rollenwechsel vorgenommen.
Patientin(in der Rolle des Mannes): ›Du hast doch genug zu tun mit dem Schuhkauf. Wenn du weißt, daß du noch etwas anderes erledigen mußt, läßt du dir womöglich nicht-passende Schuhe aufschwätzen. Und wer weiß, wie lange es dauern würde, bis du im Reisebüro klarkamst, Dafür ist meine Sekretärin wirklich kompetenter als du, Schatz ... ‹
Therapeutfordert die Patientin auf, zu sagen, wie sie sich fühle.
Patientin: ›Immer wird mir unter die Nase gerieben, daß andere tüchtiger sind als ich ... Ich bin schon wieder ganz fertig ... ‹ Sie berichtet dann, daß sie sich als ihr Mann ganz anders gefühlt habe, nämlich selbstsicher und stark.
Therapeutführt einen Doppelgänger ein, der in der Rolle der Patientin mit dieser selbst einen Dialog führt.
Doppelgänger: ›Jetzt habe ich schon wieder Angst. Warum bloß?‹ 
Patientin: ›Ja, warum bloß? Mein Mann ist doch kein Ungeheuer.‹
Doppelgänger: ›Nein, wirklich nicht. Deshalb könnte ich doch jetzt mal offen mit ihm reden.‹
Patientin: ›Eigentlich schon ... ‹
Doppelgänger: ›Eigentlich schon, aber irgendwie schaffe ich es nicht. Vielleicht will ich auch nicht richtig ran. Es hat ja auch was für sich, wenn einem immer alles abgenommen wird.‹ 
Patientin(protestierend): ›Nein, davon habe ich genug.‹ (Zum imaginierten Ehemann gewandt:) ›Ich habe genug davon, von dir wie ein Kind behandelt zu werden, hörst du, endgültig genug.‹«[4]
Fragt sich nur, ob es dazu wirklich einer Therapie bedarf. Wenn ich da an Gerda denke! Übrigens habe ich über Gerdas Therapieleistungen immer noch kein Protokoll bekommen, sie wechselt ihre Leib- und Seelsorger zu oft. Im Sommer besuchte sie in Italien einen Workshop »Corpographic: Pantomime und Bioenergetik« und kam etwas verbogen zurück. Dann war plötzlich Bauchtanz das Heißeste. »Weißt du«, sagte sie fromm, »das ist auch ein Stück weit Therapie.« (Ich würde es bei ihr eher eine Mutprobe nennen.) Als nächstes kam ein Tarot-Kurs, angeregt durch die Lektüre von Timothy Learys Spiel des Lebens (1984), wo die 24 Tarot-Karten mit den 24 Aminosäuren des genetischen Codes, den zwölf Sonnenzeichen der Astrologie und einigen anderen Dutzendwaren analogisiert werden. Gerda liegt wirklich voll im Trend. Dann wollte sie – im »Mondjahr« – unbedingt noch eine »nasse Wiedergeburt« erleben (oder war es sogar eine Past-livesTherapie?), bekam aber keinen Geburtshelfer. Und jetzt hat sie, weil ihr alles andere zu labberig sei, eine »sehr harte« Primärarbeit begonnen. »Da kommt alles raus – über uns beide!« Hm. »Und wenn ich da durch bin«, schmeichelte sie, als ich den Scheck unterschrieb, »bin ich bestimmt wie neugeboren.« Naja.

[…]

Aus den Aufzeichnungen eines Geheimforschers (5)
Heiliger Abend 1985. – Großer Krach im Amt. Der Chef hat mich zu sich bestellt und mir meinen Zwischenbericht um die Ohren gehauen. Ob ich denn von allen guten Geistern verlassen sei, ein Managerseminar beobachten zu lassen! Daß da nichts Subversives geschehe, zeigten doch schon die hohen Kursgebühren. Meinen Einwand, auch eine ordentliche Wiedergeburt sei nicht eben billig, wischte er knurrend weg: ich hätte wohl noch nie etwas davon gehört, daß Sensitivity-Trainingsgruppen in den USA schon seit langem von der Großindustrie und der Regierung gefördert würden und jetzt endlich auch in der Bundesrepublik Fuß faßten. (Er sagte zünftig ›T-groups‹ und dachte dabei sicher an Tee.) »Aber das ist keineswegs alles«, schnaubte er weiter. »Hier: die Frau eines Ministers zu bespitzeln – das ist ja der Gipfel! Könnte mich meine Stellung kosten. Und Sie natürlich auch.« Er meinte die Psychodrama-Dame, die sich aus der Bevormundung durch ihren Mann befreien will. Anscheinend hat er in ihr jemand wiedererkannt. Aber Frauen, auf die die erwähnten Merkmale zutreffen, gibt es sicher wie Sand am Meer. Ich stotterte, ich hätte keine Ahnung gehabt, daß ... »Keine Ahnung? Dann forschen Sie gefälligst nach!« Das war ein Eigentor, er merkte es und polterte weiter. Als ich schließlich fragte, ob wir die Beobachtung der Psychoszene einstellen sollten, trotz Friedensmeditation usw., sagte er: »Natürlich, die sind doch alle verrückt – äh, ich meine harmlos, ganz normal! Beobachten Sie lieber die anderen, die nicht zur Therapie gehen. Davon wird es ja auch noch welche geben!« – »Ja«, sagte ich beschämt, »eine ganze Menge.« – »Na also – das ist doch verdächtig!« Damit war ich in die Weihnachtsferien entlassen. Ich habe die gesammelte Psycho-Literatur ins Auto gepackt und nach Hause gefahren, für Gerda. Und nachher, wenn am Baum die Kerzen brennen, werde ich sie mit einer Frohbotschaft überraschen: daß ich jetzt auch eine Therapie brauche. Beim selben Therapeuten wie sie, Primärarbeit, aber in einer anderen Gruppe (hoffentlich ist bald ein Platz frei). Dann werden wir vielleicht gemeinsam gesund werden. Oder verrückt.

gnadenlos abgeschrieben aus:
Karl Markus Michel, Im Bauch des Wals – Abgesang auf die gesunde Persönlichkeit in: Kursbuch 82, Die Therapie-Gesellschaft, Kursbuch / Rotbuch Verlag, November 1985



[1] Möglicherweise handelt es sich bei dieser Lektüre um ein zehn Jahre altes Kultbuch aus Amerika, das 1982 auch auf deutsch erschienen ist: Theodore RoszakDas unvollendete Tier. Im letzten Abschnitt schwärmt Roszak von der »echten Freundschaft der Seelen ... , deren Ziel die gegenseitige Erleuchtung ist ... In manchen Fällen ist in unserer Gesellschaft das Verhältnis zum Ashram oder zu der entsprechenden therapeutischen Gruppe aufrichtiger und herzlicher als zu jeder anderen Sozialform ... Ob diese Konstellation im Einzelfall zu einer Hinwendung zum Sufismus oder Mystizismus, zur Psychosynthese oder zum Zen führt, ist nebensächlich. Das ist eine Frage des persönlichen Stils, die an der Tatsache nichts ändert, daß hier eine allgemeine Kultur als einzigartige politische Kraft auf unsere Welt einwirkt: als die Kraft der kreativen Desintegration, die aus menschlichen ›Restbeständen‹ und dem Tode geweihten Institutionen gesunde Gemeinschaften macht.« (rororo-Ausgabe 1985, S. 304f., 308).
[2]  Vgl. Der Spiegel Nr. 25, 1985, S. 22f.
[3]  So schildert Ruth Cohn, die Erfinderin der Themenzentrierten Interaktion, ihren Zustand nach einem Impass-Erlebnis mit Fritz Perls, dem Vater der Gestalt-Therapie; in: Alfred Farau / Ruth C. Cohn, Gelebte Geschichte der Psychotherapie, Stuttgart 1984, S. 308.
[4]  Hier liegt eine Fälschung vor. Dieses angebliche »Protokoll« hat ein V-Mann ungeniert (mit gewissen Veränderungen) aus einem Aufsatz von Helga Heike Staub abgeschrieben: »Was ist Psychodrama?«, in Neue Formen der Psychiatrie, psychologie-heute-Sonderband, Winheim 1980, S. 127 f.

siehe auch:
- Verpasste Chance, verlorenes Jahrzehnt (Uwe Wittstock, Welt, 03.02.2001)
Karl-Markus Michel: Ein critischer Geist (Michael Naumann, Tagesspiegel, 15.11.2000)

Donnerstag, 17. Mai 2018

Mahamudra: Offen und entspannt

Wach und präsent ruhen wir in der unmittelbaren Wahrnehmung. So erscheinen Entzücken und Knieschmerzen, Bergumrisse und Farben, Husten und Motorengeräusche, Kommentare und Erkenntnisse, Ängste und Freuden im offenen Raum des Gewahrseins, ohne Verstrickung, ohne Bewertung.
Offen und entspannt, lautet die Anweisung. Das heißt auch gelassen – und zwar liebevoll gelassen, soweit es uns möglich ist. Annehmend, auch wenn es infolge von Geräuschen oder Gefühlen oder Körperempfindungen unangenehm ist. Nicht anhaftend, auch wenn sich die Dinge angenehm anfühlen. Mit voller Zuwendung, auch wenn die Erfahrungen neutral sind, nicht besonders toll, aufregend oder mühsam. Es ist die uneingeschränkte Bereitschaft, mit allem frisch in Tuchfühlung zu bleiben – allzeit im Wandel, immerzu neu und wach dabei – ein flexibles Präsent-Sein, das wir immer wieder üben. Das klingt einfach, ist aber anspruchsvoll und kann nicht erzwungen werden. Deshalb gehen wir in Retreats. Deshalb heißt das Ganze auch »Praxis«.

siehe auch:
Meditation: Geistesruhe und Einsicht (Post, 07.03.2018)

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Vipassanā (pali „Einsicht“) bezeichnet im Buddhismus die „Einsicht“ in die Drei Daseinsmerkmale Unbeständigkeit (anicca), Leidhaftigkeit bzw. Nichtgenügen (dukkha) und Nicht-Selbst (anatta).[1]
Der Übungsweg zur Entfaltung dieser Einsicht wird „Vipassana-Meditation“ (vipassanā-bhāvanā), „Einsichtsmeditation“ oder „Vipassana-Praxis“ genannt.[2] Vipassana-Praxis ist ein Weg, um das durch Nichtsehen (avijjâ) und Verblendung (kilesa) verursachte Leiden (dukkha) zu überwinden bzw. im Leben die Befreiung des Nirwana zu erlangen. Er wird auf einen Kommentar (Visuddhi-Magga) zu den im Pali-Kanon überlieferten Lehrredendes historischen Buddha zurückgeführt.
Die Vipassana-Praxis und das Erreichen ihrer Ziele ist grundsätzlich an keine Religionszugehörigkeit gebunden. Vipassana-Meditation wird auch von Nicht-Buddhisten geübt und gelehrt. Wesentlicher Teil der verschiedenen Schulungsmethoden ist die Übung von Achtsamkeit (sati). In der psychologischen Literatur wird Vipassana-Meditation gewöhnlich „Achtsamkeitsmeditation“ statt Einsichtsmeditation genannt.[3]
[Vipassana, Wikipedia, abgerufen am 08.03.2018]
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Der Mahamudra-Ansatz wird oft auch als die Essenz der Lehren Buddhas (Dharma) bezeichnet und mag in seinen drei Bedeutungsebenen unter günstigsten Umständen innerhalb einer einzigen Lebensspanne zur Erleuchtung führen. Die damit eintretende Erkenntnis wird auch als „Erkennen der höchsten Wirklichkeit“, „Erkennen der Natur des Geistes“ oder schlicht als „Erkennen der Buddha-Natur“ bezeichnet. In diesem vollkommenen Zustand sind alle dualistischen Geistes-Konzepte überwunden, die dauerhafte Erfahrung einer „absoluten Wirklichkeit“, gleichbedeutend mit „höchster Weisheit“ tritt ein.
Man findet in der klassischen tibetischen Literatur daher auch die Umschreibung, „bei Erlangung der Mahamudra trage alles das Siegel der absoluten Natur“ oder „alle Phänomene erscheinen als Elemente des Weisheits-Mandala des Geistes“. Diese Einsicht ist nicht verschieden von der Erkenntnis der im Herz-Sutra des Mahayana-Buddhismus beschriebenen Prajnaparamita, der sogenannten vollkommenen Weisheit, der höchsten Erkenntnis aller Buddhas.
[Mahamudra, Essenz der Lehren Buddhas, Wikipedia, abgerufen am 08.03.2018]
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Die Lehre der Mahamudra basiert auf verschiedenen Stufen meditativer Praxis, den sogenannten „Vier Yogas der Mahamudra“:
1. Die Entwicklung eines einsgerichteten Geistes,
2. Die Transzendierung konzeptueller Vorstellungen,
3. Die Kultivierung der Sicht, dass alle Phänomene von grundlegend nichtdualer Natur, „ein Geschmack“ sind,
4. Die Frucht des Pfades, der jenseits der Anstrengung der Meditation liegt.
Es wird gesagt, dass durch diese vier Stufen der Praktizierende die vollständige Verwirklichung der Mahamudra erlangt.
[Mahamudra, Essenz der Lehren Buddhas, Wikipedia, abgerufen am 08.03.2018]
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